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		<title>infosperber - Shoutem Feed!</title>
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					<title>«Ich habe sechs Menschen getötet» – für nichts</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/welt/ich-habe-sechs-menschen-getoetet-fuer-nichts/</link>
					<pubDate>Sat, 15 Aug 2026 07:45:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Marine-Soldat-waehrend-der-Schlacht-um-Marjah-1-e1786262063166-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Marine-Soldat während der Schlacht um Marjah" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Marine-Soldat-waehrend-der-Schlacht-um-Marjah-1-e1786262063166-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Marine-Soldat-waehrend-der-Schlacht-um-Marjah-1-e1786262063166-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Marine-Soldat-waehrend-der-Schlacht-um-Marjah-1-e1786262063166.png 884w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Ein ehemaliger US-Soldat besuchte in Kabul einen Taliban-Kommandanten, gegen den er im Jahr 2010 gekämpft hatte. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">In der afghanischen Provinz Helmand eroberte das US-Militär&nbsp;erfolgreich den Ort Marjah mit fast 80&#8217;000 Einwohnern. Die Stadt lag an einer Nachschub-Route und war damals einer der grössten Taliban-Stützpunkte. In einem wochenlangen Einsatz kämpften&nbsp;<a href="https://fr.wikipedia.org/wiki/Bataille_de_Marjah">etwa 15&#8217;000</a>&nbsp;verbündete Soldaten und Sicherheitskräfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als 22-jähriger war Thomas Gibbons-Neff Anführer eines siebenköpfigen Scharfschützenteams. «Es ist ein komisches Gefühl, mindestens sechs Menschen getötet zu haben in einem Konflikt, der zwanzig Jahre lang dauern sollte und <a href="https://www.nytimes.com/2021/08/30/world/asia/us-withdrawal-afghanistan-kabul.html">verloren</a> ging.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Krieg kostete etwa 200&#8217;000 Menschen das Leben, darunter rund 70&#8217;000 Zivilisten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Krieg heisse es häufig, entweder sterben wir oder die anderen. «Wir starrten durch leistungsstarke Zielfernrohre, um Absichten und Verhaltensweisen unserer Feinde zu entschlüsseln. Das Töten hing von unseren Instinkten und Ängsten ab: Wenn wir zögerten, wären unsere Kameraden wegen unseres Zögerns gestorben?» Es sei zudem so gewesen, dass man sich mit dem Töten in der Truppe Respekt verschaffte: «Also töteten wir Menschen. Ich tötete Menschen. Das Betätigen des Abzugs war unser Beitrag an eine Strategie, die schon vor unserem Einsatz zum Scheitern verurteilt war.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach seiner Rückkehr arbeitete Gibbons-Neff für die «New York Times» und berichtete  viele Jahre lang unter anderem über Afghanistan. Heute bilanziert er ernüchtert: «Die vielen Verluste an Menschenleben und alle diese Traumata haben Afghanistan im Zustand hinterlassen, wie er im Jahr 2001 bestand, bevor die US-Truppen dort Fuss fassten.»&nbsp;</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img decoding="async" width="872" height="871" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Thomas-Gibbons-Neff-wollte-als-22-Jaehriger-die-Freiheit-der-USA-verteidigen.-.png" alt="Thomas Gibbons-Neff wollte als 22-Jähriger die Freiheit der USA verteidigen." class="wp-image-718219" style="width:170px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Thomas-Gibbons-Neff-wollte-als-22-Jaehriger-die-Freiheit-der-USA-verteidigen.-.png 872w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Thomas-Gibbons-Neff-wollte-als-22-Jaehriger-die-Freiheit-der-USA-verteidigen.--300x300.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Thomas-Gibbons-Neff-wollte-als-22-Jaehriger-die-Freiheit-der-USA-verteidigen.--150x150.png 150w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Thomas-Gibbons-Neff-wollte-als-22-Jaehriger-die-Freiheit-der-USA-verteidigen.--768x767.png 768w" sizes="(max-width: 872px) 100vw, 872px" /><figcaption class="wp-element-caption">Thomas Gibbons-Neff wollte als damals 22-Jähriger die Freiheit der USA verteidigen.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">In diesem Frühjahr gab Gibbons-Neff seinen Beruf als Journalist auf, um als Lehrer zu arbeiten. Ein letztes Mal reiste er für die «New York Times» nach Afghanistan, um seine Vergangenheit aufzuarbeiten. Unter dem Titel «Warum ich einen Taliban-Kommandanten aufsuchte, gegen den ich gekämpft hatte» berichtete er Ende Juli ausführlich darüber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gibbons-Neff sprach in Kabul mit Mullah Rahim Gulab, gegen den er vor sechszehn Jahren im Februar 2010 in Marjah gekämpft hatte. Bereits im Jahr 2021, nur wenige Monate nach dem Sieg der Taliban, hatte er ihn zufällig in Kabul getroffen und darüber&nbsp;<a href="https://www.nytimes.com/2021/12/29/world/asia/afghanistan-taliban-helmand-marja.html">berichtet</a>: «Als wir uns zum ersten Mal in Marjah begegneten, waren wir beide etwa 22 Jahren alt. Er versuchte, mich zu töten und ich versuchte, ihn zu töten. Wir überlebten. Unterdessen ist Gulab ein hochrangiger Kommandant. Gibbons-Neff erinnerte sich: ‹Der Himmel über Marjah war voll von Helikoptern, die amerikanische Soldaten an verstreuten Orten absetzten. Dann wurde heftig geschossen.› Das zweistöckige Gebäude, in dem unsere Befehlszentrale untergebracht war, und in dem meine beiden Freunde Matt Tooker und Matt Bostrom getötet wurden, ist heute ein Zentrum für Schwangere.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gulab hatte sich den Taliban angeschlossen, weil seine zwei Brüder im Kampf umgekommen waren. Gibbons-Neff war den US-Marines beigetreten, weil er sich gegenüber seinem Vater beweisen wollte, der ein Vietnam-Veteran war. In Afghanistan sollte er für die Freiheit der USA kämpfen, während Gulab seinen Glauben und die Unabhängigkeit seines Landes verteidigen wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>&#171;Warum begehen so viele amerikanische Soldaten Suizid?&#187;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der jetzigen Begegnung in Kabul habe Gulab gefragt: «Warum begehen so viele amerikanische Soldaten, die in Afghanistan gekämpft haben und zurückgekehrt sind, Suizid?» Gibbons-Neff versuchte, es zu erklären: «Wir dachten, etwas zu tun, auf das wir stolz sein konnten. Aber unsere Vorgesetzten konnten nie klar darlegen, wie unsere Einsätze, unsere ausgeübte Gewalt und unsere erlittenen Verluste irgendjemanden in den Vereinigten Staaten sicherer machten.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vorgesetzten hätten nach ihrer Rückkehr lukrative Posten bei Rüstungsunternehmen erhalten oder mit Vorträgen hohe Honorare kassiert. Manche zurückgekehrte Soldaten seien damit nicht fertig geworden.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/"><img decoding="async" width="1000" height="67" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gold.png" alt="Spendenbalken gold" class="wp-image-699993" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gold.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gold-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gold-768x51.png 768w" sizes="(max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den kämpfenden Taliban sei dies anders gewesen, meinte Gulab. «Wir führten den Dschihad im Namen Allahs und hatten keine Angst, getötet oder verwundet zu werden.&nbsp;Wir sind auch nicht traurig über unsere Freunde, die getötet oder verwundet wurden, denn wir alle wünschten uns, auf dem Weg des Dschihad den Märtyrertod zu sterben oder verwundet zu werden.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter den Kriegsbedingungen seien oft Zivilisten getötet oder verwundet worden. Diese würden den ausländischen Streitkräften wahrscheinlich nicht vergeben. «Aber», fügte Gulab hinzu, «ich habe euch vergeben.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gibbons-Neff schloss seinen letzten Bericht für die «New York Times»: «Herr Gulab und ich waren zu einem bestimmten Zeitpunkt in unserem Leben zwei Menschen – damals kaum schon Männer –, die aus völlig unterschiedlichen Gründen kämpften. Vielleicht reicht es für die Aufarbeitung der Vergangenheit schon aus, dass ich ihn nun auf eine etwas seltsame Art eher als Freund denn als meinen Feind sah.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz nach seiner Rückkehr in die USA, als er in einer schwülen Nacht in New England mit seinem Hund spazieren ging, habe sein Handy vibriert. Herr Gulab schickte ihm eine SMS auf Paschtu: «Bist du zu Hause angekommen?», fragte er.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gibbons-Neff antwortete, dass er gut angekommen sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Es ist gut zu hören, dass du sicher angekommen bist», simste Gulab zurück.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/6d6130c00a9845d1aaf8307f78c07074" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>kontertext: Die Tempelwächter in meinem Regal</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/kontertext-die-tempelwaechter-in-meinem-regal/</link>
					<pubDate>Sat, 15 Aug 2026 07:30:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="225" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/books-300x225.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Bücher" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/books-300x225.jpeg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/books.jpeg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Das Buch: Als Medium scheint es unsterblich, im Haus ist es ein Staubfänger, im Leben ein treu mitalternder Begleiter. (1)]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Zuerst war da ein Wasserschaden im Parkett. Zu seiner Behebung mussten hohe Regale demontiert werden – darauf sind seit Jahr und Tag Bücher aufgereiht, einige oft konsultiert, andere im Schlaf der Tempelwächter. Mit ihrem Gewicht stehen sie ein für die Hintergrundstrahlung der geistigen Welt, aber auch für vieles, was an ihnen noch ungelesen ist: meine gesammelten Bildungslücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob ich sie aufschlage oder nicht, diese Bücher enthalten Kontinente von Wissen und Spekulation. Sie bilden ein selektives Fundament meines Glaubens und Meinens, eine Road map meines geistigen Werdegangs. Und in der Wohnung sind sie eine Orgel aus gebundenem Papier, auf der in jüngster Zeit etwas seltener gespielt worden ist. Zu verlockend war oft die sofortige Zugänglichkeit des Bildschirmwissens.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Blinde Flecken, so weit das Auge reicht</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Weder ist meine Bibliothek repräsentativ, noch ist sie ausgewogen. Sie widerspiegelt keinen Stand des Wissens, nur die Genealogie meiner Interessen und die Suchbewegungen einer Zeit. In ihrer Begrenztheit weist sie über sich hinaus – auf alles in Buchform Erschienene, das sie <em>nicht</em> enthält. Desiderate und blinde Flecken, so weit das Auge reicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als <em>Handbibliothek</em> ist sie jenem Körperteil zugedacht, das, <a href="https://old.predella.it/archivio/index6f27.html?option=com_content&amp;view=article&amp;id=181&amp;catid=65&amp;Itemid=94">John Ruskin</a> zufolge, von zentraler Bedeutung für die Entwicklung menschlicher Zivilisationen sei. Und noch immer bilde ich mir ein, dasjenige, was ich mir blätternd angeeignet habe, sei haltbarer als alles, worüber mein Auge beim Surfen glitt: Take aways, Aufgeschnapptes, das Halb- und Viertelwissen des Cyberspace.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Geschmäckle</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch ist nicht bekannt, woher die Feuchtigkeit kommt, aber sie drang von unten herauf. Das Parkett hat sich mit Feuchte vollgesogen, so wie meine grauen Zellen über die Jahre mit Information. Also mache ich mich daran, die Regale auszuräumen und abzubauen. Dabei begegne ich neben Unmengen von Staub den verborgenen Hinterlassenschaften der Insekten, ihren Netzen, Fäden und Exkrementen, und auch ihren Kadavern. Weil weder Lappen noch Saugrohr hier zugange waren, ist hinter den Buchspalieren gestorben und geboren worden. Ein unbeachtetes Leben hat sich vollzogen: Reichsgründungen; Beutezüge; Aufstieg und Fall; Hochzeiten und Luftbestattungen…</p>



<p class="wp-block-paragraph">So ist zwischen Papier- und Mauerfeuchte ein Geschmäckle herangewachsen, wahrnehmbar nur, wenn man näherrückt. Eigentümlich vertraut wirkt dieser Geruch. Vor Jahren bin ich ihm in Brockenstuben und in den Behausungen älterer Weggefährten begegnet. Ich hatte sie oft besucht, nicht zuletzt wegen der Lesestrecken, die sie mir voraushatten. Davon legten ihre Interieurs beredtes Zeugnis ab: Was diesen an sichtbarer Ordentlichkeit fehlte, machten sie mit innerem Reichtum wett, einem dichtgewobenen Netz aus schriftlichen Bezügen, die durch subjektiven Gebrauch zur persönlichen Bibliothek geworden waren, eigentlich zum geistigen Fussabdruck eines Lebens.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Savanne des Wissbaren</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Preis war diese Massierung an den Wänden. Auf Uneingeweihte mochten die raumhohen Regale wie ein Distinktionsmerkmal wirken, doch sie waren nur der Ausdruck einer Passion: immer weitergehen zu wollen in der Savanne des Wissbaren, ohne die Illusion, jemals anzukommen. Gerade dieses Unwegsame verstärkte die Faszination.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="67" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gruen.png" alt="Spendenbalken grün" class="wp-image-699997" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gruen.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gruen-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gruen-768x51.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">So haben wir zwischen Büchergebirgen getagt und uns mokiert über alle, die ihr Leben der freudlosen Aufhäufung materieller Besitztümer opferten. Uns genügte es, zu wissen, wie vergänglich diese Güter waren, um uns davon abzukehren. Schon die ältesten Denker an den Wänden empfahlen diesen Move.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch auch Bücher zählen zur dinglichen Welt. Wie erwähnt: Rückt man nahe genug an sie heran, offenbaren sie diese Mixtur aus altem Teppich und kalter Schublade, blätterndem Putz, brüchigem Leim, Chitin, Karton und Staub, und von fern etwas Druckerschwärze.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Über die Duftbrücke</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor allem das Unbenutzte brütet diesen Geruch aus. Nun also auch in meinem Haushalt: Ich stehe auf gewelltem Parkett, Bücher in Händen, von denen ich vergessen habe, dass ich sie besitze, und die Duftbrücke führt mich zurück in eine Zeit, als ich staunend vor den Orgelpfeifen der Älteren stand. Viele sind für immer abgebaut. Die meinen stehen noch. Nicht, dass ich meine Nase nun wollüstig an die Einbände hielte, um mich einer Zeitreise zu überlassen, wie Prousts Held es tut. Bei allem Aufbruchsgeist jener Jahre, sie wecken in mir keinen Rückkehrwunsch. Beim Wittern wundere ich mich eher, dass bisher kein Gast sich erlaubt hat zu sagen: Dein Bücherparadies gehörte mal gründlich durchlüftet und entstaubt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Stillstand und Verkapselung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch welcher übertragene Sinn ist im Spiel, wenn man sagt, etwas sei «verstaubt»?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Begriff lässt eine Mischung aus Laisser-faire und Überforderung anklingen, auch den Verfall einstiger Bedeutsamkeiten. Haben sie sich überlebt? Oder zeugen sie von den schwindenden Kräften des Besitzers? Ist es also nur eine Frage der Zeit, bis aus Vernachlässigung Verwahrlosung wird?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was verstaubt, an dem ist vieles unbemerkt vorbeigezogen, und die Hand, die es hätte in Schuss halten sollen, ist erlahmt. Verstaubtes steht für den Verlust von Spannkraft und geistiger Beweglichkeit, für Stillstand und Verkapselung und für die wachsende Unfähigkeit, sich mit Frischluft zu versorgen. Dies ist nicht untypisch für alternde Menschen: Sie sind umgeben von den Zeugnissen ihres Lebens, aber leben sie es noch?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kein Objekt vermittelt diesen Eindruck stärker als der Bestseller von einst, dessen Titel niemand mehr kennt und dessen Aufkleber vom Vermarktungseifer der Verlage zeugt, vom medialen Hype vergangener Tage und von der Hysterie der damaligen Meinungsmacher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer interessiert sich noch dafür? &#8211; Big Tech durchaus; darauf wird zurückzukommen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Kulissenstaat</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Da sind also Bereiche eines Lebens, die aus der Vita Activa herausgefallen sind, weshalb auch immer. Nun träumen sie vor sich hin – an einem Rand, wo kein Blick hinfällt. Aus Dingen des täglichen Gebrauchs sind Relikte geworden und aus der Wohnung die Vorform eines Museums. Wer es betritt, begegnet einem historisch gewordenen Lebensstil, und die Nase sendet das passende Signal. Nur der Bewohner merkt es nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich frage mich nicht, warum gewisse Bücher unberührt bleiben (das versteht sich von selbst), aber ich frage mich, warum sie noch hier stehen. Im Alltag ist das leicht zu übergehen: Man gewöhnt sich aneinander in wechselseitiger Überflüssigkeit. So bin ich zum Besitzer von Dingen geworden, die keinem ausser mir noch etwas bedeuten. Sogar der Ehrgeiz, Unbrauchbares auszusortieren, hat mich offenbar verlassen. So bilden Bücher einen Kulissenstaat. Weil es bequemer ist, sie stehen zu lassen, als ihnen zu Leibe zu rücken, zeigen sie der tätigen Welt weiter ihre Rücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Fleisch ausgestorbener Arten</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben meinen Regalen stehen vom Schaden unbetroffene Vitrinenschränke. Sie enthalten unspielbar gewordene Medien und verstreute Ergebnisse alter Sammelleidenschaften. Für diese Rarissima dürfte sich niemand mehr erwärmen. Aus Preziosen ist Sondermüll geworden. Und ich denke an die Philatelie: Was einst Generationen verband, ist heute das Steckenpferd einer Minderheit, die sich im Gebrauch der Flachpinzette übt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verstaubt ist nicht nur das Ewiggestrige, verstaubt kann auch sein, was noch Relevanz besässe, aber nicht mehr beachtet wird. So gesehen mag manches Buch in meinem Regal der Lektüre wert sein. Einige würde ich sogar mit Verve empfehlen, wenn man mich um einen Lesetipp bäte. Aber dies geschieht nicht, und ich kann verstehen weshalb: Angesichts der vielen Neuerscheinungen, die Jahr für Jahr die Märkte fluten, muten Reprint und Relektüre etwas philatelistisch an. Wer sich für die übersehenen Bücher einstiger Tage verwendet, hört sich an wie ein Gourmet, der das Fleisch ausgestorbener Tierarten preist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weshalb aber dieser Eindruck zu kurz greift, vielleicht sogar etwas naiv ist angesichts neuer Gefahren der Geschichtsvergessenheit, von denen wir erst die Bugwelle sehen, soll in einem zweiten Teil erörtert werden.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. <em>Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe von Autorinnen und Autoren. Sie reflektiert Diskurse der Politik und der Kultur, greift Beiträge aus Medien kritisch auf und pflegt die Kunst des Essays. Zurzeit schreiben regelmässig Silvia Henke, Mathias Knauer, Michel Mettler, Felix Schneider und Beat Sterchi.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>England hat kaum noch saubere Flüsse</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/wasser-gewaesser/england-hat-kaum-noch-saubere-fluesse/</link>
					<pubDate>Sat, 15 Aug 2026 07:06:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/London_Thames_Sunset_panorama_-_Feb_2008-scaled-e1786701949765-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="London_Thames_Sunset_panorama_-_Feb_2008" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/London_Thames_Sunset_panorama_-_Feb_2008-scaled-e1786701949765-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/London_Thames_Sunset_panorama_-_Feb_2008-scaled-e1786701949765-1024x616.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/London_Thames_Sunset_panorama_-_Feb_2008-scaled-e1786701949765-768x462.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/London_Thames_Sunset_panorama_-_Feb_2008-scaled-e1786701949765.jpg 1434w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Nur 14 Prozent der englischen Oberflächengewässer haben noch ausreichende ökologische Qualität.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Am besten ist die Wasserqualität noch im Nordwesten und Südwesten Englands, wo sich die Nationalparks befinden. Sonst sind die englischen Gewässer kaum als «gesund» zu bezeichnen. Chemikalien und Mikroplastik finden sich quasi überall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur 14,3 Prozent der Flüsse, Seen und Mündungsgebiete erreichen einen «guten» ökologischen Status. Das geht aus einer <a href="https://www.gov.uk/government/news/new-data-to-drive-action-to-improve-englands-rivers-and-lakes" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Erhebung der britischen Umweltschutzbehörde</a> hervor, die über sechs Jahre die Qualität der englischen Oberflächengewässer untersuchte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Alle Gewässer überschreiten die Grenzwerte</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die «Environment Agency» (EA) untersuchte dabei sowohl den ökologischen Gesamtzustand wie die Umgebungs-, Habitat- und Wasserqualität wie auch die Belastung mit Mikroplastik und verschiedenen Chemikalien. Seit 2019 hat sich die Wasserqualität demnach sogar verschlechtert. Damals erreichten noch 16,3 Prozent der rund 4600 Gewässer einen «guten» Status. Die beiden Datensätze seien jedoch nicht direkt vergleichbar, führt die Umweltagentur an. Seit der letzten Erfassung hätten sich Methoden und Erfassung geändert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Sachen chemischer Verschmutzung seien alle englischen Oberflächengewässer durchgefallen, resümierte der <a href="https://www.theguardian.com/environment/2026/aug/06/all-bodies-of-water-england-polluted-toxic-chemicals" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Guardian»</a>. Ein Grossteil der Verschmutzung bestehe aus Quecksilber, dem PFAS Perfluoroktansulfonsäure (PFOS) und der Chemikaliengruppe PBDE. PBDE (polybromierte Diphenylether) sind giftige und persistente Chemikalien, die in Flammschutzmitteln eingesetzt werden oder wurden. Einige sind bereits verboten und werden nicht mehr hergestellt.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><strong>Bromierte Flammschutzmittel</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Konventionelle bromierte Flammschutzmittel wie polybromierte Diphenylether (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Polybromierte_Diphenylether" target="_blank" rel="noreferrer noopener">PBDE</a>) wurden lange in vielen Produkten verwendet. Herstellung und Nutzung sind für viele Einzelsubstanzen inzwischen eingeschränkt oder verboten. Wegen ihrer universellen Verwendung – zum Beispiel in Möbeln, Autos und Baustoffen – finden sie sich noch immer in der Umwelt. Sie stören die <a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7736216/#:~:text=PBDE%20exposure%20has%20been%20associated,)%20(7%2C8)." target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fortpflanzung</a>, den <a href="https://www.endocrine.org/news-and-advocacy/news-room/2016/common-flame-retardant-chemical-disrupts-a-hormone-that-is-essential-to-life" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hormonhaushalt</a>, können Krebs verursachen und die Entwicklung des Gehirns <a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7781237/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">beeinflussen</a>. Die persistenten (lang haltbaren) Chemikalien verschmutzen Luft, Wasser und Boden. Sie können sich in Menschen und Tieren anreichern.</p>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Mehr Quecksilber als die EU erlaubt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">98 Prozent der Fische und Muscheln an englischen Küsten enthalten mehr Quecksilber, als in der EU zulässig wäre, <a href="https://www.theguardian.com/environment/2025/oct/30/toxin-levels-in-fish-lead-to-calls-for-uk-wide-ban-on-mercury-dental-fillings" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zeigte eine Untersuchung im vergangenen Jahr</a>. Hauptquelle sind Verbrennungsprozesse in Kraftwerken, gefolgt von Krematorien. Das Quecksilber verdampft, schlägt sich auf der Erde nieder und wird durch Regen ausgewaschen. In der britischen Zahnmedizin ist Quecksilber in Form von Amalgam noch immer erlaubt. Bei der Einäscherung Verstorbener gelangt das Schwermetall wieder in die Umwelt. Die hohe PFAS-Belastung britischer Gewässer ist seit Jahren Thema und wurde erst im vergangen Jahr <a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/wasser-gewaesser/fast-alle-britischen-gewaesser-mit-pfas-belastet/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">durch mehrere Studien bestätigt</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor 2063 würden sich die englischen Gewässer nach Angaben der Behörde kaum erholen, zitiert der «Guardian». Dann könnte ein Teil der Chemikalien so weit abgebaut sein, dass die Gewässer als sauber betrachtet werden könnten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Regierung wird ihre Umweltziele wohl verfehlen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Weniger als sieben Prozent der Seen und 15 Prozent der Flüsse erreichten einen «guten» ökologischen Status, schlüsselte die <a href="https://www.bbc.com/news/articles/cq6d0y5e3mjo" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«BBC»</a> auf. Ein grosses Problem ist demnach auch Phosphat aus Abwässern und aus der Landwirtschaft. Die Hälfte aller Flüsse enthalte zu viel Phosphat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Andere Verschmutzungen umfassten Benzin, Pestizide sowie Strassenabwässer, die mit Mikroplastik und weiteren Chemikalien verschmutzt seien. Die gesetzlich bindende Vorgabe, 77 Prozent von Englands Gewässern bis 2027 in einen besseren Zustand zu bringen, werde die britische Regierung wohl verfehlen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Penny Jones, Biochemikerin und Expertin für Wasserqualität an der Universität Bristol, sieht vor allem die britische Regierung in der Pflicht, die es bisher nicht geschafft habe, den Chemikalieneintrag in Gewässer wirksam zu regulieren. Persistente Chemikalien wie PFAS und Antibiotika reicherten sich immer weiter an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Komme es wie in diesem Jahr zu Dürren, verschlimmere sich die Situation, weil die Konzentration von Schadstoffen in den Gewässern steige. Die Wissenschaftlerin kritisiert zudem das Testschema der Umweltbehörde als unzureichend. Der tatsächliche Zustand der britischen Gewässer sei vermutlich noch schlimmer, als die Untersuchung ergeben habe. Es würden zu wenige Umweltschadstoffe geprüft und die Messungen seien nicht häufig genug.</p>



<h2 class="wp-block-heading">BBC: Die Landwirtschaft wird als Verschmutzungsquelle oft übersehen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es um die Wasserqualität gehe, stünden meist die Wasserversorger in der öffentlichen Kritik, schreibt die «BBC». Ganz falsch sei das nicht: Derzeit lägen 23 offene Vollstreckungsbescheide gegen Wasserversorgungsunternehmen vor, in denen diese aufgefordert würden, die PFAS-Konzentrationen zu senken. Der Beitrag der Landwirtschaft zur Gewässerbelastung werde dabei häufig übersehen. Darauf weisen auch Umweltverbände hin. Besonders die Abwässer grosser Geflügelzuchtbetriebe stellten eine wachsende Bedrohung für einige Flüsse dar, erklärte Erica Popplewell von der Aktionsgruppe River Action gegenüber der BBC.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Greenpeace nannte die Daten «ernüchternd» und forderte die britische Regierung auf, dringend Massnahmen zu ergreifen, um die Chemikalienbelastung englischer Gewässer zu senken. Umweltorganisationen wie Wildlife Trust und Wildlife und Countryside Link (<a href="https://www.wcl.org.uk/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">WCL</a>) äusserten sich ähnlich. Grossbritannien steht bereits in der Kritik, weil die Regierung im Gegensatz zur EU bisher eher wenig gegen PFAS-Verschmutzung getan hat. Der irische Sänger und Wasseraktivist Feargal Sharkey warf der Regierung Versagen vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun müssten vor allem die Wasserversorger aktiv werden, sagte Ami McCarthy, Politikchefin von Greenpeace UK. Die Regierung müsse in Zusammenarbeit mit den Landwirten die Verschmutzung aus der Landwirtschaft eindämmen. Water UK, das die Wasserversorger vertritt, versicherte, man investiere Rekordsummen, um die Wasserqualität bis 2030 zu verbessern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang 2025 hatten die privaten Wasserversorger tatsächlich einem Aktionsplan zugestimmt, der zahlreiche Einzelmassnahmen und Investitionen von 22 Milliarden Pfund einschloss. Bezahlen müssen die Konsumentinnen und Konsumenten – <a href="https://www.theguardian.com/environment/2025/jan/29/water-industry-promises-22bn-of-environmental-investment-funded-by-rising-bills" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in Form höherer Wasserrechnungen</a>.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/unterschaetzte-gefahr-durch-polymere-flammschutzmittel/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Unterschätzte Gefahr durch polymere Flammschutzmittel</a> – Infosperber am 1. Mai 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/wasser-gewaesser/fast-alle-britischen-gewaesser-mit-pfas-belastet/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fast alle britischen Gewässer mit PFAS belastet</a> – Infosperber am 30. Juli 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/uebriges-gesellschaft/die-wasserprivatisierung-war-ein-teures-experiment/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Wasserprivatisierung war ein teures Experiment</a> – Infosperber am 25. Januar 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/britische-fische-sind-voll-mit-kokain/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Britische Fische sind voll mit Kokain</a> – Infosperber am 13. April 2024</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/ed5a8d0f49fe42c5876b8ffe0b250509" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die Menschensafari, die es vermutlich nicht gegeben hat</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/medien/medienkritik/die-menschensafari-die-es-vermutlich-nicht-gegeben-hat/</link>
					<pubDate>Fri, 14 Aug 2026 08:47:42 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Spiegel-Sarajevo-scaled-e1786357438960-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Spiegel-Sarajevo-scaled-e1786357438960-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Spiegel-Sarajevo-scaled-e1786357438960-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Spiegel-Sarajevo-scaled-e1786357438960-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Spiegel-Sarajevo-scaled-e1786357438960-1536x922.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Spiegel-Sarajevo-scaled-e1786357438960.jpg 1740w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Reiche sollen im belagerten Sarajevo Menschen erschossen haben: Die grosse Balkan-Story der letzten Jahre ist wohl eine Erfindung.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Seit einem Jahr diskutiere ich immer wieder mit einer Zürcher Anwältin mit italienischen Wurzeln, die diese Geschichte – sie hatte in Italien ihren Anfang genommen – minutiös verfolgte. Ihr Fazit blieb immer dasselbe: Die Quellenlage erschliesse sich ihr nicht. Die Schlagzeilen aber, sie waren eindeutig: RTL titelte «Menschen-Safari in Europa – Touristen haben Schwangere und Kinder gegen Bezahlung erschossen». Der <a href="https://www.spiegel.de/ausland/bosnien-staatsanwaltschaft-untersucht-menschenjagd-vorwuerfe-gegen-hobbyjaeger-a-42420dba-a8c6-4aca-80e8-73497fecbce5" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Spiegel»</a> schrieb im März 2026 von «reichen Europäern, die zur Menschenjagd nach Sarajevo reisten»: «Sie kamen übers Wochenende, schossen bevorzugt auf Frauen und Kinder, dann kehrten sie in ihr bürgerliches Leben zurück». Kurz darauf meldete das Blatt <a href="https://www.spiegel.de/ausland/bosnien-krieg-zahl-der-mutmasslichen-menschenjaeger-von-sarajevo-waechst-a-299f211e-7da7-451f-b372-598c6bc85574" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«immer mehr Verdächtige»</a>. Die «Zeit» schickte eine Reporterin nach Sarajevo, und obwohl die Journalistin keinen Beleg für die These findet, <a href="https://www.zeit.de/2026/20/belagerung-sarajevo-bosnien-scharfschuetzen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">lautete der Titel</a>: «50’000 Euro, um ein Kind zu erschiessen». Keine Fragezeichen, nirgendwo. «SRF» nannte die Vorwürfe zum «Sniper-Tourismus» «plausibel». Der «Tages-Anzeiger» <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/sarajevo-auch-schweizer-sollen-zivilisten-erschossen-haben-311646029687" target="_blank" rel="noreferrer noopener">titelte</a> im März 2026: «Ja, bei der Menschen­jagd waren auch Schweizer dabei».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Währen die Serben zwischen 1992 und 1995 Sarajevo belagerten, sollen Hunderte reiche Westeuropäer, organisiert von einer Art Reisebüro, viel Geld dafür bezahlt haben, um von serbischen Stellungen aus zum Vergnügen Zivilisten in der Stadt zu erschiessen. Frauen und Kinder zuerst. Die waren am teuersten. Eine Geschichte, die den Redaktionen einfach zu gut erschien, um nicht wahr zu sein. Sie musste einfach stimmen, egal, wie nebulös, wie unverschämt dünn die Quellenlage von Anfang an war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt, ein paar Monate später, scheint es, dass sich diese Horrorstory als Ente entpuppt (und die lauten Medien sind leise geworden).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anonyme Schattenrisse als Kronzeugen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie diese Geschichte entstand, wie gross sie werden konnte und dass sie aller Wahrscheinlichkeit nach ein dunkles Märchen ist, haben zwei Journalisten im Juli, in den Wochen des Sommerlochs, aufgedröselt: Krsto Lazarević, der mit Danijel Majić den Podcast <a href="https://ballaballa-balkan.de/episode/sarajevo-safari-medienhype-um-unbewiesene-menschenjagd-mit-michael-martens" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Ballaballa-Balkan»</a> betreibt und für Übermedien schreibt, und dessen Text zur Angelegenheit man <a href="https://uebermedien.de/118881/der-medienhype-um-eine-unbewiesene-menschenjagd/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier nachlesen</a> kann, sowie Michael Martens, «FAZ»-Korrespondent für Südosteuropa, dessen Recherchen vor Ort entscheidend dafür waren, die Widersprüche der Geschichte offenzulegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der «Ballaballa-Balkan» Podcast vom 24.&nbsp;Juli, wo Lazarević, Majić und Martens die «Sarajevo-Safari» auseinandernehmen, ist ein Lehrstück darüber, wie sich Geschichten verselbstständigen können.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-rich is-provider-soundcloud wp-block-embed-soundcloud"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="Sarajevo Safari - Medienhype um unbewiesene Menschenjagd by Neues vom Ballaballa-Balkan" width="800" height="400" scrolling="no" frameborder="no" allow="autoplay; encrypted-media" src="https://w.soundcloud.com/player/?visual=true&#038;url=https%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F2366899346&#038;show_artwork=true&#038;maxheight=1000&#038;maxwidth=800"></iframe>
</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihren Ursprung hat die Story 1995. Damals tauchte sie erstmals in italienischen Zeitungen auf. Es gab keine Belege für all das, es war alles Hörensagen. 2022 erschien dann der slowenische Film «Sarajevo Safari» von Miran Zupanič, der sich weitgehend auf einen einzigen anonymen Zeugen stützt. Es ist ein Mann, der von hinten gefilmt wird. Mit verfremdeter Stimme. Und der behauptet, für einen ausländischen Geheimdienst gearbeitet zu haben und deshalb von serbischen Einheiten zu den reichen Schützen geführt worden zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine anonyme Quelle – und daraus wurden dann Schlagzeilen, die um die Welt gingen. Aus dem Film wurde ein Buch, das im März 2026 erschienen ist: «I cecchini del weekend» («Die Wochenendschützen») des Mailänder Krimiautors Ezio Gavazzeni, der nie in Bosnien war und sein Büro laut «Ballaballa-Balkan»&nbsp;in einem Einkaufszentrum hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Beweisführung besteht aus Gesprächen mit durchweg anonymen Quellen, Leute mit Namen, die aus einem Kriminalroman stammen könnten: «Der Franzose». «Der Legionär». Herr X und Herr Y, und so weiter. «Der Franzose» behauptet, 230 Italiener hätten an den mörderischen Safaris teilgenommen, dazu ähnlich viele Franzosen und Belgier sowie «einige Schweizer und Österreicher», also insgesamt rund 500 Menschen, und auf dieses Buch stützen sich die Medien in ihrer Quellenarbeit. Wie die Journalisten Martens, Lazarević und Majić in Artikeln und ihrem Podcast darlegen, entpuppen sich praktisch alle überprüfbaren Details als falsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Flughafen, der gar nicht offen war</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Lazarević sagt im Podcast: «Wollen wir uns mal die Quellenlage anschauen? Das sollten wir tun, denn die ist ziemlich niederschmetternd.» Und dann zerfällt die grosse Balkan-Story der letzten Jahre vor unseren Augen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Beispiel: Die reichen Mörder sollen freitags von Triest nach Belgrad geflogen sein. Michael Martens: «Da konnte man nicht hinfliegen, der Flughafen war von 1992 bis Oktober 1994 gesperrt. Das heisst, dieser Gedanke, du setzt dich am Freitagnachmittag in Triest in den Flieger und fliegst nach Belgrad, der stimmt schon mal nicht.» Die sibirische Stadt Norilsk wird in «Die Wochenendschützen» kurzerhand auf den Balkan verlegt. Und der «Legionär» erzählt beiläufig, der serbische Kriegsverbrecher Arkan lebe heute auf Zypern – dabei war Arkan im Jahr 2000 in einer Belgrader Hotellobby erschossen worden. Safarimässig geschossen worden sein soll laut Krimiautor Gavazzeni zudem auch in Tuzla, wo die Frontlinie aber 16 Kilometer von der Stadt entfernt verlief, also ziemlich weit für jedes Scharfschützengewehr. Von den wenigen namentlich genannten Zeugen im Buch haben sich zwei distanziert: Ex-Geheimdienstler Edin Subašić bezweifelt die genannten Zahlen, der italienische Ex-Diplomat Michael Giffoni sagt, er sei zwar zitiert worden, aber erstens falsch und zudem sei er vom Autor gar nie kontaktiert worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der König ohne Namen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Buchautor Gavazzeni ist nicht der Einzige, der die Legende der Mörder-Safaris verbreitet hat. Einen Monat nach der Veröffentlichung von «Die Wochenendschützen», stellte der Kroate Domagoj Margetić im April 2026 sein eigenes Buch vor mit dem Titel «Plati i pucaj – Tajne sarajevskih ljudskih safarija» («Zahl und schiess – die Geheimnisse der Sarajevoer Menschensafaris»). Margetić bezeichnet sich selbst als «Investigativjournalist», arbeitet aber laut «Ballaballa-Balkan» seit Jahren für keine seriöse kroatische Redaktion mehr. Der Kroate behauptet, der heutige serbische Präsident Aleksandar Vučić habe als junger Mann Schützen betreut und deren Taten auf VHS gefilmt, um sie später zu erpressen. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="67" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-rot.png" alt="Spendenbalken rot" class="wp-image-699995" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-rot.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-rot-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-rot-768x51.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter den Schützen, so Margetić, sei sogar ein europäischer König gewesen, der dann zwischen den Einsätzen Frauen vergewaltigte. Nach dem Ausschlussprinzip – Belgien, Schweden oder Spanien – bliebe nur Juan Carlos übrig. Seine Hauptquellen wiederum sind tot und können nicht widersprechen, und konkrete Hinweise für seine Behauptungen finden sich nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Martens kritisch über Margetić berichtete, behauptete dieser in einem <a href="https://x.com/DomagojMargetic/status/2071161730676248749" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Video</a>, die «FAZ» sowie die CDU und ein früherer deutscher Geheimdienstkoordinator hätten sich verschworen, um die Geschichte zu vertuschen. Diesen Wirrwarr hat Kein seriöses Medium aufgegriffen. Seine unbelegten Vučić-Vorwürfe dagegen schon. Die wurden ungeprüft durch halb Europa zitiert, von El País bis zur <a href="https://www.bild.de/news/ausland/belagerung-sarajevos-nahm-serben-praesident-vucic-an-menschen-safaris-teil-691f2b6896738216c46b3ea9" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Bild»</a>. Der «Spiegel» kassierte dafür im Mai 2026 eine einstweilige Verfügung des Landgerichts Hamburg wegen <a href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien-und-film/medienpolitik/sarajevo-safari-serbien-praesident-vui-schlaegt-spiegel-accg-200882671.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Verletzung</a> der journalistischen Sorgfaltspflicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«So realistisch wie King Kong»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Martens, der für ein kritisches Interview mit dem serbischen Präsidenten Vučić mit dem <a href="https://www.reporterpreis.de/upload/25forumpreisinterview-68dc10cddb8dc.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Deutschen Reporterpreis</a> ausgezeichnet wurde und wie die Macher von «Ballaballa-Balkan» kein Freund des serbischen Präsidenten ist, verortet beispielsweise die Behauptung, der serbische Präsident sei als junger Mann an den Safaris beteiligt gewesen, im Bereich der Verschwörungstheorie, wie letztlich die ganze Safari-Geschichte </p>



<p class="wp-block-paragraph">«Ich halte davon überhaupt nichts», sagt der «FAZ»-Korrespondent für Südeuropa im Podcast «Ballaballa-Balkan». In seinem im Juli in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» (FAS)&nbsp;erschienen Text <a href="https://archive.is/jwAom" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Das Märchen von der Menschenjagd»</a>, in dem er der Geschichte vor Ort in Sarajevo nachging und sie dabei ins Reich des magischen Denkens verbannte, schrieb Martens: «Die FAS hat mit knapp einem Dutzend weiterer Personen gesprochen, die die Belagerung von Sarajevo überlebt oder sich mit dem Thema befasst haben. Das Ergebnis war immer das gleiche: Nicht nur gibt es keine Beweise für eine angebliche Menschenjagd durch reiche Ausländer in Sarajevo, es gibt nicht einmal plausible Indizien. Dafür aber viele Hinweise auf Widersprüche, Irrtümer und groteske Fehlurteile in dem Film und insbesondere in den beiden Büchern, die den ganzen Hype ausgelöst haben.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Fazit: «Die Geschichte von der bosnischen Menschenjagd durch Hunderte reicher Ausländer ist ungefähr so realistisch wie die Behauptung, King Kong sei während des Krieges aufgetaucht, um Sarajevo zu verteidigen. Mit einem Unterschied: Die Geschichte von King Kong als Retter Sarajevos ist so offenkundig erfunden, dass ausländische Medien sie nicht einfach nacherzählt hätten, als handele es sich dabei um eine Tatsache.»</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="481" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/BAlla-balla-1024x481.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-719297" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/BAlla-balla-1024x481.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/BAlla-balla-300x141.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/BAlla-balla-768x360.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/BAlla-balla-1536x721.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/BAlla-balla-2048x961.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Verdachtsberichterstattung ohne Verdachtsmomente, dafür mit Dementi: Die «Bild» lässt Vučić bestreiten, was sie selbst nie belegen konnte.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Wir wissen doch, was wir erlebt haben»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag sagten in 24 Jahren 4650 Zeugen aus. Ein amerikanischer Feuerwehrmann namens John Jordan erwähnte 2007 vage «Touristenschützen». Aber eine konkrete Aussage dazu gab es von keinem einzigen Zeugen, keiner einzigen Zeugin. Carla Del Ponte, von 1999 bis 2007 Chefanklägerin des Tribunals und notorisch furchtlos gegenüber Mafia und Oligarchen und vor allem auch gegenüber den serbischen Kriegsverbrechern, erwähne in ihren Memoiren «Im Namen der Anklage» die «Sarajevo Safari» mit keinem Wort, heisst es bei «Ballaballa-Balkan». Für eine Stellungnahme sei sie nicht zu erreichen gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Krimiautor Gavazzeni behauptet in seinem Buch, die Franziskanermönche von Sarajevo hätten von der ganzen Sache gewusst: Ein anonymer Zeuge namens «AC» will während des Kriegs einen namenlosen Mönch kennengelernt haben, der ihm mehrfach gesagt habe, er habe Italiener gesehen, «die die Arbeit von Scharfschützen machten». Fra Mirko Majdandžić, einer jener 28 Franziskaner, die die Belagerung tatsächlich in Sarajevo verbrachten, wies diese Behauptung gegenüber Michael Martens in der «FAS» zurück: Kein Mitbruder habe je von italienischen Menschenjägern gehört: «Wir wissen doch, was wir erlebt haben», sagte Majdandžić.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rund 350 Zivilistinnen und Zivilisten wurden in Sarajevo nachweislich von Scharfschützen getötet. Bis heute wurde niemand dafür verurteilt. Die Täter, mehrheitlich serbische Freiwillige, erfährt man bei «Ballaballa-Balkan», laufen nach wie vor unbehelligt herum, in Bosnien, in Serbien, in der Diaspora. Der kroatische Schriftsteller Milenko Jergović, der die Belagerung selbst überlebte, wird bei «Ballaballa-Balkan» zitiert: Die Legende von Touristen-Scharfschützen sei «eine Missachtung der echten Opfer». Vučić, gegen den die unbelegten Vorwürfe besonders wild wucherten, könne das Ganze am Ende nützen: Würden die Ermittlungen in Italien, Belgien und Österreich, die inzwischen wegen der Medienberichte aufgenommen wurden, im Sand verlaufen – was zu erwarten sei –, könne er sich als Opfer einer feindseligen Weltpresse inszenieren und echte Vorwürfe als «nur eine weitere Sarajevo-Safari-Geschichte» abtun. </p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>



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														</item>
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					<title>UBS: Es geht um Boni, den Aktienkurs und um Steuern</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/kapitalmarkt/ubs-es-geht-um-boni-den-aktienkurs-und-um-steuern/</link>
					<pubDate>Fri, 14 Aug 2026 08:47:26 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/UBS-Hauptsitz-Zuerich-e1786553324166-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="UBS Hauptsitz Zürich" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/UBS-Hauptsitz-Zuerich-e1786553324166-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/UBS-Hauptsitz-Zuerich-e1786553324166-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/UBS-Hauptsitz-Zuerich-e1786553324166-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/UBS-Hauptsitz-Zuerich-e1786553324166-1536x920.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/UBS-Hauptsitz-Zuerich-e1786553324166.png 1597w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Muss die UBS ihr Kapital weniger aufstocken, können sich vor allem CEO-Ermotti, Kader und Aktionäre freuen. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die Summe, um die es geht, beläuft sich je nach Quelle auf 9 bis 22 Milliarden Franken. Die höhere Zahl ergibt sich dann, wenn die UBS an den geplanten Aktienrückkäufen festhält und deshalb umso mehr neues Eigenkapital aufnehmen muss. Gehen wir also mal von dem aus Sicht der UBS ungünstigen Fall von rund 20 Milliarden neu zu beschaffendem Kapital aus. Damit soll die UBS laut Bundesrat die Risiken ihrer Auslandtöchter besser abdecken. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Will die UBS – was anzunehmen ist – ihre Bilanzsumme unverändert lassen, muss sie im selben Umfang Obligationen zurückzahlen oder auf Aktienrückkäufe verzichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der offizielle Grund für die bundesrätliche Forderung leuchtet ein: Je grösser das Eigenkapital der UBS, desto geringer die Gefahr, dass der Bund im Krisenfall eingreifen muss. Die UBS argumentiert, dass eine Kapitalerhöhung ihre «Konkurrenzfähigkeit» beeinträchtigen würde. Wahr daran ist, dass die Rendite auf dem Eigenkapital umso tiefer ausfällt, je höher das Eigenkapital ist. Konkret: Die Eigenkapitalrendite würde bei der von der UBS befürchteten Kapitalerhöhung um 20 Milliarden von aktuell 12,3 auf gut 10 Prozent sinken. Bei bloss 9 statt 20 Milliarden würde der Rückgang entsprechend geringer ausfallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die UBS könnte ein paar hundert Millionen sparen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum dies die UBS in ihrer Geschäftstätigkeit und Wettbewerbsfähigkeit behindern könnte, ist nicht nachvollziehbar. Im Gegenteil: Angenommen, die UBS zahlt mit den 20 Milliarden Dollar neu aufgenommenem Eigenkapital ausstehende US-Anleihen (für die sie aktuell rund 4,5 Prozent Zins zahlt) zurück, dann spart sie damit jährlich rund 900 Millionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der anderen Seite muss sie auf den neuen Aktien Dividenden bezahlen. Bleibt es bei der bisherigen Dividende von 1,10 Dollar pro Aktie, entsprechend einer Dividendenrendite von 2 Prozent, kostet das rund 370 Millionen Dollar. Die UBS könnte also ihre Kapitalkosten deutlich senken – und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um einen Teil der geforderten Kapitalerhöhung zu vermeiden, will die UBS nachrangige Wandelanleihen herausgeben, die im Falle einer drohenden Unterkapitalisierung in Aktien umgewandelt werden könnten. Für solche Wandelanleihen müsste sie aber aktuell einen Zins von rund 7 Prozent bezahlen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die UBS-Führung ist offenbar bereit, einen hohen Preis dafür zu bezahlen, dass sie ihre geplante Kapitalrückzahlung weiterführen kann. Warum? Eines ist klar: Eine Kapitalerhöhung und ein Verzicht oder eine Einschränkung des Aktienrückzahlungsprogramms würden sich – schon wegen der sinkenden Eigenkapitalrendite – negativ auf den Kurs der UBS-Aktie auswirken. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das käme dem UBS-Management teuer zu stehen. Deren Boni hängen nämlich im Rahmen des Long Term Incentive Plan&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/06/ubs-group-compensation-2024-de.pdf">LTIP</a>&nbsp;in hohem Masse von der Entwicklung der Rendite auf dem Eigenkapital ab. Im Falle von Sergio Ermotti könnte dies locker mehrere Millionen ausmachen, beim mittleren Kader geht es immerhin noch um Null bis 200&#8217;000 Franken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus der Sicht der Aktionäre sieht die Rechnung so aus: 20 Milliarden mehr Eigenkapital bedeuten, dass die UBS ihren Aktionären entsprechend weniger eigene Aktien zurückkaufen kann. Auszahlungen aus solchen Rückkäufen haben gegenüber Dividenden und Zinsen den Vorteil, dass sie nicht versteuert werden müssen. Da die Bezüger von Dividenden im Schnitt hohe Einkommen haben, können wir von einem marginalen (vermiedenen) Steuersatz von 30 Prozent ausgehen. Das entspricht einer Steuerersparnis von rund 6 Milliarden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch das ist noch nicht alles: Aufgrund der Unternehmenssteuererreform II von 2011 kann die UBS auch die Hälfte der ordentlichen Dividende steuerfrei auszahlen. Damit sind von der Rendite von insgesamt rund 6 Prozent (2 Prozent Dividende, rund 4 Prozent Rückkäufe) deren 5 von der Steuer befreit.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Steuervorteile werden von den Aktienmärkten mit hohen Aktienkursen honoriert, was wiederum dem Management nützt. Dieses hat deshalb allen Anlass, den Ruf der Bank als Steuerspar-Vehikel zu wahren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um das Ganze gesamtwirtschaftlich einzuordnen: Die Inflationsrate liegt aktuell bei 0,4 Prozent. Ein Sparkonto bei der UBS bringt 0,1 Prozent Zins, eine UBS-Obligation in Franken 1 bis 1,5 Prozent. Nach Abzug der Teuerung, der Spesen und der Steuern bleibt praktisch nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anders sieht es für die Aktionäre der UBS aus: Sie pochen auf eine weitgehend steuerfreie Rendite von rund 6 Prozent. (2 Prozent Dividende und rund 4 Prozent Aktienrückkauf). Wenn der Staat an diesem Renditeanspruch rüttelt, beklagt die UBS – mit Unterstützung der FDP und der &#171;NZZ&#187; – lauthals den Verlust ihrer Wettbewerbsfähigkeit und droht mit einem (kaum wahrscheinlichen) Wegzug.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zeigt: Reichtum bringt Rendite.&nbsp;&nbsp;</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Das Deutschlandticket wirkt</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/boden-raum-verkehr/das-deutschlandticket-wirkt/</link>
					<pubDate>Fri, 14 Aug 2026 08:47:06 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="181" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/494568886_18053508773222147_483363496705754276_n-e1786443408113-300x181.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="494568886_18053508773222147_483363496705754276_n" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/494568886_18053508773222147_483363496705754276_n-e1786443408113-300x181.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/494568886_18053508773222147_483363496705754276_n-e1786443408113-1024x616.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/494568886_18053508773222147_483363496705754276_n-e1786443408113-768x462.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/494568886_18053508773222147_483363496705754276_n-e1786443408113.jpg 1030w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Ein Fünftel der deutschen Bevölkerung nutzt das Pauschalticket. Die Gelegenheitsnutzer wandern allerdings zunehmend ab.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Mehr als die Hälfte aller Fahrten im öffentlichen Verkehr werden in Deutschland inzwischen mit dem Deutschlandticket finanziert. Rund 14 Millionen Nutzende legen damit etwa ein Drittel der Personenkilometer im deutschen ÖV-Netz zurück. Damit nutzt ein Fünftel der Bevölkerung Deutschlands das Pauschalticket, das im gesamten Regionalverkehr des Landes gilt. <a href="https://www.bahn.de/faq/pk/angebot/regionale-angebote/deutschland-ticket/nutzung/gueltigkeit" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nicht gültig</a> ist das «D-Ticket» im Fernverkehr wie dem IC oder ICE.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das sei eine «beachtliche Reichweite», resümiert der im Juli erschienene <a href="https://www.publikationen-bundesregierung.de/pp-de/publikationssuche/deutschlandticket-evaluation-2448888" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zwischenbericht des deutschen Verkehrsministeriums</a>. Das Deutschlandticket sei ein Erfolg. Der unkomplizierte Regionalfahrschein trage zur gesellschaftlichen Teilhabe bei, spare jährlich drei Millionen Tonnen CO₂ und bringe volkswirtschaftlich bis zu fünf Milliarden Euro ein, fassen die Projektpartner zusammen. An der laufenden Evaluation seit 2024 beteiligt sind das Bonner Infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft, das Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr der RWTH Aachen, die TU Dresden und die Kölner Unternehmensberatung Mobilité.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das «D-Ticket» soll weiter teurer werden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für regelmässige Diskussionen sorgt dabei der Preis: Das Billett, das 2022 als «<a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/boden-raum-verkehr/das-9-euro-ticket-gibt-es-auch-in-der-schweiz/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">9-Euro-Ticket</a>» begann, kostet mittlerweile 63 Euro im Monat. Und es soll noch teurer werden. Ab 2027 soll der Preis für das Deutschlandticket auf 66,40 Euro steigen. Bund und Länder, die das Angebot mit jeweils 1,5 Milliarden Euro im Jahr finanzieren, wollten ihren Anteil <a href="https://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/deutschlandticket-kostet-2027-mehr-bund-und-laender-frieren-zuschuesse-ein-5-114948654" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zuletzt nicht weiter erhöhen</a>. Zum Vergleich: Die deutsche Regierung gab in den Monaten Mai und Juni mehr als 1,6 Milliarden Euro für die Spritpreisbremse aus, um die Bevölkerung zu entlasten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von 2024 auf 2025 stiegen die Umsätze mit dem Deutschlandticket wegen der Preiserhöhung von 49 auf 58 Euro um 25 Prozent. Die Kosten steigen jedoch weiter. Zuletzt erhöhten sich die <a href="https://www.schienennahverkehr.de/hoehere-trassenpreise-im-spnv-gefaehrden-verkehrsangebote/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Trassenpreise</a> im <a href="https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/20260722_Trassenengelte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Personennahverkehr</a> deutlich. Und auch die gestiegenen Dieselpreise erhöhen die Kosten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Preis hat kaum Einfluss auf den Absatz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Den Konsumentinnen und Konsumenten scheint der steigende Preis des Deutschlandtickets relativ egal zu sein. Statistisch gesehen zumindest. Den Absatz des Deutschlandtickets habe er kaum beeinflusst. Auch die im Frühjahr gestiegenen Kraftstoffpreise hätten bis zum April keinen Einfluss gehabt, stellt der Zwischenbericht fest. Geändert habe sich aber die Zusammensetzung der Nutzenden. Der Durchschnittskunde nutze das Ticket inzwischen mehr als 30-mal im Monat, 2024 waren es noch 25-mal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders beliebt ist das Deutschlandticket in dicht besiedelten Ballungsräumen wie Hamburg und Berlin. Es spielt aber auch in der Fläche eine wichtige Rolle – etwa in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Fahrten von Erwerbstätigen im ländlichen Raum haben zuletzt deutlich zugenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Analyse zeigt aber auch: Wer den ÖV nicht nutzt oder keine ausreichenden Mobilitätsoptionen für sich sieht, ist am Deutschlandticket kaum interessiert. Dennoch könnte die Bahn damit mehr Nutzende erreichen: Der Zwischenbericht sieht ein Wachstumspotenzial von mehr als fünf Millionen Kundinnen und Kunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen Teil davon müsse die Bahn einfach nur besser binden oder wieder zurückholen. Neben der wachsenden Zahl von Vielnutzern gibt es nach der Analyse inzwischen eine ganze Reihe ehemaliger Nutzer sowie solche, die das D-Ticket nur in einzelnen Monaten kaufen. Und da spielt der Preis durchaus eine Rolle: On-Off-Nutzende geben in Monaten ohne Deutschlandticket etwa 32 Euro für den öffentlichen Verkehr aus – rund die Hälfte des aktuellen Preises.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Volkswirtschaftlich ein Gewinn</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Deutschlandticket müsse unbedingt günstiger werden, bekräftigte <a href="https://www.greenpeace.de/klimaschutz/mobilitaet/9-euro-ticket-weitergehen" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Greenpeace</a> im Mai erneut. Dann sei es nicht nur kostenneutral, sondern generiere für Bund und Länder sogar Geld. Das rechnete die Umweltorganisation im vergangenen Jahr in einer Studie vor, über die <a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/boden-raum-verkehr/das-deutschlandticket-finanziert-sich-selbst/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Infosperber» ausführlich berichtete</a>. Greenpeace schwebte dabei ein Preis von 29 Euro vor. Die Zahl der Nutzenden würde sich laut Greenpeace dadurch etwa verdoppeln, zum Wohle der Volkswirtschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Deutschlandticket bringe volkswirtschaftlich zwischen 3,5 und 5 Milliarden Euro im Jahr, so der Zwischenbericht. Das sei eher konservativ geschätzt. Einige Effekte, wie der Einfluss des unkomplizierten Fahrscheins auf die Teilhabe, lassen sich dabei nur schwer schätzen. Umweltkosten wie eingespartes CO₂ dagegen sehr gut:</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="754" height="638" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-09-094006.png" alt="Screenshot 2026-08-09 094006" class="wp-image-719651" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-09-094006.png 754w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-09-094006-300x254.png 300w" sizes="auto, (max-width: 754px) 100vw, 754px" /><figcaption class="wp-element-caption">Das Deutschlandticket hat volkswirtschaftliche Effekte von bis zu fünf Milliarden Euro im Jahr </figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Das «P-Wort» bleibt ausgespart</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Um einen Akzeptanzfaktor drückt sich der Bericht auffallend: Das Wort «Pünktlichkeit» kommt nur ein einziges Mal vor. Und zwar in Form von «Pünktlichkeitsquoten»: <em>«Der Anteil der Befragten, die ein zu schlechtes ÖPNV-Angebot als Hauptgrund für den Nichtkauf nennen, stieg von 10 Prozent im vierten Quartal 2024 auf über 20 Prozent im ersten Quartal 2026. In diese Antwortkategorie fallen häufige Ausfälle, Sperrungen, Streiks und die regional feststellbaren Rückgänge bei den Pünktlichkeitsquoten»</em>, schreiben die Autorinnen und Autoren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn ist schlicht schaurig – in jeder Statistik. Speziell derzeit während der Sommerferien, während derer noch mehr gebaut wird als ohnehin schon. Ein Grund dafür, dass sich die Unzuverlässigkeit nicht deutlicher niederschlägt, dürfte die vergleichsweise hohe Pünktlichkeit im Regionalverkehr sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juli hatte nach Angabe der <a href="https://www.deutschebahn.com/de/konzern/konzernprofil/zahlen_fakten/puenktlichkeitswerte-6878476" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Deutschen Bahn</a> fast jeder zweite Zug im Fernverkehr Verspätung, bei der DB Regio waren nur 12 Prozent der Züge unpünktlich. Zum Vergleich: Die SBB hatten im Fernverkehr 2025 eine Pünktlichkeitsquote von <a href="https://www.youtube.com/watch?v=VhRpaFGOs0w" target="_blank" rel="noreferrer noopener">92 Prozent</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor «Verspätung eines vorausfahrenden Zugs» ist der Regionalzug allerdings nicht gefeit. Mit dem Deutschlandticket längere Strecken zu fahren, bedeutet aber auch häufiges Umsteigen von einer Regionalbahn zur anderen. Wer Umsteigezeiten grosszügig plant, kommt am Ende oft doch pünktlich an. Und es kommt darauf an, wo man fährt: Von den Regionalanbietern <a href="https://www.facebook.com/people/Der-Lokf%C3%BChrer/100063498543539/?tn=-UC*F" target="_blank" rel="noreferrer noopener">am pünktlichsten</a> war 2025 die <a href="https://www.bwegt.de/schiene/qualitaet-im-spnv" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SBB Deutschland, gefolgt von der Schwäbischen Alb-Bahn</a> und den S-Bahnen Berlin und Hamburg.</p>



<h2 class="wp-block-heading">«Auf der Strasse sieht es nicht besser aus»</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Da muss man schon Optimist sein wie Detlef Neuß, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn. Er sieht kein Problem bei der Akzeptanz der Deutschen Bahn. Wenigstens nicht im Vergleich zur Strasse. Der Trend gehe weg vom Auto. «Da wachsen ja immer noch [Kund:innen] nach», sagte er Anfang August zur «Augsburger Allgemeinen».</p>



<p class="wp-block-paragraph">So desaströs die Bahn im Augenblick teilweise auftrete, auf den Strassen sehe es nicht besser aus: «Riesige Baustellen, kaputte Brücken und die Staus nehmen immer weiter zu», führte er aus. Den Preis des Deutschlandtickets hält er für «verkraftbar». Verlieren werde die Bahn eventuell aber Personengruppen wie Rentner und Rentnerinnen, für die ein Regionalabo in einigen Fällen günstiger sei. Dass Bund und Länder ihre Beiträge zum Deutschlandticket einfrieren und die Fahrgäste die Mehrkosten tragen, hält er hingegen für nicht akzeptabel.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/boden-raum-verkehr/das-deutschlandticket-finanziert-sich-selbst/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Das Deutschlandticket finanziert sich selbst</a> – Infosperber am 30. April 2025</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/3d006f340b414574886110ced5012192" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Pangram – der «KI»-Detektiv im Test</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/kuenstliche-intelligenz/pangram-der-ki-detektiv-im-test/</link>
					<pubDate>Thu, 13 Aug 2026 08:43:27 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=717273</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-IMG_1927-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach IMG_1927" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-IMG_1927-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-IMG_1927-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-IMG_1927-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-IMG_1927-1536x921.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-IMG_1927-2048x1228.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Seit Wochen ist von Pangram die Rede. Taugt der «KI»-Detektiv etwas? Ja. Das zeigt eine kleine Stichprobe von Infosperber.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Eines vorweg: Ich nutze sogenannte Künstliche Intelligenz nicht. Weder zum Verfassen eines Artikels, noch zum Verbessern oder Veredeln. Doch jetzt habe ich eine Ausnahme gemacht. Seitdem vor allem in Deutschland immer häufiger bekannt wird, dass sich Politiker und Journalisten der «KI» bedienen, ohne es zu deklarieren, ist oft von <a href="https://www.pangram.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pangram</a> die Rede: einem Programm, das herausfinden soll, ob ein Text von einem Menschen oder von «KI» verfasst worden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch was taugt Pangram überhaupt? Um das herauszufinden, habe ich das Programm mit drei Sorten von Texten gefüttert:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>mit Artikeln von mir,</li>



<li>mit Artikeln von mir, die ich von «KI» hatte veredeln lassen,</li>



<li>und mit Artikeln, die ich von «KI» nach meinen Vorgaben hatte verfassen lassen.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mein eigener Text</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Erstes habe ich Pangram mit einem <a href="https://www.infosperber.ch/medien/der-unfug-mit-dem-datenjournalismus/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Artikel</a> von mir gefüttert. Der Artikel war eine Kritik an einer Datenanalyse zur Häufigkeit von Velounfällen in Schweizer Städten, die Anfang August in den Zeitungen des Tamedia-Verlags erschienen war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pangram lieferte das Resultat innert Sekundenbruchteilen: «100 % of this text ist Human written.» Auf deutsch: Dieser Text ist zu 100 Prozent von einem Menschen verfasst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Test bestanden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="444" height="413" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-04-at-11-14-20-History-Pangram-Labs.png" alt="Screenshot 2026-08-04 at 11-14-20 History Pangram Labs" class="wp-image-717219" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-04-at-11-14-20-History-Pangram-Labs.png 444w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-04-at-11-14-20-History-Pangram-Labs-300x279.png 300w" sizes="auto, (max-width: 444px) 100vw, 444px" /><figcaption class="wp-element-caption"> </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die originellere Version</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem zweiten Schritt forderte ich Chat-GPT dazu auf, meinen Text «origineller» zu formulieren. Die Antwort: «Gerne!» Ich solle den Text liefern, dann formuliere Chat-GPT</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>«origineller und lebendiger,</li>



<li>mit abwechslungsreicherem Satzbau,</li>



<li>flüssiger und moderner,</li>



<li>ohne die Kernaussagen oder Fakten zu verändern».</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Dann folgte noch der Hinweis: «Ich achte ausserdem darauf, dass der Text natürlich klingt und nicht übertrieben oder künstlich wirkt.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Titel lautete nun nicht mehr: «Der Unfug mit dem Datenjournalismus.» Sondern: «Der Irrweg des Datenjournalismus.» Den von Chat-GPT origineller formulieren Artikel finden sie <a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/260804-Chat-GPT-origineller.docx" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und was sagte Pangram dazu? Das Urteil fiel differenziert aus: «67 % of this text is AI.» Auf deutsch: 67 Prozent dieses Textes stammt von einer «KI». Und Pangram präzisierte sogar: «Mostly AI-generated and AI-assisted, human-written opening.» Also: grösstenteils «KI»-generiert und «KI»-unterstützt, von einem Menschen verfasster Einstieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Test bestanden. Pangram hatte festgestellt, dass es eine Mischform ist.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="444" height="535" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-04-at-11-07-51-AI-Detection-Dashboard-Pangram-Labs.png" alt="Screenshot 2026-08-04 at 11-07-51 AI Detection Dashboard Pangram Labs" class="wp-image-717223" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-04-at-11-07-51-AI-Detection-Dashboard-Pangram-Labs.png 444w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-04-at-11-07-51-AI-Detection-Dashboard-Pangram-Labs-249x300.png 249w" sizes="auto, (max-width: 444px) 100vw, 444px" /><figcaption class="wp-element-caption"> </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Noch satirischer und bissiger</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war noch nicht ganz zufrieden mit Chat-GPT. Und das teilte ich auch mit. Chat-GPT schlug daher vor: «Wenn gewünscht, kann ich den Text auch noch satirischer und bissiger im Stil einer Medienkolumne formulieren.» Das wollte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun lautete der Titel: «Der grosse Datenzauber: Wie man aus schlechten Zahlen gute Schlagzeilen macht.» Von meinem ursprünglichen Text war nun nicht mehr viel vorhanden. Viele Formulierungen waren forciert originell. Um nicht zu sagen: doof. Diesen Vorschlag von Chat-GPT können Sie <a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/260804-Chat-GPT-satirischer.docx" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier </a>nachlesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Pangram war der Fall nach der zweiten «Veredelung» klar: «100 % of this text is AI.» Das heisst: 100 Prozent dieses Textes stammen von «KI». Der Vorschlag von Chat-GPT hatte mit meinem Artikel in der Tat so gut wie nichts mehr gemein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Test bestanden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="444" height="413" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-04-at-11-13-19-AI-Detection-Dashboard-Pangram-Labs.png" alt="Screenshot 2026-08-04 at 11-13-19 AI Detection Dashboard Pangram Labs" class="wp-image-717221" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-04-at-11-13-19-AI-Detection-Dashboard-Pangram-Labs.png 444w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-04-at-11-13-19-AI-Detection-Dashboard-Pangram-Labs-300x279.png 300w" sizes="auto, (max-width: 444px) 100vw, 444px" /><figcaption class="wp-element-caption"> </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Arbeit der «KI» überlassen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem letzten Schritt machte ich es mir einfach. Ich gab Chat-GPT den Auftrag: «Schreib mir einen Zeitungsartikel darüber, welche Schweizer Städte für Velofahrer besonders gefährlich sind. Der Titel darf maximal 63 Zeichen lang sein. Der Lead 131 Zeichen lang.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chat-GPT machte sich nicht sofort an die Arbeit. Zuerst fragte die «KI» noch «welche Aussage der Artikel vertreten» solle:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>«Tamedia-Ranking übernehmen,</li>



<li>Tamedia-Ranking kritisch hinterfragen,</li>



<li>neutrale Einordnung beider Sichtweisen,</li>



<li>eigene Daten oder Fakten einarbeiten».</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Ich entschied mich für die unkritische Variante. Nun titelte Chat-GPT: «Zug führt das Ranking der gefährlichsten Velostädte an.» Titel- und Leadlänge waren in Ordnung. Es folgte sogar noch ein Angebot: «Falls der Artikel wie ein klassischer Zeitungsbericht der CH-Media, Tamedia oder der NZZ klingen soll, kann ich den Stil noch näher an diese Redaktionen anlehnen.» Ich verzichtete. Den Artikel finden Sie <a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/260804-Chat-GPT-selbstaendig.docx" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch diesmal war es für Pangram keine Frage: «100 % of this text is AI.» Das heisst: 100 Prozent dieses Textes stammen von «KI».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Test wieder bestanden.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="444" height="413" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-04-at-11-13-19-AI-Detection-Dashboard-Pangram-Labs.png" alt="Screenshot 2026-08-04 at 11-13-19 AI Detection Dashboard Pangram Labs" class="wp-image-717221" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-04-at-11-13-19-AI-Detection-Dashboard-Pangram-Labs.png 444w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-04-at-11-13-19-AI-Detection-Dashboard-Pangram-Labs-300x279.png 300w" sizes="auto, (max-width: 444px) 100vw, 444px" /><figcaption class="wp-element-caption"> </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Immer zuverlässig</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">So verfuhr ich mit insgesamt zehn Artikeln von mir. Zuerst liess ich das Original von Pangram prüfen, dann den von Chat-GPT, Claude, Gemini, Grok oder Perplexity veränderten Artikel und schliesslich einen von diesen «KI» selbständig verfassten Artikel zum Thema.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pangram war immer zuverlässig. Die Artikel von mir beurteilte das Programm stets als «human written», veränderte Artikel als Mischform und «KI»-Texte als «AI-generated». Natürlich kann Pangram keine hieb- und stichfesten Beweise liefern, aber Hinweise schon.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/medien/die-ki-richtlinien-der-medien-sind-ein-witz/">Die KI-Richtlinien der Medien sind ein Witz</a>, Infosperber vom 12. Juni 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/c3843999f77d468dac68c1350b5db389" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die Modellrechner und ihre Horrorprognosen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/die-modellrechner-und-ihre-horrorprognosen/</link>
					<pubDate>Thu, 13 Aug 2026 08:41:43 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=717099</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="176" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-23-um-15.06.17-300x176.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="mathematische Formeln" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-23-um-15.06.17-300x176.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-23-um-15.06.17-768x451.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-23-um-15.06.17.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Modellierer sagten zu Pandemiebeginn Zehntausende Corona-Tote für die Schweiz voraus. Sie lagen schon früher oft daneben.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Am 13. März 2020 forderten 25 Schweizer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem offenen Brief, der Bundesrat solle die &#171;ausserordentliche Lage&#187; ausrufen und <a href="https://www.parlament.ch/centers/documents/de/Bericht%20der%20PVK%20vom%2024.8.2022%20(ohne%20Sperrfrist)%20D.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">strengere Massnahmen</a> verhängen. Zu den Unterzeichnern gehörte neben Christian Althaus auch der Zürcher Neuropathologe Adriano Aguzzi. Das Corona-Virus verbreite sich wie ein Lauffeuer, warnte Aguzzi in den CH-Media-Zeitungen. Es brauche unbedingt einen Lockdown. «Wir erwarten 60’000 Todesfälle bis Juli», zitierte ihn die «<a href="https://weltwoche.ch/story/streit-um-professor-panik/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weltwoche</a>». Tatsächlich waren zu diesem Zeitpunkt dann etwa <a href="https://www.covid19.admin.ch/de/epidemiologic/death?sum=cumulative&amp;epiZoomDev=2020-03-01_2021-01-03&amp;epiRelDeathCause=abs&amp;epiRelDev=abs&amp;demoView=graph&amp;epiZoomDemo=2020-03-01_2023-11-19&amp;epiRelDemo=abs" target="_blank" rel="noreferrer noopener">1735</a> Menschen in der Schweiz an oder mit Covid verstorben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">SVP-Politiker Christoph Mörgeli hielt Aguzzi in der «<a href="https://weltwoche.ch/story/streit-um-professor-panik/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weltwoche</a>» unter die Nase, dass er im Jahr 2000 «von 10’000 möglichen BSE-Toten in der Schweiz&#187; gesprochen hatte, &#171;wobei schliesslich kein einziger Mensch gestorben ist». Umstritten sei auch Aguzzis Behauptung geblieben, «in Europa seien 100 Millionen Menschen mit dem BSE-Erreger in Kontakt gekommen». Nun meinte Aguzzi dazu: «Dass es keine 10’000 Toten geworden sind, liegt daran, dass der Bundesrat auf den Rat der Wissenschaft gehört hat und sehr schnell die Risiko-Organe der Rinder verboten hat.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch andere hatten sich schon getäuscht: Beim Ebola-Ausbruch von 2014 bis 2016 in Westafrika beispielsweise rechnete eine von den US-Gesundheitsbehörden präsentierte Studie vor, dass sich in den nächsten Monaten bis zu eine halbe Million Menschen infizieren könnten. «Tatsächlich waren es am Schluss weniger als 30’000», stellte die «<a href="https://www.nzz.ch/wissenschaft/wann-erreicht-die-epidemie-ihren-hoehepunkt-ld.1540284" target="_blank" rel="noreferrer noopener">NZZ</a>» fest. Diese Modellrechnung sei &#171;politisch motiviert&#187; gewesen, sagte der Berner Wissenschaftler Christian Althaus der Zeitung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Schätzung zum Corona-Virus beruhte ebenfalls auf einer mathematischen Modellrechnung. Modellierer versuchen, im Computer die Welt abzubilden. In dieser mathematischen Modellwelt sagen sie den Verlauf einer Pandemie voraus und können Szenarien durchspielen. Für ihre Berechnungen müssen die Modellierer jedoch Annahmen treffen. Liegen diese daneben, sind auch ihre Schlüsse falsch. Das war in der Vergangenheit mehrmals passiert. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Althaus berief sich unter anderem auf die Modellierer des Imperial College in London. In einem Warnbrief an den Bundesrat schrieb er am 25. Februar 2020: &#171;Auch wenn nach wie vor Unsicherheiten bestehen, macht die <a href="https://www.imperial.ac.uk/mrc-global-infectious-disease-analysis/disease-areas/covid-19/report-4-severity-of-covid-19/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie</a> [des Imperial College – Red.] deutlich, dass wir mit einer Sterblichkeit von 1 Prozent [&#8230;] über alle Infektionsfälle (asymptomatisch und symptomatisch) ausgehen müssen. Diese Resultate wurden von unserer eigenen Analyse und anderen Studien bestätigt, und im Situationsbericht der WHO vom 19. Februar 2020 präsentiert.&#187; Tatsächlich hatte die WHO Schätzungen von <a href="https://www.who.int/docs/default-source/coronaviruse/situation-reports/20200219-sitrep-30-covid-19.pdf">0,3 bis 1 Prozent</a> genannt. Althaus und die anderen drei Absender des Warnbriefs erwähnten dort aber nur den oberen Wert.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Falsch gelegen – oder nicht?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Berner Wissenschaftler Christian Althaus, ehemaliges Mitglied der Science Taskforce, «lag offensichtlich falsch». Das sagte John Ioannidis, Professor für Medizin, Epidemiologie und Bevölkerungsgesundheit sowie für Datenwissenschaft an der Stanford University, kürzlich im Interview mit <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/corona-serioese-wissenschaftler-waren-voellig-unterlegen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Infosperber</a>.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Christian Althaus widerspricht dem. Er bleibt auch jetzt dabei, dass er mit seiner anfänglichen Schätzung von einem Prozent Infektionssterblichkeitsrate zum damaligen Zeitpunkt Ende Februar 2020 richtig lag.&nbsp;Infosperber geht in einer fünfteiligen Serie der Frage nach, wer richtig lag.</p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Schreckensprognosen aus London</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den Modellierern des Imperial College war ebenfalls Skepsis angebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2001 zum Beispiel wurden in Grossbritannien bei einem Ausbruch von Maul- und Klauenseuche rund zehn Millionen Tiere gekeult – aufgrund von Modellberechnungen, «<a href="https://doc.woah.org/dyn/portal/index.xhtml?page=alo&amp;aloId=30541" target="_blank" rel="noreferrer noopener">die nicht validiert worden waren</a>», also nicht an der Realität überprüft. Auch hier waren Imperial College-Wissenschaftler beteiligt. Andere Wissenschaftler kritisierten <a href="https://www.science.org/doi/10.1126/science.1176062" target="_blank" rel="noreferrer noopener">diese</a> <a href="https://www.nature.com/articles/35097116" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Modellrechnungen</a> später, die wohl massgeblich zum Entscheid für das Massenkeulen beigetragen hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 2002 schreckte das Imperial-Team die Öffentlichkeit auf, als es «im schlimmsten Fall» <a href="https://www.nature.com/articles/nature709" target="_blank" rel="noreferrer noopener">150’000 Todesfälle</a> durch BSE in Grossbritannien voraussagte. Die Untergrenze ihrer Prognosen lag bei lediglich 50 Todesfällen – ein Wert, der der tatsächlichen Opferzahl <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0169207020301199" target="_blank" rel="noreferrer noopener">nahekam</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Schweinegrippe hatte das Imperial-Team für Grossbritannien <a href="https://www.theguardian.com/uk/2009/jul/16/swine-flu-cases-rise-britain" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zwischen 3100 und 65’000</a> Todesfälle vorausgesagt. Es waren dann <a href="https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/61252/the2009influenzapandemic-review.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">457</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Althaus war also gewarnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Falsche Modellierungen hatten keine Konsequenzen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gefährlichkeit eines neuen Erregers einzuschätzen, sei jedes Mal «eine Herausforderung», erläuterte das Wissenschaftsmagazin «<a href="https://www.science.org/content/article/beast-moving-very-fast-will-new-coronavirus-be-contained-or-go-pandemic" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Science</a>» und verwies auf die Schweinegrippe: Zu Beginn hätten anno 2009 viele befürchtet, es könne sich um eine besonders gefährliche Virusvariante handeln. «Es dauerte Monate, bis feststand, dass das neue Virus nur bei etwa 1 von 10’000 Patienten zum Tod führte.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Trotz dieser offensichtlichen Fehlschläge gedieh die Epidemievorhersage weiterhin prächtig, möglicherweise weil selbst grob fehlerhafte Prognosen in der Regel <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0169207020301199" target="_blank" rel="noreferrer noopener">keine schwerwiegenden Konsequenzen</a> hatten», stellte der Epidemiologe John Ioannidis fest und warnte zu Beginn der Corona-Pandemie scharf: Falsche Prognosen könnten bei Covid-19 «Milliarden von Menschen in Bezug auf Wirtschaft, Gesundheit und gesellschaftliche Verwerfungen schwer treffen.» Die Diskussion über schlechte Modellierungen, die zudem meist nur einen von vielen Aspekten modellierten, sei deshalb nicht bloss akademisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Krasse Fehleinschätzungen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ioannidis gehört zu den berühmtesten zeitgenössischen Wissenschaftlern. Er ist Professor für Medizin, Epidemiologie und Bevölkerungsgesundheit sowie für Datenwissenschaft an der Universität Stanford, beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Meta-Analysen und er setzt sich seit langem für bessere Qualität der Wissenschaft ein.&nbsp;Seine Bilanz im Sommer 2020 im «<a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32863495/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">International Journal of Forecasting</a>»: «Die Epidemievorhersage bei Covid-19 ist gescheitert.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ioannidis zählte diverse Vorhersagen von verschiedenen wissenschaftlichen Modellierern auf, die sich in der Corona-Pandemie krass verschätzt hatten. Einige Beispiele:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://www.realclearpolitics.com/video/2020/03/27/ezekiel_emanuel_us_will_have_100_million_cases_of_covid-19_in_four_weeks.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">100 Millionen US-Amerikaner</a> würden binnen vier Wochen infiziert sein, lautete beispielsweise eine Warnung Ende März 2020.</li>



<li>Beim Wiederöffnen nach dem Lockdown sagten Modellierer für den US-Bundesstaat Georgia innerhalb eines Monats 23’000 Todesfälle voraus – es wurden 896.&nbsp;</li>



<li>Kalifornien benötige 500’000 zusätzliche Spitalbetten, prognostizierten andere. Es stellte sich heraus: Weniger als fünf Prozent der Spitalbetten wurden dort von Covid-Patienten belegt. &nbsp;</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Modelle sind Hypothesen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wissenschaftler der Universität Massachusetts zeigten in einer Grafik die Beliebigkeit. Aus den unterschiedlichen Prognosen liess sich alles herauslesen:</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="513" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-22-um-17.19.43.png" alt="Grafik Modellierungen Covid-Todesfälle" class="wp-image-713571" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-22-um-17.19.43.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-22-um-17.19.43-300x192.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-22-um-17.19.43-768x492.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Verschiedene mathematische Modelle prognostizierten Anfang Juni 2020 (ab der gestrichelten Linie) für die USA in den folgenden drei Wochen weniger als 100 bis über 16&#8217;000 Covid-Tote. Die Skala links beziffert die Zahl der Todesfälle.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mitläufertum bei den Wissenschaftlern, Schlagzeilen bei den Medien</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ioannidis nannte eine Reihe von möglichen <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0169207020301199" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gründen</a>, weshalb die Modellrechner so oft daneben lagen: Zu fachlichen Schwächen gesellten sich fehlende Daten, mangelnde Transparenz, eindimensionale Betrachtungsweise, Gruppendenken und Mitläufertum – und die Medien berichteten öfter und mit grösseren Schlagzeilen, wenn ein Szenario extrem ausfiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Berner Wissenschaftler Christian Althaus hatte zu Beginn der Pandemie öffentlich in <a href="https://www.nzz.ch/schweiz/experte-zum-corona-ausbruch-man-muss-jetzt-nicht-die-halbe-schweiz-unter-quarantaene-stellen-ld.1542713" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schweizer</a> <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/moeglicherweise-ist-das-virus-schon-hier-536885661090" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Medien</a> gewarnt, dass etwa ein Prozent aller Sars-CoV-2 Infizierten – einberechnet diejenigen ohne oder nur mit leichten Symptomen – an Covid sterben würden. Die Medien griffen diese Aussage breit auf. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sie nicht berichteten: Schon kurz danach ruderten Althaus und seine Kollegen und Kolleginnen um die Hälfte zurück. In einer mathematischen Modellierung, die sie im März 2020 bei der Fachzeitschrift «<a href="https://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.1003189" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Plos Medicine</a>» einreichten, schätzten die Wissenschaftler die Infektionssterblichkeitsrate für die Schweiz auf etwa 0,5 Prozent. Als das Ergebnis im Juli 2020 veröffentlicht wurde, informierte Althaus auf Twitter pauschal: Zwischen 0,5 und 1,4 Prozent aller Corona-Infizierten in Österreich, Baden-Württemberg, Bayern, der Lombardei, Spanien und der Schweiz würden sterben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Medien griffen diese Nachricht nicht auf.*</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vier Jahre nach Pandemiebeginn veröffentlichten Christian Althaus und mehrere Kolleginnen und Kollegen einen Fachartikel, den man stellenweise wie eine Rechtfertigung deuten kann. Nicht alle Modellierungen seien &#171;darauf ausgelegt, Vorhersagen zu treffen. Szenariomodelle dienen nicht dazu, das wahrscheinlichste Ergebnis vorherzusagen, sondern mögliche Verlaufsverläufe&#187;, verteidigten sich die Forscherinnen und Forscher in «<a href="https://www.healthaffairs.org/doi/10.1377/hlthaff.2023.00688" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Health Affairs</a>». Von den Szenarien, welche Modellierer darstellen, würden &#171;einige möglicherweise niemals eintreten&#187;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie erklären, wie wichtig gute Kommunikation sei, bei der die Modellierer auch &#171;die Grenzen und Unsicherheiten des Modells&#187; aufzeigen, &#171;um Fehlinterpretationen, eine falsche Anwendung oder übermässiges Vertrauen in die prognostizierten Zukunftsszenarien zu vermeiden&#187;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem geben sie an, dass sich die meisten epidemiologischen Modelle darauf konzentrierten, die Folgen von Massnahmen auf die Covid-Fallzahlen zu modellieren. &#171;Wirtschaftliche, bildungspolitische, psychische und politische Auswirkungen wurden selten berücksichtigt.&#187; Das war genau der Punkt, auf den John Ioannidis von Anfang an hingewiesen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">_____________________</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">*Die Medien erwähnten auch nicht, was Althaus und seine Kollegen inzwischen bemerkt hatten: Wenn sie ihre mathematische Modellierung für die chinesische Provinz um Wuhan vor dem Gipfel einer Coronawelle machten, überschätzten sie die Sterblichkeitsrate. Zudem errechnete das Team um Althaus dort eine höhere Infektions- (IFR) als Fallsterblichkeitsrate (CFR). Das ist verwunderlich, denn normalerweise ist die IFR <a href="https://healthjournalism.org/glossary-terms/case-fatality-rate-vs-infection-fatality-rate/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">immer niedriger</a> als die CFR.</p>



<p class="wp-block-paragraph">_____________________</p>



<p class="has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>➞ Lesen Sie demnächst Teil 3.</strong></p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li>Hier <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/corona-angst-wurde-mit-wilden-und-wirren-zahlen-angeheizt-1/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Teil 1</a> dieses Artikels.</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/corona-lockdown-falsche-prognosen-der-regierungsberaterin/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Corona-Lockdown: Falsche Prognosen der Regierungsberaterin</a>, Infosperber vom 27.11.2023</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/who-verliert-datenhoheit-an-privat-gesponsertes-us-institut/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">WHO verliert Datenhoheit an privat gesponsertes US-Institut</a>, Infosperber vom 7.7.2023</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/corona-pandemie-das-war-angstmache-zum-quadrat-4/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Corona-Pandemie: «Das war Angstmache zum Quadrat»</a>, Infosperber vom 13.2.2023</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konzerne/who-geraet-immer-mehr-in-abhaengigkeit-von-bill-gates-co/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">WHO gerät immer mehr in Abhängigkeit von Bill Gates &amp; Co.</a>, Infosperber vom 24.9.2022</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/99745f8e6c1244678cd0f1903ba8176e" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die schattigsten Städte Europas</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/die-schattigsten-staedte-europas/</link>
					<pubDate>Thu, 13 Aug 2026 08:39:52 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="200" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Depositphotos_110376746_L-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="paris roofs and building cityview" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Depositphotos_110376746_L-300x200.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Depositphotos_110376746_L-1024x683.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Depositphotos_110376746_L-768x512.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Depositphotos_110376746_L-1536x1025.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Depositphotos_110376746_L.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Schatten macht in Hitzewellen einiges aus, das erfahren wir seit Wochen. Nur ist er häufig nicht da, wo er gebraucht würde.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die Qualität einer Stadt zeigt sich in Hitzewellen auf ungewohnte Weise. Während sich auf einer Strassenseite die Fussgänger drängen, bleibt die andere menschenleer. Wer kann, drückt sich an den Fassaden oder unter Bäumen entlang, um der Sonne zu entgehen. Bern hat Glück, zumindest in der Innenstadt, Basel auch. Enge Gassen dominieren die historischen Stadtkerne. Es gibt viel Schatten. Eine nicht zu unterschätzende Qualität im Sommer 2026, in dem bisher eine Hitzewelle der nächsten folgte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der australische Wissenschaftler Thami Croeser hat aus dieser einfachen Beobachtung einen Forschungsansatz gemacht und 25 europäische Städte auf ihre Schattenqualität untersucht. Dabei herausgekommen ist ein «Hitzeschutz-Ranking» oder eher ein «Schatten-Ranking». Bern und Basel wurden leider nicht untersucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den schattigsten Städten Europas gehören aber die deutschen Städte Hamburg und Köln, gefolgt von Nizza. Am wenigsten Schatten bieten Städte, in denen es ohnehin heiss werden kann wie Paris, Athen und Sevilla (<a href="https://euheatwave2026.pages.dev/de/" data-type="link" data-id="https://euheatwave2026.pages.dev/de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a> gibt es die Grafik grösser und in interaktiver Form):</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="880" height="616" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-10-065454.png" alt="Croeser Schattenranking europ Städte" class="wp-image-719255" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-10-065454.png 880w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-10-065454-300x210.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-10-065454-768x538.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-10-065454-130x90.png 130w" sizes="auto, (max-width: 880px) 100vw, 880px" /><figcaption class="wp-element-caption">Am meisten Schatten gibt es in Hamburg und Köln. Dort ist fast die Hälfte der Gebäudeumgebung ausreichend beschattet. Schlecht schneiden Athen und Sevilla ab. </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Gemessen wird anhand der Anzahl der Bäume rund um ein Gebäude. Beziehungsweise nicht anhand der Bäume selbst, sondern anhand des Schattens, den sie spenden. Dazu untersuchten Croeser und sein Team Satellitenbilder von 5,5 Millionen Gebäuden in sieben Ländern auf umgebende Vegetation und ihren Schattenwurf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist keine grundsätzlich neue Idee: Bäume gehören zu den effektivsten Schattenspendern in Städten. Sie können die Umgebungstemperatur um vier bis zehn Grad senken. Sind im Umkreis von 60 Metern um ein Gebäude mindestens 30 Prozent der Fläche von Baumkronen bedeckt, gilt es nach <a href="https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.1817561116" target="_blank" rel="noreferrer noopener">einer Studie aus den USA</a> als ausreichend beschattet. Diesen Massstab verwendete auch Croeser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Köln sind demnach 45,7 Prozent der Gebäude ausreichend vor Hitze geschützt und in Hamburg 44,4 Prozent. Das hört sich eher moderat an, gehört aber zu den Spitzenwerten. In Paris sind lediglich 4,4 Prozent aller Gebäude von ausreichend kühlender Vegetation umgeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Croeser legt dieses und andere Ergebnisse seiner Studie auf <a href="https://euheatwave2026.pages.dev/de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">einer Webseite in interaktiver Form dar</a>. Neben dem Ranking-Diagramm oben lässt sich beispielsweise für alle 25 Städte eine Schattenkarte aufrufen, man kann die heissesten und kühlsten Orte einer Stadt finden und die Oberflächentemperatur Ende Juni abrufen. (Ich empfehle wegen der holprigen deutschen KI-Übersetzung den englischen Text.)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Schatten ist meist nicht dort, wo er sein sollte</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Croesers Untersuchung bestätigt, was andere bereits erforscht haben: Wo Bäume fehlen, wird es heiss. Seine akribische Baumkronenzählung ergibt aber noch andere Einsichten: Schatten ist meistens nicht dort, wo er sein sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den meisten Städten gibt es rund um die Hälfte aller Gebäude weniger als 10 Prozent Schattenbedeckung. In London beispielsweise sind es sieben Prozent. 84 Prozent der Wohn- und Arbeitsgebäude seien insgesamt zu wenig gegen Hitze geschützt. Mit der städtebaulichen Dichte habe das nebenbei wenig zu tun. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch das hat Croeser grafisch dargestellt. Das hier sind zum Beispiel Croesers «Schattenkarten» von München und Paris:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="437" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Croeser-Shadow-Map-Muenchen-Paris-1-1024x437.png" alt="Croeser Shadow Map München Paris" class="wp-image-719279" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Croeser-Shadow-Map-Muenchen-Paris-1-1024x437.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Croeser-Shadow-Map-Muenchen-Paris-1-300x128.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Croeser-Shadow-Map-Muenchen-Paris-1-768x328.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Croeser-Shadow-Map-Muenchen-Paris-1.png 1259w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Croesers Schattenkarten von München und Paris im Vergleich. </figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Ärmer heisst meist: heisser</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am meisten Schatten gibt es, grob gesagt, dort, wo man es sich leisten kann. Das trifft zumindest für 17 der 25 Städte zu, für die Croeser Einkommens- und Benachteiligungsdaten beschaffen konnte. Wer in ärmeren Stadtteilen lebt, hat es meist heisser, zeigt die Kombination der Daten. Besonders deutlich sei dieser Zusammenhang in der im Ranking letztplatzierten Stadt Sevilla sowie in Madrid, Marseille und Nizza. In den weniger wohlhabenden Quartieren gibt es weniger Bäume, und während der Hitzewelle Ende Juni war es dort deutlich heisser.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="558" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Croeser-Hitze-Armut-Sevilla-1024x558.png" alt="Croeser Hitze Armut Sevilla" class="wp-image-719283" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Croeser-Hitze-Armut-Sevilla-1024x558.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Croeser-Hitze-Armut-Sevilla-300x163.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Croeser-Hitze-Armut-Sevilla-768x418.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Croeser-Hitze-Armut-Sevilla.png 1078w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">In weniger wohlhabenden Quartieren ist es meist deutlich heisser, wie hier in Sevilla. </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Zusammenhang stimmt aber nicht immer. In Grossbritannien und Deutschland seien die Zusammenhänge komplexer, in Mailand sei es sogar so, dass das wohlhabende Zentrum deutlich heisser sei als die benachteiligten Randgebiete.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die glühenden Dächer von Paris</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu kommen städtebauliche Eigenheiten. Nicht alle Städte haben schattige Altstädte wie Bern und Basel. Das historische Erbe kann auch wirken wie ein Ofen. Eines der «Highlights» in Croesers Daten ist Paris: 96 Prozent von 119’000 Gebäuden sind nicht ausreichend beschattet. Die durchschnittliche Baumkronenbedeckung im Umkreis beträgt 12 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was das bedeutet, beschreibt die Autorin Sarah Wilson in einem <a href="https://sarahwilson.substack.com/p/notes-from-a-burning-paris" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Substack-Post</a> über die Hitzewelle Ende Juni. Wilson lebt in einem «Chambre de bonne», einem der ehemaligen Dienstbotenquartiere unter den Dächern von Paris. Die winzigen Mansardenzimmer sind günstig, romantisch – und bei ungünstigem Wetter sehr, sehr heiss. In ihrer Wohnung habe es tagsüber 43 Grad, nachts noch immer 38 Grad, berichtet sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das liegt auch daran, dass das Gebäude mit den typischen Zinkplatten gedeckt ist, auf die Paris sehr stolz ist. Die graublauen Zinkdächer sind ein Wahrzeichen der Stadt, Unesco-Kulturerbe und gehören zum Stadtbild. Laut der deutschen <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/europa/paris-hitzeschutz-100.html">«Tagesschau»</a> bedecken sie zwei Drittel der Pariser Dächer.</p>



<h2 class="wp-block-heading">«So sieht Kollaps aus»</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das normale Leben in Paris, schreibt Wilson, sei in der Hitze weitgehend zum Stillstand gekommen. An einen normalen Tagesablauf sei nicht mehr zu denken. Die Temperaturen verwandelten den Tag in eine verzweifelte Suche nach Kühlung – die wenigen klimatisierten Cafés sowie Museen und Parks stünden hoch im Kurs. Sie übernachte im Wald und habe über Social Media das Angebot bekommen, in einem nachts ungenutzten klimatisierten Tonstudio zu schlafen, listet sie neben Dutzenden anderer Hitze-Tricks auf.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/newsletter/"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="48" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gruen.png" alt="Newsletter Balken grün" class="wp-image-590037" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gruen.png 750w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gruen-300x19.png 300w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></a></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Paris gilt als Vorzeigestadt in Sachen Verkehrswende und Klimaschutz, was sich vorteilhaft auf die Temperaturen auswirkt. Auch sonst hat sich die Stadt schon einiges einfallen lassen: Zum Beispiel kühlt sie einige Gebäude bereits mit dem Wasser der Seine. Allerdings ist Paris auch eine der europäischen Städte mit der höchsten Hitzesterblichkeit. Vielleicht wird sie in Zukunft auch auf einen Teil der historischen Zinkdächer verzichten müssen. Denn kühler werden <a href="https://utopia.de/karsten-schwanke-es-ist-definitiv-kein-ausnahmejahr_960895/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">wird es langfristig nicht</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wilson berichtet auch von einem Phänomen, das sie den Hitze-Domino-Effekt nennt. Kraftwerke müssten heruntergefahren werden, weil das Wasser zu warm sei. Lokal falle deshalb der Strom aus. In der Folge funktioniere die Trinkwasserversorgung nur noch eingeschränkt. Flaschenwasser sei dann rasch ausverkauft. Strassen gehen in der Hitze kaputt, Züge fallen aus. «So sieht Kollaps aus», schreibt sie.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Städte müssten eine grosse Zahl Bäume pflanzen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz so dramatisch sieht Thami Croeser die Lage nicht. Der Stadtplaner mahnt aber, das Schattenproblem und die Stadtbegrünung unbedingt ernst zu nehmen. Nicht zuletzt deshalb, weil Bäume geplant, gepflanzt und gepflegt werden müssen. Und weil es eine ganze Weile dauert, bevor sie gross genug sind, um Schatten zu spenden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Sein Schatten-Ranking folgt einer Arbeit, die er im Magazin <a href="https://www.nature.com/articles/s41467-026-70723-6" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Nature Communications»</a> veröffentlicht hat. Städte müssten eine grosse Anzahl geeigneter Bäume pflanzen, sagt er. Sie müssten dicht genug stehen, um ausreichend Schatten zu spenden. Dazu benötigten sie genügend Boden und eine auf optimale Versickerung ausgerichtete Stadt. Schlussendlich sollte alles dafür getan werden, dass die Bäume zu voller Grösse heranwachsen und ihre Kühlwirkung entfalten können. Woran es oft hakt, zeigt er anschaulich im Video:</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-9-16 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="Is your city getting it wrong when it comes to trees? 🪾" width="563" height="1000" src="https://www.youtube.com/embed/bBVwX6yOqWA?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.nature.com/articles/s41467-026-70723-6" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Urban forestry for cooler cities faces three critical hurdles</a> – Croeser et al., Nature Communications, 12. März 2025</li><li><a href="https://euheatwave2026.pages.dev/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">While Europe swelters, 84% of its buildings are unprotected</a> – EU Heatwave / RMIT University, Australia, Juni 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/3266a1498777470c979ac04c37729b23" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Immer mehr Schrottteile aus dem Weltall stürzen auf die Erde </title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/abfaelle/immer-mehr-schrottteile-aus-dem-weltall-stuerzen-auf-die-erde/</link>
					<pubDate>Wed, 12 Aug 2026 08:25:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=718629</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Muell-im-Weltall.SciTechDailycom-e1786204927828-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Müll im Weltall.SciTechDaily,com" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Muell-im-Weltall.SciTechDailycom-e1786204927828-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Muell-im-Weltall.SciTechDailycom-e1786204927828-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Muell-im-Weltall.SciTechDailycom-e1786204927828.png 856w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die meisten Teile verglühen in der Atmosphäre. Doch immer mehr schlagen auf der Erde auf – glühend und teilweise tonnenschwer. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2024 stürzte ein feuriges Stück Metall in der Nähe eines Dorfes in Kenia in einen Acker. Es war ein riesiger, schwerer und glühend heisser Ring. Nachdem er sich abgekühlt hatte, war klar: Es war ein Ring, der einst Teile einer Rakete miteinander verbunden hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Risiko, dass menschlicher Müll aus dem Weltall auf der Erde einschlägt, nimmt zu. Riesige Schrott-Objekte mit einem Gewicht einer Tonne oder mehr gelangen ungefähr einmal wöchentlich in die Erdatmosphäre, erklärt der polnische Experte für Weltraumsicherheit <a href="https://www.mariusz-slonina.pl/en/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mariusz Slonina</a>. «Kleinere Abstürze in die Atmosphäre finden sogar jeden Tag statt.» Allerdings verglüht der meiste Müll in der Atmosphäre. </p>



<div class="wp-block-infosperber-box is-style-yellow">
<h2 class="wp-block-heading">Das Verglühen von Weltall-Müll belastet die Atmosphäre</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Forscher haben beim Wiedereintritt einer Rakete in die Atmosphäre, welche die Erde vor gefährlicher kosmischer Strahlung schützt, zum ersten Mal erhebliche Lithiumanreicherungen nachgewiesen. Die Folgen für die Atmosphäre sind noch offen. Bisher hatte man sich auf verglühendes Alumnium konzentriert. Der <a href="https://www.derstandard.de/story/3000000309234/muell-von-falcon-9-rakete-hinterliess-bei-wiedereintritt-lithiumwolke-in-der-atmosphaere" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Standard»</a> meldet: «Bereits etwa zehn Prozent der Schwefelsäurepartikel in der Stratosphäre enthalten Aluminium und andere Metalle, die aus verglühten Satelliten und Raketenstufen stammen. Bei der Reaktion des Aluminiums mit Sauerstoff entsteht Aluminiumoxid, von dem seit Jahrzehnten bekannt ist, dass es den Ozonabbau beschleunigt.»</p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Noch ist die Wahrscheinlichkeit, von Weltraummüll erschlagen zu werden, viel kleiner als von einem Blitz getroffen zu werden. Einige Abstürze, die es bis auf die Erdoberfläche schafften, wurden bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 2024&nbsp;<a href="https://www.nasa.gov/blogs/spacestation/2024/04/15/nasa-completes-analysis-of-recovered-space-object/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">stürzte</a>&nbsp;ausrangierte Hardware der Internationalen Raumstation auf ein Haus in Florida.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang letzten Jahres&nbsp;<a href="https://polsa.gov.pl/wydarzenia/informacja-polsa-dotyczaca-znalezionych-w-polsce-potencjalnych-elementow-rakiety-falcon-9/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">landeten</a>&nbsp;Teile einer SpaceX-Rakete in der Nähe eines Einkaufszentrums und eines Flughafens im Westen Polens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Monate später bedrohte ein ausgedienter chinesischer Satellit die kanarische Insel Teneriffa. Der drei Tonnen schwere Satellit versetzte die Region in Schrecken, bevor er zerbrach und noch in der Luft verglühte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Januar 2026 durchdrang ein glühender Feuerball die Atmosphäre über Europa. Es handelte sich um die obere Stufe einer <a href="https://aerospace.org/reentries/66877" target="_blank" rel="noreferrer noopener">chinesischen Rakete</a>, die seit ihrem Start im Vormonat ausser Kontrolle geraten war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vier Tage lang beobachteten die Weltraumbehörden besorgt das etwa elf Tonnen schwere Raketenteil. Sie glaubten nicht, dass es in der Atmosphäre verglühen würde. Nach Angaben von Mariusz Slonina wurde der Wiedereintritt der chinesischen Raketenstufe visuell nicht dokumentiert. Wahrscheinlich seien Trümmer in den Indischen Ozean gefallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>Allein Elon Musk stellte den Antrag für eine Million Satelliten</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Je mehr Objekte die Menschen ins All schicken, desto mehr Weltraummüll stürzt in die Atmosphäre ab. Immer mehr Teile erreichen dann auch die Erde.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im vergangenen Jahr wurden mehr als 300 Raketen in den Weltraum gestartet – fast viermal so viele wie noch vor zehn Jahren. Bis heute wurden über 16&#8217;000 Satelliten in die Erdumlaufbahn geschossen – zwei Drittel davon gehören dem Unternehmen SpaceX des Milliardärs Elon Musk. Im Januar hat Musk bei der US-Aufsichtsbehörde FCC den <a href="https://www.fcc.gov/document/sb-accepts-filing-spacexs-application-orbital-data-centers" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Antrag gestellt</a>, bis zu einer Million solarbetriebene Satelliten als orbitale Rechenzentren ins All zu befördern.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ende 2025 meldeten chinesische Akteure bei der Internationalen Fernmeldeunion<a href="https://www.itu.int/en/ITU-R/space/snl/Documents/ITU-Space_reg.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> ITU Frequenzen</a> für&nbsp;<a href="https://www.chinadaily.com.cn/a/202601/12/WS6964c7e9a310d6866eb33452.html" rel="nofollow">mehr als 200’000 Satelliten</a><strong>&nbsp;</strong>an.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles endet schliesslich als Müll, der die Erde umkreist. Ein Teil des stark zunehmenden Mülls gelangt zurück in die Erdatmosphäre und stürzt ab. Immer mehr Teile schlagen auf die Erde auf.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box is-style-yellow">
<h2 class="wp-block-heading has-large-font-size"><strong>Vierzehn vergiftete Geschenke an unsere Kinder</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der jungen Generation überlassen wir eine Reihe gefährlicher Zeitzünder. Der Müll im Weltall ist nur eines von vierzehn vergifteten Geschenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">➔ <strong><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/vierzehn-faule-ostereier-fuer-unsere-kinder/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Urs P. Gasche über den Zustand unserer Erde</a></strong></p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/satelliten-und-raketen-verschmutzen-die-atmosphaere-immer-mehr/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Satelliten und Raketen verschmutzen die Atmosphäre immer mehr</a>, Infosperber vom 18.2.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/raketenstarts-werden-explodieren/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Raketenstarts werden explodieren</a>, Infosperber vom 15.2.2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/52d64c188db147f0b3773d7730377027" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
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					<title>«Mit Velohatz gegen die Sommerflaute»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/mit-velohatz-gegen-die-sommerflaute/</link>
					<pubDate>Wed, 12 Aug 2026 08:24:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-11-at-08-02-16-Wenn-Rot-sich-falsch-anfuehlt-–-dann-faehrt-man-halt-einfach-–-infosperber-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot 2026-08-11 at 08-02-16 «Wenn Rot sich falsch anfühlt» – dann fährt man halt einfach – infosperber" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-11-at-08-02-16-Wenn-Rot-sich-falsch-anfuehlt-–-dann-faehrt-man-halt-einfach-–-infosperber-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-11-at-08-02-16-Wenn-Rot-sich-falsch-anfuehlt-–-dann-faehrt-man-halt-einfach-–-infosperber-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-11-at-08-02-16-Wenn-Rot-sich-falsch-anfuehlt-–-dann-faehrt-man-halt-einfach-–-infosperber-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-11-at-08-02-16-Wenn-Rot-sich-falsch-anfuehlt-–-dann-faehrt-man-halt-einfach-–-infosperber.png 1279w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Das «Velojournal» hat auf einen Infosperber-Artikel reagiert. Infosperber veröffentlicht den Text von Chefredaktor Pete Mijnssen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Es ist Hochsommer und auf den Redaktionen herrscht Saure-Gurken-Zeit. Dennoch brauchen die Nachrichtenportale süffigen Stoff. Das hat auch «Velojournal» zu spüren bekommen. Um was ging es da genau?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Begonnen hatte der Aufreger mit einem <a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/wenn-rot-sich-falsch-anfuehlt-dann-faehrt-man-halt-einfach/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Artikel im Infosperber</a> über einen Ende April <a href="https://www.velojournal.ch/aktuell/nachrichten/detail/wenn-rot-sich-falsch-anfuehlt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">auf der Newsseite von «Velojournal» erschienenen Artikel</a>. Wir hätten behauptet, «dass wer mit einem Velo ein Rotlicht missachte, sicherer fahre.» </p>



<p class="wp-block-paragraph">Richtig ist, dass «Velojournal» schrieb, dass viele Velofahrende rote Ampeln nicht aus Leichtsinn, sondern oft aus Sicherheitsüberlegungen überfahren. Dabei wurde auf Studien verweisen, die aufzeigen, dass Infrastruktur, Verkehrsfluss und subjektives Risiko das Verhalten stark prägen. Genau darum ging es im Artikel. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Aufreger, Teil 1</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Infosperber hingegen behauptete, der Artikel im Velojournal sei eine «einzige Rechtfertigung des Fehlverhaltens von Velofahrern.» Und argumentiere «ziemlich armselig» und propagiere, «dass sich Velofahrer nur an diejenigen Regeln halten sollen, die ihnen einleuchten». </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist alles kreuzfalsch und hochpolemisch. Vielmehr lieferte unser Artikel eine «Erklärung zu diesen Verhaltensweisen», unterlegt mit Studien. Es ging also um eine Einordnung und nicht um eine Anleitung zur Regelverletzung. Natürlich hat meine Kollegin Julie Nielsen dabei die Sicht der Velofahrenden beleuchtet, wie es auch unsere journalistische Pflicht ist, die Velosicht angemessen zu vertreten. Verstehen, einordnen – aber sicher kein Aufruf, sich regelwidrig zu verhalten.&nbsp;</p>



<h2 class="wp-block-heading">Aufreger, Teil 2&nbsp;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Tags darauf erhielt der Schreibende einen Anruf vom Lokalsender «Tele-Züri», mit dem Angebot, sich zu diesem Thema zu äussern. Immerhin – Infosperber hatte das unterlassen. Lieber wollte der Kollege zuspitzen, zuspitzen, zuspitzen. Klarer Aufhänger auch beim Sender: Velofahrende, die das Rotlicht missachten. Hinweise auf andere Gefährdungsfaktoren, wie seitliches Überholen von Lastwagen, Fahren mit Kopfhörern etc. waren nicht erwünscht. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielmehr fragte mich der Journalist mehrmals, ob «ich» denn schon ein Rotlicht missachtet hätte. Das Resultat des Interviews? <a href="https://www.telezueri.ch/zuerinews/warum-velofahrer-ueber-rot-fahren-164829089" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Eine vierminütige, vorgefertigte Polemik über die ach so undisziplinierten Velofahrer.</a> Der Aufreger war so im Kasten, die teils unflätigen Mails an die Adresse der Redaktion auch. Ein weiteres Beispiel dafür, wie Velofahrende in globo in Sippenhaft genommen werden dürfen. Zwischentöne? Nein, danke! Über kaum eine Gruppe wird so oft und ungehemmt der Stab gebrochen und geschulmeistert. Ausser bei Autoposern vielleicht noch. </p>



<h2 class="wp-block-heading">Erwünscht: De-Eskalation</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Tage darauf erschien im «Tages-Anzeiger» ein Artikel zu <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/road-rage-zuerich-autofahrer-verfolgte-velofahrer-aufs-trottoir-dieser-stuerzte-755005288645" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Konflikte auf Zürcher Strassen eskalieren immer schneller»</a>. Kein Wunder: Solch einseitige, aggressionstreibenden Beiträge tragen ja das Ihrige dazu bei. Nach wie vor. Und ja: undisziplinerte, egogetriebene Velo-Deppen übrigens auch. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Schreibende rät deshalb, in dieser Aggressions-Spirale dringend zu De-Eskalation. Wenn es zu Unfällen kommt, ist Blech immer stärker als das filigrane Zweirad mit dem verwundbaren Menschen darauf. Auch wenn wir schnell und agil sind und in vielen Fällen auch Recht haben sollten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und nicht zu vergessen: Bei aller Rechthaberei und Rotlicht-Hilfspolizisten-Mentalität ist zu bedenken, dass Verkehr oft auch aus Kommunikation besteht. Wie auch sonst im Leben.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Der Autor ist Chefredaktor der Zeitschrift «Velojournal».<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Hagar war eine Sklavin, Sara nutzte ihren Körper</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/frau-mann/hagar-war-eine-sklavin-sara-nutzte-ihren-koerper/</link>
					<pubDate>Wed, 12 Aug 2026 08:23:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="181" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/hagar-flach-Depositphotos_619007080_L-300x181.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="hagar flach Depositphotos_619007080_L" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/hagar-flach-Depositphotos_619007080_L-300x181.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/hagar-flach-Depositphotos_619007080_L-1024x617.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/hagar-flach-Depositphotos_619007080_L-768x463.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/hagar-flach-Depositphotos_619007080_L-1536x925.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/hagar-flach-Depositphotos_619007080_L.png 1839w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>In Deutschland ist Leihmutterschaft wie in der Schweiz verboten. Paare weichen ins Ausland aus. Mit einem neuen Gesetz harzt es.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die Sehnsucht nach eigenen Kindern ist so alt wie die Menschheit; die Bereitschaft, dafür rechtliche wie ethische Grenzen zu verschieben, ebenfalls. Warum? Am unerfüllten Kinderwunsch konnte und kann immer noch eine Biografie, sogar eine Dynastie zerbrechen. Eine archaische Erzählung im Alten Testament, im 16. Kapitel des Buches Genesis, handelt genau davon: Es ist die Geschichte von Abraham, Sara und Hagar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sara, die Frau des Erzvaters Abraham, galt als unfruchtbar. Die Verzweiflung war gross, die gesellschaftliche Ächtung wog schwer. Sara griff zu einer Lösung, die pragmatisch kompromisslos und rigoros war: Sie forderte Abraham auf, mit ihrer Magd Hagar ein Kind zu zeugen. Der Plan ging auf – Hagar wurde schwanger und gebar Ismael –, aber er mündete in einem Drama.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="764" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Hagar-Depositphotos_619007080_L-1024x764.png" alt="Hagar Depositphotos_619007080_L" class="wp-image-716831" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Hagar-Depositphotos_619007080_L-1024x764.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Hagar-Depositphotos_619007080_L-300x224.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Hagar-Depositphotos_619007080_L-768x573.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Hagar-Depositphotos_619007080_L-1536x1147.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Hagar-Depositphotos_619007080_L.png 2000w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Sara und Abraham mit Hagar und deren Kind Ismael.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Das Wort «Magd» ist eine biblische Weichzeichnung: Hagar war eine Sklavin, eine Leibeigene im Besitz von Sara. Sara nutzte Hagars Körper, um ihren eigenen Mangel an Nachkommen rechtlich und gesellschaftlich zu kompensieren. Nach antikem Recht gehörte das Kind einer Sklavin ihrer Herrin. Hagar hatte keine Entscheidungsgewalt über ihren eigenen Körper und über das Kind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Übersetzt in die Sprache der modernen Reproduktionsmedizin war Hagar eine Leihmutter. Hagar war, anders als zumeist bei der heutigen modernen genetischen Leihmutterschaft, auch die biologische Mutter. Die Machtasymmetrie, die sich bei der traditionellen Leihmutterschaft à la Abraham zeigt, prägt freilich auch die Debatte um die kommerzielle Leihmutterschaft von heute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kindeswohl spielte in der Zeit der traditionellen Leihmutterschaft keine Rolle. Die Selbstbestimmung der Frau auch nicht. Sklaverei und Menschenhandel waren Usus. Wenn heute, was in Deutschland immer wieder gefordert wird, die Leihmutterschaft gesetzlich geregelt werden soll, gilt es, all das zu berücksichtigen – wie das Recht mit den Möglichkeiten umgehen soll, die die moderne Labortechnik bei der Fortpflanzung bietet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie in der Schweiz ist Leihmutterschaft in Deutschland verboten. Deshalb weichen Paare ins Ausland aus. Das ist sehr unbefriedigend. Die Forderung, diese Fragen anzupacken und gesetzlich zu klären, wird deshalb schon lange erhoben. Schon unter der Ägide der FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wurde darüber engagiert diskutiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Zeit der Regierung Merkel/Gabriel wurde dann von Justizminister Heiko Maas eine Sachverständigenkommission eingesetzt, wie es im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD («Die Zukunft gestalten») vereinbart worden war. Vorsitzende dieser Regierungskommission war Meo-Micaela Hahne, die frühere Vorsitzende des Familiensenats beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Sie legte 2017 dem Justizminister Maas einen 519 Seiten langen klugen Abschlussbericht mit 91 Thesen vor. Daraus ist leider bis heute kein Gesetzentwurf geworden, der im Parlament diskutiert und entschieden hätte werden können.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/glaubwuerdigkeit-ist-das-hoechste-gut-der-politik/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Glaubwürdigkeit ist in der Politik das höchste Gut»</a>, Infosperber vom 19. Juli 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/frau-mann/reproduktions-technologie/der-gemietete-bauch-und-die-geliehene-empoerung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der gemietete Bauch und die geliehene Empörung</a>, Infosperber vom 21. Juli 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/frau-mann/der-blinde-fleck-eizelle-und-wer-davon-profitiert/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der blinde Fleck Eizelle — und wer davon profitiert</a>, Infosperber vom 30. Juli 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><em>Keine. Dieser Kommentar des Kolumnisten und Autors Heribert Prantl erschien zuerst als «Prantls Blick» in der Süddeutschen Zeitung.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Schweden verbietet PFAS in Alltagsprodukten</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/europa/schweden-verbietet-pfas-in-alltagsprodukten/</link>
					<pubDate>Tue, 11 Aug 2026 08:30:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=717609</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="200" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Depositphotos_421171326_L-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="The Swedish Parliament Building" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Depositphotos_421171326_L-300x200.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Depositphotos_421171326_L-1024x682.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Depositphotos_421171326_L-768x512.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Depositphotos_421171326_L-1536x1024.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Depositphotos_421171326_L.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Das nordische Land folgt Frankreich und Dänemark, wo in diesem Jahr ebenfalls PFAS-Verbote in Kraft traten.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">2027 will die Europäische Union Gesetzesvorschläge für ein PFAS-Verbot vorlegen. Einigen Ländern dauert das zu lange. Schweden will PFAS in Alltagsprodukten wie Küchengeräten, Kleidung und Kosmetika bereits ab 2028 verbieten. Das kündigte die schwedische Regierung <a href="https://www.lemonde.fr/en/environment/article/2026/07/23/sweden-plans-to-ban-forever-chemicals-in-clothing_6755758_114.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">am 23. Juli</a> an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Schweden hat nicht die Absicht, tatenlos zuzusehen, wie sich ‹ewige Chemikalien› weiterhin in unseren Haushalten, in der Natur und in unseren Körpern ausbreiten», sagte die schwedische Umwelt- und Klimaministerin Romina Pourmokhtari. «Per- und Polyfluoralkylsubstanzen haben in Alltagsprodukten nichts zu suchen, wenn es wirksame Alternativen gibt.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Akzeptanz für das Verbot sei hoch, berichten mehrere Medien. Durch lokale Skandale wie im Ort Kallinge, wo die Bevölkerung erheblich mit PFAS belastet ist, ist die schwedische Bevölkerung sensibilisiert. Organisationen wie <a href="https://chemtrust.org/news/sweden-prepares-ban-on-pfas-in-everyday-products/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Chem Trust</a> begrüssten den nationalen Alleingang.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Frankreich und Dänemark als Vorreiter</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch andere Länder haben einem möglichen EU-weiten PFAS-Verbot bereits vorgegriffen. Frankreich verbietet seit Anfang 2026 PFAS in Alltagsprodukten wie Kleidung, Schuhen, Kosmetika, Skiwachs und Imprägniermitteln. PFAS in Küchenutensilien bleiben hingegen weiter erlaubt – ein Erfolg der Lobbyisten, sagen <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/wegen-pfas-klage-ueber-sicherheit-von-teflonpfannen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kritiker</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dänemark verbietet seit Anfang 2026 PFAS in Kleidern, Schuhen und Imprägniersprays. Entsprechende Produkte dürfen noch bis Ende des Jahres abverkauft werden. PFAS in Lebensmittelverpackungen aus Papier und Pappe wie Pizzakartons sind in Dänemark bereits seit 2020 verboten. 2025 kamen mehrere <a href="https://www.infosperber.ch/politik/europa/pfas-daenemark-verbietet-23-pestizide/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">PFAS-haltige Pestizide</a> hinzu.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Schweiz wartet ab</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In der Schweiz wurde eine <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=61635" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Motion</a> des Grünen-Politikers Felix Wettstein (SO) zum Verbot von PFAS in Lebensmittelverpackungen 2023 <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=61635" target="_blank" rel="noreferrer noopener">abgelehnt</a>. Der Bundesrat verwies auf mehrere andere Gesetzesvorhaben zur Regulierung von PFAS. Darunter ein <a href="https://www.bafu.admin.ch/de/newnsb/xcT-fhAdM6gOpbPzK4zxt" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Postulat</a> der <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=61635" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Grünliberalen Tiana Moser</a>, eine <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20223929" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Motion von Marianne Maret</a> (Mitte) und nicht zuletzt das laufende Gesetzgebungsverfahren der EU, das man abwarten wolle.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://de.euronews.com/2026/07/24/grosser-erfolg-schweden-will-pfas-in-alltagsprodukten-vor-eu-verbieten" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Grosser Erfolg»: Schweden will PFAS in Alltagsprodukten vor EU verbieten</a> – Euronews am 24. Juli 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/europa/pfas-daenemark-verbietet-23-pestizide/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">PFAS: Dänemark verbietet 23 Pestizide</a> – Infosperber am 21. Juli 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/frankreich-verbietet-pfas-in-mehreren-alltagsprodukten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Frankreich verbietet PFAS in mehreren Alltagsprodukten</a> – Infosperber am 4. März 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/ernaehrung/motion-gegen-pfas-in-fast-food-verpackungen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Motion gegen PFAS in Fast-Food-Verpackungen</a> – Infosperber am 29. November 2021</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/ein-schwedisches-dorf-ertrinkt-in-pfas/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ein schwedisches Dorf ertrinkt in PFAS</a> – Infosperber am 3. Juli 2025</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/aaa48e4cbe074e2a8c8321c4554d5b20" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
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					<title>«Berner Zeitung» stellt Politikerin bloss – und blamiert sich</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/medien/berner-zeitung-stellt-politikerin-bloss-und-blamiert-sich/</link>
					<pubDate>Tue, 11 Aug 2026 08:23:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="179" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Beitrags-ylsL0ke5rVdRBtrW-300x179.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Beitrags ylsL0ke5rVdRBtrW" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Beitrags-ylsL0ke5rVdRBtrW-300x179.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Beitrags-ylsL0ke5rVdRBtrW-1024x612.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Beitrags-ylsL0ke5rVdRBtrW-768x459.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Beitrags-ylsL0ke5rVdRBtrW.png 1420w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die «BZ»-Redaktion schiesst einen groben Bock. Zu ihrem Fehler steht sie nicht. Bis ein Leser Druck macht.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Die «Berner Zeitung» berichtete über die Social-Media-Aktivitäten der Stadtberner FDP-Parlamentarierin Simone Richner. Sie poste «hier ein paar Schwingfest-Bilder, da ein Open-Air-Konzert, dort einen Ausflug mit der Familie – und natürlich regelmässig ein Häppchen ernste Politik».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kürzlich tat sie das nach einer Velotour. Zum Bild <a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/ylsL0ke5rVdRBtrW-scaled.png" target="_blank" rel="noreferrer noopener">schrieb </a>die «Berner Zeitung»: «Stutzig macht beim Betrachten des Fotos bloss Richners Helm, der offensichtlich verkehrt herum auf ihrem Kopf sitzt. Angesichts der permanenten Hitze kann so was aber schon mal passieren – und es stellt sich die Frage: Ist der Helm tatsächlich verdreht auf dem Kopf? Oder doch der Kopf verkehrt unter dem Helm?»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war dann ein bisschen peinlich. Denn Richner trägt den Helm natürlich nicht verkehrt herum. Sie trägt ihn richtig. Sie hat bloss das Visier hochgeklappt. Ein Leser kommentierte denn auch gleich:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="157" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-Mettler-2-1024x157.png" alt="flach Mettler 2" class="wp-image-719477" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-Mettler-2-1024x157.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-Mettler-2-300x46.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-Mettler-2-768x118.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-Mettler-2-1536x236.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-Mettler-2.png 1630w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"> </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der Redaktion schrillten offenbar die Alarmglocken. Das war ja zu peinlich: sich über eine Politikerin lustig zu machen und dabei selber einen Bock zu schiessen. Die «Berner Zeitung» korrigierte die <a href="https://www.bernerzeitung.ch/velohelm-verkehrt-berner-politiker-patzen-auf-instagram-1-363603729250" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Passage</a> (Bezahlschranke). Neu lautete sie so:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="304" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-10-at-16-56-09-Velohelm-verkehrt-Berner-Politiker-patzen-auf-Instagram-1024x304.png" alt="Screenshot 2026-08-10 at 16-56-09 Velohelm verkehrt Berner Politiker patzen auf Instagram" class="wp-image-719419" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-10-at-16-56-09-Velohelm-verkehrt-Berner-Politiker-patzen-auf-Instagram-1024x304.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-10-at-16-56-09-Velohelm-verkehrt-Berner-Politiker-patzen-auf-Instagram-300x89.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-10-at-16-56-09-Velohelm-verkehrt-Berner-Politiker-patzen-auf-Instagram-768x228.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-10-at-16-56-09-Velohelm-verkehrt-Berner-Politiker-patzen-auf-Instagram.png 1256w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"> </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><br>So weit so gut. Wenn sich der Tamedia-Verlag nur nicht so gerne seiner Transparenz rühmen würde. Im Leitfaden «<a href="https://www.tamedia.ch/payload/api/documents/file/Qualitaetsmonitoring_2023_DE.pdf?prefix=documents" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Qualität in den Medien</a>» steht ausdrücklich:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="497" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-10-at-16-57-48-Qualitaetsmonitoring_2023_DE.pdf-1024x497.png" alt="Screenshot 2026-08-10 at 16-57-48 Qualitaetsmonitoring_2023_DE.pdf" class="wp-image-719417" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-10-at-16-57-48-Qualitaetsmonitoring_2023_DE.pdf-1024x497.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-10-at-16-57-48-Qualitaetsmonitoring_2023_DE.pdf-300x146.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-10-at-16-57-48-Qualitaetsmonitoring_2023_DE.pdf-768x373.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-10-at-16-57-48-Qualitaetsmonitoring_2023_DE.pdf.png 1098w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"> </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Doch für die Leserschaft war die Fehlerkorrektur nicht «einsehbar». Auch nicht «auf den digitalen Kanälen». Und schon gar nicht «mit Zeitangabe der Veränderung und Verweis auf den früheren Wortlaut». Eine öffentliche Entschuldigung an Simone Richner blieb ebenfalls aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zeigt: Mit der Transparenz hat es der Tamedia-Verlag nicht so. Und der Leitfaden ist das Papier nicht wert, auf den er gedruckt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es brauchte dann schon einen Leser, der die Radaktion an ihr selbst formuliertes Transparenz-Gebot erinnerte:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="272" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-11-at-07-32-29-Velohelm-Panne-auf-Instagram-Reto-Mueller-am-Marche-Concours-1024x272.png" alt="Screenshot 2026-08-11 at 07-32-29 Velohelm-Panne auf Instagram Reto Müller am Marché-Concours" class="wp-image-719475" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-11-at-07-32-29-Velohelm-Panne-auf-Instagram-Reto-Mueller-am-Marche-Concours-1024x272.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-11-at-07-32-29-Velohelm-Panne-auf-Instagram-Reto-Mueller-am-Marche-Concours-300x80.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-11-at-07-32-29-Velohelm-Panne-auf-Instagram-Reto-Mueller-am-Marche-Concours-768x204.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-11-at-07-32-29-Velohelm-Panne-auf-Instagram-Reto-Mueller-am-Marche-Concours-1536x407.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-11-at-07-32-29-Velohelm-Panne-auf-Instagram-Reto-Mueller-am-Marche-Concours.png 1572w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">  </figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Dann endlich stand die Redaktion zu ihrem Fehler:</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="148" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-11-at-07-33-04-Velohelm-Panne-auf-Instagram-Reto-Mueller-am-Marche-Concours-1024x148.png" alt="Screenshot 2026-08-11 at 07-33-04 Velohelm-Panne auf Instagram Reto Müller am Marché-Concours" class="wp-image-719473" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-11-at-07-33-04-Velohelm-Panne-auf-Instagram-Reto-Mueller-am-Marche-Concours-1024x148.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-11-at-07-33-04-Velohelm-Panne-auf-Instagram-Reto-Mueller-am-Marche-Concours-300x43.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-11-at-07-33-04-Velohelm-Panne-auf-Instagram-Reto-Mueller-am-Marche-Concours-768x111.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-11-at-07-33-04-Velohelm-Panne-auf-Instagram-Reto-Mueller-am-Marche-Concours-1536x222.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Screenshot-2026-08-11-at-07-33-04-Velohelm-Panne-auf-Instagram-Reto-Mueller-am-Marche-Concours.png 1557w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"> </figcaption></figure>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/medien/wenn-das-bloss-stimmt-shiffrins-sixpack-am-ruecken/"><a href="https://www.infosperber.ch/medien/wenn-das-bloss-stimmt-shiffrins-sixpack-am-ruecken/">Wenn das bloss stimmt: Shiffrins Sixpack am Rücken</a></a>, Infosperber vom 12. Februar 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/b622b14b12da414a9031b372400e7d41" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Warum ich mich gegen den Irrsinn dieser Welt so stark engagiere</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/uebriges-gesellschaft/warum-ich-mich-gegen-den-irrsinn-dieser-welt-so-stark-engagiere/</link>
					<pubDate>Tue, 11 Aug 2026 08:21:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=715001</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="150" height="150" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Portrait-Robert-Reich.x-calper-e1733827977502.png"/></p>«Bist du noch bei Verstand?», fragen mich Leute. «Wir können eh nichts ändern». Doch ich bleibe täglich am Ball.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph"><br>Andere fragen: «Wie schaffst du das, dass dir der Kopf nicht explodiert?»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich antworte dann: Wir alle kämpfen darum, in diesem Wahnsinn klar zu bleiben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie?&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun, eines hilft nicht: die Nachrichten einfach zu meiden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie holen dich trotzdem ein, weil ein Freund oder ein geliebter Mensch Trumps neuesten Skandal anspricht. Ausserdem musst du informiert bleiben, um dich wehren zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es hilft auch nicht, wenn ich mir einrede, es sei egal, es betreffe mich nicht. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist nicht egal. Trumps endloser Krieg im Nahen Osten und seine wahnwitzigen Zölle treiben die Preise für alles, was man kauft, nach oben – ebenso wie seine Massnahmen zur Stärkung der Monopole. Sein Polizeistaat im Inland macht vielen Nachbarn das Leben zur Hölle, vielleicht sogar dir und deiner Familie. Seine Subventionen für Ölkonzerne und seine Ablehnung von Wind- und Solarenergie zerstören den Planeten. Seine Bigotterie ermutigt zu Grausamkeiten gegen die Schwächsten. Und so weiter.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der dritte Einwand scheitert: So zu tun, als könnte man nichts ändern – als hätte es keinen Sinn, es überhaupt zu versuchen, weil wir alle eh am Arsch sind. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau diesen Zynismus wollen Trumps milliardenschwere Geldgeber und abscheuliche Oligarchen – damit wir aufgeben und ihnen alles überlassen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Was funktioniert&nbsp;tatsächlich? Was tue&nbsp;ich?&nbsp;</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist auch für mich nicht einfach. Ich habe meine Momente der Trauer und Angst. Aber ich versuche, drei Dinge zu tun.</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Ich kanalisiere meine Wut in so viel aktiven Widerstand, wie ich alter Professor aufbringen kann. Ich schreibe euch mindestens einmal am Tag auf diesem <a href="https://robertreich.substack.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Substack</a> und produziere Videos, Filme und Podcasts – alles, um euch Werkzeuge in die Hand zu geben, die ihr vielleicht nützlich findet.</li>



<li>Ich halte engen Kontakt zu jungen Aktivistinnen und Aktivisten, die vor Energie und Hoffnung nur so sprühen. Ihr Engagement für Demokratie und soziale Gerechtigkeit ist ansteckend. Sie geben&nbsp;mir&nbsp;Energie und Hoffnung.&nbsp;</li>



<li>Ich bin dankbar, den Mitstreitern und den&nbsp;<a href="https://robertreich.substack.com/subscribe?utm_source=substack&amp;utm_medium=email">Unterstützern</a>.</li>
</ol>



<p class="wp-block-paragraph">________________</p>



<h2 class="wp-block-heading">«So geriet die ungleiche Vermögensverteilung ausser Kontrolle»</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Beispiel eines Aktivisten-Videos von Robert Reich <br>(für deutsche Simultanübersetzung: Video Starten ➔ Zahnrad ➔ Audio-Track ➔ Deutsch)</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="How Wealth Inequality Spiraled Out of Control | Robert Reich" width="800" height="450" src="https://www.youtube.com/embed/wOI8RuhW7q0?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/vierzehn-faule-ostereier-fuer-unsere-kinder/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die junge Generation erbt eine Reihe gefährlicher Zeitzünder. In der Geschichte der Menschheit waren die Risiken noch nie so gross.</a> Infosperber vom 5. April 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. <em>Robert Reich war von 1993 bis 1997 US-Arbeitsminister unter Präsident Bill Clinton. Er setzte sich ein für die Erhöhung des Mindestlohns und Arbeitnehmerrechte. Heute publiziert der 80-Jährige täglich auf Substack und arbeitet für die von ihm mitgegründete <a href="https://www.inequalitymediacivicaction.org" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Inequality Media Civic Action</a>.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Corona-Angst wurde mit wilden und wirren Zahlen angeheizt</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/corona-angst-wurde-mit-wilden-und-wirren-zahlen-angeheizt-1/</link>
					<pubDate>Mon, 10 Aug 2026 08:42:20 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=718169</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="168" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-07-um-15.14.11-300x168.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Fauci, Gates, Collins" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-07-um-15.14.11-300x168.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-07-um-15.14.11-768x431.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-07-um-15.14.11.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Der frühere US-Präsidentenberater Fauci schätzte das Risiko, das vom Virus ausging, anfangs viel niedriger ein als Bill Gates.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Wie gefährlich ist das neue Virus? Zu Beginn der Corona-Pandemie war diese Frage zentral.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei einem Ausbruch müsse man die Sterberaten «mit einem sehr skeptischen Blick betrachten», warnte Amesh Adalja, Fachmann für Pandemie-Vorsorge am Johns Hopkins Center for Health Security in Baltimore gegenüber der Nachrichtenagentur «<a href="https://www.reuters.com/article/us-china-health-deaths/data-suggests-virus-infections-under-reported-exaggerating-fatality-rate-idUSKBN1ZZ1AH/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Reuters</a>» am 5. Februar 2020. Und David Fisman, Epidemiologe an der Universität Toronto, erinnerte an die Schweinegrippe: Als sie 2009 aufkam, sei die Sterblichkeit zunächst auf zehn Prozent geschätzt worden. «Das erwies sich als völlig falsch.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schwierigkeit war allen Fachleuten bekannt: Die schweren Erkrankungsfälle werden offiziell erfasst, die leichten nicht. Berechnet man den Anteil der Menschen, die an der Infektion sterben, ohne die leichten oder nicht-erkannten Infektionen einzubeziehen,&nbsp;wird die Gefahr überschätzt. Ein Rechenbeispiel: Wenn von 100 Infizierten einer stirbt, ergibt dies eine Sterblichkeitsrate von einem Prozent. Angenommen, es gibt noch weitere 100 infizierte Personen, die aber nicht erfasst wurden, wäre die wahre Sterblichkeitsrate 1 von 200, also 0,5 Prozent. Die Dunkelziffer ist folglich ein entscheidender Faktor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 8. Februar 2020 notierte der US-Präsidentenberater Anthony Fauci in seinen <a href="https://www.paul.senate.gov/wp-content/uploads/2026/08/2026.07.24_Tonys-Diary-Package.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">privaten Aufzeichnungen</a> (S. 687) zu Covid: «Die Fallsterblichkeitsrate liegt eher bei 0,2 bis 0,3 Prozent als bei 2 Prozent.»&nbsp;Diese Fallsterblichkeitsrate (case fatality rate, CFR) gibt an, für wie viel Prozent der diagnostizierten Erkrankten die Krankheit zu einem bestimmten Zeitpunkt tödlich endet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Vergleich: Bei der saisonalen Grippe (Influenza) wird diese Rate mit <a href="https://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMe2002387" target="_blank" rel="noreferrer noopener">etwa 0,1</a> <a href="https://interaktiv.tagesanzeiger.ch/2020/neue-wissenschaftliche-erkenntnisse-zum-coronavirus/?nosome" target="_blank" rel="noreferrer noopener">bis 0,2</a> angegeben (und <a href="https://researchportal.ukhsa.gov.uk/en/publications/a-systematised-review-of-seasonal-influenza-case-fatality-risk/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">bis zu 0,9 Prozent</a>, falls nur die symptomatischen Fälle berücksichtigt werden).&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fauci – einer der berühmtesten und damals bestvernetzten zeitgenössischen Wissenschaftler – rechnete zu jenem Zeitpunkt also damit, dass 2 bis 3 von 1000 Menschen, die an Covid erkrankten, an der Infektion sterben würden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Multimilliardär Bill Gates nannte dagegen eine viel höhere Zahl: Etwa 10 von 1000, also rund ein Prozent. Für die Schweiz hätte das über 86&#8217;000 Covid-Tote bedeutet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Teilweise politisch motiviert»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Drängte sich ein allgemeiner Lockdown auf? Falls ja: Wie lange? Was passiert, wenn man danach schnell wieder öffnet? Ist eine Durchseuchung von Bevölkerungsgruppen, die kein oder nur ein geringes Risiko haben, zu verantworten, wie dies manche Exponenten vorschlugen? Braucht es – bis eine Impfung da ist – strenge Massnahmen für die gesamte Bevölkerung oder nur für vorerkrankte und ältere Menschen? </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei all diesen Fragen kommt es darauf an, wie viel Prozent derjenigen sterben, die das Virus erwischen. Darunter auch alle, die von der Infektion gar nichts merken oder nur leichte Symptome haben. Fachleute sprechen von der Infektionssterblichkeitsrate (infection fatality rate, IFR). Sie gilt als Mass dafür, wie gefährlich ein Erreger ist. Weil die IFR <em>alle</em> Infizierten berücksichtigt, inklusive derjenigen, die nicht offiziell registriert wurden, fällt sie <a href="https://healthjournalism.org/glossary-terms/case-fatality-rate-vs-infection-fatality-rate/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">niedriger</a> aus als die Fallsterblichkeitsrate (CFR). (Einer österreichischen <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1876034125000474" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie</a> zufolge war die IFR während der Pandemie im Durchschnitt etwa halb so hoch wie die CFR.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Corona-Pandemie machten aber selbst Wissenschaftler nicht immer klar, ob sie nun die Sterberate der Erkrankten, der &#171;Fälle&#187; oder aller Virusträger meinten. Zur Verwirrung trug die WHO bei. Denn ihr zufolge musste jemand auch dann als &#171;Krankheitsfall&#187; gezählt werden, wenn er bloss positiv getestet wurde – Krankheitssymptome waren per WHO-Definition nicht nötig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kurz nachdem Fauci seinen Tagebucheintrag verfasst hatte, schlug «einer der weltweit <a href="https://www.theguardian.com/world/2020/feb/11/coronavirus-expert-warns-infection-could-reach-60-of-worlds-population" target="_blank" rel="noreferrer noopener">führenden Experten</a> für Coronavirus-Epidemien», der WHO-Berater Gabriel Leung, Alarm: Das neue Virus könne etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung infizieren, falls die Epidemie nicht unter Kontrolle gebracht werde, sagte er dem «<a href="https://www.theguardian.com/world/2020/feb/11/coronavirus-expert-warns-infection-could-reach-60-of-worlds-population" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Guardian</a>». Dieser Zeitung zufolge arbeitete Leung «eng mit anderen führenden Wissenschaftlern zusammen», etwa mit denen am Imperial College London. Selbst wenn von allen Infizierten nur ein Prozent sterben würde (IFR), wäre die Zahl der zu erwartenden Todesopfer enorm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Schweiz wären dies über 55’000 Personen gewesen, die an Covid gestorben wären.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die «<a href="https://www.nzz.ch/wissenschaft/wann-erreicht-die-epidemie-ihren-hoehepunkt-ld.1540284" target="_blank" rel="noreferrer noopener">NZZ</a>» rechnete vor: «Bei einer derzeit geschätzten Sterblichkeit von einem Prozent könnte das [weltweit – Red.] 50 Millionen Todesfälle bedeuten. Das wären hundert Mal mehr als während der letzten Grippepandemie von 2009.» Die Zeitung stufte Leungs «gewagte Extrapolation» als «teilweise politisch motiviert» ein, um die Länder aufzurütteln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die WHO verbreitete am 19. Februar 2020 in ihrem <a href="https://www.who.int/docs/default-source/coronaviruse/situation-reports/20200219-sitrep-30-covid-19.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lagebericht</a>: «Gegenwärtige Schätzungen der IFR reichen von 0,3 bis 1 Prozent.» Das waren deutlich mehr, als Fauci erwartete.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Nicht ausgeschlossen»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Schweiz malte der Berner Wissenschaftler Christian Althaus den Teufel an die Wand: «Die meisten Fachleute gehen wie ich davon aus, dass die Sterblichkeit bei rund einem Prozent liegt», sagte er am 25. Februar 2020 zur «<a href="https://www.nzz.ch/schweiz/experte-zum-corona-ausbruch-man-muss-jetzt-nicht-die-halbe-schweiz-unter-quarantaene-stellen-ld.1542713" target="_blank" rel="noreferrer noopener">NZZ</a>» online. «Vielleicht 30, 40 Prozent oder mehr der Leute» könnten sich anstecken. Das hätte für die Schweiz etwa 26’000 bis 34’000 oder noch mehr Tote im Verlauf weniger Monate bedeutet. Der «<a href="https://interaktiv.tagesanzeiger.ch/2020/neue-wissenschaftliche-erkenntnisse-zum-coronavirus/?nosome" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tagesanzeiger</a>» nannte kurz danach eine von Althaus berechnete, noch höhere Sterberate von <a href="https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.03.04.20031104v1?versioned=true" target="_blank" rel="noreferrer noopener">1,6 Prozent</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Althaus bezog sich auf die Sterblichkeit aller Infizierten, auch der ohne oder mit nur leichten Symptomen (IFR). Die Journalisten der «NZZ» fragten nach: «Bei einer Sterblichkeit von einem Prozent sprechen wir von 30 000 Toten.» Und Althaus antwortete: «Ja. Ein solches Worst-Case-Szenario ist nicht ausgeschlossen.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichentags schrieben Althaus, zwei Kollegen und eine Kollegin einen Warnbrief an den Bundesrat: Man müsse davon ausgehen, &#171;dass die Sterblichkeit bei Covid-19 um mindestens den Faktor 10 höher ist&#187; als bei einer typischen saisonalen Grippe. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="552" height="275" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/191.png" alt="Tweet Christian Althaus 7.8.2020" class="wp-image-718015" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/191.png 552w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/191-300x149.png 300w" sizes="auto, (max-width: 552px) 100vw, 552px" /><figcaption class="wp-element-caption">Über 3600 Tweets und Retweets während der Pandemie: Der Berner Wissenschaftler Christian Althaus war auch auf Twitter sehr aktiv.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bill Gates versus Anthony Fauci</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Drei Tage nach Althaus&#8216; Aussage in der &#171;NZZ&#187; erschien im «<a href="https://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMe2002387" target="_blank" rel="noreferrer noopener">New England Journal of Medicine</a>» online ein von Anthony Fauci und dem damaligen Leiter der US-Gesundheitsbehörde CDC, Robert Redfield, gemeinsam verfasster Artikel. Nicht erfasste Sars-CoV-2-Infektionen ohne oder mit nur leichten Symptomen könnten &#171;vielfach&#187; öfter vorkommen als die gemeldeten Fälle, gaben sie zu bedenken. Berücksichtige man auch diese Infizierten «so könnte die Fallsterblichkeitsrate deutlich unter ein Prozent liegen. Dies deutet darauf hin, dass die [&#8230;] Gesamtauswirkungen von Covid-19 letztlich eher denen einer schweren saisonalen Influenza [&#8230;] oder einer pandemischen Influenza (ähnlich der von 1957 und 1968) ähneln könnten [&#8230;]»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Artikel in der Fachzeitschrift «<a href="https://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMe2002387" target="_blank" rel="noreferrer noopener">New England Journal of Medicine</a>» fand in den Schweizer Medien praktisch keine Beachtung.&nbsp;Er passte auch nicht zur Vorbereitung eines Lockdowns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am gleichen Tag, als Faucis und Redfields Artikel online ging, bekam im «<a href="https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMp2003762" target="_blank" rel="noreferrer noopener">New England Journal of Medicine</a>» ein prominenter Multimilliardär ebenfalls eine Plattform: Bill Gates. Gates und Fauci kennen sich <a href="https://www.paul.senate.gov/wp-content/uploads/2026/08/2026.08.05_Diary-Prequel-_Redacted.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">seit langem</a>, hatten schon mehrmals zusammengearbeitet und Fauci hat auch Texte von Gates <a href="https://www.paul.senate.gov/wp-content/uploads/2026/07/2026.07.31Gates.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">redigiert</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gates, der Milliarden in Impfprogramme steckt, hielt in seinem Artikel dagegen: &#171;Die bisherigen Daten deuten darauf hin, dass das Virus ein Fallsterberisiko von etwa 1 Prozent aufweist; damit wäre das Virus um ein Vielfaches gefährlicher als die typische saisonale Influenza und läge im Bereich zwischen der Influenza-Pandemie von 1957 (0,6 Prozent) und der [ Spanischen Grippe – Red.] von 1918 (2 Prozent)&#187;, schrieb er. &#171;Covid-19 hat bereits zehnmal mehr Fälle verursacht als Sars, und das in nur einem Viertel der Zeit.&#187;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Später enthüllte eine Recherche der «Welt am Sonntag» und der Online-Plattform «Politico», wie stark sich die Politik durch die Gates-Lobby beeinflussen liess. «Wir haben uns in der Pandemie enorm auf ihren Rat verlassen. Vor allem in den frühen Tagen», sagte beispielsweise ein Regierungsbeamter aus den USA den Journalisten. Bill Gates habe auch die deutsche Bundesregierung einschliesslich Kanzlerin Angela Merkel persönlich per Telefon und mit Briefen kontaktiert (<a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konzerne/so-dominierte-die-bill-gates-machtmaschine-die-corona-politik/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Infosperber</a> berichtete).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Dunkelziffer lächerlich gemacht</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die WHO, zu deren <a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12581034/pdf/bmjgh-10-10.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">grossen Sponsoren</a> die Gates-Stiftung gehört, postulierte Anfang März 2020, dass 3,4 Prozent aller Corona-&#171;Fälle&#187; sterben (Fallsterblichkeitsrate). Die Medien berichteten intensiv darüber: «Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel rechnet damit, dass sich zwei von drei Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus infizieren könnten. Bei der bisherigen Sterblichkeitsrate von 3,4 Prozent würde das eine Opferzahl von gegen zwei Millionen bedeuten», schrieb beispielsweise der «Blick». «Nach Merkels Worten habe im Saal Stille geherrscht.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während das deutsche Robert-Koch-Institut von <a href="https://fragdenstaat.de/dokumente/4123-wie-wir-covid-19-unter-kontrolle-bekommen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">0,56 Prozent</a> ausging, rechnete das &#171;Schockpapier&#187; – ein internes <a href="https://fragdenstaat.de/dokumente/4123-wie-wir-covid-19-unter-kontrolle-bekommen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Strategiepapier des deutschen Bundesinnenministeriums</a> zur Corona-Pandemie –, das im März 2020 erstellt wurde, mit 1,2 Prozent. In dem Papier stellten die Autoren Überlegungen an, wie die Bevölkerung auf Linie gebracht werden könnte, um drastische Massnahmen mitzutragen. Die Autoren mokierten sich: &#171;Seit Anfang des Ausbruchs in Wuhan wurde die Sterblichkeitsrate des Virus immer wieder heruntergespielt mit dem Hinweis auf eine mögliche ‹Dunkelziffer›. Asymptomatische und milde Fälle seien kaum getestet worden und würden daher die tatsächliche Sterblichkeitsrate noch verringern, wenn man diese unbekannten Fälle mit einberechnen würde.&#187;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich war diese Dunkelziffer jedoch erheblich und für die Prognose, wie gefährlich das Virus ist, enorm wichtig: Je nach Studie gab es <a href="https://www.bmj.com/content/369/bmj.m1924" target="_blank" rel="noreferrer noopener">5 bis 500-mal mehr</a> Infizierte, als mit den PCR-Tests erfasst wurden. Das kam aber erst im Lauf der nächsten Monate heraus.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Falsch gelegen – oder nicht?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Berner Wissenschaftler Christian Althaus, ehemaliges Mitglied der Science Taskforce, «lag offensichtlich falsch». Das sagte John Ioannidis, Professor für Medizin, Epidemiologie und Bevölkerungsgesundheit sowie für Datenwissenschaft an der Stanford University, kürzlich im Interview mit <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/corona-serioese-wissenschaftler-waren-voellig-unterlegen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Infosperber</a>.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Christian Althaus widerspricht dem. Er bleibt auch jetzt dabei, dass er mit seiner anfänglichen Schätzung von einem Prozent Infektionssterblichkeitsrate zum damaligen Zeitpunkt richtig lag.&nbsp;Infosperber geht in einer fünfteiligen Serie der Frage nach, wer richtig lag.</p>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">_____________________</p>



<p class="has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>➞ Lesen Sie demnächst Teil 2.</strong></p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konzerne/so-dominierte-die-bill-gates-machtmaschine-die-corona-politik/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">So dominierte die Bill-Gates-Machtmaschine die Corona-Politik</a>, Infosperber vom 19.9.2022</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/die-who-koennte-jaehrlich-eine-pandemie-ausrufen-1/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Die WHO könnte jährlich eine Pandemie ausrufen»</a>, Infosperber vom 6.2.2023</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/who-verliert-datenhoheit-an-privat-gesponsertes-us-institut/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">WHO verliert Datenhoheit an privat gesponsertes US-Institut</a>, Infosperber vom 7.7.2023</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/das-massentesten-hat-das-sterben-an-covid-nicht-reduziert/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Das Massentesten hat das Sterben an Covid nicht reduziert»</a>, Infosperber vom 30.6.2026<br></li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/58737d5350024a148df246bbdc3c82d5" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die Banken und «ihre» Schweiz – ein Rückblick auf 50 Jahre</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/die-banken-und-ihre-schweiz-ein-rueckblick-auf-50-jahre/</link>
					<pubDate>Mon, 10 Aug 2026 08:30:24 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=716321</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="198" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-01-um-19.44.58-300x198.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Berner Kantonalbank" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-01-um-19.44.58-300x198.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-01-um-19.44.58-768x508.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-01-um-19.44.58.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Schweizer Banken diktieren seit Jahrzehnten ihre eigenen Rahmenbedingungen. Nun steht der nächste «Testfall» bevor.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[



<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="504" height="504" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/02/cropped-Bildschirm­foto-2025-02-18-um-17.17.58-e1739898442426.png" alt="Rudolf Strahm Portraitbild" class="wp-image-605907" style="width:200px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/02/cropped-Bildschirm­foto-2025-02-18-um-17.17.58-e1739898442426.png 504w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/02/cropped-Bildschirm­foto-2025-02-18-um-17.17.58-e1739898442426-300x300.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/02/cropped-Bildschirm­foto-2025-02-18-um-17.17.58-e1739898442426-150x150.png 150w" sizes="auto, (max-width: 504px) 100vw, 504px" /><figcaption class="wp-element-caption">Rudolf Strahm </figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Während Jahrhunderten pflegten protestantische Städte im Raum der heutigen Schweiz, besonders Genf und Zürich, das Geldwechsel- und Geldverleih-Geschäft. Seit 170 Jahren nutzen Banken und Privatbanquiers die günstigen, schwach reglementierten Rahmenbedingungen in der Schweiz, um Vermögen aus aller Welt zu verwalten.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Bankwesen war immer bedeutsam. Dass die Schweiz aber dank den kapitalistischen Grossbanken und Privatbanquiers so reich geworden sei, ist allerdings ein schräges Narrativ von bankbeauftragten Historikern. Das wirtschaftliche Wachstum und die breite Prosperität&nbsp;– also in allen Kantonen und Regionen, beim Gewerbe, bei Unternehmenskrediten und Familienhaus-Hypotheken – ist wirtschaftshistorisch zu vier Fünfteln von den Kantonalbanken, Ersparniskassen und genossenschaftlichen Raiffeisenbanken ermöglicht worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Chiasso-Skandal 1977</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich erlebe und erfahre seit 50 Jahren die Schweizer Bankenszene. Ich kannte die Akteure bei den Grossbanken, wie auch beim Staat und bei den Regulatorbehörden. Eher durch Zufall war ich 1977 vom damaligen SP-Präsidenten Helmut Hubacher als Leiter der Kommission zur Ausarbeitung der Bankeninitiative (1978-1984) berufen worden. Seither ist die Finanzplatz-Politik in meinem Fokus. Die Bankeninitiative stellte nach dem Chiasso-Skandal erstmals die Kapitalflucht und Geldwäscherei bei Schweizer Banken öffentlich in Frage – am Ende scheiterte sie kläglich. Doch seither ist die mit der Initiative ausgelöste moralische Verunsicherung in der Politik und die regulatorische Aktivität&nbsp;beim Staat rund um die Bankenpraxis nie mehr verschwunden – aber zunehmend durch Druck aus dem Ausland.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir haben 1977 den Chiasso-Skandal der Schweizerischen Kreditanstalt SKA erlebt. Die Reputation der Grossbanken kam wegen Steuerflucht und Geldwäscherei unter Druck, Bundesbern war enerviert und hilflos. Die Schweizerische Nationalbank reagierte mit einem symbolischen «Gentlemen’s Agreement» mit den Grossbanken zur Einschränkung der Geldwäscherei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir haben später, in den 1980er und 1990er Jahren, den zunehmenden Druck aus den USA und seitens der OECD gegen Insider-Geschäfte, gegen Geldwäscherei und gegen das Bankgeheimnis erlebt. Schrittchenweise musste die Schweiz gegenüber den USA immer nachgeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die sogenannten nachrichtenlosen Vermögen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">1997 geriet die Schweizer Regierung unter massiven Druck der US-Regierung unter Bill Clinton und seitens jüdischer Kreise wegen der sogenannten nachrichtenlosen Gelder, also den versteckten, nie deklarierten Vermögen jüdischer Holocaust-Opfer. Lange Zeit mauerten die Grossbanken, und der Bundesrat war durch interne Fehleinschätzungen handlungsunfähig. Erst nach weiteren Entdeckungen (Dokumentenfund in der SBG/UBS) und massiven Drohungen aus der US-Finanzwelt bewegte sich Bundesbern. Bei der Deblockierung spielte der damalige Kreditanstalt-Verwaltungsratspräsident Rainer Gut nach einer Fact-Finding-Tour in den USA eine entscheidende Weichmacherrolle sowohl bei der Bankiervereinigung als auch in Bundesbern. Letztlich resultierte nach dem Einsetzen einer international zusammengesetzten Findungskommission unter dem früheren Fed-Chef Paul A. Volcker eine Banken-Entschädigung an jüdische Kreise von 1,3 Milliarden Dollar. Es folgten der umfangreiche Bergier-Bericht zur Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs und eine Regulierung der weiteren Auskunftspflichten, alles erst nach massivem unausweichlichem Druck aus dem Ausland.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Subprimekrise</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir haben 2008 den UBS-Absturz in der Subprimekrise erlebt, bei der die Grossbank unter dem Aufsteiger-Banker Marcel Ospel in den USA massive Verluste mit wertlosen Hypotheken-Ramschpapieren (Collateral Debt Obligations, u.a.) eingefahren&nbsp; hatte. Die grösste Schweizer Bank konnte nur mit Staatshilfe überleben, das heisst mit Aktienkäufen durch den Bund und mit der (vorübergehenden) Übernahme enormer Bestände an Ramschpapieren durch die Nationalbank. Bundesbern empörte sich, versprach stärkere Regulierung. Doch schon zwei, drei Jahre später wurden die strengen Vorgaben bezüglich Eigenmitteln im Parlament kritisiert, dann unterlaufen und nur halbherzig durchgesetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Absturz der CS</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Frühjahr 2023 erlebten wir den weiteren Grossbanken-Absturz mit der Credit Suisse CS. Seit 2013 hatte die aufmerksame, aber zahnlose Finma versucht, mit Rügen die Boni-getriebene CS-Führung zu disziplinieren, ohne Erfolg. Die CS war politisch zu stark vernetzt. Sie konnte Mahnungen und Verfügungen der Finma ignorieren und mit «Filtern» erst noch Sonderausnahmen erzwingen. Von 2010 bis 2022 hatte die Credit Suisse-Gruppe – so der PUK-Untersuchungsbericht des Parlaments – Boni&nbsp;für 39,8 Milliarden Franken ausgeschüttet, aber ihr aufsummierter Gesamtverlust inklusive Bussen und Schadenszahlungen belief sich auf 33,7 Milliarden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Schweiz im Griff der Banken</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute, wo es für die UBS als Übernahmebank der CS um mehr Sicherheiten durch mehr Eigenkapital geht, auch um eine Eigenkapitalaufstockung bei ihren ausländischen Töchtern, erleben wir ein unwürdiges Power Play der UBS gegen die Bundesbehörden. Es wird gedroht, es wird der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit behauptet, es wird mit anonymen Gerüchten eine Sitzverlegung ins Ausland angedeutet.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Erfahrung des letzten Halbjahrhunderts: Die Schweiz hatte nie von sich aus die Kraft, ihr Haus auf dem Finanzplatz selber in Ordnung zu bringen. Es waren immer ausländische Behörden oder multilaterale Regulatoren, die der&nbsp;Schweizer Regierung die Interventionen und Regeln vorgaben. Die Banken hatten landesintern mit ihrer Lobby-Power die Politik immer fest im Griff,&nbsp;um «ihre» Schweiz nach ihren Interessen zu gestalten. Der nächste Testfall, nämlich beim Eigenkapitalbedarf der UBS, steht bevor.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Red. Dieser Artikel erschien zuerst in der «<a href="https://weltwoche.ch/autor/rudolf-strahm/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Weltwoche</a>». Dies ist eine leicht erweiterte Fassung.</em></p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/kapitalmarkt/eine-ohrfeige-fuer-ubs-ermotti-und-weichgeklopfte-parlamentarier/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Eine Ohrfeige für UBS-Ermotti und weichgeklopfte Parlamentarier</a>, Infosperber vom 3. Juli 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/kapitalmarkt/marc-chesney-kontert-argumente-gegen-die-ubs-kapitalvorgaben/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«UBS sollte Steuerzahlern für Staatsgarantie dankbar sein»</a>, Infosperber vom 25. April 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/kapitalmarkt/mosambik-die-ubs-muss-nicht-fuer-cs-taten-geradestehen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mosambik: Die UBS muss nicht für CS-Taten geradestehen</a>, Infosperber vom 18. April 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/keller-sutter-will-strengere-kapitalregeln-auch-fuer-die-ubs/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Keller-Sutter will strengere Kapitalregeln – auch für die UBS</a>, Infosperber vom 17. März 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><a href="https://www.rudolfstrahm.ch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rudolf Strahm</a>, ehemaliger Preisüberwacher und alt SP-Nationalrat, leitete von 1978 bis 1984 die Kommission zur Ausarbeitung der Bankeninitiative und war sieben Jahre SP-Zentralsekretär.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Höchste Zeit für einen Stopp der Militärgeschäfte mit Israel»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/hoechste-zeit-fuer-einen-stopp-der-militaergeschaefte-mit-israel/</link>
					<pubDate>Mon, 10 Aug 2026 08:25:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=718761</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="170" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/snapshot-1-300x170.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot SRF Drohne Israel" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/snapshot-1-300x170.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/snapshot-1-768x435.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/snapshot-1.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Unser Gastautor Heinrich Frei fordert, dass die Schweiz nach dem Glyphosat-Einsatz von Israel nun endlich handelt.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Israel schickt Flugzeuge über die Grenze nach Syrien und in den Libanon. Sie versprühen Glyphosat, ein Pflanzengift. Danach wächst nichts mehr. Wäre es nicht an der Zeit, nach diesem Pflanzengifteinsatz in Syrien und im Libanon die Rüstungszusammenarbeit mit Israel einzustellen und unter anderem die Drohnengeschäfte mit Israel zu stoppen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Militärgeschäfte mit Israel hätten nach dem Gazakrieg sowie dem Krieg im Libanon und im Iran längst beendet werden müssen. Die Schweiz müsste auch die Exporte von Kriegsmaterial an Staaten stoppen, die Israel mit Waffen beliefern. Laut dem Stockholm International Peace Research Institute sind das zur Hauptsache die USA, Deutschland und Italien. Mit ihren Waffenlieferungen nach Israel sind sie Kriegsparteien.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Papier ist seit Jahrzehnten festgeschrieben, dass die Herstellung, die Vermittlung, die Ausfuhr und die Durchfuhr von Kriegsmaterial für Empfänger im Ausland nicht bewilligt wird, wenn «das Bestimmungsland in einen internen oder internationalen bewaffneten Konflikt verwickelt ist.» </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Absatz im <a href="https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1998/794_794_794/de#art_22_a" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kriegsmaterialgesetz</a> müsste dazu führen, dass unser neutrales, humanitäres Land, das dem Frieden verpflichtet ist, sofort alle Kriegsmaterialexporte an solche Staaten einstellt,&nbsp;nicht nur die Exporte nach Russland. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der Nationalbank, den Banken, Versicherungen und Pensionskassen müsste es verboten werden, Gelder in Rüstungskonzerne dieser Staaten anzulegen. </p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Tamedia-Zeitungen wollen keine Kommentare zu Israels Glyphosat-Einsatz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den Tamedia-Zeitungen erschien ein Artikel darüber, dass Israel mit dem Pflanzengift Glyphosat in Syrien und im Libanon Felder zerstört haben soll. Ein Bauer wird zitiert, der erklärte: «Seit die Flugzeuge kamen, wächst nichts mehr auf unseren Feldern».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heinrich Frei wollte den Artikel online kommentieren. Doch das war nicht möglich. Es hiess:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>«Die Kommentarfunktion ist bei diesem Beitrag deaktiviert. Bei bestimmten Themen erhalten wir wiederholt unangemessene Kommentare, sodass trotz erheblichem Moderationsaufwand kein sachlicher Austausch zustande kommt. Deswegen verzichten wir zum Beispiel bei Berichten über Todesfälle, Straftaten und Unglücke auf die Kommentarmöglichkeit.</em>»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heinrich Frei war der Meinung, dass dieser Artikel kommentiert werden sollte. Deshalb schickte er seinen bei Tamedia unerwünschten Kommentar an Infosperber.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/medien/tamedia-die-ki-loescht-leserkommentare/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tamedia: Die KI löscht Leserkommentare</a> – Infosperber vom 1. Mai <time datetime="2026-05-01T10:53:23+02:00">2026</time></li><li><a href="https://www.infosperber.ch/medien/tamedia-die-journalisten-duerfen-die-leser-duerfen-nicht/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tamedia: Die Journalisten dürfen, die Leser dürfen nicht</a> – Infosperber vom 29. April 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Der Gastautor Heinrich Frei ist Mitglied der «Gruppe für eine Schweiz ohne Armee» GSoA und setzt sich für eine nachhaltige Friedenspolitik ein. Frei ist auch Vorstandsmitglied beim Hilfswerk «Swisso Kalmo».<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Google vergrössert den Stau</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/google-vergroessert-den-stau/</link>
					<pubDate>Sun, 09 Aug 2026 07:33:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=717707</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Leissigen-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Leissigen" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Leissigen-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Leissigen-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Leissigen-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Leissigen.png 1328w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Google ist nicht nur eine Such-Maschine, sondern auch ein Stau-Verursacher. Das zeigt sich Sonntag für Sonntag am Thunersee.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Bei schönem Wetter ist es jeden Sonntag Nachmittag das gleiche Bild: Am linken Thunerseeufer verlassen Holländer, Deutsche, Engländer die Autostrasse A8 bei der Ausfahrt Leissigen und münden zwei Kilometer später wieder ein. Sie nehmen also nicht den Umfahrungstunnel, sondern fahren mitten durchs Dorf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der schnellste Weg</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum? Weil Google es so vorschlägt. Viele Navigationssysteme greifen auf die Daten von Google zu. Und Google empfiehlt den schnellsten Weg. Wenn es also im Umfahrungstunnel nicht richtig vorwärts gehen will, dann schlägt Google die Dorfstrasse vor. Auch dann, wenn die Zeitersparnis minimal ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Problem mit der Google-Empfehlung: Der Leissigen-Tunnel wurde vor gut 30 Jahren gebaut, damit der Durchgangsverkehr eben gerade nicht durchs Dorf fährt. Die öffentliche Hand liess sich das viel kosten: 173 Millionen Franken für den ursprünglichen Bau und in den letzten Jahren nochmals 42 Millionen für einen Sicherheitsstollen. Hinzu kommen ab 2031 die Kosten für die Sanierung. Viel Geld für einen Tunnel, der seinen Zweck wegen der Navigationssysteme nur halbbatzig erfüllt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Noch mehr Stau</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommt: Wenn die Autos nach der Fahrt durchs Dorf wieder auf die Autostrasse drängen, dann verursachen sie noch mehr Stau. Das lässt sich Sonntag für Sonntag bei der Einfahrt Leissigen beobachten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="944" height="379" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Leissigen3.png" alt="Leissigen3" class="wp-image-717717" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Leissigen3.png 944w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Leissigen3-300x120.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Leissigen3-768x308.png 768w" sizes="auto, (max-width: 944px) 100vw, 944px" /><figcaption class="wp-element-caption">Nach Leissigen drängen die Automobilisten wieder auf die Autostrasse und verursachen so einen Stau.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Infosperber wollte von Google wissen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Warum macht Google Empfehlungen, die zu zusätzlichem Stau führen?</li>



<li>Arbeitet Google an einer Lösung für dieses Problem?</li>



<li>Bis wann ist mit einer solchen Lösung zu rechnen?</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Google schrieb zurück: «Wir können nicht im Detail auf Ihre Anfrage eingehen.» Dann folgte in englischer Sprache die Antwort, die Google in solchen Fällen immer liefert: «Wir berücksichtigen eine Vielzahl von Faktoren, um die beste Fahrroute zu ermitteln, darunter Strassenbreite, Direktheit, voraussichtliche Fahrzeit und Kraftstoffeffizienz.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Wohl der Dorfbewohner von Leissigen gehört nicht dazu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Verhindern zusätzlicher Staus auch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Gemeinde wusste von nichts</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Markus Steuri ist Vize-Gemeindepräsident von Leissigen. Er wohnt an der Strasse, die durchs Dorf führt. Er hat auch schon bemerkt, dass am späten Sonntag Nachmittag auffallend viele Autos mit ausländischen Nummernschildern durchs Dorf fahren. Einen Reim konnte er sich darauf allerdings nicht machen – bis ihm Infosperber ein Bildschirmfoto der Google-Empfehlung zustellte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er sagt: «Das geht natürlich nicht. Wir werden das an der nächsten Gemeinderats-Sitzung diskutieren.» Die Gemeinde, sagt Steuri, müsse wohl bei Google vorstellig werden. Und wenn das nicht reiche, allenfalls zusammen mit der Polizei und dem Bundesamt für Strassen (Astra) etwas unternehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Astra ist machtlos</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Astra, das für die A8 am linken Thunerseeufer zuständig ist, hat das Problem schon länger erkannt. Die Medienstelle schreibt: «Wir setzen uns dafür ein, Ortschaften entlang der Nationalstrassen vor vermeidbarem Ausweichverkehr zu schützen. Wenn sich der Verkehr bei Stau von der Nationalstrasse auf das nachgelagerte Strassennetz verlagert, belastet dies die Bevölkerung, erschwert den lokalen Verkehr sowie den öffentlichen Verkehr und kann die Verkehrssicherheit beeinträchtigen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bekannt ist beim Astra auch, dass Navigationsdienste zuweilen «Ausweichrouten über das untergeordnete Strassennetz vorschlagen, obwohl der tatsächliche Zeitgewinn oft gering ist.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch das Astra ist machtlos. Es ist zwar auch schon bei Anbietern vorstellig geworden, musste aber feststellen: «Unsere Einflussmöglichkeiten sind beschränkt: Die Routenempfehlungen werden von privaten, häufig international tätigen Unternehmen eigenständig entwickelt. Das Astra kann weder die Berechnungsgrundlagen noch die empfohlenen Routen vorgeben.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit anderen Worten: Das Astra kann nichts machen. Und Google ist es egal.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/die-kleinen-gemeinden-und-das-grosse-google/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die kleinen Gemeinden und das grosse Google</a>, Infosperber vom 31. Oktober 2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/buendner-wollen-navis-austricksen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bündner wollen Navis austricksen</a>, Infosperber vom 29. März 2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/navis-sorgen-fuer-noch-mehr-stau/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Navis sorgen für noch mehr Stau</a>, Infosperber vom 13. Februar 2024</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/0173d6992ec74effa1e8bf326bc919ba" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Man kann den Kontakt auch ohne Helikopter halten, Herr Rösti</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/man-kann-den-kontakt-auch-ohne-helikopter-halten-herr-roesti/</link>
					<pubDate>Sun, 09 Aug 2026 07:32:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=718649</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="181" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/heidi030-4rosti-300x181.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="heidi030-4rosti" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/heidi030-4rosti-300x181.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/heidi030-4rosti-1024x618.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/heidi030-4rosti-768x463.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/heidi030-4rosti.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Albert Rösti liess sich von 1.-August-Rede zu 1.-August-Rede fliegen. Und anschliessend rechtfertigte er sich auch noch dafür.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Werter Herr Rösti, alle Achtung: Sie sind ein Fleissiger. Letztes Wochenende hielten Sie fünf 1. August-Reden. Am 31. Juli in Fehraltorf ZH und im Münstertal GR, am 1. August in St. Moritz GR, in Sigriswil BE und in Uetendorf BE. Kein anderer Bundesrat hielt so viele 1.-August-Reden wie Sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor einer Woche gab ich <a href="https://www.infosperber.ch/politik/was-wir-am-1-august-alles-gelernt-haben/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">an dieser Stelle</a> meiner Verwunderung darüber Ausdruck, dass nicht nur Sie im Engadin aufgetreten waren, sondern auch Ihr Kollege Martin Pfister. Wenn Sie sich im Bundesrat ein bisschen abgesprochen hätten, dann hätte sich wohl der eine oder andere Helikopterflug vermeiden lassen. Das wäre in diesem Hitzesommer gar kein schlechtes Signal gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach meinem Artikel führten die Tamedia-Journalisten Cyrill Pinto und Iwan Städler ein Interview mit Ihnen. Die beiden fragten: «Für den Redemarathon sind Sie mit dem Helikopter quer durch die Schweiz geflogen. Ist das das richtige Signal?» Ob es das richtige Signal sei – darauf gaben Sie leider keine Antwort. Aber Sie sagten:</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Ich versuche grundsätzlich, möglichst mit dem Zug oder mit dem Auto zu reisen. Wenn es zeitlich nicht anders geht, nehme ich den Helikopter. Am Nationalfeiertag stand der Kontakt mit der Bevölkerung im Vordergrund.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sind nicht nur ein Fleissiger, Herr Rösti, Sie sind auch ein Kluger. Denn da ist Ihnen ein Satz von fast universeller Gültigkeit gelungen. Denn:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Wenn wir unsere Wohnungen auf 25 Grad heizen, können wir künftig sagen: Im Winter steht für uns das Wohlbefinden im Vordergrund.</li>



<li>Wenn wir nach Mallorca fliegen, dann sagen wir: In den Ferien steht für uns die Erholung im Vordergrund.</li>



<li>Wenn wir Früchte und Gemüse vom andern Ende der Welt kaufen, dann halten wir fest: Beim Essen steht für uns der Genuss im Vordergrund.</li>



<li>Und wenn wir dereinst gegen die Flugbillett-Abgabe stimmen werden, dann können wir sagen: Bei der Abstimmung stand für uns das eigene Portemonnaie im Vordergrund.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Vielen Dank dafür, dass Sie uns die Universal-Ausrede für alle Umweltsünden geliefert haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wobei, wenn ich es mir richtig überlege: Ich vermute, Herr Rösti, dass man den Kontakt zur Bevölkerung auch halten kann, ohne dass man mit dem Helikopter fliegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht sogar noch besser.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="618" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/heidi030-4rosti-1024x618.png" alt="heidi030-4rosti" class="wp-image-718651" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/heidi030-4rosti-1024x618.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/heidi030-4rosti-300x181.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/heidi030-4rosti-768x463.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/heidi030-4rosti.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Bundesrat Albert Rösti kürzt Gelder für Massnahmen, mit denen der Wald hitzeresistenter gemacht werden soll: «Ohne Wälder keine Waldbrände!»</figcaption></figure>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/b2a18f3c90eb4b61a62005bf8d5925bb" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Im Zweifel? Schuldig!</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/im-zweifel-schuldig/</link>
					<pubDate>Sun, 09 Aug 2026 07:31:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=716915</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="169" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-03-um-14.35.03-300x169.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Bartolomeo Vanzetti, Nicola Sacco" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-03-um-14.35.03-300x169.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-03-um-14.35.03-768x432.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-03-um-14.35.03.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Der Prozess gegen die Anarchisten Sacco und Vanzetti gilt als einer der unfairsten der US-Geschichte. Der Autor über sein Buch.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Es geschieht am helllichten Nachmittag, gegen 15 Uhr: Zwei Männer überfallen am 15. April 1920 in South Braintree im Staat Massachusetts einen Lohntransport, schiessen die Wachmänner nieder und flüchten mit der Beute von mehr als 15&#8217;000 Dollar in einem blauen Wagen. Schon bald konzentrieren sich die Ermittlungen auf zwei italienische Einwanderer: Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti. Die beiden leben in der Nähe, nicht weit vom Tatort. Sacco stammt aus Torremaggiore in Apulien, ist bettelarm und wird es auch lange bleiben. Erst als er die Facharbeiterausbildung in einer Schuhfabrik abschliesst, verdient er etwas mehr Geld. Auch Vanzetti ist ein armer Schlucker. Der gebürtige Piemonteser schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch und besitzt einen Fischkarren, von dem er Aale verkauft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die beiden lernen sich 1917 kennen, denn sie teilen gemeinsame politische Überzeugungen. Sie sind Anhänger des kommunistischen Anarchisten Luigi Galleani, der in den USA das kapitalistische System stürzen will – auch mit Gewalt. Die beiden schreiben bis zum Verbot 1918 für seine italienischsprachige Zeitung Cronaca Sovversiva, («Subversive Chronik»). Galleanis Anhänger schrecken auch vor Bombenanschlägen nicht zurück. Dass Sacco und Vanzetti selbst an gewaltsamen Aktionen beteiligt gewesen wären, ist allerdings nicht belegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kombination «Migrant» und «radikal» reicht in den Augen amerikanischer Polizeibehörden, sie zu suspekten Personen zu machen. Beide werden verhaftet und verhört. Sie verwickeln sich in Widersprüche. Doch beide haben ein Alibi. Mehr als ein Dutzend Zeugen geben&nbsp;zu Protokoll, dass die Angeklagten zur Tatzeit woanders gewesen seien. Zu einer angeblich von Sacco abgefeuerten Kugel gibt es unterschiedliche Gutachten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zeugen widersprechen sich, Sachverständige schlingern</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sind Sacco und Vanzetti die Mörder? Waren sie überhaupt am Tatort? Im Prozess macht Richter Webster Thayer deutlich, dass ihm Ausländer suspekt sind und vor allem solche, die nach seiner Ansicht politisch aus der Reihe tanzen. Das Klima in den USA nach dem Ersten Weltkrieg ist ähnlich wie die Gesinnung des Richters, das Misstrauen gegenüber Kommunisten und anderen Linken gross. Auch Staatsanwalt Katzmann ist überzeugt, dass Sacco geschossen und Vanzetti als Mittäter im Fluchtauto gesessen hat, und setzt alles daran, die Geschworenen von seiner Version des Tathergangs zu überzeugen. Dass seine Belastungszeugen sich widersprechen, die Sachverständigen schlingern und andere Zeugen wiederum den Angeklagten Alibis verschaffen, hält ihn nicht von seinem Kurs ab. Am Schluss seines Plädoyers ruft er den Geschworenen zu: «Meine Herren Geschworenen, tun Sie Ihre Pflicht. Handeln Sie wie echte Männer.» Die Jury zieht sich zur Beratung zurück. Am Abend des 14. Juli 1921 sprechen die Geschworenen Sacco und Vanzetti schuldig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lange Jahre im Gefängnis stehen ihnen bevor: immer wieder Eingaben, Gutachten, Revisionsanträge. Ein lähmender Kampf. Gegen das Verzweifeln. Am 9. April 1927 fällt Richter Thayer das letztinstanzliche Urteil: Todesstrafe, «mit einem Stromstoss durch Ihren Körper».</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="522" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-03-um-14.16.54.png" alt="Demonstration wegen Sacco und Vanzetti" class="wp-image-716953" style="aspect-ratio:1.5326024235429891" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-03-um-14.16.54.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-03-um-14.16.54-300x196.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-03-um-14.16.54-768x501.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">   </figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><strong>Albert Einstein und der Papst setzen sich ein</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es kommt zu Massenprotesten, weil der Prozess offenkundig unfair geführt wird. Botschaften der USA müssen in etlichen Ländern beschützt werden. Zahlreiche Prominente, darunter der Nobelpreisträger Albert Einstein und der Papst, setzen sich für die Verurteilten ein. Jahrelang versuchen die Anwälte, eine Berufung zu erreichen. Hunderttausende von Menschen beteiligen sich an Petitionen und versuchen damit, einen Aufschub oder die Aussetzung der Urteilsvollstreckung zu erreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Ende ist alles vergebens: die Proteste, der Einspruch, das Gnadengesuch. Am 22. August 1927 um 23.03 Uhr entscheidet der Gouverneur des US-Bundesstaats Massachusetts, Alvan T. Fuller, dass die Hinrichtung von Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti nicht gestoppt wird. Die Exekution ist für Mitternacht angesetzt. Im Gefängnis von Charlestown bereiten sich die Henker auf ihre Arbeit vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Ich möchte Ihnen sagen, dass ich unschuldig bin»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sacco und Vanzetti werden nacheinander aus ihren Todeszellen in die Hinrichtungskammer geführt. «Lang lebe die Anarchie», ruft der 36 Jahre alte Sacco noch vom elektrischen Stuhl aus. «Lebt wohl, meine Frau, mein Kind und alle meine Freunde.» Dann legen die Gefängniswärter den Schalter um, Strom fliesst durch den Körper von Nicola Sacco, um 0.19 Uhr wird er für tot erklärt. Wenige Minuten später folgt ihm Bartolomeo Vanzetti in die Todeskammer. Zum Aufseher sagt der 39-Jährige: «Ich möchte Ihnen sagen, dass ich unschuldig bin. Ich habe nie ein Verbrechen begangen, einige Sünden schon, aber kein Verbrechen.» Dann wird er von zwei Wärtern zum elektrischen Stuhl geführt. «Ich möchte nun einigen Menschen vergeben für das, was sie mir antun», sind Vanzettis letzte Worte. Um 0.27 Uhr des 23. August 1927 ist Vanzetti tot. Warum Sacco und Vanzetti sterben mussten, darüber gehen die Meinungen auseinander.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schuldig oder nicht? Bis heute ist diese Frage nicht endgültig beantwortet, aber allein die Zweifel und das ungerechte Verfahren reichen aus, um den Fall zu einer Legende zu machen. Fast genau fünfzig Jahre später, am 19. Juli 1977, trat Michael Dukakis, der Gouverneur von Massachusetts, in Boston vor die Mikrophone und verlas eine Proklamation: «Weil Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti keinen fairen Prozess hatten, weil Richter und Staatsanwalt voreingenommen waren und im Prozess ein Klima politischer Hysterie herrschte, soll nun jeder Makel für immer von den Familien und Nachfahren genommen werden». Er erklärte den 23. August zum «Sacco-und-Vanzetti-Gedenktag» in seinem Bundesstaat. Es war der letzte Akt einer Tragödie, die bis heute kein Ende gefunden hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">_____________________</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="599" height="800" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-03-um-14.17.12-1.png" alt="Buchcover Fremde Feinde" class="wp-image-716955" style="aspect-ratio:0.7487569464755777;object-fit:cover;width:153px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-03-um-14.17.12-1.png 599w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-03-um-14.17.12-1-225x300.png 225w" sizes="auto, (max-width: 599px) 100vw, 599px" /><figcaption class="wp-element-caption">  </figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Am 15. August 2026 erscheint von Helmut Ortner das Buch «Fremde Feinde. Der Fall Sacco und Vanzetti» im Verlag <a href="https://www.edition-av.de" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Edition AV</a>.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/justiz/der-antifa-praezedenzfall-aus-texas/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Antifa-Präzedenzfall aus Texas</a>, Infosperber vom 2. August 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/ein-plot-gegen-die-us-zwischenwahlen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ein Plot gegen die US-Zwischenwahlen?</a>, Infosperber vom 27. Juli 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><em>Der Autor dieses Artikels ist Beiratsmitglied der&nbsp;<a href="https://www.giordano-bruno-stiftung.de/leitbild" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Giordano-Bruno-Stiftung</a>, Journalist und Autor zahlreicher Bücher. Sein Beitrag erschien zuerst bei «<a href="https://www.pressenza.com/de/2026/08/im-zweifel-schuldig/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">pressenza.com</a>».&nbsp;Vorspann und Zwischentitel von der Redaktion.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>Schulterschmerzen: MRI kann auf die falsche Fährte führen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/schulterschmerzen-mri-kann-auf-die-falsche-faehrte-fuehren/</link>
					<pubDate>Sat, 08 Aug 2026 08:30:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=715661</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="198" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-30-um-15.40.54-300x198.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Patientin mit Schulterschmerzen" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-30-um-15.40.54-300x198.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-30-um-15.40.54-768x507.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-30-um-15.40.54.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Normale Verschleisserscheinungen werden oft als Grund für die Beschwerden diagnostiziert. Ein Irrtum.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Schulterschmerzen – MRI – Befund: Sehnenschaden an der Rotatorenmanschette, teilweiser oder kompletter Sehnenriss. Damit ist die Ursache der Beschwerden klar – meint der Laie. Falsch, ergab eine finnische Studie.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort wurden 602 Erwachsene zu einer ärztlichen Untersuchung inklusive MRI beider Schultergelenke eingeladen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von den 1204 Schultern bereiteten 1076 ihren Trägern keine Probleme. Trotzdem fanden die Radiologen bei 96 Prozent Auffälligkeiten: 537-mal einen teilweisen Sehnenriss, 427-mal eine «Tendinopathie» (Sehnenerkrankung) und 75-mal einen kompletten Sehnenriss. Als normal stuften die Röntgenärzte – es waren drei erfahrene Fachärzte mit mindestens zehn Jahren Berufserfahrung – nur 37 Schultergelenke ein.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den 128 Schultern, die in der Woche zuvor mindestens einen Tag lang geschmerzt hatten, erkannten die Radiologen in 98 Prozent der Fälle etwas Auffälliges auf den MRI-Bildern. Also praktisch genauso oft wie bei den schmerzfreien Schultergelenken.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>&#171;Normale Alterserscheinungen&#187; wie das Ergrauen der Haare </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Komplette Sehnenrisse diagnostizierten sie bei 96 Schultergelenken – 75 davon in schmerzfreien Schultern und 17 in solchen, die Schmerzen verursacht hatten. Wobei mehrere Patienten zwar an beiden Schultern solche Sehnenrisse hatten, aber weh tat nur eine: Von 26 Personen, denen sogar beidseits eine Sehne komplett gerissen war, hatten 17 dennoch keine Beschwerden, 5 verspürten nur in einer Schulter Schmerzen und 4 in beiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Sehnenleiden fanden die Ärzte eher bei Erwachsenen mittleren Alters, die Risse bei den ab 55-Jährigen. «Man kann diese strukturellen Veränderungen mit dem Ergrauen der Haare vergleichen. Das sind normale Alterserscheinungen und sie bedeuten nicht zwangsläufig, dass ‹etwas kaputt› ist oder repariert werden muss», sagte der Studienleiter Thomas Ibounig dem «<a href="https://kurier.at" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kurier</a>».</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Der Rat: Arztbriefe anders formulieren</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das alles zeige, wie schlecht Schulterbeschwerden und MRI-Befunde übereinstimmen, schreiben die Studienautoren in «<a href="https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2844659" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jama Internal Medicine</a>». Selbst bei Einsatz modernster MRI-Technik und detaillierter Beurteilung durch erfahrene Schulterspezialisten «sind wir derzeit nicht in der Lage, klinisch relevante MRI-Auffälligkeiten von Zufallsbefunden zu unterscheiden.» In der Schweiz wurden 2024 <a href="https://www.versorgungsatlas.ch/indicator/_435" target="_blank" rel="noreferrer noopener">76&#8217;817-mal</a> Schultern und/ oder Oberarme im MRI untersucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Studienautoren raten den Radiologen, in ihren Arztbriefen andere Wörter zu wählen: Anstatt «Riss» sollten sie beispielsweise besser Läsion, Defekt oder Abnützung schreiben, damit die Patienten nicht automatisch dächten, an ihrer Schulter sei etwas kaputt, das in Ordnung gebracht werden müsse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einschränkend ist zu erwähnen, dass an dieser Studie ausschliesslich 41- bis 76-Jährige teilnahmen, die wegen der Schmerzen vielleicht nicht zum Arzt gegangen wären, wenn sie nicht an der Studie teilgenommen hätten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Fazit der Studienautoren: Ein MRI-Befund allein beweise nicht automatisch, dass dies auch der Grund für die Schulterschmerzen sei. Wenn ein auf dem MRI-Bild erkennbarer Schaden aber eindeutig auf ein traumatisches Ereignis zurückzuführen sei oder mit akutem Kraft- oder anhaltendem Funktionsverlust einhergehe, dann sei es wahrscheinlicher, dass die Läsion tatsächlich der Grund sei.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/kniegelenk-gerissenen-meniskus-entfernt-oefter-arthrose/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kniegelenk: Gerissenen Meniskus entfernt – öfter Arthrose</a>, Infosperber vom 6. Juni 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/0077756a32c3403c86102653015760c5" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>EU-Behörde senkt sichere Aufnahmemenge von Trifluoracetat (TFA)</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/eu-behoerde-senkt-sichere-aufnahmemenge-von-triflouracetat-tfa/</link>
					<pubDate>Sat, 08 Aug 2026 08:25:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=717211</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="193" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/TFA-formation-scaled-1400x900-1-300x193.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="TFA-formation-scaled-1400x900" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/TFA-formation-scaled-1400x900-1-300x193.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/TFA-formation-scaled-1400x900-1-1024x658.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/TFA-formation-scaled-1400x900-1-768x494.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/TFA-formation-scaled-1400x900-1.png 1400w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Trifluoracetat gesundheitsschädlicher ist als bisher angenommen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Ob und wie schädlich Trifluoracetat (TFA) ist, war lange schwer zu sagen. Seit einigen Monaten werden die Risikoeinschätzungen jedoch konkreter: Nachdem die EU-Chemikalienagentur Echa TFA vor zwei Monaten bereits als fruchtbarkeitsschädigend eingestuft hatte, senkte nun die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit, <a href="https://www.efsa.europa.eu/en/plain-language-summary/consumer-health-based-guidance-values-trifluoroacetic-acid" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Efsa</a>, die für Menschen noch sichere Aufnahmemenge. Die neuen Richtwerte betragen noch ein Drittel des bisherigen Werts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">TFA ist sehr gut wasserlöslich. Es findet sich in Trinkwasser, Oberflächenwasser und als Folge davon in fast allem, was viel Wasser enthält &#8211; zum Beispiel in Obst, Gemüse und Wein. Die Chemikalie galt lange als unschädlich, bis vor drei Jahren eine Studie auftauchte, die 2021 Schäden an Kaninchenföten nachgewiesen hatte. Vom Körper wird TFA wegen seiner guten Wasserlöslichkeit schnell ausgeschieden. Bei Ratten stellt sich nach den <a href="https://efsa.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.2903/j.efsa.2026.10227" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Untersuchungen der Efsa</a> auf längere Sicht aber ein konstanter TFA-Spiegel ein. Da TFA eine Ewigkeitschemikalie ist, nimmt seine Konzentration in der Umwelt ständig zu.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wichtigster Grund: TFA kann die Schilddrüse schädigen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wegen neuer Erkenntnisse senkte die Efsa die seit 2017 als noch sicher angenommene Tagesdosis (Acceptable Daily Intake, ADI) von 0,05 Milligramm Trifluoracetat pro Kilogramm Körpergewicht auf 0,014 Milligramm pro Kilogramm. Diese TFA-Menge kann ein Mensch nach Einschätzung der Efsa lebenslang jeden Tag aufnehmen, ohne Schaden zu nehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu legte sie die Menge an TFA, die ein Mensch auf einmal ohne gesundheitliches Risiko aufnehmen kann (akute Referenzdosis, ARfD) auf 0,07 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht fest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Neubewertung folgt einer längeren Prüfung zahlreicher Quellen aus Wissenschaft, Industrie und aus Biomonitoring-Studien. Das für die Efsa wichtigste Ergebnis: TFA hat im Tierversuch bereits in kleinen Dosen Einfluss auf Schilddrüsenhormone wie Thyroxin, die bei Mensch und Tier eine wichtige Funktion im Energiestoffwechsel haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter kann TFA die Leber schädigen und zu Fehlbildungen führen. In höheren Dosen verringerte es im Versuch die Spermienqualität. TFA beeinflusst in Tierversuchen zudem Fortpflanzung und Entwicklung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ob TFA langfristig Krebs auslöst, ist unklar</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nach den Erkenntnissen der Efsa schädigt TFA die DNA nicht. Es gebe jedoch noch keine Langzeitstudien, schränkt die EU-Behörde gleichzeitig ein. Das macht es für Fachleute schwierig, einzuschätzen, ob TFA langfristig Krebs auslösen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Frage mit erheblicher Brisanz. TFA findet sich schon jetzt flächendeckend im Wasser. Die Konzentration steigt ständig weiter. Es aus der Umwelt zu entfernen, gilt als schwierig bis unmöglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber, ob TFA das Immunsystem beeinflusse, wisse man ebenfalls noch zu wenig, legt die Efsa in ihrer Bewertung dar. Ein Punkt, der bei anderen Chemikalien erst spät auffiel und bei der Chemikalie Bisphenol A (BPA) erst zu strengeren Grenzwerten und dann <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/eu-verbietet-hormongift-bisphenol-in-verpackungen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zum Verbot führte</a>. Von anderen PFAS weiss man bereits, dass sie das Immunsystem beeinflussen und Impfungen weniger wirksam machen können.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Konsequenzen: Vorerst keine</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Praktische Auswirkungen haben bisher weder die Einstufung der EU-Chemikalienagentur Echa noch die der Lebensmittelagentur Efsa. Sie dürften aber Einfluss auf die Regulierung von Pestiziden haben, die neben Kältemitteln eine der Hauptquellen für TFA darstellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Einschätzung von Fachleuten enthält etwa ein Zehntel der zugelassenen Pestizide PFAS. <a href="https://www.foodwatch.org/de/eu-will-pfas-pestizide-dauerhaft-erlauben-vor-agrarministerkonferenz-foodwatch-warnt-vor-folgen-fuer-trinkwasser-und-lebensmittel" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Foodwatch </a>führt in einer Liste 28 Beispiele auf. Auf alle Spritzmittel verzichten müssten Landwirt:innen also nicht. Dass es auch ohne TFA-Abspalter geht, zeigt <a href="https://www.infosperber.ch/politik/europa/pfas-daenemark-verbietet-23-pestizide/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dänemark</a>, das mehrere Pestizide vorsorglich verboten hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine gesamteuropäische Regelung zu TFA in Pestiziden gibt es noch nicht. Mehrere <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/pfas-wissenschaftler-kritsieren-untaetigkeit-bei-pestiziden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wissenschaftler:innen</a> sowie Organisationen wie das Pesticide Action Network (PAN) und die Deutsche Umwelthilfe (<a href="https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/giftige-ewigkeitschemikalie-im-grund-und-trinkwasser-deutsche-umwelthilfe-reicht-klagen-gegen-zula/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">DUH</a>) fordern ein baldiges Verbot von Pestiziden, die an der Bildung von TFA beteiligt sind. PAN bezeichnet TFA in einer <a href="https://pan-germany.org/pestizide/eu-erkennt-gesundheitsrisiken-von-tfa-an/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Stellungnahme</a> zur Efsa-Bewertung als «tickende Zeitbombe». Die Schweiz wartet laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwirtschaft (BLV) zunächst ab und wird eine EU-Regelung wahrscheinlich übernehmen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/triflouracetat-tfa-als-fortpflanzungsschaedigend-eingestuft/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Trifluoracetat (TFA) als fortpflanzungsschädigend eingestuft</a> –<br>Infosperber am 28. Juni 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/wasser-gewaesser/trifluoracetat-pfas-chemikalie-sogar-in-bio-wein/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Trifluoracetat: PFAS-Chemikalie sogar in Bio-Wein</a> – Infosperber am 28. Februar 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/wasserwerke-schlagen-alarm-tfa-bedroht-das-trinkwasser/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wasserwerke schlagen Alarm: TFA bedroht das Trinkwasser</a> – Infosperber am 15. Juni 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/tfa-wieder-ein-neues-pfas-gift-im-trinkwasser/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">TFA: Wieder ein neues PFAS-Gift im Trinkwasser</a> – Infosperber am 10. Oktober 2024</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/a3f4786e07b044bf9f8bab1b8ab692e7" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Das Spiel: In die richtige Reihenfolge, bitte!</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/uebriges-gesellschaft/das-spiel-in-die-richtige-reihenfolge-bitte/</link>
					<pubDate>Sat, 08 Aug 2026 08:20:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=718135</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Schaetz-it-Junior-3-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Schätz it Junior 3" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Schaetz-it-Junior-3-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Schaetz-it-Junior-3-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Schaetz-it-Junior-3.jpg 886w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Wenn ein Spiel besonders erfolgreich war, eröffnet das neue Möglichkeiten. So entstand die Familienvariante dieses Schätzspiels.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[



<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="504" height="504" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg.png" alt="Patrick Jerg" class="wp-image-637819" style="width:200px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg.png 504w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg-300x300.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg-150x150.png 150w" sizes="auto, (max-width: 504px) 100vw, 504px" /><figcaption class="wp-element-caption">Patrick Jerg</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Schon vor zwei Jahren habe ich im Infosperber über «<a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/uebriges-gesellschaft/das-spiel-aepfel-mit-birnen-vergleichen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schätz it if you can</a>» berichtet. Es ist ein Wissensspiel, bei dem das Wissen ganz nebenbei vermittelt wird. Man schätzt vielmehr die Situation ein und stellt Vergleiche an. Hat man das Spiel mit Kindern gespielt, waren sie mit ihrem Wissen ein wenig im Hintertreffen. Mit der gezielten Wahl einzelner Schätzfragen konnte man das Problem einigermassen umgehen. Da das Spiel sehr erfolgreich war, gibt es nun aber mit «Schätz it Junior» eine spannende Familienvariante, die eine Chancengleichheit schafft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neu gibt es eine kooperative Variante, in der man gemeinsam auf Lösungssuche geht und eine Variante, in der man gegeneinander antritt. Um es vorwegzunehmen, beide Varianten sind sehr unterhaltsam und laden spielerisch zum Raten ein. Im Zentrum steht ein dicker Kartenhalter aus Karton, in den man die Schätzfragen stecken kann. So sind in den Fenstern des Kartenhalters nur die aktuelle Aufgabe und ein Kontrollfeld zu sehen. Das Kontrollfeld deckt man mit einem länglichen Holzklotz ab.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vielseitige Themen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Beginn schiebt man die Schätzfrage so weit, dass man die Aufgabe und die ersten zwei Begriffe lesen kann. Sämtliche Aufgaben sind Ordnungsaufgaben. Wir ordnen Lebensmittel nach ihrem Zuckergehalt, Dinosaurier nach ihrem Gewicht, Spielfelder nach ihrer Grösse oder Farben nach ihrem Platz im Regenbogen. Jede Aufgabe fordert immer eine Richtung der angeforderten Reihenfolge: von leicht bis schwer, von wenig bis viel, von klein bis gross. Mit farbigen Holzklötzen legt man die Reihenfolge auf den Kartenhalter. Sechs Klötzchen ordnet man so in der möglichst richtigen Reihenfolge ein. In jeder Runde erscheint ein neuer Begriff, den man wieder passend einordnet.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="512" height="640" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Schaetz-it-Junior-2.jpg" alt="Schätz it Junior 2" class="wp-image-718131" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Schaetz-it-Junior-2.jpg 512w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Schaetz-it-Junior-2-240x300.jpg 240w" sizes="auto, (max-width: 512px) 100vw, 512px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Schätz it Junior»</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im kooperativen Modus darf man gemeinsam beraten und die Holzklötze ordnen. Für die grösste zusammenhängende Gruppe richtig nebeneinander platzierter Klötzchen erhält man Punkte. Über fünf Schätzkarten und ebenso viele Themen sucht man nach richtigen Lösungen.<br>Spielt man gegeneinander trifft jemand allein die Entscheidung. Alle dürfen aber mit einem Stimmt-Stimmt nicht-Chip entscheiden, ob sie einverstanden sind. Tippt man richtig, erhält man einen Punkt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Dialogreiche Abwägungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es entwickeln sich unterhaltsame Partien, bei denen viel diskutiert, geschätzt und geraten wird. Die Themen bedienen ein breites Spektrum, sind aber alle nahe an der Welt der Kinder angesiedelt. Das bedeutet auf keinen Fall, dass es für Erwachsene zu einfach ist. Aber der grosse Vorteil des breiten Allgemeinwissens fällt weg.<br>Am Ende einer Schätzkarte lassen sich die Lösungen noch ein letztes Mal diskutieren. Die korrekten Zahlen und Werte findet man ganz unten auf jeder Karte. Sie lassen alle Mitspielenden immer wieder staunen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">____________________</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="505" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Schaetz-it-Junior.jpg" alt="Schätz it Junior" class="wp-image-718129" style="width:150px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Schaetz-it-Junior.jpg 640w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Schaetz-it-Junior-300x237.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Schätz it Junior»</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><strong>Schätz it Junior</strong><br><br>Ein Schätzspiel von Ralf zur Linde<br>Illustrationen: Andrea Köhrsen<br><br>Für 2 bis 6 Personen<br>Ab 8 Jahren | 20 Minuten<br>Verlag: moses. | ca. 24 Fr. / 19 Euro </p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><em>Patrick Jerg betreibt seit 16 Jahren die Webseite&nbsp;</em><a href="http://www.brettspielblog.ch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">brettspielblog.ch</a><em>&nbsp;und veröffentlicht regelmässig Spielkritiken über Brett- und Kartenspiele.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Nie zuvor so viele Menschen mit schweren Verletzungen gesehen»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/nie-zuvor-so-viele-menschen-mit-schweren-verletzungen-gesehen/</link>
					<pubDate>Fri, 07 Aug 2026 07:32:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=716551</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="224" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-02-um-17.37.05-300x224.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Verletzte Kinder Gaza-Krieg" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-02-um-17.37.05-300x224.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-02-um-17.37.05-768x572.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-02-um-17.37.05.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Ein früherer WHO-Mitarbeiter beschreibt die dramatischen Zustände in Gaza. Das Sauberste in einem Spital war eine Kinderwindel.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Der niederländische Arzt Rik Peeperkorn war fünf Jahre lang für die WHO im Einsatz in Palästina und vorher, von 2013 bis 2020, in Afghanistan. Nach seiner Pensionierung teilte er einem Reporter der Ärztezeitung «<a href="https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(26)01139-6/abstract" target="_blank" rel="noreferrer noopener">The Lancet</a>» mit, was er in den letzten Jahren in Gaza erlebt hat: «Ich habe nie zuvor eine solche Menge an Kindern, Heranwachsenden, Frauen, Männern und älteren Menschen mit schweren Verletzungen gesehen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeit der Helfer habe unter «unaufhörlichen Bombardierungen und Angriffen stattgefunden», mit «zahlreichen Attacken auf das Gesundheitssystem und dessen Mitarbeitende». Manche Situationen seien «jenseits von verzweifelt» gewesen, so Peeperkorn, der sich bereits während seiner Zeit in Gaza verschiedentlich zu Wort <a href="https://webtv.un.org/en/asset/k1t/k1txwfbmll" target="_blank" rel="noreferrer noopener">gemeldet</a> und ein Ende des «<a href="https://www.youtube.com/shorts/e_17U3vDfB8" target="_blank" rel="noreferrer noopener">sinnlosen Tötens</a>» gefordert hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Immer wieder hätten die WHO-Mitarbeiter medizinische Vorräte von einem Ort zum anderen schaffen müssen, weil das israelische Militär die Lagerstätten vernichtet habe. Das Al-Shifa-Hospital, grösstes Spital in Gaza, wurde praktisch völlig zerstört.&nbsp;</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="362" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-02-um-14.35.51.png" alt="Al-Shifa Hospital" class="wp-image-716517" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-02-um-14.35.51.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-02-um-14.35.51-300x136.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-02-um-14.35.51-768x348.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Was vom grössten Spital in Gaza, dem Al-Shifa Hospital, übrig blieb.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"><strong>Massengräber unter zwei Spitälern entdeckt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter diesem Spital sowie unter dem Nasser Hospital in Kahn Younis wurden im April Massengräber mit hunderten von palästinensischen Leichnamen entdeckt, tief im Boden vergraben und mit Abfall bedeckt. «Unter den Toten waren dem Vernehmen nach ältere Menschen, Frauen und Verwundete, während andere mit gefesselten Händen – gefesselt und ausgezogen – aufgefunden wurden», sagte eine <a href="https://news.un.org/en/story/2024/04/1148876" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sprecherin</a> des UN-Hochkommissars für Menschenrechte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Waffenstillstand im Oktober 2025 habe laut Peeperkorn «enttäuschend wenig Fortschritt» gebracht. Auch wenn sich die katastrophale Lage für die Kinder dadurch etwas entschärft habe, seien im März 2026 trotzdem rund 2800 Babys und Kleinkinder wegen Unterernährung zugewiesen worden, darunter 600 in akut bedrohlichem Zustand; im April 2026 waren es rund 3500 Kinder, die wegen Unterernährung behandelt werden mussten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Israel habe «höchst willkürliche» und «drakonische» Regeln erlassen, was die Einfuhr medizinischer Güter betreffe, ergänzte Leonard Rubenstein, Professor an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, im &#171;Lancet&#187;-Artikel. Alles, was aus israelischer Sicht sowohl für medizinische als auch für militärische Zwecke benützt werden könnte, dürfe nicht eingeführt werden. Laborzubehör und -reagenzien, Ersatzteile für Generatoren, orthopädische Gegenstände und vorgefertigte Spitäler: «Man weiss nie, welches Ausrüstungsteil neu als Dual-Use-Gut eingestuft und verboten wird.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jede Wunde eitrig</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im «<a href="http://dx.doi.org/10.1136/bmj.q954" target="_blank" rel="noreferrer noopener">British Medical Journal</a>» berichtete ein Chirurg Ende April, dass jede Wunde, die er in Gaza gesehen habe, infiziert gewesen sei. Die Unterernährung und die schlechten Lebens- und Hygienebedingungen tragen dazu bei. Der Gestank von ungeklärten Abwässern hänge überall in der Luft. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten sich zwischen zwei Behandlungen die Hände nicht desinfizieren.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angesichts der Mangellage würden medizinische Einmalprodukte mehrmals verwendet. Dazu zählen beispielsweise Metallstäbe und -schrauben, um Knochenbrüche von aussen zu stabilisieren. Sie seien bei Verstorbenen ausgebaut und wiederverwendet worden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">«Ich erinnere mich an einen Patienten, der mit einer extrem schweren Sprengverletzung am Bein kam und das Bein verlor. Als er mit dieser schrecklichen offenen Wunde in die Notaufnahme kam, war das Sauberste, was ich finden konnte, um den verbliebenen Teil seiner Gliedmasse abzudecken – etwas, das nicht schon völlig blutdurchtränkt war –, eine unbenutzte Kinderwindel.»</p>



<div class="wp-block-infosperber-box is-style-yellow">
<h2 class="wp-block-heading">Hitzeschläge, Krätze, Unterernährung – und immer wieder Appelle an die internationale Gemeinschaft </h2>



<p class="wp-block-paragraph">Fast 90 Prozent der palästinensischen Bevölkerung lebe in Zelten, die bei heissem Wetter oft zur Hitzefalle mit Temperaturen über 45 Grad Celsius würden, wenn weder Strom noch Belüftung vorhanden seien. Das berichtete das palästinensische Sozialministerium auf seiner <a href="https://www.mosd.gov.ps/en/single-news/973" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Website</a>. In einigen Regionen hätten die Menschen weniger als drei Liter Wasser pro Tag. Es gebe &#171;Tausende Fälle von Hitzeerschöpfung und Hitzschlag sowie einen starken Anstieg von Hautkrankheiten wie Hitzepickeln, Krätze, Pilzinfektionen&#187;. Durchfall und Virushepatitis verbreiten sich über verunreinigtes Wasser, Abfälle und Fäkalien. Es bestehe ein &#171;gravierender Mangel an grundlegenden Hygieneartikeln&#187;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An einer <a href="https://www.mosd.gov.ps/en/single-news/993" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Medienkonferenz</a> am 3. August 2026 berichtete die palästinensische Sozialministerin, dass etwa 74&#8217;000 Kinder an &#171;akuter Mangelernährung&#187; litten. Zum x. Mal appellierte Palästina an die internationale Gemeinschaft, &#171;ihrer Verantwortung nachzukommen, indem sie die vollständige und dauerhafte Öffnung der Grenzübergänge sicherstellt, den sicheren und ungehinderten Fluss humanitärer Hilfe und kommerzieller Güter gewährleistet, Wiederaufbauprogramme und die Wiederherstellung lebenswichtiger Dienstleistungen unterstützt, die Zivilbevölkerung schützt, ihre Würde wahrt und dem palästinensischen Volk eine echte Chance gibt, sein Leben wieder aufzubauen und seine Zukunft zu sichern.&#187;</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/hemmungslose-militaers-greifen-spitaeler-und-ihre-mitarbeiter-an/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hemmungslose Militärs greifen Spitäler und ihre Mitarbeiter an</a>, Infosperber vom 5. August 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/dok-film-israels-systematische-attacken-auf-gaza-spitaeler/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dok-Film: Israels systematische Attacken auf Gaza-Spitäler</a>, Infosperber vom 14. Dezember 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/kinder-kamen-mit-fehlenden-knien-fuessen-und-haenden-herein/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Kinder kamen mit fehlenden Knien, Füssen und Händen herein»</a>, Infosperber vom 13. Juli 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/gaza-ich-traeume-jede-nacht-von-nahrung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gaza: «Ich träume jede Nacht von Nahrung»</a>, Infosperber vom 22.11.2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/medien/die-herzkammer-der-hamas-hat-sich-in-luft-aufgeloest/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die «Herzkammer» der Hamas hat sich in Luft aufgelöst</a>, Infosperber vom 2. Dezember 2023</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/2e498dedaad74ab7a80f675a5cc0488a" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Faktenwidrige Argumente von SP, Grünen und Umweltorganisationen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/faktenwidrige-argumente-von-sp-gruenen-und-umweltorganisationen/</link>
					<pubDate>Fri, 07 Aug 2026 07:30:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=717805</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="150" height="150" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/10/Favorit-Daumen-X-e1665766051793.png"/></p>Ernährungsinitiative: Noch nie haben die Parteien eine so starke Vorlage mit so schwachen Argumenten so einmütig abgelehnt.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">In der&nbsp;Schlussabstimmung&nbsp;des Parlaments über die Agrarinitiative haben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier das Volksbegehren oppositionslos abgelehnt. Bei der Trinkwasserinitiative hatte es in der&nbsp;<a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20250067" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schlussabstimmung</a>&nbsp;im Nationalrat immerhin 81 befürwortende Stimmen gegeben und im Ständerat deren 9.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Ernährungsinitiative haben alle grossen Parteien die Nein-Parole gefasst, mit Ausnahme der Grünen, welche Stimmfreigabe beschlossen. Keiner der grossen Umweltverbände unterstützt die Initiative. Pro Natura hat sogar die Nein-Parole herausgegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Starke Vorlage</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bundesrat unterstützt in seiner&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Botschaft-zur-Ernaehrungsinitiative.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Botschaft</a> ausdrücklich die Ziele der Initiative. Er hält sie lediglich «für zu ambitioniert und nicht innerhalb der geforderten Fristen umsetzbar». Allerdings verlangt die <a href="https://drive.google.com/file/d/1Zv7whlEy0UOCpu1_Fgv9cs8Jipe6Nle0/view" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Initiative</a> nur, dass der Bund einen Netto-Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent «anstreben» soll (siehe&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Botschaft-zur-Ernaehrungsinitiative.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Bundesrat verheddert sich in Widersprüche»</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Bundesrat beschreibt die Vorzüge der Initiative wie folgt:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Der Netto-Selbstversorgungsgrad von Lebensmitteln steigt, womit die Schweiz im Krisenfall weniger von importierten Lebensmitteln abhängig ist.</li>



<li>Die Umwelt- und Klimaziele des Bundesrates (weniger Nährstoffverluste, Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, weniger Treibhausgas-Emissionen) können früher als vom Bundesrat angestrebt erreicht werden.</li>



<li>Das Ernährungssystem verursacht heute hohe volkswirtschaftliche Kosten in den Bereichen Umwelt, Klima und Gesundheit. Mit der Umsetzung der Initiative könnten diese Kosten früher gesenkt werden.&nbsp;</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Es drängt sich die Frage auf, warum die Parteien und Verbände, die sich sonst für eine progressive nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft einsetzen, die Vorlage ablehnen oder lediglich Stimmfreigabe beschlossen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Argumente der SP und der Grünen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die&nbsp;<a href="https://www.tagesanzeiger.ch/ernaehrungsinitiative-greenpeace-und-pro-natura-distanzieren-sich-206481777823" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Grünen</a>&nbsp;stört am meisten,&nbsp;«dass die Bauern für einen deutlich höheren Selbstversorgungsgrad mehr düngen und die Biodiversitätsflächen opfern müssten».&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Argument ist schwer nachvollziehbar, weil die Initiative Rahmenbedingungen für eine Verschiebung von der Tier- zur Pflanzenproduktion fordert. Mit Pflanzen lassen sich auf gleicher Fläche viel mehr Nahrungsmittel produzieren. So wird auf der vorhandenen Fläche ein höherer Selbstversorgungsgrad erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die&nbsp;<a href="https://www.tagesanzeiger.ch/ernaehrungsinitiative-greenpeace-und-pro-natura-distanzieren-sich-206481777823" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SP</a>&nbsp;wiederum behauptet,&nbsp;«dass sich tiefere Einkommensschichten Fleisch und Milchprodukte nicht mehr leisten könnten, wenn die Politik einen Umschwung zu mehr pflanzlichen Lebensmitteln vorschreiben würde».</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch das Gegenteil wäre der Fall. Die Initiative enthält keine Vorschriften zum Konsum. Wer – trotz der Empfehlung zu mehr pflanzlicher Ernährung – gleich viel Fleisch konsumieren möchte, kann Fleisch und Milch sogar günstiger kaufen, weil mehr davon importiert werden müsste. Die Fleischpreise sind im angrenzenden Ausland nur etwa <a href="https://www.agrarbericht.ch/de/international/internationale-vergleiche/internationale-vergleiche" target="_blank" rel="noreferrer noopener">halb so hoch</a>.&nbsp;Auch das Bio-Fleisch aus dem Ausland ist günstiger.<br></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von den günstigeren Fleisch- und Milchpreisen würden gerade die tiefsten Einkommensklassen am meisten profitieren. Denn gemäss <a href="https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/wirtschaftliche-soziale-situation-bevoelkerung/einkommen-verbrauch-vermoegen/haushaltsbudget/haushaltsausgaben.assetdetail.32667074.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Haushaltsbudgeterhebung</a> des BFS (Daten 2020/2021) fallen die Ausgaben für Fleisch, Milch, Käse und Eier bei der tiefsten Einkommensklasse mit 4,6 Prozent rund dreimal so stark ins Gewicht wie bei der höchsten Einkommensklasse mit nur 1,7 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf ihrer&nbsp;<a href="https://www.sp-ps.ch/ernaehrungsinitiative/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Webseite</a>&nbsp;begründet die SP ihre Ablehnung ähnlich wie der Bundesrat mit zu ambitionierten Zielen. Sie verbreitet dabei wie der Bundesrat auch eindeutige Fehlinformation: «Das ist nicht umsetzbar, ohne dass es zu massiven Einschränkungen und Rationierungen für die Bevölkerung kommt.»&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist nicht nachvollziehbar, wie die SP zu dieser Aussage kommt. Die SP begründet nicht, weshalb es zu Rationierungen kommen soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ausführlicher begründet die Aargauer SP-Grossrätin Colette Basler das SP-Nein. Sie ist Vizepräsidentin des Aargauer Bauernverbands. Auch sie argumentiert auf der&nbsp;<a href="https://sp-aargau.ch/2026/07/09/ernaehrungsinitiative-gut-gemeint-aber-am-ziel-vorbei/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Webseite der SP Aargau</a>&nbsp;mit höheren Preisen. Sie zitiert SP-Ständerätin Franziska Roth:&nbsp;«Eine nachhaltige Ernährung darf nicht zum Privileg für Gutverdienende werden.»<em>&nbsp;</em>Höhere Produktionskosten und zusätzliche Regulierungen könnten zu steigenden Lebensmittelpreisen führen, verbreitet die SP Aargau. Besonders betroffen würden Haushalte mit tiefen und mittleren Einkommen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter zitiert die SP Aargau Nationalrätin Christine Badertscher von den Grünen:&nbsp;«Ohne unsere grasfressenden Kühe, Schafe oder Ziegen können wir mehr als zwei Drittel unserer Landwirtschaftsflächen nicht für die menschliche Ernährung nutzen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die&nbsp;<a href="https://www.are.admin.ch/de/fff-statistik" target="_blank" rel="noreferrer noopener">offizielle Statistik</a>&nbsp;zeigt etwas anderes. Die Schweizer Landwirtschaft produziert auf zwei Dritteln des&nbsp;besten Ackerlandes&nbsp;Tierfutter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiter bestehe die «Gefahr von mehr Einkaufstourismus und einer Verlagerung von Wertschöpfung ins Ausland».&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die SP Aargau argumentiert mit geringeren Umsätzen der Schweizer Fleischbranche. Dann kann die SP jedoch nicht gleichzeitig&nbsp;mit höheren Fleischpreisen&nbsp;Angst verbreiten. Denn mehr Fleisch aus dem Ausland wäre deutlich günstiger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die&nbsp;<a href="https://grunliberale.ch/glp-delegierte-fassen-in-nottwil-die-nein-parolen-zur-neutralitaetsinitiative-und-zur-ernaehrungsinitiative/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Grünliberalen</a>&nbsp;argumentieren auf ihrer&nbsp;Webseite&nbsp;ähnlich unsachlich: Die Initiative setze&nbsp;«auf weitreichende staatliche Eingriffe und schränkt die Wahlfreiheit der Konsumentinnen und Konsumenten übermässig ein. Für die GLP steht eine nachhaltige Ernährungspolitik im Einklang mit liberalen Grundwerten. Statt den Menschen vorzuschreiben, was auf ihrem Teller landen soll, setzt die GLP auf Eigenverantwortung, Innovation, transparente Informationen und wirksame Anreize.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kathrin Bertschy spricht sogar von Bevormundung:<em>&nbsp;</em>«Nachhaltigkeit erreicht man nicht mit Bevormundung. Die GLP setzt auf Eigenverantwortung, Innovation und Wahlfreiheit statt auf Verbote».&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch diese Argumente sind schwer nachvollziehbar. Die Ernährungsinitiative verlangt nicht mehr staatliche Eingriffe, als sie in der heutigen Agrarpolitik zuhauf existieren. Sie will lediglich die heutigen Instrumente der Agrarpolitik stärker auf die offiziellen Ziele des Bundes ausrichten. Von Bevormundung kann keine Rede sein und ebenso wenig von eingeschränkter Wahlfreiheit für Konsumenten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Argumente der Umweltorganisationen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die grossen Umweltverbände rechtfertigen ihre Parolen vor allem mit taktischen Überlegungen. Pro Natura gibt als einzige grosse Umweltorganisation sogar die Nein-Parole heraus. Die Organisation argumentiert gemäss&nbsp;<a href="https://www.tagesanzeiger.ch/ernaehrungsinitiative-greenpeace-und-pro-natura-distanzieren-sich-206481777823" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Tages-Anzeiger»</a>, dass die Chancen der Initiative zu gering seien. Zudem sei die Zusammenarbeit mit der Initiantin Franziska Herren schwierig. Belege für diesen verunglimpfenden Vorwurf liefert Pro Natura nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was die Organisationen übersehen: Die Parolen der Verbände beeinflussen das Abstimmungsresultat. Eine höhere Zustimmung würde den Druck auf das Parlament erhöhen. So war es bei der Trinkwasserinitiative, die den politischen Prozess im Bereich Pestizide beeinflusste und im Bereich Nährstoffe wohl bis heute beeinflusst (<a href="https://www.blw.admin.ch/de/parlamentarische-initiative-19475" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Parlamentarische Initiative</a>).&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Laut Greenpeace gefährdet ein hoher Nein-Anteil zur Ernährungsinitiative die Agrarpolitik 2030+. Trotzdem will Greenpeace die Initiative, für die sie Unterschriften sammelte, nicht mehr unterstützen. Ein Haltung, die Werten und Interessen von Greenpeace widerspricht, setzt die Glaubwürdigkeit dieser Organisation aufs Spiel.&nbsp;Gleiches gilt für Pro Natura.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eigeninteressen und «fremde» Initiative</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Über weitere Gründe für die fehlende Unterstützung, welche die Vertreter der Organisationen kaum öffentlich äussern würden, lässt sich nur spekulieren. Wie sich schon bei der Trinkwasserinitiative gezeigt hat, profitieren Biosuisse und linke und grüne bäuerliche Kreise von der heutigen Agrarpolitik, dank der mit nachhaltigen Lebensmitteln sehr gut verdient werden kann.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Umweltverbände wiederum könnten wenig daran interessiert sein, dass eine «fremde» Initiative ein besseres Ergebnis erzielt als ihre Biodiversitätsinitiative vor zwei Jahren mit einem Ja-Anteil von 37 Prozent.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und für alle diejenigen, die sich der EU und der Nato annähern möchten, dürfte die nationale Ernährungssicherheit gar keine Priorität haben.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fazit: Wohl noch nie haben Schweizer Politiker eine so starke Vorlage mit so schwachen Argumenten so einmütig abgelehnt.&nbsp;</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/der-konsum-von-fleisch-muesste-stark-reduziert-werden-falsch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Konsum von Fleisch müsste «stark reduziert» werden: falsch!</a>, Infosperber vom 26. Juli 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/ernaehrungsinitiative-bundesrat-verheddert-sich-in-widersprueche/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Ernährungsinitiative: Bundesrat verheddert sich in Widersprüche»</a>, Infosperber vom 23. Juli 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/9c83a7ca66804f8ba980fe5c11b57b94" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die USA verlieren im KI-Wettrennen mit China den Lead</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/technik/die-usa-verlieren-im-ki-wettrennen-mit-china-den-lead/</link>
					<pubDate>Fri, 07 Aug 2026 07:28:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=717505</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Nvidia-CEO-Jensen-Huang-e1785859912502-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Nvidia-CEO Jensen Huang" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Nvidia-CEO-Jensen-Huang-e1785859912502-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Nvidia-CEO-Jensen-Huang-e1785859912502-1024x613.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Nvidia-CEO-Jensen-Huang-e1785859912502-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Nvidia-CEO-Jensen-Huang-e1785859912502.png 1475w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Günstige chinesische Open-Source-Modelle und ein Sicherheitsvorfall in den USA decken die Schwächen der US-Strategie auf.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Geschockt von jüngsten Ereignissen rücken in den USA Open-Source-Modelle ins Zentrum und markieren eine Wende. Im bisherigen KI-Wettlauf ging es um eine Artificial General Intelligence, AGI. Auf dieses Ziel ausgerichtet waren die proprietären US-KI-Modelle und die enormen Investitionen. Jetzt verschiebt sich der Wettlauf in Richtung kostengünstiger Open-Source-Modelle, die sich auf den Bedarf von Unternehmen anpassen lassen. Zentral wird die Frage, wer weltweit gültige Standards für die Sicherheit durchsetzen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Open-Source-KI gegen den Hackerangriff eines proprietären Systems</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Open-AI testete seine neusten KI-Modelle – «<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/GPT-5.6" target="_blank" rel="noreferrer noopener">GPT-5.6</a>&nbsp;Sol» sowie ein noch neueres in der Pilotphase – in einer vermeintlich sicheren Umgebung, im sogenannten Sandkasten. Damit die Agenten ihre Fähigkeiten voll entfalten können, wurden Sicherheitsschranken reduziert. Das hatte gravierende Folgen. Die Agenten rissen durch eine bisher nicht bemerkte Sicherheitslücke aus, agierten im Internet und brachen zur Erfüllung ihres Auftrags beim KI-Unternehmen&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Hugging_Face" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hugging Face</a>&nbsp;ein, einer der wichtigsten Open-Source-Plattformen. Wie sich&nbsp;<a href="https://www.wired.com/story/openais-rogue-ai-agent-hacked-more-than-just-hugging-face/?utm_mailing=wir_nl_6685_daily_072926_mndytik7ch&amp;utm_source=nl&amp;utm_brand=wired&amp;utm_campaign=aud-dev&amp;utm_medium=email&amp;cndid=90482378&amp;utm_term=6685" target="_blank" rel="noreferrer noopener">später</a>&nbsp;herausstellte, wurden auch weitere Systeme gehackt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gelang dem CEO von Hugging Face, den Angriff zu stoppen, allerdings nicht mit den besten US-KI-Modellen, da deren Sicherheitsfunktionen eine Gegenattacke verweigerten. Die&nbsp;<a href="https://www.axios.com/2026/07/20/hugging-face-ai-cyberattack-data-breach?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axioslogin&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Verteidigung</a>&nbsp;erfolgte – welch eine Ironie – mit dem von Hugging Face heruntergeladenen und selbst gehosteten chinesischen Open-Source-Modell «<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/GLM-5.2">GLM-5.2</a>».</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Beeindruckende Leistung – Versagen der Sicherheitsmassnahmen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hugging Face&nbsp;<a href="https://huggingface.co/blog/security-incident-july-2026" target="_blank" rel="noreferrer noopener">informierte</a>&nbsp;am 16. Juli 2026, dass es sich um den ersten Angriff handle, den KI-Agenten völlig autonom gesteuert hätten. Das Unternehmen dokumentierte mit seiner eigenen KI die mehr als 17&#8217;000 erfolgten Angriffsereignisse. Vorerst blieb die Quelle dieses Angriffs unklar. Erst eine Woche später gab Open-AI bekannt, dass ihre Tests den ungewöhnlichen&nbsp;<a href="https://techcrunch.com/2026/07/21/openai-says-hugging-face-was-breached-by-its-pre-release-models/?utm_campaign=daily_am" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vorfall</a> ausgelöst hatten. Die beeindruckenden Fähigkeiten dieser Tools verschafften Open-AI Werbewirkung. Gleichzeitig wurden die mangelhaften&nbsp;<a href="https://www.wired.com/story/openai-models-escaped-containment-and-hacked-huggingface/?utm_mailing=wir_nl_6685_daily_072326_9u6r45bsch&amp;utm_source=nl&amp;utm_brand=wired&amp;utm_campaign=aud-dev&amp;utm_medium=email&amp;cndid=90482378&amp;utm_term=6685" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sicherheitsmassnahmen</a>&nbsp;kritisiert. Open-AI verlor offensichtlich die&nbsp;<a href="https://www.reuters.com/business/its-ai-agent-spent-days-hacking-company-sources-say-openai-did-not-notice-week-2026-07-24/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kontrolle</a>, andernfalls hätte es rascher den Vorfall entdecken müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Schocks mit chinesischen Open-Source-Modellen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Zeit dieses Ereignisses stand das Silicon Valley unter dem Schock neuer chinesischer Open-Source-Modelle. Auf «<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/GLM-5.2" target="_blank" rel="noreferrer noopener">GLM-5.2</a>», das im Juni 2026 von&nbsp;<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Z.ai" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Z.ai</a>&nbsp;veröffentlicht wurde, folgte «<a href="https://www.axios.com/2026/07/16/moonshot-kimi-ai-china-model-openai-anthropic?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axiosam&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kimi K3</a>», entwickelt von&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Moonshot_AI" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Moonshot AI</a>, das am 27. Juli zum Download freigegeben wurde. Und kürzlich schockte Deep-Seek&nbsp;das Silicon Valley&nbsp;mit seinem neusten Modell, «<a href="https://huggingface.co/deepseek-ai/DeepSeek-V4-Flash-0731" target="_blank" rel="noreferrer noopener">V4-Flash</a>».&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Modelle können es mit den besten US-Modellen aufnehmen – dies zu Betriebskosten, die im Vergleich mit den teuren proprietären KI-Modellen viel tiefer sind. Der <a href="https://www.axios.com/2026/08/01/deepseek-model-cheap-ai-price-war?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axiosam&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Preis</a> bei «V4-Flash», gemessen in <a href="https://www.ibm.com/docs/en/ias?topic=elements-tokens" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tokens</a>, betrage ein Prozent der Kosten für Anthropics «Claude Opus 4.8». Und es folgen laufend neue, noch leistungsfähigere Modelle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich handelt es sich um Open-Weight-Modelle. Open Source und Open Weight werden vielfach synonym verwendet, obwohl als wichtigster&nbsp;<a href="https://www.fierce-network.com/content/open-weight-ai-vs-open-source-ai-whats-difference" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Unterschied</a>&nbsp;die Trainingsdaten bei Open Weight nicht offen sind. Aber alle diese Modelle lassen sich herunterladen, verändern und auf eigenen Servern hosten, womit sie auch nicht gesperrt werden können. Der Einfachheit halber bleiben wir beim Begriff «Open Source».</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Open Source als neue Herausforderung für die USA</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bisher&nbsp;<a href="https://www.wired.com/story/anthropic-thinks-ai-can-only-be-safe-under-its-control/?utm_source=nl&amp;utm_brand=wired&amp;utm_mailing=WIR_Daily_APD_062626&amp;utm_campaign=aud-dev&amp;utm_medium=email&amp;utm_content=WIR_Daily_APD_062626&amp;bxid=68ca6c3fc2a10caf0f0cf423&amp;cndid=90482378&amp;hasha=2a9ca483b4854136d1f085bad5d78b45&amp;hashc=78682c95602ab6826fb9e92fec158d0c2b93f25b32992198d90a332326a03706&amp;esrc=MARTECH_ORDERFORM&amp;utm_term=WIR_Daily_Active" target="_blank" rel="noreferrer noopener">postulierten</a>&nbsp;Anthropic und Open-AI, ihre proprietären Systeme würden mehr Sicherheit als Open-Source-Modelle gewährleisten. Wie&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/kuenstliche-intelligenz/eigentor-der-usa-im-ki-wettlauf-mit-irreversiblen-folgen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Infosperber</a>&nbsp;berichtete, sind ihre leistungsfähigsten Modelle – «Mythos 5» und «GPT-5.6» – aus Sicherheitsgründen weiterhin nur eingeschränkt verfügbar. Bei allgemein zugänglichen Modellen, so bei «Fable 5», bauten sie strenge Sicherheitsmassnahmen ein, um eine kriminelle Nutzung zu verhindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die ebenso leistungsfähigen, kostengünstigen chinesischen Modelle waren nun offen verfügbar, obwohl bei ihnen Sicherheitsmassnahmen kaum greifen. Sofort drehte sich die Diskussion um die Frage, ob diese Modelle aus Sicherheitsgründen nicht ebenfalls einzuschränken seien oder ihre Nutzung gar verboten werden müsse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem bedrohen die chinesischen Modelle das Businessmodell der teuren proprietären US-Modelle. Das könnte die enormen KI-Investitionen gefährden. Es droht ein wirtschaftlicher Crash.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Trump-Regierung im Minenfeld</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Trump-Regierung befand sich plötzlich in einer verzwickten Situation, und es erwies sich als schwierig, rasch mit klugen Massnahmen zu reagieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die US-Regierung ging vorerst mit Beschuldigungen in die Offensive. Ins Zentrum rückte der&nbsp;<a href="https://techcrunch.com/2026/07/22/treasury-threatens-sanctions-after-white-house-claims-moonshot-distilled-anthropics-fable/?utm_campaign=daily_am" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vorwurf</a>&nbsp;der&nbsp;<a href="https://www.ibm.com/de-de/think/topics/knowledge-distillation" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wissensdestillation</a>. Das Wissen des besten US-Modells – «Fable 5» – sei mit dieser Methode auf chinesische Modelle transferiert worden, und zwar in einem Ausmass, dass dies als Diebstahl geistigen Eigentums gelte. KI-Forschende&nbsp;<a href="https://techcrunch.com/2026/07/23/experts-say-exploiting-anthropics-fable-isnt-how-kimi-k3-got-so-good/?utm_campaign=daily_am" target="_blank" rel="noreferrer noopener">bezweifelten</a>&nbsp;allerdings, ob die Destillation von «Fable 5» in der kurzen Zeit seit dessen Freigabe am 1. Juli überhaupt möglich gewesen wäre. Sie erklärten überdies, dass Destillation eine gängige Praxis unter KI-Unternehmen sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die angekündigten US-Sanktionen können die weltweiten Sicherheitsprobleme nicht lösen. Vielmehr drohen direkte negative Rückwirkungen. So trifft das rasch erlassene&nbsp;<a href="https://www.reuters.com/world/trump-administration-ban-new-chinese-robots-inverters-protecting-us-ai-buildout-2026-07-28/?utm_mailing=wir_nl_6682_ailab_subs_072926_if6alw066b&amp;utm_source=nl&amp;utm_brand=wired&amp;utm_campaign=aud-dev&amp;utm_medium=email&amp;cndid=90482378&amp;utm_term=6682" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Verbot</a>&nbsp;des Imports von Robotern und Drohnen auch Nvidia, das eine Partnerschaft mit dem grössten chinesischen Roboterhersteller&nbsp;<a href="https://www.unitree.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Unitree</a>&nbsp;einging, dessen Roboter in US-Hochschulen für die Forschung genutzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Engagement praktisch aller Big-Tech für Open-Source-Modelle</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gefahr allfälliger Restriktionen bei der Nutzung der chinesischen KI-Modelle führte sofort zu Reaktionen. Unter dem&nbsp;<a href="https://techcrunch.com/2026/07/24/as-us-weighs-response-to-chinese-ai-industry-urges-against-broad-open-weight-restrictions/?utm_campaign=daily_pm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lead</a>&nbsp;von Nvidia forderten Mitte Juli praktisch alle grossen KI-Unternehmen in einem offenen&nbsp;<a href="https://www.microsoft.com/en-us/corporate-responsibility/topics/open-weight/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Brief</a>&nbsp;die Politik auf, nicht voreilig die Nutzung von Open-Source-Modellen zu beschränken. Diese förderten Innovation und Wettbewerb und seien unerlässlich für Start-ups und Forschung. Sicherheitsrisiken seien bei Open-Source nicht grösser als bei proprietären Systemen, weil viele Augen in der Community mithelfen, Schwachstellen zu entdecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Liste der zahlreichen Unterzeichner, die mit Mistral und Black Forest Labs auch zwei europäische Start-ups aufführt, fehlt einzig Anthropic, das eine Unterschrift&nbsp;<a href="https://www.axios.com/2026/07/27/anthropic-open-weight-ban-china-dario-amodei" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ablehnte</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Offener Brief der Little Tech Association</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur eine Woche später wandten sich rund 200 Start-ups der&nbsp;<a href="https://littletech.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Little Tech Association</a>&nbsp;mit einem offenen&nbsp;<a href="https://static.politico.com/4a/bf/9c4021d8404386b0a311dcccf0e5/lta-open-weight-ai-letter-7-22-26.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Brief</a>&nbsp;an die Trump-Regierung: Einschränkungen von Open-Source-Modellen würden zu einem gravierenden Wettbewerbsnachteil gegenüber Entwicklerinnen und Entwicklern im Ausland führen, denen diese KI-Modelle für Weiterentwicklungen offenstehen. Open-Source sei nicht weniger sicher, Destillation zudem innovationsfördernd.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemäss der US-Zeitung&nbsp;<a href="https://www.politico.com/news/2026/07/22/startup-founders-urge-trump-not-to-shut-off-chinese-open-weight-ai-01008992?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axioslogin&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Politico</a>&nbsp;sagte ein Verbandsmitglied von Little Tech Association, dass Hunderte Start-ups aufgeben müssten, stünden ihnen die chinesischen Open-Source-Modelle nicht mehr zur Verfügung. Sie können sich die teuren proprietären Modelle nicht leisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sichere Testumgebungen mit Protokollierung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sicherheit von Open Source soll eine <a href="https://www.axios.com/2026/07/27/nvidia-anthropic-openai-open-weight-debate?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axiosam&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Open Secure AI Alliance</a> erhöhen, die in kürzester Frist gegründet wurde. Es gelang Nvidia, namhafte Big-Tech-Firmen zusammenzubringen. Gemäss der <a href="https://blogs.nvidia.com/blog/open-secure-ai-alliance/?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axioslogin&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vereinbarung</a> wollen die beteiligten Unternehmen gemeinsam einen allgemein verfügbaren Sicherheitsbaukasten (Sandbox) und Standards für besonders abgesicherte Testumgebungen entwickeln. So sorgt zum Beispiel Nvidia für ein Sicherheits-Framework, IBM für digitale Signaturen als Sicherheitselement und Microsoft für ein System, das Sicherheitslücken aufdecken kann. Mit dieser Testumgebung sollen die Aktionen der KI-Agenten ständig nachvollziehbar sein und protokolliert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Open Secure AI Alliance kann auf langjährige Vorarbeiten aufbauen, so auf Aktivitäten der&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Linux_Foundation" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Linux Foundation</a>&nbsp;und der von ihr im Juni 2026 lancierten&nbsp;<a href="https://www.linuxfoundation.org/press/linux-foundation-and-industry-leaders-launch-akrites-to-defend-critical-open-source-software-against-ai-enabled-cyber-threats" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Akrites-</a>Initiative sowie auf der Arbeit der&nbsp;<a href="https://openssf.org/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Open-SSF</a>-Community, die sich speziell Sicherheitsfragen widmet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Selbstregulierung soll wohl auch verhindern, dass staatliche Behörden Vorschriften erlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Anthropics Position</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bald tauchten&nbsp;<a href="https://techcrunch.com/2026/07/27/anthropics-dario-amodei-responds-doesnt-oppose-open-weight-models-but-fears-chinese-ai/?utm_campaign=daily_am" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gerüchte</a>&nbsp;auf, Anthropic wolle sein einträgliches Business sichern und sei deshalb für starke Sicherheitskontrollen. Anthropic-CEO Amodei sah sich veranlasst,&nbsp;<a href="https://www.anthropic.com/news/position-open-weights-models?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axioslogin&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Position</a>&nbsp;zu beziehen. Er sei nicht gegen Open Source. Aber diese Modelle könnten, einmal veröffentlicht, nicht mehr zurückgezogen werden und es gebe keine Hinweise im Fall einer kriminellen Nutzung. Nötig seien weltweit wirksame Tests aller besonders leistungsfähigen Modelle, sowohl offener wie geschlossener beziehungsweise proprietärer Systeme und unabhängig von ihrem Herkunftsland. Bei Biowaffen halte er eine Zusammenarbeit auch mit China für möglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jailbreaks bei offenen wie geschlossenen Systemen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Tricks zur&nbsp;geschickten Umgehung von gesperrten Nutzungen,&nbsp;sogenannte&nbsp;<a href="https://www.ibm.com/think/insights/ai-jailbreak" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jailbreaks</a>,&nbsp;sind sowohl bei offenen wie bei geschlossenen Modellen ein Risiko.&nbsp;<a href="https://www.far.ai/about" target="_blank" rel="noreferrer noopener">FAR.AI</a>, eine in Kalifornien basierte gemeinnützige Organisation, testete mehrere KI-Modelle mit Prompts darauf, ob sie sich zu&nbsp;potenziell schädlichen Informationen verleiten lassen, beispielsweise zu Angaben über die Entwicklung gefährlicher biologischer Waffen. Das&nbsp;<a href="https://leaderboard.far.ai/?utm_mailing=wir_nl_6682_ailab_subs_072926_if6alw066b&amp;utm_source=nl&amp;utm_brand=wired&amp;utm_campaign=aud-dev&amp;utm_medium=email&amp;cndid=90482378&amp;utm_term=6682" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ergebnis</a>&nbsp;war erschreckend. Elon Musks Grok war mit 448 festgestellten Jailbreaks am anfälligsten, gefolgt von Googles Gemini mit 249 Jailbreaks, während Anthropics Claude «Fable 5» und OpenAIs «GPT-5.6 Sol» diese Prompts ins Leere laufen liessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Test ergab zwar laut FAR.AI, dass Sicherheitsmassnahmen in der Regel wirksam seien. Aber sie garantierten nicht, dass besonders ausgeklügelte Prompts ihr Ziel doch erreichen können.&nbsp;Um&nbsp;eine grössere Katastrophe auszulösen,&nbsp;<a href="https://www.wired.com/story/jailbreaking-ai-models-google-anthropic-openai-spacexai/?utm_mailing=wir_nl_6685_daily_073026_x7qon3l826&amp;utm_source=nl&amp;utm_brand=wired&amp;utm_campaign=aud-dev&amp;utm_medium=email&amp;cndid=90482378&amp;utm_term=6685" target="_blank" rel="noreferrer noopener">genüge</a>&nbsp;zudem ein einziges KI-Model, das sich zu einem Jailbreak verleiten lässt. Zu denken gebe, dass die Kosten für Prompts sehr tief sind und diese massenweise gestartet werden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KI-Entwicklung abbremsen – breit unterstützte Petition</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Spitzenforschung der proprietären US-Modelle führte in kürzester Zeit zu erstaunlichen Durchbrüchen. Diese Spitzenforschung wird zweifellos weitergeführt, zu verlockend ist das noch unbekannte Potenzial künftiger Forschungsfortschritte. Aber die bisher exponentielle Entwicklung führte zu gravierenden Sicherheitsproblemen, die gelöst werden sollten, bevor neue Entwicklungsschübe angeschoben werden.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die&nbsp;<a href="https://www.axios.com/2026/07/29/anthropic-claude-open-models-ban-china?utm_source=newsletter&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter_axiosam&amp;stream=top" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Aussenseiterrolle</a>&nbsp;scheint Anthropic nicht zu schaden. Eine&nbsp;<a href="https://www.pacingthefrontier.com/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Petition</a>&nbsp;vom 27. Juli 2026 nahm die Anliegen von Amodei auf und vereinte innert kürzester Zeit über 1300 KI-Mitarbeitende von Open-AI, Google Deep-Mind, Meta und anderen Konkurrenten. Darin wird die US-Regierung aufgefordert, auf internationaler Ebene tätig zu werden, um mit geeigneten Instrumenten die KI-Entwicklung weltweit abzubremsen. Der Konkurrenzdruck verunmögliche dies den einzelnen Unternehmen oder Ländern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für den KI-Wettlauf wird entscheidend sein, wer weltweit wirksame Sicherheitsstandards definieren wird – falls die federführenden Staaten sich eines Tages darauf einigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Erstes US-Start-up steuerte um</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht das weltbeste proprietäre Modell, sondern auf den Bedarf der Unternehmen anpassbare Open-Source-Angebote ermöglichen die Eroberung des Weltmarkts. Ein US-Start-up hat den Paradigmenwechsel bereits vor neun Monaten begriffen. Mitte Juli 2026&nbsp;<a href="https://techcrunch.com/2026/07/15/thinking-machines-amps-up-its-bet-against-one-size-fits-all-ai-with-its-first-open-model-inkling/?utm_campaign=daily_pm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">veröffentlichte</a>&nbsp;Mina Murati, früher in einer Führungsfunktion bei Open-AI und heute CEO von&nbsp;<a href="https://thinkingmachines.ai/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Thinking Machines Lab</a>,&nbsp;ihr erstes Modell «<a href="https://thinkingmachines.ai/news/introducing-inkling/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Inkling</a>», ein&nbsp;Open-Source-Modell. Geld verdienen will sie mit&nbsp;<a href="https://thinkingmachines.ai/tinker/">Tinker</a>, mit einer Plattform, auf der Unternehmen das Modell für ihre eigenen spezifischen Bedürfnisse anpassen können. Thinking Machines Lab soll die Methode der Destillation angewandt und andere Modelle,&nbsp;darunter «Kimi K2.5», genutzt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die USA verlieren den Lead – technisch und politisch</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der Entwicklung von Open Source sind die USA gegenüber China in Verzug. Sie scheinen auch den Lead bei den Sicherheitsstandards zu verlieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An der Eröffnungszeremonie der World Artificial Intelligence Conference (WAIC) Mitte Juli in Shanghai&nbsp;<a href="https://www.reuters.com/world/asia-pacific/chinas-xi-promotes-chinas-commitment-ai-access-speech-shanghai-conference-2026-07-17/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">positionierte</a>&nbsp;Staatschef&nbsp;Xi Jinping China als führende Kraft einer neuen, auf Sicherheit ausgerichteten globalen KI-Governance. Der neu gegründeten World AI Cooperation Organisation (WAICO), die mit Open-Source-Modellen den globalen Süden unterstützen will, sind bereits 29 Länder beigetreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man kann gespannt sein, ob die Trump-Regierung im Hinblick auf das für&nbsp;<a href="https://www.reuters.com/world/china/us-china-hold-ai-talks-september-sources-say-2026-07-21/?utm_source=DiploMail&amp;utm_campaign=f6b2be1c20-EMAIL_CAMPAIGN_2026_07_24_01_04&amp;utm_medium=email&amp;utm_term=0_4510155485-f6b2be1c20-120765410" target="_blank" rel="noreferrer noopener">September 2026</a>&nbsp;anberaumte Treffen mit Xi Jinping eine neue Strategie erarbeitet. KI-Sicherheitsfragen sind bei diesem Treffen auf der Traktandenliste.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/kuenstliche-intelligenz/eigentor-der-usa-im-ki-wettlauf-mit-irreversiblen-folgen/">Eigentor der USA im KI-Wettlauf – mit irreversiblen Folgen</a>, Infosperber vom 16. Juli 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/technik/ki-regulierung-zwischen-sicherheitsrisiken-und-machtinteressen/">KI-Regulierung zwischen Sicherheitsrisiken und Machtinteressen</a>, Infosperber vom 20.Mai 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/technik/der-fight-um-open-source-ist-geopolitisch-entbrannt/">Der Fight um Open-Source ist geopolitisch entbrannt</a>, Infosperber vom 4. Juli 2025</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Als Vizekanzlerin im Bundeshaus von 1991 bis 2005 leitete die Autorin verschiedene Digitalisierungsprojekte. Nach der Pensionierung engagierte sie sich ehrenamtlich für die Digitalisierung im Bildungsbereich. Heute analysiert Hanna Muralt Müller Chancen und Risiken der künstlichen Intelligenz in ihren&nbsp;<a href="https://muralt-mueller.ch/2024-3/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newslettern</a>.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>UBS: Powerplay mit versteckter Agenda</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/ubs-powerplay-mit-versteckter-agenda/</link>
					<pubDate>Thu, 06 Aug 2026 07:33:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="199" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-05-um-17.13.18-300x199.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="UBS" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-05-um-17.13.18-300x199.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-05-um-17.13.18-768x509.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/Bildschirmfoto-2026-08-05-um-17.13.18.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Wenn sich die UBS jetzt nicht bewegt, ist ein Referendum absehbar. Dass sie ihren Sitz ins Ausland verlegt, ist eine leere Drohung.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[



<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="504" height="504" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/02/cropped-Bildschirm­foto-2025-02-18-um-17.17.58-e1739898442426.png" alt="Rudolf Strahm Portraitbild" class="wp-image-605907" style="width:233px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/02/cropped-Bildschirm­foto-2025-02-18-um-17.17.58-e1739898442426.png 504w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/02/cropped-Bildschirm­foto-2025-02-18-um-17.17.58-e1739898442426-300x300.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/02/cropped-Bildschirm­foto-2025-02-18-um-17.17.58-e1739898442426-150x150.png 150w" sizes="auto, (max-width: 504px) 100vw, 504px" /><figcaption class="wp-element-caption">Rudolf Strahm </figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Derzeit läuft in der Wirtschaftskommission des Ständerats hinter verschlossenen Türen ein Ringen um die neuen gesetzlichen Eigenmittelvorschriften für die Grossbank UBS. Parallel dazu wirkt in der medialen Öffentlichkeit seit Monaten ein Powerplay, das von der UBS-Spitze selber losgetreten worden ist. Aufgeheizt wird der Druck gegen den Bundesrat mit journalistischer Hilfe, mittels Gerüchten und Drohungen. Indes, das alles erzeugt auch politische Widerstände, schon läuft ein Mailverkehr unter namhaften Akteuren über ein mögliches Referendum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit Jahrzehnten muss man bei uns damit leben, dass die Banken in aller Diskretion die Bankengesetzgebung mitgestalten, Ausnahmen konstruieren und der Finanzmarktaufsicht Fussfesseln anlegen. Doch ein derart öffentliches und publikumswirksames Bank-Powerplay gegen Bundesrat, Nationalbank, Aufsicht, aber auch gegen die Wissenschaft, wie wir es heute seitens der UBS erleben, hatte die Schweiz noch nie erlebt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>&#171;NZZ&#187; streut Gerüchte, ohne je die Quelle zu nennen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Banknahe Redaktoren der «NZZ» haben sich im Kampf für «ihre» Grossbank regelrecht eingeschossen. Das «NZZ»-Journalistenteam Beatrice Bösiger und Eflamm Mordrelle produzierte mehr als ein Dutzend bundesratskritische Artikel und Beschwörungen im Stile der UBS-Rhetorik. Bösiger streute mehrmals mutwillig anonyme Gerüchte und Andeutungen über eine mögliche Sitzverlegung der UBS ins Ausland, ohne je eine Quelle zu nennen – das ist verpönt, ist unethischer Journalismus. Der aggressive aktivistische Hedge-Fonds Cevian forderte die UBS zudem öffentlich auf, ihren Sitz in die USA zu verlegen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Unabhängige Steuerexperten haben vorgerechnet, dass die UBS bei einer Verlegung des Konzern-Hauptsitzes in die USA mehr aufgeschobene Kapitalsteuern in der Schweiz nachzahlen müsste, als die zusätzlich geforderten Eigenmittel ausmachen. Das private Banking, also das Vermögensverwaltungsgeschäft, könnte zudem nicht mehr voll in Franken abgewickelt werden. Kurz, die Sitzverlegung ist eine inszenierte leere Drohung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">UBS-Chef Sergio Ermotti dementierte spät und symbolisch die Sitzverlegung, um dann die Bundesratsvorlage erneut als «zu extrem», als «irreführend» und als schwere Wettbewerbsbeeinträchtigung «entschieden abzulehnen». Selbst der Schweizerischen Nationalbank (SNB), die die Bundesratsvorschläge zu den Eigenmitteln als gerechtfertigt und ausgewogen unterstützte, warf die UBS in nie erlebtem Stil «Irreführung» vor. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nationalbank kommt auf 9 Milliarden Dollar, UBS auf über 20 Milliarden</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Wesentlichen geht es beim Streit um die Frage nach den vorhandenen und den zukünftig erforderlichen Eigenmitteln der Bank, namentlich um die Kapitalunterlegung der etwa 500 bis 600 ausländischen Tochtergesellschaften und Beteiligungen der UBS. Der Ursprung kommt daher, dass die nunmehr in die UBS einverleibte CS schon 2019 mit einer früheren Ausnahmeregelung («Filter») ihre Tochtergesellschaften nur mit 60 Prozent der Eigenmittelanforderungen gemäss Basel-III-Vorschriften absichern musste. Nun insistiert der Bundesrat, dass auch diese UBS-Töchter wie das Stammhaus die Eigenkapitalvorschriften zu 100 Prozent erfüllen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über den nötigen Kapitalbedarf in Dollar wird gestritten. Während die UBS-Leitung einen Mehrbedarf von über 20 Milliarden Dollar beklagt, beziffert die Nationalbank in ihrer vertieften Analyse den zusätzlichen Bedarf auf bloss 9 Milliarden Dollar. Diese seien aber in der UBS-Bilanz bereits für zukünftige Sonderdividenden und Aktienrückkäufe vorhanden. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Verdeckte Agenda</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei verdeckte Agenden und unversöhnliche Strategien sind der Ursprung der gehässigen Auseinandersetzung zwischen UBS-CEO Ermotti und Finanzministerin Karin Keller-Sutter: Die erste Agenda seitens der UBS-Führung besteht darin, in den nächsten Jahren den UBS-Shareholder-Value künstlich durch Aktienrückkäufe und Sonderdividenden zu erhöhen. Aktienrückkäufe für jährlich 3 Milliarden Dollar hatte Ermotti den Aktionären an der Generalversammlung schon versprochen. Dies erhöht zwar den Aktienwert (und die Boni), senkt aber das Eigenkapital. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine zweite versteckte Agenda leitet aber den Bundesrat: Aus den bitteren Erfahrungen von 2008 bei der UBS-Rettung und noch verstärkt 2023 bei der CS-Übernahme weiss der Bundesrat, dass ausländische Finanzbehörden keine Abspaltung oder Konkurssanierung von Banktöchtern im Ausland tolerieren. Sowohl 2008 tönte es vom Fed-Chef Ben Bernanke wie auch 2023 von US-Finanzministerin Janet Yellen noch ultimativer: Eine Abspaltung oder Liquidation von schweizerischen Bank-Beteiligungen in den USA kommt nicht in Frage!&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was wird aus dem Streit resultieren? Wird das Parlament Lösungen finden, um die Wandelobligationen AT-1 so krisenfest und international zu konsolidieren, dass sie zuverlässig als Eigenkapital gelten können? Was wird aus dem Public Liquidity Backstop PLB, der mit der Too-big-to-fail-Vorlage verbunden ist? Diese milliardenschwere PLB-Garantie des Bundes (respektive der Steuerzahler) für Garantieleistungen der SNB an die notleidende Bank ist hochgradig umstritten und wäre mit dem Referendumspaket verbunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wäre Zeit für einen Kompromiss. Der Bundesrat hat etwa bei der Kapitalbewertung der Informatik im Stammhaus schon zum Voraus Flexibilität signalisiert. Jetzt muss sich auch die UBS bewegen. Doch derzeit erscheint ein Kompromiss weniger absehbar als ein Referendum.&nbsp;</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/kapitalmarkt/eine-ohrfeige-fuer-ubs-ermotti-und-weichgeklopfte-parlamentarier/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Eine Ohrfeige für UBS-Ermotti und weichgeklopfte Parlamentarier</a>, Infosperber vom 3. Juli 2026<br><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/kapitalmarkt/marc-chesney-kontert-argumente-gegen-die-ubs-kapitalvorgaben/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«UBS sollte Steuerzahlern für Staatsgarantie dankbar sein»</a>, Infosperber vom 25. April 2026<br><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/kapitalmarkt/mosambik-die-ubs-muss-nicht-fuer-cs-taten-geradestehen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mosambik: Die UBS muss nicht für CS-Taten geradestehen</a>, Infosperber vom 18. April 2026<br><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/keller-sutter-will-strengere-kapitalregeln-auch-fuer-die-ubs/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Keller-Sutter will strengere Kapitalregeln – auch für die UBS</a>, Infosperber vom 17. März 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><a href="https://www.rudolfstrahm.ch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rudolf Strahm</a>, ehemaliger Preisüberwacher und alt SP-Nationalrat, leitete von 1978 bis 1984 die Kommission zur Ausarbeitung der Bankeninitiative und war sieben Jahre SP-Zentralsekretär. Sein Artikel erschien zuerst in der «<a href="https://www.handelszeitung.ch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Handelszeitung</a>». Infosperber veröffentlicht hier eine leicht erweiterte Fassung.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Stärker als Russland bedroht uns die Abkehr vom Christentum»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/welt/staerker-als-russland-bedroht-uns-die-abkehr-vom-christentum/</link>
					<pubDate>Thu, 06 Aug 2026 07:32:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=715867</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/ID828261870-JD-VANCE-e1785513628571-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="ID828261870 JD VANCE" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/ID828261870-JD-VANCE-e1785513628571-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/ID828261870-JD-VANCE-e1785513628571-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/ID828261870-JD-VANCE-e1785513628571-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/ID828261870-JD-VANCE-e1785513628571.jpg 1500w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Für den Katholiken und US-Vizepräsidenten JD Vance unterhöhlen Immigration und Antichristen grundlegende gemeinsame Werte.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Bereits an der letzten Münchner Sicherheitskonferenz <a href="https://www.presidency.ucsb.edu/documents/remarks-the-vice-president-the-munich-security-conference-0" target="_blank" rel="noreferrer noopener">erklärte Vance</a> den anwesenden Vertretern der Atlantischen Allianz:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">«Die Bedrohung, die mir in Bezug auf Europa am meisten Sorgen bereitet, ist nicht Russland, nicht China und auch kein anderer Akteur von aussen. Was mir Sorgen bereitet, ist die Bedrohung von innen, nämlich der Rückzug Europas von einigen seiner grundlegendsten Werte – Werte, die es mit den Vereinigten Staaten von Amerika teilt.»</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die drängendste Herausforderung für Europa, so argumentierte Vance, sei die Massenimmigration, verursacht durch Politiker, die sich über den Wählerwillen hinwegsetzen und «die Schleusen für Millionen ungeprüfter Einwanderer öffnen» würden.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="332" height="269" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/JD-Vance-Buchcover.png" alt="" class="wp-image-716483" style="width:150px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/JD-Vance-Buchcover.png 332w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/JD-Vance-Buchcover-300x243.png 300w" sizes="auto, (max-width: 332px) 100vw, 332px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">In seinem 2026 veröffentlichten Buch <a href="https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1078888446?ProvID=15323997&amp;gad_source=1&amp;gad_campaignid=17420264335&amp;gbraid=0AAAAADpVXc54kY5JtSWeAiBEv4L_NqJn_&amp;gclid=EAIaIQobChMI4ebHnJf9lQMV2qSDBx2YlzHpEAQYAyABEgJf7PD_BwE" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Communion: Finding My Way Back to Faith»</a> präzisiert Vance, dass er neben der Sicherheit den Glauben gefährdet sieht: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">«Indem unsere Politiker durch Einwanderung die demografische Vielfalt beispiellos vergrösserten, haben sie gleichzeitig die stärkste Kraft für den kulturellen Zusammenhalt enorm geschwächt: das Christentum.»</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Auch andere hochrangige Vertreter der US-Regierung erklären, sie sähen das gemeinsame christliche Fundament des Westens bedroht. Ebenfalls an der diesjährigen Münchner Konferenz bezeichnete US-Aussenminister Marco Rubio – Vances möglicher Konkurrent um die republikanische Nominierung für 2028 – das Christentum als «heiliges Erbe, eine unzerbrechliche Verbindung zwischen der Alten und der Neuen Welt».&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">US-Kriegsminister Pete Hegseth meinte bei einem Treffen der Verteidigungsminister der westlichen Hemisphäre Anfang dieses Jahres, die <a href="https://www.nytimes.com/2026/03/20/us/politics/hegseth-christianity-military.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«entscheidende Bewährungsprobe»</a> sei die Frage, «ob unsere Staaten westliche Nationen mit unverwechselbaren Merkmalen bleiben werden – christliche Nationen unter Gott, stolz auf unser gemeinsames Erbe, mit starken Grenzen und einer wohlhabenden Bevölkerung».</p>



<p class="wp-block-paragraph">JD Vance stellt sich in seinem Buch «Communion» als bekehrter Christ dar:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph">«Ich sehnte mich verzweifelt nach einer Weltanschauung, die unser schlechtes Verhalten als zugleich soziales und individuelles, strukturelles und moralisches Phänomen versteht. Eine Weltanschauung, die anerkennt, dass wir Produkte unserer Umgebung sind und dass wir die Verantwortung haben, diese Umgebung zu verändern. […] Die Geschichte, wie ich meinen Glauben wiedergewonnen habe, geschah natürlich nur, weil ich ihn zuvor verloren hatte. […] Ich bin froh, dass ich meinen Weg zurück zur Kirche gefunden habe.»</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Welches die christlichen Werte konkret sind, führt Vance nicht aus. Die Nächstenliebe gehört offensichtlich nicht dazu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum ethischen Handeln schreibt er in «Communion»: «Ob eine Handlung gut oder schlecht ist, wird nicht allein durch das Ergebnis bestimmt, sondern durch die Art der Handlung und die dahinterstehenden Absichten.<strong>»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kritiker würden der Regierung vorwerfen, sie gehe in der Einwanderungspolitik «zu hart» vor. Doch er geht nicht darauf ein: «Diese Frage möchte ich auf diesen Seiten nicht erörtern. Wenn moralische Prinzipien in der realen Welt angewandt werden, muss man Vor- und Nachteile ständig miteinander abwägen.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch um diese Abwägung drückt sich Vance in seinem Buch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Politik ist er als Vizepräsident zur unterwürfigen Nummer 2 eines Mannes geworden, den er zuvor als «kulturelles Heroin» und «Amerikas Hitler» verurteilt hatte.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/a1e2ca66631a4807adf1367bba1607e3" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
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					<title>kontertext: Erschütterungen im Sommerloch</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/kontertext-erschuetterungen-im-sommerloch/</link>
					<pubDate>Thu, 06 Aug 2026 07:30:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=716819</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-image2-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach image2" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-image2-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-image2-1024x616.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-image2-768x462.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/flach-image2.png 1166w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Einige Ereignisse haben im Juli die Öffentlichkeit und auch mich erschüttert. Was bedeutet es aber genau, erschüttert zu sein?]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p class="wp-block-paragraph">Auch in diesem Sommer herrscht keine Ruhe im «Sommerloch». Ich suche in meinem persönlichen Nachrichten-Seismometer nach den «Erschütterungen» hier zu Lande. Es sind jene, die sofort Gesprächsstoff waren (und es noch sind) mit Bekannten und auch mit weniger Bekannten. Ein erster Ausschlag erfolgte durch die plötzlich offenkundigen Machenschaften der Fifa mit ihren Trabanten. Infantino, Argentiniens «dunkle Künste», Trump und dessen Entourage haben das «Fairplay», von dem Fussball lebt, angegriffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu die anhaltende Hitze und katastrophale Trockenheit: Sie bedroht Menschen und Tiere, die sich nicht schützen können, und bringt das Bild der Schweiz als Wasserschloss Europas ins Wanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann die Grausamkeit der sexuellen Handlungen eines Aargauer Ex-Grossrats, die weitherum die Gemeinde, die Öffentlichkeit, die Politik, Frauen und mich auch erschreckt und – erschüttert hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erschütterungen kommen aus Verschiebungen von Normen, die wir in unserer Psyche und auch gesellschaftlich nicht sofort ausgleichen können. Die Aufzählung liesse sich erweitern. Die drei Ereignisse beinhalten ganz unterschiedliche Verschiebungen punkto Reichweite, Verantwortung und Schaden. Was sie verbindet, ist aber mehr als das «Sommerloch».</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nahe und ferne Erschütterungen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Fussball, dem fernsten der drei Ereignisse, erreichte mich das Gefühl, dass etwas sich gerade verschiebt, im Spiel der Argentinier gegen die Schweiz wie gegen England sah ich Szenen, die ich so im Fussball noch nie gesehen hatte. Im entscheidenden Spiel der Schweiz bin ich deshalb Ruefers Ruf gefolgt, wonach die rote Karte gegen Embolo «Irrsinn» war. Man rügte Ruefer danach selbst als irrsinnig. Nun bestätigt die <a href="https://www.zdfheute.de/sport/fussball-wm/fussball-wm-2026-fifa-regel-gelb-rot-embolo-fehler-ifab-100-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fifa</a>, dass der Platzverweis regelwidrig war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Erschütterung kommt hier wohl aus dem Verlust des Vertrauens in das Wertesystem der Fairness als einer Grundlage des Sports. Eine Gewissheit erodierte – der <a href="https://ch.video.search.yahoo.com/yhs/search?fr=yhs-trp-015&amp;hsimp=yhs-015&amp;hspart=trp&amp;p=was+sagte+Murat+Yakin+nach+dem+spiel+gegen+Argentinien+an+der+WM+2026%3F&amp;type=Y23_F163_212979_070121#id=4&amp;vid=f0f96a844ffd5a524184a3b2517ea056&amp;action=click" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kommentar</a> des sonst so coolen Murat Yakin nach dem Spiel zeugte für einmal von Fassungslosigkeit. Und auch wenn die Uefa es geschafft hat, sich gegen das System Infantino zu stemmen, haben wir erlebt, wie vor den Augen der ganzen Sport-Weltöffentlichkeit gehauen und getrickst werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die tägliche Perplexität und Ratlosigkeit gegenüber der voranschreitenden Klima-Katastrophe ist eine Erschütterung mit Ansage. Einige aus meiner Generation meinen noch immer, wir werden auch diesen Hitzesommer «wegstecken». <a href="https://www.bazonline.ch/jetzt-doch-beide-basel-sagen-feuerwerke-ab-692307485035?utm_source=Bajour&amp;utm_campaign=0d995ccf84-2020-12-08+Basel+Briefing_COPY_01&amp;utm_medium=email&amp;utm_term=0_bed6b33c61-0d995ccf84-401529061" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Conradin Cramer</a> freut sich jetzt schon, dass nächstes Jahr das Feuerwerk in Basel wieder stattfinden kann, während junge Menschen auf Instagram tausendfach den Post verbreiten: «Freue dich, das ist der kühlste Sommer deines Lebens.»</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Post erschüttert mich, je länger ich über ihn nachdenke, weil er mein Bild von der Zukunft verändert. Jene Zukunft, die unsere Hinterlassenschaft sein wird. Während in den Schweizer Medien die Trockenheit der Alpregionen, der Hitzestress der Kühe und das gigantische Fischsterben Erwähnung finden, hört man aus der Politik nichts zum Hitzestress der jungen Menschen, die unsere Zukunft sind. Nichts zur Klimajugend und Klimaforschung, die seit Jahrzehnten vor eben solchen Dürre-Szenarien warnt. Man verschleiert die Erschütterungen weiterhin mit Folklore und Schweigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>K.-o.-Tropfen in Untersiggenthal</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die kranke Frauenverachtung, die mit dem Prozess gegen den Täter aus Untersiggenthal AG zu Tage tritt, ist erschreckend. Warum? Auch wenn einige die Schilderungen von <a href="https://www1.wdr.de/nachrichten/nah-dran-gisele-pelicot-102.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gisèle Pellicots</a> Vergewaltigungen kennen, schaudert es einen, je näher man sich vorzustellen versucht, was genau passiert ist. Wenn man über den Mann hinaus an den «Markt» denkt, in welchem Filme über sexuellen Missbrauch zur eigenen Erregung konsumiert werden, wird es richtig eklig. Denn hier geht es nicht mehr um die Lust zweier Menschen auf Augenhöhe (was Pornographie auch einmal war), sondern um Verachtung und eiskalte Brutalität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sexuelle Handlungen an mit K.-o.-Tropfen Sedierten und die Propagierung von sexueller Gewalt im Netz löschen Frauen aus und machen sie zu halbtoter Ware. Dass die Aargauer Gemeinde zuerst der Logik eines perversen Patriarchats folgte, indem sie die beiden Opfer nur mit Nothilfe versorgte und ausschaffen wollte, ist nun vom Kanton als <a href="https://www.20min.ch/story/untersiggenthal-ag-kanton-aargau-greift-ein-iwona-und-paula-l-duerfen-bleiben-103610824" target="_blank" rel="noreferrer noopener">rechtswidrig</a> erklärt worden. Die Gemeinde muss zahlen und die Frauen erhalten Aufenthaltsrecht. Was mich erschüttert, ist der Umstand, dass diese sadistische Logik von Männern vollzogen wurde und wird, die sich als Repräsentanten unserer politischen Rechte inszenieren.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/image2-1024x768.png" alt="image2" class="wp-image-716815" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/image2-1024x768.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/image2-300x225.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/image2-768x576.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/08/image2.png 1166w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Mahnwache in Untersiggenthal am 28. Juli.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Teilnehmer der Kundgebung von letzter Woche in Untersiggenthal (mein kontertext-Kollege Michel Mettler) berichtet von grosser Fassungslosigkeit und bringt diese so auf den Punkt: «So war es an einem sehr warmen Abend ein Anlass, der von einem spürbaren Frösteln durchzogen war, eines, das bis auf die Knochen ging. Und man spürte sicher, bei aller Kampfbereitschaft, eine tiefe Ratlosigkeit darüber, dass wir nach Jahrzehnten, Jahrhunderten der Arbeit am gedeihlichen Zusammenleben wieder und immer wieder vor der Verheerung solcher Taten stehen; es ist zu befürchten, dass sie sich fortpflanzen werden durch die Generationen.» Mettler bezeugt damit das, was zur Erschütterung gehört: Nahbarkeit. Es ist die Nähe der Betroffenheit in Anwesenheit der Opfer und der gleichzeitige Blick auf die gigantische Dimension einer erodierenden Hoffnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>«Bleib erschütterbar und widersteh»</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die drei Ereignisse zeitigen Erschütterungen sehr unterschiedlicher Art. Was sie aber verbindet, ist, dass sie allesamt Boten einer «abnormal» gewordenen Weltlage sind. Maga-Korruption, Klimakatastrophe und die sexuelle Ausbeutung von Frauen sind Ergebnis und Teil männlicher Weltherrschaft, die nicht mehr im Verborgenen geschieht. Infantino greift den Weltfussball vor aller Augen an, Trump &amp; Co (auch Umweltminister Rösti und neben ihm der Präsident des Bauernverbands Markus Ritter) leugnen den Klimawandel bis dato. Und die Degradierung und sexuelle Ausbeutung von Frauen ist von erschreckenden Dunkelziffern umgeben: Die Täter scheinen sich weithin sicher zu fühlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Erschütterungen und Disruptionen Teil der politischen Agenda der Autokraten sind, um die Gesellschaft zu lähmen, wie dies Eva von Redecker in ihrem <a href="https://www.perlentaucher.de/buch/eva-von-redecker/dieser-drang-nach-haerte.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Buch</a> über den aufkommenden Faschismus anmahnt, dann stellt sich die Frage nach unserer Erschütterbarkeit umso dringlicher. Oft denke ich deshalb in letzter Zeit an ein Gedicht von Peter Rühmkorf, «Bleib erschütterbar und widersteh» (1977). Eine Strophe lautet:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die uns Erde, Wasser, Luft versauen<br>– Fortschritt marsch! Mit Gas und Gottvertrauen –<br>Ehe sie dich einvernehmen, eh<br>du im Strudel bist und schon im Solde,<br>wartend, dass die Kotze sich vergolde:<br>Bleib erschütterbar – und widersteh.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rühmkorfs Zeit war eine andere – und ist doch unsere. Der Titel und Refrain seines Gedichtes «bleib erschütterbar <em>und</em> widersteh» besagt, dass das eine das andere bedingt. Er sagt nicht «aber», er sagt «und». Wir müssen erschütterbar sein, um uns zu wehren, um zu widerstehen. Die Wehrhaftigkeit der Uefa gegen die Fifa ist einmalig, aber sie ist gut abgesichert. Die rechtlich ungeschützte Ivona L. und ihre Tochter Paula aus Untersiggenthal hingegen haben uns gezeigt, wieviel Mut es braucht, Nein zu sagen und zu widerstehen. Für den Moment haben sie gewonnen und können mit ihrem Mut ein Beispiel sein. Für die Auswirkungen des Klimawandels braucht es neuen Widerstand gegen die Umweltpolitik der Schweiz, wie die <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/lisa-mazzone-gruenen-praesidentin-kritisiert-albert-roesti-499003194615" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Grünen</a> und die <a href="https://www.bauernzeitung.ch/artikel/agrarpolitik/schweigen-zum-klimawandel-unser-berufsverband-vertritt-uns-nicht-mehr" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Biolandwirte</a> ihn lanciert haben. Statt Bauernfrühstück auf trockenen Höfen, wären geschlossene Rücktrittsforderungen an Markus Ritter und Albert Rösti angezeigt. Aber dafür sind die Erschütterungen offenbar noch nicht stark genug.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. <em>Silvia Henke ist Literatur- und Kulturwissenschaftlerin und Publizistin. Sie unterrichtet an der Hochschule Luzern Design &amp; Kunst, unter anderem Kunst und Politik und visuelle Kultur. Forschungsschwerpunkte sind Kunst und Religion, künstlerisches Denken, transkulturelle Kunstpädagogik. Sie interessiert sich grundsätzlich für die Widersprüche der Gegenwart, wie sie auch in der Medienlandschaft auftauchen, und veröffentlicht regelmässig Texte und Kolumnen in Magazinen und Anthologien.</em><br><br><em>Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe von Autorinnen und Autoren. Sie greift Beiträge aus Medien auf, widerspricht aus journalistischen oder sprachlichen Gründen und reflektiert Diskurse der Politik und der Kultur. Zurzeit schreiben regelmässig Silvia Henke, Mathias Knauer, Michel Mettler, Felix Schneider und Beat Sterchi.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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