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Schafe sind in Solarfarmen beliebte Rasenmäher. © cc-by Marco Verch/CCNull

Vierbeinige Rasenmäher: Solarfarmen setzen auf Schafe

Daniela Gschweng /  In den USA setzen immer mehr Solarfarmen auf Schafe. Die wetterfesten Helfer bieten Landwirten neue Einkommensquellen.

Der Texaner Chad Raines hat im vergangenen Jahr eine berufliche Neuorientierung vollzogen – statt Baumwolle anzubauen, vermietet er nun Schafe an Solarparks in der Umgebung. Mit beachtlichem Erfolg: Im vergangenen Jahr erwirtschaftete er durch den Schafverleih und den Verkauf von Lämmern rund 300’000 Dollar Gewinn. Der Baumwollanbau hätte ihm 2024 einen Verlust von etwa 200’000 Dollar beschert.

Der texanische Bauer ist Teil eines Trends in der amerikanischen Landwirtschaft. Laut der American Solar Grazing Association (Solarbeweidungs-Verband) beweideten im Oktober 2024 bereits 113’000 Schafe rund 52’000 Hektaren Solarfläche in den USA – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 80’000 «Solar-Schafen» im Januar.

Das ist zwar nur ein kleiner Anteil des Gesamtbestands. In den USA gibt es rund 5 Millionen Schafe. Ihre Zahl ist seit 2016 aber erstmals wieder gestiegen.

Schafe sind günstiger und praktischer als Mähmaschinen

Auch für die Photovoltaik-Betreiber sind die vierbeinigen Rasenmäher ein gutes Geschäft. Eine Solarfarm von Shell in Georgia hat sogar ihr eigenes Schafzuchtprogramm aufgelegt.

Die Anfangsinvestitionen bei der Schafbewirtschaftung können etwas höher sein, sagt Reagan Farr, Chef einer Solarfarm in Tennessee. An einigen Orten müsse man Brunnen bohren oder Zäune bauen. Dennoch spare das Unternehmen gegenüber der konventionellen Bewirtschaftung mit Mähmaschinen ein Fünftel der Kosten. Wenn man die Tiere nicht durchs halbe Land transportieren und Wasser nicht im Tankwagen heranschaffen müsse, seien Schafe günstiger als Maschinen.

Mähmaschinen müssten natürlich betankt werden – teilweise an einer Tankstelle in einiger Entfernung. Sie haben Fahrerinnen und Fahrer, die Wochenenden und Ferien haben. Und der Einsatz benzinbetriebener Maschinen auf einer Anlage zu sauberer Energieerzeugung ist auch etwas paradox.

Stabiles Einkommen und eine Chance für Junge

In Indiana und Illinois hat der Solarbeweidungs-Trend dafür gesorgt, dass junge Leute ohne viel Kapital in die Landwirtschaft einsteigen. «Es ist ein stetiges Einkommen. Und wir können über den Preis verhandeln», erklären Marcus und Jess Gray aus Virginia, die ihre 900-köpfige Herde auf 1619 Hektaren Solargelände einsetzen.

Anders als beim klassischen Ackerbau seien sie nicht den schwankenden Saatgutpreisen ausgeliefert. Das erklärt zum Teil, warum PV-Schafe für die US-Landwirte so attraktiv sind. Die Baumwollpreise sind in zwei Jahren um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Und wer in den USA Mais und Sojabohnen anbaute, hatte so wenig Einkommen wie seit 2010 nicht.

JR Howard, ein anderer Texaner, beweidet mit seinem Unternehmen Texas Solar Sheep unter anderen die fünftgrösste Solarfarm der Welt in Milam County. Sie erzeugt auf 1600 Hektaren bis zu 900 Megawatt sauberen Strom. Der Kleinbetrieb aus Ökorasenmähern hält 8000 Schafe und beschäftigt 27 Mitarbeitende. Die Nachfrage ist so gross, dass er nicht alle Aufträge annehmen kann.

Solarbeweidung liegt weltweit Trend

Solarbeweidung gibt es nicht nur in den USA. In Grossbritannien beispielsweise werden 1600 Hektaren Solarfläche von 4000 Schafen beweidet. Über 40 Jahre spart das 5 Millionen Pfund für Heu. Und in Portugal hat der Energiekonzern Iberdrola 300 Schafe in seinem Photovoltaik-Park «installiert». In Bayern gibt es sogar eine spezielle «Verordnung für die Beweidung von Photovoltaik-Anlagen mit Schafen».

Neben wirtschaftlichen Erfolgen zeigen erste Untersuchungen auch ökologische Vorteile: Die Schafe sind nicht nur praktischer, weil sie an Stellen kommen, die für Mähmaschinen schwer zugänglich sind. Die Beweidung verbessert auch die Bodenqualität. Die Module spenden den Schafen Schatten. Der Boden trocknet weniger aus, und die Tiere tragen mit ihrer Wolle Samen von einem Ort zum anderen. Und nicht nur Schafe, auch Bienen fühlen sich in Solarfarmen wohl. Agri-PV, also der parallele Anbau von Obst oder Wein, ist eine weitere Nutzungsmöglichkeit.

Nicht überall stösst das Konzept auf Zustimmung

Für die Landwirtschaft eröffnet der Solarbeweidungs-Ansatz neue Perspektiven – ein Konzept, das nicht überall auf Zustimmung stösst. In Deutschland verhinderten zuletzt die Parteien BSW und AfD ein ähnliches geplantes Projekt in Mecklenburg-Vorpommern. Die Begründung: Solarfarmen seien schlecht für die Landwirtschaft.

Für Schafhalter wie Chad Raines bleibt die Zukunft ungewiss. Einen Teil seiner Einnahmen verdankt Raines Nachhaltigkeits-Subventionen, von denen er nicht weiss, ob sie unter der aktuellen Trump-Regierung Bestand haben werden.


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9 Meinungen

  • am 25.03.2025 um 11:12 Uhr
    Permalink

    Fantastisch und spannend. Ich kann aber einmal mehr nicht unbemerkt lassen, dass auch in diesem Artikel von «weltweit» geschrieben wird, wenn USA und Westeuropa gemeint sind.

  • am 25.03.2025 um 12:20 Uhr
    Permalink

    Mir fehlt da der detaillierte Vergleich bezüglich Umwelt, also CO2 usw. Das ganzer Programm bis zur Schlachtung/Verwertung der zusätzlichen Schafe.

  • am 25.03.2025 um 13:39 Uhr
    Permalink

    Den Vorschlag «Schafe als Rasenmäher» oder noch besser «unberührte Natur wachsen lassen» veröffentliche ich seit Jahren betreffend «Wohnquartiere» in der Schweiz, wo man bisher – gerade in den warmen Monaten, wo man noch länger essenziell die Fenster öffnen möchte – mit Rasenmähern, Laubbläsern & Co. konfrontiert ist, diesen unterliegt. Ich möchte im motorenfreien Paradies wohnen in Waldbadenluft (Chlorophyllfüllemaxima).
    Für Redaktion Infosperber: https://renature.webnode.page/

  • am 25.03.2025 um 15:57 Uhr
    Permalink

    Wenn der Nutzen von Tieren rentabler wird, als der Nutzen von Maschinen, sollte dringendst beachtet werden, dass es sich bei Tieren um lebendige, fühlende Lebewesen handelt. Mit der Sicht auf Profit, verschwinden bekanntlich meist die Bedenken, weil das Leiden dann ja anderswo statt findet.
    Eigentlich traurig, dass dieser Beitrag über diese wertvollen Tiere, nur noch durch ein künstlich erstelltes KI Bild begleitet wird. Jegliches Natürliche scheint wohl immer mehr und dies bewusst, ausgeklammert zu werden.

    • cropped-CHRISTOPH_MG_9177-bearb.png
      am 26.03.2025 um 09:10 Uhr
      Permalink

      Ich habe mich auch ab dem KI-Bild gestört. Da dieses nicht als KI-Bild gekennzeichnet ist, vermute ich jedoch eher, dass dies unbewusst geschehen ist. Bildredaktionen von Zeitungen, die den Anspruch auf seriösen Journalismus erheben, sollten generell auf KI-Bilder verzichten, die – wie in diesem Fall – mit Fotografien verwechselt werden können.

      • Portrait Daniela Gschweng.Michael Conny Geiger x
        am 26.03.2025 um 09:24 Uhr
        Permalink

        Guten Tag Herrr Schütz, das Titelbild stammt von einer Bildagentur. Ich machte das transparent, indem ich die Quelle verlinke. Ob ein Bild KI-generiert ist, gibt diese nicht an. Ich machte diese Deklaration deshalb ebenfalls nicht, weil ich nicht sicher unterschieden kann, bei welchen Bilder KI eingesetzt wurde und wo nicht.

      • cropped-CHRISTOPH_MG_9177-bearb.png
        am 26.03.2025 um 10:59 Uhr
        Permalink

        Bei der Agentur CCNull, von der das Bild stammt, ist unter den Informationen zu diesem Bild zu lesen: «Dieses Bild wurde mit Unterstützung einer generativen KI erstellt.» Dass man dies nicht auf den ersten Blick sieht (z.B. mit einem KI-Hinweis auf dem Bild selber) ist natürlich ein strategischer Entscheid des Agenturbetreibers. Das Geschäftsmodell von CCNull.de wäre übrigens einen eigenen Artikel in infosperber wert…

      • am 26.03.2025 um 21:26 Uhr
        Permalink

        Man muss herumklicken um den KI-Verweis zu finden. Mir kam das «Foto» gleich komisch vor; vielleicht ist der unscharfe Hintergrund real fotografiert und nur das hyperrealistische Schaf im Vordergrund KI-generiert. Zum Glück sind viele Bild-KIs noch so verkitscht, dass man es erkennen kann.

  • am 27.03.2025 um 07:18 Uhr
    Permalink

    «War dieser Artikel nützlich?» – JA, aber für mich aus etwas ‹allgemeinerer› Perspektive. Schon die Wortschöpfung «PV-Schafe» spannt einen gewaltigen Bogen menschlichen Handelns. Sodann zeigt Wolfgang Reuss auf den allgegenwärtigen Irrsinn des «Rasenmäher-Terrors» hin, aber was sollen Millionen Vorgartenbesitzer mit ihrem geliebten Rasen machen – 1 Schaf halten ? Geht nicht, und sozialer Fortschritt ist es ja, wenn so viele Leute das haben.Barbara Vögeli zeigt aber auf die Kehrseite der PV-Schafe : die Ignoranz des Lebendigen.Was nun?Beide haben recht, wo liegt die Lösung? Das Kernproblem ist offenbar die nicht begrenzbare Dominanz der Spezies Mensch mit ihrem Anspruchsmodell. In der «Sapienslosen Natur» regelt sich das analoge Problem auf «bekannte» Weise. Und siehe da, wir sind davon schon nicht mehr weit entfernt -wenn man den Rüstungs- und Kriegs-Irrsinn betrachtet. Also DOCH kein Irrsinn? Sondern der holprige Weg auf ein neues Gleichgewicht ?

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