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Chris Barber von Barber's Farmhouse Cheesemakers © Barber's /Farmer's Weekly

Traditionskäserei kühlt mit frisch gemolkener Milch

Daniela Gschweng /  Möglich macht es eine Wärmepumpe, die der Cheddar-Käserei Geld spart und die Umwelt mit weniger CO2 belastet.

Seit 1833 macht die Barber-Familie im Südwesten Englands Cheddar-Käse. Barber’s Farmhouse Cheesemakers ist laut seiner Website die älteste Cheddar-Käserei der Welt. Die Barbers besitzen die «letzten noch verbliebenen traditionellen Käsekulturen des Landes». Das ist wichtig in der Käserei, sonst schmeckt der Käse nicht, wie er soll.

Zum Geschmack beitragen dürfte auch die Haltung der 2500 Kühe, die auf rund 1200 Hektaren grünen Wiesen im Südwesten Englands grasen. Alles sehr traditionell also. Das hindert die Familie nicht daran, Neues auszuprobieren.

Die frische Milch kühlt sich quasi selbst

Die jüngste Innovation im Betrieb ist eine Wärmepupme. Oder besser gesagt: Mehrere Wärmepumpen, die sich die sehr unterschiedlichen Temperaturbedürfnisse der Käserei zu Nutze machen: Wer Milchvieh hat, benötigt viel heisses Wasser. Zum Säubern der Gerätschaften, Waschen der Euter, Reinigen der Milchbehälter. Gleichzeitig muss die frische Milch gekühlt werden. Ein Gegensatz, den man nutzen kann – mit einer Wärmepumpe.

Das Prinzip ist einfach: Frisch gemolkene Milch hat etwa die Körpertemperatur der Kuh. Die Wärmepumpe entzieht ihr so viel Energie, dass man damit Wasser auf 92 Grad erhitzen kann. Die frisch gemolkene Milch kühlt sich dabei auf weniger als 2 Grad ab. Die Milch kühlt sich mit ihrer Wärme also fast von selbst.

Das ist weniger exotisch, als es klingt. Wärmepumpen lassen sich grob in drei Gruppen einteilen: Luft-Wasser-, Erdwärme- und Wasser-Wasser-Wärmepumpen. Alle drei Typen machen sich einen Temperaturunterschied zu Nutze, um Energie zu erzeugen. Warum also nicht die Wärme von frischer Milch nutzen?

Eine gute Idee clever genutzt

Warme Milch sei «eine verlässliche Energiequelle. Immer, wenn gemolken wird», sagt Kumo Sharma, der Gründer des Start-Ups Arkaya, das die preisgekrönte Milch-Wärmepumpe vertreibt. 27 der Heiz-Kühl-Anlagen hat Arkaya seit 2024 in Grossbritannien verkauft, bis Ende des Jahres sollen laut dem «Guardian» 34 weitere hinzukommen.

Eine Anlage kostet ab 25’000 Pfund (27’500 Franken). Derzeit arbeitet das Start-Up daran, noch mehr Milchbauern in Grossbritannien zu überzeugen. Mittelfristig will man nach Irland und in die EU expandieren. Und vielleicht irgendwann in die umfangreiche Milchindustrie der USA.

Wärme aus dem Kuhstall nutzbar zu machen, ist dabei keine neue Idee. Aber ein sehr cleverer Einfall für eine Käserei, weil die verschiedenen Bedürfnisse so nahe beieinander liegen. Barber’s nutzte schon vor dem Austausch eine moderne Wärmerückgewinnungsanlage, die Wasser mit der Abwärme der Milch vorwärmte und die Milch kühlte. Die Anlage benötigte aber einen zusätzlichen Heizkessel. 2024 installierte Barber’s die erste Wärmepumpe. Drei der sieben Melkstände des Barber-Betriebs sind derzeit damit ausgestattet.

Grüner Cheddar-Cheese und niedrige Energiekosten

Damit spare die Barber-Familie rund 70’000 Pfund (77’000 Franken) im Jahr, sagt Alfie Barber, der in siebter Generation in der Käserei arbeitet. Dieses Jahr könnten es wegen der hohen Energiepreise sogar mehr sein, erklärt er gegenüber «Canary Media». Bereits nach zwei Jahren habe sich eine Anlage amortisiert – das sei sehr rasch. Der Traditions-Cheddar aus Südwest-England wird damit sogar grüner: Der Betrieb spare 66 Tonnen CO2 pro Jahr ein.

«Es funktioniert, verdammt!», sagt Alfies Vater und Betriebsleiter Chris Barber. «Ein wunderbares Gefühl … wenn wir Energie sparen, Kosten senken und unseren CO₂-Fußabdruck verringern können.» Man sei auf eine Zukunftstechnologie gestossen. Bis 2028 will der Betrieb alle Melkstände mit Wärmepumpen ausrüsten.

Wie die Arkaya-Anlage genau arbeitet, bleibt ein Geheimnis. Details will Sharma gegenüber dem «Guardian» nicht nennen. Welches Kühlmittel die innovative Wärmepumpe verwendet, möchte er ebenfalls nicht preisgeben. Bilder auf der Website von Barber’s zeigen eine Ansammlung von Boilern und Leitungen, die jeder kennt, der eine Wärmepumpe zu Hause hat.
«Farmer’s Weekly» hat mehr Zahlen zur Wirtschaftlichkeit. Auf der Website von Arkaya gibt es Diagramme über Barber’s Energiekosten-Ersparnis und ein kurzes Video mit einem Rundum-Blick über den Betriebsraum.


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