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		<title>infosperber - Shoutem Feed!</title>
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					<title>Wie Sandabbau die Lebensgrundlagen aller zerstört</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/wasser-gewaesser/wie-sandabbau-die-lebensgrundlagen-aller-zerstoert/</link>
					<pubDate>Sat, 30 May 2026 07:33:00 +0000</pubDate>

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					<content:encoded><![CDATA[




<p>Wenn Fasasi Adekunle vor Sonnenaufgang seine Netze auswirft, hofft er auf das Beste. Der Fischer aus Epe nahe der nigerianischen Stadt Lagos kennt die Lagune seit über 30 Jahren. Früher sei er am Abend hinausgefahren und am nächsten Vormittag mit vollen Netzen zurückgekehrt, erzählt er. Heute müsse er weiter hinausfahren – und komme oft fast ohne Fang zurück. In der Lagune gebe es kaum noch Fisch.</p>



<p>Auch die Nacht ist nicht mehr still. Noch vor Sonnenaufgang wird sie vom Brummen der Saugbagger dominiert. Sie holen Sand vom Grund der Lagune – eine gefragte Ressource für die Bauwirtschaft in Lagos. Die Metropole mit ihren rund 20 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern wächst rasant. Dafür braucht sie Beton, Strassen, Wohnraum und künstlich aufgeschüttetes Land. Und dafür braucht sie Sand.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zuerst trifft es jene, die am Wasser leben</h2>



<p>Die Folgen spüren zuerst jene, die direkt vom Wasser leben. Durch das Ausbaggern wird das Wasser trübe, Lebewesen, die Licht und sauberes Wasser brauchen, sterben ab. Das Meeresbett verändert sich, Lebensräume verschwinden. An manchen Stellen vor Lagos habe sich der Meeresboden durch Sandabbau bereits um mehrere Meter abgesenkt, berichtete der <a href="https://www.theguardian.com/environment/2026/apr/08/dredging-is-pushing-lagos-lagoon-towards-ecosystem-collapse-photo-essay" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Guardian»</a>. «Während Lagos immer grösser wird, wird unser Land weggewaschen», sagt Ogbemi Okuki aus Era Town. Eine Fischhändlerin berichtet, ihr Einkommen habe sich in den vergangenen fünf Jahren halbiert, weil die Fischer immer weniger fangen würden. Andere erzählen, ihre Häuser lägen nach jeder Monsunsaison näher am Wasser.</p>



<p>Was sich vor Lagos zeigt, ist Teil eines globalen Problems. Sand und Kies sind laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) die am stärksten genutzten Feststoffe der Welt. Rund 50 Milliarden Tonnen werden jedes Jahr aus Flüssen, von Küsten und vom Meeresboden geholt, nicht immer auf legalem Weg. Der globale Bedarf hat sich zwischen 2000 und 2020 verdreifacht. Treiber sind Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und wirtschaftliche Expansion. Der weltweite Sandmarkt hatte 2024 einen Wert von rund 569 Milliarden Dollar.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ohne Sand wäre die Welt eine andere</h2>



<p>Nichts ist aus dieser Sicht so grundlegend für unsere Zivilisation wie Beton. Drei wichtige Ressourcen finden darin zusammen: Süsswasser, Sand und Zement, dessen Herstellung das Klima stark belastet. Ohne Beton und damit ohne Sand sähe die Welt sicher anders aus.</p>



<p>Sand steckt in Glas, Mikrochips und sogar in Zahnpasta. Dennoch gilt er als billiger Rohstoff. Tatsächlich erfüllt Sand zentrale ökologische Funktionen. Er filtert Wasser, schützt Küsten vor Unwettern und Erosion und verhindert, dass Salzwasser ins Grundwasser eindringt. Viele Fischarten, Schildkröten, Vögel oder Krebse sind auf Sand als Lebensraum angewiesen. Geht Sand verloren, verschwinden nicht nur Strände, sondern ganze Ökosysteme.</p>



<p>Ökologische Schäden zeigen sich oft erst Jahrzehnte und Jahrhunderte später. Flussdeltas sinken ab, Küsten erodieren, Grundwasser versalzt, Fischbestände brechen ein. Ist der Sand einmal weg, kommt er nur sehr langsam zurück – wenn überhaupt. Weltweit werde mehr Sand verbraucht, als sich durch natürliche Erosion neu bilde, resümiert der <a href="https://wedocs.unep.org/items/b037d0d7-b899-4969-9b9a-b5c36dd32abe" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Unep-Sand-Report 2026</a>, der weltweit ein besseres Sandmanagement anmahnt.</p>



<p>«Sand wird manchmal als der unbesungene Held der Entwicklung bezeichnet, doch seine entscheidende Rolle für den Erhalt der natürlichen Ökosystemleistungen, auf die wir angewiesen sind, wird noch stärker übersehen», sagt Pascal Peduzzi, Leiter der Unep-Datenbank für globale Ressourceninformationen in Genf, die den Bericht erstellt hat.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Asien und Afrika leiden unter Sand-Raubbau</h2>



<p>Besonders von den Auswirkungen des Raubbaus betroffen sind Südostasien sowie Teile West- und Nordafrikas. Länder wie die Malediven kämpfen gleich an mehreren Fronten gegen den Verlust ihrer Lebensgrundlage. Das Land liegt nur wenige Meter über dem Meer und ist bereits durch die Klimakrise bedroht. Extremwetter kann drastische Auswirkungen haben. Die Hauptstadt Malé aber wächst ständig, Lagunen werden mit Sand aus anderen Regionen aufgeschüttet. 2019 gingen dadurch rund 200 Hektaren Korallenriffe verloren – mit irreversiblen Schäden für die Meeresökologie.</p>



<p>Auch Indonesien zahlt einen hohen Preis. Das Land ist eine bevorzugte Sandquelle für die Bauwirtschaft im benachbarten Singapur. Nach <a href="https://www.welt.de/vermischtes/article136519785/Wenn-den-Wuestenlaendern-der-Sand-ausgeht.html">mehreren</a> <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/sandabbau-wenn-inseln-und-straende-verschwinden-a-1221226.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Berichten</a> hat Indonesien durch Sandabbau bereits mehr als 20 Inseln verloren. Die Fischbestände gingen drastisch zurück, tausende Fischerfamilien verloren ihre Existenzgrundlage. Von 2003 bis 2023 war der Export von Sand deshalb verboten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Besonders begehrt ist Flusssand</h2>



<p>Wüstensand ist für Beton unbrauchbar, weil die einzelnen Körner zu rund geschliffen sind und sich als Baustoff nicht eignen. Deshalb importieren selbst Wüstenländer grosse Mengen Sand. Besonders begehrt ist Flusssand, weil er weniger Salz enthält als Meeressand.</p>



<p>Länder mit grossen Flusssystemen wie Vietnam, Bangladesch oder Kambodscha verfügen damit zwar über eine wertvolle Ressource, kämpfen als Folge des oft rücksichtslosen oder illegalen Abbaus aber mit Erosion, versalztem Grundwasser und Schäden in der Landwirtschaft. In Indien kontrolliert die sogenannte Sand-Mafia den Markt mit brutalen Methoden.</p>



<p>Lagos mit seinen Sandbaggern vor der Stadt ist eher eine Ausnahme. Die Orte, von denen der Sand stammt, liegen häufig weit entfernt von den Städten, die den Sand verbrauchen. Gebäude wachsen in die Höhe, das ökologische Problem bleibt oft unsichtbar. Sichtbar sind die neue Strasse, das trockengelegte Feuchtgebiet oder die erweiterte Küstenlinie – nicht aber der zerstörte Fluss oder die erodierte Küste anderswo. Folgen habe die ökologische Zerstörung aber für alle. Kurzfristige wirtschaftliche Interessen überwögen langfristige ökologische Folgen, kritisiert Unep.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Jedes Körnchen zählt</h2>



<p>Wie viel verwertbaren Meeres- und Flusssand es überhaupt gibt und welche ökologische Funktion er genau erfüllt, ist dabei weitgehend unbekannt. Vielerorts fehlen selbst grundlegende Daten: Wo wird wie viel Sand abgebaut? Wohin wird er transportiert? Welche Schäden entstehen?</p>



<p>Teilweise ist das nachvollziehbar. Um Sand zu gewinnen, braucht es vielerorts nicht mehr als einen Eimer und eine Schaufel. Allerdings werden fortlaufend Millionen Tonnen Sand aus Flüssen oder vor Küsten abgebaggert, legal wie illegal. An manchen Orten werden über Nacht ganze Strände geklaut.</p>



<p>Die Unep fordert deshalb ein grundlegendes Umdenken. Regierungen müssten Sand als strategische Ressource behandeln – ähnlich wie Wasser oder Energie. Dazu gehörten Umweltverträglichkeitsprüfungen, bevor Sand gewonnen wird, bessere Kontrollen, transparente Daten und der Kampf gegen kriminelle Strukturen. Der Sand, der dort bleibe, wo er ist, sei langfristig oft wertvoller als der, der in Beton verschwinde. Leider sei das häufig wenig sichtbar.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/rohstoffe/indien-die-toedlichen-arme-der-sand-mafia/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Indien: Die tödlichen Arme der Sand-Mafia</a> – Infosperber am 27. Juni 2021</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/luft-klima/zement-die-unbeachtete-klimafalle/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zement, die unbeachtete Klimafalle</a> – Infosperber am 26. Februar 2019</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/56cdc2e55bb64b3786c109eaaabe1b2f" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Noch ein Beweis: Wenn ich nichts tue &#8230; bin ich am besten!»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/__trashed-801/</link>
					<pubDate>Sat, 30 May 2026 07:30:00 +0000</pubDate>

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					<title>Planet der Seligen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/sport/planet-der-seligen/</link>
					<pubDate>Sat, 30 May 2026 07:29:00 +0000</pubDate>

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					<content:encoded><![CDATA[




<p>Der FC St. Gallen ist bekanntlich der einzig relevante Fussballverein auf dem europäischen Festland, und bei diesem einzig relevanten Fussballverein, dem ältesten in Europa, wenn man Brexit-England mal ausblendet, war es lange Jahre einfach beschissen, beschissen, beschissen. Nicht pittoresk-beschissen, nicht romantisch-beschissen in der Art, wie englische Zweitligaclubs manchmal beschissen sind und dafür geliebt werden, nein, sondern existenziell, hoffnungslos, klinisch beschissen. Das damalige Präsidium sprach zwischen 2002 und 2008 mit Blick auf ein neues Stadion von Übergangssaison zu Übergangssaison zu Übergangssaison, als wäre Mittelmässigkeit kein Zustand sondern ein Versprechen, mit dem letzten Spiel im ehrwürdigen Stadion Espenmoos kam der Abstieg, mit dem Abstieg der Stadionkrawall und die Internetfahndung und die Stadionverbote, und dann folgte jenes seltene, kostbare Schweigen, das entsteht, wenn eine Vereinsführung und ihre Fans sich gegenseitig so tief verachten, dass jedes Wort zu kostbar wäre.</p>



<p><strong>Lustig schon, aber</strong>&#8230;</p>



<p>Es gibt Vereine die Titel sammeln wie andere Leute Briefmarken. Der FC St. Gallen ist kein solcher Verein. Gegründet 1879, ältester Fussballclub der Schweiz, zweimal Meister, 1904 und 2000, einmal Cupsieger, 1969, vor mehr als fünfzig Jahren. Seither viermal im Final, viermal verloren. Die Zahlen lügen nicht. Sie erklären auch nicht alles, aber sie erklären einiges.</p>



<p>Wir betranken uns nach Cup-Niederlagen in Küsnacht am Rigi und prügelten uns an einem Montagabend am Bahnhof in Thun oder in Aarau mit irgendwelchen Nazis, weil auf Auswärtsfahrten damals nicht Hunderte mit dabei waren, sondern ein SBB-Wagen voll, man kannte sich, man wusste voneinander, man war zusammen dort und feierte Niederlagen, weil es nichts anderes zu feiern gab. Lustig schon, aber auch wahnsinnig deprimierend.</p>



<p>Der FC St. Gallen stieg auf, führte 2008/09 die Tabelle an, drohte gleichzeitig in den Konkurs zu fallen und tat das alles in einem nagelneuen Stadion, dann verliessen zahlreiche Spieler den Verein, das Stadion war pleite, Stadt und Kanton sagten nein, keine weiteren Gelder, sie liessen Marc Zellweger ziehen, 14 Saisons, über 500 Spiele, Fussballgott, seine Nummer 17 wird nie mehr vergeben, und dann stiegen sie wieder ab.</p>



<p><strong>Ein anständiger Mensch</strong></p>



<p>Ein paar Chaosjahre später kam Matthias Hüppi. Man muss das in seiner ganzen Unwahrscheinlichkeit würdigen, ein damals 59-jähriger SRF-Sportmoderator, 38 Jahre lang das Gesicht des Sportfernsehens und 32 Jahre lang des Sportpanoramas, quasi Nationalsymbol, der Mann der durch Skirennen und Fussballspiele und Tennissensationen moderierte und kommentierte während die halbe Schweiz auf dem Sofa sass und dachte, das ist der Hüppi – dieser Mann entschied nach dem allerletzten Sportpanorama-Abend lieber einen im Fall befindlichen Ostschweizer Fussballclub zu übernehmen als irgendetwas Vernünftiges mit dem Rest seines Lebens anzufangen. Das nennt man Berufung. Oder Wahnsinn. Beim FC St. Gallen ist beides dasselbe, weil dieser Verein so identitätsstiftend ist bis zur Irrationalität, dass nur jemand mit einem Schuss Wahnsinn dort aus Berufung arbeiten kann.</p>



<p>Hüppi ist im Fussball eine Anomalie, ein anständiger Mensch, kein Patron, kein Selfmade-Milliardär mit Geltungsdrang und Steuerwohnsitz in Freienbach, kein windiger Typ, der Fussball kauft wie andere Leute Uhren kaufen um etwas zu besitzen das grösser ist als sie, sondern ein Mensch, der wollte, dass es läuft, und es lief, ohne den einen grossen Geldgeber, der als Gegenleistung Trainer nach Laune entlässt, Transfers diktiert, Freunde im Verwaltungsrat installiert, Stadien nach seinem Geschmack baut und sich feiern lässt als wären Trophäen Inneneinrichtung. </p>



<p>Stattdessen 19&#8217;000 Publikumsaktionäre, regionale Verankerung, quasi soziale Bewegung, 45 Millionen Franken Umsatz, und die ganze Fussballschweiz schaute in den vergangenen Monaten nach St. Gallen und dachte das kann doch nicht wahr sein, wie läuft es denen so gut, Vizemeisterschaft, und dann am letzten Sonntag zum ersten Mal seit 1969 wieder der Schweizer Cup, im Wankdorf, 3:0, trotz einem Goalie der noch vor der Pause Rot sah. Fussball als Märchen. St. Gallen als Hauptstadt der Freude. Kurz war alles gut. Es dauerte 48 Stunden.</p>



<p><strong>«SVP-Putsch»</strong></p>



<p>Noch auf dem Platz, Cupkübel in der Hand, die Stimme fast nicht mehr seine, im Hintergrund Feuerwerk und Zehntausende die singen und die Goalies mitten in den Ultras, sagt Hüppi – ja was sagt er denn da? Hüppi sagt: «Es waren ultraharte Wochen für mich. Ich hatte extrem viele Bälle in der Luft. Beim FC St. Gallen ist nicht immer alles nur Planet der Seligen. Sondern bei uns wirken auch verschiedene Kräfte. Und es ist eine meiner Aufgaben, als Präsident von diesem Club, mit allem, was ich habe, hinzustehen, Kraft zu entwickeln, um Schaden vom Club fernzuhalten. Und es gibt im Moment Tendenzen, die wir in dieser Form nicht akzeptieren werden, und es ist unvorstellbar, dass in der besten Phase der Geschichte dieses Clubs nicht alle geschlossen hinter ihm stehen.»</p>



<p>Was dann herauskam: Ein Teil der Aktionäre teilte den Verwaltungsräten Benedikt Würth und Patrick Gründler Mitte März mit, dass sie nicht mehr erwünscht seien, ohne Gründe, ohne Erklärung, nicht ein Wort, und daraufhin entschieden alle vier Verwaltungsräte gemeinsam, auf dem Höhepunkt des sportlichen und wirtschaftlichen Erfolgs per Ende Juni zurückzutreten, solidarisch, als Block. Würth, Mitte-Ständerat, sagte im Interview mit dem «St.&nbsp;Galler Tagblatt», er wisse bis heute nicht warum, niemand habe es ihnen erklärt, und der Journalist fragte: Sie wissen nicht, was man Ihnen vorwirft? «Nein.» Sie kennen die Pläne des Aktionariats nicht? «Nein.» Sind Sie enttäuscht? «Ja, brutal. Es ist total konsternierend, was jetzt passiert.»</p>



<p>In den Fanforen und in den Kommentarspalten fiel der Begriff «SVP-Putsch», nicht ohne Grund (worauf sich die Kantonalpartei umgehend von solchen Plänen distanzierte und Alt-SP-Ständerat Paul Rechsteiner von einem «Machtrausch» sprach): Als Nachfolger war Stefan Kölliker vorgesehen, ehemaliger SVP-Regierungsrat, dazu Marwin Hitz als Verwaltungsrat, der Thurgauer Torhüter der in St. Gallen gross wurde, und Martina Wüthrich, Juristin aus Weinfelden, tätig in einer Kanzlei, in der mit Jakob Stark ein SVP-Ständerat Konsulent ist und mit Pascal Schmid ein SVP-Nationalrat Partner, und dahinter Roland Gutjahr, Thurgauer Unternehmer, Vater von SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr, was in der Summe, wie die NZZ trocken festhielt, etwas viel SVP ist und etwas viel Thurgau, und was zu der Frage führte, mit wie viel Gespür der Club da gerade umgebaut werden sollte. Würth wurde darauf angesprochen, er sagte im Stadion zähle nur Grünweiss, Politik müsse draussen bleiben. Hüppi bekam von der SVP-Crew ein Verlängerungsangebot, aber liess es unbeantwortet verstreichen. Man hat ihm nicht gekündigt. Man hat einfach alles um ihn herum abgeräumt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="570" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-TWO-1024x570.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-702697" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-TWO-1024x570.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-TWO-300x167.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-TWO-768x427.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-TWO-1536x855.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-TWO-2048x1140.jpg 2048w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/FCSG-TWO-800x445.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Es waren ultraharte Wochen für mich. Beim FC St. Gallen ist nicht immer alles nur Planet der Seligen»: Präsident Matthias Hüppi in der Stunde des grössten Triumphs.</figcaption></figure>



<p><strong>Winter is Coming</strong></p>



<p>Die Fankurve zeigte nach dem Cupfinal ein Banner mit den Vornamen der vier abtretenden Verwaltungsräte und von Hüppi: «Hinter dem Triumph stehen die Richtigen.» Sponsoren drohten mit Abgang, erste Gespräche, erste Signale, und dann meldete sich der St. Galler Regierungsrat, der Kanton, die Regierung, wegen eines Fussballclubs, sie nahmen die Berichte «mit Besorgnis zur Kenntnis», Fans, Sponsoren, Kantonsregierung, alle gegen die Putschisten.</p>



<p>50&#8217;000 Menschen standen nach dem Cupsieg auf dem Marktplatz als die Mannschaft ankam, in einer Stadt mit 85&#8217;000 Einwohnern, Zürich feierte den Meistertitel mit 15&#8217;000, Basel das Double mit 25&#8217;000 und St. Gallen den Cup mit 50&#8217;000, weil der FC St. Gallen natürlich grösser ist als Fussball, er steht für eine mit Komplexen behaftete Region, die sich seit Jahrzehnten abgehängt fühlt und <em>brain drain</em> und was weiss ich alles, und die sich an diesen Verein klammert, ihn umarmt, ihn hegt und pflegt, diesen Leuchtturm, manchmal Stolz der Nation, manchmal Spott der Nation.</p>



<p>Und genau jetzt, genau in dem Moment, wo man wieder Leuchtturm war, sägen sie sich selbst den Ast ab, weil Fussball irrational ist, überall, immer, aber hier ganz besonders, und die SVP-Crew, die jetzt, zu diesem völlig bizarren Zeitpunkt, quasi feindselig den Thron übernehmen wollte, erinnerte an diese Serie, wo die einen immer «Winter is Coming» raunen und alle den eisernen Thron erklimmen wollen, und am Ende haben sich alle gegenseitig niedergemetzelt und sind tot und niemand hat etwas davon.</p>



<p><strong>Die Mitte hat gehalten</strong></p>



<p>Aber die Basis hat gehalten, hat getragen, wie so immer beim FC St. Gallen. Egal, wie viele Übergangssaisons man spielte: Die Leute strömten ins Stadion. Eine Basis, die es umso mehr schätzte, mit Hüppi endlich einen Präsidenten zu haben, der diese Basis wirklich versteht, und genau darüber stolperten nun die Unsympathisanten, Leute, die sich inszenieren wollten auf einem Gerüst, das nicht sie gebaut hatten, und deren Motive bis heute völlig unklar sind und an diese üblichen Luftschlösser erinnern, die man sich im Fussball halt so baut, bevor das Konkursamt oder die Challenge League oder der Staatsanwalt anklopft.</p>



<p>Und dann, am Mittwochmorgen, drei Tage nach dem Cupsieg, der plötzlich fast so weit weg schien wie der letzte Meistertitel, die Pressekonferenz im Kybunpark, Medienchef Remo Blumenthal sagte «so viele Leute waren wohl noch nie da», und dann kam Hüppi, und er bleibt, die Putschisten gehen, Roland Gutjahr und Patrick Thoma treten ihre Aktienpakete ab und Thoma sein erst kürzlich angetretenes Mandat im Verwaltungsrat, Kölliker, der sich im SRF-Interview schon als Präsident inszenierte, ist weg, bevor er angefangen hat, und der Verwaltungsrat bleibt nach Thomas Abgang quasi der Alte: Hüppi, Germann, Gründler, Hammer, Würth, alles wie vorher, als wäre nichts gewesen, ausser dass natürlich alles anders ist, ausser dass die Wunden bleiben, ausser, dass Hüppi selbst sagte «wie gross der Schaden ist, weiss ich nicht», und dann sagte er noch etwas, fast beiläufig, fast leise, über den Moment der alles ins Rollen gebracht und die feindliche Übernahme vereitelt hat: «Was mir rausrutschte nach dem Final, war nicht geplant. So clever bin ich nicht. Mir ist das rausgerutscht.»</p>



<p>57 Jahre auf den Pokal gewartet. 48 Stunden auf das Chaos. FC St. Gallen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><em>2007 publizierte Daniel Ryser gemeinsam mit Daniel Torgler und Matthias Frei im Appenzeller Verlag «Espenmoos: Fussball und Fankultur».  </em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Das Spiel: Wie lautet das Urteil?</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/uebriges-gesellschaft/das-spiel-wie-lautet-das-urteil/</link>
					<pubDate>Sat, 30 May 2026 07:28:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Ihr seid die Jury" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury.jpg 886w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>In einer neuen Art von Rätselspielen sind wir Teil einer Jury, die ihr Urteil nach Anhörung aller Zeugen fällen muss. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="504" height="504" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg.png" alt="Patrick Jerg" class="wp-image-637819" style="width:200px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg.png 504w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg-300x300.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg-150x150.png 150w" sizes="auto, (max-width: 504px) 100vw, 504px" /><figcaption class="wp-element-caption">Patrick Jerg</figcaption></figure>



<p>Es gibt zahlreiche Varianten von Exit- oder Escapespielen auf dem Markt, bei denen man nach Lösungen aus einer scheinbar ausweglosen Situation sucht. Zuletzt erschienen vermehrt medizinische Rätselfälle, bei denen man anhand von Untersuchungsergebnissen eine Diagnose stellen musste. Nun gibt es eine neue, spannende Rätselreihe, bei der man spielerisch zu einem Urteil kommen muss. Bei &#171;Ihr seid die Jury&#187; nimmt man als Geschworene im Gerichtssaal Platz.</p>



<p>Die Gerichtsverhandlung verläuft zwar nach amerikanischem Muster, doch sie orientiert sich an einem True-Crime-Fall. Sämtliche Informationen, die man während des Spiels erhält, basieren also auf wahren Begebenheiten. Gesteuert wird das Spiel über eine App. Sie bietet sämtliche Aussagen der Verhandlung als Audio-Datei an. Nach den Eröffnungsreden der Richterin, der Staatsanwältin und des Verteidigers geht es direkt zur Sache.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verwirrende Aussagen</h2>



<p>Im Fall &#171;Zwei Gesichter &#8211; ein Schuss&#187; wurde Brian Jones vor einem Tanzclub erschossen. Jeff Walker steht nun vor Gericht, er ist der Hauptverdächtige des Falls. Am ersten Verhandlungstag hören wir uns vier Zeugen an, die ihre Eindrücke und Erlebnisse schildern. Nach den Aussagen folgt jeweils ein Kreuzverhör der Staatsanwaltschaft oder der Verteidigung. Mit verschiedenen Eindrücken ziehen wir uns am Ende des Tages zu einer Beratung zurück. In diesem kooperativen Spiel darf man seine Mutmassungen miteinander teilen. Zudem können alle noch die Karte eines weiteren, fiktiven Geschworenen ziehen und eine unabhängige Meinung nachlesen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="543" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury-Zwei-Gesichter-ein-Schuss-2.jpg" alt="Ihr seid die Jury - Zwei Gesichter, ein Schuss 2" class="wp-image-703145" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury-Zwei-Gesichter-ein-Schuss-2.jpg 640w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury-Zwei-Gesichter-ein-Schuss-2-300x255.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption class="wp-element-caption">&#171;Ihr seid die Jury&#187;</figcaption></figure>



<p>Mit vier weiteren Zeugen starten wir in den zweiten Verhandlungstag. Die neuen Aussagen bestätigen oder entkräften die bisherigen Eindrücke. Wohin geht die Reise? Kommt es zu einem Schuldspruch oder zu einem Freispruch? Auch nach dem zweiten Verhandlungstag gibt es eine Beratungsrunde, um dann gleich den dritten Tag folgen zu lassen. Die letzten Zeugen warten, anschliessend folgen die Schlussplädoyers der einzelnen Parteien.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Urteil, bitte!</h2>



<p>In einer letzten Beratungsrunde geht es ums Ganze. Die Geschworenen müssen zu einem Urteil kommen und zwei Schlussfragen des Gerichts mit einer Mehrheit beantworten. Spätestens an dieser Stelle wird allen am Spieltisch klar, in welch schwieriger Situation man sich selber befindet und welche Auswirkungen ein Urteil haben kann. Was gewichtet man mehr? Welche Aussagen sind wahr? Wem kann man trauen? Am Ende fällt die Spielrunde ein Urteil und hört sich das Strafmass an.</p>



<p>Da es sich um einen True-Crime-Fall handelt, erhält man den wahren Ausgang der Geschichte nachgeliefert. Was ist damals wirklich geschehen, und was hat sich danach noch zugetragen? &#171;Ihr seid die Jury&#187; ist ein aussergewöhnliches Spiel, bei dem es nicht darauf ankommt, die richtige Lösung zu finden. Vielmehr diskutiert man über die gehörten Aussagen und fällt am Ende ein Urteil, hinter dem man stehen muss.</p>



<p>____________________</p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="452" height="640" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury-Zwei-Gesichter-ein-Schuss.jpg" alt="Ihr seid die Jury - Zwei Gesichter, ein Schuss" class="wp-image-703143" style="width:150px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury-Zwei-Gesichter-ein-Schuss.jpg 452w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ihr-seid-die-Jury-Zwei-Gesichter-ein-Schuss-212x300.jpg 212w" sizes="auto, (max-width: 452px) 100vw, 452px" /><figcaption class="wp-element-caption">&#171;Ihr seid die Jury&#187;</figcaption></figure>



<p><strong>Ihr seid die Jury: Zwei Gesichter &#8211; ein Schuss</strong><br><br>Ein Rätselspiel von Jacob Berg<br>Illustrationen: Hanna Wenzel<br><br>Für 2 bis 5 Personen<br>Ab 14 Jahren | 120 Minuten<br>Verlag: Kosmos | ca. 16 Fr. / 14 Euro</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><em>Patrick Jerg betreibt seit 15 Jahren die Webseite </em><a href="http://www.brettspielblog.ch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">brettspielblog.ch</a><em> und veröffentlicht regelmässig Spielkritiken über Brett- und Kartenspiele.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Grossmächte demonstrieren patriarchale Macht</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/frau-mann/grossmaechte-demonstrieren-patriarchale-macht/</link>
					<pubDate>Fri, 29 May 2026 07:31:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=702635</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="182" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-P20260514DT-1737_69b126-300x182.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach P20260514DT-1737_69b126" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-P20260514DT-1737_69b126-300x182.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-P20260514DT-1737_69b126-1024x620.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-P20260514DT-1737_69b126-768x465.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-P20260514DT-1737_69b126.png 1157w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Kürzlich war Donald Trump zu Besuch bei Xi Jinping. Frauen durften bei den Verhandlungen der Grossmächte nicht mitreden.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Das Foto eines ausschliesslich männlich besetzten Gipfeltreffens sorgte in den USA für Unmut. Kritikerinnen sehen darin ein Signal dafür, wer in der Politik der Grossmächte mitreden darf und wer nicht.</p>



<p><strong>«Ende der Leistungsgesellschaft»</strong></p>



<p>Gita Gopinath, Wirtschaftsprofessorin an der Harvard University, schrieb auf X: «Ein Sinnbild für das Ende der Leistungsgesellschaft: Ein Treffen der beiden grössten Volkswirtschaften und keine Frau am Tisch.» In beiden Ländern gebe es hochqualifizierte Frauen, doch sie blieben ausgeschlossen. Entscheidend sei offenbar nicht die Qualifikation, sondern die Beziehungen, sagte Gopinath dem «Guardian»: «Es ist unfassbar, dass es am Ende einen reinen Männertisch gibt, obwohl es weltweit so viele qualifizierte Frauen gibt.»</p>



<p><strong>«Frauenstimmen spielen keine Rolle»</strong></p>



<p>Halima Kazem, Historikerin an der Stanford University, sprach von einem Rückschritt. «Auf den Gipfeltreffen zwischen den USA und China in der Obama-Ära sassen Frauen am Tisch. Heute denkt keine der Grossmächte, dass Frauen zu den Delegationen gehören müssen, die globale Politik verhandeln. Dies ist nicht nur ein amerikanisches Versagen. China und die USA senden damit das Signal, dass Frauenstimmen bei der Gestaltung der Weltordnung keine Rolle spielen.»</p>



<p><strong>Inszenierung männlicher Autorität</strong></p>



<p>Einen Mangel an qualifizierten Frauen gebe es nicht, sagt Kazem. «Es handelt sich um eine bewusste Entscheidung darüber, welche Art von Autorität man inszenieren will: männlich, militarisiert und ausschliessend.» Wenn beide Grossmächte ohne Frauen auftreten, präge das auch die Vorstellung davon, wie «ernsthafte» Diplomatie aussieht – und wer davon ausgeschlossen ist.</p>



<p><strong>Frühere Treffen mit Frauen</strong></p>



<p>Zu den ranghohen Frauen, die unter Präsident Barack Obama an bilateralen Treffen teilnahmen, gehörten Chinas damalige Vizeministerpräsidentin Liu Yandong, US-Sicherheitsberaterin Susan Rice und US-Aussenministerin Hillary Clinton.<br>Am jüngsten Treffen waren in der US-Delegation lediglich auf Seite der Geschäftsleute einige wenige Frauen, darunter Trumps Schwiegertochter Lara Trump, die Citigroup-Chefin Jane Fraser sowie Meta-Präsidentin Dina Powell McCormick.</p>



<p><strong>Friedensverhandlungen ohne Frauen</strong></p>



<p>Auch an <a href="https://frauensicht.ch/politik/erneut-fehlen-frauen-an-friedensverhandlungen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Friedensverhandlungen</a> fehlen Frauen mittlerweile weitgehend. Dabei ist längst wissenschaftlich erwiesen, dass Friedensabkommen länger halten, wenn Frauen an den Verhandlungen teilgenommen haben.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Dieser Artikel ist zuerst auf <a href="https://frauensicht.ch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">frauensicht.ch</a> erschienen.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Nach Trump: Auch Putin in Peking</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/nach-trump-auch-putin-in-peking/</link>
					<pubDate>Fri, 29 May 2026 07:29:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=702249</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-China-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach Pitch China" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-China-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-China-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-China-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-China.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Richtungsweisende Wahlen in Kolumbien und Brasilien</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/richtungsweisende-wahlen-in-kolumbien-und-brasilien/</link>
					<pubDate>Fri, 29 May 2026 07:28:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="166" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-27-um-08.44.51-300x166.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Cepeda" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-27-um-08.44.51-300x166.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-27-um-08.44.51-768x424.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-27-um-08.44.51-800x445.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-27-um-08.44.51.png 900w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Wählt Kolumbien erneut einen progressiven Staatschef – oder schwenkt das Land nach rechts? Bis zur Stichwahl bleibt es spannend.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<figure class="wp-block-image alignleft size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="256" height="256" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Rey1-e1665074557549.png" alt="Romeo Rey" class="wp-image-406159" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Rey1-e1665074557549.png 256w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Rey1-e1665074557549-150x150.png 150w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Rey1-e1665074557549-100x100.png 100w" sizes="auto, (max-width: 256px) 100vw, 256px" /><figcaption class="wp-element-caption">Romeo Rey, früher Lateinamerika-Korrespondent von «Tages-Anzeiger» und «Frankfurter Rundschau», fasst die jüngste Entwicklung zusammen. </figcaption></figure>



<p>Alle vier Jahre gibt es in den meisten Ländern auf dem Subkontinent Präsidentschaftswahlen. Ausnahmen sind Mexiko, das sein Staatsoberhaupt für sechs Jahre wählt, und Uruguay sowie Bolivien, wo dieses Mandat fünf Jahre umfasst. Meistens finden gleichzeitig auch Erneuerungswahlen zur Sitzverteilung im Parlament statt. Lateinamerika geniesst seit Mitte der 1980er Jahre recht stabile, formal demokratische Verhältnisse, wo das Militär der zivilen Macht untergeordnet ist und zivile Diktaturen seltene Ausnahmen geworden sind.</p>



<p><strong>Kolumbien: Kriminalität und Stimmenkauf</strong></p>



<p>Als nächstes Land wählt <strong>Kolumbien</strong> am 31. Mai ein neues Staatsoberhaupt, nachdem das Volk bereits im März die Kongressmitglieder gewählt hatte. Das Ergebnis ist ein stark fragmentiertes Parlament, wie <a href="https://www.kas.de/de/laenderberichte/detail/-/content/kolumbien-waehlt-fragmentiertes-parlament" target="_blank" rel="noreferrer noopener">eine Analyse</a> im Auftrag der «Konrad Adenauer Stiftung» feststellt. Ob sich diese Zersplitterung zugunsten der konservativen und rechtsliberalen Kräfte auswirken wird, welche die politischen Geschicke in diesem Land seit 200 Jahren lenken, ist zwar eine offene Frage. Aber man kann sich leicht ausmalen, dass diese «Altparteien» alles daran setzen werden, um den Kurs der linksreformistischen Regierung unter dem scheidenden Präsidenten Gustavo Petro auszubremsen.</p>



<p>Wer auch immer die verfassungsmässige Nachfolge Petros antreten wird, muss mit erheblichen Hürden rechnen. Diverse bewaffnete Gruppen und Banden, Überresten und Neugeburten von ehemals marxistischen Guerillaorganisationen, rumoren in manchen Landesteilen. Kolumbien gilt nach wie vor als wichtigster Produzent und Drehscheibe im weltweiten Kokainschmuggel. Die Sicherheitslage ist laut der erwähnten Analyse in vielen Regionen prekär, und Stimmenkauf bei Wahlen ein weit verbreitetes Übel.</p>



<p>Im ersten Wahlgang am 31. Mai tritt der linksgerichtete Menschenrechtsanwalt <a href="https://www.presidenteivancepeda.com/quien-es-ivan" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ivan Cepeda</a> gegen den ultrarechten Anwalt <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Abelardo_de_la_Espriella" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Abelardo de la Espriella</a> und die mitte-rechts Kandidatin <a href="https://palomapresidente.com.co/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Paloma Valencia</a> an. Falls im ersten Wahldurchgang keiner der Kandidaten über 50 Prozent der Stimmen erhält – wovon auszugehen ist – kommt es am 21. Juni zu einer Stichwahl. Gemäss aktuellen Umfragen ist damit zu rechnen, dass im entscheidenden zweiten Wahlgang Cepeda und de la Espriella gegeneinander antreten werden.</p>



<p><strong>Chile: Dramatische Kehrtwende unter Kast</strong></p>



<p>Mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jos%C3%A9_Antonio_Kast" target="_blank" rel="noreferrer noopener">José Antonio Kast</a> haben die Wählerinnen und Wähler in <strong>Chile </strong>einen Politiker ins höchste Amt der Nation gehievt, an dessen <a href="https://www.infosperber.ch/politik/chile-ein-sympathisant-der-diktatur-ist-neuer-praesident/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ultrarechter Gesinnung kaum Zweifel</a> bestehen. Der deutschstämmige Kast hat am 11. März die Nachfolge des jungen, trotz seiner kommunistischen Ideale gemässigt links agierenden Präsidenten Gabriel Boric angetreten. Die Gegensätze dieses Machtwechsels erscheinen im neutralen Fokus von «<a href="https://www.bbc.com/mundo/articles/cm21pj8n25go" target="_blank" rel="noreferrer noopener">BBC Mundo</a>» besonders schroff.</p>



<p>Die demokratische Kehrtwende will Kast mit entschlossenem Zugreifen auf das Justizwesen herbeiführen, zeigt eine Analyse in der sozialdemokratischen «<a href="https://nuso.org/articulo/jose-antonio-kast-batalla-cultural-chile/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nueva Sociedad</a>». Als problematisches Erbe seines Vorgängers prangert Kast vermeintliche Missstände im Land an. Dazu zählen für ihn «die extreme Umweltpolitik», ein «ideologisch gefärbter Feminismus» und «zu viel Indigenismus». Die (angeblich) steil zunehmende Kriminalität im Land will er durch eine verschärfte Migrationspolitik bekämpfen: Ausländer ohne gültige Papiere werden en masse in ihre Heimatländer abgeschoben.</p>



<p><strong>Brasilien: Bolsonaros Sohn tritt gegen «Lula» an</strong></p>



<p>In <strong>Brasilien</strong> fordern Anhänger des früheren Präsidenten Bolsonaro die sofortige Freilassung ihres Idols. Dieser war wegen eines Putschversuchs nach seiner Wahlniederlage 2022 <a href="https://www.infosperber.ch/politik/versuchter-staatsstreich-brasiliens-justiz-setzt-ein-signal/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zu 27 Jahren Haft verurteilt</a> worden. Seit November verbüsst Bolsonaro seine Strafe aus gesundheitlichen Gründen in Hausarrest. Seine Unterstützer verlangen laut Bericht der lokalen Nachrichtenagentur «<a href="https://www.brasildefato.com.br/2026/05/08/bolsonaro-tenta-anular-processo-em-que-foi-condenado-por-tentativa-de-golpe-de-estado/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Brasil de fato</a>» das Urteil des Obersten Gerichts sei zu annullieren und ein neues Verfahren müsse eröffnet werden. Dabei solle nicht nur die Erste Kammer des Gerichtshofes, sondern alle elf Magistraten über diesen gravierenden Fall urteilen. Offenbar rechnen die Anhänger des Putschpräsidenten damit, auf diesem Weg eine knappe Mehrheit der hohen Richter auf ihre Seite ziehen zu können. Unterdessen hat aber das gesamte Oberste Gericht ein Gesetz gestoppt, das die Verkürzung von Bolsonaros Haftstrafe vorsieht, wie das Magazin «<a href="https://www.spiegel.de/ausland/jair-bolsonaro-in-brasilien-oberstes-gericht-stoppt-haftverkuerzung-fuer-bolsonaro-a-994cede0-3810-4a32-b29a-fc08a651a99e">Spiegel</a>» berichtete.</p>



<p>Der 81-jährige amtierende Präsident Inácio Lula da Silva will bei den Wahlen im Oktober 2026 für eine vierte Amtszeit  kandidieren. Verschiedene brasilianische Quellen wie «<a href="https://jornalggn.com.br/eleicoes/2026/lula-lidera-no-1o-turno-mas-disputa-com-flavio-bolsonaro-trava-no-2o/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Journal GGN</a>» prognostizieren, dass sowohl in der ersten Runde als auch bei der Stichwahl enge Duelle ausgetragen werden. Als schärfster Rivale Lulas gilt der älteste Sohn von Ex-Präsident Bolsonaro und derzeitiger Senator für den Bundesstaat Rio de Janeiro. Bis Oktober wird aber mit deutlichen Verschiebungen im Ranking der Kandidaten zu rechnen sein.</p>



<p><strong>Paraguay: Einfluss der USA wächst</strong></p>



<p><strong>Paraguay</strong>, seit 1954 mit einem einzigen kurzen Unterbruch ein treuer Alliierter Washingtons, hat kürzlich einen Vertrag mit den USA unterschrieben und vom konservativ beherrschten lokalen Parlament ebenfalls unterzeichnen lassen. Dieses Dokument soll die Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten hinsichtlich Sicherheit und Verteidigung vertiefen und wichtige Angelegenheiten juristischer Natur präziser regeln. Laut Ausführungen der deutschen Nachrichtenagentur «<a href="https://amerika21.de/analyse/284622/us-militaerpraesenz-paraguay" target="_blank" rel="noreferrer noopener">amerika21</a>» soll es dabei um die Bekämpfung der organisierten Kriminalität, Eindämmung des Drogenhandels und der Migration in der Region, Verstärkung der Grenzen der verbündeten Staaten gegen die wachsende wirtschaftspolitische Präsenz Chinas gehen.</p>



<p>Solche Schritte werden stets im Rahmen des mit «<a href="https://www.zdfheute.de/politik/ausland/shield-of-the-americas-trump-usa-noem-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Shield of the Americas</a>» genannten Plans vollzogen, den Präsident Trump angeordnet hat und der auch Chiles neuen Präsidenten Kast zu interessieren scheint. Ominöse Erinnerungen an die Jahre der Militärdiktaturen in Chile und Paraguay unter Pinochet und Stroessner werden hier wach. Laut «<a href="https://amerika21.de/analyse/284622/us-militaerpraesenz-paraguay" target="_blank" rel="noreferrer noopener">amerika21</a>» warnen politische Kreise vor allem im benachbarten Brasilien, das Abkommen bedeute eine Abtretung richterlicher Befugnisse, da es ausländischen Soldaten Immunität gegenüber dem nationalen Recht gewährt. Ähnliche Abkommen sollen auch mit Ecuador sowie mit Staaten Zentralamerikas und der Karibik vereinbart worden sein.</p>



<p><strong>Bolivien: Arbeiter wehren sich gegen neoliberale Offensive&nbsp;</strong></p>



<p>Bedenklich instabil ist die Lage mittlerweile in <strong>Bolivien</strong>. Die Bemühungen der gegenwärtigen Regierung, mit dem schwierigen Erbe aus der Zeit des «Movimiento al Socialismo» zurecht zu kommen, finden kaum Verständnis in der Bevölkerung. Der ehemals starke Dachverband der Gewerkschaften (Central Obrera Boliviana) hat zu einem unbefristeten Generalstreik aufgerufen, wie die linksgerichtete «<a href="https://www.jungewelt.de/artikel/521933.s%C3%BCdamerika-generalstreik-in-bolivien.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">junge Welt</a>» berichtet. Damit will man Präsident Rodrigo Paz zwingen, die Last der nötigen Sparmassnahmen nicht einseitig der notleidenden Bevölkerung zuzumuten, sondern auch von den Unternehmern und privilegierten Schichten einschneidende Opfer zu verlangen. Sollte dieser heikle Gleichgewichtsakt misslingen, bliebe vermutlich nur eine Politik der (noch) härteren Hand oder aber eine Rückkehr zu revolutionären Umtrieben wie einst in den unruhigen 1980er Jahren – beide Varianten mit völlig ungewissem Ausgang.</p>



<p>In wirtschaftspolitischen Belangen scheinen Lateinamerikas Konservative mehrheitlich zu wissen, was sie wollen: Ihr «Deus ex machina» ist der die Kettensäge schwingende ultra-neoliberale Präsident von <strong>Argentinien</strong>, Javier Milei. Dieselbe Illusion hält auch die schweizerische Wochenzeitung «<a href="https://www.fuw.ch/argentinien-und-usa-javier-milei-sucht-den-schulterschluss-mit-wallstreet-252052976332" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Finanz und Wirtschaft</a>» (Bezahlschranke) am Leben. «In Kürze» werden hier zwar die vermeintlich wichtigsten Fortschritte verzeichnet, doch alsbald auch die verschiedenen «wenn» und «aber» bei genauerem Hinsehen verschämt angedeutet. Zum vorläufigen Schluss der Saga muss das Blatt dann einräumen: «…ob das libertäre Konzept aus schneller Deregulierung, Sparpolitik und dem Anziehen von Auslandinvestitionen aufgeht – und von der Bevölkerung mitgetragen wird – bleibt offen».</p>



<p><strong>Rechtsrutsch befeuert Politik der Ungleichheit</strong></p>



<p>Aus einem ganz anderen Blickwinkel wird der gegenwärtige Rechtsrutsch in <strong>Lateinamerika</strong> bei «<a href="https://amerika21.de/analyse/283993/architekten-der-ungleichheit" target="_blank" rel="noreferrer noopener">amerika21</a>» eingeordnet. Das statistische Material, das hier ausgebreitet wird, erlaubt Einsichten über die Vergangenheit, Gegenwart und wahrscheinlich auch über die Zukunft des Erdteils. Alte Märchen von <em>Trickle down</em> (dem «automatischen» Herunterrieseln der Gewinne wirtschaftlichen Wachsens durch die soziale Pyramide) und <em>Meritokratie</em> (der «wohlverdienten» Aneignung solcher Gewinne durch privilegierte Teile der Bevölkerung) erweisen sich als bequeme Argumente zur Beruhigung der grossen Masse von Wählerinnen und Wählern, die einfach ihre staatsbürgerliche Pflicht erfüllen sollen, wenn sie dazu eingeladen werden. Messerscharf legt diese Analyse die geheimen Ströme des Reichtums frei. Zu Recht wird der Hebel dort angesetzt, wo seine Wirkung nicht widerlegt werden kann: bei der Steuerpolitik.</p>



<p>Nebenbei erfahren wir aus diesem Hintergrundartikel, welches die wahrhaften Machthaber Lateinamerikas sind und wie erstaunlich schnell sie – auch inmitten schwerster wirtschaftlicher, politischer und sozialer Krisen – zu ihrem unermesslichen Reichtum gekommen sind. Als neuer Krösus des Erdteils erscheint dabei – ein Argentinier.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="602" height="940" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Cover_Rey_Lateinamerika.png" alt="Cover_Rey_Lateinamerika" class="wp-image-405811" style="aspect-ratio:0.6404302004720902;width:202px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Cover_Rey_Lateinamerika.png 602w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Cover_Rey_Lateinamerika-192x300.png 192w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Cover_Rey_Lateinamerika-600x937.png 600w" sizes="auto, (max-width: 602px) 100vw, 602px" /><figcaption class="wp-element-caption">Romeo Rey, Die Geschichte Lateinamerikas vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart, 284 Seiten, 3. Auflage, C.H.Beck 2015, CHF 22.30</figcaption></figure>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. <em>Der Autor war 33 Jahre lang Korrespondent in Südamerika, unter anderem für den «Tages-Anzeiger» und die «Frankfurter Rundschau».</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Freiburger Nachrichten: «Die Weltbevölkerung schrumpft»  </title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/abstimmungen-schweiz/freiburger-nachrichten-die-weltbevoelkerung-schrumpft/</link>
					<pubDate>Fri, 29 May 2026 07:27:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=702417</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="163" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Akarmara-300x163.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Akarmara" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Akarmara-300x163.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Akarmara-1024x555.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Akarmara-768x416.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Akarmara.png 1478w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Neben den Pro- und Kontrakomitees zur Nachhaltigkeitsinitiative verbreiten auch angeblich seriöse Medien schamlos Fake News.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Wer mitten im Abstimmungskampf zur 10-Millionen-Schweiz die Schlagzeile liest, dass die Weltbevölkerung schrumpfe, mag denken: Wenn die Bevölkerung aktuell weltweit schon rückläufig ist, weshalb braucht es dann bei uns noch diese Nachhaltigkeitsinitiative, die einem Bevölkerungswachstum einen Riegel schieben will?</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="662" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Freiburger-Nachrichten-Screenshot-1-1024x662.png" alt="Freiburger Nachrichten Screenshot" class="wp-image-702469" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Freiburger-Nachrichten-Screenshot-1-1024x662.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Freiburger-Nachrichten-Screenshot-1-300x194.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Freiburger-Nachrichten-Screenshot-1-768x497.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Freiburger-Nachrichten-Screenshot-1.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Falscher Titel und irreführende Bildlegenden zum angeblichen Rückgang der Weltbevölkerung.</figcaption></figure>



<p>Wer nach dem Titel den langen Artikel, illustriert mit Bildern von Geisterstädten aus Japan und Georgien, nicht weiterlas, ging Fake News erster Klasse auf den Leim. Denn von Schrumpfung kann keine Rede sein. Letztes Jahr wuchs die Weltbevölkerung um 86 Millionen, das entspricht in etwa der Gesamtbevölkerung der Türkei oder Deutschlands. Dieses Jahr wird sie voraussichtlich um weitere 69 Millionen zulegen, was der Bevölkerung von Frankreich entspricht. Und bis ins Jahr 2071 <a href="https://www.un.org/development/desa/pd/sites/www.un.org.development.desa.pd/files/key_messages_wpp_2024_20240709.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">prognostizieren</a> die Vereinten Nationen eine Zunahme von zwei Milliarden Menschen auf unserem Planeten. Das wären dann zusätzlich noch etwa sechs Mal die heutige Bevölkerung der USA.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der gleiche Fehler in elf Publikationen</h2>



<p>Und ja: Gemäss denselben UN-Prognosen sollte die Weltbevölkerung dann ab dem Jahr 2085 tatsächlich abnehmen. Mit anderen Worten: Der im Präsens formulierte Titel «Die Weltbevölkerung schrumpft», kommt schlicht und einfach 60 Jahre zu früh und hat in Medien, die stets behaupten, der Leserschaft Fakten statt Fake News zu bieten, nichts verloren. Getäuscht wurde dabei nicht nur die Leserschaft der «Freiburger Nachrichten». Der faktenwidrige Titel wurde flächendeckend über die ganze Deutschschweiz inklusive Liechtenstein in mindestens zehn weiteren Zeitungen mit einer Leserschaft von rund 200‘000 (gemäss Wemf-Zahlen) verbreitet: «Aargauer Zeitung», «Appenzeller Zeitung», «bz Basel», «Grenchner Tagblatt», «Limmattaler Zeitung», «Oltner Tagblatt», «Solothurner Zeitung», «Vaterland» (Liechtenstein), «Zofinger Tagblatt» und «Zuger Zeitung».</p>



<p>Die Verantwortung für diese Fehlinformation trägt nicht der Autor des Artikels, der deutsche Journalist Adrian Lobe, sondern in erster Linie die CH-Media-Redaktion, die diesen Titel in Eigenregie gesetzt hat. Ebenso verantwortlich sind die Chefredaktoren sämtlicher Zeitungen, die ihn ohne mit der Wimper zu zucken übernommen haben. Es fällt einem schwer sich vorzustellen, dass auf diesen elf Redaktionen niemand weiss, dass die Weltbevölkerung aktuell weiterhin wächst und nicht schrumpft.</p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="604" height="434" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Weltbevoelkerung-Projektion-bis-2100.png" alt="Weltbevölkerung Projektion bis 2100" class="wp-image-702429" style="aspect-ratio:1.3916856390645187;width:652px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Weltbevoelkerung-Projektion-bis-2100.png 604w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Weltbevoelkerung-Projektion-bis-2100-300x216.png 300w" sizes="auto, (max-width: 604px) 100vw, 604px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Weltbevölkerung noch jahrzehntelang wächst.</figcaption></figure>



<p>Der Artikel selbst bietet viel Wissenswertes zur demografischen Entwicklung, fokussiert aber primär auf die sinkenden Geburtenraten in Europa und den Rückgang der Bevölkerung in China. Das weiterhin rasante Wachstum in Afrika, das den realen Rückgang in einzelnen Staaten überkompensiert, wird in einem Nebensatz erwähnt. Und die nicht unwesentliche Information, dass bei uns zwar die Geburtenrate auch sinkt, diese jedoch durch die Nettozuwanderung ebenfalls überkompensiert wird, findet man nirgends.</p>



<p>Lobe warnt vielmehr, viele Länder hätten schon heute ihren Bevölkerungshöchststand erreicht und schreibt «die Folgen des demografischen Wandels sind schon jetzt sichtbar: leerstehende Schulen und Kitas, verwaiste Spielplätze, volle Pflegeheime». Mag sein, aber mit der Schweiz im Jahr 2026 hat das alles nichts zu tun. Vielmehr nähren diese Zeilen den Verdacht, dass die Medien, die den Artikel übernommen haben, ihn zielorientiert für Abstimmungspropaganda eingesetzt haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verlassene Häuser sollen Bevölkerungsschwund zeigen</h2>



<p>Dasselbe gilt für die zwei Fotografien, die den Artikel illustrieren, sowie für die Bildlegenden: Das Aufmacherbild stammt aus Japan und zeigt von Natur überwachsene Häuser, die an Franz Hohlers Erzählung «Die Rückeroberung» erinnern. In der Legende steht, «aufgrund des Bevölkerungsschwunds» gebe es in Japan über neun Millionen leerstehende Häuser. Das ist zumindest irreführend, denn zu diesen neun Millionen gehören gemäss der <a href="https://www.nippon.com/en/japan-data/h01987/?utm_source=chatgpt.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie</a>, auf welche sich der Autor vermutlich gestützt hat, auch Ferienhäuser, also Zweitwohnsitze und Häuser auf dem Immobilienmarkt. Wirklich verlassene Immobilien, wie die im Bild gezeigten, die weder zur Miete noch zum Verkauf stehen, führt die Studie mit 3,9 Millionen auf, das sind weniger als die Hälfte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="607" height="476" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Freiburger-Nachrichten-Screenshot2.png" alt="" class="wp-image-703245" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Freiburger-Nachrichten-Screenshot2.png 607w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Freiburger-Nachrichten-Screenshot2-300x235.png 300w" sizes="auto, (max-width: 607px) 100vw, 607px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Bergbausiedlung Akarmara in Georgien: Sie wurde verlassen, weil sie im Bürgerkrieg fast vollständig zerstört worden ist.</figcaption></figure>



<p>Das zweite Bild zeigt die ehemalige Bergbausiedlung Akarmara (nicht Akarama, wie in der Bildlegende steht) nahe der georgischen Stadt Tqwartscheli. Verlassen wurde sie nicht aufgrund eines allgemeinen Bevölkerungsrückgangs, sondern weil sie im Bürgerkrieg anfangs der 90er Jahre fast vollständig zerstört worden ist. </p>



<p>Journalistische Medien können im Vorfeld einer Abstimmung auf legitime Weise mit Leitartikeln und Kommentaren  auf die Meinungsbildung von Stimmberechtigten einwirken, das ist ihr gutes Recht. So hat denn auch Marc Lehmann, der Redaktionsleiter der «Freiburger Nachrichten» zwei Tage nach Erscheinen des Artikels seiner Leserschaft mit einem Leitartikel nahegelegt, zur SVP-Initiative ein «Nein» in die Urne zu legen.</p>



<p>Die selbsternannten Qualitätsmedien, die gebetsmühlenartig verkünden, sie würden sich&nbsp;dank faktenbasierter Berichterstattung von Social Media abgrenzen, sollten jedoch nicht einen Artikel eines Journalisten faktenwidrig betiteln und ihn mit unpassenden Bildern und unzutreffenden Bildlegenden emotional aufladen, wie das hier geschehen ist.&nbsp;Das ist eine schlechte Idee in Zeiten, wo es dank dem Bevölkerungswachstum – was der Titel des Artikels auch suggeriert – eigentlich noch genügend gute geben sollte.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. <em>Christoph Schütz betreibt ein Atelier für visuelle Kommunikation, hat in Freiburg Medienwissenschaften studiert und publiziert zu urheber- und medienrechtlichen Themen.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>«Sie haben mich geboxt, getasert, mir in den Hals getreten»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/sie-haben-mich-geboxt-getasert-mir-in-den-hals-getreten/</link>
					<pubDate>Thu, 28 May 2026 07:34:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=702735</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Three-scaled-e1779822076850-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Three-scaled-e1779822076850-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Three-scaled-e1779822076850-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Three-scaled-e1779822076850-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Three-scaled-e1779822076850-1536x922.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Three-scaled-e1779822076850-2048x1229.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Ein Schweizer beschreibt im Gespräch mit Infosperber, wie er von israelischen Militärs gefoltert wurde. Das EDA weicht aus.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p><em>Die Bilder gingen <a href="https://www.timesofisrael.com/liveblog_entry/ben-gvir-taunts-detained-gaza-flotilla-activists-as-they-kneel-on-floor-hands-tied/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">um die Welt</a>: Dutzende gefesselte Zivilisten, die Hände auf dem Rücken, die Stirn auf dem Boden, während Israels Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir mit einer Fahne über sie hinwegschritt und auf Hebräisch rief: <a href="https://x.com/itamarbengvir/status/2057046925417824697" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Wir sind hier die Herren.»</a> Die Global Sumud Flotilla war am 14. Mai mit über fünfzig Schiffen und 428 Aktivistinnen und Aktivisten aus der Türkei ausgelaufen, um die israelische Seeblockade Gazas zu durchbrechen und den Küstenstreifen mit Hilfsgütern und Lebensmitteln zu versorgen.</em> <em>Laut der Pressemitteilung der Global Sumud Flotilla vom 24. Mai 2026 wurden mindestens 67 der 428 festgehaltenen Personen so schwer verletzt, dass sie in staatlichen Krankenhäusern weiterbehandelt werden mussten; zwölf wurden stationär aufgenommen. Italiens Premierministerin Meloni nannte die Szenen «inakzeptabel». Frankreich, die Niederlande, Australien bestellten israelische Botschafter ein. Das Schweizer Aussendepartement schwieg.</em></p>



<p><em>Nathan Hausheer, 28 Jahre alt, Spengler aus Blonay im Kanton Waadt, war einer der 428 Verschleppten. Er sagt: «In der Zelle zeigte ein Bildschirm rund um die Uhr Leichen palästinensischer Menschen – erschlagene Menschen, erschossene Menschen, verbrannte Menschen.»</em></p>



<p><strong>Nathan Hausheer, wie sind Sie zur Flotilla-Mission gestossen?</strong><br>Die Situation in Gaza ist katastrophal. Und die Schweizer Regierung ist mitschuldig, wie auch die Schweizer Industrie. Sie genehmigen Verkäufe von Militärgütern an Rüstungsunternehmen in Israel. Diese Güter werden eingesetzt, um Kinder, Frauen, Zivilisten zu töten. Wir haben die moralische Pflicht, etwas dagegen zu tun. Die Schweiz versteckt sich hinter einer vorgetäuschten Neutralität, lässt aber weiterhin Militärgüter nach Israel liefern und kauft selbst viel Militärausrüstung. Diese Mitschuld darf nicht weitergehen. Ich habe diese Mission als Möglichkeit gesehen, wenigstens etwas zu tun. Und die palästinensische Sache sichtbarer zu machen.</p>



<p><strong>Können Sie von Ihren Erfahrungen der letzten Tage erzählen? Die Bilder, die um die Welt gingen – Menschen mit gefesselten Händen, die Stirn auf dem Boden, Berichte von Vergewaltigungen und Folter – waren erschreckend.</strong><br>Das Besondere war das Ausmass der Gewalt gegen Menschen, die sich vollständig ergeben hatten. Wir haben an keinem Punkt Widerstand geleistet. Wir haben kapituliert. Und trotzdem haben sie Gewalt angewendet, um uns zu bestrafen und um uns psychologisch zu brechen. Es war nie eine Frage von Gegenwehr. Es war freie, zwecklose Gewalt.</p>



<p><strong>Können Sie die Situation genauer schildern? Sie waren auf einem Boot, und dann kamen die israelischen Soldaten?</strong><br>Wir wussten, dass die Abfangaktion früh am Morgen begonnen hatte, und wir versuchten, uns mit unserem Boot vom Rest der Flottille zu trennen, um so schnell wie möglich voranzukommen. Dann sahen wir am Horizont ein Schnellboot, vollbesetzt mit bewaffneten, vollausgerüsteten Soldaten. Es näherte sich sehr schnell. Sie befahlen uns, die Segel einzuholen und die Richtung zu ändern. Dann enterten sie das Schiff und wiesen uns an, uns im vorderen Teil des Boots hinzuknien. Sie durchsuchten das Boot und uns persönlich, übernahmen die Kontrolle und brachten uns zu einem Gefängnisschiff. Es gab zwei davon, das wussten wir damals noch nicht.</p>



<p>Beim Übergang aufs Gefängnisschiff begann die Gewalt. In dem Moment, als ich an Bord kam, wurde mir der Arm auf den Rücken gedreht, und man zwang mich auf die Knie. Sie zogen uns die Kleider aus. Wir blieben nur in Hose und T-Shirt. Nach einer erneuten Durchsuchung mussten wir uns vor einem Tisch anstellen, wo die Pässe kontrolliert wurden. Danach brachte man uns in die schwarzen Container.</p>



<p><strong>Schwarze Container?</strong><br>Wir standen alle in einer Reihe, wie in einer Warteschlange bei der Passkontrolle. Man prüfte uns, dann wurden wir in die Container geworfen. Wir sahen, wie die Menschen vor uns da reingeworfen wurden, wir hörten die Schreie. Kaum war man drinnen, begannen sie uns zu schlagen. Sie haben mich geboxt, getasert, mir in den Hals getreten.</p>



<p><strong>Können Sie das genauer beschreiben?</strong><br>Sie haben mich dreimal ins Gesicht geboxt. Einmal von hinten gegen den Kopf. Ich ging zu Boden. Dann, als ich am Boden lag, haben sie mich in den Rücken geschlagen. Und dann haben sie mich getasert – dreimal. Ich lag flach auf dem Boden und sie traten mir mit den Stiefeln in den Hals und standen mir aufs Gesicht. Sie stellten mich auf und traten mir in den Genitalbereich. Dann warfen sie mich in ein Gefangenenabteil. Ich kam noch gut weg.</p>



<p><strong>Wie meinen Sie das?</strong><br>Muslimische Frauen waren am schlimmsten dran, sagte man mir später. Wir hatten einen Mann aus Malaysia an Bord. Die haben sie länger festgehalten und härter geschlagen als uns anderen. Das war ein Muster: Menschen aus bestimmten Ländern wurden systematisch härter behandelt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="640" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Five-1024x640.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-702725" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Five-1024x640.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Five-300x188.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Five-768x480.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Five-1536x960.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Five-2048x1280.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Die Hände auf dem Rücken verdreht, den Kopf im Neunzig-Grad-Winkel nach unten gedrückt. <br>Zu keinem Zeitpunkt hatte ich Zugang zu einem Anwalt.» </figcaption></figure>



<p><strong>Was geschah nach den Schlägen, den Tritten, dem Tasern?</strong><br>Der Schlafentzug begann. Es war nicht genug Platz zum Schlafen. Die Menschen schliefen sitzend, und trotzdem mussten jede Nacht acht bis zehn Personen stehen, um den anderen genug Platz zu lassen. Von oben auf den Containern richteten die Soldaten die ganze Nacht Laser und Lichter auf uns, damit wir nicht schlafen konnten, damit wir uns fürchteten. Auf dem Gefängnisschiff gab es sieben Toiletten, aber nur zwei waren geöffnet. Und selbst dort gab es kein Toilettenpapier. Jedes Mal, wenn wir um etwas zu essen oder zu trinken baten, kamen sie in voller Kampfausrüstung, richteten die Waffen auf uns und warfen Knallgranaten unter unsere Füsse. Manchmal schossen sie ein, zwei Schuss ab aus ihren Gummischrotgewehren, jedes Mal, wenn sie uns ein bisschen Essen oder Wasser brachten.</p>



<p><strong>Was gab es zum Essen?</strong><br>Tiefgefrorenes Brot. Wir mussten warten, bis es auftaute, bevor wir es essen konnten. Ich war im Hungerstreik. Ich habe es nicht gegessen. Und sie liessen uns in der Kälte frieren, mit T-Shirts und dünner Kleidung in der Nacht. Wir baten darum, den Verletzten ein paar wärmere Kleider zu bringen, auf unserem Boot allein hatten mehr als dreissig Menschen Knochenbrüche. Für sie war die Gefahr einer Unterkühlung sehr real. Das hat sie nicht interessiert.</p>



<p><strong>Wie viele Menschen waren dort? Wie viele Soldaten?</strong><br>Als ich eingeliefert wurde, trug ich die Nummer 104. Sie vergaben Nummern an alle. Jedes Mal, wenn ein neues Boot aufgebracht wurde, hörten wir die Schreie der Menschen aus den schwarzen Containern. Am Ende waren es schätzungsweise 250 auf unserem Schiff, ungefähr die Hälfte der Flottille. Die andere Hälfte war auf dem zweiten Gefängnisschiff. Gleichzeitig sah ich etwa dreissig Soldaten, wenn sie herunterkamen — dazu die Wachleute oben auf den Containern. Es gab Personal in Grün, Standardsoldaten, und andere in Grau, die eher wie ein spezialisiertes Haftkorps wirkten.</p>



<p><strong>Und dann kamen Sie in den Hafen. Wo war das?</strong><br>Aschdod. Der Hafen von Aschdod.</p>



<p><em>(Aschdod liegt rund 30 Kilometer südlich von Tel Aviv und etwa 40 Kilometer nördlich von Gaza.)</em></p>



<p><strong>Nach wie vielen Tagen?</strong><br>Nach zwei Tagen.</p>



<p><strong>Wir sahen die Bilder: Kniende Menschen, gefesselte Hände, ein Fahnen schwenkender israelischer Minister.</strong><br>Auf dem Schiff liessen sie uns knien, die Hände mit Kabelbindern gefesselt, dazu lief die israelische Nationalhymne im Dauerbetrieb. Sie filmten und fotografierten uns. Dann brachten sie uns von Bord. Man sieht es in Videos, die sie verbreiteten, wie sie uns an den Armen hochhoben. Wir passierten kleine Zelte, in denen sie uns erneut schlugen, bevor sie uns in einem grossen Zelt wieder auf die Knie zwangen. Dort lief wieder israelische Musik. Ben Gvir war wohl etwas weiter weg, in einem kleineren Zelt, dort entstanden die anderen Fotos und Videos. Man setzte uns eineinhalb Stunden an die pralle Sonne. Die Leute verbrannten förmlich.</p>



<p><strong>Was geschah dann mit Ihnen?</strong><br>Sie führten uns durch das Einreiseverfahren. Von Schalter zu Schalter, die Hände auf dem Rücken verdreht, den Kopf im Neunzig-Grad-Winkel nach unten gedrückt. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich Zugang zu einem Anwalt. Sie versuchten mich zu zwingen, Papiere zu unterschreiben. Ich weigerte mich. Daraufhin tauschten sie die Kabelbinder gegen Handschellen aus, die viel zu eng angezogen wurden. Die Abdrücke sehe ich noch jetzt.</p>



<p><strong>Und dann?</strong><br>Eine zweistündige Fahrt im Gefängnisbus ins Gefängnis Ktziot, von Käfig zu Käfig, Zelle zu Zelle. Sie nahmen uns die Kleider ab und gaben uns Gefängnisanzüge. Wieder versuchten sie, uns Papiere zur sofortigen Abschiebung unterschreiben zu lassen, ohne Anwalt. Als wir uns weigerten, brachten sie uns in die Schlaforte. Die Zellen waren grosse Metallkäfige, darin ein Zelt, in dem wir schlafen konnten. An der Wand gegenüber: grosse Bilder vom zerstörten Gaza. In der Zelle zeigte ein Bildschirm rund um die Uhr Leichen palästinensischer Menschen – erschlagene Menschen, erschossene Menschen, verbrannte Menschen.</p>



<p><strong>Diese Videos liefen immer?</strong><br>Ohne Pause, ja.&nbsp; Wir konnten vielleicht zwei Stunden schlafen. Sie gaben uns Essen, Sandwiches. Am nächsten Tag räumten sie die Schlafmatten weg, luden uns wieder in den Gefängnisbus und fuhren uns vier Stunden durch die Wüste bis zum Flughafen. Der erste Bus war jener mit den Frauen. Beim Ausstieg standen Diplomatinnen und Diplomaten fast aller Länder bereit. Die Schweiz fehlte. Die erste Gruppe Frauen, die stehen blieb und auf die anderen wartete, wurde erneut von Soldaten geschlagen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="640" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Seven-1024x640.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-702757" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Seven-1024x640.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Seven-300x188.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Seven-768x480.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Seven-1536x960.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Ben-Seven-2048x1280.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Wir sind hier die Herren»: Der rechtsextreme Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir schwenkt die Fahne Israels über den am Boden knienden, mit Kabelbindern gefesselten Aktivisten. </figcaption></figure>



<p><strong>Haben Sie inzwischen etwas vom Aussennministerium gehört?</strong><br>Nichts. Meine Eltern, meine Familie, meine Freunde hatten versucht, sie zu erreichen. Alle erhielten sinngemäss dieselbe Antwort: Es sei meine eigene Angelegenheit, so, als wäre ich in den Ferien verhaftet worden. Aber ich wurde nicht in den Ferien verhaftet. Ich wurde auf einer humanitären Mission mitten im Mittelmeer entführt. Das ist nicht dasselbe. Wir hatten Lebensmittel an Bord, Hilfsgüter.</p>



<p><strong>Wie geht es Ihnen im Moment?</strong><br>Es geht mir gut. Andere Menschen haben viel schlimmere Dinge erlebt. Es gibt Berichte von sexueller Gewalt, es gibt viele gebrochene Rippen. Ich realisiere das alles noch nicht vollständig. Ich habe Familie, Freundinnen, viele Menschen, die mich unterstützen, das hilft. Ich weiss, dass in den nächsten Wochen eine verzögerte Reaktion kommen kann. Aber im Moment geht es mir gut.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das Schweizer Aussenministerium antwortet – aber nicht auf die gestellten Fragen</strong></h2>



<p>Infosperber hat dem EDA am Dienstag folgende Fragen gestellt:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Hat das EDA Kenntnis von Übergriffen gegen Schweizer Staatsangehörige, die an der Flotilla teilnahmen?</li>



<li>Hat das EDA versucht herauszufinden, ob es zu solchen Übergriffen gekommen ist? Falls ja: mit welchem Ergebnis?</li>



<li>Ein Schweizer Staatsbürger schildert, wie er an Bord eines israelischen Gefängnisschiffs mehrfach geschlagen, mit einem Taser traktiert sowie auf Nacken und Genitalbereich getreten wurde. Die Schweiz ist Vertragsstaat der UN-Anti-Folter-Konvention. Welche Schritte hat das EDA unternommen oder plant es zu unternehmen?</li>



<li>Beim Empfang der Freigelassenen in Israel und in der Türkei waren Vertreterinnen und Vertreter zahlreicher Länder anwesend. War die Schweiz vertreten? Falls nein: weshalb nicht?</li>
</ol>



<p>Die Antwort von Mediensprecher Pierre-Alain Eltschinger enthält Relevantes und lässt Entscheidendes offen.</p>



<p><strong>Was das EDA sagt:</strong> Die acht Schweizer Teilnehmenden seien «am Nachmittag des 21. Mai auf dem Luftweg von Israel in die Türkei gebracht» worden. Das Generalkonsulat in Istanbul habe «bei Bedarf als Anlaufstelle zur Verfügung» gestanden. Es sei jedoch «keine individuelle Anfrage um konsularische Unterstützung» eingegangen. Das EDA habe den israelischen Botschafter sowie die Schweizer Botschaft in Tel Aviv «wiederholt dazu aufgefordert, die Grundrechte der Teilnehmenden der Flottille zu wahren». Am 21. Mai empfing die Chefin der Abteilung Mittlerer Osten, Monika Schmutz Kirgöz, den israelischen Botschafter und brachte «die inakzeptable Behandlung von Flotilla-Teilnehmenden» zum Ausdruck. Das EDA habe sich zudem am 20. Mai <a href="https://x.com/SwissMFA/status/2057147129236209731" target="_blank" rel="noreferrer noopener">via X</a> zum Verhalten Ben Gvirs geäussert.</p>



<p><strong>Was das EDA nicht beantwortet hat:</strong></p>



<p>Frage 1 — ob das EDA Kenntnis von konkreten Übergriffen gegen Schweizer Staatsangehörige hat: keine Antwort.</p>



<p>Frage 2 — ob das EDA versucht hat herauszufinden, ob es zu Übergriffen kam: keine Antwort.</p>



<p>Frage 3 — was das EDA angesichts der geschilderten Misshandlungen und der UN-Anti-Folter-Konvention konkret unternimmt: keine Antwort. Stattdessen, wörtlich: «Allfällig betroffene Personen der Flotilla müssen ihre Rechte in erster Linie im jeweiligen Land geltend machen, mit Unterstützung ihrer Anwälte und über die dort vorgesehenen Rechtsmittel.»</p>



<p>Es ist ein Satz, der besondere Aufmerksamkeit verdient: Wer in internationalen Gewässern von einem Militär verschleppt, geschlagen und getasert wurde, soll seine Rechte «im jeweiligen Land» — also in Israel — geltend machen. Mit Unterstützung seiner Anwälte. Nathan Hausheer hatte während der gesamten Haft keinen Zugang zu einem Anwalt.</p>



<p>Frage 4 — ob die Schweiz beim Empfang der Freigelassenen vertreten war: keine Antwort.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die AHV sitzt auf einem Rekordvermögen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/die-ahv-sitzt-auf-einem-rekordvermoegen/</link>
					<pubDate>Thu, 28 May 2026 07:33:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=702873</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="181" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Unbenannt-300x181.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Unbenannt" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Unbenannt-300x181.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Unbenannt-1024x619.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Unbenannt-768x464.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Unbenannt.png 1189w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Schwarzmaler haben schon wieder unrecht. Der AHV geht es prächtig. Das Vermögen beträgt inzwischen über 60 Milliarden Franken.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Zum letzten Mal schrieb die AHV im Jahr 2022 einen Verlust. Damals – während der Corona-Pandemie – verlor sie auf den Finanzmärkten viel Geld. Doch seither geht es aufwärts:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Ende 2023 wies sie ein Rekordvermögen von 49,9 Milliarden Franken aus.</li>



<li>2024 waren es schon 55,4 Milliarden.</li>



<li>Und Ende letzten Jahres sogar 60,4 Milliarden.</li>
</ul>



<p>Obwohl der Bund dazu eine Medienmitteilung und als Anhang die <a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/ahv_stat_2025_d-2.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">AHV-Statistik 2025</a> verschickte, berichteten die Schweizer Medien mit Ausnahme von <a href="https://muula.ch/aktuell/alterswerk-ahv-bunkert-nun-uber-60-milliarden-bsv-vorsorgewerk-erste-saeule-pension-vatikan-compenswiss-zas-aktien-iv-eo-anleihen-schweiz-esg-bundesrat/">muula.ch</a> kaum darüber. Die Tagesschau <a href="https://www.srf.ch/play/tv/tagesschau/video/ahv-schreibt-rund-4-4-milliarden-franken-gewinn?urn=urn%3Asrf%3Avideo%3A6315b144-7844-42f9-a660-4a26fbce5c3b" target="_blank" rel="noreferrer noopener">erwähnte</a> zwar das gute Jahresergebnis, wies aber nicht auf die komfortable Vermögenssituation hin. Dabei ist diese mehr als bemerkenswert.</p>



<p><strong>Besser als das optimistische Szenario</strong></p>



<p>Letzten August veröffentlichte die AHV nämlich ihre <a href="https://cms.news.admin.ch/fileservice/sdweb-docs-prod-nsbcch-files/files/2025/08/20/ed5f29fa-500e-4b0e-8c4c-ffc2c04a8926.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Finanzperspektiven</a> mit einem normalen, einem pessimistischen und einem optimistischen Szenario. Gemäss dem pessimistischen und dem normalen Szenario würde die AHV niemals ein Vermögen von 60 Milliarden Franken anhäufen können.</p>



<p>Sogar gemäss dem optimistischen Szenario hätte der Stand von 60,4 Milliarden Franken erst 2028 erreicht werden sollen. Nun war das schon drei Jahre früher der Fall.</p>



<p><strong>Auch im «Rentengeschäft» ein Gewinn</strong></p>



<p>Beruhigend am Ganzen: Das gute Ergebnis basiert nicht nur auf einem positiven Anlage-, sondern auch auf einem positiven Umlageergebnis. Das Umlageergebnis ist der Gewinn oder der Verlust aus dem eigentlichen «Rentengeschäft».</p>



<p>Konkret: Letztes Jahr waren die Einnahmen (Lohnbeiträge, Bundesbeiträge, Mehrwertsteuer) zum sechsten Mal hintereinander höher als die Ausgaben (Renten). Der Gewinn aus dem «Rentengeschäft» betrug 2025 über 1,8 Milliarden Franken.</p>



<p><strong>Nun die 13. Rente</strong></p>



<p>Und was ist mit der 13. AHV-Rente? Das Parlament tut sich nach wie vor schwer, sich auf eine Finanzierung zu einigen. Die Bürgerlichen hintertreiben eine Lösung – wohl um den Druck auf ein höheres Rentenalter hoch zu halten.</p>



<p>Doch auch ohne Zusatzfinanzierung dürfte die Ausschüttung der 13. AHV-Rente vorderhand kein Riesenproblem sein. Immerhin stieg das AHV-Vermögen im letzten Jahr um 5,0 Milliarden Franken, im Vorjahr sogar um 5,5 Milliarden. Die Ausgaben für die 13. Rente werden laut Bund «bloss» 4,2 Milliarden Franken pro Jahr betragen. Es ist also gut möglich, dass die AHV trotz 13. Rente und ohne Zusatzfinanzierung weiterhin Gewinne schreibt.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesellschaft/sozialversicherungen/13-ahv-rente-und-praemien-obergrenze-sind-leicht-zu-finanzieren/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">13. AHV-Rente und Prämien-Obergrenze sind leicht zu finanzieren</a>, Infosperber vom 18. Mai 2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/kapitalmarkt/die-geldfluesse-besteuern-statt-die-loehne-auch-fuer-die-ahv/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Geldflüsse besteuern, statt die Löhne – auch für die AHV</a>, Infosperber vom 28. Mai 2024</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/f05e20d02251476fb9b6abdfd05599b5" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Schlechter Chirurg? Schlechtes System!</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/schlechter-chirurg-schlechtes-system/</link>
					<pubDate>Thu, 28 May 2026 07:32:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=702961</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="144" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-28-um-08.12.48-300x144.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Herzchirurgie USZ" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-28-um-08.12.48-300x144.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-28-um-08.12.48-768x370.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-28-um-08.12.48.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Im Fall des Herzchirurgen Maisano haben Aufsicht und Kontrolle des ganzen Systems versagt. Es braucht eine Ombudsstelle.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p><em>Red. – Die «<a href="https://www.menschenmedizin.ch/akademie/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Akademie Menschenmedizin</a>» (AMM) ist ein unabhängiger Verein, der sich für ein menschengerechtes, solidarisches und bezahlbares Gesundheitswesen einsetzt. Ihr jüngster <a href="https://mailchi.mp/menschenmedizin/wussten-sie-8340703" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Newsletter</a> fordert die AMM Konsequenzen aus dem Fall des Zürcher Herzchirurgen Maisano. Infosperber veröffentlicht eine leicht gekürzte Fassung.</em></p>



<p>_____________________</p>



<p>Ein aufstrebender Chirurg wird an eine renommierte Universitätsklinik berufen. Ihm eilt der Ruf eines Innovators und künftigen Stars voraus, der sein Fachgebiet mit spektakulären Entwicklungen revolutionieren könnte. Doch irgendwann fallen Unregelmässigkeiten auf, es kommt zu erhöhten Todesraten beim Einsatz eines von ihm entwickelten Medizinprodukts. Vorwürfe, seine Studienergebnisse seien geschönt bis manipuliert, werden erhoben – und auch begründet. Der Beschuldigte weist alles von sich, Spital und Uni verteidigen ihren Star mit allen Mitteln –&nbsp;nicht er muss gehen, sondern der Whistleblower. Erst als der Druck erdrückend wird, wird eine Untersuchung eingeleitet und die Trennung vollzogen.</p>



<p>Bis auf das Fachgebiet und die Liebesgeschichte mit einer Journalistin könnte die&nbsp;Netflix-Serie «<a href="https://www.netflix.com/ch/title/81607097" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bad Surgeon</a>»&nbsp;nahezu eine Dokumentation des Zürcher Herzchirurgie-Skandals um Francesco Maisano sein. Sogar, dass der Hauptprotagonist Italiener mit Schweizer Bezug ist, passt. Die Serie ist im Übrigen nicht aus der Luft gegriffen. Der Protagonist, Paolo Macchiarini, wurde für die «bahnbrechende» Entwicklung von künstlichen Luftröhren bekannt, gefördert und berufen. Nur: Die eingesetzten Implantate funktionierten nicht und waren für viele Betroffene fatal.</p>



<p>Diese Parallelen deuten den entscheidenden Punkt bereits an: Der <a href="https://www.usz.ch/uk1620/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fall Maisano</a> ist kein isoliertes Phänomen, kein Einzelfall, so haarsträubend er auch ist – er steht für ein strukturelles Versagen. Medizinisch zu demselben Thema laufen aktuell Untersuchungen in Bern, Luzern und St. Gallen. Am Universitätsspital Zürich (USZ) selbst gab es praktisch parallel auch andere Vorwürfe gegen die Direktoren der <a href="https://mailchi.mp/menschenmedizin/wussten-sie-4157685?e=03115062cb" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Klinik für Gynäkologie</a> und der <a href="https://mailchi.mp/528c179ace97/wussten-sie-4212805?e=03115062cb" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Klink für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie</a>, sie hätten das System zu ihrem persönlichen Vorteil missbraucht.</p>



<p>Zuvorderst gelten unsere Gedanken den Betroffenen und ihren Angehörigen. Es ist ihnen zu wünschen, dass ihr Leid im Rahmen der juristischen Aufklärung auch formal anerkannt wird.</p>



<p>Auf analytischer Ebene gilt es dann, über den konkreten Fall hinaus zu denken: Die skandalösen Vorkommnisse um Francesco Maisano zeigen mehrere Missstände exemplarisch auf, die dringend behoben werden müssen.</p>



<p>Was also muss sich ändern&nbsp;an&nbsp;diesem System?<br>Folgende Leitfragen und Gedanken können helfen:</p>



<p><strong>1. Wie und nach welchen Kriterien werden Chef- und Kaderärzt:innen angestellt? Hier braucht es klare Kriterien und Transparenz.</strong><br><br><em>a) Besetzung der Auswahlgremien und Struktur der Auswahlverfahren</em><br><br>Wer selbst schon Teil solcher Wahlkommissionen war, weiss: Formal mögen verschiedene Gruppen einbezogen sein, entscheidend sind aber der oder die Vorsitzende und vielleicht noch ein bis zwei weitere Wortführende, von deren Meinungen der Rest sich häufig leicht überzeugen lässt.<br>Wer bestimmt über die Besetzung der Wahlkommission, insbesondere über den Vorsitz, und nach welchen Kriterien? Wie werden folgende Kriterien für eine Wahl eines Kandidat:innen gewichtet: Wissenschaftliche Leistung und Reputation, klinische Erfahrung, Führungsqualität, Soft Skills? Wer nimmt die Bewertung vor? Welche Referenzen werden eingeholt, von wem werden Assessments durchgeführt?<br><br><em>b)&nbsp;An den Universitätsspitälern muss Schluss sein mit der Doppelfunktion in Forschung und Klinik</em><br><br>Dass eine Person in der Lage ist, Forschung, Lehre, Klinik und die Führung eines Departements gleichermassen in höchster Qualität zu gewährleisten, ist sehr unwahrscheinlich angesichts der Bandbreite an geforderten Kompetenzen. Und doch setzt man genau das bisher einfach voraus. Schluss damit: Die fragwürdigen Doppelfunktionen –&nbsp;und Doppelhonorare – durch die Anstellung an Universität und Spital gehören abgeschafft. Ethische, menschliche und soziale Qualitäten müssen bei der Besetzung solcher Spitzenpositionen ein zentrales Kriterium sein –&nbsp;zum Wohle der Mitarbeitenden, der Patient:innen, von Spital und Universität.</p>



<p><strong>2. Schluss mit falschen Anreizen und Interessenkonflikten: Fixlöhne einführen, Nebenverdienste begrenzen.</strong></p>



<p>Finanzielle Anreize dürfen für eine Behandlungsentscheidung keine Rolle spielen. Dass Klinikleiter:innen Medizinprodukte im experimentellen Stadium einsetzen, an denen sie selbst mitverdienen, ist ein No-Go, das Problem geht aber darüber hinaus. Boni und private Zusatzeinnahmen für Kaderärzt:innen <a href="https://mailchi.mp/d770aeba423d/wussten-sie-2638529" target="_blank" rel="noreferrer noopener">gehören abgeschafft</a>. Es braucht nach oben begrenzte <a href="https://us9.campaign-archive.com/?e=&amp;u=eca3e23698a2003e3d24e3f67&amp;id=57c23c255e" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fixlöhne</a>, wie es mehrere Spitäler bereits erfolgreich praktizieren. Heikle monetäre Interessenbindungen und generell ethische Kriterien gehören bereits bei der Entscheidung für oder gegen eine Einstellung in den Fokus. Nebenverdienste gehören in einen Topf, der wieder ins Spital und damit ins öffentliche Gesundheitswesen einfliesst.</p>



<p><strong>3. Verantwortung übernehmen darf keine leere Phrase sein.</strong><br><br>Stossend am Skandal um die Zürcher Herzchirurgie ist auch, wie ein ganzes System dabei versagt hat, dem Klinikleiter Einhalt zu gebieten:</p>



<p>Der&nbsp;damalige CEO Gregor Zünd, selbst ehemaliger Herzchirurg, wird als eine der treibenden Kräfte hinter der Entscheidung zur Berufung Maisanos gesehen. Warum handelte er nicht, als die Vorwürfe sich erhärteten? Warum behauptete er so lange fälschlicherweise, von den problematischen Entwicklungen nichts gewusst zu haben?</p>



<p>Der&nbsp;damalige ärztliche Direktor des USZ, Jürg Hodler, gehört ebenfalls zu den Hauptverantwortlichen. Konsequenzen für ihn aus dem Fall sind keine bekannt. Schwer nachvollziehbar ist, dass Hodler Ende 2025 eigens aus der Pensionierung zurückgeholt wurde, um (wenn auch&nbsp;ad interim) Chef der Rechtsmedizin an der Uni Zürich zu werden. Dass ausgerechnet ein in einen Skandal um (mindestens) 70 vermeidbare Todesfälle Mitverantwortlicher nun für die Untersuchung aussergewöhnlicher Todesfälle zuständig sein soll, ist unfassbar. Wie soll so eine Kultur des Vertrauens entstehen? Und wenn solcherlei selbst unter massiv erhöhter öffentlicher Aufmerksamkeit passiert: Wie sieht es erst aus, wenn niemand hinsieht?</p>



<p>Neben dem USZ wird&nbsp;die Rolle der Universität (UZH)&nbsp;bisher zu wenig beleuchtet. Auch Beatrice Beck-Schimmer, Direktorin universitäre Medizin, und Dekan Frank Rühli tragen grosse Mitverantwortung für die Wahl von Maisano. Sie müssen sich die Frage gefallen lassen, ob sie klinische Fähigkeiten, Soft Skills und Führungskompetenz gegenüber den wissenschaftlichen Angaben Maisanos und dem erhofften Renommee für die UZH zu wenig stark gewichteten.</p>



<p>Weiter bleiben folgende Fragen offen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Wer hat von unrechtmässigen Beteiligungen finanziell profitiert? Um welche Summen handelt es sich? Hat beispielsweise die USZ-Foundation Gelder von Firmen bekommen, bei denen Maisano involviert war? Was wurde damit finanziert?</li>



<li>Wer hat indirekt von den Zuständen profitiert und sie durch Wegschauen ermöglicht?War die Ethikkommission über Maisanos Forschungsvorhaben informiert oder wurde sie übergangen? Falls sie involviert war, wie hat sie das Forschungsvorhaben beurteilt und eingestuft?</li>



<li>Wie kam das fragwürdige Gutachten der Kanzlei Walder Wyss zustande, das dem Spital bescheinigte, es seien keine Patient:innen zu Schaden gekommen? Welche Verantwortung übernimmt die Kanzlei für diese folgenschwere Aussage?</li>
</ul>



<p>Auch die&nbsp;Politik&nbsp;hat kein Ruhmesblatt abgegeben und tut sich teilweise bis heute schwer, ihre Verantwortung zu sehen: Der ehemalige Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger war involviert. Seine Nachfolgerin Natalie Rickli <a href="https://www.tagesanzeiger.ch/usz-skandal-natalie-rickli-zum-maisano-skandal1-189478079410" target="_blank" rel="noreferrer noopener">versucht sich&nbsp;als Aufräumerin darzustellen</a>, der aber die Hände gebunden gewesen seien. Das ist schwer nachvollziehbar, denn in jeder Sitzung des USZ-Spitalrats sitzt eine Vertretung der Gesundheitsdirektion.</p>



<p>Grosse Teile des&nbsp;Zürcher Kantonsrats&nbsp;waren offensichtlich ebenfalls geblendet vom Starkult um Maisano. In der Ratssitzung nach Veröffentlichung des&nbsp;<a href="https://www.usz.ch/app/uploads/2026/05/Bericht_UK16-20.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Untersuchungsberichts vom 29. April</a>&nbsp;war von den Parlamentarier:innen berechtigter Dank an die Investigativjournalisten des &#171;Tages-Anzeigers&#187; zu vernehmen, die massgeblich zur Aufklärung des Falls beigetragen hatten. Das sah 2021 noch ganz anders aus: Damals kam von den Bänken eine regelrechte Medienschelte.</p>



<p>Immerhin: Sechs Jahre nach Francesco Maisanos Entlassung gibt es&nbsp;glaubwürdige Anzeichen für einen Kulturwandel. Wie die USZ-Spitze mit CEO Monika Jänicke und Spitalratspräsident André Zemp den Fall aufgearbeitet und die Ergebnisse kommuniziert hat, verdient Respekt. Die inakzeptablen Vorkommisse und das Leiden der Betroffenen werden anerkannt, auch das Führungsversagen öffentlich benannt. Auch Maisanos Nachfolgern Paul Vogt und Thierry Carrel gebührt ein Teil der Anerkennung für diesen Prozess. Wenn die Zusagen der Spitalleitung zur vollständigen Aufarbeitung des Falls und zu nötigen strukturellen Anpassungen eingelöst werden, bestehen realistische Aussichten auf eine nachhaltige Entwicklung der Spitalkultur weg vom «Haifischbecken» zu einer Institution, in der Forschung und Renommee durch den Kernauftrag eines jeden Spitals begrenzt werden: das Bestmögliche für die Gesundung der Patient:innen zu tun.</p>



<p><strong>4. Es braucht einen neuen und verbindlichen Verhaltenskodex – und eine unabhängige Meldestelle als Frühwarnsystem.</strong><br><br>Was es dafür ganz sicher braucht, ist ein verbindlicher Code of Conduct, wie ihn <a href="https://www.menschenmedizin.ch/manifest/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">die AMM fordert</a>. Das Gesundheitswesen gehört uns allen. Niemand darf sich bereichern, das System ausnützen, seine Macht missbrauchen. Dazu gehört auch die Verantwortung der Mitarbeitenden. Mit Hannah Arendt gesprochen: Sie haben kein Recht zu gehorchen, kein Recht zu schweigen, wenn sie Fehlverhalten bemerken. Kulturänderung im Gesundheitswesen geht nur, wenn die, die um Missstände wissen, sie melden.</p>



<p>Es darf aber auch nicht sein, dass Abhängigkeiten und fehlende Meldemöglichkeiten frühzeitige und konsequente Aufklärung verhindern: Der Fall Maisano zeigt überdeutlich, dass es eine unabhängige Stelle braucht, bei der Missbräuche gemeldet werden können – durch Patient:innen, aber auch durch Spitalangestellte oder wer immer konkrete Hinweise auf medizinisches oder strukturelles Fehlverhalten hat.</p>



<p>Eine unabhängige, auf das Gesundheitswesen spezialisierte Ombudsstelle (oder auch: Melde- und Triagestelle, wie sie der Zürcher Kantonsrat gerade debattiert), die Patient:innen und Gesundheitsfachpersonen gleichermassen zur Verfügung steht, ist ein unverzichtbares Element dafür, solche Missbräuche in Zukunft zu verhindern. Die AMM fordert eine solche Stelle schon seit 2020, zum Beispiel auch <a href="https://menschenmedizin.us9.list-manage.com/track/click?u=eca3e23698a2003e3d24e3f67&amp;id=0d59e16e4d&amp;e=1b0be7f6d8" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in diesem Artikel, der vor fast genau sechs Jahren erschienen ist</a> (im PDF auf der zweiten Seite rechts). Es ist dem Kanton Zürich zu wünschen, dass er die Melde- und Triagestelle umsetzt – ausgestattet mit den nötigen Mitteln und Kompetenzen. Dies hätte eine Signal- und Vorbildwirkung für das gesamte Schweizer Gesundheitssystem. Wir fordern, dass die Triagestelle aus einem interprofessionellen Team besteht, mit Vertretungen aus Ärzteschaft, Pflege, Therapien, Psychologie und Management. Es sollen unabhängige Fachpersonen vertreten sein, die sich ausgewiesen haben durch fachlich und ethisch vorbildliches Verhalten sowie für ein Engagement für das Gesundheitswesen als Ganzes.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://insideparadeplatz.ch/2026/05/28/cardioband-skandal-the-inside-job/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Cardioband-Skandal: The Inside Job</a>, Inside Paradeplatz vom 28.5.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/geheimniskraemerei-laesst-patienten-im-ungewissen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geheimniskrämerei lässt Patienten im Ungewissen</a>, Infosperber vom 28.5.2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Die Schweiz als Magnet der weltweiten Kaufkraft</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/die-schweiz-als-magnet-der-weltweiten-kaufkraft/</link>
					<pubDate>Thu, 28 May 2026 07:27:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=699903</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/sf-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="sf" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/sf-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/sf-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/sf.png 869w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Wer mit tiefen Steuern die Reichen ins Land lockt, muss auch Platz für deren «Dienstboten» schaffen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Die Ausgangslage ist klar. Wir betreiben eine Wirtschaftspolitik, die unser Land mit tiefen Steuern und guten Rahmenbedingungen zu einem Magnet für die weltweite Kaufkraft machen soll – für gut bezahlte Zuwanderer und reiche Steuerflüchtlinge. Als Folge davon sind zwischen 2014 und 2024 im Schnitt pro Jahr 86&#8217;000 Arbeitskräfte (ohne Asylbewerber) samt ihren Angehörigen zugewandert.</p>



<p>Damit verfolgen nicht nur die bürgerlichen Parteien zwei Zwecke. Erstens den demographischen: Die Zuwanderer sollen die Arbeit machen, die alt gewordene Einheimische nicht mehr machen. So verbessert sich das Verhältnis von Aktiven zu Rentnern. Zweitens sollen reiche und gutverdienende Zuwanderer die Staatskassen füllen und das Bruttoinlandprodukt steigern.</p>



<p>Punkto Staatskasse geht die Rechnung auf. Das gilt nicht nur für Zürich, Zug, Nidwalden, Luzern und andere bekannte Steuerparadiese. Auch das biedere Adliswil ZH, der Wohnort des Autors, profitiert: Die Rechnung 2025 schliesst mit einem nicht budgetierten Überschuss von 8,6 Millionen Franken ab. Der Grund: Die Quellensteuer auf die neu Zugezogenen brachte 8,4 Millionen Franken mehr ein als erwartet und hat die Steuerkraft pro Einwohner um 20 Prozent erhöht.</p>



<p>Auch die demographische Rechnung geht auf – zumindest auf den ersten Blick. Die Zuwanderer arbeiten im Schnitt 1200 Stunden pro Jahr. Die erwachsenen «Urschweizer», worunter viele Rentner und Teilzeitler, bringen es ihrerseits im Schnitt nur auf 950 Stunden pro Jahr. Damit verbessert die Einwanderung das Verhältnis von Aktiven zu Rentnern. Das ist ihr Zweck.</p>



<p><strong>Die Folgen der hohen Kaufkraft</strong></p>



<p>Der Haken dabei: In der Geldwelt der Ökonomen und Wirtschaftspolitiker ist mehr Kaufkraft gleichbedeutend mit einem höheren Bruttoinlandprodukt und höheren Steuereinnahmen. In der realen Welt liegt der Clou der hohen Kaufkraft aber darin, dass Gutverdienende damit viele weniger Kaufkräftige für sich arbeiten lassen können. Ein Reicher kommt nie allein. Er zieht ein paar Bedienstete mit sich und schickt die voran, die sein Quartier bestellen müssen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="869" height="522" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/sf.png" alt="sf" class="wp-image-699907" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/sf.png 869w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/sf-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/sf-768x461.png 768w" sizes="auto, (max-width: 869px) 100vw, 869px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eher Fluch als Segen: reiche Zuwanderer</figcaption></figure>



<p>Beispiel: Zwei hochqualifizierte Mustereinwanderer mit je 1200 Arbeitsstunden zu 180 Franken können sich für keine 20 Prozent ihres Einkommens von monatlich 36&#8217;000 Franken eine 168 Quadratmeter grosse Wohnung im Zürcher Nobelquartier Fluntern leisten, wie eine Recherche bei homegate.ch zeigt. Die entsprechenden Baukosten liegen bei rund 800&#8217;000 Franken. Angesichts einer durchschnittlichen Stundenproduktivität von 30 Franken im Baugewerbe, entspricht dies einem Arbeitsaufwand von 26&#8217;600 Stunden. Das ist das elffache der Arbeitsleistung der beiden Mieter.</p>



<p><strong>Mehr Schulen, mehr Strassen, mehr Spitäler</strong></p>



<p>Dazu kommen aber weitere Installationskosten. Die Zuwanderer brauchen Arbeitsplätze, Schulen für die Kinder, Spitäler, Strassen et cetera. Zudem beansprucht auch ihr laufender Konsum Arbeitskräfte. In der Schweiz sind diese knapp. Daher kann ein gut bezahlter Einwanderer alles in allem weitere 15 Immigranten und Grenzgänger hinter sich herziehen. Und auch diese brauchen Wohnungen, Arbeitsplätze, Infrastruktur. Mit der Aufenthaltsbewilligung für einen Gutbetuchten schaffen wir im Rahmen der Personenfreizügigkeit die Voraussetzung für viele weitere Zuzüger oder Grenzgänger.</p>



<p>Einverstanden: Die Installationskosten fallen nur einmal an. Die von ihnen ausgelöste Einwanderungswelle verebbt irgendwann. Aber der Prozess läuft auch deshalb aus dem Ruder, weil weitere, schwer kontrollierbare Treibkräfte der Einwanderung am Werk sind: Die Ungleichheit etwa. Wer 200 Franken pro Stunde verdient, kann auch mit dem laufenden Konsum zwei Arbeitskräfte zu 50 Franken für sich arbeiten lassen. Oder die steigenden Mieten, die dafür sorgen, dass Wohnhäuser schon nach wenigen Jahrzehnten von importierten Bauarbeitern abgerissen und neu gebaut werden.</p>



<p><strong>Auch Backstein, Beton und Blech</strong></p>



<p>Doch das reale Einmaleins der Einwanderung rechnet sich nicht nur in Arbeitszeit, sondern auch in Backstein, Beton und Blech. Hohe Zuwanderung verstärkt den Wohnungsbau, führt zu mehr Autos auf unseren Strassen, mehr öffentlichem Verkehr, mehr Kraftwerken, Schulhäusern, Abfall. Angenommen, die Infrastruktur wüchse im Gleichschritt mit der Bevölkerung, dann hiesse das Jahr für Jahr 48&#8217;000 zusätzliche Autos, 48&#8217;000 neue Wohnungen und fast zehn Quadratkilometer mehr Verkehrsfläche.</p>



<p>Die Schweiz als Magnet für die globale Kaufkraft – kann diese Strategie aufgehen? Die Befürworter des Weiter-So behaupten, dass uns das mehr Wachstum beschert habe. Sie zitieren dazu gerne diese <a href="https://www.research-collection.ethz.ch/server/api/core/bitstreams/8a75dffe-df58-432c-8a12-5e8001a85ce6/content" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie</a> der Konjunkturforschungsstelle der ETH. Doch deren Fazit ist ernüchternd: «Das Freizügigkeitsabkommen erhöhte das Wachstum des realen BIP pro Kopf um 0,13 Prozentpunkte.» Gemessen an dem durch die Einwanderung (der Kaufkräftigen) verursachten Anstieg der Mieten ist das nicht einmal ein Tropfen auf einen heissen Stein.</p>



<p><strong>Die Folgen sind ungewiss</strong></p>



<p>Ernster zu nehmen ist das Argument, dass die Folgen einer anderen, die Einwanderung bremsenden, Politik ungewiss seien – und sogar im Chaos enden könnten. Diese Diskussion muss geführt werden. Doch dazu müsste man das Chaos, das die Zauberlehrlinge der Einwanderung jetzt schon anrichten mit dem möglichen künftigen vergleichen – und zwar nicht nur in Franken und Rappen, sondern auch in Backstein, Beton und Blech.</p>



<p>Doch diese Diskussion wird nicht geführt. So argumentiert etwa die «NZZ am Sonntag»: Entscheidend für das Zusammenleben in einem Staat sei allein «die Frage, ob die Infrastruktur mit dem Bevölkerungswachstum mithält» und «ob wir ja sagen, zu mehr Wohnungen, mehr Energieanlagen und zum Ausbau der Infrastruktur.» Kein Wort davon, dass dieser Ausbau noch mehr Bevölkerungswachstum und noch mehr Dichtestress auslöst. Dass er noch reichere Bodenbesitzer und noch mehr vertriebene Mieter hinterlässt. All das übersieht man leicht, wenn man sich die Welt in Geld malt.</p>



<p>Kommen wir noch zu einem der wichtigsten Argumente der Gegner der «Chaosinitiative» – zum hohen Bedarf an Pflegepersonal. Bundesrat Beat Jans von der SP brachte es im <a href="https://www.bzbasel.ch/basel/basel-stadt/bundesrat-beat-jans-warnt-svp-initiative-kann-ihre-gesundheit-gefaehrden-ld.4154312" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Interview</a> mit der «BZ Basel» so auf den Punkt: «Das Unispital müsste man von heute auf morgen schliessen.» In der Tat fällt die Einwanderung in dieser Branche mit jährlich gut 7000 Personen relativ hoch aus. Der Bedarf ist offensichtlich vorhanden.</p>



<p><strong>Pflegepersonal fehlt anderswo</strong></p>



<p>Das Problem dabei ist allerdings, dass dieses Pflegepersonal durchwegs aus Ländern stammt, in denen der Bedarf noch viel grösser ist. Laut OECD kommen in der Schweiz auf 1000 Einwohner 18,4 Pflegefachkräfte. In Deutschland und Frankreich sind es nur rund 12 und in Italien gar nur etwa 6 – also nur ein Drittel. Wo bleibt da die internationale Solidarität?</p>



<p>Diese Frage müssten sich alle Sozialdemokraten in der Schweiz und in der EU stellen. Personenfreizügigkeit heisst im Endeffekt, dass viele europäische Regierungen es unterlassen, die regionale und die nationale Nachfrage zu fördern und Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen. Mit der Folge, dass fast alle Randgebiete der EU veröden, dass rumänische Krankenpflegerinnen ihre Familien und Grosseltern im Stich lassen und eine weite Reise auf sich nehmen, um in Zürich oder München <em>einen</em> Oldie zu pflegen und mehr zu verdienen.</p>



<p>Was ist die Alternative? Wie können wir unsere Alterslast im Rahmen halten, ohne anderen – ärmeren – Ländern die Aktiven und die guten Steuerzahler abspenstig zu machen? Kurzfristig geht das, indem wir die Produktivität weiter steigern und das Rentenalter um einige Jahre erhöhen. Mittelfristig müssten wir aber auch über eine Erhöhung der Geburtenrate nachdenken. Tragbare Mieten dank weniger Einwanderung könnten dazu einen wichtigen Beitrag leisten.</p>



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					<title>Für ADHS, Depression, Autismus gibt es keine klaren Diagnosen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/fuer-adhs-depression-autismus-gibt-es-keine-klaren-diagnosen/</link>
					<pubDate>Wed, 27 May 2026 08:30:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=700967</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bepolare-Stoerung-142937881.x-e1779036229240-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Man suffering emotional pain" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bepolare-Stoerung-142937881.x-e1779036229240-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bepolare-Stoerung-142937881.x-e1779036229240-1024x613.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bepolare-Stoerung-142937881.x-e1779036229240-768x460.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bepolare-Stoerung-142937881.x-e1779036229240.jpg 1495w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Selbst bipolare Störungen kann weder ein Gen- noch ein Bluttest feststellen, warnt ein auf Diagnosen spezialisierter Psychiater.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Alle diese Diagnosen beruhen auf Gesprächen, Beobachtungen und Einschätzungen darüber, ob Verhalten und Erleben einer Person zu einem bekannten Muster passen. Patientinnen und Patienten dürfen nicht davon ausgehen, dass ein Psychiater– ähnlich wie bei einer Infektion oder genetischen Krankheit – eine klar identifizierbare Störung im Gehirn «finden» kann. Für psychische Erkrankungen gibt es weder einen Gen- noch einen Bluttest. Das sagt Psychiater Awais Aftab, der sich auf psychiatrische Diagnosen spezialisiert hat.</p>



<p>Die Diagnosen, die im amerikanischen Handbuch DSM und der europäischen <a href="https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICD/ICD-11/_node.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ICD-11</a> von der WHO definiert sind, dienen hauptsächlich dazu, dass Krankenkassen die Behandlungen zahlen müssen. «Die Diagnose-Definitionen in diesen Handbüchern sind unwissenschaftlich und willkürlich», schrieb Peter C. Gøtzsche in seinem 2016 erschienenen Buch <a href="https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1038443760?ProvID=10917735&amp;gclsrc=aw.ds&amp;gad_source=1&amp;gad_campaignid=15425760223&amp;gbraid=0AAAAADpVXc5GXXKjIRcwVyWBJSFe3joMc&amp;gclid=EAIaIQobChMI98uOnszClAMVi6KDBx0FQzkCEAAYASAAEgIYOvD_BwE" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Tödliche Psychopharmaka»</a>.</p>



<p>In der «New York Times» zählte Aftab auf, was Patientinnen und Patienten wissen sollten:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li><strong>Grauzonen und Schwellenwerte<br></strong>Psychische Symptome sind unter der Bevölkerung ähnlich verteilt wie etwa Intelligenz oder Körpergrosse. Diagnosen sind Schwellenwerte in einem fliessenden Spektrum.</li>



<li><strong>Symptome verstärken sich gegenseitig</strong><br>Es sind selbst verstärkende Wechselwirkungen zwischen Symptomen, die&nbsp;psychische Störungen entstehen lassen. Beispiel: Schlaflosigkeit&nbsp;→&nbsp;Nervosität&nbsp;→&nbsp;Erschöpfung&nbsp;→&nbsp;sozialer Rückzug&nbsp;→Grübeln&nbsp;→&nbsp;weitere Schlafprobleme.</li>



<li><strong>Offene Entwicklung und Stadien</strong><br>Frühe Symptome sind unspezifisch und können sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln. Ein ängstlicher Jugendlicher kann später Depression, eine Angststörung, Sucht, Psychose oder gar keine Störung entwickeln. Frühe Diagnosen sind daher häufig unsicher.</li>



<li><strong>Kontext und Lebensanforderungen zählen</strong><br>Viele Probleme entstehen nicht aus einer «inneren Störung», sondern aus einem Missverhältnis zwischen individuellen Eigenschaften und äusseren Anforderungen. Beispiel: ADHS-Symptome werden erst unter hoher Belastung klinisch relevant.</li>



<li><strong>Symptome haben eine Bedeutung und Funktion</strong><br>Emotionen wie Angst oder Traurigkeit sind evolutionsbiologisch sinnvolle Signale, warnen beispielsweise vor Gefahren oder signalisieren notwendige Veränderungen. Sie können jedoch «fehlzünden» oder sich verselbstständigen.</li>



<li><strong>Die Persönlichkeit prägt Ausprägung und Therapie</strong><br>Hinter ähnlichen Symptomen können sehr unterschiedliche psychologische Dynamiken stehen, beispielsweise Verlustangst contra Selbstkritik. Deshalb benötigen Patientinnen und Patienten mit gleicher Diagnose oft unterschiedliche Behandlungsansätze.</li>
</ol>



<p>Aftab warnt vor dem Zuweisen von Etiketten. In der Praxis würden Patientinnen und Patienten im Lauf ihres Lebens unterschiedliche Diagnosen erhalten – auch je nach Perspektive des Psychiaters oder der Psychologin.</p>



<p>Deshalb laute die ehrliche Antwort auf die Frage «Welche Störung habe ich wirklich?» oft: «Keine eindeutige – gleichzeitig mehrere, die teilweise zutreffen.»</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Psychische Störungen sind häufig keine Krankheit</h2>



<p>Es gibt kein definiertes psychisches Krankheitsbild, sondern nur Symptome, die das Leben eines Menschen beeinträchtigen, schrieb Peter C. Gøtzsche in seinem Buch <a href="https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1038443760?ProvID=10917735&amp;gclsrc=aw.ds&amp;gad_source=1&amp;gad_campaignid=15425760223&amp;gbraid=0AAAAADpVXc5GXXKjIRcwVyWBJSFe3joMc&amp;gclid=EAIaIQobChMI98uOnszClAMVi6KDBx0FQzkCEAAYASAAEgIYOvD_BwE" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Tödliche Psychopharmaka»</a>. Diese Symptome seien ständig weiter gefasst worden, so dass man mehr Menschen auf Kosten der Krankenkassen Psychopharmaka verkaufen könne: «Stimmungsschwankungen kommen bei normalen Menschen oft vor. Die Pharmaindustrie nutzt diese Tatsache geschickt, um Ärzten einzureden, viele depressive Menschen hätten eine bipolare Störung.» </p>



<p>Die US-Behörde&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Centers_for_Disease_Control_and_Prevention" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Centers for Disease Control and Prevention</a>, die für die öffentliche Gesundheit zuständig ist, stellte im Jahr 2010 fest, dass neun Prozent der befragten Erwachsenen die Kriterien für Depression erfüllen würden. Für die Definition einer Depression genügte es, wenn man in den vergangenen zwei Wochen acht Tage lang wenig Interesse oder Spass daran hatte, etwas zu tun. Dazu musste eines der folgenden Symptome kommen: Schlafstörung, Nervosität, Unruhe, Appetitlosigkeit oder – im Gegenteil – zu üppiges Essen.&nbsp;Gøtzsche hält dies für unvernünftig: «Wenn die Freundin mit ihm Schluss macht, fühlt sich ein Jugendlicher während der gesamten zwei Wochen mies, schläft schlecht und isst wenig oder zu viel.»</p>



<p>Angst wiederum sei in der Regel ein psychisches Problem. Eltern wüssten gut, wie man mit Angst von Kindern umgehe.</p>



<p>Den heute massiven Einsatz von Psychopharmaka nennt der Wissenschaftler «die schlimmste Arzneimittelepidemie aller Zeiten». Nicht nur das Einnehmen sei gefährlich, sondern auch das unsorgfältige und rasche Absetzen. Statt dass die Kassen so viele Psychopharmaka bezahlen, sollten sie mehr für Psychotherapien beitragen, forderte Gøtzsche.</p>
</div>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="67" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau.png" alt="Spendenbalken blau" class="wp-image-699999" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau-768x51.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konzerne/pharmafirmen-luegen-und-sind-kriminell/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Peter C. Gøtzsche: «Pharmafirmen lügen und sind kriminell.»</a> Infosperber vom 15. November 2014</li><li><a href="https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1055533124?ProvID=10917735&amp;gclsrc=aw.ds&amp;gad_source=1&amp;gad_campaignid=14759909006&amp;gbraid=0AAAAADpVXc6f3k8mkP8URc7VTAwWYF4iM&amp;gclid=EAIaIQobChMI3uKn6tbClAMV8IuDBx258ymjEAAYASAAEgIo4PD_BwE" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Amrei Wittwer: «Warum ADHS keine Krankheit ist»</a>, Hirzel-Verlag 2019</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/die-autismus-epidemie-ist-eine-schimaere/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Autismus-Epidemie ist eine Schimäre</a>, Infosperber vom 5.4.2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/jedem-seine-diagnose-ein-irrweg-der-medizin/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jedem seine Diagnose – ein Irrweg der Medizin</a>, Infosperber vom 17.8.2025</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/3cda9ce0bcad4b0cbaff92a594d94a5c" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Angriffe aufs Arbeitsrecht: mehr arbeiten, weniger Lohn</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/angriffe-aufs-arbeitsrecht-mehr-arbeiten-weniger-lohn/</link>
					<pubDate>Wed, 27 May 2026 08:25:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=701843</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="199" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-21-um-16.37.21-300x199.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Putzen" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-21-um-16.37.21-300x199.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-21-um-16.37.21-768x509.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-21-um-16.37.21.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Mindestlöhne unterbieten, flexible Arbeitszeiten reduzieren, mehr Sonntagsarbeit – die Lobbyisten geben Gas.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p><em>Red. –&nbsp;Dies ist ein Gastbeitrag von&nbsp;<a href="https://www.rudolfstrahm.ch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rudolf Strahm</a>,&nbsp;ehemaliger Preisüberwacher und alt SP-Nationalrat.&nbsp;Sein Artikel erschien zuerst in der «<a href="https://www.handelszeitung.ch" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Handelszeitung</a>». Infosperber veröffentlicht hier eine erweiterte Fassung.</em></p>



<p>_____________________</p>



<p>Derzeit steht im Bundesparlament eine ganze Kaskade von arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen unter Abbau- oder Verschlechterungsdruck. Die Arbeitsverhältnisse stehen in direkter Wechselwirkung mit der kostspieligen Personalfluktuation und dem Fachkräftemangel.</p>



<p><strong>Keine Hilfe für das Pflegepersonal</strong></p>



<p>Wir haben einen manifesten Personalnotstand in der Pflege. Das Personal leidet unter der Unterbesetzung von Fachkräften aller Stufen. Mit der ständigen Folge von unerwünschter Überzeit, Überforderung, Übermüdung, Stress und dem Gefühl des Ungenügens. Jährlich verlassen tausende ausgebildeter Pflegefachfrauen den Pflegeberuf. Nahezu 60 Prozent der Pflegefachkräfte arbeiten Teilzeit, nach eigener Begründung, damit sie den Berufsanforderungen genügen können.</p>



<p>Dieser Mangel an ausgebildeten Fachangestellten Gesundheit und Betreuung (FaGe und FaBe) ist auch hausgemacht. Denn nach Ausweitung der Personenfreizügigkeit 2007 haben die Spitaldirektoren zunehmend ausgebildete Fachkräfte im Ausland rekrutiert, ohne Bewilligung und kostenfrei, statt eigene Fachkräfte im Land auszubilden. Spitaldirektoren erzählten stolz, sie hätten in Brandenburg und Ostdeutschland Inserate platziert, seien dann für eine Woche in ein Hotel nach Berlin gereist und mit einem Dutzend Zusagen gut ausgebildeter Pflegefachkräfte zurückgekehrt. Nach dem Lehrstellenbarometer des SBFI sind nach 2010 aber Jahr für Jahr in der Schweiz mehrere tausend ausbildungswillige junge Schulabgängerinnen als Pflegefach-Lernende abgewiesen worden.</p>



<p>Nicht zuletzt wegen des Pflegenotstands ist im November 2021 die eidgenössische Pflegeinitiative angenommen worden. Die Stimmbürger hatten wohl eine Pflegeverbesserung in Spitälern und Heimen erwartet. In einer ersten Vollzugsetappe wurden Mitte 2024 zusätzliche Ausbildungsbeiträge beschlossen. Doch die zweite, grössere Etappe mit dem Ziel, die Arbeitsverhältnisse zu verbessern und attraktiver zu machen, um das Personal im Pflegeberuf zu halten, ist nach fünf Jahren noch nicht umgesetzt.</p>



<p><strong>Verbesserung der Arbeitsverhältnisse: fast null</strong></p>



<p>Zwei Runde Tische zur Arbeitsverbesserung im Pflegebereich ergaben wenig Ergebnisse. Darauf präsentierte der Bundesrat im Februar dieses Jahres eigene Anträge ans Parlament. Sie wurden in der Mai-Session im Nationalrat behandelt. Doch das Parlament handelte nicht klug: Die Bundesratsanträge wurden nach dem Lobbying des Spitalverbands H+ und einiger Krankenversicherer fast durchs Band abgeschmettert. An Verbesserungen der Arbeitsverhältnisse in den Spitälern und Heimen resultierte fast nichts:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Keine Reduktion der wöchentlichen Höchstarbeitszeit von 50 auf 45 Stunden – während im Büro und in der Industrie 45 Wochenstunden gelten.</li>



<li>Keine Erhöhung der Überstunden-Abgeltung.</li>



<li>Ablehnung der Bundesratskompetenz, die Normalarbeitszeit auf 40 bis 42 Wochenstunden flexibel festzulegen. Der Nationalrat entschied fix 42 Stunden.</li>



<li>Ablehnung einer Bundesratskompetenz, die Obergrenze für die Zahl der Überstunden zu senken und der Möglichkeit, diese flexibel mittels Freizeit auszugleichen.</li>



<li>Limitierung des Sonntagsarbeits-Lohnzuschlags auf 25 Prozent, statt flexibel bis 50 Prozent.</li>



<li>Keine längeren personalfreundlichen Ankündigungsfristen von Dienstplänen, damit das Personal seine Ferien und Absenzen besser planen kann. Wenn die Ankündigung kürzer als zwei Wochen erfolgt, beträgt der Ausgleich 25 Prozent.</li>



<li>Überwälzen der Mehrkosten der Arbeitsverbesserungen später auf die Tarife der Krankenkassen, also die Prämienzahler und Kantone. In der Übergangszeit beteiligen sich Bund und Kantone an den Mehrkosten.</li>



<li>Kein Klagerecht von Arbeitnehmerverbänden auf Feststellung von Gesetzesabweichungen.</li>



<li>Keine Pflicht zur Aufstellung von Überwachungskommissionen in jedem Kanton, analog zu den tripartiten Kommissionen bei den flankierenden Lohnschutzmassnahmen.</li>
</ul>



<p>In den Vorberatungen orchestrierte die FDP-Nationalrätin Regine Sauter, ihres Zeichens Präsidentin des Spitalverbands H+, die Gesetzesbehandlung im Hintergrund, ohne nach aussen aufzutreten. Sie ist seit Anfang 2026 gleichzeitig Präsidentin der vorberatenden Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit. Im Parlament sind die Krankenversicherungsgesellschaften gemäss Lobbywatch mit insgesamt 29 Parlamentsmitgliedern vertreten.</p>



<p><strong>GAV-Tiefstlöhne sollen gesetzliche Mindestlöhne unterbieten</strong></p>



<p>Ein weiterer Angriff auf das Arbeitsrecht wurde mit einer Motion des Obwaldner Mitte-Ständerats Erich Ettlin ausgelöst. Er hat auch Einsitz in der schweizerischen Gewerbekammer. Das Gesetz über die Gesamtarbeitsverträge (GAV) soll aufgrund der Motion Ettlin so abgeändert werden, dass die in den GAV vereinbarten Tiefstlöhne Vorrang erhalten vor den gesetzlichen Mindestlöhnen in den Kantonen und Städten. Letztere sind meist durch Volksentscheide beschlossen worden. Diese liegen meist auf dem Niveau von 20 bis 23 Franken pro Stunde. GAV-Tieflöhne sind in einigen Branchen tiefer. Die Motion Ettlin trifft etwa zu zwei Dritteln die Arbeitnehmer in den beiden Tieflohnbranchen Gastroszene und Reinigungsfirmen, die mehrheitlich weibliche Migrationspersonen beschäftigen. Diese Verbände wollen dem Trend entgegenwirken, dass immer mehr Städte und Kantone gesetzliche Mindestlöhne einführen, um in ihrer Region dem Lohnprekariat entgegenzuwirken. </p>



<p>Die Gewerkschaften bekämpfen diese gesetzliche Lohnunterbietung vehement. Aber sie geraten dabei in ein Dilemma. Denn die Gesamtarbeitsverträge galten bisher als Leuchttürme der Sozialpartnerschaft. Die GAV regeln nicht nur die Löhne in der Branche, sondern auch Sozialleistungen, Ferien und Freizeit, Arbeitszeiten sowie Abwesenheits- und Krankheitsentschädigungen. In der Auseinandersetzung «GAV-Lohn gegen gesetzlichen Mindestlohn» müssen die Gewerkschaften die Unterbietung mit GAV-Löhnen zwar ablehnen, dürfen aber die GAV konzeptionell nicht schlechtreden.</p>



<p><strong>Noch mehr Sonntags-Kommerz</strong></p>



<p>Ein weiterer Angriff auf die Arbeitswelt betrifft die Sonntagsarbeit. Der Bundesrat hat vor zwei Wochen entschieden, die Standesinitiative des Kantons Zürich zu unterstützen und schweizweit die zulässigen Sonntagsverkäufe von 4 auf 12 Sonntage pro Jahr auszudehnen. Dies zusätzlich zu den bereits regulären Sonntagsverkäufen in Bahnhöfen, Tankstellen und Sondergenehmigungen. Der Kampf um ständige Ausweitung der Ladenöffnungszeiten geht weiter.</p>



<p><strong>Tiefflug des Arbeitgeberverbands</strong></p>



<p>Dem Schweizerischen Arbeitgeberverband (SAV) ist die Flexibilisierung der Arbeitszeiten ein Dorn im Auge. Der seit 2023 amtierende SAV-Präsident Severin Moser löste eine Kampagne aus gegen die sogenannten «Lifestyle-Teilzeitarbeitenden». Umgerechnet 86’000 Vollzeitstellen würden durch die Teilzeit-Modelle der über 50-Jährigen verloren gehen. Mit der selbst erfundenen Killerphrase von «Lifestyle-Teilzeit» sollten die Arbeitsflexibilisierung durch Teilpensionierungsmodelle der Älteren und die familiären Bedürfnisse der jüngeren Frauen madig gemacht und mit dem Etikett von Lifestyle-Faulheit und Verantwortungslosigkeit diskreditiert werden.&nbsp;</p>



<p>Dabei war die Teilzeitarbeit der wichtigste Faktor, dass die Erwerbsbeteiligung der Frauen und Älteren gesteigert werden konnte. 43 Prozent der Beschäftigten zwischen 25 und 39 Jahren (wovon zwei Drittel Frauen) begründen ihre Teilzeitbedürfnisse mit der Kinderbetreuung.&nbsp;</p>



<p>Die Arbeitsverhältnisse und Bedürfnisse wandeln sich rasch. Es braucht mehr Klugheit in der Arbeitsgestaltung mit mehr Sensibilität für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Arbeitnehmenden. Aber die Funktionäre und Lobbyisten des Arbeitgeberverbands halte man besser fern von der Problemlösung!</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/pflegende-und-aerzte-aus-dem-ausland-nur-auf-kosten-der-armen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pflegende und Ärzte aus dem Ausland: Nur auf Kosten der Armen</a>, Infosperber vom 16.5.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/der-markt-wirds-schon-richten-nur-bitte-nicht-bei-den-loehnen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Markt wird’s schon richten – nur bitte nicht bei den Löhnen</a>, Infosperber vom 3.5.2026</li><li>Weitere Artikel von Rudolf Strahm:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/author/rudolf-strahmbluewin-ch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bitte hier klicken</a>.</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Rudolf Strahm ist ehemaliger SP-Nationalrat und eidgenössischer Preisüberwacher. Er wirkte von 1991 bis 2004 als Präsident des Deutschschweizer Mieterverbandes sowie sieben Jahre als SP-Zentralsekretär.<em><em> Er präsidierte&nbsp;von 1991 bis 2004 Präsident den Deutschschweizer Mieterverband und war sieben Jahre als SP-Zentralsekretär.</em></em>&nbsp;<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Und wem sagt man danke?»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/und-wem-sagt-man-danke/</link>
					<pubDate>Wed, 27 May 2026 08:15:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-Infantino-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach Pitch Infantino" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-Infantino-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-Infantino-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-Infantino-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Pitch-Infantino.png 1210w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Gianni Infantino und Ignazio Cassis wollen im Gaza-Streifen Mini-Fussballplätze bauen lassen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>Die Zunahme der Bevölkerung bremsen – ganz ohne SVP-Initiative</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/uebriges-gesellschaft/die-zunahme-der-bevoelkerung-bremsen-ganz-ohne-svp-initiative/</link>
					<pubDate>Tue, 26 May 2026 08:30:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Franken-LeleMezzadri-e1779453809939-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Franken LeleMezzadri" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Franken-LeleMezzadri-e1779453809939-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Franken-LeleMezzadri-e1779453809939-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Franken-LeleMezzadri-e1779453809939-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Franken-LeleMezzadri-e1779453809939-1536x922.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Franken-LeleMezzadri-e1779453809939.png 1990w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Am einfachsten wäre eine Aufwertung des Schweizer Frankens. Sie würde erst noch alles aus dem Ausland günstiger machen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>«Falls der Bund sicherstellen müsste, dass höchstens 10 Millionen Menschen in der Schweiz leben, wie soll das gehen?», fragte Bundesrat Beat Jans am 21. Mai in einem Interview der Tamedia-Zeitungen.&nbsp;</p>



<p>Infosperber gibt mögliche Antworten. Die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz soll weniger stark zunehmen als in den letzten Jahren. Doch die Schweiz soll deshalb weder das Schengen-Abkommen noch die bestehenden EU-Verträge kündigen müssen.</p>



<p><br><strong>Die starke Zunahme bremsen</strong></p>



<p>Viele teilen die Meinung von «Sonntagszeitung»-Chefredaktor Arthur Rutishauser:&nbsp;«In Bern müsste man sich darauf konzentrieren, was getan werden könnte, um die Zuwanderung auszubremsen, und zwar so, dass es die bestehenden und auch künftige Verträge mit der EU nicht verletzt. So unmöglich, wie das die meisten behaupten, ist das nicht.»</p>



<p>In eine ähnliche Richtung argumentiert Mitte-Nationalrätin und Fraktionschefin Yvonne Bürgin: «Wir wollen bereits jetzt handeln, nicht erst wenn die Schweiz 9,5 Millionen Einwohner erreicht – unabhängig davon, ob die Initiative angenommen wird oder nicht. Wir brauchen sowieso Antworten, wie wir das Bevölkerungswachstum massvoll steuern können.»&nbsp;</p>



<p>Der Naturschutzverband «Pro Natura» wiederum engagiert sich für einen «Paradigmawechsel weg vom Wachstumszwang», um damit die «Attraktivität der Schweiz als Einwanderungsland zu senken».</p>



<p><br><strong>Die Standort- und Steuerpolitik ändern</strong></p>



<p>«Es gäbe klügere Ideen» (als die SVP-Initiative), um das Wachstum einzudämmen, meinte NZZ-Redaktor Fabian Schäfer. Die Schweiz solle «die künstliche Befeuerung der Zuwanderung» unterlassen, indem sie auf Standortförderung oder Steuervergünstigungen verzichte. Das habe der Wirtschafts-Think-Tank Avenir Suisse vorgeschlagen.</p>



<p>Es seien «die SVP und die Rechten, die mit immer noch niedrigeren Steuern Firmen anlocken», kritisierte Gewerkschaftspräsident Pierre-Yves Maillard: «Die SVP will die Einwanderung nicht wirklich einschränken, weil sie diese braucht: Ständerätin Esther Friedli für ihr Restaurant, Frau Martullo Blocher für ihre Industrieunternehmen, Herr Matter für seine Bank, die Bauern in der SVP für ihre Betriebe.»</p>



<p>«NZZ»-Redaktor Benedict Neff pflichtete Maillard bei. Die SVP sei in Wahrheit eine «Treiberin der Migration»: «Ihre Steuerpolitik befördert den Zuzug internationaler Unternehmen und Fachkräfte.» Das Bekämpfen des Bevölkerungswachstums sei für die SVP «nur ein Vehikel, um die Asylpolitik zu problematisieren».</p>



<p>Fest steht, dass sich dank Standortförderung im Jahr 2025 allein im Grossraum Zürich rund hundert Hightech-Unternehmen angesiedelt haben. Und Pharmafirmen benötigten in den letzten 25 Jahren in der Schweiz fast 25&#8217;000 zusätzliche Arbeitskräfte, die wiederum andere Arbeitskräfte nötig machen.</p>



<p>«Man könnte die Einwanderung relativ einfach drosseln», meinte auch SP-Nationalrat Jon Pult. «Die Schweiz müsste eine weniger aggressive Standort- und Steuerpolitik verfolgen. Wenn wir für das Kapital etwas weniger attraktiv wären, würden automatisch weniger Menschen zuwandern.»</p>



<p>Falls die Schweiz beispielsweise an der OECD-Mindeststeuer festhalte, sei «die Gefahr real, dass amerikanische Konzerne Aktivitäten aus der Schweiz zurück in die USA verschieben», warnte «NZZ»-Redaktor Matthias Benz. Die Schweiz verlöre Abeitsplätze und Steuereinnahmen. Allerdings braucht eine Schweiz mit 9 Millionen Einwohnern auch weniger Steuereinnahmen als eine Schweiz mit 10 oder mehr Einwohnern.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fragwürdige Abgaben oder Eintrittspreise</strong></h2>



<p>Der freisinnige FDP-Ständerat Andrea Caroni brachte eine andere Idee zur Diskussion: Wer in der Schweiz arbeiten will, soll als Lenkungsabgabe eine Art Eintrittspreis bezahlen. Der Preis soll so hoch sein, dass viele potenzielle Einwanderer abgeschreckt werden. Singapur macht es vor: Einwanderer müssen als Eintrittsgebühr monatlich 400 Franken zahlen.&nbsp;</p>



<p>Professor Reiner Eichenberger schlug in vielen Medien Ähnliches vor: Erwachsene Neuzuwanderer sollten in den ersten drei bis fünf Jahren zusätzlich zu den normalen Steuern eine Abgabe von 10 bis 25 Franken pro Tag entrichten, ähnlich wie eine Kurtaxe: «Neuzuwanderer profitieren von gewaltigen Investitionen und Vorleistungen der Inländer.» Wenn die Zuwanderung trotzdem weiter steigen würde, könne man einfach die Abgabe erhöhen.</p>



<p>Allerdings betrachten Eichenberger und Caroni nur die eine Seite der Buchhaltung. Sie übersehen, dass die Schweiz mit den Netto-Zuwanderern viel Geld spart, weil sie die Kosten für deren Erziehung, Unterhalt, Schulung und Ausbildung nicht zahlen muss.</p>
</div>



<h2 class="wp-block-heading"><br><strong>Eine Aufwertung des Frankens</strong></h2>



<p>Es gibt zahlreiche Massnahmen, um bestehende Standortvorteile und -anreize für ausländische Unternehmen zu reduzieren. Beispielsweise kann man Steuervergünstigungen und Subventionen zum Anlocken ausländischer Firmen aufheben. Sie verfälschen eh den Wettbewerb.</p>



<p>Den einfachsten und unbürokratischsten Hebel hat die Nationalbank in der Hand. Statt den Frankenkurs künstlich tief zu halten, indem sie mit Milliardenkäufen ausländische Währungen kauft, könnte sie den Wert des Schweizer Frankens langsam, aber sicher steigen lassen. Doch die Nationalbank hortet Abermilliarden an Dollar und Euro, die sie kaufte, damit sich der Franken nicht aufwertet. Von diesen Abermilliarden profitiert die Schweizer Volkswirtschaft wenig.</p>



<p>Im Gegenteil: Ein stärkerer Franken bringt der gesamten Volkswirtschaft und den Konsumentinnen und Konsumenten grosse Vorteile. Alles aus dem Ausland wird günstiger.</p>



<p>Einzig die in der Schweiz wichtige Exportindustrie wäre einem härteren Wettbewerb ausgesetzt, weil ihre Waren und Dienstleistungen im Ausland teurer würden. Doch so lange die Schweiz viel mehr Güter und Dienstleistungen ins Ausland exportiert, als sie von dort importiert, ist dies zumutbar. </p>



<p>Die Exportindustrie könnte nicht mehr gleich viel exportieren, braucht entsprechend weniger Arbeitsplätze und kann weniger hohe Gewinne machen. Allerdings bestehen Schweizer Exportprodukte wertmässig zur Hälfte aus importierten Rohstoffen und Halbfabrikaten. Diese kann die Exportindustrie dank eines stärkeren Frankens aus dem Ausland günstiger beziehen.</p>



<p>Für «Sonntagszeitung»-Chefredaktor Arthur Rutishauser ist klar:&nbsp;«Wenn man will, kann man die Zuwanderung auch damit begrenzen, dass die Nationalbank aufhört, den Franken künstlich tief zu halten. Dafür hat sie in den letzten zehn Jahren fast 1000 Milliarden investiert. Sie hat damit die Zuwanderung angeheizt, denn in der Exportindustrie und im Tourismus wurden viele Arbeitsplätze geschaffen, die von ausländischen Fachkräften besetzt werden.» Hätte die Nationalbank den Wert des Frankens steigen lassen, «hätte die Industrie ihre Produktionsstätten in die Länder, wo die Immigranten herkommen, also nach Südeuropa und in die Dritte Welt, verlegen müssen. In den Bergen hätten wir weniger Touristen und damit auch weniger Mangel an Mitarbeiterinnen in den Gaststätten.»</p>



<p>Der Franken ist schon lange nicht mehr so stark wie er sein könnte. Der Franken habe sich real, also unter Berücksichtigung der Teuerung, seit den Neunzigerjahren tatsächlich kaum mehr aufgewertet, stellte «NZZ»-Wirtschaftsredaktor Albert Steck fest. Siehe auch Infosperber vom 14.4.2026:&nbsp;<a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/uebriges-wirtschaft/die-maer-vom-starken-franken-viele-fallen-darauf-herein/">«Die Mär vom starken Franken – Viele fallen darauf herein.»</a></p>



<p>«NZZ»-Redaktor Hansueli Schöchli erinnerte unter dem Titel «Franken-Schock bremst Zuwanderung» an das Jahr 2015: «Der Schock hat die Wirtschaftsentwicklung gehemmt, die Arbeitslosigkeit erhöht und als Folge davon auch die Einwanderung deutlich gebremst. 2016 lag die Nettoeinwanderung so tief wie nie mehr seit zehn Jahren.»&nbsp;</p>



<p><br><strong>Die Kaufkraft von Vermögen und Einkommen steigt</strong></p>



<p>Und unter dem Titel «Wie die Schweizer Nationalbank die Zuwanderung bremsen könnte» gab Adriel Jost, Ökonom am Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik an der Universität Luzern, die Antwort: «Mit einer Aufwertung.» Die Wirtschaft brauche «keine künstliche Unterstützung durch die Geldpolitik». Denn: «Lässt die Nationalbank den Franken stärker aufwerten, wächst die Wirtschaft zwar langsamer. Für den Einzelnen hat dies aber weniger Nachteile. Im Gegenteil: Die Kaufkraft von Vermögen und Einkommen steigt.»&nbsp;</p>



<p>Solange Vollbeschäftigung herrsche, «darf die Nationalbank den Fuss vom Gaspedal nehmen und damit die Zuwanderung dämpfen. Genauso wie sie heute unbeabsichtigt die Zuwanderung begünstigt, könnte sie mit dieser Massnahme künftig zur Entspannung der Zuwanderungsdiskussion beitragen.»</p>



<p>Auch der frühere Arbeitsmarktchef des Bundes, Boris Zürcher, spricht sich für einen stärkeren Franken aus: «Der relativ schwache Franken ist zumindest Teil des Problems. […] Das Beschäftigungswachstum steuert man letztlich makroökonomisch über die Geld-, Währungs- und Fiskalpolitik. Es wäre erfolgsversprechender, wenn die Nationalbank einen teureren Franken zulässt.» Allerdings würde man jenen Unternehmen das Leben erschweren, die heute mit ihrer Wertschöpfung einen grossen Teil unseres Wohlstands beitragen». Doch eine gewisse reale Aufwertung des Frankens könne «zum Thema werden». Die Schweiz leide an keinem Zuwanderungsdruck, sondern an einem Zuwanderungssog: «Die Schweiz saugt ausländische Arbeitskräfte auf.»</p>



<p>Ein stärkerer Franken verbessert – ökonomisch ausgedrückt – das Austauschverhältnis zwischen schweizerischen und ausländischen Produkten. Für die gleiche Menge Waren, die wir ins Ausland verkaufen, erhalten wir dank eines stärkeren Frankens eine grössere Menge Waren aus dem Ausland.</p>



<p>Für Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten werden alle importierten Produkte, auch Benzin und Heizöl, sowie Dienstleistungen billiger. Deshalb können uns Länder wie Griechenland, Portugal oder die Ukraine mehr verkaufen. Dagegen werden Exporte aus der Schweiz für ausländische Konsumentinnen und Konsumenten teurer.&nbsp;</p>



<p>Zur Exportindustrie gehört auch der Tourismus in der Schweiz: Ein stärkerer Franken macht die Schweiz für Ausländer teurer, was Übertourismus verhindert. Andererseits können Schweizer günstiger ins Ausland reisen.</p>



<p>Als Fazit stellte «NZZ»-Wirtschaftsredaktor Abert Steck fest, die positive Wirkung einer harten Währung auf die Kaufkraft der Konsumenten sei «nicht zu unterschätzen».&nbsp;&nbsp;</p>



<p><br><strong>Gegensätzliche Einschätzungen</strong></p>



<p>Laut Wirtschaftshistoriker Professor Tobias Straumann ist die hohe Einwanderungsrate der Schweiz «nicht alternativlos»: Nehmen wir das Beispiel Dänemark: «Dort ist die Einwanderungsrate wegen der Sprachbarriere deutlich geringer als in der Schweiz. Trotzdem floriert das Land.»</p>



<p>Anderer Meinung ist der frühere Mitte-Präsident Gerhard Pfister: «Die Zuwanderung wird erst dann abnehmen, wenn die Schweiz wirtschaftlich nicht mehr attraktiv ist. Dann würden aber auch Unternehmen abwandern. Wollen wir das wirklich? Oder wollen wir weiterhin den wirtschaftlichen Erfolg und nehmen dafür auch ein Bevölkerungswachstum in Kauf?»</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/7d575f6abc45412cb2144dfe2dc08b92" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Pestizide zerstören die Zeugungskraft der Männer</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/pestizide-zerstoeren-die-zeugungskraft-der-maenner/</link>
					<pubDate>Tue, 26 May 2026 08:29:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=701785</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bauer-versprueht-Pestizide.justinb-e1779360560313-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Bauer versprüht Pestizide.justinb" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bauer-versprueht-Pestizide.justinb-e1779360560313-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bauer-versprueht-Pestizide.justinb-e1779360560313-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bauer-versprueht-Pestizide.justinb-e1779360560313-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bauer-versprueht-Pestizide.justinb-e1779360560313.jpg 1500w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Neue schweizweite Studie bestätigt: In landwirtschaftlichen Gegenden wird die Quantität und Qualität der Spermien immer schlechter.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p><a href="https://www.infosperber.ch/public/svp-und-bauernverband-kastrieren-ihre-eigenen-soehne/">«SVP und Bauernverband kastrieren ihre eigenen Söhne»</a>, war die provozierende Aussage des Arztes und Neurologen Lukas Fierz anfangs Oktober 2025. Tatsächlich ist die Zahl der Spermien bei jungen Männern vor allem in Industriestaaten in den letzten fünfzig Jahren auf&nbsp;<a href="https://www.zeit.de/wissen/2022-11/spermien-maenner-fruchtbarkeit-studie-israel">etwa die Hälfte zurückgegangen</a>&nbsp;– auch&nbsp;<a href="https://www.swissinfo.ch/ger/schlechte-spermienqualitaet-in-der-schweiz-beunruhigt-forschende/44980300?nab=1">in der Schweiz</a>.&nbsp;</p>



<p>Die Auswirkungen seien&nbsp;funktionell mit dem Entfernen eines Hodens vergleichbar, schrieb Lukas Fierz in seinem Buch&nbsp;<a href="https://www.exlibris.ch/de/suche/?q=Testosteronkollaps+%E2%80%93+Ursachen%2C+Folgen%2C+Schutz%C2%BB.&amp;searchType=q404">«Testosteronkollaps – Ursachen, Folgen, Schutz»</a>. Gleichzeitig schwinde auch der Testosteronspiegel&nbsp;<a href="https://www.welt.de/gesundheit/article2950001/Hormone-Auch-jungen-Maennern-mangelt-s-an-Testosteron.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">junger Männer</a>&nbsp;und noch mehr der&nbsp;<a href="https://www.rosenfluh.ch/media/arsmedici-dossier/2012/03/Ueberlegungen_zum_Testosteronmangel_bei_aelteren_Maennern.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">älteren</a>&nbsp;– mit erheblichen Folgen.&nbsp;</p>



<p>Eine&nbsp;<a href="https://academic.oup.com/humrep/article/36/7/1948/6174711" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie</a>&nbsp;an Schweizer Rekruten, welche die Fachzeitschrift «Human Reproduction» bereits im Jahr 2021 veröffentlichte – kurz vor der Abstimmung über die Pestizid- und Trinkwasserinitiativen –, fand den deutlichsten Zusammenhang mit schlechter Spermienqualität bei Bauernsöhnen, deren Mütter während der Schwangerschaft Pestiziden ausgesetzt waren. Ebenfalls besonders betroffen waren Söhne von Kosmetikerinnen und Coiffeusen, die beruflich ebenfalls hormonaktiven Schadstoffen ausgesetzt sind.&nbsp;</p>



<p>Unterdessen hat eine&nbsp;<a href="https://academic.oup.com/humrep/article/40/12/2409/8266739?login=false">neue Studie</a>&nbsp;in der Fachzeitschrift «Human reproduction» bestätigt, dass Pestizide, insbesondere Insektizide, den Spermien schaden: «In dieser landesweiten Studie an jungen Männern in der Schweiz identifizierten wir eine signifikante räumliche Abhängigkeit für alle untersuchten Spermienqualitätsparameter.» Vergleichsweise niedrige Samenwerte habe die Studie «in einem überwiegenden ländlichen und landwirtschaftlichen Gebiet» gefunden.</p>



<p>Eine frühere, in der Fachzeitschrift Jama&nbsp;<a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35175344/">publizierte Studie</a>&nbsp;hätte gezeigt, dass in China «insbesondere Insektizide», aber auch andere Pestizide die Spermienqualität beeinträchtigen.&nbsp;</p>



<p>Fazit der Autoren der neusten Studie: «Weitere Studien sowie unsere Ergebnisse stützen den potenziellen Umwelteinfluss landwirtschaftlicher Flächen auf die Spermienqualität.» Insektizide, die häufig im Feldanbau eingesetzt werden, insbesondere Organophosphate, würden mit einer geringeren Spermienzahl, Mobilität und Morphologie und insbesondere mit einer verringerten Spermienkonzentration in Verbindung gebracht. </p>



<p>Einige Pestizide&nbsp;<a href="https://umweltinstitut.org/landwirtschaft/meldungen/pfas-pestizide-lebensmittel/">enthalten PFAS</a> und setzen diese in Äcker und Umwelt frei.</p>



<p><br><strong>Auch hormonaktive Weichmacher</strong></p>



<p>Neben den hormonaktiven Pestiziden sind die anderen Hauptübeltäter die hormonaktiven Weichmacher (Phthalate), die aus Plastikverpackungen sowie Plastikfolien, in denen Käse, Fleisch, Milch oder Rahm länger verpackt sind, in Lebensmittel und Getränke gelangen.&nbsp;</p>



<p>Fierz spricht von einer «unfreiwilligen Kastration», was «eine schwere Körperverletzung» darstelle – auch wenn sie unvollständig, chemisch oder fahrlässig geschehe. Schwere Körperverletzung sei ein Offizialdelikt, weshalb die Justiz sogar von Amtes wegen (ohne eine Anzeige) einschreiten müsste.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>Das grosse Geschäft mit nicht eingelösten Geschenkgutscheinen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konsum/das-grosse-geschaeft-mit-nicht-eingeloesten-geschenkgutscheinen/</link>
					<pubDate>Tue, 26 May 2026 08:28:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Geschenkkarte" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-1536x922.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-2048x1229.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Mit Gutscheinen macht man den Beschenkten nicht unbedingt einen Gefallen. Sie enden häufig als Geschenk für die Verkäufer.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Gutscheine sind beliebte Geschenke. Aber nicht selten profitieren gar nicht die Beschenkten davon. Viele Unternehmen, welche Geschenkgutscheine verkaufen, machen Gewinn damit, dass Kunden die Bons vergessen oder verlieren.</p>



<p>Unschön ist, dass viele Herausgeber ihren Gewinn noch zusätzlich erhöhen, indem sie kurze Gültigkeitsdauern vortäuschen. Auf vielen Gutscheinen ist aufgedruckt, dass sie nur ein oder zwei Jahre gültig seien. Beschenkte, die einen alten Gutschein finden, betrachten ihn dann als wertlos, verzichten aufs Einlösen – und schenken den Betrag somit dem Unternehmen.</p>



<p>Ein Infosperber-Leser, bei dem ein Gutschein von Otto’s in Vergessenheit geraten war, wollte nicht verzichten. Er schrieb dem Unternehmen: «Ich habe einen 50-Franken-Gutschein gefunden, ausgestellt 2020. Da steht, dass dieser verfalle, wenn er nicht innert zwei Jahren eingelöst werde.» Er erklärte Otto’s dann, dass solche Gutscheine laut Gesetz bis zu zehn Jahren gültig seien und fragte: «Was muss ich tun, um beim Einlösen ein ‹Gschtürm› in einer Filiale zu vermeiden?»</p>



<p>Otto&#8217;s behauptete gegenüber dem Leser, dass er wohl eine alte Karte habe. Denn seit vier Jahren stehe nichts mehr von den 24 Monaten auf den Geschenkkarten. Das erstaunte den Leser. Denn er hatte auch noch weitere Gutscheine, der jüngste datiert vom Dezember 2025 – und auch dort steht, dass dieser nur 24 Monate gültig sei. </p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="648" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-Ottos-24-Monate-1024x648.jpg" alt="" class="wp-image-700599" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-Ottos-24-Monate-1024x648.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-Ottos-24-Monate-300x190.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-Ottos-24-Monate-768x486.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Geschenkkarte-Ottos-24-Monate.jpg 1049w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Diese Geschenkkarte ist einiges länger gültig als aufgedruckt; nämlich bis 2030 und nicht nur bis 2027. </figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Fünf bis zehn Jahre sind vorgeschrieben</h2>



<p>Eine so kurze Gültigkeitsdauer ist gesetzeswidrig. In der Schweiz sind Gutscheine für kleinere Waren wie Spielsachen, Kleider, Bücher, Lebensmittel oder Restaurantbesuche mindestens fünf Jahre gültig. Bei Gutscheinen für Reisen, Hotelübernachtungen oder Musicalbesuche beträgt die Verjährungsfrist sogar zehn Jahre. In Deutschland ist das Gesetz weniger grosszügig. Dort bleiben Gutscheine nur <a href="https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/vertraege-reklamation/kundenrechte/gutscheine-als-geschenk-so-lange-sind-sie-gueltig-13861">drei Jahre gültig</a>.</p>



<p>Doch zurück zum Kunden, der sich von der falschen Gültigkeitsdauer nicht beeindrucken liess und reklamierte. Erst als der Kunde Beweisbilder einreichte, gab Otto&#8217;s klein bei. Roger Bisang, Werbeleiter bei Otto’s, musste einräumen, dass offenbar seit Jahren niemand mehr den Aufdruck gelesen hat. Er versicherte dem Kunden aber: «Unsere Gutscheine sind länger gültig als die 24 Monate, welche auf der Hinterseite vermerkt sind.» Der Aufdruck auf der Geschenkkarte sei nun geändert. Wichtig war Bisang vor allem noch folgender Hinweis: Ihm falle auf, dass viele Restaurants immer noch Gutscheine verkaufen würden, auf denen stehe, dass sie zwölf Monate gültig seien.</p>



<p>Das ist tatsächlich immer noch gängige Praxis – nicht nur bei Restaurants. So verkauft etwa der Zoo Zürich Geschenkkarten mit dem Hinweis, dass diese innerhalb von zwei Jahren ab Kaufdatum eingelöst werden müssten. Problematisch sind auch die Erlebnisgutscheine des Online-Händlers geschenkparadies.ch: Sie sind angeblich ein Jahr gültig. Nur wer sich genauer informiert, erfährt, dass sich die Gutscheine auch noch länger einlösen oder in andere Gutscheine umwandeln lassen. Diese sind dann wiederum drei Jahre gültig und «kostenlos verlängerbar».</p>



<p>Wer einen Geschenkgutschein besitzt, ist also gut beraten, nicht zu kapitulieren, wenn ein Gutschein angeblich abgelaufen ist oder ein Gutschein an der Kasse nicht mehr akzeptiert wird. Viele Unternehmen kennen die Gesetzeslage und zeigen sich umgehend «kulant». Manchmal braucht es aber auch einen Hinweis auf die gesetzlichen Vorschriften.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="67" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau.png" alt="Spendenbalken blau" class="wp-image-699999" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-blau-768x51.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>



<p></p>



<h2 class="wp-block-heading">Ist vielen schon passiert: Gutschein vergessen</h2>



<p>Geschenkgutscheine sind in jedem Fall ein gutes Geschäft für die Verkäufer. Eine <a href="https://de.statista.com/infografik/33609/umfrage-zum-verfallen-lassen-von-gutscheinen/">Umfrage</a> vor anderthalb Jahren bei gut 2000 Erwachsenen in Deutschland ergab: Bei 40 Prozent der Befragten waren schon einmal oder mehrmals Gutscheine verfallen. Bei den Jungen zwischen 18 und 24 Jahren war das sogar mehr als der Hälfte schon passiert.</p>



<p>Wie lukrativ Geschenkgutscheine für die Herausgeber sind, zeigt das Beispiel von Bern-City, einer Organisation, die sich für die Interessen der Läden in Berns Innenstadt einsetzt. Bern-City verkauft unter anderem Geschenkkarten, die in 240 Geschäften in der Stadt Bern eingelöst werden können.</p>



<p>Pro Jahr werden Geschenkkarten im Wert von rund drei Millionen Franken verkauft. Davon verfallen jedes Jahr etwa zehn Prozent, sagte die Bern-City-Präsidentin Milena Daphinoff gegenüber der «Berner Zeitung». Das ergibt einen Gewinn von 300’000 Franken aus verfallenen Guthaben, den die Organisation einheimst.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das «Schlummergeld-Potenzial»</h2>



<p>Das ist kein Einzelfall. Unverhohlen preist das Schweizer Treuhandunternehmen Nexova seinen Geschäftskunden die Vorteile des Gutscheinverkaufs an: «Verkaufte Gutscheine bringen sofort Einnahmen, ohne dass zu diesem Zeitpunkt eine Gegenleistung erbracht werden muss», schreibt das Unternehmen. Ausserdem wird das «Schlummergeld-Potenzial» von Gutscheinen gelobt. «Laut US-Branchendaten bleiben zwischen 10 und 19 Prozent der Gutscheinguthaben uneingelöst.» Was für den Aussteller reinen Gewinn bedeute.</p>



<p>Und dann gebe es auch einen psychologischen Effekt: «Da der Beschenkte dafür nicht selbst aufkommen muss, wächst seine Bereitschaft, mehr auszugeben, als er es sonst tun würde.»</p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei Gutschein-Tipps:</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Auch wenn Gutscheine auf den ersten Blick persönlicher wirken als Geld, sind sie es nicht. Am besten verzichtet man darauf, Gutscheine zu verschenken. Eine Alternative sind selbst gestaltete Gutscheine, denen man Bargeld beilegt.</li>



<li>Schenkt man trotzdem Gutscheine, sollte man den Beschenkten immer mal wieder höflich daran erinnern, den Gutschein auch einzulösen – oder man begleitet den Beschenkten beim Einlösen.</li>



<li>Wenn ein Gutschein tatsächlich schon abgelaufen ist, lohnt es sich trotzdem, beim Händler nachzufragen. Manche sind kulant und nehmen ihn trotzdem noch an Zahlung.</li>
</ul>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn der Laden nicht mehr existiert</h2>



<p>Ein weiteres Risiko bei Gutscheinen ist, dass der Anbieter aufhört oder Konkurs geht. Dann werden auch eigentlich noch gültige Gutscheine wertlos. Glück hat man, wenn ein Geschäft von einem neuen Betreiber übernommen wird. Im Normalfall muss er für die ausstehenden Gutscheine geradestehen.</p>



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														</item>
							<item>
					<title>Verzicht auf Kosmetika: Schnell weniger Schadstoffe im Körper</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/verzicht-auf-kosmetika-schnell-weniger-schadstoffe-im-koerper/</link>
					<pubDate>Mon, 25 May 2026 08:33:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=699867</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="199" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_5143248_L-300x199.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Depositphotos_5143248_L" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_5143248_L-300x199.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_5143248_L-1024x680.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_5143248_L-768x510.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_5143248_L-1536x1020.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_5143248_L.jpg 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Studentinnen hatten schon nach fünf Tagen ohne ihre gewohnten Pflegeprodukte weniger problematische Chemikalien im Urin.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Frauen sind mit Umweltchemikalien meist höher belastet – das fällt bei Tests immer wieder auf. Weil sie häufiger mit Reinigungsmitteln hantieren und mehr Kosmetika verwenden oder beruflich damit zu tun haben, vermuteten Forschende bisher.</p>



<p>Ein internationales Forschendenteam hat das an rund 100 Studentinnen aus Grenoble genauer untersucht. Die Frauen verzichteten für fünf Tage auf ihre gewohnten Pflegeprodukte und verwendeten nur solche, die frei von bestimmten Chemikalien waren. Schon nach diesem kurzen Zeitraum hatten sie deutlich weniger potenziell schädliche Stoffe im Urin.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ohne Kosmetika weniger Schadstoffe</h2>



<p>Das internationale Forschendenteam suchte für das staatliche französische Gesundheitsinstitut (Inserm) nach einer Reihe potenziell bedenklicher Chemikalien, die sich üblicherweise in Kosmetika finden. Darunter</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>elf Phenole,</li>



<li>sechzehn Phthalate,</li>



<li>und zwei Glykolether.</li>
</ul>



<p>Stoffe, die in Kosmetika zum Beispiel als Emulgatoren, Konservierungsmittel oder Trägersubstanzen dienen.</p>



<p>Nach dem Versuch hatten die Frauen zwischen 18 und 30 Jahren deutlich weniger Methyl- und Propylparabene und weniger Stoffwechselprodukte von Phthalaten im Urin. Am meisten ging mit minus 64 Prozent die Konzentration von Phenoxyessigsäure im Urin zurück. Diese stammte wahrscheinlich aus Phenoxyethanol, einem Konservierungsmittel. Das norwegische Labor, das die Proben untersuchte, fand ausserdem 30 Prozent weniger Methylparaben. Die Menge an hormonstörendem Bisphenol A nahm um 39 Prozent ab.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Kleines Umweltchemielexikon: Parabene</h2>



<p>Parabene haben antimikrobielle Wirkung und werden in Lebensmitteln, Kosmetika und Reinigungsmitteln sowie Medikamenten als Konservierungsmittel und UV-Filter eingesetzt. Sie kommen in kleinen Mengen auch natürlich in Obst und Gemüse vor. Die hormonelle Wirksamkeit von Parabenen wurde in Tierversuchen bestätigt, es gibt aber auch Studien, die sie bezweifeln. Eine <a href="https://analyticalsciencejournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/jat.958" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie</a> brachte Parabene 2004 in Verbindung mit Brustkrebs. Viele Untersuchungen zu Parabenen im Körper stammen aus den USA, wo Zusatzstoffe in Kosmetika nur wenig reguliert sind.</p>



<p>In der EU und der Schweiz ist der Einsatz von Parabenen reguliert. Es gibt <a href="https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:02009R1223-20140401" target="_blank" rel="noreferrer noopener">unterschiedliche Grenzwerte</a> für verschiedene Parabene in Kosmetika. Die lockersten gelten dabei für die «kleinen» Parabene Methyl- und Ethylparaben, die in Kosmetika häufiger vorkommen. Strengere für Propyl- und Butylparabene, die für Babys nicht zugelassen sind. Einige weitere sind in Kosmetika verboten.</p>
</div>



<h2 class="wp-block-heading">Das Dilemma mit den Parabenen</h2>



<p>Ob die Paraben-Grenzwerte sicher sind, ist umstritten. «Parabene können auf Dauer die Spermienproduktion stören, zu Unfruchtbarkeit führen, zu einem verfrühten Einsetzen der Pubertät führen und das Brustkrebsrisiko erhöhen», erklärte beispielsweise Luise Körner vom Bund für Umwelt und Natur (BUND) dem <a href="https://www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/parabene-kosmetik-konservierungsstoffe-umweltkommissar-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bayerischen Rundfunk</a> zum Thema.</p>



<p>Parabene zu ersetzen, ist möglich. Einige Kosmetikhersteller werben sogar mit parabenfreien Produkten. Wissenschaftler:innen warnen indes vor den Risiken von Ersatzstoffen, bevor diese nicht eingehend geprüft sind, beispielsweise auf ihre allergene Wirkung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Erstautor: «Ermutigende Geschwindigkeit»</h2>



<p>Die Geschwindigkeit, mit der der Körper Hilfs- und Zusatzstoffe aus Kosmetika wieder loswerden kann, empfanden die Forschenden in Grenoble als ermutigend. «Besonders, da diese Stoffe mindestens im Verdacht stehen, das Hormonsystem, die körperliche Entwicklung und die Gesundheit zu beeinflussen», so Erstautor Nicolas Jovanovic in einer <a href="https://presse.inserm.fr/en/reduire-son-usage-des-cosmetiques-permet-de-reduire-rapidement-lexposition-a-certains-polluants-chimiques-et-perturbateurs-endocriniens-comme-le-bisphenol-a/72722/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pressemitteilung</a>.</p>



<p>Ihren Versuch hatten die Wissenschaftler:innen bewusst mit jüngeren Frauen durchgeführt. Einmal, weil diese Altersgruppe häufig viele Kosmetika verwendet. Für Frauen im gebärfähigen Alter und ihren Nachwuchs sind hormonähnliche Substanzen zudem besonders gefährlich. Die Chemikalienmengen, die vor dem Versuch im Urin der Probandinnen gefunden wurden, seien für die Altersgruppe eher niedrig gewesen, schreiben sie in ihrer am 7. April in <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0160412026002011?via%3Dihub" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Environment International»</a> veröffentlichten Arbeit.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Verzicht auf Bisphenole würde Kinder gesünder machen</h2>



<p>Die Wissenschaftler:innen haben dazu eine Gesundheitsfolgenabschätzung durchgeführt. Schwangere, welche die getesteten Wirkstoffe vermeiden, würden demnach gesündere Kinder zur Welt bringen. Es liessen sich «4 Prozent der Asthmaanfälle, 4,4 Prozent aller Fälle von Atemnot und der Verlust von 4,4 IQ-Punkten» verhindern. Diese Einschätzung stützt sich im Wesentlichen auf die Wirkung von Bisphenol A, das in Frankreich in Kosmetika schon seit 20 Jahren verboten ist. Die im Versuch nachgewiesene Chemikalie stammte wahrscheinlich aus Verpackungen, in denen Bisphenol A und Bisphenol S vorkommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Naturkosmetik? Nur noch Seife? Oder gar keine Kosmetika mehr?</strong></h2>



<p>Es gibt also einige Gründe, auf gängige Kosmetika zu verzichten oder wenigstens auf solche, die bedenkliche Stoffe enthalten. Andererseits gibt es hygienische Anforderungen. Kosmetika müssen für einen gewissen Zeitraum keimfrei bleiben. Vor allem dann, wenn sie in sensiblen Bereichen wie um die Augen, nach der Rasur oder bei Babys verwendet werden.</p>



<p>Eine mögliche Lösung: Naturkosmetika, die wenigstens weniger synthetische Konservierungsstoffe enthalten. Einige Fachleute raten davon ab. Wer Naturkosmetika kauft, muss sie in einem kurzen Zeitraum aufbrauchen, weil sie danach nicht mehr sicher keimfrei sind.</p>



<p>Oder überhaupt weniger Kosmetika. Nach einer Untersuchung der europäischen Kosmetikindustrie nutzt die durchschnittliche europäische Konsumentin jeden Tag etwa neun verschiedene Kosmetikprodukte. Eine von der <a href="https://www.apotheken-umschau.de/mein-koerper/haut-und-haare/inhaltsstoffe-das-sind-die-haeufigsten-in-hautpflege-und-kosmetik-1427003.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Apotheken-Umschau»</a> befragte Dermatologin hält das für eine noch niedrige Schätzung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was auf jeden Fall geht: Sich seine Pflegeprodukte sorgfältiger aussuchen.</h2>



<p>Vorrang haben sollten Pflegeprodukte, die von Natur aus wenig Zusatzstoffe benötigen, zum Beispiel Öle ohne Konservierungsstoffe, «Sensitiv»-Produkte ohne potenziell allergieauslösende Duftstoffe oder Sonnenschutzmittel ohne chemische UV-Filter sowie Glasverpackungen, die sicher keine Bisphenole abgeben können. Wer <a href="https://play.google.com/store/apps/details?id=de.bund.toxfox&amp;hl=de">Apps</a> <a href="https://apps.apple.com/ch/app/toxfox-der-produktcheck/id665200272">wie</a> <a href="https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/digitale-welt/apps-und-software/apptest-toxfox-der-produktcheck-schlaufuchs-gegen-schadstoffe-92460">Tox-Fox</a> verwendet, kann beim Einkaufen per Handy-Scan nachsehen, ob ein Produkt potenziell besorgniserregende Zutaten enthält.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.oekotest.de/kosmetik-wellness/Konservierungsmittel-in-Kosmetik-Welche-Stoffe-bedenklich-sind_11406_1.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Konservierungsstoffe in Kosmetik: Welche Stoffe bedenklich sind</a> &#8211; Öko-Test am 29. Mai 2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/umweltchemikalien-100000-tote-im-jahr-durch-phthalate/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Umweltchemikalien: 100&#8217;000 Tote im Jahr durch Phthalate</a> – Infosperber am 4. November 2021</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/oeko-test-nach-dosentomaten-nun-hohe-bisphenol-werte-in-pizza/">«Öko-Test»: Nach Dosentomaten nun hohe Bisphenol-Werte in Pizza</a> – Infosperber am 11. Februar 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konsum/oeko-test-findet-hormongift-bpa-in-tomatenkonserven/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Öko-Test» findet Hormongift BPA in Tomatenkonserven</a> &#8211; Infosperber am 22. Juli 2023</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/3f71e46e8d3f49198cba6645dce969be" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Presserat: Ein Hund, der auf einem Ohr hört, ist taub</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/medien/presserat-ein-hund-der-auf-einem-ohr-hoert-ist-taub/</link>
					<pubDate>Mon, 25 May 2026 08:31:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=702367</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="225" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Dalmatiner-300x225.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Dalmatiner" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Dalmatiner-300x225.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Dalmatiner.jpg 642w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Der Presserat schützt Medienunternehmen mit seltsamen Begründungen vor Rügen. Das weckt wenig Vertrauen in die Selbstregulierung.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Kürzlich hat der der Presserat wieder einmal zwei Beschwerden mittels nicht nachvollziehbarer Begründungen abgeschmettert und damit fehlbare JournalistInnen und Medienunternehmen vor Rügen bewahrt. Dadurch wird weder die Qualität des Journalismus noch das Vertrauen in den Presserat gestärkt – dieser sollte das Korsett der Selbstregulierung endlich abwerfen.</p>



<p>Im Verfahren <a href="https://presserat.ch/complaints/11_2026/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">11/2026</a> kritisierte ein Beschwerdeführer unter anderem die Behauptung einer Journalistin, wonach «rund 10 Prozent aller Dalmatiner taub geboren» würden. Diese Rate liege nur bei etwa 2 Prozent monierte der Beschwerdeführer gestützt auf Daten, die ihm vorliegen. Der Rechtsdienst der Redaktion entgegnete, die Rate von 2 Prozent sei irreführend, da sie sich ausschliesslich auf Fälle beidseitiger Taubheit beziehe.</p>



<h2 class="wp-block-heading">«Einseitige und beidseitige Taubheit»</h2>



<p>Unter Taubheit versteht man jedoch das vollkommene Fehlen des Hörempfindens. Eine Redaktion, die insinuiert, taub sei auch, wer auf einem Ohr hört und auf dem anderen nicht, begeht ihrerseits eine Irreführung. Der Presserat schreibt zu diesen unterschiedlichen Definitionen von Taubheit: «Da es im vorliegenden Artikel um durch Zucht verursachte körperliche Leiden geht, ist es legitim, einseitige und beidseitige Taubheitsrate zusammenzufassen.» Der Presserat winkt damit eine unzutreffende Definition von Taubheit durch und erachtet eine solche als zulässig, weil es im Artikel ja genau um dieses Thema gegangen sei. Mit dieser sinnentleerten Begründung hat der Presserat die Beschwerde gänzlich abgeschmettert, anstatt sie wenigstens in einem Punkt gutzuheissen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Drei Mal ist nicht zwei Mal</h2>



<p>Auch in der Stellungnahme <a href="https://presserat.ch/it/complaints/09_2026/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">9/2026</a>, welche die Beschwerde im Hauptpunkt zu Recht ablehnte, verstieg sich der Presserat in Widersprüchlichkeiten und bewahrte das betroffene Medienunternehmen so vor einer Rüge. Er billigte eine inhaltliche und vom Leserbriefschreiber nicht autorisierte Abänderung seines Texts. Der Leser wollte darauf aufmerksam machen, dass ein Gross- respektive Staatsrat aus der Romandie während seiner Amtszeit schon mindestens drei Mal mit zu viel Alkohol am Steuer erwischt worden war und umschrieb dies mit dem Begriff «multi-récidive», was auf Deutsch «mehrfach rückfällig geworden» bedeutet.</p>



<p>Der verantwortliche Redaktor – übrigens selber Mitglied des Presserats aber für dieses Verfahren im Ausstand – änderte diesen Begriff zu «récidive» ab. Dadurch schwächte er das dreifache Fehlverhalten des Politikers faktenwidrig ab, da es nun als zweifaches Fehlverhalten verstanden wird. Damit verletzte er Ziffer 3 der «Erklärung». Ziffer 3 untersagt das Unterschlagen von Informationen ebenso wie das Entstellen von Tatsachen und Meinungen.&nbsp;Um diese potenzielle Verletzung von Ziffer 3 nicht thematisieren zu müssen, behauptete der Presserat kurzerhand, diese Ziffer käme bei Leserbriefen nicht zur Anwendung. Richtlinie 5.2 des Presserates stipuliert jedoch unzweideutig: «Die berufsethischen Normen gelten auch für die Veröffentlichung von Leserbriefen und Online-Kommentaren.»</p>



<h2 class="wp-block-heading">19 sind nicht Dutzende</h2>



<p>Dass der Presserat gelegentlich kreative Begründungen aus dem Hut zaubert, um schwarze Schafe in ein weisses Gewand zu kleiden, ist leider nicht neu: Als zwei Journalistinnen in einem Lead schrieben «Dutzende Frauen» würden jährlich von ihren Männern getötet, obwohl es im Zehnjahresverlauf durchschnittlich knapp 19 waren, wollte der Presserat darin keinen Verstoss gegen die Wahrheitspflicht erkennen. Er desavouierte den Beschwerdeführer mit der Begründung, die Differenz zwischen 19 und 24 sei letztlich gering, das könne man als «handwerklichen Fehler» durchgehen lassen (<a href="https://presserat.ch/complaints/21_2022/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">21/2022</a>).</p>



<p>Und als eine Journalistin einen ehemaligen Nationalrat explizit als «Wiederholungssexualstraftäter» bezeichnete, obwohl es nur eine Verurteilung wegen eines einzigen Sexualdelikts gab, sah der Presserat die Wahrheitspflicht ebenso wenig verletzt. Die Journalistin habe lediglich die «Grenze zur Falschdarstellung ausgereizt», das Publikum habe den Begriff polemisch verstanden (<a href="https://presserat.ch/complaints/20_2025/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">20/2025</a>).</p>



<p>Dass der Presserat zudem eine Beschwerde nur teilweise statt ganz gutgeheissen hat, obwohl er alle vom Beschwerdeführer erwähnten Ziffern als verletzt beurteilt hat, kann man in der Stellungnahme <a href="https://presserat.ch/complaints/48_2022/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">48/2022</a> nachlesen.</p>



<p>Die erwähnten Stellungnahmen reihen sich ein in viele weitere (4/2026, 23/2025, 12/2025, 54/2024, 42/2024, 41/2023, 73/2020), bei deren genauer Lektüre sich der Verdacht erhärtet, dass dieses Selbstregulierungsorgan sich zwar Regulierung und Unabhängigkeit auf die Fahne schreibt, sich jedoch allzu oft in Selbstverteidigung übt, indem Fehlleistungen von Akteuren der ihn finanzierenden Organisationen unter den Tisch geschrieben werden. Ein solcher Schutzreflex ist menschlich und deshalb nachvollziehbar, förderlich für die Qualität des Journalismus ist er nicht.</p>



<p>Wenn die Aufgabe der Medien zugunsten einer demokratischen Öffentlichkeit darin besteht, die Mächtigen zu kontrollieren, wer soll denn im Gegenzug diese Macht und das Verhalten von Medienschaffenden begutachten, wenn nicht Vertreter jener Öffentlichkeit, die diese Medien konsumieren und mitfinanzieren?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Immer mehr von der Öffentlichkeit finanziert</h2>



<p>Der Presserat selber wird je länger desto weniger von jenen Branchenorganisationen alimentiert, die darin vertreten sind: Bereits heute wird ein wesentlicher Teil des Budgets über mehrere Stiftungen, Beiträge des Bundesamts für Kommunikation (Bakom) sowie über die Gebühren, die Beschwerdeführende zahlen müssen, finanziert. Und ab nächstem Jahr kann dank der 2025 erfolgten Revision des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG) der Presserat seine Arbeit&nbsp; möglicherweise zu 50 Prozent mit Steuergeldern finanzieren lassen.</p>



<p>Diese massgebliche Verschiebung der Finanzierung des Presserates von den Branchenorganisationen hin zu einer öffentlichen, sollte nun auch in einer personellen Umstrukturierung dieses Gremiums abgebildet werden. Selbstverständlich sollen Medienvertreter im Presserat als Sachverständige mitwirken. Dass sie aber dank ihrer erdrückenden Mehrheit und mit abwegigen Begründungen – wie oben aufgezeigt – &nbsp;die Stellungnahmen zugunsten der Medien beeinflussen können, wird aber hoffentlich schon bald der Vergangenheit angehören.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Durchschnittlich 542 Tage bis zur Stellungnahme</h2>



<p>Neben einer besseren Vertretung der Zivilgesellschaft im Presserat besteht auch bezüglich Effizienz seit langem dringender Reformbedarf: Als Ende 2014 noch 47 Verfahren hängig waren, mahnte der Presserat in seinem <a href="https://presserat.ch/wp-content/uploads/2017/03/Jahrheft_2015_deutsch.pdf">Jahrheft</a>, diese Zahl müsse bis Ende Jahr «auf ein annehmbareres Niveau» zurückgeführt werden. Doch zum Jahresende war die Zahl der hängigen Verfahren auf 60 angestiegen, und Ende 2025 waren bereits 162 Beschwerden unerledigt. Der Presserat schiebt einen immer grösser werdenden Pendenzenberg vor sich her. Letztes Jahr gingen 178 Beschwerden ein, der Presserat schaffte in zwölf Monaten lediglich 48 Stellungnahmen, das absolute Rekordtief der letzten zehn Jahre. Im laufenden Jahr wurden bis dato gerade einmal 11 Stellungnahmen publiziert. </p>



<p>Die Wartefrist zwischen Eingabe einer Beschwerde und einer Stellungnahme beträgt derzeit durchschnittlich 542 Tage. Dass Stellungnahmen zu Medienbeiträgen, die vor anderthalb Jahren aktuell waren, heute kaum noch interessieren und entsprechend auch redaktionsintern kaum Wirkung zu entfalten vermögen, die Arbeit des Presserates also mehrheitlich in der Bedeutungslosigkeit verpufft, versteht sich von selbst und ist dem Presserat sehr wohl bewusst.</p>



<p>Der vor 49 Jahren eingesetzte Presserat sollte für sein 50-jähriges Bestehen im 2027 einen Neustart wagen: Primär öffentlich finanziert, personell breiter abgestützt und die Abläufe auf eine Effizienz getrimmt, die Stellungnahmen nicht zur Farce verkommen lassen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/medien/der-presserat-widerspricht-seinen-eigenen-richtlinien/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Presserat widerspricht seinen eigenen Richtlinien</a> – Infosperber am 5. März 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. <em>Christoph Schütz betreibt ein Atelier für visuelle Kommunikation, hat in Freiburg Medienwissenschaften studiert und publiziert zu urheber- und medienrechtlichen Themen.</em> Der Autor hat selber schon mehrfach Beschwerde beim Presserat geführt, mit unterschiedlichem Erfolg. Der Artikel erschien in einer gekürzten Form zuerst auf persoenlich.com.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Unüberhörbar: die Veloklingel, die sich nicht «canceln» lässt</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/boden-raum-verkehr/unueberhoerbar-die-veloklingel-die-sich-nicht-canceln-laesst/</link>
					<pubDate>Mon, 25 May 2026 08:29:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Skoda-Duo-Bell-Veloklingel-e1777228525251-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Skoda Duo Bell Veloklingel" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Skoda-Duo-Bell-Veloklingel-e1777228525251-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Skoda-Duo-Bell-Veloklingel-e1777228525251-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Skoda-Duo-Bell-Veloklingel-e1777228525251-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/04/Skoda-Duo-Bell-Veloklingel-e1777228525251.jpg 1390w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Eine neue Veloklingel durchdringt angeblich die Lärmmauer, die moderne Kopfhörer aufbauen. Es gibt aber erst einen Prototyp davon.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Sie sind ein zunehmendes Problem: Verkehrsteilnehmer, die Kopfhörer mit «Active Noise Cancelling» (ANC) – also aktiver Geräuschunterdrückung – nutzen. Die Kopfhörer filtern auch wichtigen Lärm heraus, etwa den Ton einer Veloklingel.</p>



<p>Der tschechische Autohersteller Škoda hat gemeinsam mit der britischen Universität von Salford das Problem untersucht und schlägt eine spezielle Veloklingel vor, wie das <a href="https://www.velojournal.ch/aktuell/detail/duobell-skodas-veloglocke-gegen-anc-kopfhoerer/?utm_source=newsletter-mailerlite&amp;utm_medium=email%20Mailerlite&amp;utm_campaign=airbag_tricot_radsport_ikonen&amp;utm_term=2026-04-21">Velojournal</a> berichtete. Die Akustiker analysierten etliche gängige Kopfhörer mit ANC von Apple, Bose, Sony, JBL und Samsung.</p>



<p>Dabei entdeckten sie eine entscheidende Schwachstelle in der Geräuschunterdrückung: Bei 750 bis 780 Hertz haben die digitalen Signalprozessoren eine Lücke. Škoda konstruierte deshalb den Prototypen einer Veloklingel, die Töne in genau dieser Frequenz aussendet. Ausserdem hat die Klingel – Škoda nennt sie «Duobell» – eine zweite, höhere Frequenz, die beim Betätigen der Klingel schnell und unregelmässig erklingt. Dadurch entstehen Schallwellen, so die Akustik-Experten, die ANC-Algorithmen nicht schnell genug verarbeiten und unterdrücken können. Das Problem ist, dass 750 Hertz ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=wViygUweDS4" data-type="link" data-id="https://www.youtube.com/watch?v=wViygUweDS4">ziemlich tiefer Ton</a> ist, der einen grossen Resonanzkörper braucht.</p>



<p>Das Resultat ist deshalb eine relativ grosse Veloklingel, die ohne Elektronik auskommt, aber einer Bürostuhlrolle gleicht. Ihre Wirkung ist erstaunlich. Laut den Virtual-Reality-Tests der Universität von Salford wirkt die Klingel wie folgt: Personen mit ANC-Kopfhörern hören sie im Durchschnitt 22 Meter früher und 5 Sekunden schneller als andere Klingeln. Auch die Velokuriere eines Londoner Lieferdienstes testeten die Klingel und waren zufrieden. «Es gab mir eine Stimme auf der Strasse», gab eine Kurierin zu Protokoll.</p>



<p>Škoda will die Veloklingel nicht selber herstellen und verkaufen. Dass der Autohersteller so viel Her(t)z für Velofahrerinnen und Velofahrer hat, ist nicht ganz überraschend. Die Automobilmarke Škoda ist eine der ältesten der Welt. Das Unternehmen begann 1895 mit der Herstellung von Velos und produzierte ab 1905 Automobile. Heute sponsert Škoda die Tour de France und andere Radsportveranstaltungen.</p>



<p>Die Frage ist, ob Škoda das Kopfhörer-Problem von der richtigen Seite angeht. Im dichten Strassenverkehr mit Kopfhörern herumzulaufen, die alle Umgebungsgeräusche unterdrücken, ist generell riskant.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/11f41405f1bb4f28b20cfeb63f23959f" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Die KI-Giganten versprechen Wohlstand ohne Arbeit</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/die-ki-giganten-versprechen-wohlstand-ohne-arbeit/</link>
					<pubDate>Mon, 25 May 2026 08:27:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Benedicte-Robin-Hood-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach Bénédicte Robin Hood" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Benedicte-Robin-Hood-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Benedicte-Robin-Hood-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Benedicte-Robin-Hood-768x462.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Benedicte-Robin-Hood-1536x923.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Benedicte-Robin-Hood-2048x1231.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p> «Ich werde mich bestehlen ...» «... um an Arbeitslose zu spenden.»]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png" /><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Spekulation stürzt Entwicklungsländer in tiefe Krisen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/spekulation-stuerzt-entwicklungslaender-in-tiefe-krisen/</link>
					<pubDate>Sun, 24 May 2026 08:00:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=701713</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="200" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_11654604_XL-Kinder-Uganda-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Depositphotos_11654604_XL Kinder Uganda" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_11654604_XL-Kinder-Uganda-300x200.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_11654604_XL-Kinder-Uganda-1024x683.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_11654604_XL-Kinder-Uganda-768x512.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_11654604_XL-Kinder-Uganda-1536x1024.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Depositphotos_11654604_XL-Kinder-Uganda-2048x1365.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Der Abfluss von Geldern aus armen Ländern übertrifft die Entwicklungshilfe um mehr als das Doppelte.  ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>«Spekulative Kapitalströme, die ungebremst um den Globus jagten, haben in den vergangenen Jahrzehnten ganze Kontinente in tiefe Krisen gestürzt.» «Die entfesselten Finanzmärkte haben mehr Verwüstung als Fortschritt verursacht». &nbsp;Unerbittlich urteilt Patrick Kaczmarczyk in seinem Buch <a href="https://westendverlag.de/Zerfall-der-Weltordnung/2373" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Zerfall der Weltordnung»</a> über das Wirken der globalen Finanzmärkte. Doch der Verdacht, dass der Ökonom eine ideologisch radikale Streitschrift vorlegt, trifft nicht zu. Seine Kritik gründet auf faktenfundierter Analyse.</p>



<p>Der Autor legt offen, wie die Finanzmärkte agieren und reagieren, wie sich die Devisenmärkte seit der globalen Liberalisierung nach Ende des Bretton Woods-Systems der Nachkriegszeit von der Realwirtschaft entkoppelt haben und schon nach drei Tagen die Summe des weltweiten Handelsvolumens übersteigen, wie wirtschaftliche Entwicklungen und Verwerfungen im globalen Norden die Länder im globalen Süden beschädigen. &nbsp;</p>



<p><strong>Von Zinsendifferenzen und Spekulation</strong></p>



<p>Scheinbar unspektakulär geschieht es. Es geht um Zinsdifferenzen und Währungshierarchien zwischen den Ländern. Wie die Akteure auf den Finanzmärkten damit umgehen. Das mag nach selbstverständlicher makroökonomischer Mechanik aussehen. Doch die Lektüre des Buches macht klar. Es geht um Riesengewinne und Riesenverluste.&nbsp;</p>



<p>Konkret: In den Ländern des Globalen Südens liegt das Zinsniveau meist höher als im reichen Norden. Nicht überraschend geschieht, was die Lehrbuch-Ökonomie verheisst: In den reichen Ländern günstig mobilisierendes Kapital wandert in die armen Länder, wo Kapital knapp und folglich teuer ist. Das bietet attraktive Anlagechancen. Die Spekulanten lassen sich nicht lange bitten, stellt Kaczmarczyk fest. </p>



<p>Je grösser die Zins- und folglich die Gewinndifferenzen zwischen den Ländern sind, umso mehr ziehen sie die Spekulation an. Hohe Erträge locken. Noch mehr liegt drin, wenn der Kapitalstrom stark anschwillt und so die Währung im Zielland aufwertet. Zum Zinsgewinn gesellt sich ein Kursgewinn. Die Aufwertung schwächt dann zwar die dortige Realwirtschaft, doch das kümmert den ausländischen Anleger zumindest kurzfristig nicht. Er muss nur schnell zum Rückzug bereit sein, um schnellen Gewinn zu realisieren. Darin ist sich die Spekulation geübt. &nbsp;</p>



<p>Umso grösser ist der Schaden, den ausländische Anleger in Ländern des globalen Südens oft anrichten. Unter der Aufwertung der Währung leidet ihre Wettbewerbsfähigkeit. Exporte verteuern sich, Importe werden günstiger. Es kriselt, Kapitalabflüsse beschleunigen sich. Auf die Aufwertung der Währung folgt ein Absturz. Auslandsschulden zu bedienen wird schwierig. Überschuldung ist die Folge und nicht selten Zahlungsunfähigkeit.</p>



<p><strong>Gefangen in einem Teufelskreis</strong></p>



<p>«Dysfunktionale Strukturen» nennt es Kaczmarczyk. Währungshierarchien verfestigen die Ungleichheit zwischen Nord und Süd. An der Spitze der Pyramide steht der US-Dollar. Abgeschlagen zu unterst befinden sich die Währungen der Entwicklungs- und Schwellenländer. Sie sind unsicher, volatil und wenig liquide. Sie werden kaum als Zahlungsmittel akzeptiert und schon gar nicht als Wertaufbewahrungsmittel, was zu hohen Risikoprämien führt.</p>



<p>Kaczmarczyk sieht die Länder des globalen Südens in einem Teufelskreis gefangen: Sie «stehen permanent unter Druck, die heimische Währung über hohe Zinsen zu stabilisieren. Gleichzeitig macht die Abhängigkeit von kurzfristigem spekulativem Kapital die Volkswirtschaften anfällig für externe Schocks». Ein plötzlicher Stimmungsumschwung auf den internationalen Finanzmärkten reicht aus, eine Finanz- und Währungskrise auszulösen. Es bedeutet – so Kaczmarczyk – dass die wirtschaftliche Steuerung «de facto von den Zentralbanken im Norden – allen voran von der US-Notenbank – bestimmt wird.</p>



<p><strong>Finanzfluss von Süd nach Nord</strong></p>



<p>Was nach trockener Lektion in Makroökonomie tönen mag, erweist sich als Schuldendrama: «Netto zahlten die Entwicklungsländer im Jahr 2023 insgesamt 847 Milliarden US-Dollar an Zinsen. Die Zinssätze auf den internationalen Finanzmärkten waren für sie doppelt bis vierfach so hoch wie in den USA und sechs- bis zwölfmal so hoch wie für Deutschland.»</p>



<p>Die Folgen sind dramatisch. Zuerst für die staatlichen Haushalte: «54 Länder, von denen nahezu die Hälfte aus Afrika kommt, mussten über 10 Prozent ihrer Budgets für Zinszahlungen aufwenden. Noch gravierender trifft es die Menschen in den stark verschuldeten Ländern: «Ungefähr 3,3 Milliarden Menschen – und damit mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung – leben in Ländern, in denen der Staat mehr Geld für Zinsen als für Bildung und Gesundheit ausgibt.» &nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<p><strong>«Die Entwicklungshilfe ist weder Problem noch die Lösung»</strong></p>



<p>Was vermögen da die Gelder der Entwicklungshilfe? Der Autor sieht sie in mancher Hinsicht kritisch, bezeichnet sie aber als zweifellos besser als die teuren Alternativen auf dem Kapitalmarkt. Doch sie seien «kein geeigneter Hebel, um die enormen Kosten auszugleichen, die sich für die Entwicklungsländer durch die Dysfunktionalität der Kapitalmärkte ergeben.» Die Bilanz fällt tiefrot aus: «Für 2022 standen den 211 Milliarden US-Dollar, die die reichen Staaten als Entwicklungshilfe leisteten, insgesamt 443,5 Milliarden US-Dollar an Schuldendienstzahlungen gegenüber, die die Entwicklungsländer an die ausländischen Kreditgeber für die Bedienung ihrer öffentlichen Schulden aufbringen mussten.» Die Abflüsse übertreffen die Zuflüsse um mehr als das Doppelte.</p>



<p>Um den globalen Süden aus dem Teufelskreis herauszuführen fordert Kaczmarczyk eine neue Weltordnung. Die Länder des Globalen Südens bräuchten mehr finanzpolitischen Spielraum; nötig seien Eingriffe in die internationalen Kapitalmärkte wie einst im Bretton-Woods-System nach dem zweiten Weltkrieg, Massnahmen gegen spekulative Kapitalflüsse, gegen Steuervermeidungspraktiken und vieles mehr. Doch wie stehen die Chancen zur Umsetzung? Der Autor gibt sich keinen Illusionen hin, warnt aber zugleich: Auf den eigenen Vorteilen beharren und sich Reformen zu verweigern, könne sich als kurzsichtig erweisen. «Die Ordnung der Nachkriegszeit droht uns vollends um die Ohren zu fliegen». &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><strong>«Zerfall der Weltordnung»</strong></h2>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="504" height="800" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-24-um-10.40.13.png" alt="Buchcover Zerfall der Weltordnung" class="wp-image-702327" style="aspect-ratio:0.6300035156446185;object-fit:cover;width:300px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-24-um-10.40.13.png 504w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-24-um-10.40.13-189x300.png 189w" sizes="auto, (max-width: 504px) 100vw, 504px" /><figcaption class="wp-element-caption">    </figcaption></figure>



<p>«Warum gelingt es den Entwicklungsländern bis heute nicht, sich wirtschaftspolitisch zu emanzipieren, sich wenigstens teilweise abzukoppeln oder gar voll und ganz eigene Wege zu gehen?» So umschreibt Heiner Flassbeck, ehemaliger Chefökonom der Uno Organisation für Handel und Entwicklung Unctad,  im Vorwort die Leitfrage des Buches <a href="https://westendverlag.de/Zerfall-der-Weltordnung/2373" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Zerfall der Weltordnung, Die Ignoranz des Westens und der Aufstand des Globalen Südens» </a>von Patrick Kaczmarczyk. Der Autor analysiert auf 223 Seiten die globale Armut, fragt, «sind wir die Samariter der Welt?», kritisiert den «Dienst am Mammon», beschreibt die «Krise als Normalzustand» und schlägt «Grundzüge einer neuen Weltordnung» vor. Im Kapitel «Krise als Normalzustand» beschreibt er anhand der Länder Argentinien, Haiti, Kenia, Pakistan und Simbabwe exemplarisch, wie sich über lange Zeiträume Abhängigkeiten verfestigten statt reduzierten.</p>



<p>_____________________</p>



<p><em>Heiner Flassbeck, Patrick Kaczmarczyk: Zerfall der Weltordnung. Westend Verlag 2026, ca. <a href="https://www.galaxus.ch/de/s18/product/kaczmarczykzerfall-der-weltordnung-deutsch-patrick-kaczmarczyk-2026-sachbuecher-65430723?offertype=retail&amp;offerid=406802&amp;utm_source=google&amp;utm_medium=cpc&amp;utm_campaign=PMax%3A+PROD_CH_SSC_Cluster_9%28C%29&amp;campaignid=20488725263&amp;adtype=pla&amp;adgroupid=&amp;adid=&amp;dgCidg=Cj0KCQjww8rQBhDjARIsAE43KPNFXLRq8D27QtU_8Af9IjAw1nK8OQPdJ6h4rB4zg1KAS2qDci31SI8aAhqrEALw_wcB&amp;dgCidg=Cj0KCQjww8rQBhDjARIsAE43KPNFXLRq8D27QtU_8Af9IjAw1nK8OQPdJ6h4rB4zg1KAS2qDci31SI8aAhqrEALw_wcB&amp;gclsrc=aw.ds&amp;gad_source=1&amp;gad_campaignid=19965632112&amp;gbraid=0AAAAADmCc4Nf4pZCX83N3pQ9PoEBPm8Zz&amp;gclid=Cj0KCQjww8rQBhDjARIsAE43KPNFXLRq8D27QtU_8Af9IjAw1nK8OQPdJ6h4rB4zg1KAS2qDci31SI8aAhqrEALw_wcB" target="_blank" rel="noreferrer noopener">23 Franken</a> (als Taschenbuch)</em></p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>USA: Schutz von Zivilisten spielt keine Rolle mehr</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/welt/usa-schutz-von-zivilisten-spielt-keine-rolle-mehr/</link>
					<pubDate>Sun, 24 May 2026 07:03:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="200" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Shajareh_Tayyebeh_school_in_Minab_photos_from_Mehr_kleiner-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Shajareh_Tayyebeh_school_in_Minab_photos_from_Mehr_kleiner" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Shajareh_Tayyebeh_school_in_Minab_photos_from_Mehr_kleiner-300x200.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Shajareh_Tayyebeh_school_in_Minab_photos_from_Mehr_kleiner-1024x683.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Shajareh_Tayyebeh_school_in_Minab_photos_from_Mehr_kleiner-768x512.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Shajareh_Tayyebeh_school_in_Minab_photos_from_Mehr_kleiner-1536x1024.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Shajareh_Tayyebeh_school_in_Minab_photos_from_Mehr_kleiner.jpg 1792w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Das Pentagon kürzt still und leise das Programm zum Schutz ziviler Kriegsopfer. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Die USA haben ihr Programm zum Schutz von Zivilpersonen im Krieg still und leise abgeschafft. So gut wie, zumindest. Was 2022 unter Präsident Joe Biden nach den verheerenden Erfahrungen in Afghanistan, Syrien und im Irak als Reformprojekt begann, existiert heute nur noch dem Namen nach.</p>



<p>Das Programm «Civilian Harm Mitigation and Response» (CHMR) sollte zivile Opfer bei US-Militäreinsätzen vermeiden, problematische Angriffe überprüfen und aus Fehlern lernen. Es war eine direkte Reaktion auf zahlreiche Fälle, in denen US-Streitkräfte in Syrien, Afghanistan oder Somalia Krankenhäuser, Moscheen, Schulen oder andere Schutzräume bombardiert hatten. Menschenrechtsorganisationen und Teile des Militärs hatten jahrelang Reformen gefordert.</p>



<p>Heute existiert CHMR offenbar nur noch auf dem Papier. Wie der <a href="https://www.theguardian.com/us-news/2026/may/15/pentagon-civilian-death-program" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Guardian»</a> und <a href="https://www.propublica.org/article/trump-defense-department-iran-hegseth-civilian-casualties" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«ProPublica»</a> berichten, verfügt die Stelle inzwischen kaum noch über <a href="https://media.defense.gov/2026/May/14/2003930527/-1/-1/1/DOWIG-2026-084_REDACTED%20SECURE.PDF">Budget, hat kein nennenswertes Personal mehr und kaum noch funktionierende Infrastruktur</a>. Regelmässige Treffen finden nicht mehr statt, Datensysteme wurden weitgehend eingestellt. Was als Programm mit einem Budget von sieben Millionen Dollar und erfahrenem Personal begann, ist damit faktisch eingestellt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Juristen als «Hindernisse»</h2>



<p>Nur einen Monat nach seinem Amtsantritt ging Pete Hegseth ans Werk und entliess die obersten Militärjuristen der US-Streitkräfte, die sogenannten Judge Advocate Generals (JAGs). Diese überwachen normalerweise, ob Militäroperationen mit amerikanischem und internationalem Recht vereinbar sind. Hegseth bezeichnete sie öffentlich als «Hindernisse» (Roadblocks). Er strich Budgets zusammen und entliess Mitarbeiter. Ende Februar 2025 war die Abteilung für zivile Schadensbegrenzung laut ehemaligen Mitarbeitern so gut wie aufgelöst.</p>



<p>«Meiner Einschätzung nach haben sie nur den Anschein einer Behörde aufrechterhalten, weil Hegseth wegen illegaler Machenschaften unter Beschuss stand», sagt der ehemalige Air-Force-Offizier Wes J. Bryant, der das Programm zur Bewertung ziviler Schäden mit aufgebaut hatte, gegenüber dem «Guardian».</p>



<p>Bryant war im März 2025 beurlaubt worden, nachdem er öffentlich Kritik an den Kürzungen geäussert hatte. Im September trat er endgültig zurück. Seither warnt der Veteran offen vor einer Erosion militärischer Professionalität und rechtsstaatlicher Standards unter «Kriegsminister» Pete Hegseth.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Abschreckung durch maximale Härte statt internationales Recht</h2>



<p>Statt internationaler Rechtsordnung scheint Hegseth, der das Verteidigungsministerium in «Kriegsministerium» umbenannte, eher auf «Viel Feind, viel Ehr» zu setzen. Das US-Militär soll Angst und Schrecken verbreiten. Niemand soll sich sicher fühlen, nirgendwo.</p>



<p>Eine kurzsichtige und dumme Einstellung, sagen Fachleute, auch solche aus dem US-Militär. Jeder unschuldige Tote produziere zehn neue Feinde &#8211; so formuliert es der pensionierte General Stanley McChrystal, ehemaliger Kommandeur der US- und Nato-Truppen in Afghanistan, gegenüber «ProPublica».</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="67" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gold.png" alt="Spendenbalken gold" class="wp-image-699993" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gold.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gold-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-gold-768x51.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>



<p></p>



<p>Andererseits: Es halten sich ja auch andere längst nicht mehr daran. Russland in der Ukraine nicht, Israel in Gaza nicht, die Konfliktparteien im Kongo nicht. Die USA waren nach dem Zweiten Weltkrieg wesentlich daran beteiligt, internationale Regeln zum Schutz von Zivilisten aufzustellen. Die Vorstellung, dass Zivilpersonen im Krieg besonders geschützt werden müssten, gerät ausgerechnet dort in Vergessenheit.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Tote in Minab hätten verhindert werden können</h2>



<p>Wie gravierend die Folgen sein können, zeigt die Bombardierung einer Schule im Iran. Am ersten Tag des US-Angriffs auf Iran bombardierten die USA eine Schule in <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/2026_Minab_school_attack">Minab</a>, 156 Menschen starben, der Grossteil davon Kinder. Dass es sich um Bomben der USA handelte, gilt als sehr wahrscheinlich, auch wenn US-Präsident Donald Trump den Angriff dem Gegner zuschrieb.</p>



<p>In einem funktionierenden Schutzprogramm wären bereits Monate zuvor Vorbereitungen für einen möglichen Angriff auf Iran getroffen worden, skizziert «ProPublica» unter Bezug auf Fachleute. Die getroffene Schule liegt nahe an einem Marinestützpunkt, zu dem das Gebäude einst gehörte. Seit 2013 sei es als Schule markiert und hätte in einem Schutzprogramm frühzeitig auf eine sogenannte «No-Strike-Liste» gesetzt werden müssen.</p>



<p>Ob die Schule auf einer solchen Liste stand, ist eine noch offene Frage. UN-Menschenrechtsexperten <a href="https://www.ohchr.org/en/press-releases/2026/03/un-experts-strongly-condemn-deadly-missile-strike-girls-school-iran-call">forderten inzwischen Untersuchungen</a> wegen möglicher Verstösse gegen das humanitäre Völkerrecht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mehr als politische Symbolik</h2>



<p>Programme wie CHMR müssten Teil einer fortlaufenden Anstrengung sein, sagt Byrant. Die spontane Reaktion aller Kommandostellen auf Kritik laute immer: «Nein, wir haben keine Zivilisten getötet.» Alles andere gerate ins Wanken, wenn man diese Kultur einer höheren Toleranz gegenüber zivilen Opfern habe, warnt er.</p>



<p>Es sei schwer mitanzusehen, wie ein Kommandeur der Spezialeinheiten und Befürworter von CHMR einen umstrittenen «Double-Tap»-Angriff auf ein mutmassliches Drogenboot vor Venezuela verteidige, beschreibt er. Überlebende eines ersten Angriffs wurden bei einem Folgeangriff getötet. Solche Doppelangriffe verstossen gegen das Kriegsrecht.</p>



<p>Der «Guardian» weist darauf hin, dass die USA rechtlich verpflichtet sind, Anstrengungen zur Vermeidung ziviler Opfer zu unternehmen. Programme wie CHMR seien deshalb nicht bloss politische Symbolik, sondern Teil internationaler Verpflichtungen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/ein-weiterer-sargnagel-fuer-das-voelkerrecht/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ein weiterer Sargnagel für das Völkerrecht</a> – Infosperber am 3. Dezember 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/die-usa-tun-sich-schwer-mit-der-kriegsopferentschaedigung/">Die USA tun sich schwer mit der Kriegsopferentschädigung</a> – Infosperber am 2. September 2020</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/7cbf8dc962ab4e06923a30d0239b0b3d" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>kontertext: Staub – kaum etwas, mehr als nichts (1)</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/kontertext-staub-kaum-etwas-mehr-als-nichts-1/</link>
					<pubDate>Sun, 24 May 2026 06:24:33 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=701537</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="150" height="150" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/02/mm_mg_1793b_sw_web-e1643987299585.jpg"/></p>Inbegriff der Zerstreuung, Bote der Entropie, weltgrösster Migrant und Befruchter: Staub ist fast nichts und tut unabsehbar vieles.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Er lagert unter der Kommode und im Kissen. Zwischen Tischbeinen plustert er sich auf. Ich atme ihn ein, kehre ihn zusammen, blase ihn vom Schnitt der Bücher. Meine Schritte wirbeln ihn auf. Er nährt sich von allem, was abfällt von mir. Er zeugt ebenso von meiner pri­vaten Hygiene wie von der Frühzeit des Sonnensystems. Über dem Horizont färbt er den Abendhimmel rot, im Sternbild Orion bildet er eine Dunkelwolke in Gestalt eines Pferdekopfs. Wenn Winde über der Sahara ihn verfrachten, düngt er das ozeanische Leben im grossen Stil. Er bestäubt Blüten, beherbergt Mikroorganismen und streut das Licht, so dass ich auch im Schatten etwas sehen kann. Schenke ich Schaumwein aus, lässt er im Glas die Perlage entstehen: Mikrosko­pisch kleine Teilchen bilden Kondensationspunkte für Kohlensäure­bläschen. Fehlte der Staub in der Atmosphäre, wäre an Sonnentagen der Himmel ein schwarz-violetter Baldachin, aus dem kalt und ohne jede Milde das Licht zur Erde herabstürzte. Ohne sein Zutun gäbe es auch keinen Niederschlag, den die Vegetation nicht entbehren kann – Wasserdampf braucht kleine, fein verteilte Partikel, um in der Luft Regen­tropfen zu bilden.</p>



<p>Ein blosses Stubengeschöpf ist er also nicht, Inbegriff der Welten­bummlerei vielmehr. Doch auch warten kann er mit einer Engelsge­duld. Als Schwebestaat im All verkörpert er kosmisches Stehvermö­gen, als Mitbewohner hinter Mauern Zeit und Entropie. Inzwischen hat die Wissenschaft erwiesen, was schon in den heiligen Schriften steht: Menschliche Körper sind aus seiner Urform gefügt. Nach der Explosion von Himmelskörpern schwebte er als Sternenstaub heran, lange bevor der Sapiens ihm Namen gab, bunt gestreut zwischen weiblichen und männlichen Formen: la poussière, a poeira, the dust, el polvo, la polvere…</p>



<p><strong>Im Grossen und im Kleinen</strong></p>



<p>Die Rede ist also von einer Doppelnatur. Staub tanzt graziös in der Lichtbahn und ist doch ein Problemgast im Haus. Er ist Nomade und Sitzgott zu gleichen Teilen. Er stammt aus meiner Haut, von meinen Kleidern, aus der trockenen Erde, vom Sägewerk, aus Verbrennungs­prozessen, Blüten und den Schloten aktiver Vulkane. Pausenlos be­schäftigt er im menschlichen Körper die Schleimhäute und das Flim­merepithel. Im Freien vagabundiert er ziellos umher. Fehlt aber die Drift, mehrt er sich an Ort und Stelle – in seinen Partikeln unnah­bar klein, doch unfassbar gross in seiner Verbreitung.</p>



<p>Nur die feinsten Waagennadeln regen sich unter ihm, häufte man aber seine sämtlichen Partikel auf, käme ein Weltgewicht zusammen. Und gelänge es einmal, ihn zum Erzähler zu machen (was die Forensik er­folgreich tut), entstünde ein Epos von Nähe und Ferne, eine Dialektik zwischen dem Sichtbaren und dem Verborgenen von der Vorzeit bis in fernste Zukünfte hinaus. Was immer den Lebenden widerfahren mag, er bleibt.</p>



<p>Staub, mobile Materie, das scheinbar Unscheinbarste auf dieser Welt, ist ein immenses Archiv nicht nur der menschlichen, sondern auch der Naturgeschichte. In Bohrkernen aus dem ewigen Eis erzählt er von Wetter, Vegetation und grossen Bränden. Zugleich hilft er, Er­zähltes festzuhalten und zu überliefern: Wenn dieser Text nicht auf Bildschirmen erschiene, wäre er buchstäblich mit Staub geschrieben, denn seit es Papier gibt, tut jede Schrifttechnik dasselbe: Sie bringt Pigmente auf eine neutrale Unterlage, um Zeichen haltbar zu machen. Gedrucktes und Geschriebenes besteht aus fixiertem Staub.</p>



<p><strong>Ein nicht ungefährlicher Kulturfolger</strong></p>



<p>In menschlichen Behausungen ist Staub nicht nur ein Champion der Aufplusterung, sondern auch ein Gefahrenherd. Er beherbergt Erre­ger und entlässt sie in die Luft. Doch nicht nur seine Fracht kann ge­fährlich werden, auch er selbst, wenn er ins Körperinnere dringt – je feiner er ist, desto bedrohlicher seine Wirkung auf den Organismus. Dies zeigen die Milzbrand auslösenden Anthraxsporen.</p>



<p>Feinstaub ist ein Kulturfolger. Die Industrialisierung befeuerte seine Konjunktur, der Gebrauch fossiler Brennstoffe hat ihn weiter verviel­fältigt. Sein Werdegang ist «weitgehend eine Geschichte des Feuers», wie der Chemiker und Philosoph Jens Soentgen in seinem kundigen Portrait dieses Unentwegten<a href="#_ftn1" id="_ftnref1">[1]</a> schreibt. Inzwischen sind die Dunst­hauben über den Megacities aus dem All zu sehen – aus medizinischer Sicht ein eskalierendes Problem.</p>



<p><strong>Der Schwebestaat</strong></p>



<p>Allen, die den Klassismus beklagen, sei versichert: Er macht zwischen Hütten und Palästen keinen Unterschied. Als Meldeläufer des Zerfalls kann er auf jede Distinktion verzichten. Man mag ihn als graue Emi­nenz des Seins sehen, aber er lässt sich zwanglos in die Niederungen des Alltags herab, um mit Schmutz und Abschaum zu kohabitieren. Schon früh hat die Bibel ihn zum Symbol für Unreinheit und Nieder­gang erklärt. Dabei ist er nicht nur dort zu finden, wo die Dinge sich auflösen und enden, sondern ebenso am Beginn – auch diese Dichoto­mie hält das Buch der Bücher fest. In der Kinderstube des Kosmos, als alles wüst, leer und dunkel war, hat erste Materie sich an seinem Schwebestaat angelagert, um die allmähliche Verfestigung des Stoffli­chen in der Schwerelosigkeit zu proben – so lange, bis aus Körnern und Keimen Sterne und Galaxien geworden waren. Der Satz: «Aus Staub bist du, zu Staub wirst du» gilt für den Menschen wie für alle Materie.</p>



<p><strong>Schwade und Korn</strong></p>



<p>Von welch multiplem Schaden und Nutzen er sein kann, wurde hier nur in Grundzügen dargelegt. Fast packender scheint aber seine Unfassbarkeit: Kein taugliches Mass ist auf ihn geeicht. Was hat er auf der Waage oder im Messbecher verloren? Was wäre eine «Portion Staub»? Nur Milben würden danach fragen, weil sie sich von ihm er­nähren.</p>



<p>Weil er bald so, bald so beschaffen ist, sind es auch die Begriffe, die ihn fassen sollen. «Schwade» und «Korn» sind Statthalter des Unge­fähren. Ein Blick durchs Mikroskop zeigt fasrige, verästelte, runde, stachlige und gedellte Körper und dazwischen Kleinlebewesen. Soll ich eine Handvoll aus seiner Totale herausgreifen, eine Prise, ein Jota, ein Gran?</p>



<p>Er liegt als Schicht, dreht sich als Locke, zieht Fäden oder bauscht sich zur Fluse. Er wirbelt, treibt und wabert. Müsste er aber nicht eigentlich nur stieben?</p>



<p>Auch für sein Schweben findet sich kein einendes Wort: Schwade, Wolke, Nebel oder Schleier fassen je eine Eigenschaft, aber der Begriff, der all diese Zustände abdeckte, ist noch nicht erfunden. Und so wüsste ich nicht zu sagen, was seine genuine Erscheinungsform ist – die Wollmaus vielleicht?</p>



<p>Wenn Sonnenstrahlen schräg ins Zimmer fallen, ist vor dunklem Hin­tergrund sein Gefunkel zu sehen, doch der Eindruck von Stillstand täuscht: Der dienstälteste Migrant der Geschichte ist in seinen Wegen so wirr wie die Konvektionsströme, auf denen er reitet. Er zählt zum Unverfügbaren<a href="#_ftn2" id="_ftnref2">[2]</a>, taucht auf, verschwindet, düpiert Soll und Haben. Minimale Kräfte bewegen ihn. Obwohl an der Passivität, mit der er Zeiten überdauert und Strömungen folgt, etwas Buddhistisches ist, hat noch keine Lehre ihn erfolgreich vor ihren Karren gespannt.</p>



<p><strong>Geist der Anarchie</strong></p>



<p>Auch in der dinglichen Welt fällt es nicht leicht, ihn nutzbar zu ma­chen. Als Pigment bringt er eine breite Palette von Farben hervor. In der Kriminalistik erlaubt er Rückschlüsse auf den Intimbereich des Lebens. Er düngt und bestäubt unverlangt und nach eigener Regel. Das Wimmeln seiner Partikel düpiert jede Vorhersage. Er lässt sich treiben, überfliegt Grenzen, durchdringt Filter. Er lebt den Geist der Anarchie.</p>



<p>Ja, er macht krank und bringt Parasiten ins Archiv. Ja, er stört elektrische Kon­takte und verstopft Lüftungsschächte. Ja, im Buch der Prediger ist er Abgesandter des Todes und Vanitas-Motiv. Doch je länger ich ihn be­trachte, diesen Himmelsmaler, Düngevirtuosen und Alveolenschreck, desto unnahbarer wirkt sein Grau, wenn ich mit unförmigen Saug­vorrichtungen versuche, ihn aus meinem Lebenskreis zu verbannen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p>___________________<br><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Soentgen, Jens, Staub. dtv, München 2022<br><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Rosa, Hartmut, Unverfügbarkeit. Suhrkamp 2020</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. <em>Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe von Autorinnen und Autoren. Sie reflektiert Diskurse der Politik und der Kultur, greift Beiträge aus Medien kritisch auf und pflegt die Kunst des Essays. Zurzeit schreiben regelmässig Silvia Henke, Mathias Knauer, Michel Mettler, Felix Schneider und Beat Sterchi.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Hör auf damit!» «Mit den Demütigungen?» «Mit den Videos!!!»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/hoer-auf-damit-mit-den-demuetigungen-mit-den-videos/</link>
					<pubDate>Sun, 24 May 2026 06:23:49 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=702267</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="181" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Screenshot-2026-05-23-at-17-29-43-1-Facebook-300x181.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach Screenshot 2026-05-23 at 17-29-43 (1) Facebook" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Screenshot-2026-05-23-at-17-29-43-1-Facebook-300x181.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Screenshot-2026-05-23-at-17-29-43-1-Facebook-1024x617.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Screenshot-2026-05-23-at-17-29-43-1-Facebook-768x463.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-Screenshot-2026-05-23-at-17-29-43-1-Facebook.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir demütigt Mitglieder der zivilen Hilfsflotte. Benjamin Netanjahu ist verärgert.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




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]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Dramatische Rettungsmission aus Gaza unter Kriegsbedingungen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/welt/dramatische-rettungsmission-aus-gaza-unter-kriegsbedingungen/</link>
					<pubDate>Sat, 23 May 2026 08:00:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Palaestinenser-ergeben-sich-1948-in-der-Stadt-Ramle-den-israelischen-Streitkraeften-Wikimedia-Commons-e1779029506564-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Palästinenser ergeben sich 1948 in der Stadt Ramle den israelischen Streitkräften Wikimedia Commons" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Palaestinenser-ergeben-sich-1948-in-der-Stadt-Ramle-den-israelischen-Streitkraeften-Wikimedia-Commons-e1779029506564-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Palaestinenser-ergeben-sich-1948-in-der-Stadt-Ramle-den-israelischen-Streitkraeften-Wikimedia-Commons-e1779029506564.png 670w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die UNRWA schaffte Archive der Palästinenser ausser Land, um deren kollektive Erinnerung und politische Ansprüche zu wahren.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Die Archiv-Dokumente haben eine strategische Bedeutung, schrieb der «Guardian» und dokumentierte eine aussergewöhnliche, teils geheime Rettungsaktion des UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA), bei der über zehn Monate hinweg ein riesiges Archiv zur palästinensischen Flüchtlingsgeschichte aus Gaza und Ostjerusalem in Sicherheit gebracht wurde.</p>



<p>Im Folgenden fassen wir den «Guardian»-Bericht zusammen.</p>



<p>Was geografisch wie eine kurze Strecke erscheint – von Ostjerusalem nach Amman –, wurde 2024 zu einem hochriskanten Unterfangen. Die Rettung der Archive erforderte verdeckte Operationen über mehrere Länder hinweg, Transporte unter Bombenbeschuss sowie diplomatisches und logistisches Improvisieren. Mitarbeitende schmuggelten Dokumente in «unmarkierten Umschlägen» über Grenzen, während andere Bestände per Militärflugzeug ausgeflogen wurden.</p>



<p>Besonders kritisch war die Lage in Gaza: Kurz nach Beginn der israelischen Offensive mussten internationale UNRWA-Mitarbeitende das Gelände in Gaza-Stadt verlassen und konnten die Archive nicht mitnehmen. Zurück blieb ein riesiger Bestand historischer Dokumente – akut bedroht durch Luftangriffe oder mögliche Beschlagnahmung.</p>



<p>Ein UNRWA-Vertreter sagte: «Es bestand ein echtes Risiko, dass die Israelis sie zerstören oder dass sie einfach durch Feuer oder Explosion vernichtet werden.»</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Historischer Schatz mit politischer Sprengkraft</strong></h2>



<p>Die Archive enthalten unter anderem originale Registrierungsunterlagen palästinensischer Flüchtlinge von 1948, sowie Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden über Generationen hinweg. Sie dokumentieren Flucht, Vertreibung und Besitzverhältnisse – und sind damit zentral für jede mögliche spätere Klärung von Rückkehr- oder Eigentumsansprüchen.</p>



<p>Roger Hearn, der die Operation leitete, erklärt die Tragweite gegenüber dem «Guardian»: «Ihre Zerstörung wäre katastrophal gewesen. […] Das ist die einzige Evidenz, mit der Menschen zeigen können, dass einst Palästinenser an einem bestimmten Ort lebten.»</p>



<p><a href="https://www.sciencespo.fr/ceri/en/directory/filiu-jean-pierre/">Jean-Pierre Filiu</a>&nbsp;Professor für Internationale Beziehungen in Paris, nennt die Dokumente «entscheidend für die palästinensische Erfahrung», da sie detailliert festhalten, «wie Menschen 1948 zur Flucht gezwungen wurden, woher sie kamen und was zerstört wurde».</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Politische Spannungen und gezielte Bedrohung</strong></h2>



<p>Die Rettung fand vor dem Hintergrund massiver Spannungen zwischen Israel und der UNRWA statt. Israel wirft der Organisation seit Jahren vor, den Flüchtlingsstatus über Generationen hinweg zu verewigen und anti-israelische Inhalte zu verbreiten. Nach dem Hamas-Angriff 2023 beschuldigte Israel einzelne UNRWA-Mitarbeiter der Beteiligung.</p>



<p>Parallel verschärfte sich der Druck auf UNRWA-Einrichtungen, insbesondere in Ostjerusalem: Proteste, Brandanschläge und politische Initiativen zur Vertreibung der Organisation. «Wir hatten monatelang Warnungen, dass wir den Zugang verlieren würden», so ein UNRWA-Vertreter.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Verdeckter Abtransport und internationale Logistik</strong></h2>



<p>In Gaza transportierten kleine Teams unter Lebensgefahr die Archiv-Dokumente in mehreren Fahrten nach Rafah. Da Ägypten eine Ausfuhr nur mit israelischer Zustimmung erlaubt hätte – was als zu riskant galt –, wurden die Unterlagen heimlich durch UNRWA-Mitarbeitende mit ausländischen Pässen nach Ägypten gebracht. «Wenn jemand kontrolliert wurde, sagte er einfach, er habe Papier dabei», beschreibt ein Beteiligter die improvisierte Tarnung.</p>



<p>Anschliessend wurden die Dokumente in Ägypten gesammelt und mithilfe des jordanischen Militärs nach Amman geflogen – teils nur wenige Tage vor dem Einmarsch israelischer Truppen in Rafah, der den Fluchtweg endgültig geschlossen hätte.</p>



<p>Parallel dazu wurden unter Zeitdruck auch die Archive in Ostjerusalem heimlich ausgelagert, nachdem diplomatische Lösungen gescheitert waren. Anfang 2025 verbot Israel der UNRWA die Tätigkeit in Israel und den besetzten Gebieten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="746" height="448" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/In-its-first-year-UNRWA-opened-93-schools-across-the-region-with-some-35000-students.-Some-as-in-this-picture-from-a-boys-school-in-Jalazone-refugee-camp-in-the-West-Bank-were-mere-schools-jpg-e1779029714570.png" alt="In its first year, UNRWA opened 93 schools across the region with some 35,000 students. Some, as in this picture from a boys’ school in Jalazone refugee camp in the West Bank, were mere schools jpg" class="wp-image-700873" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/In-its-first-year-UNRWA-opened-93-schools-across-the-region-with-some-35000-students.-Some-as-in-this-picture-from-a-boys-school-in-Jalazone-refugee-camp-in-the-West-Bank-were-mere-schools-jpg-e1779029714570.png 746w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/In-its-first-year-UNRWA-opened-93-schools-across-the-region-with-some-35000-students.-Some-as-in-this-picture-from-a-boys-school-in-Jalazone-refugee-camp-in-the-West-Bank-were-mere-schools-jpg-e1779029714570-300x180.png 300w" sizes="auto, (max-width: 746px) 100vw, 746px" /><figcaption class="wp-element-caption">1948 eröffnete die UNRWA im Westjordanland 93 Schulen, viele im Freien.</figcaption></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Digitalisierung als Sicherung für die Zukunft</strong></h2>



<p>In Amman begann eine gross angelegte Digitalisierung: Über fünfzig Mitarbeitende scannten in beengten Räumen Millionen Dokumente. Rund dreissig Millionen Dateien sind bereits erfasst. Ziel ist es, palästinensischen Flüchtlingen künftig vollständige Familienregister zur Verfügung zu stellen und die Vertreibungsmuster von 1948 kartografisch aufzuarbeiten.</p>



<p>Über den Stellenwert der Archiv-Dokumente sagte Historikerin&nbsp;<a href="https://www.anneirfan.com/">Anne Irfan</a>&nbsp;gegenüber dem «Guardian»: «Die Palästinenser sind staatenlos und haben kein einheitliches nationales Archiv. […] Deshalb hat das UNRWA-Archiv eine besondere Bedeutung.»</p>



<p>Gleichzeitig eröffnen die digitalisierten Bestände neue Forschungsmöglichkeiten zur Geschichte des Nahostkonflikts – einer «hoch umstrittenen Geschichte», die laut Irfan «sehr reale Auswirkungen auf die Gegenwart» habe.</p>



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														</item>
							<item>
					<title>Bischöfe für Chur und Vaduz gesucht</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/ethnien-religionen/bischoefe-fuer-chur-und-vaduz-gesucht/</link>
					<pubDate>Sat, 23 May 2026 07:00:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-20-um-11.18.31-e1779275171790-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Bistum Chur" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-20-um-11.18.31-e1779275171790-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-20-um-11.18.31-e1779275171790-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-20-um-11.18.31-e1779275171790-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-20-um-11.18.31-e1779275171790-1536x922.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-20-um-11.18.31-e1779275171790.png 1790w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Wer wird neuer Weihbischof in Chur, wer Erzbischof von Vaduz? Der Kleriker mit der steilsten und schillerndsten Karriere winkt ab. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Am letzten Mai-Sonntag lädt der Churer Bischof Joseph Bonnemain zu einem «Fest des Glaubens, der Begegnung und des Engagements» in die Zürcher Bahnhofshalle ein. Der mediengewandte Oberhirte scheut weder Aufwand noch Kosten, mit einem grossen «Begegnungstag» sich und sein Bistum am öffentlich-urbanen Brennpunkt zu präsentieren. Hat die seit Jahrzehnten problematischste Diözese der Schweiz Grund zum Feiern? Das Bistum scheint befriedet, das aktuelle Personal auf Linie. Doch die Spaltung im Klerus besteht weiter. Das Priesterseminar verzeichnet einen historischen Tiefstand an Kandidaten. Ebenso fehlt es an geeigneten Bischofskandidaten. Der Bischof selbst ist betagt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="569" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-20-um-11.17.01-1024x569.png" alt="Bistum Chur" class="wp-image-701495" style="aspect-ratio:1.79966853414305;width:616px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-20-um-11.17.01-1024x569.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-20-um-11.17.01-300x167.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-20-um-11.17.01-768x427.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-20-um-11.17.01-1536x854.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-20-um-11.17.01-800x445.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-20-um-11.17.01.png 1912w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Churer Bischof Joseph Bonnemain: Bald 78 und noch im Amt, auf der Suche nach seinem Nachfolger.</figcaption></figure>



<p>Joseph Bonnemain wird am 26. Juli 78 Jahre alt. Im Prinzip ist seine Amtszeit bereits am 19. März abgelaufen. Rom hatte ihn im März 2021 für mindestens fünf Jahre zum Bischof ernannt. Er rechnet jedoch damit, noch bis zu seinem 80. Geburtstag, also noch gute zwei Jahre, im Amt zu bleiben. Wer wird dann dem aus Katalonien stammenden Opus-Dei-Bischof nachfolgen? Schon im letzten Sommer hatte Bonnemain in Rom einen oder zwei Weihbischöfe erbeten. Inzwischen hat Leo XIV. einen neuen Weihbischof für das Bistum Chur genehmigt. Auf Anfrage sagt Bonnemain, er halte es für möglich, dass der Papst einen Weihbischof bis im Sommer ernennen könnte. Dies aufgrund einer Dreierliste, die ihm Bonnemain unterbreitet hatte. Welche Kleriker kämen als Weihbischof in Frage? In der Regel sind Priester der Bistumsleitung die chancenreichsten: Die General- und Bischofsvikare, in zweiter Linie auch die 24 Domherren, die im Bistum Chur das Privileg haben, den Bischof aus einer römischen Dreierliste zu wählen, nicht aber den Weihbischof.</p>



<p><strong>Der rätselhafte Aufsteiger</strong></p>



<p>In der aktuellen Churer Bistumsleitung zieht ein von aussen kommender Priester mit steiler Blitzkarriere intern alle Blicke auf sich: Jochen Folz, ein Deutscher aus Friedrichshafen, 55 Jahre alt, offiziell wohnhaft in Liechtenstein. Bonnemain hatte den hierzulande unbekannten Kirchenmann 2023 überraschend zum Bischofsvikar für die kirchlichen Stiftungen und zum Moderator Curiae ernannt, also zur Nummer Zwei des Bistums. Am 7. Juni nun wird er den Priester vom Bodensee ebenso überraschend ins Churer Domkapitel aufnehmen. Was hat Bonnemain vor mit dem rätselhaften Aufsteiger? Soll er als effizienter Fachmann in Wirtschaftsrecht das Bistum auf tragende Füsse stellen? Wird er Churer Weihbischof oder später gar regulärer Bischof von Chur? Oder vielleicht Erzbischof von Vaduz?</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="617" height="338" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-20-um-22.28.27.png" alt="Bistum Chur" class="wp-image-701659" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-20-um-22.28.27.png 617w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-20-um-22.28.27-300x164.png 300w" sizes="auto, (max-width: 617px) 100vw, 617px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jochen Folz, Bischofsvikar und Moderator Curieae im Bistum Chur</figcaption></figure>



<p>Welche Funktion Folz auch immer übernimmt, man wird in ihm einen Ziehsohn der Reizfigur Wolfgang Haas sehen. Hatte sich doch der Deutsche nicht in seinem Heimatbistum zum Priester weihen lassen, sondern 2002 von Erzbischof Haas in Vaduz. Es zog ihn dann zurück nach Deutschland, wo er die Laufbahn eines Militärdekans einschlug, Militär-und Hochschulseelsorger der Bundeswehr wurde, an deren Universität in München Ethik dozierte und Seelsorge-Einsätze in Afghanistan oder im Kosovo versah. Insgesamt macht Dr. theol Jochen Folz, der in Chicago an einer päpstlichen Fakultät promoviert hat, weniger durch seine theologischen Positionen von sich reden, sondern durch sein Faible für Ehrungen und Luxus. Meist im grossen BMW unterwegs, ist der Priester mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr in Silber dekoriert und dem geistlichen Abzeichen des Deutschen Ordens, der in der Tradition der Ritterorden aus der Kreuzzugszeit steht.</p>



<p><strong>Nur zwei Jahre Dompfarrer in Vaduz</strong></p>



<p>Als Folz 2017 nach Liechtenstein zurückkehrte und von Erzbischof Wolfgang Haas am 3. Dezember zum neuen Dompfarrer eingesetzt wurde, war die Feier in der Kathedrale St. Florin an Prominenz bis hinauf zur Fürstenfamilie kaum zu überbieten. «Ich komme, um zu bleiben!», versprach er, liess alsbald das Pfarrhaus mit den edelsten Materialien renovieren, um sich nach nicht einmal zwei Jahren wieder zu verabschieden, offenbar im Streit mit Vorgesetzen und Mitarbeitern. Im Ländle absolvierte der Priester dann ein Studium für Wirtschaftsrecht mit Schwerpunkt Stiftungen und Gesellschaften, worauf ihn der Churer Bischof Bonnemain 2023 in seinen stark fluktuierenden engsten Mitarbeiterstab aufnahm. Als Nachfolger des früheren umstrittenen Martin Grichting ist er als Bischofsvikar für die kirchlichen Stiftungen im Bistum Chur zuständig, etwa für den St. Johannes-Stift, die Sir Oliver Duncan Stiftung oder Kapellstiftung St. Wendelin.</p>



<p><strong>Renommierte Stiftungen, exklusive Immobilien</strong><strong></strong></p>



<p>Auffallend ist jedoch, dass er auch im Ländle in zahlreichen, nicht-kirchlichen Stiftungen Einsitz hat und in Vaduz wohnhaft blieb – dank Beziehungen zu wohlhabenden alten Frauen stets an bester Adresse: Zunächst in einer Liegenschaft am Kartennaweg der Familie Hermann und Christel Wille, die ihn in den Stiftungsrat ihrer gemeinnützigen Stiftung Pro Pauperibus aufnahm. Dann bezog Folz eine Luxus-Wohnung im Active Energy Building der Familie Marxer. Die futuristische Prestigeimmobilie am Gerberweg sorgt in Architektenkreisen weltweit für Schlagzeilen und mischt das Stadtbild von Vaduz gehörig auf.</p>



<p>Gerade erst ist Folz in eine andere repräsentative Immobilie mitten in Vaduz umgezogen, in den letztes Jahr fertiggestellten Neubau Heiligkreuz 38. Eigentümerin ist die traditionsreiche Stiftung Fürstlicher Hofkaplan Alfons Feger. Den Stiftungsrat präsidiert seit kurzem Jochen Folz höchst persönlich. Zweites Mitglied ist Brigitta Feger, bisher die zentrale Figur der Stiftung und eine bekannte Anwältin und Treuhänderin im Ländle. Die 84-jährige Witwe hat Folz in zahlreiche andere Treuhandfirmen, Unternehmen und Stiftungen ebenfalls mit Sitz Heiligkreuz 38 gehievt &#8211; so in das Treuhandunternehmen Carefid Trust, in die Bauinvest Anstalt, in die Privilege Foundation mit Schwerpunkt «Betreiben von Fondsmanagement», oder in die renommierte gemeinnützige International Music and Art Foundation, in deren Stiftungsrat etwa die berühmte Kunstsammler-Familie Feilchenfeldt vertreten ist.</p>



<p><strong>Ein Secondo im Banne von Fatima</strong></p>



<p>Könnte Folz als Deutscher überhaupt (Weih-)Bischof von Chur werden? «In der katholischen Kirche gibt es keine Ausländer», sagt Bonnemain, und im Bistum Chur keine Bestimmungen, die den Radius der Bischofsernennung einschränken würden. Folz indessen erklärt, er halte es für völlig unwahrscheinlich, Churer Weihbischof zu werden. Es sei in der jetzigen Situation wirklich von entscheidender Bedeutung, einen im Bistum seit langem verwurzelten Kandidaten zu ernennen. </p>



<p>So muss der Blick auch auf die drei Generalvikare der Churer Bistumsleitung fallen, auf Luis Varandas (Zürich), Peter Camenzind (Graubünden) und Bernhard Willi (Urschweiz). Alle gelten sie als schwache und wenig profilierte Priester im Schatten des gewandten Bischofs Bonnemain. Dennoch kann einer von ihnen Weihbischof werden. Am häufigsten genannt wird der portugiesische Secondo Luis Varandas, mit dem Bonnemain an Zürichs Schienhutgasse in einer ibero-katholischen Wohngemeinschaft lebt. Macht Varandas öffentlich von sich reden, dann nicht mit theologischen oder pastoralen Stellungnahmen, sondern als Organisator von Prozessionen mit der Muttergottesstatue des portugiesischen Wallfahrtsortes Fatima auch mitten in Zürich.</p>



<p>Hingegen gibt es unter den Domherren gut ausgebildete und profilierte mögliche Bischofskandidaten: Die Pfarrer Daniel Krieg, Ernst Fuchs oder Andreas Rellstab. Ausserhalb der Bistumsleitung gelten der Liechtensteiner Pfarrer Kurt Vogt oder der Davoser Pfarrer Kurt Benedikt Susak als papabile. Insgesamt aber ist die Personaldecke dünn, und die Auswahl an fähigen Bischofskandidaten gering. Der Churer Klerus setzt sich heute nicht nur aus vielen indischen, polnischen und afrikanischen Geistlichen zusammen, sondern auch aus zahlreichen von Haas und Huonder ernannten linientreuen Priestern, die oftmals ihre dürftige theologische Ausbildung mit frommer Gesinnung kompensieren.</p>



<p><strong>Erzbistum Vaduz völlig isoliert</strong></p>



<p>Noch akuter ist dieses Problem im Nachbarbistum Vaduz, das seit langem auf einen Bischof wartet. In den 25 Jahren unter Wolfgang Haas hat sich das Erzbistum mit vielen schwierigen und dürftig ausgebildeten konservativen Klerikern isoliert. Seit der Demission des ungeliebten Erzbischofs im Sommer 2023 leitet interimistisch Bischof Benno Elbs aus der Nachbardiözese Feldkirch das Erzbistum Vaduz als Administrator. Er, der damals mit einer Übergangszeit von drei Monaten rechnete, ist nun seit zweieinhalb Jahren im Amt und möchte das Erzbistum abgeben.</p>



<p>Gut informierte Beobachter mutmassen, dass die neue nahe bei der Kathedrale St. Florin gelegene exklusive Immobilie Heiligkreuz 38 mit Büros, Wohnungen und Kapelle eines Tages auch als Sitz eines Bischofs oder Weihbischofs dienen könnte – vielleicht in der Person von Jochen Folz. Hausherr Folz selbst wehrt ab: Die Immobilie sei Sitz der Stiftung und diene als Begegnungs- und Bildungshaus. Er halte es ebenso für absolut ausgeschlossen, dass er zum neuen Erzbischof ernannt werde. Man solle das Secretum Pontificum, das päpstliche Geheimnis respektieren und nicht ständig spekulieren. Im Erzbistum sei der Druck eh schon gross.</p>



<p><strong>Ein Bischof in Personalunion für Chur-Vaduz?</strong></p>



<p>Ob das Erzbistum Vaduz, das 1997 von Chur abgetrennt wurde, überhaupt wieder einen eigenen Erzbischof bekommt, ist ungewiss. Möglich ist auch, dass Rom schon bald oder in näherer Zukunft einen Bischof in Personalunion für Chur und Vaduz bestimmen wird, wie das etwa ein Gutachten des früheren renommierten Kirchenrechtlers Urs Josef Cavelti vorschlägt.</p>



<p>Gemäss Folz spricht kirchenrechtlich nichts dagegen. Genauso aber könne Vaduz nach dem Motto «Ein Land, ein Bistum» ein eigenständiges Erzbistum unter einem erfahrenen Kirchenmann bleiben. Bonnemain erklärt dazu: Eine Bindung zwischen dem Bistum Chur und Vaduz gebe es nicht mehr. «Deswegen ist es undenkbar, dass das Erzbistum wieder zum Bistum Chur zurückgeschlagen werden könnte». Darum werde es auch kein Doppelbistum mit einem einzigen Territorium geben. </p>



<p>Der Bischof weist aber auf die Möglichkeit hin, dass der apostolische Stuhl manchmal bei kleinen Bistümern, wie in Italien, anstatt einen neuen Bischof zu ernennen, die Leitung des Bistums einem Nachbarbischof anvertraue. Ein Bischof in Personalunion für Chur und Vaduz wäre künftig also durchaus möglich. Das knifflige Problem lösen muss der neue römische Bischofspräfekt Filippo Iannone, ein konservativer Kirchenrechtler und Ordensmann wie Papst Leo XIV., von dem er dieses Amt im letzten Oktober übernommen hat, auch mit der Aufgabe, neue Wege für kleine Bistümer zu finden.</p>



<p>Was vorerst den neuen Churer Weihbischof betrifft, hat Bonnemain versprochen, dieser werde nicht mit Nachfolgerecht ernannt. Das hatte bekanntlich 1988 zum Skandal geführt, als Rom in der Person des Liechtensteiners Wolfgang Haas einen Weihbischof mit Nachfolgerecht ernannte und damit das Bischofswahlrecht des Churer Domkapitels aushebelte. Jahrelange erbitterte Auseinandersetzungen waren die Folge. Der damalige Churer Kirchenrichter Joseph Bonnemain allerdings hatte die Ernennung nach aussen als völlig rechtens und vom Heiligen Geist gewirkt verteidigt. Auch ohne verbrieftes Nachfolgerecht könnte der neue Churer Weihbischof in zwei Jahren Bonnemains Nachfolger werden. Das Domkapitel ist aber frei, auch einen anderen Priester zu wählen. </p>



<p>Vielleicht schlägt dann die Stunde für Jochen Folz.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/papst-leo-xiv-kuender-des-friedens-und-der-rueckstaendigen-moral/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Papst Leo XIV.: Künder des Friedens und der rückständigen Moral</a>, Infosperber vom 30.4.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/leo-xiv-und-j-d-vance-haben-die-gleichen-vorbilder/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Leo XIV. und J.D. Vance haben die gleichen Vorbilder</a>, Infosperber vom 14.5.2025</li></ul></div>



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]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Sprachlupe: Allzu viel ist ungesund, auch beim Geschlecht</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/frau-mann/sprachlupe-allzu-viel-ist-ungesund-auch-beim-geschlecht/</link>
					<pubDate>Sat, 23 May 2026 06:45:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="aa_Sprachlust_Daniel_4c" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-1024x613.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-600x359.png 600w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742.png 1482w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Wer «seinen oder ihren» Sinn für sprachliche Gerechtigkeit im Übermass walten lässt, bringt «ihr oder sein» Anliegen in Verruf.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Liebe Person, die oder der so redet – nämlich am Radio über «eine Person, die oder der» etwas getan hatte; was es war, ist mir leider entfallen. Dabei würde «eine Person, die» im Allgemeinen generisch verstanden – also so, dass das Wort nichts über das biologische oder soziale Geschlecht aussagt. Diese generische Möglichkeit gilt viel häufiger für grammatisch maskuline Wörter. Mit «Person, die oder der» hast du nun einem generischen Femininum eine biologische Bedeutung aufgezwungen. Aus Gerechtigkeitssinn? Wahrscheinlich hast du bloss Redaktionsvorgaben gegen den generischen Wortgebrauch ungeschickt umgesetzt. Ähnlich beginnt im SRF-Archiv ein «Gespräch mit einem Gast, die Kultur aus verschiedenen Perspektiven kennt».</p>



<p>Eine – gewiss unbeabsichtigte – Nebenwirkung solcher Verstösse gegen die Grammatik ist es, dass sie die angestrebte sprachliche Gleichbehandlung beider oder aller Geschlechter in Verruf bringen können. Bist du gar eine «Person, die oder der» listigerweise gerade diese Nebenwirkung anstrebt? Dann kennst du wahrscheinlich auch all die anderen Kniffe, mit denen sich der Misskredit fördern lässt. Man braucht sie indes gar nicht zu kennen, um sie tagtäglich vielfach anzuwenden. Meistens reicht es, einen Automatismus stur anzuwenden, obwohl es oft elegante und garantiert geschlechtsneutrale Alternativen gäbe.</p>



<p><strong>Automatik ist bequem, aber tückisch</strong></p>



<p>Zuerst einige Automatismen, vielleicht schon in eine Redaktions-KI eingebaut:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Personenbezeichnungen, die auf <em>-er</em> enden, <strong>immer zweimal</strong> sagen oder schreiben, einmal mit <em>-in</em> oder <em>-innen</em> ergänzt; </li>



<li>solche Bezeichnungen nur einmal erwähnen, aber vor <em>-in</em> ein <strong>Sonderzeichen </strong>setzen oder ganz kurz leer schlucken; </li>



<li>zwischen männlichen und weiblichen Formen <strong>abwechseln </strong>und damit manchmal sogar Zuordnungen zementieren («Ärzte und Pflegerinnen, Putzfrauen und Chauffeure») oder Geschlechtertrennung suggerieren («viele Nationalrätinnen und Ständeräte gehören der parlamentarischen Gruppe Biene an»); </li>



<li>das verbindende <em>und</em> eigens <strong>betonen</strong>, auch wenn der Satz missverständlich wird («Verkehrspolitikerinnen <em>und</em> Verkehrspolitiker» seien für Tempo 30 innerorts – als wäre es erstaunlich, dass nicht nur Frauen dafür sind);</li>



<li>allgemeingültige Wörter als männlich lesen und ihnen <strong>weibliche Pendants</strong> verpassen (<em>frau</em> quasi aus einer Rippe von <em>man[n]</em>); </li>



<li>generisch verwendbare <strong>Feminina ins Maskulinum</strong> versetzen, wenn sie Männer betreffen (schon häufig <em>der Waise</em>, noch selten <em>der Geisel</em>);</li>



<li>Einzelpersonen <strong>verzwittern</strong>, die sich selber ohne weiteres zu ihrem Geschlecht bekennen: «Du als Musiker:in […]» habe ich neulich gehört, nicht an den schillernden Nemo gerichtet.</li>



<li>Personen mit dem <strong>Partizip Präsens</strong> benennen und Einwände beiseite schieben, etwa dass doch Studierende nicht ständig am Studieren seien oder man von Verben, die es nicht gibt, kein Partizip bilden könne. </li>
</ul>



<p>Der Plural <em>Musizierende</em> kommt immerhin vom existierenden Verb <em>musizieren</em>. Dass Leute wie Nemo es nicht pausenlos praktizieren, darf man ihnen gönnen, wie den Studierenden die gelegentliche Musse. Aber etwa <em>Schauspielende</em> oder <em>Einwohnende</em> müssen ohne zugrunde liegendes Verb auskommen. Nicht selten steht ein Partizip nutzlos im Singular: <em>Mitarbeitender</em> ist ebenso männlich wie das kürzere, offenbar verpönte <em>Mitarbeiter</em>.</p>



<p><strong>Alternativen erfordern Nachdenken</strong></p>



<p>Und nun die eleganteren Alternativen: </p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Auch ohne <strong>Doppel- oder Ausweichformen </strong>ist die generische Bedeutung oft eindeutig. Im Hinblick auf die bevorstehende Abstimmung ist etwa von der «10-Millionen-Einwohner-Grenze» zu lesen. Kaum jemand kommt auf die Idee, da würden nur männliche Wesen gezählt – dann wäre die Grenze ja sehr weit weg. Ist allerdings die vermeintliche Übereinstimmung von Grammatik und Biologie mittlerweile solid in den Kopf eingehämmert, dann beharrt derselbe – notfalls böswillig – auf der Behauptung, bei den 10 Millionen würden nur männliche Menschen gezählt.</li>



<li>Also <strong>ausweichen </strong>auf garantiert nicht missverständliche Wörter, im Beispiel «10 Millionen Köpfe» oder als Femininum «Seelen»? Die früher beliebte Form «10-Millionen-Seelen-Schweiz» dürfte allerdings heute manchen missfallen.</li>



<li>Wem missfallen? Eben manchen – das geschlechtslose <strong>Zahlwort </strong>kommt oft ohne personelle Angaben aus. Man könnte immer noch präzisieren: «manchen in der Schweiz». Auch hier wäre so etwas gut möglich gewesen: statt «Tausende Zwangsarbeitende schufteten» griffiger «Tausende schufteten in Zwangsarbeit» oder «unter Zwang».</li>



<li>Unverfängliche Alternativwörter zu Doppelnennungen sind <strong>«unverdoppelbare»</strong> Wörter wie <em>Leute</em>, <em>Kräfte</em>, <em>Profis</em> und viele weitere, bis hin zu <em>Ikonen</em> oder <em>Vorbilder</em>. Wenigstens <em>Fachkräftemangel</em> hat sich durchgesetzt, wohl weil <em>Spezialisten- und Spezialistinnenmangel</em> oder Ähnliches allzu lächerlich klänge.</li>



<li>Gut kann man gängige <strong>Sammelbezeichnungen behalten</strong>, statt sie vermeintlich neutraler zu machen. Aus <em>Lehrkräfte</em> ist <em>Lehrpersonen</em> geworden, immerhin auch generisch und kaum noch auffällig. Aber passt <em>Pfarr­person</em> zur Aura des Berufs? Und warum müssen es fast immer «Experten und Expertinnen» sein, als gäbe es <em>Fachleute</em> nicht? Kommen in einem Bericht «Beobachterinnen und Beobachter» vor, sind ohnehin oft keine bestimmten gemeint. Da böte sich <em>Sachkundige</em> an.</li>



<li>Häufig braucht es gar keine Personenbezeichnung, vor allem wenn es nicht in erster Linie um die Leute geht, sondern um das, was sie tun. Dafür gibt es ja <strong>Verben</strong>, etwa so: «Wer die Lage beobachtet, …» Oder es geht um etwas, das die Leute hinter sich haben, dann sind es je nachdem Eingeweihte, Ein- oder Ausgewanderte, Angestellte (Achtung, auch das <strong>Partizip Perfekt</strong> funktioniert nur in der Mehrzahl geschlechtsneutral).</li>



<li><strong>Adjektive </strong>leisten oft gute Dienste, ohne dass sie substantiviert werden müssen: Statt «Vorurteile gegen alle Einwanderinnen und Einwanderer, insbesondere gegen Musliminnen und Muslime» wäre «gegen Eingewanderte, insbesondere muslimische» einfacher gewesen und hätte den Blick ohne Umschweife auf die Vorurteile gelenkt.</li>
</ul>



<p>Wer sich durch die Doppelungen durchgebissen hat, weiss womöglich nicht mehr, dass es im soeben zitierten Tamedia-Artikel nicht etwa um die Existenz zweier Geschlechter ging, sondern um Vorurteile gegen bestimmte Menschen, unbesehen ihres Geschlechts. Sollte genau diese Ablenkung die versteckte Absicht gewesen sein, so wäre es der Gipfel des subversiven Geschlechternennens: mit diesem Trick andere Gedanken vernebeln. Würdest du, liebe Person vom Anfang, sogar so etwas tun?</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li>Indexeintrag «Geschlechter» in den «Sprachlupen»-Sammlungen: <a href="https://nbn-resolving.org/urn:nbn:ch:bel-1786907" target="_blank" rel="noreferrer noopener">tiny.cc/lupen1</a> bzw. <a href="https://nbn-resolving.org/urn:nbn:ch:bel-2162179" target="_blank" rel="noreferrer noopener">/lupen2</a>, <a href="http://tiny.cc/lupen3" target="_blank" rel="noreferrer noopener">/lupen3</a>. In den Bänden 1 und 2 (Nationalbibliothek) funktionieren Stichwort­suche und Links nur im herun­tergeladenen PDF.</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/7a214fc3b6e94849aba45f7727f0a2db" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Marokko verwandelt Nebel in Trinkwasser</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/marokko-verwandelt-nebel-in-trinkwasser/</link>
					<pubDate>Sat, 23 May 2026 06:30:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="197" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-22-um-11.21.12-300x197.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Marokko" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-22-um-11.21.12-300x197.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-22-um-11.21.12-768x505.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-22-um-11.21.12.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Grosse Netze versorgen Hunderte von Familien mit Wasser. Die natürliche Kondensation fördert tägliche Tausende Liter.]]></description>
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<p><em>Dieser Beitrag erschien zuerst bei «<a href="https://www.pressenza.com/de/2026/05/marokko-verwandelt-nebel-in-trinkwasser/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Pressenza.com</a>», einer Nachrichtenagentur von ehrenamtlich tätigen Freiwilligen, die sich den Themen Humanismus, Gewaltfreiheit, Menschenrechte, Abrüstung und Nicht-Diskriminierung widmet.</em></p>



<p>_____________________</p>



<p>In den trockenen Bergen von Aït Baâmrane im Süden Marokkos verändert eine innovative Technologie das Leben Hunderter ländlicher Familien: Grosse Netze, die an den Berghängen installiert wurden, fangen die Feuchtigkeit des vom Atlantik kommenden Nebels ein und wandeln sie in Trinkwasser um. Das System, das als eines der grössten Nebelgewinnungsprojekte der Welt gilt, ermöglicht es, in einer von Dürre und fortschreitender Wüstenbildung betroffenen Region täglich Tausende Liter Wasser zu sammeln.</p>



<p>Die Initiative funktioniert mithilfe spezieller Netze, die die winzigen in der Nebelluft schwebenden Wassertröpfchen kondensieren. Das aufgefangene Wasser wird zu Speichern geleitet und mithilfe solarbetriebener Pumpen an nahegelegene Haushalte verteilt. Dank dieses Modells müssen viele Frauen und Mädchen nicht länger täglich weite Wege zurücklegen, um Wasser zu holen – eine Aufgabe, die jahrelang den Zugang zu Bildung einschränkte und die familiäre Wirtschaft belastete.</p>



<p>Internationale Organisationen, darunter die Vereinten Nationen, haben das Projekt als Beispiel für nachhaltige Klimaanpassung in Regionen mit Wasserknappheit hervorgehoben. Fachleute sind der Ansicht, dass sich diese Erfahrung auch auf andere trockene Gebiete Afrikas und Lateinamerikas übertragen liesse – insbesondere auf Gemeinschaften, in denen Nebel häufig vorkommt, der Zugang zu Wasser jedoch weiterhin begrenzt ist.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="532" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-22-um-14.54.03.png" alt="Fog Harvesting" class="wp-image-702083" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-22-um-14.54.03.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-22-um-14.54.03-300x200.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Bildschirmfoto-2026-05-22-um-14.54.03-768x511.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Auch an anderen Orten (wie hier in Chile) werden Netze zur Wassergewinnung eingesetzt. </figcaption></figure>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/wasser-gewaesser/selbstversuch-wassersparen-ueberraschend-was-alles-drinlaege/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Selbstversuch Wassersparen: Überraschend, was alles drinläge</a>, Infosperber vom 21.7.2022</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/trinkwasser-aus-tau-gewinnen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Trinkwasser aus Tau gewinnen</a>, Infosperber vom 25.11.2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/so-verbraucht-man-drei-viertel-weniger-strom/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">So verbraucht man drei Viertel weniger Strom</a>, Infosperber vom 5.1.2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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