Banken bla bla

In ihrer Werbung macht sich die Postfinance über das «Banken-Blabla» lustig. Dabei ist sie selber Meisterin des «Blabla». © Postfinance auf youtube.com

Der langen Rede kurzer Sinn: Die Postfinance will an unser Geld

Marco Diener /  Grosse Firmen beschäftigen viele Mediensprecher. Wozu nur? Damit sie Unsinn verbreiten? Und erst noch unverständlichen?

Kürzlich schrieb die Postfinance in einer Medienmitteilung, «mit der Strategie 2025 bis 2028» stelle sie «die finanziellen Bedürfnisse und die Zufriedenheit ihrer Kund:innen noch stärker in den Fokus. Und weiter: «Die Kundensegmente Privatkund:innen und Firmenkund:innen sowie die Schaffung von optimalen Kundenerlebnissen stehen dabei im Vordergrund.»

«Optimale Kundenerlebnisse»

Das klingt gut. Aber natürlich wüssten die Kunden der Postfinance gerne, was diese «optimalen Kundenerlebnisse» sind. Doch das finden wir nirgends.

Lesen wir trotzdem weiter:

«Mit zwei klaren Vertriebsunits – Privatkunden und Firmenkunden – und einer auf Kundenerlebnisse fokussierten Unit – Customer Experience – setzt Postfinance ein klares Zeichen, dass sie ihre Beratungs- und Servicequalität weiter stärken will. Ihre Privatkund:innen begleitet Postfinance mit bedarfsgerechten Angeboten entlang von Lebensphasen und -ereignissen. Firmenkund:innen unterstützt Postfinance im betrieblichen Alltag und bei der Digitalisierung und Vereinfachung ihrer Zahlungsprozesse.»

Bis da dürfte auch der geneigte Leser wenig verstanden haben. Lesen wir also weiter:

«Mit der Etablierung der Stabstelle Segment & Sales Steering stellt das Finanzunternehmen eine datengetriebene Steuerung der Kundensegmente und Vertriebskanäle sicher. Bei den Units mit Querschnittsfunktionen wie Finance, Risk, Compliance & Legal sowie IT & Operations setzt Postfinance auf Kontinuität.»

Spätestens hier stellt sich die Frage, ob der Schreiber selber verstanden hat, was er da alles schreibt. Weiter geht’s:

«Die Units bleiben weitgehend unverändert bestehen und sorgen weiterhin für Sicherheit und Stabilität. Die Unit Corporate Development stellt eine kontinuierliche und nachhaltige Entwicklung und flexible Ausrichtung von Postfinance auf dem Markt sicher.»

Schön, dass Sie durchgehalten haben, lieber Leser, liebe Leserin. Denn das war wirklich schwere Kost.

Es muss mehr Geld her!

Aber das Durchhalten hat sich gelohnt. Denn was die Postfinance wirklich will, zeigt sich erst im zweitletzten Abschnitt der Medienmitteilung:

«Mit der angepassten Organisationsstruktur reagiert Postfinance auch auf Veränderungen im Marktumfeld und auf die volatile Zinsentwicklung. Für Postfinance, deren Erträge stark vom Zinsgeschäft abhängen, erschweren sinkende Zinsen die Aussicht auf eine Erholung der Margen. Mit dem geschärften Fokus auf das zinsindifferente Geschäft und der Neuausrichtung der Organisation kann Postfinance dieser Zinsentwicklung positiv entgegnen.»

Mit anderen Worten: Das Geschäft läuft nicht mehr rund. Die Kunden sollen ausgepresst werden. Denn es muss mehr Geld her!

Um «Kundenerlebnisse» und um die Begleitung der Kunden «mit bedarfsgerechten Angeboten entlang von Lebensphasen und -ereignissen» geht es eher weniger.

Dass das Geschäft nicht mehr rund läuft – das zeigen auch die Zahlen der Postfinance. Letztes Jahr machte sie gerade noch einen Gewinn von 120 Millionen Franken. Drei Jahre davor war der Gewinn noch fast doppelt so gross gewesen: 223 Millionen. Das hat damit zu tun, dass der Erfolg aus dem Zinsdifferenzgeschäft in diesem Zeitraum um über 100 Milliarden Franken geschrumpft ist. Und da will die Postfinance mehr herausholen.

Das hätte sie ja gleich so sagen können.

Newsletter Balken gelb

Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
_____________________
➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren SPENDEN möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.

Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:



_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

War dieser Artikel nützlich?
Ja:
Nein:


Infosperber gibt es nur dank unbezahlter Arbeit und Spenden.
Spenden kann man bei den Steuern in Abzug bringen.

Direkt mit Twint oder Bank-App



Spenden

4 Meinungen

  • am 2.04.2025 um 11:56 Uhr
    Permalink

    So wie dieser Text ist die Postfinance geworden: Abgehoben, unverständlich, komplex und unpersönlich. Schade.

  • am 2.04.2025 um 12:26 Uhr
    Permalink

    Wer glaubt, dass eine Bank etwas anderes als unser Geld will, der ist absolut offensichtlich extrem naiv und sollte in sich gehen… Wer sich von solcher Werbung beeinflussen lässt sollte dringend psychologische Unterstützung holen.

    Geht alles in die selbe Richtung, wie der andere IS-Artikel «Wir haben einen Pakt mit dem Teufel geschlossen».

    Werbung ist immer manipulativ, das ist das Urwesen von Werbung. Und Werbung ist das Urwesen der Natur – wer es nicht glaubt, sollte mit offenen Augen und Ohren einen Frühlingsspaziergang unternehmen…

  • am 2.04.2025 um 13:09 Uhr
    Permalink

    Kundenfreundlichkeit, Kundenbedürfnis und -service sowie Fachkompetenz bei Anlageprodukten: all dies kann Postfinance nicht. Mansplaining und Schaumschlägerei dagegen sehr gut. Wir haben den größten Teil unserer Gelder bei Postfinance mit guten Gründen abgezogen. Für alles, was über ein Girokonto hinausgeht, empfehle ich eine Bank. Das war mal anders.

Ihre Meinung

Lade Eingabefeld...