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		<title>infosperber - Shoutem Feed!</title>
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					<title>«Zugriff auf die grössten Ölreserven» – und kein Wort vom Klima</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/energieproduktion/zugriff-auf-die-groessten-oelreserven-und-kein-wort-vom-klima/</link>
					<pubDate>Fri, 04 Sep 2026 07:50:54 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="181" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-03-um-17.59.00-e1788451723338-300x181.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Bildschirmfoto 2026-09-03 um 17.59.00" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-03-um-17.59.00-e1788451723338-300x181.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-03-um-17.59.00-e1788451723338-1024x616.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-03-um-17.59.00-e1788451723338-768x462.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-03-um-17.59.00-e1788451723338.png 1047w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Beim Venezuela-Deal redet niemand vom Klima. Nur von günstigerem Benzin oder US-Kolonialismus. Doch das Öl muss im Boden bleiben.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">«Wenn wir die Klimaziele von Paris ernst nehmen, dann sollten bisher noch nicht erschlossene Ölreserven im Boden bleiben», erklärt Reto Knutti gegenüber Infosperber. Knutti ist Professor am ETH-Institut für Atmosphäre und Klima.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem werden auf der halben Welt neue Erdölfelder erschlossen. Neuentdeckte Ölfelder verbreiten Medien als frohe Botschaften – ob in Argentinien, Brasilien, vor der Küste von Namibia, in der Nordsee, westlich der Shetland-Inseln oder vor Norwegen. Die Aktienkurse von Firmen, die am Ölgeschäft verdienen, steigen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Grösster Ölfund an der Ostsee! Chance für Polen», verkündete beispielsweise «NDR» vor einem Jahr. Die polnische Regierung sprach von einer «historischen Chance».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt sollen US-Konzerne die weltweit grössten Erdölreserven der Welt in Venezuela weiter erschliessen. Dass dabei gegen die vereinbarten Klimaziele verstossen wird, thematisieren grosse Medien weder in den USA noch in Europa.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das CO<sub>2</sub> ist bei neuen Erdöl-Funden kein Thema – übrigens auch bei den weltweit geführten Kriegen nicht.</p>



<p class="has-large-font-size wp-block-paragraph"><br><strong>Die News von Trumps Erdöl-Deal</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">«Die USA greifen nach Venezuelas Öl», lautete eine Schlagzeile der «NZZ». «Trump behauptet, nun würden die Benzinpreise sinken – Kritiker sprechen von Imperialismus», titelten Tamedia-Zeitungen. «Das grösste Ölabkommen der Weltgeschichte», frohlockte die «Weltwoche».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie alle und auch die SRF- und ARD-«Tagesschau» erwähnten mit keinem Wort, dass das Erschliessen neuer Erdöl-Vorkommen mit den Klimazielen unvereinbar ist. Diese Ziele werden bereits verfehlt, wenn die bis heute erschlossenen Ölfelder vollkommen ausgebeutet und das Öl verbrannt wird.&nbsp;</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img decoding="async" width="1024" height="920" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Venezuela-Oelfelder-ORF-1024x920.png" alt="Venezuela Ölfelder ORF" class="wp-image-724549" style="width:350px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Venezuela-Oelfelder-ORF-1024x920.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Venezuela-Oelfelder-ORF-300x270.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Venezuela-Oelfelder-ORF-768x690.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Venezuela-Oelfelder-ORF.png 1046w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Gestrichelt umrandet: Die Ölreserven im Orinoco-Schwerölgürtel</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Venezuela verfügt über rund&nbsp;<a href="https://www.deutsche-rohstoffagentur.de/DERA/SharedDocs/Meldungen/meldung-26-02-09-venezuela.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">302 Milliarden Barrel</a>&nbsp;nachgewiesene Ölreserven – weltweit die grössten, noch vor Saudi-Arabien. Etwa 90 Prozent davon liegen als Schwer- und Schwerstöl im Orinoco-Schwerölgürtel. Von diesen Vorkommen wiederum sind 80 bis 90 Prozent bisher noch unerschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Venezuela gewährt den USA jetzt Zugriff auf 17 Ölfelder. Einige davon im unerschlossenen Orinoco-Gürtel. Am 2. September kündigte der Ölkonzern Chevron an, zwei&nbsp;<a href="https://de.euronews.com/business/2026/09/02/chevron-schliesst-sieben-milliarden-dollar-deal-in-venezuela-usa-sichern-sich-funftel-des" target="_blank" rel="noreferrer noopener">bisher unerschlossene Ölfelder</a>&nbsp;im Orinoco-Gürtel zu erschliessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um zum historischen Höchststand der venezuelanischen Ölproduktion von rund 3 bis 3,5 Millionen Barrel pro Tag zurückzukehren<strong>,</strong>&nbsp;wären laut&nbsp;<a href="https://www.rystadenergy.com/search?search=Venezuela" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rystad Energy</a>&nbsp;Investitionen von rund 180 Milliarden Dollar über etwa 15 Jahre nötig. Um diese Fördermenge zu erreichen, müssten die bisher unerschlossenen Orinoco-Reserven neu erschlossen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Erschliessen neuer Ölfelder in Venezuela und anderswo verunmöglicht es, die in Paris vereinbarten Klimaziele zu erreichen. Klimaforscher Professor Reto Knutti weist darauf hin, dass «für die Erwärmung die totalen Emissionen sämtlicher Treibhausgase entscheidend sind, also CO<sub>2</sub>, Methan, N<sub>2</sub>O und andere».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Emissionen von CO<sub>2</sub> sei fast ausschliesslich das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas verantwortlich. «Um die Erwärmung nicht über 2 Grad Celsius ansteigen zu lassen, sollten bisher noch nicht erschlossene Ölreserven im Boden bleiben.»</p>



<p class="has-large-font-size wp-block-paragraph"><br><strong>Das Bundesamt für Umwelt drückt sich um eine klare Aussage</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Schweiz verfolgt das&nbsp;<a href="https://www.bafu.admin.ch/de/klima">Bundesamt für Umwelt</a>&nbsp;(Bafu) im Departement von Bundesrat Albert Rösti, ob und wie die Klimaziele des Pariser Klimaabkommens eingehalten werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Infosperber unterbreitete dem Bafu folgende Frage:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>«Darf man weitere neue Ölquellen überhaupt ausbeuten, wenn das Klimaziel von maximal 2 Grad Erwärmung erreicht werden soll?»</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz Nachfrage wollte das Bafu diese Frage nicht beantworten. Vielmehr unterbreitete es eine Milchmädchenrechnung: Um die Erwärmung auf maximal 2 Grad zu beschränken, bleibe ein weltweites CO<sub>2</sub>-Budget von 1150 Gigatonnen CO<sub>2</sub>. Würden die gesamten Ölreserven Venezuelas verbrannt, würden nur 129 Gigatonnen CO<sub>2</sub> frei. Dies seien «also rund 11 Prozent des verbleibenden Budgets». Das Bafu erweckt damit den Eindruck, diese Ölreserven könnten ohne weiteres ausgebeutet und verbrannt werden.* </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Vergleich des Bafu ist eine Unstatistik. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwar könnte man sämtliche Erdöl-Reserven von Venezuela nutzen, ohne eine Erwärmung von 2 Grad zu überschreiten. Aber dann dürfte man andere, bereits erschlossene Vorräte entsprechend nicht nutzen.&nbsp;Das Bafu verschweigt bei seinem Vergleich, wie viele Gigatonnen CO<sub>2</sub> die laufende Förderung und der laufende Verbrauch von Erdöl in Zukunft ausstossen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf eine Nachfrage antwortete das Bafu: «Die Frage, welche dieser fossilen Ressourcen weiterhin genutzt werden dürfen und durch wen, kann das Bafu nicht beantworten.» Das Bundesamt von Bundesrat Rösti will also nicht dazu Stellung nehmen, ob man neue Ölquellen ausbeuten darf, wenn das Klimaziel von maximal 2 Grad Erwärmung erreicht werden soll.</p>



<p class="has-large-font-size wp-block-paragraph"><br><strong>Bankrotterklärung der meisten Regierungen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast gleichzeitig mit dem US-Venezuela-Deal informierte die Uno am 2. September in einem&nbsp;<a href="https://www.unep.org/resources/limiting-overshoot-navigating-exceedance" target="_blank" rel="noreferrer noopener">141-seitigen Report</a>, dass das Klimaziel schon heute verfehlt werde und «massive, sofortige Emissionssenkungen» und zusätzlich ein «enormer Ausbau von CO<sub>2</sub>-Entnahme aus der Atmosphäre» nötig seien, um zu einer Erwärmung auf 1,5 Grad zurückzukehren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Erschliessen neuer Erdölfelder ist ein Schlag ins Gesicht all jener, welche geglaubt hatten, das Pariser Klimaziel werde ernst genommen. Die meisten Regierungen (und Parlamente) foutieren sich darum. Der Öffentlichkeit gaukeln sie Entschlossenheit vor, indem sie beispielsweise eine Abgabe auf Plastiksäcklein einführen. Oder indem sie eine lächerlich geringe Abgabe auf Flugtickets einführen, während das Flugbenzin weiterhin steuerfrei bleibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche symbolischen Massnahmen betreffen nur einen winzigen Teil der Emissionen. Sie tangieren wirtschaftliche Interessen nur wenig, lassen sich jedoch einfach kommunizieren («wir tun etwas»). Sie lenken von einschneidenden Massnahmen ab.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schlimmer noch: Regierungen (und Parlamente)</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>subventionieren die fossilen Energieträger weiterhin mit&nbsp;<a href="https://www.perplexity.ai/computer/tasks/ea8c1b82-dffc-440f-b433-dec0a135ac91" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hunderten Milliarden</a>&nbsp;Dollar, ohne zu erröten,&nbsp;</li>



<li>bitten Förderer und Verkäufer fossiler Energieträger nicht zur Kasse für die von ihnen verursachten Schäden durch Luftverschmutzung und CO<sub>2</sub> in Höhe von&nbsp;<a href="https://www.imf.org/-/media/files/publications/wp/2025/english/wpiea2025270-source-pdf.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">mehreren Billionen Dollar</a> (Verursacherprinzip),</li>



<li>führen keine – selbst steuerneutrale – steigende und progressive&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/rohstoffe/variable-lenkungsabgabe-kann-den-oelpreis-stuetzen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lenkungsabgaben</a>&nbsp;ein, um der Wirtschaft die richtigen Anreize zu geben. Viele Einzelvorschriften würden sich erübrigen und Bürokratie abgebaut. Die CO<sub>2</sub>-Abgabe genügt nicht.</li>



<li>weisen den CO<sub>2</sub>-Ausstoss des Militärs und der Kriegshandlungen weiterhin nicht aus. Das Militär – ohne Kriege! – verursacht <a href="https://www.sgr.org.uk/resources/how-big-are-global-military-carbon-emissions" target="_blank" rel="noreferrer noopener">fünf bis sechs Prozent</a> aller Emissionen.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">______________<br>*<em>Hier stand ursprünglich als Zitat des Bafu: Dies seien nur etwa 11 Prozent des verbleibenden Budgets und könnten deshalb ohne weiteres ausgebeutet und verbrannt werden.»</em></p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/in-der-schweiz-wird-so-viel-geflogen-wie-nie-zuvor/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">In der Schweiz wird so viel geflogen wie nie zuvor,</a> Infosperber 31.8.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/uebriges-wirtschaft/vom-segen-hoher-zoelle/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vom Segen hoher Zölle!</a>, Infosperber vom 10.8.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/kampfjets-150-liter-treibstoff-pro-minute/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kampfjets: 150 Liter Treibstoff pro Minute</a>, Infosperber 30.6.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/wer-krieg-und-aufruesten-nicht-bekaempft-kann-klima-nicht-retten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wer Krieg und Aufrüsten nicht bekämpft, kann Klima nicht retten</a>, Infosperber, 25.9.2025</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/8cd9033b287444ecb11d9127b2cf6f38" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Der Denkzettel</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/der-denkzettel/</link>
					<pubDate>Fri, 04 Sep 2026 07:49:15 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="168" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Aufmacher-300x168.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Aufmacher-300x168.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Aufmacher-1024x575.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Aufmacher-768x431.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Aufmacher-800x445.jpg 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Aufmacher.jpg 1172w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Nach dem Handgranatenanschlag müssen sich die Täter vor Gericht erklären. Und erzählen von sich selbst als den eigentlichen Opfern.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph"><em>Kapitel 1 der Serie «Sommer, Sonne, Remigration» erzählt in drei Teilen vom Anschlag auf einen Winterthurer Journalisten im Jahr 1990. Lesen Sie hier Teil 1 <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/galt-die-bombe-auch-der-woz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Galt die Bombe auch der WoZ»</a> und Teil 2 <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/der-neonazi-der-eigentlich-journalist-war/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Der Neonazi, der eigentlich Journalist war»</a>. Die Namen der Täter wurden zum Schutz der Persönlichkeitsrechte geändert. Alle übrigen Fakten und Zitate sind den Originalquellen entnommen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer 1992 sass <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/galt-die-bombe-auch-der-woz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Roger Baumgartner</a> schliesslich vor drei Zürcher Richtern, jener Mann, der eine Handgranate in einen Winterthurer Hausflur geworfen hatte, nachdem sich ein Journalist in die rechtsextreme Szene eingeschlichen hatte, zu der Baumgartner gehörte, zu den Schaffhauser und Winterthurer Neonazis, und der Journalist hatte zugehört und mitgeschrieben und in der «Winterthurer AZ» Namen veröffentlicht und ein flüchtiger Bekannter Baumgartners hatte wegen dieser Enthüllungen seine Stelle verloren, und das alles habe in ihm Wut ausgelöst und Empörung und ein Gefühl der Ohnmacht, sagte Baumgartner in den späteren Einvernahmen, und über den Journalisten sei er «nicht nur wütend wegen des Inhaltes seines Artikels, sondern auch wegen der Art und Weise seiner Informationsbeschaffung». Und das ist ja eigentlich eine interessante Frage für alle Journalistinnen und Journalisten: Ist es legitim, dass man sich einschleicht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Urteil heisst es: «Die Wut des Angeklagten richtete sich gegen den Journalisten Markus Koch. Um diesem einen Denkzettel zu verabreichen, verursachte der Angeklagte massive Zerstörungen an einem Haus, welches einem völlig unbeteiligten Dritten gehörte.» Der Denkzettel aber erreichte seinen Adressaten nicht. Aber das Wort verschwand nicht, sondern taucht im Dossier immer wieder auf, in den Akten, den Protokollen, den Aussagen der Beteiligten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Opfer als Täter</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Pressemitteilung der Kantonspolizei Zürich, veröffentlicht am 21. Dezember 1990, war zunächst von einem «Racheakt» die Rede, und das Motiv für diesen Racheakt sei die Wut auf einen Journalisten gewesen, der «vernichtend» über die rechtsextremen Gruppierungen berichtet habe, so die Kantonspolizei, und noch am selben Tag trat die Bezirksanwaltschaft Winterthur vor die Medien, und da war er dann, der «Denkzettel», den die drei Verhafteten dem Journalisten hätten verpassen wollen, weil dieser mit seinen Enthüllungen «aktive Rechtsextreme im Alltag unmöglich gemacht» habe, und beiden Mitteilungen klangen ein bisschen so, als hätte sich der Journalist die Sache ja selber eingebrockt, und das wiederum bestätigte all jene wie den Schaffhauser Journalisten und SP-Sekretär Markus Plüss, die der Polizei seit Jahren vorgeworfen hatten, auf dem rechten Auge <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/der-neonazi-der-eigentlich-journalist-war/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">blind zu sein</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Formulierung, Rechtsextreme seien im Alltag unmöglich gemacht worden, stammte aus den Einvernahmen der Beschuldigten, aber die Behörden gaben sie kommentarlos weiter, und genau daran störte sich tags darauf die «Winterthurer AZ»: So werde «das (angepeilte) Opfer quasi zum Täter» gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und Bezirksanwalt Peter Bettoni tat dann auch wenig, um diesen Eindruck zu zerstreuen, denn er wollte den Anschlag nicht als politischen Akt verstanden wissen und sagte, man müsse «trennen zwischen den Tätern und der Gruppierung NPS», und schliesslich sei der Anschlag kurzfristig geplant gewesen, als liesse sich die Wut dieser Männer trennen von ihrer Kränkung und ihre Kränkung von ihrem Bedürfnis nach Rache und dieses Bedürfnis nach Rache wiederum von jener politischen Welt, in der sie sich bewegten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tat habe keine politische Dimension, sagte der Bezirksanwalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das sei, «wenn nicht einäugig, dann zumindest blauäugig», schrieb die «AZ».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hatte also der Journalist, der sich als Neonazi ausgegeben und an Kameradschaftsabenden gesessen und zugehört und das Vertrauen der Leute gewonnen und sich zu ihren Treffen schicken lassen und ihre Namen erfahren und diese Namen am Ende veröffentlicht und «vernichtend» über die Szene geschrieben hatte, den Anschlag provoziert, hatte er sich die Wut, die Drohungen, die Handgranate am Ende selbst eingebrockt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gericht beantwortete diese Frage nicht. Es weigerte sich, sie überhaupt zu diskutieren, denn Kochs Methoden mochten einen der Angeklagten wütend gemacht haben und diese Wut mochte als Motiv gedient haben, und der Angeklagte mochte sich getäuscht und verraten und blossgestellt gefühlt haben, aber ob Koch sich als Journalist hätte einschleichen dürfen und ob er auf diese Art und Weise das Vertrauen dieser Leute hätte gewinnen dürfen und ob es richtig gewesen war, ihre Namen zu veröffentlichen, all das war für die Richter eine andere Frage. «Die ethische und moralische Problematik dieser Art der Informationsbeschaffung steht hier nicht zur Diskussion», heisst es im Urteil.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Diskussion stand für das Gericht bloss, was die Täter aus all dem gemacht hatten. Und Baumgartner selbst hatte darauf eine ziemlich klare Antwort gegeben: «Persönlich habe ich nichts gegen Koch. Mir passte nicht, wie er seine Recherchen führte. Ich wollte ihn deshalb einschüchtern.»</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1016" height="654" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-31-um-16.54.19.png" alt="Bildschirmfoto 2026-08-31 um 16.54.19" class="wp-image-723889" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-31-um-16.54.19.png 1016w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-31-um-16.54.19-300x193.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-31-um-16.54.19-768x494.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1016px) 100vw, 1016px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Vernichtend» habe der Journalist über die rechtsextreme Szene berichtet: Der auf dem rechten Auge sehgeschwächte Staatsanwalt übt sich in Medienkritik.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vom Versuch, «ein richtiger Mann zu werden»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Abklärung von Baumgartners Zurechnungsfähigkeit beauftragte der Bezirksanwalt die Psychiatrische Poliklinik am Kantonsspital Winterthur mit einem Gutachten, und der Psychiater sah einen Mann mit einer neurotischen Störung und einer grundlegenden Selbstunsicherheit, «insbesondere bezüglich seines Mannseins», einen Mann, der sich nicht zu wehren vermochte und sich deshalb übermässig anpasste und seine eigenen Gefühle unterdrückte, vor allem die aggressiven, weil sie ihm Angst machten, was allerdings nicht bedeutete, dass diese Aggressionen nicht da waren, sondern bloss, dass sie sich andere Wege suchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Baumgartner habe eine «Vorliebe für Schusswaffen», hielt der Gutachter fest, er fühle sich wohl, «wenn es knalle», und immer wenn es knalle, entlade sich eine Spannung, und das sei seine Art, sich auszudrücken, und seit dem Sekundarschulalter habe er sich aussergewöhnlich stark mit allem Militärischen identifiziert, mit Waffen und Armeen, jener Welt also, in der er später bis zum Leutnant aufstieg, «was durchaus als Versuch verstanden werden dürfe, ein richtiger Mann zu werden».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Mann also, der seine Aggressionen nicht ausdrücken konnte und sich wohlfühlte, wenn es knallte und sich an Waffen hielt und ans Militär und der nicht nein sagen konnte und deshalb, so der Gutachter, immer wieder Gefahr lief, von anderen ausgenutzt und zu unüberlegten Handlungen verleitet zu werden. Der Psychiater hielt seine Zurechnungsfähigkeit deshalb für leicht bis mittelgradig vermindert, die drei Oberrichter aber teilten diese Einschätzung nicht. Sie sahen einen anderen Mann vor sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Richter sahen einen Leutnant der Schweizer Armee, der Waffenmaterial bei der SIG und bei der Armee gestohlen hatte und auf offiziellen militärischen Formularen behauptet hatte, die gestohlenen Handgranaten seien in Wirklichkeit detoniert. Sie sahen einen Leutnant, der sehr genau wusste, was eine Handgranate anrichtet, der sogar Soldaten im Umgang mit Handgranaten trainiert hatte und der dann eine solche Granate gezündet und in ein Wohnhaus geworfen und damit willentlich Menschen in Gefahr gebracht hatte. Hass und Rachegefühle hätten bei der Tat «zu Gevatter gestanden», hielt das Gericht fest, «mithin eine gemeine Gesinnung».</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Hinterhältiger Feigling»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im August 1992 verurteilte das Zürcher Obergericht den damals 25-jährigen Baumgartner zu drei Jahren Zuchthaus und schloss ihn aus der Armee aus. Dass man bei seiner Verhaftung neben dem Waffenarsenal vier Hitler-Bilder und weitere NSDAP-Erinnerungsstücke gefunden hatte, spielte für das Gericht keine Rolle. Es hielt fest, dass er «nicht für seine frühere politische Einstellung zur Rechenschaft gezogen wurde», nicht für seine Gesinnung und seine Mitgliedschaft in der «Nationalrevolutionären Partei Schweiz» und nicht für die Hitler-Bilder in seiner Wohnung, sondern für das, was er getan hatte, für den Handgranatenanschlag und den Diebstahl von Waffenmaterial und die damit verbundene Urkundenfälschung. «Der Angeklagte hat mithin vorsätzlich und in verbrecherischer Absicht durch Sprengstoff Leib und Leben von Menschen und fremdes Eigentum in Gefahr gebracht», urteilten die Richter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch das Gericht verwendete dann den Begriff des Denkzettels, nur dass es von einem «überaus massiven Denkzettel» sprach. Der Gutachter hatte Baumgartners Fixierung auf das Militär als den Versuch beschrieben, «ein richtiger Mann zu werden». Die Richter schrieben: «Der Angeklagte war indessen nicht Manns genug, Koch von Angesicht zu Angesicht gegenüberzutreten und ihm seine Meinung zu sagen.» Er habe sich stattdessen im Schutz der Dunkelheit in das Haus geschlichen, die Handgranate gezündet und hineingeworfen und sei davongerannt: «Dieses Vorgehen stempelt ihn zum hinterhältigen Feigling.»</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Hans-Stutz.jpg" target="_blank" rel=" noreferrer noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="751" height="1024" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Hans-Stutz-751x1024.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-724529" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Hans-Stutz-751x1024.jpg 751w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Hans-Stutz-220x300.jpg 220w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Hans-Stutz-768x1047.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Hans-Stutz-1127x1536.jpg 1127w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Hans-Stutz.jpg 1152w" sizes="auto, (max-width: 751px) 100vw, 751px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">«Rechter Denkzettel»: Der Journalist Hans Stutz rekonstruierte den Handgranatenanschlag 1994 für das «Tages-Anzeiger-Magazin». Stutz gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Chronisten der rechtsextremen Szene in der Schweiz.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">«<strong>Der zweite Kopf</strong>»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Verfahren gegen Baumgartners Komplizen, den Schaffhauser Judomeister Erich Winkler, war im August 1992 abgetrennt worden. Sein Fall wurde separat verhandelt. Im März 1993 wurde Winkler zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, wegen des Sprengstoffdelikts und wegen Diebstahls und wegen Drogenhandels, nachdem er insgesamt rund 40 Kilogramm Haschisch in die Schweiz <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/der-neonazi-der-eigentlich-journalist-war/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">eingeschleust hatte</a>, und zusätzlich wurde er zu einer ambulanten psychischen Behandlung verpflichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Das Zürcher Obergericht hat auch den zweiten Kopf des Handgranatenanschlags von Töss hart angefasst», schrieb die «Winterthurer AZ» am Tag nach dem Urteil. «Diesmal nahm’s das Gericht auch genauer mit der extremrechten NPS.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das vollständige Urteil liegt nicht vor. Was das Gericht über Winklers Motive festhielt, lässt sich deshalb nur aus dem Baumgartner-Urteil und aus Zeitungsberichten von damals rekonstruieren, und dort erscheint ein Mann, der dem Plan zunächst zugestimmt hatte und später nicht mehr nein sagen konnte und das Gefühl hatte, die Sache sei ihm irgendwie entglitten und habe «fast automatisch ihren Lauf genommen», obwohl er bei der Planung dabei gewesen war und bei der Auskundschaftung und am Abend des Anschlags auf der Strasse Schmiere gestanden hatte. Die «Winterthurer AZ» nannte ihn deshalb nicht einen Mitläufer, sondern den «zweiten Kopf».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Winkler erklärte seine Wut mit dem Schicksal eines anderen: Ein entfernter Bekannter habe wegen der Zeitungsberichte seine Stelle verloren, sagte er, obwohl er diesen Mann gar nicht persönlich kannte, weshalb der psychiatrische Gutachter vermutete, dass in dessen Geschichte «eine nur den Angeklagten betreffende, persönliche Sache» angeklungen sei, das eigene Gefühl nämlich, einer Situation ausgeliefert gewesen zu sein, gegen die er sich nicht habe wehren können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Optik sei «ganz dieselbe der Verfemten» gewesen, schrieb die «Winterthurer AZ», denn auch Winkler sah sich in erster Linie als Opfer, das wegen Kochs Artikel aus der Diplommittelschule geekelt und vom Judoverband ausgeschlossen worden war und das dem Journalisten trotzdem allenfalls «anonyme Telefone» gewünscht haben wollte, vielleicht «eine Ohrfeige von den Leuten im Umfeld», aber nicht mehr. Dabei hatte er Schmiere gestanden, als die Handgranate geworfen wurde, und deshalb glaubte ihm das Gericht seine Version nicht und liess auch ihm gegenüber keine Milde walten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Ende des «Gassenterrors»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jahrelang hatten Rechtsextreme in Winterthur und Schaffhausen Menschen bedroht und die Gassen terrorisiert. Der «Denkzettel» gegen den Journalisten wurde zum Denkzettel für die Szene selbst. Der «Gassenterror» verschwand aus Winterthur und Schaffhausen. Das war das Ende dieser Geschichte. Nicht aber das Ende der Gewalt. Sie zog weiter.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Sommer, Sonne, Remigration – die Serie</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wer die rechtsextreme Gruppe Junge Tat für ein Internet-Phänomen hält, unterschätzt die Rolle, die vor allem Manuel Chorchia mit seinen Videos in der Identitären Bewegung und damit in der extremen Rechten spielt. Wer seinen österreichischen Kollegen Martin Sellner für einen Spinner am Rand hält, übersieht, dass dieser Mann den Begriff Remigration, 2023 in Deutschland zum «Unwort des Jahres» gekürt, aus der Nische geholt hat. Das Weisse Haus benutzt ihn inzwischen. Rechte Parteien in halb Europa benutzen ihn. Auf X ist Remigration aus dem rechten Diskurs kaum mehr wegzudenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Sommer, Sonne, Remigration» fragt, was Sellner tatsächlich will und welche Rolle der Winterthurer Manuel Chorchia dabei spielt. Um diese Gegenwart zu verstehen, geht die Serie zurück in die Vergangenheit: zu Jürg Frischknecht, dem Journalisten, dessen Recherchen zum Schweizer Rechtsextremismus bis heute massgebend sind. Der 2016 verstorbene WoZ-Mitgründer trug über Jahrzehnte eine umfangreiche Dokumentation zur rechten Szene zusammen. Sein Nachlass liegt heute im Schweizerischen Sozialarchiv in Zürich und liefert einen wesentlichen Teil des historischen Unterbaus für mehrere Kapitel dieser Serie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese historischen Kapitel zeigen, wann die erste Generation der neuen extremen Rechten in der Schweiz auftauchte, und was sie vom heutigen rechtsextremen «Vorfeld», wie sich die Szene selber bezeichnet, unterscheidet. Die Serie erscheint wöchentlich über die kommenden Monate.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie kamen früher mit Hitlergruss und dem Kofferraum voller Schusswaffen. Sie kamen besoffen am Samstagabend, auf der Suche nach einer Schlägerei im Zürcher Niederdorf. Sie jagten Menschen anderer Hautfarbe durch die Strassen und legten Brände. Die Generation, die heute kommt, die sich zur Identitären Bewegung zählt, tut nichts davon. Sie kommt geschniegelt und betont, Gewalt nur zur Selbstverteidigung anzuwenden. Sie kommt mit Videos auf der Plattform X und auf Telegram, mit Demonstrationen und Kundgebungen und Flashmobs und mit einem sehr klaren politischen Programm und einem Wort, das sie überall wiederholt: Remigration.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Recherche stützt sich auf Gerichts- und Polizeiakten, Jahresberichte der Bundespolizei, den Nachlass Jürg Frischknechts und weiteres Material des Schweizerischen Sozialarchivs und weiterer Institutionen, auf rechtsextreme Schriften und Videos, Interviews, Telegram-Chats.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li>Kapitel 1, Teil 1, <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/galt-die-bombe-auch-der-woz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Galt die Bombe auch der WoZ?»</a>, Infosperber vom 21. August 2026</li><li>Kapitel 1, Teil 2, <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/der-neonazi-der-eigentlich-journalist-war/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Neonazi, der eigentlich Journalist war</a>, Infosperber vom 28.&nbsp;August 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Dr. Kurios: Vier kleine Wunden – und eine bleibende Behinderung</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/dr-kurios-vier-kleine-wunden-und-eine-bleibende-behinderung/</link>
					<pubDate>Fri, 04 Sep 2026 07:48:04 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=724433</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="242" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-03-um-13.43.09-300x242.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Kambô-Wunden" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-03-um-13.43.09-300x242.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-03-um-13.43.09-768x619.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-03-um-13.43.09.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Im Internet werden «Do-it-yourself»-Sets zur spirituellen Erhellung verkauft. Wer sich darauf einlässt, riskiert schwere Schäden.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die 35-jährige Frau hatte erst kürzlich ein Studium abgeschlossen. Sie war geistig topfit – bis sie an einem spirituellen Retreat in Kolumbien teilnahm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach konnte sie ihre Gedanken nicht mehr geradlinig zu Ende führen, sondern sprang gedanklich hierhin und dorthin, blieb an gewissen Wörtern «hängen», war unaufmerksam, unkonzentriert und auch enthemmt. Zudem fielen ihre stereotypen Bewegungen auf. So rieb sie sich beispielsweise immer wieder ihre Arme oder tätschelte ihren Rücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frau war nicht mehr in der Lage, übliche tägliche Abläufe und Aufgaben zu erledigen. Hilfesuchend hatten Verwandte sie aus Kolumbien zurückgeholt und auf eine Notfallstation in New York gebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oberhalb ihrer Knöchel hatte die 35-Jährige mehrere punktförmige, dunkel verfärbte und in einer Linie angeordnete Wunden. Dieses charakteristische Merkmal, das bei Männern typischerweise an der Brust oder an den Armen zu finden ist, kann Ärzten auf die Spur helfen – falls sie wissen, was sich dahinter verbirgt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es handelt sich dabei um kleine Verbrennungen, die sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer sogenannter Kambô-Rituale freiwillig zufügen und anschliessend aufkratzen liessen. Auf diese Wunden wird dann Gift des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Riesenmakifrosch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Riesenmakifroschs</a> gestrichen. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="499" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-03-um-13.35.11.png" alt="Phyllomedusa bicolor" class="wp-image-724445" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-03-um-13.35.11.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-03-um-13.35.11-300x187.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-03-um-13.35.11-768x479.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Riesenmakifrosch (Phyllomedusa bicolor) ist im Amazonas-Gebiet daheim. </figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><strong>&#171;Abwehrkräfte stärken&#187;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kambô ist eine der vielen Bezeichnungen für diese Laubfroschart, die im Amazonas-Regenwald lebt. Um sich vor Fressfeinden zu schützen, produzieren die Riesenmakifrösche in ihren Hautdrüsen giftige Peptide. In eine Wunde gebracht, wirken diese Peptide typischerweise innerhalb von zehn Minuten. Im Fall der 35-Jährigen war der Effekt verheerend.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/0041010193901253" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schamanen der Matsés-Indianer</a> im peruanischen und brasilianischen Amazonasgebiet benützen Kambô seit Jahrhunderten. Das Froschgift soll Jägern zu mehr Jagdglück verhelfen, Unglück abwenden oder die Abwehrkräfte stärken. In einem Artikel in «<a href="https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/23978473221085746" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Toxicology Research and Application</a>» wird gezeigt, wie das Sekret des Riesenmakifroschs gewonnen wird: Das arme Tier wird wie ein Leintuch an den Vorder- und Hintergliedmassen aufgespannt. Dieser Stress bewirkt, dass es reichlich Sekret produziert. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="509" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-03-um-13.30.49.png" alt="Riesenmakifrosch Kambô" class="wp-image-724443" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-03-um-13.30.49.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-03-um-13.30.49-300x191.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-03-um-13.30.49-768x489.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Um viel Sekret zu gewinnen, wird das Tier gequält. </figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><strong>Unbewiesene Heilsversprechen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vom Amazonas-Regenwald aus verbreitete sich die Kambô-Anwendung zuerst innerhalb Südamerikas und <a href="https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/23978473221085746" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ab 1986</a> weiter in westliche Länder, hier oft in Form eines Rituals, begleitet von Musik, Gesang, Gebeten und Weihrauch. Vor wenigen Wochen warnte das «<a href="http://doi.org/10.1136/bmj-2026-100573" target="_blank" rel="noreferrer noopener">British Medical Journal</a>» eindringlich vor Kambô-Do-it-yourself-Sets, die übers Internet verkauft werden, das Päckchen für umgerechnet rund 75 Franken. Im Mai sei ein 40-jähriger Wellness-Coach und ehemaliger Krebspatient in Grossbritannien nach einer Kambô-Zeremonie gestorben, berichtete das Journal weiter. Seine Mutter wirke nun auf ein Kambô-Verbot hin. In Australien ist dies bereits in Kraft, Chile verbietet den Import und Brasilien die kommerzielle Anwendung sowie Werbung dafür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beworben wird Kambô im Westen mit unbewiesenen Behauptungen: Es soll spirituell «reinigend» wirken, Schmerzen, Depressionen, Ängste, Autoimmunerkrankungen, Borreliose und anderes mehr heilen oder das Wohlbefinden fördern. Falls dieser «Lieblingstrend gestresster Grossstädter» – so nannte die «<a href="https://www.sueddeutsche.de/stil/wellness-kotz-dich-gluecklich-1.4678343" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Süddeutsche Zeitung</a>» das Ritual 2019 – jedoch schiefgeht, kann es tödlich enden. Oder mit anhaltender geistiger Behinderung wie bei der 35-jährigen Frau. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Vorbereitung auf die Kambô-Zeremonie hatte sie sich eine Woche lang ausschliesslich von Wasser und Sellerie ernährt. Warum gerade Sellerie, ist schleierhaft. Ihre Erinnerung an das Kambô-Ritual in Kolumbien und was danach passierte, blieb ausgelöscht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum reichlichen Trinken von Wasser hingegen raten Kambô-Coachs häufiger.&nbsp;Zwei bis vier Liter Wasser, vor dem Ritual getrunken, sollen angeblich die reinigende Wirkung verstärken. Ein lebensgefährlicher Rat.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Tod einer Mutter</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn kaum auf die Hautwunde gebracht, führt das Sekret des Riesenmakifroschs zu Übelkeit, heftigem Erbrechen, Durchfall und Schwitzen. Das bringt die Konzentration an Mineralstoffen im Blut, die durch das unmässige Wassertrinken bereits gestört sein kann, weiter durcheinander. In der Folge kann es zu <a href="https://www.cambridge.org/core/journals/canadian-journal-of-emergency-medicine/article/poisoning-from-the-kambo-ritual/F10CF56AA62E31F2F88400E7A008F0CF" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Muskelkrämpfen</a> kommen. Und das ist noch vergleichsweise harmlos.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den USA fiel die Mutter eines sechs Monate alten Babys mehrere Stunden nach einem Kambô-Ritual ins Koma und starb. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Grund: Sinkt der Natriumgehalt im Blut zu tief, strömt Wasser in die Körperzellen ein und sie schwellen an. Im Gehirn ist ein solches Ödem besonders riskant, weil dieses Organ im Schädelknochen eingeschlossen ist und nur nach unten Richtung Wirbelkanal ausweichen kann. Die Öffnung an der Schädelbasis ist dafür aber viel zu eng. Infolgedessen klemmt das Gehirn dort ein und wird nur noch schlecht oder schliesslich – wie bei der 35-jährigen Mutter – gar nicht mehr durchblutet. Im Fachblatt «<a href="https://www.cureus.com/articles/362342-shamanic-kamb-frog-hyponatremic-toxicity-leading-to-brain-death-a-case-report#!/">Cureus</a>» berichteten Ärzte von diesem tragischen Todesfall.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Kolumne «Dr. Kurios»</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="962" height="576" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Dr.-Kurios-2024-XX-e1720794375575.png" alt="Dr. Kurios 2024 XX" class="wp-image-558013" style="aspect-ratio:1.670191226096738;width:271px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Dr.-Kurios-2024-XX-e1720794375575.png 962w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Dr.-Kurios-2024-XX-e1720794375575-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Dr.-Kurios-2024-XX-e1720794375575-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Dr.-Kurios-2024-XX-e1720794375575-600x359.png 600w" sizes="auto, (max-width: 962px) 100vw, 962px" /><figcaption class="wp-element-caption">Dr. Kurios</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Choleraausbruch mitten in Paris, Explosion des Patienten bei der Darmspiegelung, Halluzinationen durch Hirsebällchen – in der Medizin passieren unglaubliche Dinge. Glücklicherweise aber nur sehr selten. Seit über 20 Jahren sammelt die Autorin – sie ist Ärztin und Journalistin – solche höchst ungewöhnlichen Krankengeschichten. Ihre Kolumnen sind bisher in zwei Büchern erschienen: «<a href="https://www.luebbe.de/luebbe-sachbuch/buecher/wissen/das-maedchen-mit-den-zwei-blutgruppen/id_6373767" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das Mädchen mit den zwei Blutgruppen</a>» und «<a href="https://www.luebbe.de/luebbe-sachbuch/buecher/wissen/der-junge-der-immer-in-ohnmacht-fiel/id_6430909" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Junge, der immer in Ohnmacht fiel</a>».</p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Geschwollene Lippen, Klossgefühl im Hals</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Hautsekret des Froschs enthält <a href="https://www.neurology.org/doi/10.1212/CPJ.0000000000000749" target="_blank" rel="noreferrer noopener">über 100</a> verschiedene Peptide, darunter das sogenannte Sauvagin. Es sorgt dafür, dass die Nieren weniger Wasser ausscheiden. Das Sauvagin verstärkt die Wasservergiftung so noch und bringt den Mineralstoffhaushalt zusätzlich durcheinander. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die diversen Peptide wirken unter anderem auf den Verdauungstrakt, auf das Hormonsystem, auf das Herz und auf das Gehirn: Das Phyllokinin im Sekret zum Beispiel bewirkt, dass sich die Muskeln in den Eingeweiden zusammenziehen. Deltorphin ist chemisch dem Morphin verwandt, wirkt angeblich aber etwa 30- bis 40-mal stärker. Phyllomedusin weitet die Blutgefässe, wodurch es zum Blutdruckabfall kommt, berichtete das «<a href="https://www.cambridge.org/core/journals/canadian-journal-of-emergency-medicine/article/poisoning-from-the-kambo-ritual/F10CF56AA62E31F2F88400E7A008F0CF" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Canadian Journal of Emergency Medicine</a>».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Artikel in «<a href="https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/23978473221085746" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Toxicology Research and Application</a>» beschrieb die Wirkung von Kambô so: «Plötzliche Wärmegefühle, Herzklopfen, schneller Puls, Hautrötung oder Blässe, das Gefühl eines Klosses im Hals oder Schluckbeschwerden, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, laufende Nase und Tränenfluss, geschwollene Lippen, Augenlider oder ein geschwollenes Gesicht sowie gelegentlich eine geschwollene Zunge oder Schwellungen im Rachen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gerissene Speiseröhre</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Normalerweise ist dieser Spuk nach etwa 30 Minuten vorüber. Manche Retreat-Teilnehmer aber haben Stunden später noch schwerste Kopfschmerzen und sind zunehmend verwirrt. Bei <a href="https://www.neurology.org/doi/10.1212/CPJ.0000000000000749" target="_blank" rel="noreferrer noopener">anderen</a>, die Kambô versuchten, kam es zu Halluzinationen. Oder ihre <a href="https://www.cureus.com/articles/40188-kambo-frog-poison-as-a-cause-of-esophageal-rupture#!/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Speiseröhre riss</a> wegen des <a href="https://academic.oup.com/omcr/article/2023/4/omad036/7133569" target="_blank" rel="noreferrer noopener">heftigen Erbrechens</a> – eine lebensgefährliche Verletzung, die sofort behandelt werden muss.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die 35-Jährige, die in Kolumbien an dem spirituellen Retreat teilgenommen hatte, erlitt mehrere schwere Krampfanfälle, sehr wahrscheinlich ebenfalls aufgrund des viel zu niedrigen Natriumwerts im Blut. Dieser wurde schliesslich in einem örtlichen Spital mit Infusionen normalisiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Verlauf von zwei Monaten besserte sich ihr geistiger Zustand zwar, ihr früheres hohes Niveau erreichte die Frau jedoch nicht mehr, berichteten ihre Ärzte in «<a href="https://jamanetwork.com/journals/jamaneurology/fullarticle/2830859" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jama</a>». Auch ein Jahr später hatte sie noch Probleme mit ihrem Kurzzeitgedächtnis, ihre Wortfindungsstörung bestand fort, und ihre Ängste sowie die Unaufmerksamkeit hatten sich sogar noch verschlimmert. </p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/ayahuasca-sekte-in-baselland-wie-ein-drogen-guru-in-der-schweiz-nach-anhaengern-fischt" target="_blank" rel="noreferrer noopener">High und ausgenutzt – Undercover in der Ayahuasca‑Sekte</a>, SRF vom 20. September 2022</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/cb6da4bc090b4223b6cbcb4c90d3b218" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Wir wissen bereits, wohin damit!»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/wir-wissen-bereits-wohin-damit/</link>
					<pubDate>Thu, 03 Sep 2026 08:33:20 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=724077</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="179" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-Screenshot-2026-08-31-at-17-31-13-Facebook-300x179.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach Screenshot 2026-08-31 at 17-31-13 Facebook" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-Screenshot-2026-08-31-at-17-31-13-Facebook-300x179.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-Screenshot-2026-08-31-at-17-31-13-Facebook-1024x613.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-Screenshot-2026-08-31-at-17-31-13-Facebook-768x459.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-Screenshot-2026-08-31-at-17-31-13-Facebook.png 1170w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Der Bundesrat rechnet 2026 mit einem Gewinn von 0,8 Milliarden Franken.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Deutschland: Gender-Zwang ist unzulässig</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/deutschland-gender-zwang-ist-unzulaessig/</link>
					<pubDate>Thu, 03 Sep 2026 08:29:48 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=722477</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/BSH-csm_24085507_002_24114764_pi_24121045_1ff63f74d6-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="BSH csm_24085507_002_24114764_pi_24121045_1ff63f74d6" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/BSH-csm_24085507_002_24114764_pi_24121045_1ff63f74d6-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/BSH-csm_24085507_002_24114764_pi_24121045_1ff63f74d6-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/BSH-csm_24085507_002_24114764_pi_24121045_1ff63f74d6-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/BSH-csm_24085507_002_24114764_pi_24121045_1ff63f74d6.png 1167w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Das deutsche Bundesamt für Seeschifffahrt entliess eine Angestellte, weil sie nicht genderte. Vor Gericht erlitt es Schiffbruch.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Eine 43-jährige Chemikerin, seit zwölf Jahren Strahlenschutzbeauftragte beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg, hatte den Auftrag, eine Strahlenschutzanweisung zu überarbeiten. Laut dem <a href="https://www.juris.de/static/infodienst/autoren/D_NJRE001641543.htm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Urteil</a> des Landesarbeitsgerichts Hamburg wurde sie von ihren Vorgesetzten «konkret angewiesen, die Strahlenschutzanweisung durchgehend zu gendern».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Chemikerin hatte nicht gegendert, sondern in der Strahlenschutzanweisung einleitend geschrieben: «Personenbezeichnungen werden im generischen Maskulinum verwendet und sind daher biologisch geschlechtsneutral.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Bundesamt machte trotzdem Druck. Auf Anweisung von oben liess sie sich schliesslich dazu erweichen, gewisse Formulierungen zu gendern. Aber sie genderte nicht konsequent.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Wir dulden ein solches Verhalten nicht»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür kassierte sie zunächst eine Abmahnung. Darin listeten die Vorgesetzten eine ganze Reihe von Formulierungen auf, die nicht gegendert waren, und schlossen harsch: «Mit Ihrem Verhalten haben Sie gegen Ihre arbeitsvertraglichen Pflichten verstossen (…) Wir weisen Sie hiermit darauf hin, dass wir ein solches Verhalten nicht dulden, und sprechen Ihnen für dieses Verhalten eine Abmahnung aus.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon einen Monat später folgte die nächste Abmahnung. Nun war die Angestellte die Sache leid. Sie verweigerte die weitere Arbeit an der Strahlenschutzanweisung und teilte mit: «Das Erstellen solcher Entwürfe gehört nicht zu meinen Pflichten (…), sondern stellte eine Gefälligkeitsleistung dar.» Zudem verlangte sie die Streichung der Abmahnungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Verhaltensbedingte Kündigung»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen war es auch den Verantwortlichen im Bundesamt für Schifffahrt zu bunt geworden. Einen Monat nach der zweiten Abmahnung sprachen sie eine «ausserordentliche verhaltensbedingte Kündigung» aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Chemikerin wiederum liess das nicht auf sich sitzen. Sie ging vor Gericht und argumentierte, das deutsche <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/strlschg/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Strahlenschutzgesetz</a> sei im generischen Maskulinum gehalten. Daher habe sie auch die Strahlenschutzanweisung so verfasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem hielt sie sich an die damals gültige <a href="https://www.bmjv.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Fachpublikationen/Handbuch_der_Rechtsfoermlichkeit.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">3. Auflage</a> des Handbuchs der Rechtsförmlichkeit des deutschen Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz. Dort steht: «In Fällen, in denen das Geschlecht nicht bekannt oder für den jeweiligen Zusammenhang unwichtig ist», könne auch nur die männliche Form verwendet werden: etwa «der Eigentümer», «der Verkäufer» oder «der Mieter».</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Keine Genderzeichen»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch in der inzwischen gültigen <a href="https://hdr4.bmj.de/Webs/HDR/SharedDocs/Downloads/handbuch-der-rechtsfoermlichkeit.html?nn=167640" target="_blank" rel="noreferrer noopener">4. Auflage</a> steht bereits im Vorwort: «Wir verzichten nicht auf das generische Maskulinum und verwenden auch keine sogenannten Genderzeichen wie Doppelpunkt, Unterstrich oder Sternchen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Chemikerin fand überdies, das Gendern falle nicht in ihren arbeitsvertraglichen Aufgabenbereich. Es sei eine Tätigkeit vergleichbar mit der Anwendung eines Rechtschreibprogramms.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie schon die Vorinstanz, das Arbeitsgericht Hamburg, gab auch das Landesarbeitsgericht Hamburg der Klägerin recht. Die Abmahnungen und die Kündigung sind ungültig. Das Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie verzichtete auf eine Beschwerde. Gerichts- und Prozesskosten betragen 18&#8217;000 Euro.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://vds-ev.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Verein Deutsche Sprache</a>, der die Chemikerin finanziell unterstützt hatte, schreibt zum Urteil: «Es ist ein wichtiges Zeichen für alle, die sich am Arbeitsplatz von Verfechtern der Gendersprache gegängelt fühlen.»</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/ecd4a4a0b35e4a43b71948e36fc3a3de" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Öko-Test» findet erste BPA-freie Konserven</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/oeko-test-findet-erste-bpa-freie-konserven/</link>
					<pubDate>Thu, 03 Sep 2026 08:28:50 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=724221</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_11739595_L-e1788329605609-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Depositphotos_11739595_L" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_11739595_L-e1788329605609-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_11739595_L-e1788329605609-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_11739595_L-e1788329605609-768x460.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_11739595_L-e1788329605609-1536x921.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/09/Depositphotos_11739595_L-e1788329605609.jpg 1990w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Das EU-Verbot hormonstörender Bisphenole beginnt zu wirken. Zwei von 52 Dosenprodukten kamen im Test ohne aus.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">«Öko-Test» hat es wieder getan. Die Redaktion des Magazins hat Lebensmittel auf Bisphenole getestet, diesmal solche aus Dosen. Gesucht haben die Testerinnen und Tester dabei das schon lange als hormonschädlich bekannte Bisphenol A (BPA) und seine nahen Verwandten Bisphenol S (BPS) und Bisphenol F, mit denen BPA häufig ersetzt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von 52 getesteten Lebensmitteln waren dabei 42 «hoch» oder «sehr hoch» mit Bisphenolen belastet. Das heisst, in einer Menge, welche die Empfehlung der EU-Lebensmittelagentur Efsa für die maximale tägliche Aufnahme (Tolerable Daily Intakte, TDI) um mehr als das 100-fache übersteigt. Allerdings gab es auch zwei Dosenprodukte, die gar keine Bisphenole enthielten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.oekotest.de/essen-trinken/bpa-und-co-in-konserven-so-belastet-sind-lebensmittel-aus-dosen_601681_1.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Endlich!» jubelte eine «Öko-Test»-Redaktorin</a>. Bisphenole in Lebensmittel-Kontaktmaterialien sind in der EU seit Anfang 2025 verboten. (Was das genau bedeutet lesen Sie weiter unten). Lebensmittel aus Dosen galten lange als Hauptquelle von BPA für den Menschen. Das seit anderthalb Jahren geltende Verbot beginnt also zu wirken.</p>



<h2 class="wp-block-heading">42 Lebensmittel mit «hoher» oder «sehr hoher» Bisphenol-Belastung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Derzeit laufen noch Übergangsfristen, illegal sind BPA, BPS und BPF im Essen also nicht. Unter den getesten 52 Dosenkonserven waren 10 Linseneintöpfe, 6 Ravioli, 9 Mal Erbsen mit Karotten und 11 Mal Ananasscheiben. Dazu kamen 10 Heringsfilets und 6 Softdrinks, beides in Aludosen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vier Produkte waren dabei gering, zwei gar nicht mit Bisphenolen belastet. Ein paar enthalten Spuren von BPA, BPS und BPF. Die Belastung von 42 Lebensmitteln stufte «Öko-Test» als «hoch» oder «sehr hoch» ein. Bei einigen fanden die Testerinnen und Tester sehr hohe BPA-Konzentrationen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man die Efsa-Empfehlung von 0,2 Nanogramm Bisphenol A pro Kilogramm Körpergewicht und Tag zum Massstab nehme, habe eine 60 Kilogramm schwere Person mit einer Portion Ravioli aus der Maggi-Dose schon so viel Bisphenol A zu sich genommen, dass sie für die nächsten beiden Jahre keines mehr zu sich nehmen dürfte. Die Portion enthalte 833-mal den TDI-Wert. «Mamma Mia!», schreibt «Öko-Test».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedes zweite Produkt enthielt BPS und BPF, für die es noch keinen TDI gibt. Die Testerinnen und Tester legten die Efsa-Empfehlung für BPA an. BPS ist derzeit als «vermutlich reproduktionstoxisch» eingestuft, bei BPF werde diese Einstufung demnächst erwartet. Die Negativ-Liste umfasst Ravioli von Maggi, die bekannten «Erbsen und Möhrchen» von Bonduelle und der Penny-Eigenmarke Greenland, sowie zwei Linseneintöpfe von Sonnen Bassermann und Aldi Süd.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Sechs Produkte gering oder gar nicht belastet</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die vier «sehr gering» belasteten Produkte verteilten sich über alle Kategorien: Gut &amp; Günstig Ananas-Scheiben in eigenem Saft von Edeka, das Getränk Uludag Gazoz, Golden Seafood Heringsfilets in Tomatencreme von Aldi Nord und Nixe Zarte Heringsfilets in Tomatensauce von Lidl.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Produkte enthielten kein Bisphenol: Bio Primo Linseneintopf rustikal (Müller Drogerie) und Sea Gold Heringsfilets geteilt in Tomatensauce von Netto aus der Aludose.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auffallend in den Testprotokollen: Bei sämtlichen Softdrinks ausser Uludag Gazoz war der Bisphenol-F-Gehalt «stark erhöht», darunter bei Getränken von Coca-Cola, Pepsico und auch dem bekannten Paulaner Spezi. Deren Dosen dürfen bereits kein BPA mehr enthalten, es wurde also vermutlich einfach durch Bisphenol F ersetzt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verboten heisst nicht weg – Übergangsfristen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Warum diese Dosen und keine anderen? Es ist leider kompliziert. Bis eine Chemikalie tatsächlich aus den Läden verschwindet, dauert es. Selbst dann, wenn sie verboten ist. Deshalb ein paar Worte zum Bisphenol-Verbot und wann endgültig keine Bisphenole mehr in Verpackungen und damit in Lebensmittel stecken werden:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seit Januar 2025</strong> sind in der EU alle Bisphenole in Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, verboten. «Verboten» heisst aber nicht weg. Es bedeutet, dass seit dem 20. Januar 2025 Übergangsfristen für Hersteller von Konservendosen, wiederverwendbaren Getränkeflaschen und Küchenartikeln gelten. Für Papier und Karton, beispielsweise Pizzaboxen, gilt das Verbot nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Seit dem 21. Juli 2026</strong> dürfen für einige Lebensmittel keine Dosen und Verschlüsse mehr in Verkehr gebracht werden, deren Innenbeschichtung mehr als Spuren von BPA enthält. Befüllt werden dürfen die «alten» BPA-haltigen Dosen aber noch ein Jahr lang. Abgelaufen war die Frist beim «Öko-Test»-Versuch nur für Getränkedosen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ab dem 21. Januar </strong><strong>2028 </strong>dürfen gar keine Konservendosen mehr in Verkehr gebracht werden, die BPA enthalten, einschliesslich solchen für Obst, Gemüse und Fisch, die 2026 noch zu den Ausnahmen gehören. Und auch im Aussenlack dürfen keine Bisphenole mehr vorkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bis 21. Januar 2029, </strong>also ein weiteres Jahr lang, dürfen leere BPA-haltige Dosen mit diesen Lebensmitteln noch befüllt werden. Das fertige Produkt darf dann so lange verkauft werden, bis die Bestände aufgebraucht sind. Da Konserven lange haltbar sind wird es …</p>



<p class="wp-block-paragraph">… <strong>ungefähr </strong><strong>ab 2034 </strong>dann wirklich keine BPA-haltigen Lebensmittel in Dosen mehr geben, wenn man von einer maximalen Haltbarkeit von fünf Jahren ausgeht. Bei einzelnen Konserven kann es auch länger dauern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Sache mit der Aussenbeschichtung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ebenfalls bemerkenswert: Als «Öko-Test» vor drei Jahren Tomatenkonserven auf BPA testete, fanden die Testerinnen und Tester in allen Dosentomaten BPA. Nur solche aus dem Glas enthielten die Chemikalie nicht. Die Hersteller reagierten verwundert, denn ihre Dosen waren mit BPA-freien Lacken beschichtet – allerdings nur auf der Innenseite. Bei der Produktion kann Bisphenol aus dem Aussenlack aber anscheinend nach innen gelangen, beispielsweise beim Stapeln der Dosen. Das sei zwar nicht der einzige Weg, auf dem BPA ins Essen gelangen könne, aber ein anscheinend relevanter, schreibt «Öko-Test».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Immerhin: Bei der Innenbeschichtung ist BPA-freier Lack inzwischen Standard, das zeigten Nachfragen bei den Herstellern. Die Entwicklung des Aussenlacks ziehe sich bei einigen Herstellern hin. Ab 2028 ist BPA wie erwähnt auch im Aussenlack verboten.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.vzhh.de/themen/lebensmittel-ernaehrung/schadstoffe-lebensmitteln/schadstoff-konservendosen-das-aendert-sich-durch-das-verbot-von-bisphenol" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schadstoff in Konservendosen: Das ändert sich durch das Verbot von Bisphenol A</a> – Verbraucherzentrale Hamburg, Stand 13. Juli 2026</li><li><a href="https://www.test.de/Bisphenol-A-Taegliche-Aufnahmemenge-soll-drastisch-sinken-5846131-0/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">BPA wird verboten – das sind die Gründe </a>– Stiftung Warentest am 14. Januar 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/oeko-test-nach-dosentomaten-nun-hohe-bisphenol-werte-in-pizza/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Öko-Test»: Nach Dosentomaten nun hohe Bisphenol-Werte<br>in Pizza</a> – Infosperber am 11. Februar 2025</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/f8500f83e9774e6d9e8a8133bafb0e1e" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Unsere Enkelkinder wachsen ohne ihre Väter auf»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/unsere-enkelkinder-wachsen-ohne-ihre-vaeter-auf/</link>
					<pubDate>Wed, 02 Sep 2026 07:32:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=723375</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="197" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-29-um-08.25.33-300x197.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Demonstration für die Ukraine am 22.3.2022 in New York" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-29-um-08.25.33-300x197.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-29-um-08.25.33-768x504.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-29-um-08.25.33.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Sie werde Russland nie verzeihen, sagt eine Ukrainerin, die zwei Söhne verloren hat. Allein Russland könne den Krieg beenden.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph"><em>Ukrainische Männer sollen den Schutzstatus S künftig nur noch erhalten, wenn sie ihren Militärdienst in der Ukraine leisten. Mit dieser Neuregelung <a href="https://www.admin.ch/de/newnsb/hFEfxUQEMQFg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">schliesst sich die Schweiz der EU an</a>, die dies seit dem 31. Juli 2026 so handhabt. Ukrainer, die bereits Schutzstatus S haben, sind davon nicht betroffen. Infosperber bat die ukrainische Verwandte eines Infosperber-Mitarbeiters um ihre Einschätzung.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">_____________________</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Können Sie frei sprechen, ohne dass Ihnen daraus Schwierigkeiten entstehen?</strong></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="583" height="800" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-31-um-14.43.46.png" alt="Tetiana Andriiovych" class="wp-image-723841" style="aspect-ratio:0.72873046875;width:156px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-31-um-14.43.46.png 583w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-31-um-14.43.46-219x300.png 219w" sizes="auto, (max-width: 583px) 100vw, 583px" /><figcaption class="wp-element-caption">Tetiana Andriiovych</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Tetiana Andriiovych: Ich habe keine Angst vor Verfolgung, denn bei uns gibt es keine mehr, seit sich die Ukraine von Russland losgelöst hat und unabhängig geworden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wo leben Sie in der Ukraine?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir leben in der Westukraine, in der Region Lwiw. Wir werden nicht so stark bombardiert wie die Menschen in der Ostukraine. Im Osten wurde zwar häufiger Russisch gesprochen, doch Russland tötet dort ausgerechnet die russischsprachige Zivilbevölkerung – und «befreit» sie so vom Leben selbst! Bei uns in der Stadt leben viele Menschen, die vor dem Krieg aus der Ostukraine geflohen sind. Das ist verständlich – wir alle wollen leben!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sind Sie selbst vom Krieg betroffen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 24. Februar 2022 begann die grossangelegte russische Invasion in der Ukraine. Meine beiden Söhne und mein Mann haben sich in den ersten Tagen des Krieges freiwillig zur ukrainischen Armee gemeldet. Zwei Söhne sind gefallen, mein Mann wurde aus dem Dienst entlassen – er ist bereits 65 Jahre alt. Wir leben mit gebrochenen Herzen und voller Trauer. Vor dem Krieg hatten wir ein sehr schönes, glückliches Leben. Unsere Enkelkinder wachsen nun ohne ihre Väter auf, unsere Schwiegertöchter leben ohne ihre Ehemänner und wir ohne unsere Söhne. Putin und die Russen sind für all das verantwortlich. Wir werden Russland und den Russen niemals verzeihen. Über den Krieg und unser Leben könnte man ein Fotobuch schreiben.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="601" height="800" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-31-um-14.46.15.png" alt="Bildschirmfoto 2026-08-31 um 14.46.15" class="wp-image-723845" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-31-um-14.46.15.png 601w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-31-um-14.46.15-225x300.png 225w" sizes="auto, (max-width: 601px) 100vw, 601px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der ältere Sohn von Tetiana Andriiovych starb im Februar 2025 als Soldat im Krieg. Er wurde 41 Jahre alt. </figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was wäre Ihr Vorschlag, um den Krieg zu beenden?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider können wir Ukrainer den Krieg nicht stoppen, wir haben ihn nicht begonnen! Russland muss den Krieg beenden und sich aus unseren Gebieten zurückziehen! Seit bald fünf Jahren kämpfen wir gegen eine Atommacht, deren Bevölkerung dreimal so gross ist wie unsere. Nach dem Zerfall der Sowjetunion besassen wir eigene Atomwaffen, das Budapester Memorandum garantierte unsere Sicherheit! Europa und Amerika helfen uns zwar, aber unsere Menschen sterben. Wir brauchen nur Waffen, Helden haben wir bereits. Jeder sollte sich in unsere Lage versetzen und auf jede erdenkliche Weise helfen, so gut er kann!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Haben Sie den Eindruck, dass die ukrainische Bevölkerung mehrheitlich hinter Präsident Selensky steht?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei uns herrscht Krieg, und unser Präsident Selensky muss nun ganz allein das Chaos bewältigen, das seine Vorgänger hinterlassen haben. Ich unterstütze ihn, und viele Menschen tun das auch! Wer während des Krieges Stimmung gegen den Präsidenten macht, ist ein Feind. Das ist meine Meinung. Es stimmt, dass es bei uns Korruption gibt, aber die gibt es in allen Ländern.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kennen Sie Zahlen zu den verletzten oder getöteten ukrainischen Soldaten?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Stadt ist klein, sie hat 50’000 Einwohner. Etwa 500 junge Männer und Frauen sind im Krieg ums Leben gekommen, 400 gelten als vermisst. So ist es in jeder Stadt. Die genaue Zahl der Todesopfer in der Ukraine werden wir erst kennen, wenn der Krieg vorbei ist! Ich denke, es sind Millionen. Dieser Krieg ist wirklich furchtbar!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Leisten auch die Söhne reicher Ukrainer oder hoher ukrainischer Politiker Kriegsdienst, soweit Sie es wissen?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich kämpfen im Krieg vor allem Menschen aus einfachen Familien. Ich kann mir vorstellen, dass nur wenige Kinder von Politikern darunter sind. Viele Männer sind in europäische Länder geflohen! Aber es gibt auch viele, die in Europa waren, zurückgekehrt und in den Krieg gezogen sind! Und für ihr Land gestorben sind!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ist die Lebensmittelversorgung bei Ihnen gewährleistet?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In unseren Geschäften gibt es reichlich Lebensmittel. Natürlich sind die Renten niedrig, so dass sich nicht jeder alles kaufen kann, was er möchte. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wie steht es um die medizinische Versorgung: Gibt es genügend Medikamente und Ärzte?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, auch Arztbesuche sind möglich, es gibt Ärzte. Die Apotheken sind geöffnet und Medikamente vorrätig – wenngleich die Auswahl in Europa natürlich grösser ist. Die Behandlung genetischer Erkrankungen ist hier schwierig. Das war schon vor dem Krieg so.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gibt es etwas, das Ihnen wichtig ist und das Sie gern noch mitteilen möchten?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jeder hat seine eigene Sichtweise. Es war mir eine Freude, mit Ihnen zu korrespondieren!</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Das Interview wurde per E-Mail geführt. Übersetzung aus dem Ukrainischen mit Hilfe von deepl.com und Google.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/d1ad012b5bcb460b866f2270fb04b762" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Ich komme!»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/schweiz/ich-komme/</link>
					<pubDate>Wed, 02 Sep 2026 07:30:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flahc-2f4vv0b7KY7B6xGevR4v1--300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flahc 2f4vv0b7KY7B6xGevR4v1-" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flahc-2f4vv0b7KY7B6xGevR4v1--300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flahc-2f4vv0b7KY7B6xGevR4v1--1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flahc-2f4vv0b7KY7B6xGevR4v1--768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flahc-2f4vv0b7KY7B6xGevR4v1--1536x922.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flahc-2f4vv0b7KY7B6xGevR4v1-.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Albert Rösti enthüllt seinen Hitzeplan.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Foodwatch fordert Hygiene-Smileys für die Gastro</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/foodwatch-fordert-hygiene-smileys-fuer-die-gastro/</link>
					<pubDate>Wed, 02 Sep 2026 07:29:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=723945</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="200" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/restaurant-dish-meal-food-plate-kitchen-830948-pxhere.com_-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="restaurant-dish-meal-food-plate-kitchen-830948-pxhere.com" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/restaurant-dish-meal-food-plate-kitchen-830948-pxhere.com_-300x200.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/restaurant-dish-meal-food-plate-kitchen-830948-pxhere.com_-1024x683.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/restaurant-dish-meal-food-plate-kitchen-830948-pxhere.com_-768x512.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/restaurant-dish-meal-food-plate-kitchen-830948-pxhere.com_-1536x1024.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/restaurant-dish-meal-food-plate-kitchen-830948-pxhere.com_.jpg 1575w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Betriebe in Deutschland, die mit Lebensmitteln hantieren, sollen Kontrollergebnisse nach dänischem Vorbild transparent machen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die deutsche Konsumentenorganisation Foodwatch fordert transparente Lebensmittelkontrollen. Nicht zum ersten Mal und aus nachvollziehbaren Gründen: Wer sich schnell eine Pizza holt oder viel Geld für ein Abendessen ausgibt, will sicher sein, dass der Betrieb hygienisch einwandfrei wirtschaftet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf einen Blick erkennen, wie die Pizzeria, die Bäckerei und das Sternerestaurant hygienisch dastehen, das wünschen sich viele. In der Schweiz und in Deutschland bleibt es bisher ein Wunsch. Nachzuvollziehen, was die letzte Lebensmittelkontrolle ergeben hat oder wann sie stattgefunden hat, ist kaum möglich. Kontrollergebnisse sind so gut wie nie öffentlich einsehbar. Von abgelaufenen Lebensmitteln, schmutzigem Arbeitsgerät, Schimmel oder Schädlingen erfahren Kundin und Kunde also oft nur, wenn einem Betrieb die Lizenz entzogen wird.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vorbild Dänemark</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mindestens eine Kennzeichnung sei überfällig, argumentiert Foodwatch. Dänemark hat mit Transparenz gute Erfahrungen gemacht. Seit 2001 gibt es dort ein einfaches «Smiley-System», das Aufschluss darüber gibt, wie es in Küche und Keller aussieht. Restaurants, Bäckereien und Beizen müssen ihren Smiley öffentlich aushängen und auf ihrer Website veröffentlichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt drei Arten von Smileys: lächelnd, neutral und negativ. Dazu kommt ein Symbol für Betriebe, die noch nicht kontrolliert wurden oder von der Kontrolle ausgenommen sind, und ein «Elite-Smiley» für solche, bei denen es viermal in Folge nichts zu beanstanden gab. Auf dem Aushang ist aufgeführt, wann die beiden vorhergehenden Kontrollen waren und wie sie verlaufen sind:</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="827" height="851" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Eksempel-smileymaerke.png" alt="Eksempel smileymærke" class="wp-image-723951" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Eksempel-smileymaerke.png 827w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Eksempel-smileymaerke-292x300.png 292w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Eksempel-smileymaerke-768x790.png 768w" sizes="auto, (max-width: 827px) 100vw, 827px" /><figcaption class="wp-element-caption">Beispiel für einen dänischen Kontrollbeleg</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Über einen QR-Code oder direkt lässt sich auf <a href="https://www.findsmiley.dk/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">findsmiley.dk</a> der Prüfbericht einsehen. Neben Hygienekontrollen werden wie in der Schweiz und Deutschland auch Kennzeichnungspflichten und Dokumentation wie Reinigungsprotokolle geprüft. Laut Foodwatch haben <a href="https://www.foodwatch.org/de/neue-plattform-topf-secret-jetzt-hygienekontrollen-abfragen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Norwegen und Wales</a> ebenfalls transparente Systeme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Smiley-System trug sicher auch seinen Teil dazu bei, dass die Fastfoodkette KFC im vergangenen Jahr alle Filialen in Dänemark schliessen musste. Bei KFC-Restaurants in Kopenhagen waren zuvor <a href="https://www.bild.de/news/ausland/kfc-skandal-in-kopenhagen-daenische-restaurants-schliessen-685bafbe55b854137f0b0d88" target="_blank" rel="noreferrer noopener">schwere Hygienemängel aufgeflogen</a>. KFC steht auch in anderen Ländern wegen des Umgangs mit Poulet <a href="https://www.tschechien.news/post/kfc-in-tschechien-hat-weiterhin-mit-hygieneproblemen-zu-k%C3%A4mpfen-zweiter-vorfall-in-wenigen-monaten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in der Kritik</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Erfolg in Dänemark – Ablehnung in der Schweiz und Deutschland</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur Foodwatch fordert seit Jahren «Smileys für Deutschland!». Bisher erfolglos &#8211; in Deutschland gab es mehrere <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/hygieneregeln-ministerin-aigner-will-schmuddel-restaurants-kennzeichnen-a-717153.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">vergebliche Versuche</a>, ein transparenteres Kontrollsystem einzuführen, sowie ein lokales Projekt in <a href="https://www.bav-institut.de/de/news/smiley-system-aus-berlin-pankow-wieder-am-start" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Berlin</a>, das eingestellt wurde. In der Schweiz wird das Thema kontrovers diskutiert, mehrere Vorschläge dazu wurden auf parlamentarischem Weg abgelehnt. Einzelne Betriebe veröffentlichen laut <a href="https://www.blick.ch/politik/politik-verhindert-gruesel-pranger-erste-beizen-zeigen-kontroll-berichte-freiwillig-id21898736.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Blick»</a> ihre Kontrollergebnisse, andere sind strikt dagegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Dänemark kennen 97 Prozent der dänischen Konsumentinnen und Konsumenten den Lebensmittel-Smiley, 90 Prozent orientieren sich laut Foodwatch daran. Der Anteil «lächelnder Smileys» oder beanstandungsfreier Kontrollen ist seit der Einführung von 70 auf über 80 Prozent <a href="https://klitly.de/hvad-er-det-smileys-an-daenischen-geschaeften-kontrolrapport/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deutlich gestiegen</a>. Er trägt also zur Qualitätsverbesserung bei. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das entlastet auch die Behörden, was der Forderung nach einem transparenten System Nachdruck verleiht. In Deutschland falle jede vierte geplante Kontrolle aus, legt Foodwatch in einem <a href="https://www.foodwatch.org/de/neuer-report-warum-viele-lebensmittelkontrollen-ausfallen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">aktuellen Bericht</a> dar. In der Schweiz <a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/lasche-aufsicht-in-gastronomie-kantone-fuehren-zu-wenig-lebensmittelkontrollen-durch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">bemängelte die Eidgenössische Finanzkontrolle</a> vor drei Jahren dass Kontrollen zu selten stattfänden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/kennzeichnung-und-inhaltsstoffe/kontrollergebnisse-der-lebensmittelueberwachung-anfordern-so-gehts-11430" target="_blank" rel="noreferrer noopener">deutsche Verbraucherzentrale</a> weist darauf hin, dass Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen nach dem Verbraucherinformationsgesetz<strong> </strong>offengelegt werden müssen. Eine Anfrage ist ein einigermassen mühsames Unterfangen. Die Verbraucherzentrale stellt dazu einen Musterbrief zur Verfügung und beschreibt, wie man die Anfrage stellt.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/f7411d32d9414f858d1fe7518dda70c6" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>FDP-Ständeräte machen UBS-Ermotti reich und happy</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/fdp-staenderaete-machen-ubs-ermotti-reich-und-happy/</link>
					<pubDate>Tue, 01 Sep 2026 08:44:06 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=724127</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="150" height="150" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/05/Lukas-Haessig-Schweizer-Journalist-2024-klein-e1747067527297.png"/></p>Handeln die Freisinnigen irrational? Oder sind sie käuflich? Sie wollen keine strengen Regeln für die UBS.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Vor 25 Jahren versenkte die Zürcher FDP die Swissair. Jetzt vergoldet sie die UBS-Topshots. Diese wollen mit wenig Kapital maximal verdienen. Das schaffen sie jetzt – Freisinn sei Dank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die FDP-Ständeräte waren gestern entscheidend dafür, dass die UBS keinen einzigen harten Kapitalfranken aufbringen muss. Stattdessen kann die letzte Schweizer Grossbank Milliarden frischer AT1-Anleihen herausgeben. Das sind die Todesspiralen-Bonds, welche die CS am Ende über die Klippe stiessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nie mehr CS, lautete denn auch die Forderung nach dem Untergang der Paradeplatz-Bank. Dreieinhalb Jahre später haben die FDP-Ständeräte alles vergessen. Die AT1-Anleihen jedenfalls taugen in der Krise nichts. Sie reissen die Schuldnerin erst recht in die Tiefe. Gemäss «Financial Times» würde die UBS «$16bn new AT1 bonds» benötigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Haben die bürgerlichen Ständeräte einfach irrational entschieden? Oder werden sie dafür belohnt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Beispiel mit baldigen Jobs weit oben in der UBS? Verwaltungsrats-Sitze in Konzern und Schweizer Einheit? Die Bank hat 1700 Milliarden angelegt. So gross ist ihre Bilanzsumme. Hinzu kommen noch viel mehr ausserhalb der Bilanz. Als Derivative. Explodiert dort ein kleiner Teil, gehts schnell um einige Dutzend Milliarden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2008 waren es die Schrott-Hypotheken, die zum Crash führten. Die trugen ein Triple-A, waren aber Minus-C. Ein mathematischer Humbug, basierend auf Statistiken, kreiert von Atom-Physikern, die es ins Bonus-Banking verschlagen hatte. Als die Subprime-Granaten explodierten, war die UBS pleite. Die Schweiz musste sie mit 70 Milliarden Risikoeinsatz retten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast-forward: 2023 sprang erneut der Bürger ein. Damit die CS nicht das ganze Land in die Tiefe riss, brauchte es 257 Milliarden. Dreieinhalb Mal so viel wie 15 Jahre zuvor. Der Faktor leuchtet ein: Die ganze Finanzwirtschaft hatte sich in der Zwischenzeit etwa so stark aufgebläht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2038 wäre es nach simpler Annahme wieder so weit. Gehts an den Märkten im gleichen horrenden Tempo weiter, bräuchte es dann 500 oder noch mehr Milliarden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hat die Schweiz so viel Pulver?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die 20 Milliarden hartes Kernkapital, gegen die sich Sergio Ermotti stemmte, hätten die UBS in einer Grosskrise nicht gerettet. Aber sie hätten die Bank über die nächsten Jahre vielleicht davon abgehalten, unkalkulierbare Risiken einzugehen. Jetzt drohen solche Risiken just im Investment-Banking. Dort, wo die UBS ihre Nahtod-Erlebnisse hatte, legt sie erneut zu wie sonst nirgends.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die FDP-Cracks im Stöckli wischten Einwände wie diese vom Tisch. Sie frassen Ermotti aus der Hand: Gebt uns gleich lange Spiesse, sonst übernimmt uns ein US-Gigant – dieses Schreckgespenst malte der Tessiner an die Wand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Ermotti, der selber im Investment-Banking gross geworden ist, war es ein Kinderspiel, der Monster-Bank ein super-konseratives Mäntelchen umzuhängen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Realität sieht allerdings anders aus. Amerikanische Grossbanken haben 5 bis 6 Prozent «Leverage Ratio». Gemeint ist das Verhältnis von echtem, eigenen Kapital zur Bilanzsumme. Bei der UBS sind es 4,5 Prozent. Damit ist die UBS ein «Outlier», ein Ausreisser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber nicht nach oben, wie Ermotti den Ständeräten weismachte, sondern nach unten.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><em>Keine. Der Autor ist Redaktor und Inhaber des Portals <a href="https://insideparadeplatz.ch/2026/09/01/versager-fdp-macht-ubs-ermotti-reichhappy/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Inside Paradeplatz</a>, auf dem dieser Beitrag zuerst erschien.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Wer schlachtet die Schüsse von Aarau für sich aus?</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/medien/wer-schlachtet-die-schuesse-von-aarau-fuer-sich-aus/</link>
					<pubDate>Tue, 01 Sep 2026 07:32:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=723731</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/tommy-1-e1788172161886-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/tommy-1-e1788172161886-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/tommy-1-e1788172161886-1024x615.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/tommy-1-e1788172161886-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/tommy-1-e1788172161886.jpg 1136w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Noch bevor die Polizei einen 43-jährigen Schweizer unter dringendem Tatverdacht festnimmt, beginnt der Kampf um die Deutung.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">In Aarau ist in der Nacht auf Sonntag eine junge Frau <a href="https://www.swissinfo.ch/ger/sch%C3%BCsse-nach-rave-party-in-aarau%3A-eine-tote%2C-f%C3%BCnf-verletzte/91976228" target="_blank" rel="noreferrer noopener">erschossen</a> worden, fünf Menschen wurden verletzt. Die Polizei hat in der Nacht auf Montag einen 43-jährigen Schweizer <a href="https://www.ag.ch/de/medien/medienmitteilungen-kapo?mmk=aarau-43-jaehriger-tatverdaechtiger-nach-mehreren-schussabgaben-festgenommen-01c2708f-8095-4614-ab75-db5d8af58f1a_de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">festgenommen</a>. Die Mitteilung ist knapp gehalten. Über das Motiv ist nichts bekannt. Die Aargauer Kantonspolizei will am Mittwoch informieren, aber der rechtsextreme englische Influencer Tommy Robinson hatte bereits eine Ahnung, lange bevor der Mann festgenommen wurde. «Nach einer Schiesserei auf einer Rave-Party in der Schweiz, bei der eine 22-jährige Frau getötet und fünf weitere Personen verletzt wurden, läuft derzeit eine Fahndung», <a href="https://x.com/TRobinsonNewEra/status/2094125026823843909" target="_blank" rel="noreferrer noopener">schrieb er</a> am Sonntag an seine zwei Millionen Follower. «Europa ist am Ende.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er meint das natürlich nicht wegen der Gewalt an sich, die Sache mit dem Ende Europas. Wer Tommy Robinson kennt und verfolgt, weiss: Europa ist dann am Ende, wenn Robinson die Tat als Beweis für eine gescheiterte Migrationspolitik verwenden kann. Es ist offensichtlich, dass nicht allein der Schweizer Pass, sondern der Name und die familiäre Herkunft des Tatverdächtigen darüber entscheiden werden, welche Erzählung die nächsten Tage oder Wochen beherrschen wird. Handelt es sich beim Festgenommenen um einen Schweizer ohne Migrationshintergrund oder gar um einen Rechtsextremen, wird Robinson verstummen, und andere Stimmen mit anderen Forderungen werden übernehmen. Das Opfer bliebe dasselbe, aber der politische Nutzen wäre ein anderer.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Hoffentlich kein Kanake»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) sagte eine linke Rednerin, ihr erster Gedanke sei gewesen, dass der Täter hoffentlich kein «Kanake» sei, sondern ein weisser Christ. Die rechte Bubble auf X reagierte angemessen nüchtern: mit dem Durchbrennen aller Sicherungen. Das Video, versehen mit hetzerischen Kommentaren gegen die junge Frau, verbreitete sich Dutzende Millionen Mal. Der Rednerin wäre der Terror gelegen gekommen, so der kollektive Vorwurf, solange sie diesen gegen rechts hätte instrumentalisieren können. Das ist, wenn man sich die Rede mal anguckt, natürlich totaler Quatsch, denn ihre Worte konnten zuerst einmal als ein in der Tat völlig schräger Versuch verstanden werden, die umgehende politische Vereinnahmung des Anschlags zu kritisieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die rechte Influencerin und «Weltwoche»-Kolumnistin Anabel Schunke teilte zwar die rechte Lesart der Aussage, warf aber der eigenen Bubble genau deswegen <a href="https://x.com/ainyrockstar/status/2081663199087120873" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Heuchelei</a> vor und liess bei diesem Vorwurf ziemlich tief blicken: «Und genau wie diese Frau jetzt offen und ehrlich ausspricht, dass sie sich einen weissen, christlichen Mann als Täter gewünscht hätte, wünscht ihr euch doch jedes Mal, dass es ein Migrant, ein Moslem, ein Islamist ist. Und ja, mir ist das auch lieber. Sage ich, wie es ist.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Berliner CSD-Rede und Anabel Schunkes Antwort ergeben zusammen ein ziemlich präzises EKG unserer Gegenwart: Noch im Augenblick des Entsetzens denken wir als Erstes an den Informationskrieg. Wer verletzt oder ermordet wurde, ist zweitrangig. Zuerst einmal stellt sich die Frage, wem die Tat nützt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Schicksal eines Kontinents</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Schüssen von Aarau stehen die rechtsextremen Accounts bereit. «Europa ist am Ende», heisst es nicht nur bei Robinson, sondern auch bei anderen. Aus einem Verbrechen, über das wir zu diesem Zeitpunkt praktisch nichts wissen, wird auf X das Schicksal eines Kontinents. Die «richtige» Herkunft bringt Punkte, die «falsche» Herkunft muss relativiert werden. Mal soll ein Täter für eine Religion, ein Geschlecht, eine Herkunft oder ein ganzes politisches Milieu stehen. Ein anderes Mal darf die Tat unter keinen Umständen über den Einzelfall hinausgehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Angehörigen und Betroffenen sind Ereignisse wie in Aarau eine Katastrophe. Für die politischen Lager sind sie Futter, von der ersten Sekunde an.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/schweiz/die-stunde-der-patrioten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Stunde der Patrioten</a>, Infosperber vom 10.&nbsp;Juni 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Eine «neutrale» Schweizer Sanktionspolitik ist realitätsfremd</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/schweiz/eine-neutrale-schweizer-sanktionspolitik-ist-realitaetsfremd/</link>
					<pubDate>Tue, 01 Sep 2026 07:31:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=723511</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Schweiz-als-Friedensinsel-1916-nach-Bild-von-R.-Weiss-x-e1788003872573-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Schweiz als Friedensinsel, 1916 nach Bild von R. Weiss x" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Schweiz-als-Friedensinsel-1916-nach-Bild-von-R.-Weiss-x-e1788003872573-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Schweiz-als-Friedensinsel-1916-nach-Bild-von-R.-Weiss-x-e1788003872573-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Schweiz-als-Friedensinsel-1916-nach-Bild-von-R.-Weiss-x-e1788003872573-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Schweiz-als-Friedensinsel-1916-nach-Bild-von-R.-Weiss-x-e1788003872573.png 1199w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Früher war die Devise: Die Handelsbeziehungen mit Aggressoren einfrieren. Die Sanktionen gegen Russland verletzen die Neutralität. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph"><em>upg. Die Schweiz kann sich nicht mehr glaubhaft bewaffnen und verteidigen, ohne sich militärisch von Nato-Ländern abhängig zu machen. Und unsere Waffenindustrie ist auf Waffenexporte angewiesen.</em> <em>Entsprechend wollen die Bundesratsparteien die Neutralität lockern und mit der Nato enger zusammenarbeiten.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Von einer neutralen Schweiz ohne schwere Waffen und ohne Militär – nach dem Beispiel von Panama oder Costa Rica – wollen selbst linke Parteien nichts wissen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Um die Abstimmung über die Neutralitätsinitiative zu beeinflussen, ist Gegnern und Befürwortern jedes Argument recht. Die grossen Medien hinterfragen vor allem die Argumente der SVP, kaum jedoch die Argumente der Gegner.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Helmut Scheben tut dies und ergänzt damit die gegenwärtige Debatte.&nbsp;</em></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="583" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Corina-Gredig-Blick-1024x583.png" alt="Corina Gredig Blick" class="wp-image-723519" style="width:500px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Corina-Gredig-Blick-1024x583.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Corina-Gredig-Blick-300x171.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Corina-Gredig-Blick-768x437.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Corina-Gredig-Blick-1536x875.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Corina-Gredig-Blick.png 1644w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">GLP-Fraktionschefin Corina Gredig</figcaption></figure>
</div>


<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><em>«Die Initiative bricht mit einer Praxis der seit über 175 Jahren bewährten Neutralität.»</em></p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph"><br><br></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Helmut Scheben: </em>Dieses Statement stellt die Realität auf den Kopf. Es wird behauptet, die Neutralitätsinitiative bedeute einen Bruch mit unserer Tradition. Das Gegenteil ist der Fall. Die bewährte Neutralität hat der Bundesrat auf den Kopf gestellt, als er sich den Sanktionen der USA und der EU gegen Russland anschloss. Präzedenzfälle waren die beiden Kriege im Irak.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="575" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Heinz-Theiler-1024x575.png" alt="Heinz Theiler" class="wp-image-723521" style="width:500px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Heinz-Theiler-1024x575.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Heinz-Theiler-300x168.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Heinz-Theiler-768x431.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Heinz-Theiler-1536x862.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Heinz-Theiler.png 1673w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">FDP-Nationalrat Heinz Theiler</figcaption></figure>
</div>


<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><em>«Die Initianten verkaufen ihre Initiative als Beitrag zu unserer Sicherheit. Sie behaupten, eine besonders starke Auslegung der Neutralität schütze uns davor, in militärische Konflikte hineingezogen zu werden. Das ist falsch. Die Schweiz ist heute neutral und beteiligt sich an keinen militärischen Konflikten anderer Staaten. Daran ändert sich mit oder ohne die Initiative überhaupt nichts. Die Initiative bietet also keinen zusätzlichen Schutz, um in keinen Krieg verwickelt zu werden.»&nbsp;</em></p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Helmut Scheben:</em> Das ist Geschichtsklitterung. Die Schweiz beteiligt sich seit Februar 2022 wirtschaftlich an einem Krieg und hat ihre Neutralität damit aufgegeben. Sie verbündete sich mit den USA und der Europäischen Union und hat wirtschaftliche Zwangsmassnahmen ergriffen, um Russland zu sanktionieren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit beteiligt sich die Schweiz am Verteidigungskrieg, den die EU und die Nato zusammen mit der Regierung in Kiew gegen Russland führen. Die Nato beteiligt sich personell, mit Ausrüstung und mit Waffenlieferung. Bei sämtlichen Boykott-Massnahmen macht die Schweiz mit. US-Präsident Joe Biden hatte am&nbsp;<a href="https://www.politico.com/interactives/2022/state-of-the-union-2022-live-watch-online-streaming-video-transcript-3-1-2022/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">1. März 2022 erklärt</a>, «sogar die Schweiz» würde Russland Schaden zufügen (das heisst, bei den wirtschaftlichen Zwangsmassnahmen mitmachen).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Ansicht des russischen Aussenministers hat die Schweiz ihre Neutralität aufgegeben. Sie sei jetzt zum Feind Russlands geworden. «Wenn die beiden Hauptprotagonisten in diesem Punkt übereinstimmen, dann ist etwas schiefgelaufen», erklärte der frühere Schweizer Botschafter und Buchautor Paul Widmer in der «NZZ».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schweiz hat sich – anders als in den meisten anderen Konflikten – nicht neutral verhalten. Bisher hielt sich die Schweiz wirtschaftlich in der Regel an den «Courant normal». Sie hielt die Handelsbeziehungen mit Kriegsparteien aufrecht, aber weitete sie nicht aus, um nicht Profiteurin eines Krieges zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Neutralitätsinitiative würde die Schweiz zwingen, sich in Kriegen wirtschaftlich wieder neutral zu verhalten. Das kann sie davor bewahren, in Kriege verwickelt zu werden. Sie kann als – militärisch und wirtschaftlich – neutrales Land eine Verhandlungslösung vermitteln, wie sie dies mit ihren guten Diensten in der Vergangenheit mehrmals tun konnte. Die Schweiz ist das Land der Genfer Konventionen und des IKRK.&nbsp;</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading has-large-font-size">Die Schweizer Neutralitätspolitik des «Courant normal» / upg</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>Zweiter Weltkrieg</strong><br>Die Schweiz hielt den Handel mit Deutschland/Italien auf demselben Niveau wie vor dem Krieg, ohne ihn auszuweiten – dokumentiert unter anderem im Bergier-Bericht und in einem Bundesarchiv-Dossier.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Einseitige Unabhängigkeitserklärung Rhodesiens (UN-Sanktionen 1965/66)</strong><br>Der Bundesrat beschloss 1965 eine Ausfuhrbegrenzung für Kriegsmaterial und Einfuhrbeschränkung für Importe, um im «Courant normal» zu bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Apartheid in Südafrika (1948–1994)</strong><br>Die Schweiz berief sich gegenüber Südafrika auf «Courant normal» statt auf eigene Sanktionen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Islamische Revolution in Iran (1977–1983)<br></strong>Darüber gibt es eine <a href="https://www.infoclio.ch/fr/courant-normal-die-schweizer-aussenwirtschaft-w%C3%A4hrend-der-islamischen-revolution-im-iran-1977-1983" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Masterarbeit</a> an der Universität Freiburg.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Iran-Irak-Krieg (1980 &#8211; 1988)</strong><br>Ein diplomatisches <a href="https://dodis.ch/T2053" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dokument</a> belegt, dass die Schweiz versuchte, mit allen Konfliktparteien Kontakte im Sinne des «Courant normal» aufrechtzuerhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>DDR im Kalten Krieg<br></strong>Die <a href="https://www.nzz.ch/meinung/die-geschaefte-der-schweiz-mit-der-stasi-ld.1539575" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«NZZ» </a>beschreibt, wie die Schweiz Ausfuhren in den Ostblock im Rahmen eines «Courant normal» hielt, soweit CoCom-Embargogüter betroffen waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Golfkrieg / Irak-Kuwait (1990/91)</strong><br>Erstmals vollzog die Schweiz UN-Sanktionen <a href="https://www.swissinfo.ch/ger/demografie/1991-die-schweiz-und-der-golfkrieg/3175972" target="_blank" rel="noreferrer noopener">autonom nach</a>, statt nur «Courant normal» anzuwenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Krieg der USA gegen Irak (2003)</strong><br>Zunächst hielt der Bundesrat am «Courant normal» fest, gab dieses Konzept aber nach EU-Sanktionsübernahme gemäss <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sanktionen_gegen_Russland_seit_dem_%C3%9Cberfall_auf_die_Ukraine" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wikipedia</a> faktisch auf. Das Gleiche sagt ein Fachartikel der Schweizerischen Gesellschaft für Aussenpolitik: <a href="https://www.aussenpolitik.ch/courant-normal-hat-europapolitisch-ausgedient/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«‹Courant normal› hat europapolitisch ausgedient»</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aktueller Iran/USA/Israel-Konflikt<br></strong>Der Bundesrat wendet «Courant normal» auf Überflugbewilligungen im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Iran und USA/Israel an – <a href="https://www.watson.ch/schweiz/international/970659524-krieg-weshalb-die-schweizer-wirtschaft-keine-freude-an-dem-wort-hat" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Watson» </a>berichtete am 16. März 2026, dass Gesuche über den «Courant normal» hinaus abgelehnt werden.</p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Helmut Scheben:</em> Es ist naiv zu glauben, eine intensivierte Zusammenarbeit mit der Nato würde die Schweiz aus solchen militärischen Angriffen und Kriegen heraushalten. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion greifen die USA und die Nato fast ununterbrochen militärisch in fremden Ländern ein. Der wissenschaftliche&nbsp;Dienst des US-Kongresses dokumentierte im Jahr 2022, dass die USA seit 1991 insgesamt 251 militärische Einsätze im Ausland ausführten («use of U.S. armed forces abroad»). In vielen Fällen war die Nato&nbsp;mit Personal und Waffen beteiligt.&nbsp;</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="568" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Cedric-Wermuth-1024x568.png" alt="Cédric Wermuth" class="wp-image-723523" style="width:500px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Cedric-Wermuth-1024x568.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Cedric-Wermuth-300x166.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Cedric-Wermuth-768x426.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Cedric-Wermuth-1536x851.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Cedric-Wermuth-800x445.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Cedric-Wermuth.png 1658w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Cédric Wermut, Co-Präsident SP Schweiz</figcaption></figure>
</div>


<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><em>«Die Neutralitäts-Initiative ist eine direkte Reaktion darauf, dass die Schweiz 2022 die Sanktionen gegen Russland und das Regime Putins übernommen hat, nachdem der brutale und völkerrechtswidrige Angriff auf die Ukraine in vollem Ausmass erfolgt war. Was uns hier als zeitlose Neutralität verkauft wird, ist in Wahrheit der Versuch, nicht das Opfer zu schützen, sondern den Aggressor. Wer den Angreifer und das Opfer nämlich gleichbehandelt – das wissen wir alle, – ist nicht neutral. Er stellt sich auf die Seite des Stärkeren und gegen das Recht.»&nbsp;</em></p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Helmut Scheben:</em> Diese moralische Position klingt gut. Doch sie lässt sich gegenüber der realen Machtpolitik der Grossmächte nicht halten. Sobald deren Machtinteressen tangiert sind, führen Grossmächte Kriege, ohne auf Völkerrecht, UN-Charta oder Genfer Konventionen Rücksicht zu nehmen. Wenn Russland, China oder die USA Krieg führen, kümmern sie sich nicht um die Regeln des Völkerrechts.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb kann sich die&nbsp;Schweiz nicht als Moralinstanz aufspielen. Es ist unglaubwürdig, wenn Aussenminister Ignazio Cassis selbstüberschätzend und realitätsfern&nbsp;<a href="https://www.nzz.ch/schweiz/bundesrat-cassis-zur-neutralitaet-der-druck-aus-dem-ausland-beeinflusst-wie-sich-ein-land-verhaelt-ld.10019804" target="_blank" rel="noreferrer noopener">erklärt</a>, die Schweiz müsse handeln, wenn das Völkerrecht schwerwiegend missachtet wird. Wörtlich sagte er: «Wenn sich jemand nicht an Regeln hält, müssen wir handeln.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Realität sieht anders aus: Für einen neutralen Staat ist es meistens unmöglich, Sanktionen gegen Staaten zu ergreifen, die «sich nicht an die Regeln halten» und Menschenrechte schwerwiegend verletzen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Russland hatte in Afghanistan neun Jahre lang Krieg geführt, Frankreich in Vietnam acht Jahre, die USA in Vietnam neun Jahre und in Afghanistan zwanzig Jahre lang. Gegenwärtig führt Israel einen völkerrechtswidrigen, weil völlig unverhältnismässigen Verteidigungskrieg gegen Gaza, das Westjordanland und den Libanon. Die USA haben zusammen mit Israel völkerrechtswidrig Iran angegriffen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schweiz hat keinen dieser Aggressoren mit wirtschaftlichen Sanktionen bestraft. Sie blockierte US-Geschäftsleuten, die der Regierung nahestehen, ihr Vermögen auf Schweizer Konten nicht, als die USA völkerrechtswidrig den Irak angriffen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In allen diesen grossen Kriegen hat die Schweiz nicht «gehandelt». Doch seit Russland einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Ukraine führt und Menschenrechte schwerwiegend verletzt, macht die neutrale Schweiz am Wirtschaftskrieg gegen Russland mit.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sich die Schweiz wie bei früheren Kriegen an den «Courant normal» gehalten hätte, wäre sie nicht allein gewesen. Die Hälfte der G-20-Staaten hat sich den Sanktionen gegen Russland nicht angeschlossen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="568" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Andrea-Gmuer-Schoenenberger-1024x568.png" alt="Andrea Gmür-Schönenberger" class="wp-image-723525" style="width:500px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Andrea-Gmuer-Schoenenberger-1024x568.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Andrea-Gmuer-Schoenenberger-300x166.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Andrea-Gmuer-Schoenenberger-768x426.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Andrea-Gmuer-Schoenenberger-1536x852.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Andrea-Gmuer-Schoenenberger-800x445.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Andrea-Gmuer-Schoenenberger.png 1656w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mitte-Ständerätin Andrea Gmür-Schönenberger</figcaption></figure>
</div>


<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><em>«Diese sogenannte Neutralitätsinitiative […] gefährdet unsere Sicherheit, weil sie die Zusammenarbeit mit unseren Partnern massiv einschränkt. Sie bricht mit unseren Werten, weil eine Schweiz, die bei schweren Kriegsverbrechen einfach wegschauen muss, ihre Tradition verrät, für das Völkerrecht einzustehen. Wir wollen weiterhin für das Völkerrecht einstehen und nicht wegschauen. Das entspricht nicht unserer humanitären Tradition. Und schlussendlich zerstört diese Initiative unsere Handlungsfähigkeit, weil sie uns in ein starres Korsett zwängt und heute festschreibt, wie wir in Zukunft handeln dürfen.»&nbsp;</em></p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Helmut Scheben:</em> Selbstverständlich zwängt uns diese Neutralitätsinitiative in ein Korsett. Auch das Strafgesetzbuch ist ein Korsett. Auch die Schweizer Verfassung ist ein Korsett. Da wird festgeschrieben, was wir für vernünftig halten. Die Neutralitätsinitiative ist kein Bruch mit unserer Tradition. Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben diese Tradition im Februar 2022 gebrochen, als wir die Zwangsmassnahmen gegen Russland sofort mitvollzogen. Mit der Art, wie unser Aussenminister am Flughafen Kloten Präsident Wolodymyr Selensky umarmte, haben wir der ganzen Welt gezeigt, auf welcher Seite wir stehen, dass wir an diesem Krieg gegen Russland teilnehmen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbstverständlich darf und soll auch die Schweiz Aggressoren und schwere Menschenrechtsverletzungen öffentlich verurteilen. Bundesrat und Parlament müssen Aggressionen «nicht einfach schlulterzuckend zur Kenntnis nehmen», «dazu schweigen» oder «wegschauen», wie es Daniel Foppa in der «NZZ am Sonntag» den Initianten der Neutralitätsinitiative unterschiebt. Aber bei diplomatischen Auftritten, militärisch und besonders auch  wirtschaftlich soll sie sich neutral verhalten.<br></p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle vier grossen Medienkonzerne in der Schweiz verbreiten dieselbe Erzählung wie die Mitte-Ständerätin, dass die Neutralitätsinitiative unsere Sicherheit gefährde. Diese sei gefährdet, weil der Russe uns angreifen werde. Verteidigungsminister Martin Pfister sagte, wir müssten uns auf einen baldigen Krieg einstellen. Auch EU und Nato verbreiten, es sei spätestens 2029/30 mit einem Krieg mit Russland zu rechnen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist ein ideologischer Glaubenssatz, der massenpsychologisch wirksam ist, nämlich die immer wieder aufgetischte Dominotheorie:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Wenn Vietnam nicht gehalten wird, wird ganz Asien kommunistisch. Wenn Nicaragua nicht gehalten wird, dann kippen Guatemala, Honduras, Mexiko und die Sowjetunion steht an der Südgrenze der USA.&nbsp;</li>



<li>Wenn wir den Irak nicht angreifen, wird Saddam Hussein uns mit seinen ABC-Waffen angreifen. Wenn wir in Afghanistan die Taliban am Hindukusch nicht besiegen, ist Deutschland nicht mehr sicher.&nbsp;</li>



<li>Wenn wir die Ukraine nicht halten, wird Putin erst das Baltikum überrollen und dann Polen und dann stehen schon bald die russischen Panzer am Bodensee.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist stets ein extremes Feindbild, das den Leuten eingetrichtert werden muss, damit sie der Teilnahme an einem Krieg zustimmen. Die Menschen und die Parlamente müssen überzeugt werden, dass ein böser Feind uns bedroht. Nur dann kann das Rüstungsgeschäft funktionieren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Aufrüstung, die im Moment in Europa, in Brüssel, in Berlin betrieben wird, grenzt an Wahnsinn. Es werden Schuldenberge angehäuft, als gäbe es kein Morgen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gegner der Neutralitätsinitiative wollen die Zusammenarbeit mit der Nato intensivieren. So sagte es bereits die damalige Verteidigungsministerin Viola Amherd im Jahr 2024. Heute erklärt der aktuelle Verteidigungsminister Martin Pfister, wir müssten uns auf einen baldigen Krieg einstellen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist jedoch naiv zu glauben, dass uns eine Annäherung an die Nato von diesen Kriegen verschont. Vielmehr würde die Schweiz in Konflikte hineingezogen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">____________<br><em>Eine mündliche Version dieses Beitrags kam im&nbsp;<a href="https://ttv.swiss/Alles-nur-nicht-neutral-Helmut-Scheben-nimmt-die-Medienkonferenz-des-Nein" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Transition TV</a>.</em></p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Helmut Scheben ist in Deutschland aufgewachsen und hat dort Romanistik studiert und promoviert. Danach arbeitete er lange in Lateinamerika und kam 1985 in die Schweiz. Zuerst arbeitete er bei der Wochenzeitung WoZ und danach fast zwanzig Jahre beim Schweizer Fernsehen, die meiste Zeit davon bei der Tagesschau.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Google-Multimilliardäre machen den Kotau vor Präsident Trump</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/welt/google-multimilliardaere-machen-den-kotau-vor-praesident-trump/</link>
					<pubDate>Tue, 01 Sep 2026 07:30:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=723917</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="179" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/GM-Lake-America-e1788193318270-300x179.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="GM Lake America" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/GM-Lake-America-e1788193318270-300x179.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/GM-Lake-America-e1788193318270-768x459.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/GM-Lake-America-e1788193318270.png 846w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Kaum wollte Trump, dass der Lake Ontario neu «Lake America» heisst, spurte Google Maps und änderte für das US-Publikum den Namen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Es dauerte nur zwei Tage: Präsident Donald Trump hatte im Zuge des Handelsstreits mit Kanada die US-Behörden angewiesen, den Lake Ontario als «Lake America» zu bezeichnen, und schon spurte der Google-Konzern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ausserhalb der USA behält Google Maps den Namen Lake Ontario bei:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="449" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/GM-Lake-Ontario-1024x449.png" alt="GM Lake Ontario" class="wp-image-723869" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/GM-Lake-Ontario-1024x449.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/GM-Lake-Ontario-300x132.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/GM-Lake-Ontario-768x337.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/GM-Lake-Ontario.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Google Maps ausser halb der USA</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Google wird von den Multmilliardären Larry Page und Sergey Brin kontrolliert. Sie besitzen zwar beide nur noch rund zehn Prozent der Aktien des Mutterkonzerns Alphabet. Doch ihre «Class-B-Aktien» haben ein Mehrfach-Stimmrecht, sodass sie über die Stimmenmehrheit verfügen. Sergey Brin (Vermögen laut Forbes: 261 Milliarden Dollar) ist ein grosser Trump-Unterstützer. Die Unterstützung von Larry Page (Vermögen laut Forbes: 283 Milliarden Dollar) ist diskreter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kanadas Premierminister Mark Carney lehnte die Umbenennung sofort ab und erklärte, der Name «Ontario» stamme aus der indigenen Wendat-Sprache und sei älter als die Staaten Kanada und USA. Ontarios Premier Doug Ford reagierte mit Spott: «Er heisst Lake Ontario für Kanadier und den Rest der Welt, jetzt und für immer». Am 29. August liess er ein riesiges, zweistöckiges Schild an der Küste bei Grimsby (Ontario) nahe der US-Grenze aufstellen: «Lake Ontario. Now and Always».&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere demokratische Gouverneure der Anrainerstaaten der Grossen Seen haben sich distanziert.&nbsp;Kathy Hochul, Gouverneurin des US-Bundesstaats New York, erklärte knapp: «New York won&#8217;t be calling it that.»&nbsp;Michigans Gouverneurin Gretchen Whitmer verwies auf die Eselsbrücke H-O-M-E-S (Huron, Ontario, Michigan, Erie, Superior), mit der US-Schulkinder die Namen der Grossen Seen lernen. Wisconsins Gouverneur Tony Evers machte sich mit einem Video lustig, in dem er auf einer Restaurant-Serviette &#171;Lake Michigan&#187; in &#171;Lake Wisconsin&#187; umbenennt.&nbsp;</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="998" height="681" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/GM-PETITION.png" alt="GM PETITION" class="wp-image-723863" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/GM-PETITION.png 998w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/GM-PETITION-300x205.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/GM-PETITION-768x524.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/GM-PETITION-130x90.png 130w" sizes="auto, (max-width: 998px) 100vw, 998px" /><figcaption class="wp-element-caption"> </figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Bereits gibt es eine&nbsp;<a href="https://www.change.org/p/keep-lake-ontario-reverse-the-lake-america-executive-order">Online-Petition</a>, <br>die Bürgerinnen und Bürger unterschreiben können: <br>«Kein Kuhhandel mit den Namen unserer Grossen Seen».</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/308555af09a84660b97997c7f04be053" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>In der Schweiz wird so viel geflogen wie nie zuvor</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/in-der-schweiz-wird-so-viel-geflogen-wie-nie-zuvor/</link>
					<pubDate>Mon, 31 Aug 2026 08:35:15 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=723491</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Rekord-um-rekord-scaled-e1787990623424-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Rekord-um-rekord-scaled-e1787990623424-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Rekord-um-rekord-scaled-e1787990623424-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Rekord-um-rekord-scaled-e1787990623424-768x460.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Rekord-um-rekord-scaled-e1787990623424-1536x921.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Rekord-um-rekord-scaled-e1787990623424-2048x1228.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Trotz Hitze und hoher Kerosinpreise: Fliegen ist zu attraktiv. Ein EPFL-Forscher schlägt nun individuelle CO₂-Kontingente vor.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Reisen verbindet Menschen und Völker – aber Reisen belastet die Umwelt; vor allem Flugreisen tragen viel zum Ausstoss von Treibhausgasen und damit zur globalen Erhitzung bei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und Flugreisen boomen: Laut dem Portal Flightradar24.com fanden am 6. Juli 2026 weltweit 134&#8217;400 kommerzielle Flüge statt – so viele wie noch nie, seitdem das Portal 2006 begann, die globalen Flugaufzeichnungs-Daten auszuwerten. Zeitweise waren an diesem Tag mehr als 20&#8217;000 Flugzeuge gleichzeitig in der Luft, wie watson.ch berichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in der Schweiz wird geflogen wie nie zuvor: Im ersten Halbjahr 2026 stieg die Zahl der Reisenden am Flughafen Zürich auf 15,8 Millionen, ein Plus von 6 Prozent im Vorjahresvergleich und ein neuer Halbjahres-Rekord. Im Juli dann waren es 3,3 Millionen, ein Plus von 2,4 Prozent, wie der Flughafen Zürich mitteilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz Hitzesommer und ungeachtet steigender Flugpreise wegen des teureren Kerosins wird so viel geflogen wie nie. Zwar sind laut dem neusten Freizeit-Preisindex des Vergleichsdienstes Comparis die Flugtickets seit 2021 im Schnitt um 70 Prozent teurer geworden, doch das scheint die Fluglust nicht zu dämpfen. Entsprechend dürfte auch eine moderate Flugticket-Abgabe, wie sie derzeit diskutiert wird, kaum nennenswerte Auswirkungen haben. Und auf einen bundesrätlichen Appell, weniger ins Ausland zu fliegen, dem Klima und dem heimischen Gastgewerbe zuliebe, hat man auch dieses Jahr vergeblich gewartet. Stattdessen bleibt die Luftfahrt weiterhin direkt und indirekt subventioniert – etwa in dem keine Mehrwertsteuer auf internationale Flugtickets erhoben und das Kerosin nicht besteuert wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fliegen verursacht ein Viertel des Klimaschadens</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Anderseits verursachten Flüge von und nach der Schweiz im Jahr 2024 rund 5,5 Millionen Tonnen CO₂, wie das Bundesamt für Umwelt festhält. Das ist rund ein Sechstel der gesamten Schweizer CO₂-Emissionen. Addiert man weitere klimaschädliche Wirkungen des Fliegens hinzu (etwa die Kondensstreifen sowie die Tatsache, dass die Emissionen zumeist in grosser Höhe in der Atmosphäre stattfinden), dann verantwortet die Luftfahrt in der Schweiz gar mehr als ein Viertel der klimaschädlichen Auswirkungen, wie der Lausanner Ökonom und Physiker Sascha Nick schätzt, der an der EPFL und an der Management-Schule IMD tätig ist. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie könnte also das Ziel erreicht werden, dass weniger geflogen wird &#8211; und dass trotzdem nicht nur die reichsten Prozente der Bevölkerung sich das Fliegen noch leisten können? Eine Idee, die Nick zusammen mit Professor Philippe Thalmann von der EPFL entwickelt hat, heisst: individuelle CO₂-Budgets.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Individuelle CO₂-Budgets bedeuten, dass jede Person eine bestimmte Menge an CO₂-,Emissionsrechten’ zugeteilt erhält, die er oder sie für den persönlichen Konsum einsetzen kann», erläutert Nick. Bei jedem Einkauf, von Lebensmitteln über Kleider und Unterhaltungselektronik bis zur Ferienreise, würde die entsprechende CO₂-Menge dem jeweiligen CO₂-Budget belastet. «Wer einen klimafreundlicheren Lebensstil pflegt, kann profitieren, sein Budget fürs laufende Jahr entlasten und etwas fürs nächste Jahr ‹ansparen›. Innerhalb des Budgets kann jeder selbst entscheiden, wofür er es einsetzt: Besonders CO₂-intensive Aktivitäten wie Fliegen oder ein hoher Fleischkonsum würden es allerdings sehr rasch ausschöpfen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedes Jahr würden die persönlichen CO₂-Budgets entlang eines mit dem Netto-Null-Ziel kompatiblen Pfads reduziert, erklärt Nick weiter. Ein solches individuelles Budget könne helfen, Emissionen fair zu begrenzen. «Es ist aber kein Ersatz dafür, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu verändern, die unseren Konsum überhaupt erst ermöglichen oder erzwingen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Individuelle CO₂-Budgets, eine interessante Idee oder mehr?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche individuellen CO₂-Budgets sind derzeit noch eher ein wissenschaftliches als ein gesamtgesellschaftliches Diskussionsthema. «Das individuelle CO₂-Budget ist ein spannendes Konzept, das freilich auch Fragen aufwirft: Sollen diese CO₂-Budgets handelbar sein oder nicht? Wenn ja, dann könnten sich die Wohlhabenden weiterhin einen Lebensstil mit mehr CO₂-Ausstoss leisten, während sich die Ärmeren stärker einschränken müssten», argumentiert Sascha Nick. Und ein weiterer Diskussionspunkt: «Wir können unseren eigenen Lebensstil nur beschränkt beeinflussen, da wir vielerlei systemischen Zwängen unterworfen sind, vom Wohnen über den Arbeitsweg bis zum Angebot an Lebensmitteln im Laden, wo nachhaltigere Produkte oftmals teurer sind.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine ökologischere Lebensmittelproduktion, gut sanierte Gebäude oder Quartiere, in denen die wichtigsten Dienstleistungen zu Fuss in wenigen Minuten erreichbar sind: Solche Veränderungen müsse die Gesellschaft als Ganzes organisieren. Nick spricht etwa von «8-Minuten-Quartieren»: Sie könnten Wege und Energieverbrauch stark reduzieren und gleichzeitig den Alltag angenehmer machen. «Das Entscheidende ist, dass wir durch kollektive Veränderungen sehr viel CO₂ einsparen und zugleich die Lebensqualität verbessern können, unabhängig davon, ob wir zusätzlich individuelle CO₂-Budgets einführen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Fliegen habe der Einzelne zwar etwas mehr unmittelbaren Entscheidungsspielraum, sagt Nick. «Aber auch hier löst individuelles Verhalten allein das Problem nicht.» Zwar sei der Verzicht auf das Fliegen die einzelne Massnahme mit dem grössten CO₂-Einsparpotenzial, erklärt Nick. Wer 10&#8217;000 Kilometer fliegt – also etwa von Zürich nach Dubai und zurück –, stösst 1,7 Tonnen CO₂ aus, laut dem Fussabdruck-Rechner von myclimate. Das ist halb so viel wie der durchschnittliche Schweizer CO₂-Ausstoss pro Kopf und Jahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Klimaziele sind nur mit weniger Flügen erreichbar</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gehe nun aber nicht darum, überhaupt nicht mehr zu fliegen, sondern darum, das insgesamt sehr knappe klimaverträgliche Flugvolumen sinnvoll und fair zu nutzen. «Wer Verwandte in Übersee besuchen will, kommt nicht ums Fliegen herum; aber besser wäre es in dem Fall, die Verwandten weniger häufig und dafür für etwas längere Zeit zu besuchen», schlägt der Forscher vor. Wer einige Jahre lang sein individuelles CO₂-Budget nicht ausschöpfe, könne so auf eine längere Flugreise hin sparen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um das Ziel Netto Null bis 2050 zu erreichen (auf das sich auch der weltweite Branchenverband IATA und die UNO-Luftverkehrs-Organisation ICAO verpflichtet haben), komme die Luftfahrt-Industrie aber nicht darum herum, ihr Geschäftsmodell zu überdenken. «Die Luftfahrt hat ihre selbstgesteckten Klimaziele bisher nie erreicht und sie immer wieder hinausgeschoben, weil die Zunahme der Flüge sämtliche Fortschritte bei der Effizienz oder bei den sogenannten nachhaltigen Flugtreibstoffen wieder zunichte gemacht hat. Ein nachhaltiges Wachstum ist im Flugverkehr langfristig nicht möglich», ist Nick überzeugt. Nur wenn weniger geflogen werde, könne die Luftfahrt ihr Klimaziel erreichen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
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					<title>Wie deutsche Politik und Medien das Töten normalisieren</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/wie-deutsche-politik-und-medien-das-toeten-normalisieren/</link>
					<pubDate>Mon, 31 Aug 2026 08:34:45 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=722957</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-26-um-10.38.52-e1787733730206-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Bildschirmfoto 2026-08-26 um 10.38.52" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-26-um-10.38.52-e1787733730206-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-26-um-10.38.52-e1787733730206-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-26-um-10.38.52-e1787733730206-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-26-um-10.38.52-e1787733730206-1536x922.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-26-um-10.38.52-e1787733730206.png 1645w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Erich Fromms Begriff der Nekrophilie wirft ein verstörendes Licht auf die zunehmende Entwertung menschlichen Lebens.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die dünne Decke der humanistischen Zivilisation zeigt tiefe Risse. Wo das kalkulierte Töten offen eingefordert, technokratisch bemäntelt oder medial ästhetisiert wird, bricht sich eine Geisteshaltung Bahn, die das menschliche Leben systematisch entwertet. Um diese moralische Enthemmung zu verstehen, erweist sich die psychologische Analyse von Erich Fromms Vermächtnis als erhellendes Erklärungsmodell. Seine Unterscheidung zwischen Biophilie – der leidenschaftlichen Liebe zum Lebendigen – und Nekrophilie – der pathologischen Fixierung auf das Tote, Starre und Mechanische – dient als dringendes Warnsignal für die Gegenwart.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Historische Parallelen der Entmenschlichung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Fromm greift zur Illustration dieses klinischen Krankheitsbildes der Gesellschaft auf ein historisches Schlüsselereignis zurück: den berühmten Zusammenstoss zwischen dem Philosophen Miguel de Unamuno und dem faschistischen General José Millán-Astray im Jahr 1936 an der Universität von Salamanca. Als der durch schwere Kriegsverletzungen gezeichnete General den berüchtigten Legions-Ruf «¡Viva la Muerte!» («Es lebe der Tod!») und «¡Muera la inteligencia!» («Tod der Intelligenz!») in den Saal brüllte, entgegnete der Rektor Unamuno mit prophetischer Weitsicht, dass hier ein nekrophiler, sinnloser Ruf ertöne. Unamuno brandmarkte den General als einen moralischen «Invaliden», der – weil ihm die geistige Grösse eines Cervantes fehle – die zerstörerische Erleichterung darin suche, die Mitwelt um sich herum ebenfalls zu verstümmeln und zu entwerten. Genau diese Psychologie der massenhaften Zerstörung und die Lust am Tod erleben wir heute in neuer, digitaler und politischer Gewandung. Aktuelle Fallbeispiele führen diese Erosion vor Augen und entlarven die moralische Bankrotterklärung der deutschen Aussenpolitik.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Technokratische Euphemismen in deutschen Redaktionen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bedrohung beginnt in den Redaktionen. Die Debatte um den FAZ-Korrespondenten Michael Martens offenbart eine erschreckende Abstumpfung. Auf einer Pressekonferenz am 09.08.2026 fragte dieser offen, wie Europa der Ukraine konkret helfen könne, <a href="https://www.nachdenkseiten.de/?p=154800" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«mehr Russen zu töten»</a>. Anstatt einer moralischen Distanzierung flüchtete sich die Redaktion der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» in technokratische Euphemismen und verwies in einer Stellungnahme darauf, wie man personelle Schwierigkeiten in der russischen Armee <a href="https://www.frankfurterallgemeine.de/presse/pressemitteilung/stellungnahme-der-frankfurter-allgemeinen-zeitung-zu-einer-frage-ihres-korrespondenten-bei-der-pressekonferenz-in-belgrad" target="_blank" rel="noreferrer noopener">erzeugen könne</a>. Hinter dieser bürokratischen Worthülse verbirgt sich die Schönfärberei massenhaften Sterbens. Lebendige Individuen werden in eine rein mechanische, strategische Rechengrösse verwandelt. Dass die Bundesregierung diese Enthemmung unter Verweis auf die Pressefreiheit verteidigte, ist ein moralischer Offenbarungseid, der das verfassungsrechtliche Gleichgewicht gegenüber der Menschenwürde völlig ausblendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Verrohung speist sich jedoch nicht nur aus journalistischen Fehltritten, sondern reicht bis in die rhetorischen Spitzen der direkten Kriegsakteure. In einer viel beachteten Rede zum Unabhängigkeitstag griff der ukrainische Präsident Wolodymyr Selensky zu einer zutiefst dehumanisierenden Sprache, als er in einer direkten Kampfansage an Wladimir Putin verkündete, dass russische Soldaten auf dem Schlachtfeld von Kiews Armee <a href="https://www.tagesspiegel.de/internationales/die-suche-nach-den-besten-todesszenen-ukrainischer-kommandeur-verteidigt-umstrittene-videos-mit-getoteten-russen-15957934.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«zu Dünger»</a> gemacht würden. Diese sprachliche Degradierung menschlicher Körper zu einer blossen landwirtschaftlichen Nutzzugehörigkeit zeigt exemplarisch, wie die Vernichtung des Gegners vollständig normalisiert und sprachlich entkleidet wird. Es ist die moderne Übersetzung des «¡Viva la Muerte!» – die Reduzierung des lebendigen Menschen auf das rein Organisch-Tote, das nur noch als biologisches Material verwertet werden soll. Anstatt dass solche Ausfälle in westlichen Demokratien auf scharfe Kritik stossen, wird die Rhetorik oft unkommentiert wiedergegeben oder gar als Zeichen von Entschlossenheit transportiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Ästhetisierung des Sterbens im digitalen Raum</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig offenbart der Umgang mit ukrainischen Todesvideos einen gefährlichen Voyeurismus in unserem digitalen Alltag. Moderne Drohneneinheiten <a href="https://www.tagesspiegel.de/internationales/die-suche-nach-den-besten-todesszenen-ukrainischer-kommandeur-verteidigt-umstrittene-videos-mit-getoteten-russen-15957934.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">filmen das Sterben</a> feindlicher Soldaten aus nächster Nähe und verbreiten diese Aufnahmen, untermalt mit treibender Musik, im Stil von Videospielen auf Plattformen wie Telegram oder X. Wöchentliche Highlight-Videos werden gezielt <a href="https://www.theguardian.com/world/2026/aug/18/ukraine-drone-chase-videos-russian-soldiers" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zusammengeschnitten</a>, während das vulgäre Slangwort Yoblyks getötete Menschen zu reinen Schmäh-Objekten degradiert. Diese spielerische Ästhetisierung realer Leichen und die offene Lust am Konsum des Sterbens markieren den Einbruch nekrophilen Denkens in die Gesellschaft. Dass die deutsche Aussenpolitik zu diesen völkerrechtlich und ethisch bedenklichen Dehumanisierungen aus Gründen geopolitischer Prioritätensetzung schweigt, lässt das fundamentale Prinzip erodieren, dass die Würde des Menschen auch im Krieg unantastbar bleibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Geopolitische Doppelmoral und Imagepflege</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses moralische Paradoxon spiegelt sich ebenso im Umgang mit Israels Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, wider. Dieser sprach Palästinensern in Gaza öffentlich das Menschsein ab, indem er erklärte, sie seien nicht einmal <a href="https://www.timesofisrael.com/topic/itamar-ben-gvir/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Menschen</a>. Zudem <a href="https://www.deutschlandfunk.de/ben-gvir-gaza-palaestinenser-toeten-israel-kommentar-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">untermauerte</a> er dies mit Forderungen nach Krokodilgräben für Gefangene sowie dem Tragen eines Strick-Pins als Symbol für die Todesstrafe. Die sprachliche Aberkennung des Menschseins, um physische Vernichtung zu legitimieren, bildet die extremste Ausprägung nekrophiler Normalisierung. Erschreckend ist hierbei die Reaktion aus Berlin: Die offizielle Kritik fokussiert sich meist nicht zuerst auf die abgründige Menschenverachtung, sondern <a href="https://www.welt.de/politik/ausland/video6a859192cbb4a8f2ce8fe06a/aussagen-von-israel-minister-ben-gvir-moechte-natuerlich-das-rechtsextremistische-waehlerpotenzial-heben.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">rügt primär</a>, dass diese offene Brutalität dem globalen Ansehen Israels schade. Das Primat der Menschenwürde fällt hier hinter plumpe Erwägungen der Imagepflege zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Plädoyer für eine Rückkehr zur universellen Menschenwürde</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn lebendige Menschen in Leitmedien, offiziellen Reden und in der Aussenpolitik nur noch als personelle Schwierigkeiten, agrarischer Dünger, ästhetisierte Netzinhalte oder als Störfaktoren für das diplomatische Ansehen behandelt werden, triumphiert die Barbarei. Es ist Zeit für eine radikale Kehrtwende und die überfällige Rückkehr zur Humanitas und Dignitas. Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes darf keine diplomatische Manövriermasse sein. Er muss absolut und ohne geopolitische Doppelmoral für jeden Menschen gelten – egal ob in Kiew, Gaza oder Moskau. Ein Blick auf das völkerrechtliche Fundament zeigt den tiefen Verrat an der UN-Charta: Bereits in ihrer Präambel von 1945 schworen die Völker, ihren Glauben an die Würde und den Wert der menschlichen Persönlichkeit <a href="https://unric.org/de/die-charta-der-vereinten-nationen/#praeambel" target="_blank" rel="noreferrer noopener">neu zu bekräftigen</a>. Wer das massenhafte Sterben strategisch feiert oder bürokratisch verschleiert, bricht mit dieser Ordnung und führt uns zurück in das Recht des Stärkeren. Die deutsche Aussenpolitik und die Medien müssen endlich den Mut aufbringen, harte rote Linien gegen jede Form der Dehumanisierung zu ziehen und die universelle Menschenwürde wieder absolut in das Zentrum ihres Handelns zu rücken.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/hemmungslose-militaers-greifen-spitaeler-und-ihre-mitarbeiter-an/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hemmungslose Militärs greifen Spitäler und ihre Mitarbeiter an</a>, Infosperber vom 5.&nbsp;August 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/usa-schutz-von-zivilisten-spielt-keine-rolle-mehr/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">USA: Schutz von Zivilisten spielt keine Rolle mehr</a>, Infosperber vom 24.&nbsp;Mai 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/iran-krieg-als-anlass-das-voelkerrecht-zu-diskreditieren/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Iran-Krieg als Anlass, das Völkerrecht zu diskreditieren</a>, Infosperber vom 18.&nbsp;März 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Manfred Böhm ist Publizist und Buchautor. Er hat katholische Theologie, Philosophie und Politikwissenschaft studiert.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Matthias Egger gab Corona-Übersterblichkeit doppelt so hoch an</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/matthias-egger-gab-corona-uebersterblichkeit-doppelt-so-hoch-an/</link>
					<pubDate>Mon, 31 Aug 2026 08:34:14 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="188" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-18-um-15.04.19-300x188.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Fehler" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-18-um-15.04.19-300x188.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-18-um-15.04.19-768x480.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-18-um-15.04.19.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Bis der Fehler in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift endlich korrigiert wurde, vergingen zweieinhalb Jahre. Kein Einzelfall. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die Studie im «<a href="https://academic.oup.com/eurpub/article/34/2/415/7588785" target="_blank" rel="noreferrer noopener">European Journal of Public Health</a>» wurde Anfang 2024 veröffentlicht. Ende 2024 ging sie gross durch die Medien, die wesentliche Punkte übersahen (<a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/corona-studie-aus-bern-medien-fielen-darauf-herein/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Infosperber</a> berichtete). Eigentlich müsste man nicht noch einmal darauf zurückkommen – wäre da nicht ein Detail, das ein Licht auf den Wissenschaftsbetrieb wirft.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für diese Studie hatte der frühere Leiter der Corona-Taskforce, Professor Matthias Egger, zusammen mit drei Kollegen berechnet, wo in der Schweiz 2020 mehr Menschen starben als zu erwarten gewesen wäre. Einer dieser Autoren war <a href="https://www.mcid.unibe.ch/about_us/people/dr_med_riou_dr_phil_julien/index_eng.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Julien Riou</a>, Arzt und Wissenschaftler  am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die vier Wissenschaftler kamen zum Schluss, dass in der Schweiz im ersten Corona-Jahr 2020 bei den ab 40-Jährigen etwa 19’100 Personen mehr starben, als zu erwarten gewesen wären – eine hohe Übersterblichkeit.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eingetreten waren 74’776 Todesfälle, erwartet hatten die Wissenschaftler 55’676. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sich selbst widersprochen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Differenz von 19&#8217;100 war ungewöhnlich hoch und überraschte. Denn Egger und zwei der drei Kollegen hatten zwei Jahre vorher eine wissenschaftliche Publikation bei «<a href="https://www.nature.com/articles/s41467-022-28157-3" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nature Communications</a>» veröffentlicht. Dort schätzten sie für das Jahr 2020 bei den ab 40-Jährigen die Übersterblichkeit auf rund 10’100 Todesfälle – 9000 weniger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz danach, ebenfalls 2022, erschien eine Studie in den «<a href="https://www.acpjournals.org/doi/10.7326/M21-3824" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Annals of Internal Medicine</a>», an der Riou mitgewirkt hatte. Diese Studie kam im Jahr 2020 auf eine Übersterblichkeit von circa 8400 Todesfällen – 10’700 weniger. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 2023 veröffentlichten Egger, Riou und ein dritter beteiligter Kollege bei «<a href="https://www.nature.com/articles/s41467-022-35770-9" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nature Communications</a>» eine weitere Studie. Dort errechneten sie für die Schweiz über die <em>ganze</em> Pandemie (bis 3. April 2022) eine Übersterblichkeit von circa 13’800 Todesfällen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Text wiesen sie Anfang 2023 in «<a href="https://www.nature.com/articles/s41467-022-35770-9" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nature Communications</a>» zudem auf Studien anderer Autoren hin, welche die zusätzlichen Todesfälle für verschiedene <em>Zwei-Jahres-Zeiträume</em> auf etwa 8200 bis 15’000 geschätzt hatten.&nbsp;Stutzig wurden die Wissenschaftler auch nicht, als das <a href="https://www.bfs.admin.ch/bfs/en/home/statistics/catalogues-databases/maps.assetdetail.29145177.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bundesamt für Statistik</a> auf eine Übersterblichkeit von 7754 Todesfällen für das Jahr 2020 kam.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Leserkritik: &#171;Absurd&#187;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Berechnung der Übersterblichkeit hängt davon ab, mit wie vielen Todesfällen man ohne die Pandemie rechnete. Wenn der Erwartungswert zu tief angesetzt wird, fällt die Übersterblichkeit höher aus. Egger und seine Co-Wissenschaftler gingen im Jahr 2020 von zu erwartenden 55’676 Todesfällen aus.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Zahl sei «absurd», <a href="https://academic.oup.com/eurpub/article/34/2/415/7588785#usercomments" target="_blank" rel="noreferrer noopener">kritisierte ein Leser</a> Anfang 2025 online. Solche Erwartungswerte hätten zuletzt in den 1970er Jahren gegolten, als rund sechs Millionen Menschen in der Schweiz lebten und nicht fast neun Millionen wie 2020. «Die Autoren werden gebeten, ihre Berechnungen mit realitätsnahen Zahlen zu wiederholen und eine auf den neuen Ergebnissen basierende, überarbeitete Interpretation vorzulegen», forderte der Leser.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>10 Monate mit 12 Monaten verglichen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die vier Wissenschaftler hatten einen Fehler gemacht: Sie schätzten die Anzahl der zu erwartenden Todesfälle vom <em>24. Februar</em> 2020 – als in der Schweiz der <a href="https://www.srf.ch/news/international/ausbreitung-des-coronavirus-die-chronologie-der-ereignisse" target="_blank" rel="noreferrer noopener">erste Covid-Fall</a> gemeldet wurde – bis zum Jahresende. Dann subtrahierten sie diese Zahl von der Anzahl aller beobachteten Todesfälle vom <em>1. Januar</em> 2020 bis zum Jahresende. Eine solche Rechnung muss schief herauskommen, denn der Zeitraum war unterschiedlich: Im einen Fall rund zehn Monate, im anderen 12 Monate.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Offensichtlich fiel dieser Fehler aber zunächst weder den Autoren auf – Egger war zum damaligen Zeitpunkt Leiter des Schweizerischen Nationalfonds –, noch den Fachleuten, welche die Arbeit vor der Veröffentlichung begutachteten, noch der Redaktion des «<a href="https://academic.oup.com/eurpub/article/34/2/415/7588785#446107332" target="_blank" rel="noreferrer noopener">European Journal of Public Health</a>», wo sie erschien. Diese Zeitschrift ist das offizielle Publikationsorgan der Europäischen Public Health Vereinigung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch selbst als die Autoren im Januar 2025 durch einen Infosperber-Leser auf den Fehler aufmerksam gemacht wurden, geschah erst einmal nichts.&nbsp;Gesponsert wurde die Studie durch den Schweizerischen Nationalfonds, das Bundesamt für Gesundheit, den britischen Medical Research Council und das Imperial College in London. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nach über einem Jahr kommt Bewegung in die Sache</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schliesslich kontaktierte Infosperber vor einigen Monaten die Redaktion des «European Journal of Public Health». Der Chefredaktor teilte mit, er habe die Leitung erst kürzlich übernommen. Er könne «nicht ausschliessen, dass es zuvor Kommunikation mit Personen oder Stellen gab». «Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand sind uns keine Korrekturen […] im Zusammenhang mit diesem Artikel bekannt. Sollten die Autoren eine Korrektur für erforderlich halten, sollten sie sich auf offiziellem Wege über die entsprechenden redaktionellen Kanäle an die Zeitschrift wenden», damit der Sachverhalt geprüft werden könne.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das aber hatten die Autoren nach eigenen Angaben schon über ein Jahr lang versucht. Auf Anfrage von Infosperber schickt die Universität Bern ein <a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Emails-to-EJPH-April-2025-to-June-2026_geschwaerzt.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">PDF</a> mit zehn E-Mails, die Julien Riou an das Journal geschickt habe. Er bedaure den Fehler und bitte um Korrektur, die anderen Aussagen in der Studie seien weiterhin gültig, informierte er die Redaktion des «European Journal of Public Health» im April 2025. Dem PDF zufolge fragte Riou per E-Mail immer wieder nach, drängte und drohte zwischendurch sogar mit rechtlichen Schritten oder damit, sich an die Presse zu wenden. Dies haben die Autoren jedoch nicht gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 22. Juli 2026 – zweieinhalb Jahre nach der Publikation – hat die Fachzeitschrift den Fehler nun <a href="https://academic.oup.com/eurpub/article/36/4/ckag125/8739882" target="_blank" rel="noreferrer noopener">korrigiert</a> auf eine Übersterblichkeit von 9575 Todesfällen, also etwa halb so hoch wie zuvor. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fehler werden häufig weiterhin zitiert</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur schon einen offensichtlichen Fehler wie diesen zu berichtigen, brauchte also zehn Anläufe seitens eines Wissenschaftlers, eine Medienanfrage und über ein Jahr Geduld. Bei groben Fehlern, die sogar zum Rückzug einer Studie führen, vergehen oft Jahre – Jahre, in denen diese fehlerhafte Arbeit von anderen Wissenschaftlern wieder zitiert und als Beleg herangezogen wird. Der Fehler pflanzt sich quasi fort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Studie von Matthias Egger und Julien Riou wurde bisher erst <a href="https://app.dimensions.ai/details/publication/pub.1168232528" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zweimal</a> in anderen wissenschaftlichen Arbeiten zitiert und ihr Rechenfehler verbreitete sich immerhin nicht.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei anderen Studien aber werden Fehler sogar noch weitergetragen. Das ist dann der Fall, wenn eine fehlerhafte Studie in eine Übersichtsarbeit einfliesst und deren Ergebnis beeinflusst (Meta-Analysen oder Reviews). Oder wenn sie als Basis für eine medizinische Leitlinie dient, nach der Patienten behandelt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst wenn grob fehlerhafte Studien irgendwann zurückgezogen werden, zitieren andere Wissenschaftler sie teilweise immer noch. Nur eine Minderheit von betroffenen Übersichtsarbeiten und Leitlinien wird anschliessend berichtigt. Das Nachsehen haben diejenigen, die sich darauf verlassen, dass sich die Wissenschaft – angeblich – selbst korrigiert.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/0db97c755a2c4d9280838392db95802b" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Elf Tipps, um unseriöse Statistiken als solche zu entlarven</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wissenschaft/elf-tipps-um-unserioese-statistiken-als-solche-zu-entlarven/</link>
					<pubDate>Sun, 30 Aug 2026 07:35:39 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/09/Statistiken.Rawpixel-x-e1758891927835-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Statistiken.Rawpixel x" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/09/Statistiken.Rawpixel-x-e1758891927835-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/09/Statistiken.Rawpixel-x-e1758891927835-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/09/Statistiken.Rawpixel-x-e1758891927835-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/09/Statistiken.Rawpixel-x-e1758891927835.png 1507w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Der Spruch «Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast» hilft wenig. Man muss die Datenverdreher durchschauen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<h1 class="wp-block-heading"></h1>



<p class="wp-block-paragraph">Der Spruch stamme <a href="https://web.archive.org/web/20221012040401/http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Service/Veroeff/Querschnittsver%21F6ffentlichungen/805511001.pdf#search=churchill" target="_blank" rel="noreferrer noopener">nicht von Churchill</a>, wie oft kolportiert, sondern eher von Joseph Goebbels und seinem Propagandaministerium. Darauf weist Professor Gerd Gigerenzer hin. Er war lange Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung sowie am Harding-Zentrum für Risikokompetenz an der Universität Potsdam: «Der Spruch ist wenig hilfreich, um die moderne Informationsexplosion zu bewältigen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">In seinem Buch «Warum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet –&nbsp;<a href="https://www.exlibris.ch/de/buecher-buch/deutschsprachige-buecher/thomas-bauer/warum-dick-nicht-doof-macht-und-genmais-nicht-toetet/id/9783442175581/?utm_source=google&amp;utm_medium=cpc&amp;utm_campaign=Performance+Max+CSS+B_2+hm_30+(pm-CH-de)&amp;utm_content=&amp;utm_term=&amp;gad_source=1&amp;gad_campaignid=18510329403&amp;gbraid=0AAAAAD5hN-UJhvQhMuQouqHqm_xF67qNG&amp;gclid=EAIaIQobChMIzefHiav2jwMVHMh5BB1ZwwPhEAQYASABEgLtTfD_BwE">Über Risiken und Nebenwirkungen der Unstatistik</a>» zählt er als Co-Autor zehn goldene Fragen auf, dank denen man auf statistische Manipulationen nicht so schnell hereinfällt und seriöse von unseriösen Statistiken besser unterscheiden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Infosperber hat einige Punkte ergänzt: Was skeptisch und was sehr skeptisch machen muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>1</strong>. Es muss gesagt oder geschrieben werden, wer die Statistik erstellt und wer sie bezahlt hat. <br>Selber überlegen, zu welchem Zweck die Statistik erstellt wurde. Soll sie einzig über einen Sachverhalt aufklären oder eine bestimmte Meinung oder ein Produkt verkaufen? Oder soll sie eine Abstimmung beeinflussen?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2</strong>. Legt eine Statistik einen Zusammenhang zwischen zwei Faktoren nahe, unterscheidet aber nicht klar zwischen einer Kausalität und einer – womöglich rein zufälligen – Korrelation, ist sie wenig seriös. Denn wenn zwei Variable in die gleiche Richtung gehen, kann dies drei Gründe haben: <br>a) Die erste Variable verursacht die zweite, <br>b) die zweite verursacht die erste, <br>c) keine von beiden verursacht die andere. Die Parallelität kann Zufall sein oder beide Variable hängen von einer dritten Variablen ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>3.</strong> Eine Statistik soll kein Null-Risiko vorgaukeln. Die Fragestellung sollte nicht sein «Gibt es ein Risiko?» Der Satz «Ein Risiko ist nicht auszuschliessen» ist beispielsweise ein nichtssagender Allgemeinplatz. Eine Statistik soll die Frage beantworten: «Wie gross ist das Risiko?».</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>4.</strong> Keine Statistik sollte ausschliesslich ein relatives Risiko oder einen relativen Nutzen angeben (Beispiel&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/brustkrebs-screening-frauen-werden-seit-jahrzehnten-betrogen/">Brustkrebsscreening</a>). Denn eine 80-prozentige Zu- oder Abnahme von fast nichts ist immer noch fast nichts. Eine seriöse Statistik gibt stets (auch) das absolute Risiko an.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-align-center"><br>Beispiel: Aus 1,9 Prozentpunkten werden 30 Prozent</h2>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="547" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Beispiel-relatives-Risiko-1024x547.jpg" alt="Print" class="wp-image-659287" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Beispiel-relatives-Risiko-1024x547.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Beispiel-relatives-Risiko-300x160.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Beispiel-relatives-Risiko-768x410.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Beispiel-relatives-Risiko-1536x820.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Beispiel-relatives-Risiko.jpg 1700w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Olivenöl und eine Mittelmeer-Diät senken das Diabetes-Risiko. Aber um wie viel? Die relative Risikoreduktion (30%) lässt die absolute Reduktion (1,9 Prozentpunkte) viel beeindruckender erscheinen. Grössere Auflösung <a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Beispiel-relatives-Risiko.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a>.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>5</strong>. Bei Angaben in Prozenten muss der Ausgangspunkt präzis angegeben sein: Soundsoviele Prozent von was genau? Was wären 100 Prozent? Worauf beziehen sich diese? Zum Beispiel nur auf Erwachsene oder auf die ganze Bevölkerung?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>6.</strong> Die Angabe «bis zu» ist immer unseriös. Denn «bis zu 50 Prozent mit Schadstoffen belastet» kann heissen, dass ein einziges Produkt mit 50 Prozent belastet war und alle anderen durchschnittlich mit nur 10 Prozent oder überhaupt nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>7. </strong>Nicht hereinfallen auf Adjektive wie «wissenschaftlich» oder «signifikant». Oft sind Statistiken alles andere als wissenschaftlich zustandegekommen und ihre Ergebnisse sind überhaupt nicht signifikant. «Signifikant» bedeutet übrigens in der Medizin und anderen Sozialwissenschaften sowie Tests und Laborversuchen, dass eines von zwanzig «signifikanten» Resultaten falsch sein darf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>8.</strong> Bei Statistiken, die auf Stichproben beruhen, stets prüfen oder fragen, wer die Stichprobe bestimmt hat und wie repräsentativ sie für das Resultat ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>9.</strong> Bei Wachstumszahlen dürfen Statistiken nie das arithmetische Mittel verwenden. Denn wenn beispielsweise die Börsenkurse um <em>60 Prozent</em> (von 100 auf 160) steigen und dann um <em>50 Prozent</em> fallen (auf 80), sind sie durchschnittlich nicht etwa um 55 Prozent gestiegen (ø von 60 und 50), sondern um 20 Prozent gefallen (von 100 auf 80).&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>10. </strong>Eine Statistik muss Gleiches mit Gleichem vergleichen.<br>Werden etwa ganze Länder miteinander verglichen, statt pro Kopf der Bevölkerung? Denn es ist weder überraschend noch aussagekräftig, dass China mehr CO2 ausstösst als Deutschland oder Liechtenstein.<br>Oder meistens ist es verzerrend, Gesunde mit Kranken oder&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/medien/gesundheitskosten-irrefuehrende-tamedia-schlagzeile/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Alte mit Jungen</a> zu vergleichen. <br>Auch die Grunddaten von beispielsweise länderübergreifenden Vergleichen sollte man prüfen: Sind Begriffe wie <br>«Arbeitslose», «Arbeitsunfälle», «rentenberechtigt» oder «Vermögen» und «Einkommen» überall gleich definiert?<br><br>Ein reales Beispiel: Bei der Parship-Werbung stimmte der Vergleichsparameter nicht:&nbsp;«Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single&nbsp;über Parship.»<br>Es stimmt zwar, dass sich in einem Jahr laut Umfrage 47’000 Parship-Teilnehmenden verliebt hatten, also einer alle 11 Minuten.&nbsp;Was für Nutzer aber relevant ist: Wie viele <em>aller</em> Teilnehmenden verlieben sich? Parship hatte in jenem Jahr 4,5 Millionen Nutzer. Im Klartext: Nur 47&#8217;000 von ihnen oder 1,04 Prozent haben sich verliebt. Oder noch verständlicher ausgedrückt: Von rund 100 Nutzerinnen und Nutzern hat sich in einem Jahr nur eine oder einer verliebt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>11.</strong> Sind alle Grundlagendaten der Statistik veröffentlicht, so dass die Statistik reproduziert werden könnte (eine Voraussetzung für Wissenschaftlichkeit)? Würde eine Wiederholung der Statistik zum gleichen Resultat führen? Vor allem im Wirtschafts-, Gesellschafts- und Alltagsleben spielt der Zufall oft eine grössere Rolle als gedacht.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-large-font-size"><br><br>Verzerrende Darstellungen und Auswertungen</h2>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Entwicklung des monatlichen Umsatzes</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="898" height="1024" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Umsatz-1-898x1024.png" alt="Umsatz 1" class="wp-image-657613" style="width:400px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Umsatz-1-898x1024.png 898w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Umsatz-1-263x300.png 263w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Umsatz-1-768x876.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Umsatz-1.png 1014w" sizes="auto, (max-width: 898px) 100vw, 898px" /><figcaption class="wp-element-caption">Hier ist der Massstab identisch. Aber kleine Abstände zwischen den Monaten ergeben eine steile Kurve.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Selbst wenn die Zahlen einer Statistik seriös sind, kann immer noch die grafische Darstellung irreführend sein: verzerrende Achsen von Diagrammen, dramatische Visualisierungen usw.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Statistik links benutzt den gleichen Massstab  wie die Statistik unten. Die kleinen Abstände zwischen den Monaten ergeben eine stark steigende Kurve. Es wird der Eindruck erweckt, dass das Wachstum stark zunimmt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Statistik unten benutzt den gleichen Massstab und die gleichen Zahlen wie die andere Grafik. Aber die Abstände zwischen den Monaten sind viel grösser und ergeben eine weniger steile Kurve. Es wird der Eindruck erweckt, dass das Wachstum nur mässig zunimmt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="449" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Umsatz-2-1024x449.png" alt="Umsatz 2" class="wp-image-657615" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Umsatz-2-1024x449.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Umsatz-2-300x132.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Umsatz-2-768x337.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Umsatz-2.png 1400w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Hier ist der Massstab identisch. Aber grosse Abstände zwischen den Monaten ergeben eine flache Kurve.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Zunahme der Darmtumore in drei Jahrzehnten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den folgenden beiden Grafiken sind die Abstände zwischen den Jahrzehnten (Säulen) identisch. Aber es wurden andere Massstäbe gewählt. Links von Null bis 60, was den Eindruck einer schwachen Zunahme der Darmkrebs-Fälle erweckt. Rechts beginnt der Massstab bei 50, was den Eindruck einer enormen Zunahme der Darmkrebs-Fälle erweckt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="426" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Dickdarm-1024x426.png" alt="Dickdarm" class="wp-image-657611" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Dickdarm-1024x426.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Dickdarm-300x125.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Dickdarm-768x320.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Dickdarm.png 1400w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Links: Massstab von 0 bis 60. Rechts: Massstab von 50 bis 55</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Irrelevante Durchschnittswerte</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch dürfen bei der Auswertung keine Durchschnittswerte hervorgehoben werden, wenn sie irrelevant sind. Beispielsweise ist kaum relevant, wie viele Zigaretten pro Tag oder wieviel Alkohol pro Tag alle Schweizerinnen und Schweizer durchschnittlich rauchen oder trinken. Oder wieviele Stunden pro Woche die Primarschülerinnen und -schüler durchschnittlich auf ein Handy oder einen Bildschirm schauen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oft sollen Durchschnittswerte davon ablenken, wie viel eine Minderheit von Erwachsenen oder Schülern raucht, trinkt oder exzessiv Bildschirme bedient.&nbsp;</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/medizin/wissenschaftler-verschieben-die-torpfosten-zu-ihren-gunsten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wissenschaftler verschieben die Torpfosten zu ihren Gunsten</a>, Infosperber vom 14.6.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/mit-solchen-arztaussagen-sollte-man-sich-nicht-zufrieden-geben/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mit solchen Arztaussagen sollte man sich nicht zufrieden geben</a>, Infosperber vom 8.10.2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/faule-tricks-bei-studien-mit-krebsmedikamenten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Faule Tricks bei Studien mit Krebsmedikamenten</a>, Infosperber vom 29.12.2023</li><li><strong>&nbsp;</strong><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/kultur/sprachlupe-gefaelschte-statistiken-die-keine-sind/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Statistiken können auch lügen, wenn sie stimmen: Es reicht, sie mit Drall zu präsentieren</a>, Infosperber vom 12.10. 2019</li><li><strong>&nbsp;</strong><a href="https://www.infosperber.ch/politik/schweiz/sprachlust-von-gewinnern-die-nicht-siegen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">In einer Abstimmung gewinnen, ohne die Mehrheit zu erhalten? Das geht!</a> Infosperber vom 30.4.2016<br><br></li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/e939c80fcc7544b28493ae3ab368a6cd" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Milliardengeschäft mit «Fett weg»-Pillen weckt grossen Appetit</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/milliardengeschaeft-mit-fett-weg-pillen-weckt-grossen-appetit/</link>
					<pubDate>Sun, 30 Aug 2026 07:32:37 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=723177</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="200" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-27-um-17.51.18-300x200.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Fast Food Restaurant" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-27-um-17.51.18-300x200.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-27-um-17.51.18-768x512.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-27-um-17.51.18.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Das neueste Produkt soll innert Kürze über 15 Milliarden Dollar einspielen. Die US-Arzneiaufsicht half mit schneller Zulassung.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Zürich, Bern, Basel: Alle paar Meter eine Essbude. Hochverarbeitete Lebensmittel, extra so hergestellt, dass sie möglichst Suchtcharakter haben. Kleidung, die jedes zusätzliche Kilo verzeiht, weil sie elastisch nachgibt. Viele übergewichtige Menschen, mittlerweile 43 Prozent der Erwachsenen in der Schweiz. 12 Prozent sind sogar adipös.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Entwicklung: Dutzende von neuen «Fett-weg-Pillen». Nach nur 50-tägiger Prüfungszeit liess die US-Arzneiaufsicht FDA im April den Wirkstoff Orforglipron zu, der das Abnehmen noch einfacher machen soll. Die <a href="https://www.gov.uk/government/news/uk-first-in-europe-to-authorise-orforglipron-for-weight-management-and-type-2-diabetes" target="_blank" rel="noreferrer noopener">britische Arzneiaufsicht</a> folgte nun im August, die Entscheide der europäischen EMA und von Swissmedic <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/abnehmpillen-swissmedic-prueft-orforglipron-fuer-schweiz-426916463819" target="_blank" rel="noreferrer noopener">stehen aus</a>. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>US-Hersteller im Milliarden-Wettstreit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Orforglipron-Tabletten werden vom US-Konzern Eli Lilly hergestellt, der für das Zulassungsgesuch von der FDA einen «Prioritäts-Gutschein» erhielt. Solche Gutscheine kann der FDA-Leiter vergeben, wenn eine neue Substanz «wichtige, nationale Gesundheitsprioritäten» betrifft. Die FDA prüfte das Zulassungsgesuch innerhalb von ein bis zwei Monaten anstatt wie sonst in zehn bis zwölf – und verschaffte damit dem US-Hersteller einen Vorteil. Es sei die schnellste Zulassung eines neuen Arzneimittels seit 2002, lobte sich die <a href="https://www.fda.gov/news-events/press-announcements/fda-approves-first-new-molecular-entity-under-national-priority-voucher-program" target="_blank" rel="noreferrer noopener">FDA</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von allen 13 neuen Wirkstoffen, welche die FDA im zweiten Quartal 2026 zuliess, ist Orforglipron derjenige, der – bei weitem – das meiste Geld einspielen soll: Bis 2030 über 15 Milliarden Dollar, bis 2032 sogar etwa 27,5 Milliarden, laut einer Schätzung in «<a href="https://www.nature.com/articles/d41573-026-00120-7" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nature Reviews Drug Discovery</a>».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Vergleich: Der «Fett weg»-Wirkstoff Semaglutid in Form von Spritzen und Tabletten brachte seinem dänischen Hersteller Novo Nordisk letztes Jahr rund 35 Milliarden Dollar ein. Eli Lilly überholte ihren europäischen Konkurrenten mit den Tirzepatid-Spritzen: 36 Milliarden Dollar. Bis 2030 sollen es sogar über 67 Milliarden werden, stellt «<a href="https://www.nature.com/articles/d41573-026-00059-9" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nature Reviews Drug Discovery</a>» in Aussicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bis zu 40 Prozent des Gewichtsverlusts sind Muskeln</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Orforglipron wirkt zwar vergleichsweise schwächer als bereits auf dem Markt befindliche «Fett weg»-Medikamente, soll aber das Abnehmen «komfortabler» machen, heisst es. Die Semaglutid-Tablette zum Beispiel, die bereits auf dem Markt ist, hat einen Nachteil: Sie muss morgens auf nüchternen Magen geschluckt werden, gefolgt von einer mindestens 30 Minuten dauernden Ess- und Trinkpause. Orforglipron dagegen kann jederzeit eingeworfen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ausserdem gibt es bei den bisherigen Mitteln Probleme: Die Anwendungsdaten hätten erstens gezeigt, dass viele Patienten die in den Studien verwendeten Dosierungen nie erreichen würden. Und zweitens, dass weniger als die Hälfte nach einem Jahr noch in Behandlung verblieben seien, sei es wegen der Nebenwirkungen, sei es, weil das Geld für das Medikament fehlte oder weil sich die Prioritäten verschoben, stellte ein Übersichtsartikel in «<a href="https://www.nature.com/articles/s41573-026-01427-1" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nature Reviews Drug Discovery</a>» fest. Auf 20 Seiten werden dort die neuesten «Fett weg»-Entwicklungen beschrieben. Mindestens 22 weitere «Fett weg»-Pillen sind demnach derzeit in Entwicklung, darunter solche, die Orforglipron toppen sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein anderes Problem bei den «Fett weg»-Wirkstoffen ist, dass die Anwender nicht nur Fett verlieren: 24 bis 40 Prozent des Gewichtsverlusts sei «fettfreie Masse», insbesondere Muskeln. «Ich sehe Patienten, die nicht mehr aus dem Stuhl aufstehen können», sagte die Leiterin des Zentrums für Adipositas- und Stoffwechselmedizin dem «<a href="https://www.tagesanzeiger.ch/abnehmpillen-swissmedic-prueft-orforglipron-fuer-schweiz-426916463819" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tages-Anzeiger</a>». Das seien Menschen, die dann im Alter von 70 Jahren bettlägerig würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="343" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-27-um-16.15.56.png" alt="Bildschirmfoto 2026-08-27 um 16.15.56" class="wp-image-723237" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-27-um-16.15.56.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-27-um-16.15.56-300x129.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-27-um-16.15.56-768x329.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">So viel Prozent ihres Körpergewichts nahmen Versuchspersonen im Lauf von Monaten mit verschiedenen Substanzen ab, verglichen mit Placebo. Links Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas, rechts zusätzlich mit Diabetes Typ 2. Für eine grössere Auflösung bitte <a href="https://www.nature.com/articles/s41573-026-01427-1/figures/2" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier klicken</a>.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Aussicht gestellte Abhilfe: &#171;Präzisionsbehandlung&#187; des Übergewichts</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Um solche unerwünschten Entwicklungen zu verhindern, tüfteln manche Entwickler daran, «Fett weg»-Wirkstoffe mit solchen zu kombinieren, die den Muskelabbau bremsen. Andere synthetisieren Wirkstoffe, die nicht mehr nur einen «Angriffsort» haben, sondern drei, um die Wirkung zu verstärken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Fernziel sei eine «Präzisionsmedizin», bei der Menschen mit Übergewicht eine auf sie zugeschnittene Behandlung erhalten, abhängig von ihren Genen, Begleiterkrankungen, ihrem Stoffwechsel etc.&nbsp;</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/fett-weg-spritzen-verhelfen-einer-stiftung-zu-geballter-macht/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Fett-weg»-Spritzen verhelfen einer Stiftung zu geballter Macht</a>, Infosperber vom 13. April 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/fett-weg-spritzen-koennten-statt-150-nur-20-franken-kosten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Fett-weg»-Spritzen könnten statt 150 nur 20 Franken kosten</a>, Infosperber vom 16. April 2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/unser-saettigungsgefuehl-ist-zum-big-business-geworden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Unser Sättigungsgefühl ist zum Big-Business geworden</a>, Infosperber vom 7. Februar 2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/wie-ein-pharmakonzern-bei-uebergewichtigen-absahnt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie ein Pharmakonzern bei Übergewichtigen absahnt</a>, Infosperber vom 8. September 2023</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/01ef1ab781224700864847e3cac32cf0" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>kontertext: Das provinzielle NZZ-Feuilleton</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/medien/kontertext-das-provinzielle-nzz-feuilleton/</link>
					<pubDate>Sun, 30 Aug 2026 07:15:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=706899</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="171" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-14-um-17.37.48-300x171.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Walid Khalidi" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-14-um-17.37.48-300x171.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-14-um-17.37.48-768x438.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-14-um-17.37.48.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die subtile Art, die Anliegen des palästinensischen Volkes zu negieren, besteht darin, seine Intellektuellen zu ignorieren.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Bücher von israelischen Intellektuellen und Literaten werden in der «NZZ» gern rezensiert. Wie aber geht das Blatt mit palästinensischen Köpfen um? Der unmittelbare Anlass für diese meine Frage war der Tod von <a href="https://magazin.zenith.me/de/kultur/palaestinensischer-historiker-walid-khalidi" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Walid Khalidi.</a> Er gilt als Doyen der palästinensischen Geschichts­schreibung. Für das «NZZ»-Feuilleton ist sein Werk kein Thema.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht alle westlichen Medien sind so provinziell. Der «Guardian» würdigte Khalidi im ausführlichen Nachruf als Forscher mit breiter und tiefer Gelehrsamkeit; als «public intellectual» habe er eine entscheidende und pionierhafte Rolle für die Anerkennung der palästinensischen Sache <a href="https://www.theguardian.com/world/2026/mar/24/walid-khalidi-obituary" target="_blank" rel="noreferrer noopener">gespielt.</a> Die «New York Times» schrieb, seine «enzyklopädischen Kenntnisse» und sein umfangreiches Wirken hätten ihm den Ruf als «father of Palestinian Studies» <a href="https://www.nytimes.com/2026/03/12/world/middleeast/walid-khalidi-dead.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">verschafft.</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Khalidis Laufbahn, die ihn von Oxford über Beirut nach Harvard führte, findet man im Netz informative Texte, auch seine wichtigsten Aufsätze sind verfügbar. Er hat viele Ergebnisse vorweggenommen, die später von den «Neuen Historikern» bestätigt wurden. Schon 1959 widerlegte er beispielweise im Aufsatz «Why did the Palestinians leave» die Legende, der palästinensische Exodus (Nakba) sei 1948 auf Geheiss der arabischen Führungen erfolgt. Seine schönsten Bücher – «Before Their Diaspora: A Photographic History of the Palestinians, 1876-1948» und «All That Remains. The Palestinian Villages Occupied and Depopulated by Israel in 1948» – sind antiquarisch erhältlich (zu stolzen Preisen). Die Literatur­wissenschaftlerin Sonja Mejcher-Atassi, früher Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin, heute an der American University of Beirut lehrend, hat Khalidi in ihrem Buch «An Impossible Friendship»* ein wunderbares Denkmal gesetzt. Es beschreibt die «ökumenische Freundschaft» eines Zirkels von fünf Intellektuellen im Jerusalem um 1948. Muslime, Christen, Juden. Wolfgang Hildesheimer, später in Poschiavo heimisch, gehörte zu ihnen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="456" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-14-um-17.37.48.png" alt="Walid Khalidi" class="wp-image-712075" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-14-um-17.37.48.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-14-um-17.37.48-300x171.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-14-um-17.37.48-768x438.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Walid Khalidi bei einem Vortrag 2014.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><strong>Raja Shehadeh: früher gelobt, heute ignoriert</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ist Khalidi eine Ausnahme? Raja Shehadeh, Mitbegründer der Menschen­rechtsorganisation <a href="https://www.alhaq.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Al-Haq</a>, ist ein im angelsächsischen Sprachraum hochgeschätzter Autor. Sein Buch «We could have been friends, my father and I» stand 2023 in den USA auf der Shortlist des National Book Award, es liegt seit 2025 auch in deutscher Sprache vor. Für das «NZZ»-Feuilleton kein Thema.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war nicht immer so. Am 21.4.2002 wurde Shehadehs «Strangers in the House. Coming of Age in Occupied Palestine» in der «NZZ am Sonntag» von der Literaturkritikerin <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gunhild_K%C3%BCbler" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gunhild Kübler</a> geradezu gepriesen: «Wie rar und wichtig ein Buch wie dieses ist, merkt man beim Lesen bald. Die palästinensische Perspektive auf die Katastrophe im Nahen Osten, der Blick des im Land gebliebenen Intellektuellen auf die Zustände in den von Israel besetzten Gebieten und die literarisch hervorragend gelungene Verschmelzung von politischer und persönlicher Geschichte machen diese Autobiographie zum Ereignis.» Auch zwei Jahre später, in einem ganzseitigen Text zu Büchern über den israelisch-palästinensischen Konflikt, wurde Shehadeh von Carsten Hueck bescheinigt, sein Buch sei «stilistisch fein und inhaltlich packend» («NZZ», 28./29.2.2004).</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="393" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-14-um-17.46.03.png" alt="Raja Shehadeh" class="wp-image-712079" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-14-um-17.46.03.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-14-um-17.46.03-300x147.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-14-um-17.46.03-768x377.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Raja Shehadeh in einem Interview mit der «New York Times» im Jahr 2025. </figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine gewisse Offenheit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mahmoud Darwish und Edward Said sind, anders als Shehadeh (oder Sari Nusseibeh, der gelegentlich zur Kenntnis genommen wird), längst tot. Darwish wurde nach seinem Tod mehrfach gewürdigt. «Sein unverkennbarer, liedhafter Stil prägte die nachfolgenden Dichter­generationen in der gesamten arabischen Welt» hielt Stephan Milich (Islamwissenschaftler, Uni Köln) am 11.8.2008 fest, zwei Tage nach dem Tod. In ihrem umfangreichen Text im Rahmen eines Themenschwerpunkts unter «Literatur und Kunst» am 14./15.3.2009, verweist die Arabistin Angelika Neuwirth auf die Tragik, die Darwishs Schaffen prägte, «denn 1966 war der Name «Palästina» infolge der Gründung des Staates Israel längst abgeschafft worden; es gab nichts mehr, das Palästina hiess». Und: «Es ist keine Übertreibung zu behaupten, dass das Gedicht «Ein Liebender aus Palästina» Palästina aus Worten neu erschafft.» Dass im Rahmen einer literarischen Würdigung das politische Engagement von Darwish – er verfasste unter anderem 1988 die palästinensische Unabhängigkeits­erklärung&nbsp;– nur beiläufig erwähnt wird, ist verzeihlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch Edward Said konnte die «NZZ» beim Tod nicht übergehen. Die Würdigung vom 7.10.2003 verfasste Arnold Hottinger, seine Berichte über den arabischen Raum ragten in der damaligen  «NZZ» heraus. «Orientalismus&nbsp;– ein Blickwechsel» ist ein diplomatisches Meisterstück: Hottinger würdigt Said, indem er ihn mit dem Orientalisten Bernard Lewis konfrontiert, der sowohl inhaltlich als auch politisch, etwa als Befürworter des Irak-Kriegs, einen konträren Standpunkt vertrat. «Seit Jahren kann der Verfasser dieses Beitrags weder den einen noch den anderen lesen, ohne ihnen bewundernd zuzustimmen.» So lautet der Auftakt. Ihm folgt eine faire Skizze der Sichtweise beider Kontrahenten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Saids Kritik an der Zunft der Orientalisten fasst Hottinger so zusammen: «Sie habe, sagt [Said], den ‹Orient› geschaffen, damit er als Gegensatz und Folie eines ‹Westens› diene, der sich positiv von den ‹Orientalen› abheben wolle. Die ‹Orientalen› erhalten daher alle Wesenszüge, von denen ‹der Westen› sich freisprechen möchte. [&#8230;] Der künstlich erzeugte Gegensatz diene Machtzwecken. Er erlaube und rechtfertige koloniale und neokoloniale Machtanwendung gegenüber den so konstruierten ‹unmündigen Orientalen›».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Lewis dagegen (und mehr noch für seine Parteigänger) seien, schreibt Hottinger, «die Muslime» gewissermassen selbst daran schuld, dass sie dem Druck des Westens ausgesetzt waren und es bis heute geblieben sind. Als Historiker zeichne Lewis «kenntnisreich» die Entwicklungen nach, «die zu ihrer Position relativer Schwäche geführt haben» und die verbunden sei mit einer im Lauf der Jahrhunderte zunehmenden «geistigen Enge».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hottinger schliesst: «Die Kolonisierbarkeit der einstigen islamischen Hochkulturen ist nicht einfach durch ihnen innewohnende Entwicklungs­schwächen bedingt. Sie war und bleibt auch eine Folge des systematischen westlichen Machtstrebens nicht nur im militärischen, wirtschaftlichen und territorialen, sondern auch im geistig repräsentativen Bereich». Subtiler kann ein Autor kaum andeuten, zu welcher Sichtweise er neigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ausblenden und abwerten</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Said ist gelegentlich noch ein Thema in der «NZZ». Auf welcher Flughöhe die Auseinandersetzung neuerdings erfolgt, zeigt ein Artikel vom 23.11.2023. Er beginnt: «Der Philosoph, der Steine warf: Im Westen wurde Edward W. Said als intellektueller Gentleman bewundert. Dass er ‹Arafats Mann in New York› war, kümmerte keinen.» Dem Autor (Thomas Ribi) kann kaum entgangen sein, dass Said die von Arafat verantworteten Oslo-Verträge als «palästinensisches Versailles» bezeichnet hat. Was ihm am Herzen zu liegen scheint, ist hauptsächlich der Vorwurf, die von Said im Orientalismus-Buch entwickelten Thesen dienten «der Linken bis heute dazu, den palästinensischen Terror zu rechtfertigen».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Bilanz als langjähriger «NZZ»-Leser: Die erwähnten Namen (Gunhild Kübler, Angelika Neuwirth, Arnold Hottinger) zeigen, dass der Wandel&nbsp;– von einer gewissen Offenheit, manchmal auch Brillanz, zu provinzieller Ignoranz&nbsp;– zwar mit der politischen Steuerung des Blatts zu tun hat, sich allein damit aber nicht erklären lässt. Ob eine Debatte stattfindet, die eines Bildungsblattes würdig ist, ist wesentlich eine Frage der Bereitschaft, Beiträge von Intellektuellen einzufordern, die ohne Scheuklappen schreiben und die Debatten und die aktuelle Literatur kennen&nbsp;– gerade im Fall von Palästina, wo der deutsche Buchmarkt wenig hergibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie sehr das «NZZ»-Feuilleton den Anschluss an internationale Debatten verloren hat, zeigt ein aktuelles Buch: «Israel: What Went Wrong?»** stammt nicht von einem palästinensischen Intellektuellen, sondern von <a href="https://www.infosperber.ch/?s=Bartov" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Omer Bartov</a>, einem Israeli. Er lehrt in den USA (Brown University) und gehört zu den weltweit führenden Holocaust- und Genozidforschern. Das Buch erscheint, wie er der Frankfurter Rundschau berichtet hat, «in ungefähr neun Sprachen, aber Deutsch und Hebräisch gehören nicht dazu». Auch wenn ich, wie Avi Shlaim in seiner Rezension, der Ansicht bin, Bartov gehe in der Geschichte nicht weit genug zurück, um Israels Weg zu «Apartheid» und «Genozid» (Bartovs Worte) zu erklären, so ist es ein Buch, das nach einer Debatte ruft. «<a href="https://www.theguardian.com/books/2026/may/09/israel-what-went-wrong-by-omer-bartov-review-the-long-view" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Guardian</a>» und die «<a href="https://www.nytimes.com/2026/04/22/books/review/israel-omer-bartov.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">New York Times</a>» haben es umgehend rezensiert. Die «NZZ» nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">_______________</p>



<p class="wp-block-paragraph">*  Sonja Mejcher-Atassi: An Impossible Friendship. Group Portrait. Jerusalem Before and After 1948 (Columbia University Press, 2024)</p>



<p class="wp-block-paragraph">** Omer Bartov: Israel. What Went Wrong? Fern Press, 2026 (ISBN&nbsp;9781911717690)</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Ernst Gräub ist Historiker, Soziologe und&nbsp;ehemaliger Sekretär des Schweizer Syndikats Medienschaffender (SSM). <em>Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe von Autorinnen und Autoren. Sie reflektiert Diskurse der Politik und der Kultur, greift Beiträge aus Medien kritisch auf und pflegt die Kunst des Essays. Zurzeit schreiben regelmässig Silvia Henke, Mathias Knauer, Michel Mettler, Felix Schneider und Beat Sterchi.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
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							<item>
					<title>Regulierung der UBS: Die SVP macht rechtsumkehrt</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/kapitalmarkt/regulierung-der-ubs-die-svp-macht-rechtsumkehrt/</link>
					<pubDate>Sat, 29 Aug 2026 07:37:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Christoph-Blocher-srf-e1787845983250-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Christoph Blocher srf" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Christoph-Blocher-srf-e1787845983250-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Christoph-Blocher-srf-e1787845983250-1024x613.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Christoph-Blocher-srf-e1787845983250-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Christoph-Blocher-srf-e1787845983250.png 1197w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Kampf im Bundeshaus um das Eigenkapital. Die Spitzen der SVP knicken ein. Ihre grossen Worte von 2023 sind verblasst. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die UBS ist auf dem besten Weg, den Machtkampf um das Eigenkapital zu gewinnen. SVP-Doyen Christoph Blocher verlangt seit Jahren, dass die UBS aufgespaltet werde: in eine Schweizer UBS und eine rechtlich unabhängige amerikanische. Doch die Spitze seiner Partei folgt ihm nicht mehr. Weder Fraktionspräsident Thomas Aeschi, der seine Mails mit «lic.oec.HSG, Harvard University MPA» unterschreibt, noch Partei-Vize Thomas Matter, Präsident und Miteigentümer der Helvetischen Bank.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nationalrat Matter gehört zu einer kleinen Gruppe von bürgerlichen Parlamentariern mit Vertretern der FDP, Mitte, GLP und SVP, die für die UBS einen «Kompromiss» suchen. Dieser soll die UBS schonen. Die Gruppe stellt sich damit gegen Bundesrat, Nationalbank, Finma und zahlreiche Finanz- und Finanzrechtsexperten von Schweizer Universitäten. Diese stehen hinter der Gesetzesvorlage von Finanzministerin Karin Keller-Sutter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer in der SVP den Kurswechsel angestossen hat, ist nicht klar. Dass Fraktionspräsident Aeschi auf der Linie von Matter liegt, scheint naheliegend. Aeschi ist Mitglied im Verwaltungsrat von Matters Bank.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die</strong> <strong>Grossbank UBS ist zu komplex, zu gross, zu riskant</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die UBS-Geschäfte in den USA und mehr und mehr auch in Asien sind zu komplex, zu riskant, zu undurchsichtig, um die dort tätigen UBS-Töchter weiterhin mit grossen Schulden zu finanzieren. Trudeln unterfinanzierte und schlecht abgesicherte Töchter, hat die Schweiz ein Problem. Das zeigte der Fall der Credit Suisse mit ihrem Auslandgeschäft in den USA. In einer nächsten Krise würden in letzter Instanz die Schweizer Steuerzahlenden haften. Das ist einzig im Interesse der UBS.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lange war das auch die Meinung der SVP. An einer Medienkonferenz im Jahr 2009 waren Christoph Blocher, der damalige SP-Präsident Christian Levrat und der Unternehmer Nicolas Hayek sogar gemeinsam aufgetreten, um den Schweizer Grossbanken die Flügel zu stutzen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen gibt es nur noch eine einzige Schweizer&nbsp;Grossbank und&nbsp;die SVP hat den Schongang eingelegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegenwärtig beisst sich die Wirtschaftskommission des Ständerates die Zähne aus an der geforderten Eigenmittelunterlegung von 100 Prozent für Bankentöchter. Eine Sitzung am 11. August endete ohne Resultat. Grund war eine Auftragsarbeit, die&nbsp;Rechtsprofessorin Corinne Zellweger-Gutknecht und Wirtschaftsprofessor Yvan Lengwiler der Kommission am Vortag abgeliefert hatten. Die Expertin und der Experte, beide von der Universität Basel, sind sich nicht einig. Lengwiler will für die Töchter nur 50 Prozent hartes Eigenkapital. Der Rest soll durch sogenannte AT1-Anleihen gedeckt werden. Das sind hochverzinsliche Obligationen, die im Krisenfall unter bestimmten Bedingungen in stabilisierendes Aktienkapital umgewandelt werden müssen. Wie die Reform der AT1-Instrumente aussehen soll, ist hochkomplex und in der Wirtschaftskommission noch nicht entschieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zellweger dagegen unterstützt den Kurs von Finanzministerin Keller-Sutter. Die UBS soll ihre Tochtergesellschaften mit hundert Prozent Eigenmitteln unterlegen. In bestimmten Fällen, aber nur ungern, würde Zellweger auf achtzig Prozent hinuntergehen. Für diesen Fall macht sie aber eine «unabdingbare Bedingung». Sie will strikte Vorgaben darüber, wie und wann die AT1-Anleihen zum Aktienkapital geschlagen werden müssen. Denn im Rahmen der kommenden Gesetzgebung sei «noch unklar, ob die Verbesserung den Politprozess unverwässert durchläuft, während die Quote der Auslanddeckung bereits fixiert wäre.» Zellweger traut dem Parlament nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der Übernahme der CS durch die UBS zimmerten zahlreiche Parlamentarierinnen und Parlamentarier rasch Motionen, die den Bundesrat auf eine härtere Gangart verpflichten wollten. Eine besonders scharfe Motion reichte im Namen der SVP-Fraktion Nationalrat Thomas Aeschi ein, und zwar am 11. April 2023, am Tag, als die Sondersession zum Thema CS/UBS begann. Die SVP-Motion im Wortlaut:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>«Der Bundesrat wird beauftragt, der Bundesversammlung eine Gesetzesrevision zu unterbreiten, die sicherstellt, dass keine Schweizer Bank mehr ‹zu gross ist, um unterzugehen› (too big to fail, TBTF). Sollte dies nicht möglich sein, sind die ‹Too big to fail›-Banken zu verpflichten, ihre Bankteile, die sie ‹too big to fail› machen, zu veräussern oder stillzulegen.»</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemeint mit den «Bankteilen» waren insbesondere Auslandgesellschaften im Sinn von Blocher, allen voran das Investmentbanking in den USA.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Sondersession vom April 2023 traten SVP-Vertreter als Hardliner auf.&nbsp;Ständerat Hansjörg Knecht meinte damals, die UBS sei weiterhin zu gross und stelle «ein enormes Klumpenrisiko» dar. Sie sei nicht so aufgestellt, «dass sie in Konkurs gehen kann».&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleiches äusserte im Rat der damalige SVP-Parteipräsident Marco Chiesa. Ein weiterer SVP-Ständerat, Pirmin Schwander, beklagte, dass alle Vorschläge wie «die Rückkehr zum Trennbankensystem, die wir bereits 2008 ins Auge gefasst haben», abgelehnt worden seien. Alex Kuprecht meinte, der «Casino-Mentalität des Investmentbankings» sei entgegenzutreten. SVP-Nationalrat Lars Guggisberg erklärte: «Es braucht mehr Matterhorn und weniger Wall Street. […] Wir müssen Abschied nehmen von dieser amerikanisierten, grössenwahnsinnigen Risikomentalität.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese SVP-Voten entpuppen sich jetzt als hohle Phrasen. Damals dienten sie dazu, dem Unmut in der Bevölkerung entgegenzukommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Gespräche im Hinterzimmer zugunsten UBS</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute politisiert die SVP-Parteispitze ganz anders. Nationalrat Thomas Aeschi zog die eingereichte Motion am 17. Februar 2025 zurück. Gegenüber Infosperber begründet Aeschi den Rückzug mit der Sistierung, die bereits im März 2024 erfolgt war. Das gesamte Massnahmenpaket des Too-Big-To-Fail-Dispositivs werde ja ab kommender Wintersession beraten. Allerdings ist das Feilschen um den zentralen Eckwert dieses Dispositivs, eben die Eigenmittelunterlegung der systemrelevanten Bankentöchter, in vollem Gang.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch den Rückzug der Motion gewann die SVP Spielraum, den sie in der «Kompromissgruppe» und später bei den Parlamentsverhandlungen nützen kann. Aeschis Parteikollege Matter ist seit Monaten in dieser «Kompromissgruppe» vertreten. Der Banker, ehemals UBS-Bankenlehrling, später von Sergio Ermotti zur US-Investmentbank Merrill Lynch geholt, hält nichts von Blochers langjähriger Aufteilungsidee. Die SVP-Spitze folgte ihm. Eine Verkleinerung der Bank, um die Risiken für das Land zu mindern, will die SVP nicht mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz vor dem Rückzug der SVP-Motion hatte die Handelszeitung getitelt: «Plan B für die UBS – Die Zeit der Hinterzimmer beginnt.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Vertreter einer Kleinbank ist Matter daran interessiert, dass die UBS weiterhin Auslandgeschäfte inländischer Banken betreut. Der ehemalige UBS-Chef Oswald Grübel sagte dazu: «Eines der grössten Geschäfte der UBS ist das Geschäft mit allen Schweizer Banken, die es sich dadurch sparen, selbst international tätig zu sein, weil das Geld kostet.» </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der unmögliche Spagat: Aufteilung oder Wirtschaftsfreiheit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf konkrete Fragen von Infosperber geht die SVP nicht ein, sie bleibt allgemein. Sie äussert sich weder zum Problem des UBS-Klumpenrisikos noch dazu, ob der Kompromissvorschlag eine Abwicklung der Grossbank zulassen würde.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die SVP meinte in Wischiwaschi-Manier, der von ihr mitgetragene bürgerliche Kompromiss sei&nbsp;«eine differenzierte Gesetzgebung».&nbsp;Banken sollen zwar keine Staatsgarantie haben, aber auch nicht «in ihrer Handlungsfreiheit als Unternehmen eingeschränkt werden».&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch im November 2025 hatte Christoph Blocher Klartext geredet: «Es geht um das staatliche Risiko. Wir können das bei der UBS nicht stemmen. Darum muss sie aufgeteilt werden.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die abweichende Linie der Parteispitze zeichnete sich schon anfangs dieses Jahres ab. In der SVP-Vernehmlassungsantwort zur Änderung des Bankengesetzes und der Eigenmittelverordnung wollte Blocher seinen Vorschlag, die Bank aufzuteilen, als klare Forderung aufgenommen haben. Doch die SVP-Verantwortlichen schrieben lediglich nebenbei, der Bundesrat solle «überprüfen, ob und wie die Abspaltung des US-Geschäfts [&#8230;] bewerkstelligt werden» könne. Im Zentrum der Vernehmlassungsantwort stand der Kompromissvorschlag mit den problematischen AT1-Anleihen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Finanzportal «Tippinpoint» kommentierte: «Würde der (Kompromiss-)Vorschlag umgesetzt, bedeutet dies, dass die UBS nur noch sehr wenig zusätzliches Eigenkapital bilden müsste. Die Schätzungen von Analysten reichen von Null bis wenigen hundert Millionen Dollar.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wäre eine riesige Differenz zu den von Bundesrat und Nationalbank geschätzten über 20 Milliarden, welche die UBS aufbringen müsste. Good News für die Bank, wie «Tippinpoint» feststellt:&nbsp;«Die Aussicht auf diesen massiven Discount haben die UBS-Aktien explodieren lassen.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Blocher bleibt hartnäckig, Aeschi wimmelt ab</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">An einer Fraktionssitzung im vergangenen Februar trat Blocher erneut auf. Er wurde vehementer, warnte vor einer zweiten Gefahr, diesmal aus Asien. Es sei nicht nur der US-Teil, es seien alle Auslandgesellschaften abzutrennen. Das «existenzielle» Risiko für die Schweizer Volkswirtschaft, also für uns alle, die in diesem Land leben, lasse sich nur mit einer Aufteilung der Bank abwenden. Fraktionschef Thomas Aeschi wimmelte in den CH-Medien ab: «Wir nehmen die Problematik sehr ernst und wir suchen in den nächsten Wochen und Monaten nach dem richtigen Vorgehen in dieser Frage.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeit für einen Deal in den Hinterzimmern nimmt seinen Fortgang. Am 11. August vertagte die Wirtschaftskommission des Ständerats einen Entscheid.&nbsp;Anfangs nächste Woche will die Wirtschaftskommission erneut über den Kompromissvorschlag beraten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Christoph Blocher erkärte gegenüber Infosperber, er halte «grundsätzlich an seiner Aussage fest: Grossbanken sollen sich von ausländischen Bankentöchtern trennen, sonst wird es gefährlich für die Schweiz.»</p>



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					<title>Mark Carney zeigt Trump den Stinkefinger</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/welt/mark-carney-zeigt-trump-den-stinkefinger/</link>
					<pubDate>Sat, 29 Aug 2026 07:36:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Pitch-Heidi-News-e1787908901880-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Pitch Heidi News" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Pitch-Heidi-News-e1787908901880-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Pitch-Heidi-News-e1787908901880-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Pitch-Heidi-News-e1787908901880-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Pitch-Heidi-News-e1787908901880-1536x921.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Pitch-Heidi-News-e1787908901880.png 1568w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Der kanadische Premierminister liess sich bei den Zollverhandlungen mit den USA nicht erpressen. Die Duckmäuser freuen sich.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Der Weg in den Abgrund</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/der-weg-in-den-abgrund/</link>
					<pubDate>Sat, 29 Aug 2026 07:35:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="144" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-27-um-12.36.34-300x144.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Drohne Nyan" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-27-um-12.36.34-300x144.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-27-um-12.36.34-768x369.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-27-um-12.36.34.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Russland stuft den Einsatz britischer Drohnen im Ukrainekrieg als britische Kriegsbeteiligung ein und droht mit einer Antwort.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die jüngste gefährliche Eskalation in den Beziehungen zwischen Grossbritannien und Russland löst ernste Sorgen in London aus und lässt eine ähnliche Entwicklung auch für Deutschland befürchten. Das Vereinigte Königreich hat begonnen, weitreichende Drohnen an die Ukraine zu liefern und sie auch für Angriffe auf Ziele weit im russischen Kernland freizugeben. Kiew hat sie insbesondere für Attacken auf russische Erdölraffinerien eingesetzt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Russlands Aussenminister Sergej Lawrow hat daraufhin erklärt, Moskau dürfe das als britische Kriegsbeteiligung verstehen. Demnach sind russische Gegenangriffe – welcher Art auch immer – erlaubt. Auch die Bundesregierung unterstützt die Produktion weitreichender Drohnen im eigenen Land und ihre Lieferung in die Ukraine, um Angriffe tief auf russisches Territorium zu ermöglichen. Ob derlei Lieferungen bereits erfolgt sind, ist unklar. Russische Gegenschläge könnten dabei auch asymmetrisch vorgenommen werden, etwa mit Cyber- oder auch mit sogenannten hybriden Attacken. Spezielle Sorgen löst in London aus, dass die zentralen Kommunikationskanäle zu Russland abgebrochen sind. Dies ermögliche, warnt ein britischer Ex-Militärattaché, eine ungewollte bewaffnete Eskalation.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Russlands rote Linien</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Grossbritannien hatte es der Ukraine bereits Ende 2024 erstmals erlaubt, den britischen Marschflugkörper Storm Shadow für Angriffe auf Ziele im russischen Kernland zu nutzen. Belegt war damals zunächst eine Storm Shadow-Attacke auf das Gebiet Kursk [1]. London hatte dafür grünes Licht im vollen Wissen darum gegeben, dass Moskau einen Einsatz weitreichender westlicher Waffen durch Kiew als Überschreiten einer seiner «roten Linien» begriff, wie die «Sunday Times» erst vor kurzem bestätigte. Die Verfügbarkeit des Storm Shadow galt allerdings als begrenzt, nicht zuletzt aufgrund seiner Stückkosten von mehr als 750’000 britischen Pfund [2]. Zudem hatte der Marschflugkörper eine Reichweite von nur rund 250 Kilometern.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Jahr ist das Vereinigte Königreich nun den nächsten Schritt gegangen und hat begonnen, der Ukraine auch weitreichende Drohnen zu liefern. Auch diese werden inzwischen für Angriffe nicht mehr nur auf russisch besetzte Gebiete und die Krim, sondern auch auf das russische Kernland genutzt. Ein Modell, die Drohne Nyan der BAE Systems-Tochterfirma Callen-Lenz, fand bei Angriffen auf Ziele bei Belgorod Verwendung. Ein anderes wurde zu Attacken auf Ölraffinerien in Wolgograd und Jaroslawl rund 340 bzw. rund 700 Kilometer von der Grenze entfernt eingesetzt [3]. Modell und Hersteller dieses Modells werden bislang strikt geheimgehalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«In den Krieg hineingezogen»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ausweitung der Genehmigungen zur Nutzung weitreichender britischer Waffen für Angriffe auf Ziele weit im russischen Kernland geschieht in vollem Bewusstsein möglicher Folgen. So erklärte eine anonyme Quelle in der britischen Militärbürokratie gegenüber der «Sunday Times», Russland sei lange «sehr erfolgreich» darin gewesen, die westlichen Staaten mit Blick auf immer schwerere Angriffe auf Ziele im russischen Kernland «nervös» zu machen [4]. Die erwähnten jüngsten Angriffe mit britischen Drohnen auf dortige Ziele seien ein Hinweis darauf, «dass wir nicht mehr [nervös] sind».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im April kündigte die britische Regierung an, sie werde der Ukraine im Lauf des Jahres 2026 rund 120’000 im Vereinigten Königreich gefertigte Drohnen liefern. Wie viele davon weitreichende Waffen sind, ist nicht bekannt. Russland werde sicher «mit dem Säbel rasseln», urteilt etwa Greg Bagwell, ein pensionierter hochrangiger Luftwaffenoffizier [5]. Es werde vielleicht auch erklären, ab jetzt seien die Fabriken, in denen die Waffen hergestellt würden, «legitime Ziele». Dies hat die russische Regierung allerdings bereits im April getan. Die Fertigung und die Lieferung weitreichender Waffen verwandle die daran beteiligten Länder «schleichend ins strategische Hinterland der Ukraine», hiess es damals aus Moskau. So würden sie «in einen Krieg mit Russland hineingezogen» [6].</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Drohnen aus Deutschland</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Beispiel Grossbritannien ist für Deutschland von erheblichem Interesse, weil die deutsche Bundesregierung ähnlich vorgeht. So haben deutsche Unternehmen nicht nur begonnen, gemeinsam mit ukrainischen Firmen an deutschen Standorten Drohnen für die ukrainischen Streitkräfte herzustellen; in der Bundesrepublik seien sie vor russischen Angriffen sicher, heisst es zur Begründung. Darüber hinaus steigen das deutsch-US-amerikanische Start-up Auterion und der ukrainische Drohnenproduzent Airlogix in die gemeinsame Fertigung weitreichender Drohnen an einem Standort nahe München ein. Eine zweite Fabrik soll in Ostdeutschland errichtet werden. Das geschieht auf ausdrücklichen Wunsch der Regierung.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte bereits im September 2025 angekündigt, Berlin werde seine «Unterstützung für die Beschaffung von weitreichenden Drohnen» durch die Ukraine intensivieren [7]. Dazu sollten rund 300 Millionen Euro bereitgestellt werden, hiess es. Zur Zeitplanung hiess es im April, die erste Lieferung weitreichender Drohnen aus dem Münchener Umland in die Ukraine sei bereits in wenigen Monaten geplant. Ob sie jetzt bereits stattgefunden hat, ist unklar. Die Frage ist von hoher Bedeutung; denn wäre das der Fall, dann könnten auch in Deutschland hergestellte Drohnen bereits Ziele im russischen Kernland angegriffen haben. Die Bundesrepublik wäre dann ebenfalls Kriegspartei.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hybrider Krieg</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Denkbar sind russische Reaktionen unterschiedlicher Art. Als wenig wahrscheinlich gilt ein offener militärischer Angriff auf die westeuropäischen Drohnenlieferanten der Ukraine; er würde Russland in einen heissen Krieg mit der Nato führen, den es nicht gewinnen kann. Als gut möglich gelten dagegen etwa Cyberangriffe oder eine Eskalation dessen, was in der deutschen Öffentlichkeit als «hybrider Krieg» bezeichnet wird. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Beispiele bietet etwa der Krieg der Vereinigten Staaten gegen Iran, in dem iranische Hacker – zur Vergeltung für US-Angriffe auf die iranische Wasserversorgung – mehr als 30 Wasserwerke mit Cyberattacken überzogen [8]. Wie am Wochenende bekannt wurde, attackierten sie auch ein Kraftwerk in Grossbritannien, das damit für vier Tage ausser Betrieb gesetzt wurde. Weil es sich dabei nur um ein kleines Kraftwerk gehandelt habe, sei es den Behörden gelungen, den Fall vor der Öffentlichkeit zu verbergen, heisst es jetzt – doch hätten die Hacker damit klargestellt, wozu sie im Fall der Fälle in der Lage seien [9]. Auch Russland wäre in der Lage, sich auf diese oder ähnliche Weise für Angriffe britischer – oder deutscher – Drohnen auf sein Territorium zu revanchieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wichtige Kommunikationskanäle</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur näheren Einschätzung der Frage, wie sich die Situation weiterentwickeln könnte, ist erneut das Beispiel Grossbritannien von Belang. Dort hat am Wochenende die Mitteilung für Unruhe gesorgt, Russland habe seinen Botschafter im Vereinigten Königreich, Andrej Kelin, abberufen, und es bestünden aktuell keine erkennbaren Pläne, ihn oder einen anderen Diplomaten erneut nach London zu entsenden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kelin habe die britische Hauptstadt schon am 21. Juli «in der Hoffnung verlassen, dass letztlich ein konstruktiverer und respektvollerer Dialog wiederhergestellt werden könne», teilte ein Sprecher der russischen Botschaft mit [10]. In der Zwischenzeit müsse Grossbritannien mit dem Geschäftsträger an der russischen Botschaft vorlieb nehmen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der britischen Hauptstadt löst dies Sorgen aus – umso mehr, als nach der Mitteilung des russischen Aussenministers Sergej Lawrow in der vergangenen Woche, Russland dürfe die Lieferung und die Freigabe weitreichender britischer Drohnen als direkte Kriegsbeteiligung des Vereinigten Königreichs verstehen, keinerlei diplomatische Rücksprache mit russischen Stellen mehr möglich gewesen sei. «Besonders zwischen feindlichen Staaten» sei es wichtig, «Kommunikationskanäle offenzuhalten», damit potenziell gefährliche Szenarien «nicht in eine Katastrophe» mündeten, wird ein britischer Diplomat zitiert [11].</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ungewollte Eskalationen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies gilt insbesondere auch für Kommunikationskanäle zwischen Militärs. Zum bislang letzten Mal hätten die ranghöchsten Soldaten der beiden Staaten, der britische Chief of the Defence Staff und der russische Generalstabschef, im September 2022 miteinander telefoniert, berichtete kürzlich die «Times»; seitdem habe die russische Seite jeden britischen Versuch, ein erneutes Gespräch zwischen den Spitzenmilitärs zustande zu bringen, explizit abgelehnt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach mehreren Zwischenfällen auf hoher See in jüngerer Vergangenheit, bei denen russische Schiffe teils Schüsse abfeuerten, sei der neue Verteidigungsminister Wes Streeting unter Druck geraten, die Kommunikationskanäle wieder instand zu setzen, um eine «unbeabsichtigte Eskalation» zu verhindern [12]. Das gelinge bislang allerdings nicht. Es räche sich, dass Grossbritannien im Mai 2024 den russischen Militärattaché an der Botschaft in London des Landes verwiesen habe; dieser habe gewöhnlich Telefonate zwischen den Verteidigungsministern arrangiert.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">John Foreman, ein ehemaliger britischer Militärattaché in Moskau und Kiew, warnt explizit: «Ohne eine direkte Verbindung gibt es das Risiko einer ungewollten Eskalation.» Ein «grösseres Missverständnis» könne «dazu führen, dass Menschen sterben». Dies gelte es dringend zu vermeiden [13].</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Grossbritannien als Modell</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Entsprechendes gilt auch für Deutschland, wo die Bundesregierung aktuell die Lieferung weitreichender Drohnen an die Ukraine unterstützt und auch sonst die verbliebenen Ruinen der deutsch-russischen Beziehungen mutwillig zerstört. Grossbritannien, in dieser Hinsicht einen Schritt weiter als die Bundesrepublik, liefert das Modell für den Weg in den Abgrund.</p>



<p class="wp-block-paragraph">_____________________</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">[1] Jonathan Beale, Amy Walker: Ukraine fires UK-supplied Storm Shadow missiles at Russia for first time. bbc.co.uk 20.11.2024.<br>[2] Dominic Hauschild, Vika Sybir: UK drones used for ‘deep strikes’ in mainland Russia for first time. thetimes.com 15.08.2026.<br>[3] Nyan One-Way Effector. drone-warfare.com 17.08.2026.<br>[4], [5] Dominic Hauschild, Vika Sybir: UK drones used for ‘deep strikes’ in mainland Russia for first time. thetimes.com 15.08.2026.<br>[6], [7] Friedrich Schmidt: Moskau droht Europa mit Angriffen auf konkrete Ziele. Frankfurter Allgemeine Zeitung 17.04.2026. S. dazu&nbsp;<a href="https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10370" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Langstreckendrohnen für die Ukraine</a>.<br>[8] Iran soll hinter Angriffen auf Wasserversorgung in den USA stecken. spiegel.de 31.07.2026.<br>[9] Tony Diver, Rozina Sabur, Matt Oliver: Iranian hackers shut down UK power plant. telegraph.co.uk 22.08.2026.<br>[10], [11] Dominic Hauschild: Russia pulls ambassador Andrey Kelin out of Britain. thetimes.com 22.08.2026.<br>[12], [13] Larisa Brown: Defence chiefs under pressure to ‘reboot’ channels with Moscow. thetimes.com 11.08.2026.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Online-Plattform «<a href="https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10507" target="_blank" rel="noreferrer noopener">german-foreign-policy.com</a>». Diese «Informationen zur Deutschen Aussenpolitik» werden von einer Gruppe unabhängiger Publizisten und Wissenschaftler zusammengestellt, die das Wiedererstarken deutscher Grossmachtbestrebungen auf wirtschaftlichem, politischem und militärischem Gebiet kontinuierlich beobachten.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Ernährungsinitiative: Niemand muss weniger Fleisch essen!</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/ernaehrungsinitiative-niemand-muss-weniger-fleisch-essen/</link>
					<pubDate>Fri, 28 Aug 2026 08:13:01 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=722691</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Vegan-Zwang-Aufmacher-e1787600008155-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Vegan-Zwang Aufmacher" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Vegan-Zwang-Aufmacher-e1787600008155-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Vegan-Zwang-Aufmacher-e1787600008155-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Vegan-Zwang-Aufmacher-e1787600008155-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Vegan-Zwang-Aufmacher-e1787600008155.png 1185w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>«Zwang zum Veganismus» oder «Eingriff in Konsumfreiheit» sind Lügen von Gegnern, Bundesrat und vielen Medien. Ein Armutszeugnis.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Viele, welche die Ernährungsinitiative ablehnen, halten das Ziel der Initiative – eine angestrebte Selbstversorgung der Schweiz von 70 Prozent – für zu ambitiös oder aus der Zeit gefallen. Andere sind der Ansicht, eine so hohe Selbstversorgung stünde dem Ziel einer <a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/landwirtschaft-muss-oekologischer-werden-nicht-selbstversorgend/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ökologischeren Landwirtschaft </a>eher im Weg.&nbsp;Wieder andere finden, die Schweiz tue bereits genug, um das Grundwasser zu schützen und die Biodiversität zu fördern.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Bundesrat und Nein-Komitee halten diese und andere sachlichen Argumente offensichtlich für zu wenig überzeugend. Sonst würden sie nicht in eine der untersten Schubladen greifen, welche PR und Propaganda zu bieten haben: Man unterstelle der anderen Seite eine extreme Position, welche diese gar nicht vertritt, und benutze dann diese Position als Zielscheibe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese unterste Schublade ziehen Bundesrat, Politiker und viele Medien, wenn sie verbreiten, die Initiative zwinge die Konsumentinnen und Konsumenten zu einer Umstellung in der Ernährung. Sie müssten namentlich ihren Fleischkonsum stark reduzieren. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>«Das Ziel (der Initiative) ist nur mit Vegan-Zwang erreichbar»</em>, behauptet etwa der&nbsp;<a href="https://www.schweizerbauer.ch/artikel/politik-wirtschaft/agrarpolitik/ziel-nur-mit-vegan-zwang-erreichbar" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Schweizer Bauer»</a>.&nbsp;Das&nbsp;<a href="https://www.ernaehrungsinitiative-nein.ch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nein-Komitee</a> verbreitet den Slogan <em>«Nein zum Vegan-Zwang»</em>. Der Bauernverband spricht in seiner Kampagne vom <em>«Zwang zu Veganismus»</em>.</p>



<p class="has-large-font-size wp-block-paragraph"><br><strong>Der Faktencheck</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im&nbsp;<a href="https://www.fedlex.admin.ch/eli/fga/2026/800/de#fnbck-d3358e81" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Initiativ-Text</a>&nbsp;lauten die entscheidenden Passagen:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Der Bund strebt einen Netto-Selbstversorgungsgrad von mindestens 70&nbsp;Prozent an</strong>.»&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Klartext: Die Bevölkerung in der Schweiz soll 70 Prozent der konsumierten Nahrungsmittel-Kalorien im Inland produzieren. Dies ist nur möglich, wenn viel mehr landwirtschaftliche Flächen – statt für Futtermittel – für Gemüse, Kartoffeln, Getreide und andere pflanzliche Nahrungsmittel reserviert werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Friedenszeiten schränkt dies den Fleischkonsum nicht ein. Es kann Fleisch aus dem Ausland importiert werden. Dieses ist erst noch deutlich billiger. Die Konsumfreiheit bleibt erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br>Weiter heisst es im <a href="https://www.fedlex.admin.ch/eli/fga/2026/800/de#fnbck-d3358e81" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Initiativtext</a>:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Zu diesem Zweck trifft er insbesondere Massnahmen zur Förderung einer vermehrt auf pflanzlichen Lebensmitteln basierenden Ernährungsweise.»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute fördert der Bund die Ernährung mit Fleisch. Er bezahlt jedes Jahr sechs Millionen Franken, um den Absatz von Fleisch zu fördern. Dazu kommen weitere Millionen als «Tierwohl-Direktzahlungen». Diese Förderungsmassnahmen sind kein «Zwang zum Fleischessen» und schränken die Konsumfreiheit nicht ein (siehe&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/proviande-darf-weiter-wursteln/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Proviande darf weiter wursteln»</a>).&nbsp;Zusammen mit Importbeschränkungen führen sie lediglich dazu, dass Fleisch in der Schweiz viel teurer ist als im Ausland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Künftig soll der Bund mit Werbung, Forschung und Beratung den Absatz von pflanzlichen Nahrungsmitteln fördern (anstatt den Fleischabsatz). Das ist selbstredend kein «Zwang zum Veganismus» und schränkt die Konsumfreiheit ebenso wenig ein.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Migros vor sieben Jahren eine der grössten Werbe- und PR-Agenturen mit&nbsp;<a href="https://www.persoenlich.com/kategorie-werbung/welchen-mehrwert-die-fleischtheke-bringt" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Werbung für den Fleischabsatz</a>&nbsp;beauftragte, warf der «Schweizer Bauer» der Migros bezeichnenderweise nicht vor, sie wolle einen «Fleisch-Zwang» durchsetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entsprechend ist das von der Initiative vorgesehene Fördern von pflanzlichen Lebensmitteln weder ein «Vegan-Zwang» noch ein «Eingriff in die Konsumfreiheit».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ärztinnen, Präventivmediziner und Umweltschützer sind sich zudem einig: Fördern sollte man – wenn schon – nicht den Fleischabsatz, sondern den Absatz von pflanzlichen Nahrungsmitteln.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-large-font-size"><br>Der Bundesrat lügt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In seiner&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Botschaft-zur-Ernaehrungsinitiative.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Botschaft</a>&nbsp;ans Parlament hatte der Bundesrat zur Ernährungsinitiative erklärt:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>«Die Erhöhung des Netto-Selbstversorgungsgrades von heute rund 46 auf 70 Prozent würde grosse Umstellungen […] im Konsum erfordern. […] Der Konsum von Fleisch müsste stark reduziert […] werden.»</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Richtig ist, dass die <em>Produktion</em> von Fleisch stark reduziert werden müsste, nicht aber der <em>Konsum</em> von Fleisch. Importiertes Fleisch wäre sogar günstiger als Fleisch aus Schlachthäusern in der Schweiz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man muss davon ausgehen, dass der Bundesrat den Fleischliebhabern bewusst Angst einjagen will, um für sein Nein zu werben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Abstimmungsbuechlein.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Abstimmungsbüchlein</a>, das der Bundesrat zusammen mit den Abstimmungsunterlagen an alle Haushalte verschickt, wiederholt er die Lüge. Unter «In Kürze» auf Seite 7 und unter «Argumente Bundesrat und Parlament» auf Seite 28 erklärt der Bundesrat:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>«Der Staat müsste dafür massiv in […] die Ernährungsgewohnheiten eingreifen. Das würde hohe Kosten verursachen und die Wahlfreiheit der Konsumentinnen und Konsumenten einschränken.»</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das gleiche Mantra am 11. August an der Medienkonferenz zur Initiative. SVP-Bundesrat Guy Parmelin erklärte (Übersetzung in der Medienmitteilung):&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>«Nach Ansicht des Bundesrats […] wären tiefgreifende Veränderungen […] insbesondere im Konsumverhalten der Bevölkerung erforderlich. Der Konsum von Fleisch, Milch und Eiern müsste deutlich zurückgehen, während pflanzliche Lebensmittel einen wesentlich grösseren Anteil der Ernährung ausmachen müssten.»</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ständige Wiederholen einer Unwahrheit entspringt einer anderen Schublade von PR- und Propaganda-Spezialisten: Wenn man eine Aussage genügend oft wiederholt, wird sie von vielen als glaubhaft aufgenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Behauptung, dass nach Annahme der Initiative weniger Fleisch gegessen werden darf, hat der Bundesrat wider besseres Wissen verbreitet. Denn sowohl in seiner Botschaft ans Parlament wie auch im Abstimmungsbüchlein rechnet er durchaus mit der Möglichkeit, dass weiterhin gleich viel Fleisch gegessen wird:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>«Würde die Bevölkerung ihre Essgewohnheiten nicht ändern und weiterhin viele tierische Produkte konsumieren, so müssten diese vermehrt importiert werden.» </em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Änderung der Gewohnheiten wäre also keineswegs zwingend. Moralisierend warnt der Bundesrat davor, dass mehr Importe die Umweltbelastung (der Fleischproduktion) ins Ausland verlagern würden. Er unterlässt es zu informieren, dass importiertes Fleisch, auch Biofleisch, für die Konsumentinnen und Konsumenten deutlich günstiger wäre.</p>



<p class="has-large-font-size wp-block-paragraph"><br><strong>Grosse Medien korrigieren nicht&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die grobe Irreführung des Bundesrats und des «Nein-Komitees» haben grosse Medien übernommen und nicht hinterfragt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.srf.ch/news/schweiz/auf-einen-blick-die-ernaehrungsinitiative-in-kuerze" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SRF-Online</a>&nbsp;verbreitete am 21. August unter dem Titel&nbsp;«Die Ernährungsinitiative in Kürze»&nbsp;die Lüge, der Staat müsse stark in den Konsum eingreifen:&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>«Der Staat müsste nach einer Annahme stark in die Produktion und den Konsum eingreifen, was die Kosten erhöhen, Lebensmittel verteuern und die Wahlfreiheit der Konsumentinnen und Konsumenten einschränken könnte.»</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die&nbsp;<a href="https://www.nzz.ch/schweiz/von-zeit-zu-zeit-eine-gute-st-galler-bratwurst-bundesrat-parmelin-aeussert-sich-zur-ernaehrungsinitiative-und-seinem-menueplan-ld.10019099" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«NZZ»</a><em>&nbsp;</em>berichtete am 11. August über Parmelins Medienkonferenz:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>«Der Bauernverband, der schon im Abstimmungskampf zur Trinkwasserinitiative der grosse Gegenspieler der Initiantin Herren war, wirbt bereits offensiv gegen ihre neue Vorlage. Auf Plakaten spricht er von einem ‹Vegan-Zwang› und warnt vor staatlich verordneten Menuplänen. – Auch ein äusserst heterogenes Nein-Komitee, das ein Spektrum vom Bauernpräsidenten Markus Ritter bis zur grünen Nationalrätin Christine Badertscher abdeckt, wirbt mit diesem Slogan.»</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die «NZZ» zitiert diese Aussagen, ohne sie als Falschaussagen zu entlarven.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 24. August stellte «NZZ»-Redaktor David Vonplon die Ernährungsinitiative nochmals vor:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>«Bei einem Ja wären die Bauern etwa gezwungen, die Produktion von Fleisch und Milch stark zu reduzieren. Sie müssten ihre Tierbestände verringern. […] Es wären grosse Umstellungen […] im Konsum notwendig.»</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist ein Trugschluss. Die Konsumfreiheit bleibt bewahrt. Vom Ausland müssten weniger Futtermittel importiert werden und stattdessen mehr Fleisch. Nichts spräche dagegen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die «NZZ» räumte den Trugschluss am Schluss selber ein, wenn sie schreibt:&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>«Da der Bundesrat nicht mit einem rückläufigen Konsum von Fleisch und Milch rechnet, geht er davon aus, dass künftig mehr tierische Produkte importiert werden müssten.»</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Online-Medium der Tamedia,&nbsp;<a href="https://www.20min.ch/story/ernaehrungsinitiative-das-musst-du-vor-der-abstimmung-vom-27-september-wissen-103616517" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«20 Minuten»</a>,&nbsp;schrieb am 18. August unter dem Titel «Das musst du vor der Abstimmung zur Ernährungsinitiative wissen»:&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>«Gleichzeitig müsste der Konsum von Fleisch und Milchprodukten deutlich zurückgehen. Wie viel, lässt sich nicht genau beziffern. Eine Studie kam zum Schluss, dass bei einem Ja 250 Gramm Fleisch und Eier pro Woche noch realistisch seien. Zum Vergleich: Heute isst der Schweizer Durchschnitt rund ein Kilogramm Fleisch pro Woche.»</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist eine glatte Falschaussage. Die erwähnte&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/251209-Studie-Selbstversorgung.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie</a>&nbsp;untersuchte gar nicht den Konsum nach einem Ja zur Ernährungsinitiative, sondern den Konsum im Krisenfall, wenn sich die Bevölkerung ausschliesslich inländisch ernähren müsste.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manipulativ ist auch die <a href="https://cockpit.gfsbern.ch/de/cockpit/trend_w1_27092026-2/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Trendumfrage»</a> der <a href="https://www.gfsbern.ch/de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">gfs</a> im Auftrag der SRG. Danach <em>«überzeugt die Aussage am stärksten, dass staatliche Vorgaben nicht bestimmen sollten, was die Schweizerinnen und Schweizer essen dürfen und was nicht»</em>. Doch solche Vorgaben sieht die Initiative nicht vor. Das Meinungsforschungsinstitut gfs gaukelte mit der Fragestellung jedoch vor, dass es eine solche Vorgabe gebe. Und die SRG als Auftraggeberin hat diese Umfrage abgesegnet.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Meret Schneider, Grüne, behauptet und schweigt</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="997" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Meret-Schneider-SRF-1024x997.png" alt="Meret Schneider SRF" class="wp-image-723319" style="width:200px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Meret-Schneider-SRF-1024x997.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Meret-Schneider-SRF-300x292.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Meret-Schneider-SRF-768x748.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Meret-Schneider-SRF.png 1464w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Meret Schneider</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Ausgerechnet die engagierte Kämpferin für eine bessere Umwelt, für weniger Abfälle und für das Tierwohl, die sich auf ihrer Webseite für die «Förderung alter, robuster Sorten im Obst- und Gemüsebau» und «die Förderung des Anbaus von Hülsenfrüchten für die menschliche Ernährung» einsetzt, stört sich daran, dass wir angeblich «den Konsum stärker auf den pflanzlichen Konsum ausrichten» müssten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Infosperber fragte Meret Schneider:<br><em>«In den Tamedia-Zeitungen erklärten Sie die Position der Grünen zur Ernährungsinitiative. Sie sagten: ‹Wir müssen…den Konsum bei einer Annahme stärker auf den pflanzlichen Konsum ausrichten.›&nbsp;Doch das verlangt die Initiative nicht. Sie will nur Vorschriften für mehr pflanzliche Produktion machen. Die Wahlfreiheit der Konsumentinnen und Konsumenten schränkt die Initiative in keiner Weise ein. Wer weiterhin gleich viel Fleisch essen möchte, kann importiertes (Bio-)Fleisch kaufen, das erst noch günstiger ist. (Die Initiative sieht keine Importbeschränkungen vor.) Was sagen Sie zur Kritik, dass Ihre Aussage in den Tamedia-Zeitungen falsch war?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch nach viermaliger Anfrage nahm Meret Schneider keine Stellung dazu.&nbsp;</p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>Beschwerde des Initiativkomitees</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen die Falschaussagen des Bundesrats hat das Initiativkomitees Beschwerde eingereicht.&nbsp;Unter dem Titel «Abstimmungsbeschwerden sind zum politischen Instrument geworden» kommentierte&nbsp;SRF-Online herablassend:&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>«Kaum publiziert der Bund seine Informationen zur Ernährungsinitiative, kommt die Beschwerde. Ein Muster, das sich häuft.»</em>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über den Inhalt der Beschwerde informierte SRF-Online nicht.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die «NZZ» hat über die Abstimmungsbeschwerde der Initianten nicht informiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hätten «NZZ» und SRF-Online den Inhalt der Beschwerde zitiert, hätten sie und andere Medien auf die Frage eingehen müssen, ob die Initiative tatsächlich «zum Veganismus zwingt» und «die Konsumfreiheit einschränkt».</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/2354dc6d72674a8fa270a88055c5995f" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Atomwaffen-Lobby nützt unseriöses Bedrohungsszenario aus</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/welt/atomwaffen-lobby-nuetzt-unserioeses-bedrohungsszenario-aus/</link>
					<pubDate>Fri, 28 Aug 2026 08:12:28 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=723099</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/9230919-2-e1787822984643-300x180.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="German Bundestag debates on government budget 2020" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/9230919-2-e1787822984643-300x180.jpeg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/9230919-2-e1787822984643-768x461.jpeg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/9230919-2-e1787822984643.jpeg 992w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Debatte um europäische Atomwaffen  begann bereits 2016, als Präsident Trump die Nato für «obsolet» erklärt hatte.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[



<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="400" height="396" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Andreas-Zumach-400.png" alt="Andreas Zumach 400" class="wp-image-405361" style="width:200px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Andreas-Zumach-400.png 400w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Andreas-Zumach-400-300x297.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Andreas-Zumach-400-150x150.png 150w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Andreas-Zumach-400-100x100.png 100w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /><figcaption class="wp-element-caption">Andreas Zumach</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die EU und die Nato-Staaten Europas haben die Diskussion darüber lanciert, ob Europa sich eine eigenständige, von den USA möglichst unabhängige Atomwaffenkapazität anschaffen soll. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den Staaten ausserhalb Europas stösst schon der aktuelle Status von Atomwaffen in den europäischen Mitgliedstaaten der&nbsp;Nato&nbsp;sowie der Türkei auf Kritik und Misstrauen. Und dies völlig zu Recht. Denn zwei dieser Staaten – Frankreich und Grossbritannien – besitzen Atomwaffen und weigern sich seit jetzt 65 Jahren beharrlich, genauso wie die drei anderen «offiziellen» Atomwaffenmächte USA, China und Russland, ihrer Verpflichtung aus dem 1970 vereinbarten <a href="https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1977/472_472_472/de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Atomwaffensperrvertrag</a> (NPT oder Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons) zur Abrüstung ihrer atomaren Arsenale nachzukommen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus sind in fünf weiteren Staaten – Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Italien und der Türkei – im Rahmen der sogenannten «nuklearen Teilhabe» – Atombomben der USA stationiert. Im Kriegsfall können die USA diese auch an die Luftstreitkräfte dieser fünf Länder zum Einsatz übergeben. Das ist aus Sicht vieler Kritikerinnen und Kritiker zumindest ein Verstoss gegen den Geist des NPT, wenn nicht sogar gegen den Buchstaben dieses Vertrages.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jegliche Form der Erweiterung dieses Status Quo – sei es durch die Mitverfügung Deutschlands und anderer Staaten über die Atomwaffen Frankreichs oder Grossbritanniens, durch die Ausweitung der Teilhabe an Atomwaffen der USA durch ihre Stationierung in Polen oder anderen bisher atomwaffenfreien Ländern oder gar durch die Entwicklung von eigenen Atomwaffen, durch welches europäische Land auch immer, würde mit grosser Wahrscheinlichkeit zu einem Ende des NPT führen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br>Unseriöse Bedrohungsszenarien</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Debatte über eine eigenständige, von den USA unabhängige atomare Abschreckungskapazität Europas wird nicht erst seit Russlands Krieg gegen die Ukraine geführt und unter Verweis auf die angebliche Absicht und angebliche militärische Fähigkeit Russlands, nach diesem Krieg die baltischen Staaten, Polen sowie spätestens zum Ende dieses Jahrzehnts auch Deutschland und andere Nato-Staaten anzugreifen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Bedrohungsszenario ist völlig überzogen und unseriös. Es gibt keinerlei Äusserungen Putins oder von Mitgliedern der Führung in Moskau, die diese Absicht erkennen lassen. Und die Regierung Putin wäre angesichts der militärischen Kräfteverhältnisse zwischen den Nato-Staaten und Russland auch gar nicht in der Lage, einen solchen Krieg zu führen. Die Friedensbewegung wird diesem überzogenen Bedrohungsszenario, das ja zur Rechtfertigung der derzeitigen Aufrüstung und zur innergesellschaftlichen Militarisierung dient, allerdings nur glaubwürdig und mit Erfolg in der Öffentlichkeit widersprechen können, wenn sie den tatsächlichen heissen Krieg, den Russland gegen die Ukraine führt, genauso klar als völkerrechtswidrig verurteilt, wie sie auch völkerrechtswidrige Kriege des Westens verurteilt hat. Da gibt es in Teilen der Friedensbewegung leider ziemliche Defizite.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><br>Diskussion um Atomwaffen seit Trumps erster Amtszeit</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Debatte um Atomwaffen für Europa begann bereits, nachdem Donald Trump in seinem ersten Präsidentschaftswahlkampf im Sommer 2016 die Nato für «obsolet» erklärte. Bereits am Tag nach der ersten Amtseinführung Trumps im Januar 2017 erklärte der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter im ARD-Fernsehen, jetzt könne sich «Europa nicht mehr auf den nuklearen Schutzschirm der USA verlassen». Er forderte die Schaffung einer eigenständigen atomaren Bewaffnung der EU. Konkret schlug Kiesewetter eine Mitverfügung Deutschlands über Frankreichs Atomwaffen vor. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Wahlkampf zum EU-Parlament Anfang 2024 erhob dann auch die damalige sozialdemokratische Spitzenkandidatin Katarina Barley diese Forderung. Entsprechende Forderungen und Vorschläge werden seitdem immer häufiger laut angesichts der offensichtlichen Kumpanei zwischen Trump und Putin mit Blick auf den Ukrainekrieg, und weil die Nato-kritischen Äusserungen von Mitgliedern der Administration in Washington in Trumps zweiter Amtszeit seit Anfang 2025 deutlich zugenommen haben. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Debatte über eine militärische Unterstützung für Trumps völkerrechtswidrigen Krieg gegen Iran beschimpfte der US-Präsident die unwilligen europäischen Verbündeten als «unzuverlässig» und «undankbar». Er drohte mit einem Austritt der USA aus der Militärallianz. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch es ist ein Fehler, all die diesbezüglichen Äusserungen aus Washington für bare Münze zu halten. Sie werden überbewertet und instrumentalisiert, um die militärische Aufrüstung Europas zu propagieren bis hin zu einer eigenständigen, von den USA unabhängigen atomaren Bewaffnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich verfolgt die Trump-Administration – noch stärker als all ihre Vorgänger – das Ziel, die finanziellen Lasten in der Nato umzuverteilen und die europäischen Länder zu mehr Militärausgaben zu drängen. Doch davon abgesehen hat sich das grundlegende Interesse der USA an der Nato seit ihrer Gründung im Jahr 1949 auch unter Trump nicht verändert: Die Militärallianz ist für ihre Führungsmacht das wichtigste Instrument zur Einflussnahme in und Kontrolle über Europa. Auch die Existenz von US-Militärbasen in Deutschland und anderen Staaten Europas sowie deren Nutzung für Washingtons globale Kriege und Drohneneinsätze wären ohne die Nato nicht möglich. All das wird auch Trump nicht aufgeben.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><br>Die deutsche Debatte</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die deutsche Debatte über Atomwaffen für Europa bezog sich zunächst nur auf das Modell einer Mitverfügung Deutschlands über die atomaren Arsenale Frankreichs und/oder Grossbritanniens. Wobei von Grossbritannien seit dem EU-Austritt des Landes (Brexit) zumindest vorerst nicht mehr die Rede ist. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Recht auf Mitverfügung hatte bereits Westdeutschlands sozial-liberale Regierung unter Bundeskanzler Willy Brandt verlangt. Als sie mit der Ratifizierung des NPT im Jahr 1972 den völkerrechtlichen Verzicht auf Atomwaffen erklärte, machte sie den Vorbehalt, dass dieser Verzicht nicht mehr gelte, wenn es im Zuge der europäischen Integration (wie sie inzwischen mit der EU erreicht ist) zu einer gemeinsamen Aussen- und Sicherheitspolitik Europas komme. Dann müssten die dann in Europa existierenden Atomwaffen vergemeinschaftet werden. Deutschland müsse eine Mitverfügung – einen «zweiten Schlüssel» – über diese Waffen erhalten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im 4+2-Abkommen vom September 1990 wurde lediglich der Verzicht des wiedervereinigten Deutschland auf «die Entwicklung, den Besitz, die Lagerung und die Weitergabe» von Atomwaffen vereinbart. Die DDR-Delegation hatte vergeblich verlangt, auch den Verzicht auf «Mitverfügung über Atomwaffen anderer Staaten» in den Vertrag aufzunehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen ist den Befürworterinnen und Befürwortern allerdings immer deutlicher geworden, dass Paris eine Mitverfügung Deutschlands oder anderer Staaten über die Atomwaffen Frankreichs ablehnt. Präsident Emmanuelle Macron schlug Anfang dieses Jahres und zuletzt in einer Rede im März 2026 lediglich vor, französische Atomwaffen in anderen Ländern zu stationieren. Inzwischen hat Frankreich bilaterale Verträge mit neun Ländern geschlossen, die in einer Nuclear Steering Group zusammengefasst sind: Deutschland, Polen, Niederlande, Belgien, Griechenland, Schweden, Dänemark und neuerdings Norwegen. Mit Grossbritannien gab es schon länger eine Kooperation. Paris will aber allein über einen Einsatz entscheiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In jüngster Zeit werden immer mehr Stimmen laut – vor allem in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» –, die ähnlich wie Konrad Adenauer in den 1950er Jahren für die nationale Beschaffung und Alleinverfügung Deutschlands von und über Atomwaffen plädieren. Sie argumentieren, seit 1970 und erneut seit 1990 hätten sich die geopolitischen Rahmenbedingungen grundlegend geändert. Deshalb müsse der im Rahmen des NPT und des 4+2-Abkommens eingegangenen völkerrechtlichen Verpflichtungen Deutschlands zum Atomwaffenverzicht revidiert werden: sei es durch Aufkündung bzw. Austritt aus diesen Verträgen oder durch deren Neuverhandlung und Korrektur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Aufkündigung oder der Austritt aus internationalen Verträgen ist grundsätzlich möglich unter Beachtung bestimmter Fristen und formaler Verfahrensregeln. Als Problem sehen die Befürworterinnen und Befürworter eines solchen Vorgehens lediglich, dass nach einer Aufkündigung des 4+2-Vertrages milliardenschwere Reparationsforderungen auf die Bundesrepublik als Nachfolgestaat von Nazi-Deutschland zukommen könnten, die mit diesem Abkommen für endgültig abgegolten erklärt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">____________________</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Dieser Beitrag erschien zuerst im <a href="https://www.friedenskooperative.de/ueber-uns/netzwerk-friedenskooperative" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Netzwerk Friedens-Kooperative</a>.</em></p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Der Neonazi, der eigentlich Journalist war</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/der-neonazi-der-eigentlich-journalist-war/</link>
					<pubDate>Fri, 28 Aug 2026 06:18:33 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Header-1-e1787832244623-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Header-1-e1787832244623-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Header-1-e1787832244623-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Header-1-e1787832244623-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Header-1-e1787832244623-1536x921.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Header-1-e1787832244623.jpg 1594w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Ein Mann schleicht sich in die rechtsextreme Szene ein. Was er dort beobachtet, bringt die «Nationale Aktion» ins Wanken.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph"><em>Kapitel 1 aus unserer wöchentlichen Serie «Sommer, Sonne, Remigration» erzählt in drei Teilen den Bombenanschlag von 1990 auf einen Winterthurer Journalisten. Lesen Sie heute Teil 2: «Der Neonazi, der eigentlich Journalist war». Teil 1 «Galt die Bombe auch der WoZ» lesen Sie <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/galt-die-bombe-auch-der-woz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a>. Teil 3 folgt nächsten Freitag. Die Namen damaliger Akteure wurden aus Persönlichkeitsschutzgründen geändert. Alle übrigen Fakten und Zitate sind den Originalquellen entnommen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Oktober 1988, zwei Jahre bevor er beim <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/galt-die-bombe-auch-der-woz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Handgranatenanschlag</a> in Winterthur Schmiere stehen sollte, nahm Erich Winkler an einer Sitzung der Nationalen Koordination teil, einem losen Zusammenschluss neonazistischer Gruppen aus der Deutschschweiz, darunter die Patriotische Front aus der Innerschweiz. Das Treffen am 15. Oktober 1988 fand in Fribourg statt. Es war ein konspiratives Treffen. Aber einer der Teilnehmer war ein verdeckter Journalist der «Winterthurer AZ», der sich als Sympathisant Zugang verschafft hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der erste Artikel von Kaspar und Markus Koch, zwei Redaktoren der Zeitung, über die Umtriebe der Rechtsextremen in Schaffhausen und in Winterthur, erschien am 10. November 1988, dem 50.&nbsp;Jahrestag der Reichskristallnacht. Die Titelseite der «Winterthurer AZ» zeigte zwei Hakenkreuze. Die Überschrift lautete: «Sie sind wieder da.»</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Flinten und Nazi-Literatur</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein faszinierendes, waghalsiges journalistisches Werk. Und zwar nicht allein, weil Markus Koch sich ein halbes Jahr in eine Szene eingeschlichen hatte, die zu dieser Zeit mit nächtlichen Aufmärschen, Drohungen und Schlägereien eine Atmosphäre der Angst verbreitete, sondern auch wegen der schonungslosen literarischen Sprache, die Koch verwendete. Was er mitbrachte von den Kameradschaftsabenden unter Leuten, die ihn für einen Mitkämpfer hielten, war ein Sittenbild aus der rechten Randzone.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Der heimelige Saal des Restaurants Jägerstübli an der Theaterstrasse in Winterthur wird für die monatlichen Kameradschaftsabende jeweils mit einer Schweizerfahne geschmückt, und zum Auftakt ertönt aus einem halben, manchmal ganzen Dutzend Kehlen mehrstimmig falsch und verlegen die alte Schweizerhymne. Lehrlinge zwischen 15 und 20 sind es, die meist kurzhaarigen Burschen, die sich dort um ihren Präsidenten, den 18-jährigen KV-Absolventen Sepp Müller scharen. Reine Männergesellschaft, aber nicht aus Prinzip. Müller, Sohn eines Winterthurer Rechtsanwalts, Mitglied der internationalen und rechtsradikalen Sportgruppe ‹Wiking-Jugend›, Jugendvertreter im Vorstand der ‹Nationalen Koordination›, dem Dachverband aller ‹Nationalen Kräfte der Schweiz›, ehedem NA-Mitglied und seit langem stadtbekannter Neo-Nazi, ist der Kopf der JNW, und von ihm, der zuhause ein halbes Dutzend Flinten an den Wänden hängen oder in Schränken stehen und im Gestell gestapelt NS-Literatur liegen hat, werden die Kameradschaftsabende jeweils getragen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">«<strong>NSDAP-AO, Box 6414, Lincoln, NE 68506 USA</strong>»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Artikel von Markus und Kaspar Koch erschien in einer Zeit, in der Rechtsextreme die Strassen von Winterthur und Schaffhausen terrorisierten. Die Chronologie rechtsextremer Gewalt jener Jahre füllt hunderte Aktenordner. Im Buch «Schweiz wir kommen» von Jürg Frischknecht füllt sie 42 Seiten, gefolgt vom Kapitel «Auf dem rechten Auge blind», in dem der Journalist den Behörden eine «verharmlosende und abwimmelnde Haltung» gegenüber Rechtsextremismus vorwarf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frischknecht schrieb über jene Zeit in Schaffhausen: «In einer akribischen Chronologie des ‹Schaffhauser Gassenterrors› rief Markus Plüss (&#8230;) der vergesslichen Polizei anhand 85 konkreter Fälle in Erinnerung, was seit 1985 in der Munotstadt Realität war: ‹Gruppen von Skins und Neonazis reagieren ihre Aggressionen vorwiegend an Wehrlosen ab – in bester faschistischer Tradition. Mit Messern, Baseballschlägern, Ketten und Fäusten traktieren sie beinahe wöchentlich Punks, Farbige, Ausländer, Flüchtlinge, Linke, Langhaarige›.» Aktionen mit der Spraydose, anonyme Briefe, Morddrohungen, Telefonterror, Sachbeschädigungen, Nötigungen und Körperverletzungen seien seit Jahren zur Regel geworden. Plüss habe nachgewiesen, «dass dieser Terror zu einem grossen Teil auf das Konto einer Szene ging, die sich sehr wohl politisch verstand».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Szene, schrieben Koch und Koch in ihrem Artikel, sei seit Jahren in den Strassen Winterthurs und Schaffhausens präsent, wo Männer mit Hakenkreuzen, mit Naziparolen und mit rassistischen Klebern durch die Gassen zögen, wo sie ihre Spuren hinterliessen in Form von Schmierereien, Flugblättern, mit&nbsp;Material, das aus Deutschland kam, aus Österreich, aus den Vereinigten Staaten, wobei auf einem der Flugblätter, das Koch in seinem Artikel abdruckte, zu lesen war: «AUSLÄNDER RAUS! NSDAP-AO, Box 6414, Lincoln, NE 68506 USA.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angriffe auf Tamilen. Ein Fackellauf. Die Behörden sprachen von Einzelgängertum, von einem Randphänomen, von nichts, worüber man sich ernsthaft Gedanken machen müsste, während die JNW, kurz für Jungnationale Winterthurer, längst formiert waren, längst vernetzt, und eine gesamtschweizerische Sammelorganisation anstrebten. An ihrer Spitze der Sohn des Winterthurer Rechtsanwalts, achtzehn Jahre alt, KV-Absolvent, der an den Kameradschaftsabenden von internationalen Kontakten sprach, von Publikations- und Propagandamaterial, das aus der ganzen deutschsprachigen Welt zufliesse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus dem Artikel in der «Winterthurer AZ»: «Aber am geilsten sind halt doch gehabte und vorgehabte Schlägereien mit den Linken, das Sprayen und Kleben im nächtlichen Stosstrupp. Ziele solcher Action sind meist das Restaurant Widder an der Metzggasse, die Szenebeiz, Treffpunkt der Linken, Alternativen und übrigen Asozialen, und das Jugendhaus an der Steinberggasse, das der JNW als zentraler Winterthurer Drogenumschlagplatz gilt. Immer wieder werden die beiden Lokalitäten mit Hakenkreuzen und ‹Rotfront verrecke› verunstaltet. Häufig wird an den Kameradschaftsabenden auch der Wunsch geäussert, dort für Ordnung zu sorgen, kurz, einmal richtig aufzuräumen. Vom Outfit her unverdächtige JNW-Mitglieder werden auch aufgefordert, sich in der subversiven Szene umzusehen und Informationen zu sammeln. Für die Nacht der Langen Messer?»</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/P1001746-2-scaled.jpeg" target="_blank" rel=" noreferrer noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="1024" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/P1001746-2-768x1024.jpeg" alt="P1001746 2" class="wp-image-723147" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/P1001746-2-768x1024.jpeg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/P1001746-2-225x300.jpeg 225w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/P1001746-2-1152x1536.jpeg 1152w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/P1001746-2-1536x2048.jpeg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/P1001746-2-scaled.jpeg 1920w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">«Heil dir Helvetia», umrahmt von zwei Hakenkreuzen, darunter das Ergebnis der Undercover-Recherche – ein waghalsiges Stück Schweizer Journalismusgeschichte: «Winterthurer AZ», 10.&nbsp;November 1988.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Gründung einer neuen Partei»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Reaktionen nach dem Artikel von Markus und Kaspar Koch waren heftig. «Schrecken, Entrüstung, Zorn – jetzt erst recht», titelte die «Winterthurer AZ». Alle politischen Kräfte, die SP, die SVP, die CVP, die Winterthurer Opposition, sprachen in seltener Einigkeit ihre Verurteilung aus und verlangten Massnahmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Jungnationalen Winterthurer hatten derweil für den 12.&nbsp;November einen «Nationalen Kongress» im Restaurant Walfisch geplant, mitten in Winterthur, wo sie eine neue gesamtschweizerische Partei gründen wollten, dazu einen Fackellauf, den die Stadtpolizei bereits bewilligt hatte. Nach der Publikation stufte der Stadtrat ihre Aktivitäten als «stadtrats-feindliche Aktivität faschistischer und rassistischer Natur» ein und entzog sämtliche erteilten Bewilligungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig verbot der Stadtrat aber auch die Gegenkundgebung gegen den «Nationalen Kongress», die ursprünglich in der Steinberggasse geplant war, direkt vor dem Jugendhaus, das die Jungnationalen mit Hakenkreuzen beschmiert hatten. Die Lage sei zu gefährlich, teilte der Stadtrat mit. Die Opposition lief Sturm. Man einigte sich auf einen Kompromiss an anderer Adresse, wo schliesslich am 13. November 1988 tausend Menschen zusammenkamen, um gegen die Rechtsextremen zu demonstrieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Journalist Markus Koch hielt eine Rede: «Die Jungnationalen Winterthurer haben sich mit anderen gleichgesinnten Gruppen zusammengeschlossen und arbeiten auf eine gesamtschweizerische Sammelorganisation hin. Als Nächstes streben sie die Gründung einer neuen Partei an.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Tag später erschien in der «AZ» ein Kommentar von Kaspar Koch und Markus Koch unter dem Titel «Nichts als ein Pyrrhus-Sieg?». Sie zeigten sich ernüchtert darüber, dass fünfzig Jahre nach der Reichskristallnacht Winterthur erneut im Zeichen rechtsextremer Aktivitäten stehe und zugleich die öffentliche Aufmerksamkeit bereits wieder nachzulassen scheine: «Handelt es sich tatsächlich um einen Sieg oder lediglich um einen kurzfristigen Aufschub eines ungelösten Problems?»</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Anfang vom Ende der «Nationalen Aktion»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Fünfzehn Tage nach dem ersten Artikel, am 25. November 1988, publizierte Jürg Frischknecht in der «Winterthurer AZ» und gleichzeitig in der «WoZ» einen Text mit dem Titel «Die Entnazifizierung fand nicht statt», wobei er sich auf Kochs Recherchen stützte, auf jenes Material, das Koch während seiner verdeckten Einsätze gesammelt hatte, vor allem auf das Treffen der «Nationalen Koordination» in Freiburg vom 15. Oktober 1988, an dem auch Erich Winkler teilgenommen hatte und zu dem der JNW-Gruppenleiter Sepp Müller verhindert war, weshalb er ausgerechnet Koch, den Undercover-Journalisten, als seinen Stellvertreter schickte, und der Stellvertreter, der in Wirklichkeit Journalist war, schrieb alles auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was Frischknecht mit Kochs Material publizierte, war politisch brisant. Die Enthüllung veränderte das Bild der «Nationalen Aktion», einer Partei, die nach aussen hin, in Interviews und Pressemitteilungen, in öffentlichen Auftritten, jahrelang jede Verbindung zu Neonazis bestritten hatte. Hinter verschlossenen Türen aber traf sie sich, wie Frischknecht nun darlegte, mit genau diesen Kreisen in der «Nationalen Koordination», einer Schattenorganisation, die laut Frischknecht über 730 Adressen im Land verfügte und offenbar nicht nur das Blatt «Nationale Front» publizierte, sondern auch Schweizer und deutsche Neonazis koordinierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frischknechts Artikel war der Anfang vom Ende der «Nationalen Aktion». Der «WoZ»-Journalist nannte die Teilnehmer des Treffens vom 15. Oktober 1988 in Freiburg namentlich: NA-Exponenten aus der Westschweiz, aus Bern, aus Basel – und den «Neuhauser Mittelschüler Erich Winkler», Vertreter der Schaffhauser Rechtsradikalen und aktives Mitglied der «Nationalrevolutionären Partei Schweiz» (NPS). Winkler, damals achtzehn Jahre alt, flog wegen des Artikels aus der Judoschule seines Vaters und sei laut späterem Urteil des Zürcher Obergerichts «davon ausgegangen, dass er selbst wegen dieses Zeitungsartikels, in welchem er namentlich erwähnt wurde, seine Mittelschulausbildung nicht zum Abschluss bringen konnte».</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/P1001745-2-scaled.jpg" target="_blank" rel=" noreferrer noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="1024" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/P1001745-2-768x1024.jpg" alt="P1001745 2" class="wp-image-723145" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/P1001745-2-768x1024.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/P1001745-2-225x300.jpg 225w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/P1001745-2-1152x1536.jpg 1152w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/P1001745-2-1536x2048.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/P1001745-2-scaled.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Die zweite Seite der Recherche der «Winterthurer AZ»: Abgedruckt ist unter anderem eine Original-Anzeige der amerikanischen NSDAP-Aufbauorganisation aus Lincoln, Nebraska.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>21 Kilogramm Haschisch im Auto</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der junge Mann verlor viel, nicht aber seine Wut. Im Mai 1989, ein halbes Jahr nach seinem Outing als Neonazi, war Winkler, der Judomeister, in der Stadt Zug dabei, als Mitglieder der rechtsextremen Patriotischen Front auf dem Landsgemeindeplatz Tamilen jagten, sie mit Holzschlägern und Veloketten zusammenschlugen und in Restaurants verfolgten, wo sie Schutz vor den Schlägern gesucht hatten. Und eineinhalb Jahre später, in der Nacht auf den 3.&nbsp;Oktober 1990, fand seine Wut mit dem Handgranatenanschlag ihre direkteste Form.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Winkler bezog Arbeitslosenunterstützung und kaufte sich gleichzeitig drei Porsches. Am 5. Mai 1992, während das Strafverfahren wegen des Anschlags gegen ihn noch lief, wurde der junge Mann, dessen NPS im Parteiprogramm «eine härtere und wirksamere strafrechtliche Verfolgung von Drogendelinquenten» forderte, inklusive «strengerer Zollkontrollen», beim Grenzübergang Schleitheim von Amsterdam kommend mit 21 Kilogramm Haschisch im Auto verhaftet.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Sommer, Sonne, Remigration – die Serie </h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wer die rechtsextreme Gruppe Junge Tat für ein Internet-Phänomen hält, unterschätzt die Rolle, die vor allem Manuel Chorchia mit seinen Videos in der Identitären Bewegung und damit in der extremen Rechten spielt. Wer seinen österreichischen Kollegen Martin Sellner für einen Spinner am Rand hält, übersieht, dass dieser Mann den Begriff Remigration, 2023 in Deutschland zum «Unwort des Jahres» gekürt, aus der Nische geholt hat. Das Weisse Haus benutzt ihn inzwischen. Rechte Parteien in halb Europa benutzen ihn. Auf X ist Remigration aus dem rechten Diskurs kaum mehr wegzudenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Sommer, Sonne, Remigration» fragt, was Sellner tatsächlich will und welche Rolle der Winterthurer Manuel Chorchia dabei spielt. Und geht von dort aus zurück zu Jürg Frischknecht, dem Journalisten, dessen Recherchen zum Schweizer Rechtsextremismus bis heute massgeblich sind, versammelt in seinem Buch «Schweiz wir kommen», das man heute nicht mehr neu auflegen könnte, weil darin Namen stehen, die nicht mehr an die Öffentlichkeit gehören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter anderem Frischknechts Privatarchiv liefert den historischen Unterbau für verschiedene Kapitel dieser Serie. Sie erzählen, jeweils in mehreren Teilen, wann die erste Generation der neuen extremen Rechten in der Schweiz auftauchte und was sie vom heutigen rechtsextremen «Vorfeld», wie sich die Szene selber verstanden haben will, unterscheidet. Die Serie erscheint wöchentlich über die kommenden Monate.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie kamen früher mit Hitlergruss und dem Kofferraum voller Schusswaffen. Sie kamen besoffen am Samstagabend, auf der Suche nach einer Schlägerei im Zürcher Niederdorf. Sie jagten Menschen anderer Hautfarbe durch die Strassen und legten Brände. Die Generation, die heute kommt, die sich zur Identitären Bewegung zählt, tut nichts davon. Sie kommt geschniegelt und betont, Gewalt nur zur Selbstverteidigung anzuwenden. Sie kommt mit Videos auf der Plattform X und auf Telegram, mit Demonstrationen und Kundgebungen und Flashmobs und mit einem sehr klaren politischen Programm und einem Wort, das sie überall wiederholt: Remigration.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Recherche stützt sich auf Gerichts- und Polizeiakten, Jahresberichte der Bundespolizei, Archivmaterial des Schweizerischen Sozialarchivs und weiterer Institutionen, auf zeitgenössische rechtsextreme Schriften und Videos, Interviews, Telegram-Chats.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li>Kapitel 1, Teil 1: <a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/galt-die-bombe-auch-der-woz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Galt die Bombe auch der WoZ»</a>, Infosperber vom 21.&nbsp;August 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>AfD gegen Bauhaus</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/afd-gegen-bauhaus/</link>
					<pubDate>Thu, 27 Aug 2026 08:00:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-24-um-14.24.42-e1787574699708-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Bildschirmfoto 2026-08-24 um 14.24.42" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-24-um-14.24.42-e1787574699708-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-24-um-14.24.42-e1787574699708-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-24-um-14.24.42-e1787574699708-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-24-um-14.24.42-e1787574699708-1536x921.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-24-um-14.24.42-e1787574699708.png 1835w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Anfang September wird die AfD in Sachsen-Anhalt die Wahl gewinnen. Das Feindbild Nummer 1 steht fest: «Antideutsche» Kultur.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Am dritten Tag zurück im guten, alten Deutschland, also Berlin, musste ich feststellen, die Stimmung war da schon deutlich besser, man hat das Gefühl, die Menschen brüllen sich nur noch gegenseitig an und vor den Toren lauert die AfD. Ich war ja gewarnt durch Surfen auf X. Ulf Poschardt, ehemaliger «Welt»-Chefredaktor, <a href="https://x.com/ulfposh/status/2088277743544795340" target="_blank" rel="noreferrer noopener">tobt</a> seit Monaten, ja vielleicht auch Jahren <a href="https://x.com/ulfposh/status/2087884251484049726" target="_blank" rel="noreferrer noopener">wegen Berlin</a>, die Stadt sei <a href="https://x.com/ulfposh/status/2083519239504163073" target="_blank" rel="noreferrer noopener">asozial</a> und voller «Shitbürger» und «Bückbürger» und Linken, die <a href="https://x.com/Dominik_Kettner/status/1938620795070152798" target="_blank" rel="noreferrer noopener">neidisch</a> auf seinen Ferrari seien, und antisemitische Fanatiker seien <a href="https://x.com/ulfposh/status/2091219831286649328" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ausser Rand und Band</a> und bald werde es wohl zu Enteignungen kommen, denn nichts lieber würden die Deutschen und ganz speziell die Berliner tun, als anderen ihren Erfolg zu neiden, statt <a href="https://x.com/ulfposh/status/2088973720475844814" target="_blank" rel="noreferrer noopener">erfinderisch</a> zu sein wie <a href="https://x.com/UlfPoshFan/status/2065786732801409477" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Elon Musk</a>. Man erwartet Bürgerkrieg, aber zuerst einmal gibt es Pommes mit Béchamelsauce und einem grossen Bier in der Paris Bar.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mauer wieder hoch</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Man fragt sich schliesslich, ob Berlin wirklich das Problem ist oder nicht doch eher Ulf Poschardt ein Symbol für eine Zeit, in der sich Menschen tourettesyndrommässig in den sozialen Medien daueranschreien und vom Gegenüber grundsätzlich das Schlechteste annehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man hat jedenfalls ein bisschen das Gefühl, das Land gehe vor die Hunde, als sei man in einer Free-Palestine-versus-bedingungslose-Solidarität-mit-Israel-Dauerpsychose gelandet, die goldene Ära der Neunziger längst Geschichte. Wir sassen bei Freunden in Neukölln, West-Berlin, in einem Haus direkt an der ehemaligen Mauer. In den Keller führte einmal ein Fluchttunnel aus dem Osten, der später von der West-Berliner Polizei zubetoniert wurde. Vielleicht sollten wir den Fluchttunnel symbolisch wieder öffnen, sagte der Freund, damit die Leute zurückfliehen können in den Osten. Angesichts der deprimierenden aggressiven Stimmungslage dachte ich, das wäre vielleicht gar nicht mal so schlecht. Mauer wieder hoch und Klappe halten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn quasi kaum ist Deutschland zurück in alter Grösse, klopft auch schon die erste Rechtsaussen-Regierung an die Tür. Man musste sich ja lange genug bücken wegen «Schuldkult» und so weiter, jedenfalls ungefähr so der Tenor der Reden, die man inzwischen in bundesdeutschen Landtagen hören kann. Und weil die Berliner Kulturszene spätestens seit der von Joe Chialo Anfang 2024 <a href="https://www.spiegel.de/kultur/antidiskriminierungsklausel-berlin-fordert-selbsterklaerung-zu-antisemitismus-fuer-kulturfoerderung-a-5b198151-39a5-49bf-b4b6-2b320e6843a4" target="_blank" rel="noreferrer noopener">eingeführten</a> und kurz darauf <a href="https://www.berlin.de/sen/kultgz/aktuelles/pressemitteilungen/2024/pressemitteilung.1407434.php" target="_blank" rel="noreferrer noopener">wieder kassierten</a> «Antidiskriminierungsklausel» weiss, dass Kultur und Gesinnung durchaus wieder gemeinsam in einem Satz vorkommen können (und alle, wäre Chialo mit seiner Idee durchgekommen, die den Staat Israel kritisiert hätten, nicht mehr länger für staatliche Kulturförderung in Frage gekommen wären), wollte ich mal schauen, wie es eigentlich die AfD so mit der Kultur hält. Immerhin hing am Bahnhof Ostkreuz ein Plakat, das für zwei <a href="https://bauhaus-dessau.de/veranstaltungen/kraftwerk/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kraftwerk-Konzerte</a> im Bauhaus Dessau warb, in jenem Bundesland also, wo die AfD nach den Wahlen vom 6. September womöglich im Alleingang regieren wird, und man braucht tatsächlich keinen Einstein, um nach den ersten Zeilen des Kulturprogramms der dortigen Landespartei zu ahnen, dass es mit Kraftwerk und Bauhaus in naher Zukunft eher schwierig werden könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der zerknirschte Regenbogen-Deutsche</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit meine ich jetzt noch nicht mal Punkt 10 (<a href="https://afd-regierungsprogramm.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Feuerwerk ist Kultur!»</a>), also quasi freies Böllern für freie Bürger beziehungsweise, wie es dort heisst, «ein unbeschwertes privates Feuerwerk an Silvester». Auch nicht Punkt 6, «Schöner bauen», wonach jedes künftig mit staatlichen Geldern geförderte Bauwerk «eine anerkannte Bautradition» aufzugreifen habe, als Gegenmittel zur «ausserordentlichen Hässlichkeit» zeitgenössischer Architektur. Da würde ich angesichts des Zersiedelungshorrors wahrscheinlich sogar sofort unterschreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessanter sind die anderen Punkte, die sich quer durch das Programm ziehen. Zum Beispiel der neue Umgang mit der deutschen Geschichte, weg vom «Schuldkomplex», der dafür sorge, dass «jede positive Bezugnahme auf die eigene Geschichte vor 1933» vermieden werde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Seiner Selbstbehauptungskräfte beraubt, ist Deutschland dem Einfluss der Regenbogenideologie hilflos ausgeliefert», heisst es im Programm. Die AfD Sachsen-Anhalt werde diese «Identitätsstörung» durch eine neue patriotische Kulturpolitik heilen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn: «Welcher vernünftige und stabile Türke oder Syrer will denn zu einem von Selbsthass geplagten, zerknirschten Regenbogen-Deutschen werden.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die AfD jedenfalls will Sachsen-Anhalt zum Musterland ihrer Kulturpolitik machen. Die «vornehmste Aufgabe aller Kunst» bestehe darin, «kulturelle Identität zu pflegen». Dass Heinrich Heine einst an einem «Leichentuch» für Deutschland wob, ist dabei eher ungünstig, aber Heine muss ja auch nicht mehr gefördert werden. Für die Lebenden gilt: «Wir werden mit Staats- und Steuergeld vorwiegend solche Kunst fördern, die einen Beitrag zu deutscher Identitätsfindung leistet.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Landtag <a href="https://padoka.landtag.sachsen-anhalt.de/files/drs/wp8/drs/d7118aan.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">forderte</a> die AfD-Fraktion entsprechend «ein Bekenntnis zu deutscher Kultur als Voraussetzung staatlicher Kulturförderung». Um eine «Gesinnungskontrolle» gehe es ausdrücklich nicht. Es sei lediglich «legitim und geboten», dass Empfänger staatlicher Fördermittel «ein Mindestmass an Loyalität gegenüber der deutschen Kulturnation erkennen lassen» und diese nicht verächtlich machten. Bauhaus sei ein «Irrweg der Moderne», hiess es aus der AfD, und diesen Begriff habe sie nicht selbst erfunden, <a href="https://www.youtube.com/shorts/vt0rIkY3nwY" target="_blank" rel="noreferrer noopener">entgegnete</a> FDP-Politiker Andreas Silbersack, sondern die Nazis, die ebendiese Bezeichnung im Werk «Kunst und Rasse» von 1928 geprägt hatten. AfD-Kulturmann Hans-Thomas Tillschneider fasste das anlässlich der Debatte dann noch einmal etwas griffiger zusammen: «Wenn es keine deutsche Kunst mehr gibt, gibt es auch kein Deutschland mehr.»</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die zweite Currywurst</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als guter Bildungsbürger schlug ich bei der zweiten Currywurst die «Zeit» auf, und da zeigte sich, wie sich die AfD ihr kulturelles «Musterland» vorstellt, in dem die Aufarbeitung der NS-Verbrechen zur «Identitätsstörung» geraten ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie der Journalist und Autor Jörg Lau <a href="https://archive.is/20260812164715/https://www.zeit.de/2026/35/afd-sachsen-anhalt-bauhaus-kulturpolitik-erinnerungskultur" target="_blank" rel="noreferrer noopener">darlegt</a>, wird ausgerechnet das Bauhaus zum politischen Hauptfeind der AfD: die 1933 aufgelöste Schule, heute Touristenattraktion, das legendäre Gebäude von Walter Gropius samt einiger seiner «Meisterhäuser». Das Bundesland Sachsen-Anhalt leite unter dem Motto «moderndenken» seine Identität ausgerechnet aus einer Schule ab, die stets bestrebt gewesen sei, «jedes Anzeichen von nationaler Verwurzelung zu vermeiden». Für die AfD ein Zeichen von «Identitätslosigkeit».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Bauhaus hatte solche Probleme schon einmal. 1924/25 kürzten völkische Landespolitiker die Förderung, später liess NS-Minister Wilhelm Frick Werke der Bauhausmeister Feininger, Klee und Kandinsky aus den Weimarer Museen entfernen. Die Kunststiftung Sachsen-Anhalt zog diese historische Parallele in einer <a href="https://www.kunststiftung-sachsen-anhalt.de/warnung-vor-nationalistisch-ausgerichteter-kulturpolitik-in-sachsen-anhalt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mitteilung</a> und warnte angesichts eines Kulturprogramms, in dem aus «moderndenken» künftig «deutschdenken» werden soll, vor einer «völkisch-nationalistischen Kulturauffassung», die vermeintlich «antideutsche» Tendenzen aus der Kultur verdrängen wolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man das alles liest, könnte man auf die Idee kommen, dass es vielleicht gar kein so schlechter Moment wäre, den Fluchttunnel von Ost nach West symbolisch wieder aufzuhämmern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt gewählt und am 22. September dann in Berlin, wo die Linke Elif Eralp, so jedenfalls ein Berliner Politjournalist beim siebten Pils in einer Eckkneipe, gar nicht mal so schlechte Chancen habe, eine Art lokale Zohran Mamdani zu werden. Als politischer Backlash auf einen möglichen Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konsum/100-jahre-bauhaus-zeit-zum-umdenken/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">100 Jahre Bauhaus – Zeit zum Umdenken</a>, Infosperber vom 27. Januar 2019</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Stadt in Texas will von der Industrie eine Dürreabgabe</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/steuern-abgaben/stadt-in-texas-will-duerreabgabe-von-der-industrie/</link>
					<pubDate>Thu, 27 Aug 2026 07:57:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="168" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/ewscripps.brightspotcdn-300x168.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="ewscripps.brightspotcdn" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/ewscripps.brightspotcdn-300x168.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/ewscripps.brightspotcdn-1024x573.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/ewscripps.brightspotcdn-768x430.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/ewscripps.brightspotcdn-800x445.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/ewscripps.brightspotcdn.png 1280w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Trotz Dürre dürfen Industrien in Corpus Christi weiter unbegrenzt Wasser verbrauchen. Das sei ungerecht, findet die Bevölkerung.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Corpus Christi, Texas, gehört zu den Städten, in denen das Wasser oft knapp ist. Anfang August waren die Wasserreservoire schon den 29. Monat in Folge weniger als 30 Prozent voll. Während Schulen und Kleinunternehmen bei Dürre Wasser sparen mussten, durften Grossverbraucher aber weiterhin so viel Wasser verbrauchen, wie sie wollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grund dafür ist eine Art Freikauf-Gebühr, die 2018 eingeführt wurde. Grosse industrielle Verbraucher bezahlen dabei jeden Monat zusätzlich 31 Cent pro 1000 Gallonen (3,8 Kubikmeter) Wasser, auch wenn keine Dürre herrscht. Dafür sind sie von Einschränkungen ausgenommen, wenn das Wasser knapp wird. Für Durchschnittsverbraucher und kleine Unternehmen gibt es diese Möglichkeit nicht. Viele Einwohnerinnen und Einwohner finden das ungerecht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Aktivisten verlangen Dürregebühr statt ungerechter Freikaufzahlungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bestrebungen, die Gebühr wieder abzuschaffen, gebe es seit 2020, berichtete unter anderem «Inside Climate News» (<a href="https://insideclimatenews.org/news/12082026/corpus-christi-industrial-water-charge-referendum/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ICN</a>). Zuletzt unterschrieben 12’788 Personen eine Petition, die eine andere Regelung fordert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die hohe Zahl der Petenten überzeugte den Stadtrat. Einzelne Mitglieder versuchten zunächst erfolglos, die Petition als «Klima-Anliegen» zu labeln &#8211; dann hätte ein übergeordnetes Gericht des Staates Texas darüber entscheiden müssen. Das Ansinnen wurde abgelehnt, die Petition zugelassen. Am 3. November wird Corpus Christi über das «<a href="https://www.fairwateramendment.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fair Water Amendment</a>» abstimmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Initianten erwarten, dass die Grossindustrie bis dahin versuchen wird, ihre Vorlage juristisch anzugreifen. Das ist sehr wahrscheinlich, denn das «Fair Water Amendment» hat es in sich: Wenn der Stand der Wasserreservoire 30 Prozent unterschreitet, sollen die grossen Industrien 70 Prozent mehr fürs Wasser bezahlen – das entspricht laut <a href="https://insideclimatenews.org/news/11082026/corpus-christi-fair-water-amendment-industrial-charge/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ICN</a> einem Aufpreis von rund drei Dollar pro 1000 Gallonen. Bei einem Füllstand von weniger als 20 Prozent soll die Gebühr auf 140 Prozent steigen. Und falls Corpus Christi einen Wassernotstand ausruft, würden 280 Prozent zusätzliche Gebühren fällig.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Corpus Christi droht das Wasser auszugehen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dass es wieder zu längeren Dürren kommt, ist wahrscheinlich. Corpus Christi ist eine Küstenstadt etwa auf halber Strecke zwischen Houston und der mexikanischen Grenze. Es herrscht subtropisches Klima – im Juli und August gibt es Durchschnittstemperaturen um die 30 Grad und durchschnittlich sechs Regentage <a href="http://www.worldclimate.com/climate/us/texas/corpus-christi">pro Monat</a>. In einem Monat fallen im Schnitt um die 67 Millimeter Regen, vor allem in den Sommermonaten bis Ende September. Davon abziehen müsste man eigentlich das Hurrikan-Wasser. Die tropischen Stürme können in kurzer Zeit sehr viel Regen bringen, was den Durchschnitt anhebt, dem Wasserhaushalt aber nicht viel bringt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt immer wieder längere Dürrephasen. Eine umstrittene Entsalzungsanlage, die durch die Gebühren der Grossindustrie finanziert werden soll, ist noch nicht gebaut. Corpus Christi könnte die erste US-Stadt sein, der das Wasser ausgeht. Im Mai dieses Jahres standen die Speicher bei 8 Prozent Füllstand. Inzwischen hat es etwas geregnet, im grössten Speicher ist wieder Wasser. Die Gefahr ist für den Moment gebannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es kann aber wieder zu Engpässen kommen. Mit dem «Fair Water Amendment» oder einer ähnlichen Regelung ginge es für ortsansässige Grossunternehmen wie Exxon Mobil, Occidental Chemical und Valero Energy <a href="https://insideclimatenews.org/news/11082026/corpus-christi-fair-water-amendment-industrial-charge/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">um Millionen Dollar</a>. Neben Raffinerien, die in der Gegend viel Wasser verbrauchen, werden in Zukunft wohl auch grosse Rechenzentren betroffen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Anwohnerinnen und Anwohner stelle sich andernfalls womöglich die Frage, ob sie bei Dürre überhaupt noch Wasser haben, sagt <a href="https://www.instagram.com/p/DI-MbD7TRAx/">Isabel Araiza</a>, Gründerin der Organisation For the Greater Good, die die Petition organisiert hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist kein weit hergeholtes Szenario. Falls es bis dahin nicht regnet, plant Corpus Christi laut <a href="https://insideclimatenews.org/news/20042026/corpus-christi-projects-september-emergency-water-restrictions/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Inside Climate News»</a> ab September Einschränkungen in der Wasserversorgung. Betroffen wären um die 500’000 Einwohnerinnen und Einwohner – und auch die Industrie, die wenigstens die Hälfte des Wassers in Corpus Christi verbraucht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">«Water Banking» und andere Tricks</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Regelungen, mit denen sich grosse Konzerne von Einschränkungen freikaufen können wie in Corpus Christi, sind auch in den USA selten. Dennoch: Das US-Wasserrecht ist komplex. Grossunternehmen versuchen mit vielen Mitteln, sich ihre Wasserversorgung zu sichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In US-Bundesstaaten wie Nevada und Arizona, wo Wassermangel längst ein Problem darstellt, gibt es beispielsweise Gutschriftsysteme. Das heisst, ein Unternehmen finanziert lokale Infrastruktur wie Strassen, Schulen und Recyclingsysteme und bekommt dafür Wassergutschriften für Dürrezeiten. Die Praxis wird als «Water Banking» bezeichnet. (Kommunale Wassersparpläne, die Wasser für trockene Jahre konservieren sollen, werden zum Teil auch so bezeichnet.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder ein Unternehmen kauft Land und gibt sich als Landwirtschaftsbetrieb aus, um an die dazugehörigen Wasserrechte zu kommen. In den USA gilt aus historischen Gründen vielerorts: Wer zuerst da war, bekommt das meiste Wasser.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auch in Europa gibt es Vorzugsrechte</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Europa hat die öffentliche Wasserversorgung meist Vorrang vor der Industrie. In vielen europäischen Ländern sind Freikaufmodelle wie in Corpus Christi verboten. Aber auch hier gibt es historische Verträge, die unbegrenzte Wassernutzung garantieren. Was gültig, aber genau genommen nicht mehr rechtens ist. Eine deutsche Fabrik, die einen eigenen Brunnen mit solchen historisch verbrieften Entnahmerechten hat, kann beispielsweise auch bei Dürre weiter Wasser nutzen, so viel sie möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in der Schweiz gibt es sogenannte «ehehaften Rechte», die mehrere hundert Jahre alt sein können. Wer damals zum Beispiel eine Mühle betrieb, sicherte sich die zugehörigen Wasserrechte ab. Diese verbrieften Rechte sind von der Verfassung besonders geschützt und gelten deshalb noch heute. Es <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20233498" target="_blank" rel="noreferrer noopener">gibt</a> <a href="https://www.admin.ch/de/newnsb/1TaV1R7jYaKtrgCFUW-8B" target="_blank" rel="noreferrer noopener">jedoch Bestrebungen</a>, ehehafte Wasserrechte bis 2040 in eine moderne Rechtsform zu bringen oder abzuschaffen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/wachstum/arizona-die-wueste-das-wasser-und-immer-mehr-menschen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Arizona: die Wüste, das Wasser – und immer mehr Menschen</a> – Infosperber am 16. Februar 2022</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/luft-klima/utah-der-staub-der-nach-dem-wasser-kommt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Utah: Der Staub, der nach dem Wasser kommt</a> – Infosperber am 19. Juni 2022</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/9fbc28af10484fa280dab4c3aa9edcc2" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die Neutralitäts-Initiative</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/die-neutralitaets-initiative/</link>
					<pubDate>Thu, 27 Aug 2026 07:55:00 +0000</pubDate>

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														</item>
							<item>
					<title>Corona-Sterblichkeit: Aus 1 Prozent wurden 0,3</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/corona-sterblichkeit-aus-1-prozent-wurden-03/</link>
					<pubDate>Wed, 26 Aug 2026 08:25:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=718267</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="197" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-07-um-15.52.28-300x197.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Kurve steigt an und fällt ab" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-07-um-15.52.28-300x197.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-07-um-15.52.28-768x503.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-07-um-15.52.28.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Sterblichkeitsrate variierte während der Pandemie stark. Eine pauschale Angabe verschleierte das Wesentliche.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Zu Beginn der Corona-Pandemie gleisten Wissenschaftler weltweit an vielen Orten Studien auf, bei denen Menschen Blut abgenommen und die Antikörper gegen Sars-CoV-2 bestimmt wurden. Waren solche Antikörper vorhanden, zeigte dies an, dass sich jemand bereits mit Corona infiziert hatte, auch wenn die Person davon vielleicht gar nicht viel davon gemerkt hatte.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Stanford-Epidemiologe John Ioannidis hatte über <a href="https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.05.13.20101253v1?versioned=true">Monate</a> solche Antikörper-Studien aus aller Welt zusammengetragen. Aus den Ergebnissen liess sich hochrechnen, welcher Anteil der Bevölkerung schon Corona gehabt hatte – und zwar unabhängig davon, ob die Infektionen mit einem PCR-Test offiziell erfasst worden waren oder nicht. Wusste man dazu noch wie viele Menschen im Studienzeitraum an Covid verstorben waren, liess sich daraus berechnen, wie hoch die Infektionssterblichkeit war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Ioannidis seine Ergebnisse <a href="https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.05.13.20101253v1.full.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">veröffentlichte</a>, ging ein Aufschrei los. Weltweit liege die Infektionssterblichkeitsrate (IFR) im Mittel bei 0,23 Prozent, lautete sein Fazit, das im Oktober 2020 im «<a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7947934/pdf/BLT.20.265892.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bulletin WHO</a>» erschien. Wobei es von Ort zu Ort damals extreme Unterschiede gab, von 0 Prozent IFR im chinesischen Sichuan bis 1,2 Prozent in Apulien. Ioannidis hatte über 5000 Arbeiten gescreent, 112 eingehend geprüft und 69 in seine Analyse eingeschlossen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Beweis: Ein Dokument, das es nicht gibt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es hagelte Kritik. Unplausibel, Rosinenpickerei, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen, fehlerhaft, lauteten die Vorwürfe von Wissenschaftlern, insbesondere solchen, deren eigene Schätzungen höher ausgefallen waren und die genau das gemacht hatten, was sie nun Ioannidis nun vorwarfen. Grosse Medien stimmten in den Chor ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ioannidis&#8216; &#171;bizarrste&#187; Vorgehensweisen seien im Anhang seiner Studie im &#171;WHO Bulletin&#187; aufgeführt, schreibt einer seiner schärfsten Kritiker auf Anfrage von Infosperber. Doch: Diese Studie hatte gar keinen Anhang, teilen die Redaktion des &#171;WHO Bulletin&#187; und Ioannidis übereinstimmend mit. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Kaum war Ioannidis&#8216; IFR-Schätzung publiziert, veröffentlichten Wissenschaftler vom Imperial College in London – darunter jene, die zu Beginn der Pandemie eine Infektionssterblichkeitsrate von etwa einem Prozent vorhergesagt hatten – ihre eigene Berechnung, basierend auf Antikörper-Studien: In reichen Ländern wie der Schweiz würden schätzungsweise <a href="https://www.imperial.ac.uk/mrc-global-infectious-disease-analysis/disease-areas/covid-19/report-34-ifr/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">1,15 Prozent</a> aller Virusträger sterben, lautete ihr erschreckendes Ergebnis. Damit bestätigten die Antikörper-Studien scheinbar, was das Imperial-Team ja schon zu Beginn der Pandemie mit seiner mathematischen Modellierung vorhergesagt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch: Die Imperial-Wissenschaftler hatten nur solche Antikörper-Studien herangezogen, bei denen am Stichtag <a href="https://www.imperial.ac.uk/media/imperial-college/medicine/mrc-gida/2020-10-29-COVID19-Report-34-supplement.pdf">über 100 Covid-Todesfälle</a> registriert worden waren. Indem sie Studien mit wenig Todesfällen ausklammerten, erhielten sie eine höhere Sterberate. Auf diese Verzerrung machte John Ioannidis im «<a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/eci.13554" target="_blank" rel="noreferrer noopener">European Journal of Clinical Investigation</a>» aufmerksam. Die Medienkarawane war da aber schon weitergezogen. Andere Wissenschaftler errechneten ebenfalls höhere Sterberaten, indem sie nicht-repräsentative Studien berücksichtigten und Studien, die eine niedrige IFR fanden, ohne nachvollziehbare Begründung ausschlossen. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Zürcher Studie</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine der Antikörper-Studien, die sowohl Ioannidis als auch die Imperial-Wissenschaftler zitierten, stammte vom Team des Zürcher Wissenschaftlers Adriano Aguzzi. Aguzzi und seine KollegInnen massen die Antikörper bei freiwilligen Blutspendern sowie bei Patienten, die aus unterschiedlichsten Gründen ins Zürcher Universitätsspital kamen. Von Dezember 2019 bis Dezember 2020 kamen so über 72’000 Blutproben zusammen.&nbsp;In der Annahme, dass die Patienten und Blutspender repräsentativ für den Kanton Zürich seien, rechneten die Wissenschaftler hoch, wie viele Menschen sich bereits im ganzen Kanton infiziert hatten – inklusive derjenigen, die kaum Symptome gehabt hatten.&nbsp;An dieser Studie war auch der Berner Wissenschaftler Christian Althaus <a href="https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.05.31.20118554v3.article-info" target="_blank" rel="noreferrer noopener">beteiligt</a>. Er hatte die IFR zu Beginn der Pandemie auf etwa ein Prozent geschätzt. (Aguzzi nannte schweizweit sogar <a href="https://weltwoche.ch/story/streit-um-professor-panik/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">60’000 Covid-Todesfälle bis Juli 2020</a>. Tatsächlich waren es dann <a href="https://interaktiv.tagesanzeiger.ch/2020/covid-19-ausbruch-im-vergleich/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">1743</a>.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zürcher Studie zeigte: Die Dunkelziffer an nicht mit PCR-Tests erfassten Corona-Infektionen war hoch, weil die Betroffenen offensichtlich vom Virus nichts merkten und/oder nicht getestet worden waren. Auf einen offiziell registrierten positiven Test kamen im Durchschnitt etwa drei unerkannte Infektionen, wobei dies im Verlauf variierte: Anfangs war die Dunkelziffer sehr hoch. Wer die Sterblichkeitsrate allein mit den offiziell erfassten, positiv Getesteten berechnete, kam folglich zu falsch hohen Resultaten. Deshalb waren die Antikörper-Studien so wichtig.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="377" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-29-um-16.22.51.png" alt="Dunkelziffer Sars-CoV-2 Infektionen" class="wp-image-715479" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-29-um-16.22.51.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-29-um-16.22.51-300x141.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-29-um-16.22.51-768x362.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Anfangs war das Verhältnis von nicht erkannten zu erkannten Sars-CoV-2-Infektionen (linke Skala) auch in der Zürcher Studie sehr hoch. </figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ende März 2020: Weit entfernt von einem Prozent Sterblichkeit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus einer Grafik der später in «<a href="https://www.cell.com/iscience/fulltext/S2589-0042(23)00005-6#author-highlights-abstract" target="_blank" rel="noreferrer noopener">iScience</a>» veröffentlichten Zürcher Studie geht hervor, dass die Dunkelziffer Anfang April bei etwa 1:15 lag.&nbsp;Mit Hilfe des Dashboards des «<a href="https://interaktiv.tagesanzeiger.ch/2020/covid-19-ausbruch-im-vergleich/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tagesanzeigers</a>» lässt sich daraus grob die Infektionssterblichkeitsrate für den Kanton Zürich Anfang April 2020 berechnen: Sie betrug rund 0,3 Prozent [1].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zürcher Wissenschaftler kamen auf eine höhere Infektionssterblichkeitsrate (IFR): <a href="https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.05.31.20118554v2.full-text" target="_blank" rel="noreferrer noopener">0,5 Prozent</a>, lautete ihre Angabe für Anfang Mai 2020 – exakt der Wert, den der Berner Wissenschaftler Christian Althaus im zweiten Anlauf zusammen mit seinem Team mathematisch modelliert hatte. Aber halb so hoch wie seine anfängliche Horrorschätzung von einem Prozent [2].</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anhand dieser Zürcher Studie lässt sich verfolgen, wie sich die IFR veränderte. Ihr Wert war nämlich nicht fix. Im Sommer 2020 betrug sie vermutlich 0,1 Prozent oder weniger – wobei die Zürcher Wissenschaftler dazu in <a href="https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.05.31.20118554v5.article-info" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ihren</a> <a href="https://www.cell.com/iscience/fulltext/S2589-0042(23)00005-6" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Veröffentlichungen</a> keine Angaben machten. Das mussten die Leser schon selbst berechnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Science Taskforce erwähnte in ihrer <a href="https://sciencetaskforce.ch/wp-content/uploads/2020/10/Widespread-community-spread-of-SARS-CoV-2-is-damaging-to-health-society-and-the-economy15Sep20-EN.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Stellungnahme</a> zwar, dass die Sterblichkeitsrate nach März 2020 in der Schweiz gesunken sei, nannte aber ebenfalls keine Werte. Sie schrieb im September 2020: &#171;Die IFR für die allgemeine Bevölkerung in der Schweiz wurde konsistent auf etwa 0,5 bis 1 Prozent geschätzt.&#187; Dabei stützte sie sich auf fünf Studien oder Erhebungen, eine davon war die von Aguzzi.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der zweiten Coronawelle im Herbst 2020 stieg die IFR an. Die Wissenschaftler schätzten anhand der Antikörper-Messungen, dass bis Mitte Dezember 2020 etwa 189’000 Personen im Kanton Zürich das Virus schon erwischt hatten. Positive PCR-Tests wurden aber nur <a href="https://interaktiv.tagesanzeiger.ch/2020/covid-19-ausbruch-im-vergleich/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">48’427</a> registriert [3]. Die IFR lag in Zürich demnach Mitte Dezember 2020 bei rund 0,5 Prozent – halb so hoch, wie Althaus es anfangs postuliert hatte.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Falsch gelegen – oder nicht?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Berner Wissenschaftler Christian Althaus, ehemaliges Mitglied der Science Taskforce, «lag offensichtlich falsch». Das sagte John Ioannidis, Professor für Medizin, Epidemiologie und Bevölkerungsgesundheit sowie für Datenwissenschaft an der Stanford University, kürzlich im Interview mit&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/corona-serioese-wissenschaftler-waren-voellig-unterlegen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Infosperber</a>.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Christian Althaus widerspricht dem. Er bleibt auch jetzt dabei, dass er mit seiner anfänglichen Schätzung von einem Prozent Infektionssterblichkeitsrate zum damaligen Zeitpunkt Ende Februar 2020 richtig lag.&nbsp;Infosperber geht in einer fünfteiligen Serie der Frage nach, wer richtig lag.</p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Genfer Studie</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Beleg dafür, dass die IFR in der Schweiz &#171;konsistent auf etwa 0,5 bis 1 Prozent geschätzt&#187; wurde, führten Althaus und die Taskforce auch eine Genfer <a href="https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(20)30584-3/fulltext" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hochrechnung</a> an. Sie basierte auf einer <a href="https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-67362031304-0/fulltext" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Antikörper-Studie</a> im Kanton Genf. Diese fand ebenfalls eine <a href="https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-67362031304-0/fulltext#supplementary-material">hohe Dunkelziffer</a> nicht mit PCR-Tests erfasster Infektionen. Die IFR lag im Frühling 2020 im Kanton Genf demnach je nach Berechnungsmethode bei <a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7947934/pdf/BLT.20.265892.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">0,45</a> bis <a href="https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(20)30584-3/fulltext" target="_blank" rel="noreferrer noopener">0,64 Prozent</a> – mit immensen Unterschieden in verschiedenen Altersgruppen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war ein entscheidender Punkt: Auf einen Covid-Todesfall in der Gruppe der 60-bis 69-Jährigen kamen schweizweit in der ersten Welle rund 3,5 Covid-Tote bei den 70- bis 79-Jährigen und etwa <a href="https://www.covid19.admin.ch/de/epidemiologic/death?sum=cumulative&amp;epiZoomDev=2020-03-01_2021-01-03&amp;epiRelDeathCause=abs&amp;epiRelDev=abs&amp;demoView=graph&amp;epiZoomDemo=2020-03-01_2023-11-19" target="_blank" rel="noreferrer noopener">20 bei den über 80-Jährigen</a>. Die grossen Unterschiede zwischen den Altersgruppen waren seit Beginn der Pandemie bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine durchschnittliche Sterblichkeit für die gesamte Bevölkerung anzugeben, war also nicht zweckmässig – eigentlich unseriös. Je nach Altersgruppe drängten sich ganz unterschiedliche Massnahmen auf. Eine pauschale Sterblichkeitsrate anzugeben, verschleierte das.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="567" height="800" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-09-um-14.33.00.png" alt="Population age-risk categories and COVID-19 deaths per age-risk category." class="wp-image-719313" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-09-um-14.33.00.png 567w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-09-um-14.33.00-213x300.png 213w" sizes="auto, (max-width: 567px) 100vw, 567px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Grafik illustriert am Beispiel USA, wie ungleich das Risiko bei Covid verteilt war. Oben: Anteil der Hochrisikogruppen (high risk, hervorgehoben) in verschiedenen Alterskategorien an der Gesamtbevölkerung mit niedrigem Risiko (low risk).<br>Unten: So verteilten sich die Covid-Todesfälle auf die verschiedenen Gruppen. Etwa die Hälfte betraf Heimbewohnerinnen und -bewohner, wo in den USA circa 0,5 Prozent der Bevölkerung leben. In der Schweiz sind es etwa 1,8 Prozent.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wissenschaftlich unseriös</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war zudem relevant, ob eine Antikörper-Studie vor oder nach einer Corona-Welle stattfand: Das Resultat fiel ganz unterschiedlich aus. Auch die Bevölkerungszusammensetzung einer Region spielte eine Rolle. Armut, die Zahl betroffener Pflegeheime und ihre Hygienestandards, die Gesundheitsversorgung, überlastete Spitäler, die Qualität der Antikörpertests und die Berechnungsmethode der Sterblichkeitsrate waren weitere Faktoren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klammerte man beispielsweise die Genfer Pflegeheime aus – wo es zu den meisten Covid-Todesfällen kam – halbierte sich die Infektionssterblichkeit laut der später in «<a href="https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(20)30584-3/fulltext" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Lancet Infectious Diseases</a>» veröffentlichten Genfer Hochrechnung. Denn etwa die Hälfte der Todesfälle bei den über 65-Jährigen ereigneten sich im Kanton Genf in Heimen, einer Bevölkerungsgruppe, die aber lediglich 0,8 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ab 80-Jährigen wurden in der Genfer Studie praktisch <a href="https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-67362031304-0/fulltext#supplementary-material" target="_blank" rel="noreferrer noopener">nicht untersucht</a> [4] – aber die Todesfälle in dieser Gruppe flossen trotzdem in die Gesamtberechnung ein. Wie hoch die Infektionssterblichkeitsrate ausfiel, hing jedoch davon ab, in welchen Bevölkerungsgruppen – mit hohem oder niedrigem Risiko – das Virus grassierte und welche getestet wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den Jugendlichen errechneten die Genfer Wissenschaftler eine IFR von 0,00032, mit grosser statistischer Unsicherheit. Denn bis zu diesem Zeitpunkt war im Kanton Genf überhaupt niemand unter 31 Jahren an Covid verstorben. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Pauschale Angabe der IFR verschleierte die grossen Unterschiede</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die durchschnittliche Sterblichkeitsrate für alle sagte also wenig über das Risiko in bestimmten Altersgruppen aus. Meist wurde jedoch nur über die durchschnittliche IFR informiert, was vernebelte, dass sich Schutzmassnahmen in erster Linie für alte und vorerkrankte Menschen aufdrängten. In der Schweiz lebten damals etwa 1,6 Millionen Seniorinnen und Senioren, schätzungsweise 160’000 davon in Heimen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Infosperber fragte den Genfer Studienautor Professor Andrew Azman an: Haben Sie später noch Aktualisierungen vorgenommen? Wissen Sie, ob es weitere Berechnungen zur IFR in der Schweiz gibt – etwa für verschiedene Zeitpunkte, Altersgruppen oder Settings sowie als Gesamtwert? Professor Azman antwortete nicht.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Extrembeispiel Tessin</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch im Tessin gab es wie überall viele nicht offiziell erfasste Infektionen: Auf eine erkannte Coronavirus-Infektion kamen rund <a href="https://smw.ch/index.php/smw/article/view/3135/5235" target="_blank" rel="noreferrer noopener">9</a> bis <a href="https://www.usi.ch/en/feeds/14492" target="_blank" rel="noreferrer noopener">11 unerkannte</a> (Stand Juli 2020).&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Kanton hatte sich das Virus bereits stärker verbreitet: Dort besassen im Spätfrühling 2020 schon rund <a href="https://m3.ti.ch/COMUNICAZIONI/188153/Presentazione.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">9 Prozent der Bevölkerung</a> Antikörper gegen Sars-CoV-2, im Dezember waren es <a href="https://smw.ch/index.php/smw/article/view/3135/5235">14 Prozent</a>, ergab die Studie, die in «<a href="https://smw.ch/index.php/smw/article/view/3135/5235" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Swiss Medical Weekly</a>» veröffentlicht wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer 2020 lag die IFR im Tessin demnach bei schätzungsweise <a href="https://www.mdpi.com/1660-4601/20/4/3703" target="_blank" rel="noreferrer noopener">1,1 Prozent</a>, im Dezember vermutlich bei 1,2 Prozent – höher, als Althaus’ anfängliche Schätzung und deutlich mehr, als Ioannidis es zu Beginn vermutet hatte.&nbsp;Auch diese Erhebung führte die Science Taskforce als Beleg für ihre pessimistischen Einschätzungen an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings: Diese Tessiner Erhebung war weder repräsentativ für den Kanton, weil Kleinkinder ausgeklammert wurden, noch war sie repräsentativ für die Schweiz. Von allen Kantonen hat das Tessin den höchsten Anteil älterer Menschen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Das Tessin war einer der Orte in Europa, die 2020 am schwersten getroffen wurden, mit einer rekordhohen Übersterblichkeit, die sehr viel höher war als im Rest der Schweiz», stellt Ioannidis fest. «Während einige wenige Orte weltweit während der ersten Wellen eine Infektionssterblichkeit von 1,0 Prozent oder sogar mehr erreichten, lag die IFR an der überwiegenden Mehrheit der Orte unter 0,3 Prozent, teils sogar unter 0,1 Prozent. Deshalb ist es wichtig, sich nicht nur auf Extremfälle zu konzentrieren. Es ist bedauerlich, dass viele Experten und Behörden Panikmache betrieben, indem sie gezielt die ungünstigsten Zahlen hervorhoben.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Infosperber wollte von Professor <a href="https://corona-immunitas-ticino.ch/cms/team-e-partner-di-progetto/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Emilio Albanese</a>, der selbst eine <a href="https://www.mdpi.com/1660-4601/20/4/3703" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie</a> im Tessin durchführte, wissen: Haben Sie belastbare Schätzungen zur IFR im Kanton Tessin im Verlauf der ganzen Corona-Pandemie, eventuell sogar aufgeschlüsselt nach Altersgruppen und Wohnort (Pflegeheim oder zu Hause)?&nbsp;Seine Antwort: Leider seien ihm keine solchen IFR-Schätzungen für das Tessin bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die ganze Schweiz</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie verhielt sich die IFR schweizweit? Während der Pandemie wurden in etlichen Kantonen stichprobenartig Antikörper bei den Einwohnerinnen und Einwohnern gemessen. Die Tessiner und die Genfer Studie waren Teil dieser «<a href="https://www.corona-immunitas.ch/programm/resultate/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Corona Immunitas</a>» genannten Studie, die unter anderem vom <a href="https://www.corona-immunitas.ch/support/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bundesamt für Gesundheit</a> bezahlt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Grafiken auf der Website der <a href="https://www.corona-immunitas.ch/programm/resultate/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Corona-Immunitas-Studie</a> zeigen, wie im Lauf der Zeit immer mehr Menschen in der Schweiz Antikörper gegen Sars-CoV-2 bildeten, sei es durch eine Infektion oder ab 2021 durch die Impfung. Im Sommer 2022 hatten demnach praktisch alle hierzulande auf mindestens einem dieser beide Wege Antikörper gebildet. Trotzdem kam es <a href="https://www.bfs.admin.ch/asset/de/29145177" target="_blank" rel="noreferrer noopener">2022</a> erneut zu einer Übersterblichkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da die Infektionssterblichkeitsrate so bedeutsam war, ist davon auszugehen, dass die Schweizer Wissenschaftler sie weiter erfassten. Infosperber fragte mehrmals bei Corona Immunitas an, erhielt aber keine Antwort.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="362" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-29-um-15.34.07.png" alt="Seroprävalenz 20- bis 64-Jährige" class="wp-image-715477" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-29-um-15.34.07.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-29-um-15.34.07-300x136.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-29-um-15.34.07-768x348.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mit der Zeit machten immer mehr Personen die Infektion durch oder bildeten Antikörper infolge der Impfung. Hier der Verlauf bei den 20- bis 64-Jährigen. Die farbigen Balken markieren die Testphasen in den Kantonen. Die Skala links gibt an, welcher Anteil der Untersuchten Antikörper hatte.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Keine Antwort? Wir rechnen selbst</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Also rechnet man selbst.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis Ende 2020 hatten sich gemäss der Grafiken schätzungsweise 15 Prozent der Bevölkerung schon infiziert. Bei einer IFR von einem Prozent, wie Althaus es postuliert hatte wären demnach bis Ende 2020 etwa 13’000 Menschen in der Schweiz an Covid verstorben. Tatsächlich waren <a href="https://interaktiv.tagesanzeiger.ch/2020/covid-19-ausbruch-im-vergleich/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">7587</a> Personen mit oder an Covid gestorben. &#171;Mit oder an&#187; deshalb, weil als «Covid-Tote» auch alle erfasst wurden, die an anderen Ursachen gestorben sind, bei denen das Virus aber mit einem Test nachweisbar war.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">2023 veröffentlichten die Corona-Immunitas-Wissenschaftler einige Resultate der Corona Immunitas Studie in «<a href="https://link.springer.com/article/10.1007/s15010-023-02011-0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Infection</a>». Nimmt man an, dass bis Mitte Dezember 2020 rund 15 Prozent der Schweizer Bevölkerung das Coronavirus erwischt hatten, lässt sich mit Angaben des <a href="https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/gesundheit/gesundheitszustand/sterblichkeit-todesursachen/spezifische.assetdetail.29145177.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bundesamts für Statistik</a> die IFR grob schätzen: circa 0,6 Prozent, wiederum mit grossen Unterschieden in den verschiedenen Altersgruppen [5].&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allerdings: Auch diese Corona Immunitas Studie war höchst wahrscheinlich nicht repräsentativ für die erwachsene Bevölkerung. Und Kinder sowie Jugendliche – rund ein Fünftel der Bevölkerung – wurden von vornherein ausgeklammert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kam, dass selbst die Antikörper-Studien eine kleine Dunkelziffer an Infektionen nicht erfassen. Denn bei einem Teil der Personen sind nach einer Sars-CoV&#8211;Infektion keine Antikörper <a href="https://www.nzz.ch/wissenschaft/corona-bulletin-11-warum-vielleicht-mehr-menschen-mit-dem-virus-in-kontakt-gekommen-sind-als-gedacht-und-wie-superspreader-die-pandemie-vorantreiben-ld.1791916" target="_blank" rel="noreferrer noopener">im Blut nachweisbar</a>. Und bei weiteren, bei denen sie zunächst nachweisbar sind, verschwinden sie einige Zeit später wieder. Wird dies nicht berücksichtigt, schätzt man die Zahl der bisher Infizierten fälschlich als zu niedrig. Die berechnete Sterblichkeitsrate fällt dann zu hoch aus. In der oben genannten Tessiner Studie etwa waren die Antikörper nach einem Jahr bei schätzungsweise 40 Prozent der Personen nicht mehr nachweisbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Kontrolle noch eine andere Schätzung: Das <a href="https://www.covid19.admin.ch/de/epidemiologic/death?sum=cumulative&amp;epiZoomDev=2020-03-01_2021-01-03&amp;epiRelDeathCause=abs&amp;epiRelDev=abs" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bundesamt für Gesundheit</a> registrierte bis Ende 2020 insgesamt <a href="https://interaktiv.tagesanzeiger.ch/2020/covid-19-ausbruch-im-vergleich/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">7587</a> Personen, die mit oder an Covid gestorben waren. Anhand der <a href="https://www.covid19.admin.ch/de/epidemiologic/case?sum=cumulative&amp;epiZoomDev=2020-03-01_2021-01-03&amp;epiRelDeathCause=abs&amp;epiRelDev=abs" target="_blank" rel="noreferrer noopener">385’836</a> positiven Tests bis Mitte Dezember und der – aufgrund der Zürcher Studie angenommenen – Dunkelziffer lässt sich daraus ebenfalls grob die IFR für das Jahr 2020 in der Schweiz schätzen: circa 0,5 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Corona-Immunitas-Wissenschaftler könnten das alles detaillierter berechnen, und es wäre verwunderlich, hätten sie es nicht getan. Aber eben: Von dort kommt keine Antwort.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Auch Österreich widerlegt die Horrorzahlen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">So schaut man ins Nachbarland Österreich. Wissenschaftler der Universität Graz zeichneten dort zusammen mit John Ioannidis den wellenartigen Verlauf der Infektionssterblichkeitsrate in der Pandemie nach. Ihre 2025 im «<a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1876034125000474?via=ihub" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Journal of Infection and Public Health</a>» veröffentlichten Resultate beruhen auf den Ergebnissen von Corona-Tests, Antikörpertests und mathematischen Modellrechnungen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Österreich war das europäische Land, in dem die meisten Corona-Tests gemacht wurden. Trotzdem gab es auch dort streckenweise eine hohe Dunkelziffer. Mangels Daten konnten die Wissenschaftler die IFR erst ab Mai 2020 berechnen. Deshalb bleibt offen, wie hoch sie in den allerersten Monaten der Pandemie war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Mai 2020 bis Mai 2023 lag die Infektionssterblichkeitsrate im Durchschnitt in Österreich bei circa 0,16 bis 0,18 Prozent. </p>



<p class="wp-block-paragraph">2020 – also vor dem Impfen – betrug sie gemittelt etwa 0,3 Prozent. Im Sommer 2020 pendelte sie zwischen 0,04 und 0,3 Prozent, im Oktober 2020 erreichte sie 0,57 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Infektionssterblichkeitsrate von einem Prozent, wie Althaus es anfangs postuliert hatten, fanden die österreichischen Wissenschaftler von Mai 2020 bis Mai 2023 kurz einmal, im Januar 2021 – und auch dies nur, falls man die &#171;unruhige&#187;, nicht gemittelte (durchgezogene) Kurve betrachtet. Um das statistische &#171;Rauschen&#187; herauszubekommen, werden die monatlichen Werte üblicherweise gemittelt (gestrichelte Linie). Dort blieben die Werte immer unter 1 Prozent.  </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen Heimbewohnerinnen und -bewohnern und dem Rest der Bevölkerung gab es in Österreich ebenfalls grosse Unterschiede: Klammerte man die Pflegeheime aus, betrug die IFR im Jahr 2020 durchschnittlich 0,19 (statt 0,3) Prozent. Im Februar 2021 erreichte sie bei den Nicht-Heimbewohnern mit 0,63 Prozent das Maximum.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="298" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-24-um-17.31.51.png" alt="CFR und IFR in Österreich" class="wp-image-714113" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-24-um-17.31.51.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-24-um-17.31.51-300x112.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-24-um-17.31.51-768x286.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die blauen Linien zeigen den Verlauf der IFR in Österreich an (massgebend ist die Skala links; durchgezogene blaue Linie: Werte anhand der Rohdaten; gestrichelte blaue Linie: Werte gemittelt über fünf Monate). Die Skala rechts bezieht sich auf die erfassten positiven Tests (hellbraune Kurve) und die mutmasslich nicht erfassten Infektionen (grüne Kurve).</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fazit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Christian Althaus&#8216; anfängliche Schätzung von einem Prozent Infektionssterblichkeitsrate war deutlich zu hoch. Ioannidis&#8216; initiale Vermutung von 0,125 bis 0,625 war vager, deckte jedoch die später gemessenen Werte mit Ausnahme der schlimmsten Momente ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Medien kritisiert wurde trotzdem vor allem Ioannidis: «Angeschlagener Stanforder Statistikheld» nannte ihn etwa die «<a href="https://www.faz.net/aktuell/wissen/forscher-john-ioannidis-verharmlost-corona-und-provoziert-17290403.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Frankfurter Allgemeine Zeitung</a>». Als Ioannidis im WHO-Bulletin eine weltweite IFR von 0,23 Prozent postulierte, bewertete Althaus diese Arbeit im «<a href="https://www.nzz.ch/wissenschaft/corona-skeptiker-propheten-der-pandemie-ld.1790423" target="_blank" rel="noreferrer noopener">NZZ Magazin</a>» als «erstaunlich schludrig durchgeführt». </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/betraegt-die-corona-sterblichkeit-tatsaechlich-nur-0-27-prozent-338586215692" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tamedia-Zeitungen</a> nannten sie «unglaubwürdig». Sehr wahrscheinlich liege die Infektionssterblichkeit «deutlich über» dem, was Ioannidis postuliere, folgerten die Zürcher «Tagesanzeiger»-Journalisten im Oktober 2020 – zu einem Zeitpunkt, als die IFR in Zürich schätzungsweise 0,3 bis 0,4 Prozent betrug – also das, was Ioannidis bald danach <a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/eci.13554" target="_blank" rel="noreferrer noopener">für Europa</a> mit seiner insgesamt älteren Bevölkerung schätzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über Althaus dagegen schrieben zum Beispiel die CH-Media-Zeitungen: «<a href="https://www.tagblatt.ch/leben/analyse-propheten-im-eigenen-land-so-haben-die-epidemiologen-und-virologinnen-das-letzte-jahr-gemeistert-ld.2109872" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Seine vielen Prognosen und Aussagen erwiesen sich als zuverlässig</a>.» Jeder liest das heraus, was er herauslesen will.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="539" height="254" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/1327.png" alt="Tweet Christian Althaus 21.12.2020" class="wp-image-718023" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/1327.png 539w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/1327-300x141.png 300w" sizes="auto, (max-width: 539px) 100vw, 539px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eine von über 3600 Nachrichten auf Twitter, die Althaus während der Pandemie verbreitete.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">_____________________</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">[1] Hier die Rechnung im Detail: Am 30.3.2020 gab es 2060 offiziell erfasste, positive Tests. Bei einer 15-fachen Dunkelziffer ergibt dies 30&#8217;900 Infektionen. Da die Infektion bei den Schwerstbetroffenen erst Tage bis Wochen später zum Tod führte, wurde der 17.4.2020 als Stichtag gewählt. Zu diesem Zeitpunkt verzeichnete Zürich 92 Menschen, die an oder mit Covid gestorben sind. 92 Todesfälle bei 30&#8217;900 Infizierten ergibt eine IFR von etwa 0,3 Prozent.<br>[2] Althaus war einer der Co-Autoren der Zürcher Studie, wurde damals aber noch nicht als Co-Autor angeführt.<br>[3] Weil es ab Infektionsbeginn rund <a href="https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)31304-0/fulltext" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ein bis zwei Wochen</a> dauert, bis die Antikörper gebildet werden, muss dies bei den Berechnungen berücksichtigt werden. Die Anzahl der positiven Tests bezieht sich deshalb auf den Stand vom 2. Dezember 2020.<br>[4] Die Autoren widersprechen sich in diesem Punkt. Einmal heisst es, Heimbewohner seien <a href="https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)31304-0/fulltext" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ausgeschlossen</a> gewesen, ein anderes Mal lautet die Information, dass Heimbewohner wahrscheinlich <a href="https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(20)30584-3/fulltext" target="_blank" rel="noreferrer noopener">nicht untersucht wurden oder mindestens stark unterrepräsentiert</a> waren.<br>[5] Die Berechnungen erledigte Chat GPT. Die Autorin gab die Daten ein und überprüfte die Rechnung.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li>Hier <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/corona-angst-wurde-mit-wilden-und-wirren-zahlen-angeheizt-1/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Teil 1</a>, <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/die-modellrechner-und-ihre-horrorprognosen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Teil 2</a>, <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/zuerst-wurde-er-zensuriert-dann-benahm-er-sich-wie-ein-narr/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Teil 3</a> und <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/im-schlimmsten-fall-30000-corona-tote/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Teil 4</a> dieses Artikels.</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/covid-pandemie-jetzt-klopfen-sie-sich-alle-auf-die-schulter/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Covid-Pandemie: «Jetzt klopfen sie sich alle auf die Schulter»</a>, Infosperber vom 27.12.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/corona-zeit-im-altersheim-sogar-das-telefon-weggenommen/">Corona-Zeit im Altersheim: Sogar das Telefon weggenommen,</a> Infosperber vom 2.7.2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/8b54e9382a5f42ed8c27cfd4823d4671" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Tamedia-Zeitungen: Der Schwede ist gut, der Russe ist böse</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/medien/tamedia-zeitungen-der-schwede-ist-gut-der-russe-ist-boese/</link>
					<pubDate>Wed, 26 Aug 2026 08:22:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=722819</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Unbenannt-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Unbenannt" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Unbenannt-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Unbenannt-1024x613.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Unbenannt-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Unbenannt.png 1324w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Wenn sich jemand aus Russland zur Neutralität äussert, dann ist es übergriffig. Wenn es jemand aus Schweden tut, ist es willkommen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Fast schon im Wochen-Rhythmus berichten die vielen Tamedia-Zeitungen in letzter Zeit darüber, dass sich Russland in den Abstimmungs-Kampf zur Neutralitätsinitiative einmische. Manchmal ist die Kritik an der Einmischung offen ausgesprochen, manchmal bloss unterschwellig.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am 31. Juli</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Da lautete der spöttische Titel: «Russland erklärt der Schweiz auf 26 Seiten die Demokratie.» Weiter hiess es: «Mit dem Bericht mischt sich Moskau in den Abstimmungskampf zur SVP-Neutralitätsinitiative vom 27. September ein.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn sich die russische Botschaft über die Schweiz äussere, dann sei der Tonfall selten freundschaftlich. «Doch die jüngste Verlautbarung aus der von viel Stacheldraht umgebenen Villa der russischen Diplomaten in Bern sticht hervor.» Was der Stacheldraht zur Sache tut, erschliesst sich den Lesern und Leserinnen nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei legen die Russen den Finger durchaus auf einen wunden Punkt: dass wir nämlich über viele wichtige Fragen nicht abstimmen können. Etwa die Übernahme der EU-Sanktionen oder die Annäherung an die Nato.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fazit der Tamedia-Zeitungen: «Russland mischt sich mit dem Bericht ziemlich unverhohlen in einen Abstimmungskampf ein, der am 27. September entschieden wird: Christoph Blocher will die Neutralität in der Bundesverfassung verankern.»</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am 8. August</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesmal ging der Titel so: «Wie ‹Russia Today› Blochers Initiative kapert.» Und wieder: «Russische Akteure mischen sich in die Debatte über die Neutralitätsinitiative ein und verbreiten ‹falsche Fakten›.» Dabei ist «Russia Today» kein wirklich ernst zu nehmendes Medium, wie Infosperber schon im Februar <a href="https://www.infosperber.ch/medien/aufgebauscht-die-attacke-des-russischen-senders-auf-die-srg/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">darlegte</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am 19. August</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Titel diesmal: «Parlament probt Aufstand gegen russische Propaganda.» «Moskaus Einmischung bei der Neutralitätsinitiative» beunruhige «National- und Ständerat». Das Parlament wolle «den Kampf gegen Desinformation verstärken». Und bereits zum dritten Mal: «Russlands Aussenministerium und Staatsmedien mischen sich in den Schweizer Abstimmungskampf ein.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Enttäuscht zeigen sich die Tamedia-Zeitungen von Bundesrat Ignazio Cassis. Der habe «lapidar» gesagt, die Bevölkerung sei «reif und intelligent genug», die Kommentare richtig einzuordnen. Cassis habe daran erinnert, dass es in der Schweiz vier Mal im Jahr Abstimmungen gebe und dass die ganze Welt darüber spreche.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Am 23. August</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Da ging es für einmal nicht um die direkte Einmischung Russlands in den Abstimmungskampf, sondern um die Rolle von «prorussischen Stimmen» aus der Schweiz. Titel: «‹Ferdinow› aus Andermatt und die komplizierten Beziehungen zur Schweiz.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit «Ferdinow» war der ehemalige Andermatter Gemeindepräsident Ferdinand Muheim gemeint. Weiter ist im Artikel von «prorussischen Netzwerken» die Rede, von der «Russland-Connection» und von einem «Sprachrohr für prorussische Propaganda».</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der gute Schwede</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz anders tönt es in den Tamedia-Zeitungen, wenn sich nicht der böse Russe in den Abstimmungskampf zur Neutralitätsinitiative einmischt, sondern der gute Schwede – und zwar in Person des ehemaligen Ministerpräsidenten und Aussenministers Carl Bildt. Mit ihm führten die Tamedia-Zeitungen ein ganzseitiges Interview.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="613" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Unbenannt-1024x613.png" alt="Unbenannt" class="wp-image-722841" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Unbenannt-1024x613.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Unbenannt-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Unbenannt-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Unbenannt.png 1324w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ganzseitiges Interview mit Carl Bildt.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Bildt erteilte der Schweiz Ratschläge: «Man sollte sich nicht die Hände binden für die Zukunft.» Oder: «Die Schweiz muss über genügend Ressourcen verfügen, um sich zu wehren. Glaubwürdige Streitkräfte, Sicherheits- und Nachrichtendienste.» Er äusserte auch Kritik: «Es war ehrlich gesagt peinlich für die Schweiz, dass sie die Ausfuhr von 35-Millimeter-Munition in die Ukraine verbot.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einmischung aus Schweden? Das war im ganzen Interview kein Thema.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man würde sich von den Tamedia-Journalisten und -Journalistinnen ein bisschen mehr Gelassenheit wünschen, wenn sich jemand aus Russland zur Neutralitätsinitiative äussert. Und ein bisschen mehr Vertrauen in die Urteilsfähigkeit der Stimmberechtigten.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/1c7ccf11e26040f2a05535a69d30f7a5" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
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