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		<title>infosperber - Shoutem Feed!</title>
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		<description>Schweizerische Stiftung zur Förderung unabhängiger Information SSUI</description>
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					<title>Nun greift auch die UBS die AHV an</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/nun-greift-auch-die-ubs-die-ahv-an/</link>
					<pubDate>Sun, 05 Jul 2026 08:05:05 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="179" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-29-at-15-03-48-Eine-neue-Vorsorgestrategie-changing-retirement-strategy-de.pdf-300x179.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot 2026-06-29 at 15-03-48 Eine neue Vorsorgestrategie - changing-retirement-strategy-de.pdf" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" fetchpriority="high" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-29-at-15-03-48-Eine-neue-Vorsorgestrategie-changing-retirement-strategy-de.pdf-300x179.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-29-at-15-03-48-Eine-neue-Vorsorgestrategie-changing-retirement-strategy-de.pdf-1024x612.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-29-at-15-03-48-Eine-neue-Vorsorgestrategie-changing-retirement-strategy-de.pdf-768x459.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-29-at-15-03-48-Eine-neue-Vorsorgestrategie-changing-retirement-strategy-de.pdf.png 1177w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>In der Sommersession verweigerte das Parlament eine vernünftige Finanzierung der 13. Rente. Nun kommt der Angriff der UBS.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Manchmal ist Politik kompliziert. Manchmal ist sie simpel. Diesmal ist sie simpel: Mit einer <a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/changing-retirement-strategy-de-1.pdf" data-type="attachment" data-id="709321" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Studie </a>schlägt die UBS einen radikalen Umbau der Altersvorsorge in der Schweiz vor. Nutzniesser: die Finanzindustrie inklusive UBS. Und die Reichen.</p>



<p>Aber so steht es natürlich nicht in der Studie.</p>



<p>Die UBS schlägt einschneidende Änderungen bei allen drei bestehenden Säulen der Altersvorsorge – AHV, Penionskasse und Säule 3a – vor.</p>



<p><strong>AHV: weg vom Umlageverfahren</strong></p>



<p>Heute funktioniert die AHV nach dem Umlageverfahren. Das heisst: Die AHV zahlt ihre Einnahmen umgehend wieder aus. Ihr Vermögen ist relativ klein. Im Moment beträgt es rund 60 Milliarden Franken. Das ist etwas mehr als die Ausgaben für ein Jahr. Zum Vergleich: Die Schweizer Pensionskassen sitzen gegenwärtig auf rund 1400 Milliarden Franken.</p>



<p>Neu soll die AHV wie die Pensionskassen nach dem Kapitaldeckungsverfahren funktionieren. Das heisst: Die Jungen zahlen nicht mehr für die Alten; jeder spart für sich. Die UBS stellt sich vor, dass das Geld bis zur Pensionierung «an den Finanzmärkten investiert» wird. Zur Freude der Finanzindustrie.</p>



<p>Der Nachteil des Kapitaldeckungsverfahrens: Es fallen enorme Vermögen an, welche gleichzeitig rentabel und sicher angelegt werden müssen. Doch die UBS gibt selber zu: «Eine sehr schwere und sehr lange Baisse könnte eine beträchtliche staatliche Rettungsaktion erfordern, die (&#8230;) wahrscheinlich höhere Steuern nötig machen würde.» Wenn es brenzlig wird, soll also der Bund einspringen.</p>



<p>Das viele Geld in der Altersvorsorge ist ja schon heute ein Problem. Die Pensionskassen legen rund einen Viertel ihres Vermögens in Immobilien an. Damit heizen sie den Immobilienmarkt an und treiben letztlich die Mieten in die Höhe. Noch mehr Geld, das angelegt werden muss, führt zu noch mehr Problemen.</p>



<p>Heute zahlen alle Versicherten und alle Firmen je 4,35 Prozent des Lohns in die AHV ein. Neu sollen es je 10 Prozent sein. Aber nur auf Lohnbestandteilen bis 50&#8217;000 Franken. Zum Nachteil der Geringverdiener. Und zur Freude der Gutverdiener.</p>



<p>Das wäre dann das Ende der AHV in ihrer heutigen Form.</p>



<p>Und nebenbei: Das Rentenalter von 65 Jahren bezeichnet die UBS als «veraltet», obwohl es die Stimmberechtigen vor zwei Jahren bestätigt haben.</p>



<p><strong>Pensionskassen: ohne Gewähr </strong></p>



<p>Nach den Vorstellungen der UBS soll es in der 2. Säule nur noch «private Anbieter» geben. Also keine Pensionskassen von Gemeinden, Kantonen oder Bund mehr. Die Anbieter sollen die Gelder zu «Marktrenditen» verzinsen. Und: «Es gibt keine Kapitalgarantie.» Zur Freude der Finanzindustrie.</p>



<p>Schon heute ist die Pensionskassen-Rente eine unsichere Sache. Bis 2006 lag der Umwandlungssatz bei 7,2 Prozent. Wer in der Pensionskasse 500&#8217;000 Franken angespart hatte, bekam eine Rente von 36&#8217;000 Franken pro Jahr. Heute liegt der durchschnittliche Umwandlungssatz bei 5,3 Prozent. Aus 500&#8217;000 Franken resultiert nur noch eine Rente von 26&#8217;500 Franken pro Jahr.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="http://www.infosperber.ch/newsletter/" target="_blank" rel=" noreferrer noopener"><img decoding="async" width="750" height="48" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gelb.png" alt="Newsletter Balken gelb" class="wp-image-590035" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gelb.png 750w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gelb-300x19.png 300w" sizes="(max-width: 750px) 100vw, 750px" /></a></figure>



<p></p>



<p>Wenn es «keine Kapitalgarantie» gibt, wie sich die UBS das vorstellt, dann wird alles noch unsicherer. Auch die heute schon lausige Minimalverzinsung soll fallen.</p>



<p>Und noch ein kleines Detail am Rande: Nach den Vorstellungen der UBS sollen – anders als heute üblich – Firmen weniger in die Pensionskasse einzahlen als die Angestellten. Zur Freude der Aktionäre.</p>



<p><strong>Säule 3a: keine Steuer beim Bezug</strong></p>



<p>Angestellte sollen künftig 20&#8217;000 Franken (heute 7258 Franken) in die Säule 3a einzahlen dürfen und damit auch vom steuerbaren Einkommen abziehen können. Zudem soll der Bezug des Kapitals künftig steuerfrei sein. Auch das zur Freude der Gutverdiener. Und der Finanzindustrie.</p>



<p><strong>Und sonst?</strong></p>



<p>Die Hinterbliebenen-Versicherung von AHV und Pensionskassen möchte die UBS am liebsten streichen. Nur für Kinder und junge Erwachsene in Ausbildung soll es sie noch geben. Allerdings ausserhalb von AHV und Pensionskassen. Wer möchte, könnte eine Hinterbliebenen-Versicherung auf privater Basis abschliessen. Zur Freude der Finanzindustrie.</p>



<p>Die Invaliden-Versicherung der Pensionskassen will die UBS auch gleich abschaffen. Wer will, kann sich ja privat versichern. Auch das zur Freude der Finanzindustrie.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/das-parlament-will-die-ahv-ausbluten/">Das Parlament will die AHV ausbluten</a>, Infosperber vom 20. Juni 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/eed2be2727a743cfabb8fb534b9c9755" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Lateinamerika sucht das Heil bei der Rechten</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/welt/lateinamerika-sucht-das-heil-bei-der-rechten/</link>
					<pubDate>Sun, 05 Jul 2026 08:04:39 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/kolumbien_peru-e1782919352189-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="kolumbien_peru" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/kolumbien_peru-e1782919352189-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/kolumbien_peru-e1782919352189-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/kolumbien_peru-e1782919352189.png 820w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Rechte Hardliner gewinnen Präsidentschaftswahlen in Kolumbien und Peru – allerdings nur mit hauchdünnem Vorsprung.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Wie zuvor schon in Ecuador, Bolivien und Chile, kommen in Kolumbien und Peru politische Kräfte ans Ruder, die sich mehr oder weniger unverblümt zum Neoliberalismus bekennen. Oder diesen, dem Zeitgeist folgend, als «libertäre» Wirtschaftstheorie auf ihren Schild heben. Dabei folgen sie ideologisch und politisch dem Kurs von Argentiniens Staatschef Javier Milei und dessen Amtskollege Najib Bukele, der in El Salvador mit harter Hand gegen Bandenkriminalität vorgeht. Dessen grösstes Werk ist das ultramoderne Hochsicherheitsgefängnis <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Centro_de_Confinamiento_del_Terrorismo" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Cecot</a> für bis zu 40‘000 Häftlinge. Einige der neugewählten Staatschefs sehen darin ein Vorbild für die Sicherheitspolitik in ihrem Land.</p>



<p><strong>Wahl-Krimis in Kolumbien und Peru</strong></p>



<p>In <strong>Kolumbien</strong> fiel der Wahlsieg des Rechtsextremen <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Abelardo_de_la_Espriella" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Abelardo de la Espriella</a> hauchdünn aus. Der von US-Präsident Trump unterstützte Polit-Neuling Espriella gewann die Stichwahl mit nur rund 250‘000 Stimmen Vorsprung auf <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Iv%C3%A1n_Cepeda_Castro" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ivan Cepeda</a> vom sozialdemokratischen Pacto Histórico. Bereits nach dem ersten Wahlgang Anfang Juni monierten die Verlierer aus dem linken Lager massive Manipulationen bei der Stimmenzählung zugunsten der Konservativen. Laut «<a href="https://amerika21.de/2026/06/285941/petro-indizien-wahlbetrug-kolumbien" target="_blank" rel="noreferrer noopener">amerika21</a>» sollen die Unregelmässigkeiten rund 900‘000 Stimmberechtigte betroffen haben. Kolumbien gilt als eines jener Länder des Subkontinents, in denen Stimmenkauf vor allem in ländlichen Regionen weit verbreitet ist.</p>



<p>Im Vorfeld der Stichwahl meldeten Aktivisten des Wahlkampfs von Cepeda Fälle von Drangsalierungen und Einschüchterungen durch Anhänger von de la Espriella, wie «<a href="https://amerika21.de/2026/06/286786/stichwahl-kolumbien-ultrarechts-vorn" target="_blank" rel="noreferrer noopener">amerika21</a>» berichtet. Ein rechter Ultra aus dem Dunstkreis des zukünftigen Präsidenten Abelardo de la Espriella drohte damit, Präsident Gustavo Petro und den linken Kandidaten Iván Cepeda zu ermorden. Zudem werde er «alle Gegner ausweiden» und «ihnen die Augen ausstechen».</p>



<p>Noch viel enger als im nördlichen Nachbarstaat gestaltete sich das Kopf-an-Kopf-Rennen in <strong>Peru</strong>. Im vierten Anlauf hat <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Keiko_Fujimori" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Keiko Fujimori</a>, Tochter des früheren Diktators, die Präsidentenwahl in Peru gewonnen. Nur knapp 50‘000 Stimmen trennen sie vom Linkspolitiker <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Roberto_S%C3%A1nchez_Palomino" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Roberto Sánchez</a>, wie die «<a href="https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/peru-praesidentenwahl-ergebnis-100.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ARD-Tagesschau</a>» am 30. Juni berichtete. Die Auszählung der Stimmen dauerte mehrere Wochen. Sanchez hat seine Niederlage noch nicht eingeräumt. Er hat angekündigt, er werde das Wahlergebnis nicht anerkennen und eine Neuauszählung der Stimmen fordern.</p>



<p><strong>Autokratische Härte statt Demokratie</strong></p>



<p>Solche Nachrichten aus Südamerika, kombiniert mit ewigen Klagen und Querelen wegen Korruption, lassen Millionen Menschen zweifeln am Funktionieren des demokratischen Systems. Ein mit autokratischer Härte regierter Staat scheint für viele eine Alternative zu sein. Besonders in Kolumbien, wo in vergangenen Jahrzehnten blutige Kämpfe zwischen Anhängern von konservativen und liberalen Politikern auf der einen Seite und linksradikalen sowie populistischen Kräften auf der anderen Seite mit einem Saldo von rund 200‘000 Toten ausgetragen wurden, stellt sich die Frage, welche Form von Staatlichkeit im tief gespaltenen Land künftig noch möglich ist. So bezeichnet das «<a href="https://www.ipg-journal.de/regionen/lateinamerika/artikel/schlaegt-die-harte-hand-zu-9135/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">IPG-Journal</a>» den jüngstem Urnengang als eine «Schicksalswahl» zwischen autoritärer Härte und politischer Integration.</p>



<p>Was der knappe Sieg von de la Espriella für Kolumbien und Lateinamerika ganz allgemein bedeutet, bringt eine Korrespondentin des «<a href="https://overton-magazin.de/top-story/kolumbien-milei-und-trump-fan-abelardo-de-la-espriella-die-stichwahl-gegen-den-linksliberalen-ivan-cepeda/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Overton Magazin</a>» bald spritzig und bald spitzig zum Ausdruck. Aus linker Warte wird hier die Regierung des scheidenden linkspopulistischen Präsidenten Gustavo Petro kritisiert. Dass ein grosser Teil der Bevölkerung bei den jüngsten Wahlen in Lateinamerika für konservative und «libertäre» Politiker votiert hat, wertet die Autorin als Protest gegen nicht-eingehaltene Versprechen und die mangelnden Vorschläge der Linken und der fortschrittlichen bürgerlichen Kräfte.</p>



<p><strong>Brasilien und Mexiko: Gemässigt Linke (noch) auf Kurs</strong></p>



<p>Zwar liegt das Geschick grosser Teile Lateinamerikas wieder einmal in konservativen Händen, doch noch haben in <strong>Brasilien und Mexiko</strong>, den beiden wirtschaftlich grössten Staaten des Erdteils, gemässigt linke Reformisten das Sagen. Der 80-jährige Luiz Inácio «Lula» da Silva stützt sich in Brasilien auf eine heterogene Koalition von Parteien der Linken und des Zentrums, um den riesigen Staat seit insgesamt zwölf Jahren auf Kurs zu halten. Der einstige Gewerkschaftsführer will trotz seines fortgeschrittenen Alters im laufenden Jahr für eine vierte Amtszeit als Präsident kandidieren. Allerdings bringt sich auch Flávio Bolsonaro, der älteste Sohn des inhaftierten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, für die Wahl im Oktober in Stellung. Er hat angekündigt, er wolle der nächste Präsident Brasiliens werden.</p>



<p>Die Staatschefin von Mexiko, Claudia Sheinbaum, dürfte ihr sechsjähriges Mandat gut über die Runden bringen. Die «<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Morena_(Partei)" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Morena»-Bewegung</a>, die sie dabei unterstützt, ist wesentlich homogener als jene ihres Amtskollegen in Brasilien. Als Mitgründer der Brics-Gruppe lässt sich «Lula» von Staaten feiern, die den Führungsanspruch der USA immer lauter anfechten. Derweil ist Sheinbaum damit beschäftigt, Einmischungen seitens der USA abzuwehren und den unberechenbaren Donald Trump im Zaum zu halten. Dank solider institutioneller Strukturen sollte es der Staatschefin aber gelingen, ihr gemässigt reformistisches Programm zumindest in einigen zentralen Aspekten zu verwirklichen.</p>



<p><strong>Von Uruguay lernen</strong></p>



<p>Was von den Errungenschaften linker Politik heute übrig bleibt, ist eher bescheiden. Doch angesichts der realen Machtverhältnisse in Lateinamerika ist es nicht zu unterschätzen – sofern man die Politik kleiner Schritte nicht aus Prinzip ablehnt. Lehrreich sind in diesem Sinn die Lektionen, die <strong>Uruguay</strong> seinen Nachbarn erteilt.</p>



<p>Das Leben in diesem relativ kleinen flachen Land am Rio de la Plata, viermal so gross wie die Schweiz, plätschert unaufgeregt vor sich hin. Alle fünf Jahre finden allgemeine Wahlen statt. Sie verlaufen meistens friedlich und enden oft mit einem routinemässigen Machtwechsel zwischen Bürgerlichen und Linken. Die Einen feiern ihren Sieg mit einem Tässchen Yerba Mate in der Hand, die Verlierer schlürfen denselben würzig-bitteren Tee und vertrauen darauf, dass sie nach fünf Jahren wieder gewinnen werden.</p>



<p>Die Wirtschaft lebt immer noch, wie ein Jahrhundert zuvor, primär von der Landwirtschaft. Doch mittlerweile entdecken umtriebige Unternehmer Nischen im industriellen Sektor. Nach wie vor spielen die lokalen Banken eine wichtige Rolle als Vermittler bei Geschäften zwischen den beiden grossen Nachbarn, Argentinien und Brasilien.</p>



<p>Zu Beginn seines Mandats definierte der sozialdemokratisch gesinnte Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Yamand%C3%BA_Orsi" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Yamandú Orsi</a> mit seinem Beraterstab 48 «prioridades», also dringliche Schwerpunkte seiner Regierung. Für 2025 errechnete er moderates Wachstum bei geringer Teuerung – Daten, die bei manchen Einheimischen, wie «<a href="https://nuso.org/articulo/izquierda-uruguay-orsi/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Nueva Sociedad</a>» schreibt, «den Eindruck von Stillstand erweckten».</p>



<p><strong>Guatemala: Kampf gegen käufliche Justiz </strong></p>



<p>Trotz starkem und stetem Druck von rechts hält sich die gemässigt linksgerichtete Regierung von Präsident <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Bernardo_Ar%C3%A9valo" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bernardo Arévalo</a> in <strong>Guatemala</strong> bis jetzt an der Macht. Als wichtige, aber oft schwer zu entziffernde Quelle dient uns der «<a href="https://www.redsolidaridad.ch/einblicke-analysen/notizen-eines-anwalts-mai-2026" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Monatsbrief</a>» eines deutsch-stämmigen Anwalts vor Ort. Die geringe Transparenz dieser Texte spiegelt die Heftigkeit, mit der die Machtkämpfe im Untergrund der grössten Nation Zentralamerikas ausgetragen werden. Eine Vielfalt von Akteuren und Institutionen zwingt Lesende immer wieder zur Frage «who is who» in diesem Getümmel.</p>



<p>Als Hauptperson ist jedoch mühelos die langjährige, erst kürzlich entmachtete Oberste Staatsanwältin <a href="https://taz.de/Politische-Wende-in-Guatemala/!5988233/">Maria Consuelo Porras</a> auszumachen. Seit der Wahl von Arévalo, Sohn des ersten vom Volk in den 1940er Jahren gewählten Präsidenten, schöpft die indigene Mehrheit des Landes neue Hoffnung, dass der lange Arm des «Justizkartells» im Dienst der lokalen Oligarchie doch noch gebrochen werden kann.</p>



<p><strong>Bolivien: Proteste und blockierte Strassen</strong></p>



<p><strong>Bolivien,</strong> ebenfalls eine Nation mit mehrheitlich indigener Bevölkerung, findet in Phasen höchsten Aufruhrs und akuter Not immer wieder einen Ausweg aus der Krise, bevor es zu blutigen Auseinandersetzungen kommt. So waren wochenlang an etwa 50 wichtigen Überlandstrassen Blockaden errichtet und damit der Verkehr im Hochland von und nach La Paz zum Erliegen gebracht worden. In kurzer Zeit brach der Handel mit Treibstoffen, Lebensmitteln und Medikamenten weitgehend zusammen, während protestierende Campesinos (Kleinbauern) den Regierungssitz belagerten.</p>



<p>Hauptanliegen der Indios war die Aufforderung an den neugewählten Präsidenten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rodrigo_Paz_Pereira" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rodrigo Paz</a>, bei den Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds über Kredite zur «Modernisierung» der Agrarwirtschaft hart zu bleiben und keine neoliberalen Bedingungen zu akzeptieren. Insbesondere befürchten die Indigenen, dass sie ihr Land an Agrarkonzerne verlieren könnten. Eine Analyse der Tageszeitung «<a href="https://www.jungewelt.de/artikel/523566.neoliberaler-umbau-iwf-in-bolivien.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Junge Welt</a>» zeichnet diesen Kampf um das wirtschaftliche Überleben der Landbevölkerung nach. Nach vier Wochen sahen die Protestierenden ein, dass sie mit ihren Strassensperren in erster Linie ihresgleichen in den Handelsstädten La Paz und El Alto schadeten und räumten eigenhändig die Barrikaden weg.</p>



<p></p>



<figure class="wp-block-image size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="602" height="940" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Cover_Rey_Lateinamerika.png" alt="Cover_Rey_Lateinamerika" class="wp-image-405811" style="aspect-ratio:0.6404302004720902;width:232px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Cover_Rey_Lateinamerika.png 602w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Cover_Rey_Lateinamerika-192x300.png 192w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2022/05/Cover_Rey_Lateinamerika-600x937.png 600w" sizes="auto, (max-width: 602px) 100vw, 602px" /><figcaption class="wp-element-caption">Romeo Rey, Die Geschichte Lateinamerikas vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart, 284 Seiten, 3. Auflage, C.H.Beck 2015, CHF 22.30</figcaption></figure>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/us-einmischung-entschied-wohl-die-praesidentenwahl-in-kolumbien/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">US-Einmischung entschied wohl die Präsidentenwahl in&nbsp;Kolumbien</a>, Infosperber vom 30. Juni 2026 </li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. <em>Der Autor war 33 Jahre lang Korrespondent in Südamerika, unter anderem für den «Tages-Anzeiger» und die «Frankfurter Rundschau».</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>



<p></p>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Es braucht wohl wieder einmal das Bundesverfassungsgericht</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/frau-mann/es-braucht-wohl-wieder-einmal-das-bundesverfassungsgericht/</link>
					<pubDate>Sun, 05 Jul 2026 08:04:07 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Unbenannt-1-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Unbenannt" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Unbenannt-1-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Unbenannt-1-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Unbenannt-1-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Unbenannt-1.png 1485w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Seit bald 30 Jahren liegt der Frauenanteil im deutschen Bundestag bei einem Drittel. Hilft ein Gerichtsurteil?]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Frauen waren oder sind in keinem deutschen Parlament seit 1919 gleichberechtigt vertreten. Im Bundestag lag der Frauenanteil bis 1987 unter zehn Prozent. 1998 konnte er erstmals die 30-Prozent-Marke nehmen; dort hängt er seither fest. Nur ein Drittel der Abgeordneten sind Frauen. Passt schon? Wird schon?</p>



<p>Wird nicht! Jedenfalls nicht von selbst. Die Initiative «<a href="https://nl-link.sueddeutsche.de/u/nrd.php?p=GesHLp6eiT_16909_4576182_1_7&amp;ems_l=7865742&amp;d=NDQzNTU0NTY3%7CR2VzSExwNmVpVA%3D%3D%7CUHJhbnRsc19CbGlja18yODA2MjY%3D%7C%7C&amp;_esuh=_11_5b28818edc1534602acb42a39ba63f60c7874e49cc438ad0cb3461485ada8a91" target="_blank" rel="noreferrer noopener">#Parität Jetzt</a>» versucht das zu ändern; sie hat soeben mit einem zweiten Aktionstag «für eine gleichberechtigte politische Teilhabe von Frauen» geworben. Christine Hohmann-Dennhardt, frühere Richterin am Bundesverfassungsgericht, hielt dazu in Berlin die Grundsatzrede. Parität in den Parlamenten sei, so sagte sie, «kein Bonus mehr», sondern «ein demokratisches Gebot». Sie widersprach damit den Landesverfassungsgerichten in Brandenburg und Thüringen, die einschlägige Gesetze für die dortigen Landtage als verfassungswidrig eingestuft hatten.</p>



<p><strong>Ein Erbe von Süssmuth</strong></p>



<p>Die Forderung nach Parität ist ein politisches Erbe von Rita Süssmuth. Die im Februar 2026 im Alter von 88 Jahren verstorbene Christdemokratin, frühere Bundesministerin und Bundestagspräsidentin, hatte den geringen und derzeit schon wieder schwindenden Frauenanteil in deutschen Parlamenten seit vielen Jahren als «Verfassungsbruch» bezeichnet und daher für Parität geworben – also für Gesetze, die gewährleisten, dass mehr Frauen in den Parlamenten vertreten sind, halbe/halbe nämlich.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="615" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Unbenannt-1-1024x615.png" alt="Unbenannt" class="wp-image-709119" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Unbenannt-1-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Unbenannt-1-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Unbenannt-1-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Unbenannt-1.png 1485w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Für CDU-Ministerin Rita Süssmuth war der kleine Frauenanteil ein «Verfassungsbruch».</figcaption></figure>



<p>Sie forderte ein Recht, das dafür sorgt, und sie hat das mir gegenüber einmal so formuliert: «Der Deutsche Bundestag setzt sich nach der Wahl aus ebenso vielen Frauen wie Männern zusammen.» Ich habe sie bestaunt für ihre verfassungspolitische Radikalität. Sie selbst sagte dazu: «Ich bin immer radikaler geworden» – weil die reale Gleichstellung der Frauen stets hinter der symbolischen zurückgeblieben sei.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">In der Schweiz 37,8 Prozent</h2>



<p>Bei den letzten eidgenössischen Wahlen 2023 schafften es 93 Frauen ins Parlament. Damit lag der Frauenanteil bei 37,8 Prozent. Im Nationalrat ist er etwas höher (38,5 Prozent), im Ständerat etwas niedriger (34,8 Prozent). Trotzdem schreibt der Bund: «Die Entwicklung des Frauenanteils im Schweizer Parlament ist bemerkenswert.» Vielleicht deshalb, weil er 1971, bei den ersten Wahlen, an denen Frauen teilnehmen durften, bei 4,5 Prozent lag.</p>
</div>



<p>Der Kampf um die Parität in den Parlamenten ist in Deutschland wohl ein finaler Schritt hin zur Gleichberechtigung; in Europa haben Frankreich, Spanien, Belgien, Portugal und Slowenien diesen Schritt schon unternommen.</p>



<p>In Deutschland freilich sind Paritätsgesetze noch heute so umstritten, wie es in den Jahren 1918/19 das damals eingeführte Frauenwahlrecht und wie es 1948/49 der Gleichberechtigungssatz im Grundgesetz war: «Männer und Frauen sind gleichberechtigt.» Es war dies damals der grosse und erfolgreiche Kampf der sozialdemokratischen Rechtsanwältin Elisabeth Selbert aus Kassel, die zuerst ihre drei Kolleginnen im Parlamentarischen Rat anstachelte – die Sozialdemokratin Friederike Nadig, die Zentrumspolitikerin Helene Wessel und die Christdemokratin Helene Weber.</p>



<p><strong>Der Mann bestimmt …</strong></p>



<p>Die männlichen Räte hatten ursprünglich nicht vorgehabt, die geltende Rechtslage in diesem Punkt grundlegend zu ändern. Diese überkommene Rechtslage wurde in einem damals erschienen Lehrbuch des Familienrechts wie folgt beschrieben: Der Mann bestimmt «Art und Umfang des Lebensaufwandes, den Ablauf des häuslichen Lebens, die Erziehung der Kinder, Wohnort und Wohnung». Der Mann hatte «Herrschaftsbefugnis über das Frauenvermögen» und er konnte den Arbeitsplatz der Frau kündigen, «sofern die ehelichen Interessen beeinträchtigt» waren.</p>



<p>Der Mann hatte das Entscheidungsrecht, die Frau hatte die «Folgepflicht». Die Kompetenz der Frau beschränkte sich auf ihre persönlichen Angelegenheiten. Die erste Fassung des Gleichheitssatzes sollte es dabei belassen. Hätte es 1948/49 unter den 65 Parlamentariern in Bonn nicht die genannten vier Frauen gegeben, wäre es dabei geblieben. Die vier Frauen haben die juristische Revolution ins Grundgesetz getragen. Die am Ende einstimmige (!) Verabschiedung des Gleichheitssatzes war ihr Werk.</p>



<p><strong>Die Frau am Herd</strong></p>



<p>Es dauerte lange, bis aus diesem Grundrecht mehr wurde als ein leerer Satz, der Revolutionäres versprach: Die Nachkriegszeit war eine Zeit, in der die Gleichberechtigung zwar im Grundgesetz, die Frau aber am Herd stand.</p>



<p>Die Rolle des Kämpfers für Gleichberechtigung übernahm von Anfang an sehr entschlossen das Verfassungsgericht. Es zog den Bundestag, es zog die Gerichte, es zog die lange Zeit sehr männliche Wissenschaft vom Familienrecht hinter sich her. Stück für Stück, Entscheidung für Entscheidung wurde in Karlsruhe der Emanzipation der Frau in Ehe und Familie der Weg bereitet. Die Emanzipation in den Parlamenten, Parität genannt, lässt aber noch auf sich warten. Auch da wird wohl das Bundesverfassungsgericht nachhelfen müssen. Der deutschen Politik wird es nicht zum Schaden gereichen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><em>Keine. Dieser Kommentar des Kolumnisten und Autors Heribert Prantl erschien zuerst als «Prantls Blick» in der Süddeutschen Zeitung.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Freiheit für Hunter Biden</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/medien/medienkritik/freiheit-fuer-hunter-biden/</link>
					<pubDate>Sat, 04 Jul 2026 08:16:57 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Channel-Five-two-scaled-e1782804948882-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Screenshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Channel-Five-two-scaled-e1782804948882-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Channel-Five-two-scaled-e1782804948882-1024x614.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Channel-Five-two-scaled-e1782804948882-768x460.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Channel-Five-two-scaled-e1782804948882-1536x921.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Channel-Five-two-scaled-e1782804948882-2048x1228.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Vom entblössten Skandalsohn zum unerwartetsten Polit-Influencer des Jahres: Wie Hunter Biden die Deutungshoheit zurückgewinnt.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Im Dezember 2025 schrieb ich über das vielleicht ehrlichste politische Interview dieser Jahre. Es erschien, und das war schon die halbe Geschichte, nicht auf CNN und nicht auf Fox, sondern auf Channel Five, einem kleinen, über Patreon finanzierten YouTube-Kanal, der eine Art Gonzo-Humanismus betreibt und seinem Publikum nur eines zumutet: sich von niemandem vorschreiben zu lassen, was es zu denken habe. Dort, an diesem anarchisch-unbestechlichen Ort jenseits des Kulturkampfs, sass der von der US-Presse fast vollständig zerlegte Hunter Biden – der jahrelang geschwiegen hatte – und sprach in einem dreistündigen Interview zum Beispiel eine halbe Stunde lang über seine Crack-Sucht. Während Jahren hatte man Biden aufgrund seiner Position als Sohn des US-Präsidenten zum Monster gemacht, um ihn, einmal völlig entmenschlicht, besser vernichten zu können.</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="Hunter Biden Interview" width="800" height="450" src="https://www.youtube.com/embed/XBbkt2vYC4M?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<p><strong>Wunschtraum der Inquisition</strong></p>



<p>Was diesem Mann widerfuhr, war die exemplarische Erfahrung des transparenten Zeitalters, nur in einer Dosis, die niemand überleben sollte: Ein Laptop, der im April 2019 unter ungeklärten Umständen in einer Werkstatt in Delaware landete (hier die <a href="https://nymag.com/intelligencer/article/hunter-biden-laptop-investigation.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">spektakuläre Recherche</a> von Olivia Nuzzi im «New York Magazine»), und kurz darauf das ganze Privatleben im Netz: Fotos, Chatverläufe, medizinische Daten, Nacktbilder, Videos beim Sex mit Prostituierten und beim Rauchen von  Crack. Zwanzig Jahre digitaler Existenz, ausgeschüttet vor einem Land, das sich gerade selbst zerfleischte. Hunters Zerstörung war nie das Ziel, sondern das Werkzeug: Treffen sollte sie den Vater. Das Mittel: Der mediale Pranger, bestehend aus Serverfarmen und dem unauslöschlichen Gedächtnis des Internets.</p>



<p>Fünf Staatsanwaltschaften in fünf Bundesstaaten erhielten wegen des Datendiebstahls uneingeschränkten Zugriff auf zwei Jahrzehnte privater Kommunikation eines einzigen Menschen, der Wunschtraum jeder Inquisition. Sie suchten nach Spionage, nach Korruption, nach einer Vater-Sohn-Verschwörung, nach der Finanzierung des Wuhan-Labors, nach dem grossen Verrat. Und sie fanden: nichts. Kein Verbrechen ausser dem einen, das er längst selbst zu Protokoll gegeben hatte, 2019 in einem grossen Porträt im <a href="https://www.newyorker.com/magazine/2019/07/08/will-hunter-biden-jeopardize-his-fathers-campaign" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«New Yorker»</a>: dass er Crack rauchte und im Sog seiner Sucht jegliche Würde verloren hatte.</p>



<p><strong>«Ich war es wert, gerettet zu werden»</strong></p>



<p>Seine Würde, die er verloren hat, versteckt er nicht mehr. Er legt sie offen hin wie ein Beweisstück, das jetzt ihm gehört. Crack sei «Sucht auf Steroiden», sagte Biden im Interview mit Channel 5, ein Ritual ohne Plateau, «bis du in das schlimmste High und den schlimmsten Horror stürzt». Und einmal, am äussersten Rand dieses Horrors, trieb er dem Tod entgegen: «Sie fanden mich, mit dem Gesicht nach unten treibend, im Whirlpool und retteten mir das Leben. Zwei Menschen, die sich selbst in Gefahr brachten – einfach nur, weil sie menschlich waren. Ich wachte zwölf Stunden später auf. Was hatten sie davon, mich zu retten? Dass man sie neben meiner Leiche findet? Diese zwei hatten nichts davon, mich zu retten. Ich kenne nicht einmal ihre Namen. Aber sie blieben bei mir, bis ich wieder ins Leben zurückfand. Worauf ich hinauswill: Ich war es wert, gerettet zu werden. Und es gibt Millionen von Menschen, die an Sucht leiden, und auch sie sind es wert, gerettet zu werden.»</p>



<p>Er sehe sich nicht als Opfer, sagt Biden. «Ich war ein Crack-Süchtiger. Und ich war so naiv, zu glauben, dass irgendjemand das wirklich verstehen oder Mitgefühl aufbringen könnte. Wir leben in einer Welt, in der Empathie fehlt, überall. Nicht nur gegenüber Hunter Biden. Empathie gibt es nicht mehr. Und wie mit mir umgegangen wurde – das ist erschreckend. Für jeden, der süchtig ist.»</p>



<p>Wer so über den eigenen Abgrund spricht, hat eine Grenze überschritten, hinter der die Beschämung ihre Macht verliert. Denn Beschämung funktioniert nur, wo einer mitspielt, sie braucht ein Opfer, das sich schämt. Und genau dieses Einverständnis hat Hunter Biden irgendwann verweigert. Und das erstmals offenbar im Gespräch mit Channel 5, und spätestens im Mai 2026, als er ein Konto auf der Plattform X aktivierte.</p>



<p><strong>Wie aus der Schande eine Stimme wurde</strong></p>



<p>Am 19. Mai 2026 postete er: «Ich bin Hunter Biden. Ihr habt bisher noch nie von mir gehört.» Inzwischen hat er 800’000 Follower und gilt in den US-Medien als die überraschendste politische Stimme des Jahres.</p>



<p>Als er im Sommer 2025 bei Channel 5 erstmals sein langes Schweigen brach, da war es das eigene politische Lager, das in ihm nun eine Art Hoffnungsträger sieht, das zusammenzuckte. Denn er hatte sich nicht in die Demut geflüchtet, die man von einem Gefallenen erwartet, sondern war zum Angriff übergegangen, und zwar nach innen.</p>



<p>George Clooney, der Hollywoodstar, der seinen Vater im Sommer 2024 in einem vielbeachteten Gastbeitrag der «New York Times» öffentlich zum Rückzug aus dem Wahlkampf gedrängt hatte, sei gar kein Schauspieler, sondern bloss «eine Marke» – «Scheiss auf ihn und auf alle um ihn herum». James Carville, die legendäre Strategenlegende der Demokraten, der einst Bill Clinton ins Weisse Haus gebracht hatte, habe seit vierzig Jahren keine Wahl mehr gewonnen. David Axelrod, der Chefstratege hinter Obamas Aufstieg, habe in seinem Leben genau einen Erfolg gehabt, und der heisse Barack Obama, nicht Axelrod. Die Hosts von <em>«Pod Save America»,</em> dem einflussreichsten linksliberalen Polit-Podcast des Landes, betrieben von früheren Obama-Redenschreibern, seien vier Millionäre aus Beverly Hills, die seit sechzehn Jahren von ihrer einstigen Nähe zu Obama zehrten. Und Jake Tapper, der CNN-Starmoderator, dessen Enthüllungsbuch über den geistigen Verfall seines Vaters gerade die Bestsellerlisten füllte, betreibe schlicht Geldmacherei und solle endlich erwachsen werden.</p>



<p>Das linksliberale Establishment reagierte mit peinlich berührtem Wegsehen: CNN fragte, ob überhaupt irgendjemand diesem Mann zuhören solle, und die Antwort, die mitschwang, war ein höfliches Nein. Er war das Sinnbild des Scheiterns, der lebende Beweis, dass mit den Bidens etwas schiefgegangen war, ein Name, den man in den Sälen der Vernunft lieber nicht mehr aussprach. Heute kann es nicht genug von ihm sein. Dieselben Häuser, die seinen Namen mieden, sezieren ihn nun seitenweise: «Newsweek» macht ihn «Blitzableiter der Nation», die «Washington Post» bestaunt den Mann, der endlich kein Blatt mehr vor den Mund nehme, und dem «Atlantic» dämmert unter dem Titel <a href="https://www.theatlantic.com/ideas/2026/06/hunter-biden-shameless-media/687502/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Das Leben nach der Scham»</a>, was hier gerade am Passieren ist – einer, den kein fremder Schlag mehr treffen kann.</p>



<p><strong>Ein Mann weigert sich, zu verschwinden</strong></p>



<p>Sein erstes grosses Gespräch nach seinem Comeback auf X im Mai 2026 führte er nicht mit einem Wohlmeinenden, sondern packte den Stier bei den Hörnern: Er traf sich mit <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Ux1kzgQxkws" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Candace Owens</a>, der MAGA-Scharfmacherin, die ihn jahrelang als Crackhead verspottet und seine Laptop-Inhalte durch ihre Kanäle gejagt hatte. Zwei Stunden sass sie ihm gegenüber. Am Ende entschuldigte sie sich und gestand, sie fühle sich «grauenhaft» wegen allem. Seine Methode war so schlicht wie verheerend: Als Owens ihn mit der Sucht konfrontieren wollte, kam er ihr zuvor: «Die Wahrheit ist: Ich war ein Crackhead.»</p>



<p>Hunter Bidens Fall wird zum Lehrstück über die Logik der Gegenwart. Die Cancel Culture – ob von links oder von rechts betrieben – verfolgt im Grunde ein einziges Ziel: dass bestimmte Menschen nicht mehr stattfinden. Dass sie verschwinden, dass sie sich auflösen, dass sie aufhören, einen Ort in der Öffentlichkeit zu beanspruchen. Sie ist eine Maschine zur Herstellung von Abwesenheit. Und sie funktioniert, solange der Beschämte den Befund über sich selbst unterschreibt und freiwillig von der Bühne tritt. Hunter Biden tritt nicht ab. Er postet das Foto, das ihn vernichten sollte – den unrasierten Körper auf einem Motelbett, die Zigarette im Mundwinkel –, und kontert damit den alten Vorwurf, ein korrupter, von der Macht seines Vaters gemästeter Elitenspross zu sein: «Sehe ich etwa so aus, als gehöre ich zur elitären Oligarchenklasse? Das Foto wurde übrigens in einem Super-8-Motel an der I-95 aufgenommen.»</p>



<p>Als ein anonymer Account ihm ein gestohlenes Foto entgegenhielt – er selbst, schlafend, die Crackpfeife noch im Mund, eines der Millionen Fundstücke aus dem geplünderten Laptop – und dazu schrieb, seine ganze Familie sei eine Schande, da antwortete Biden nicht mit Hohn. Er sah nur das Profilbild des Absenders, Johnny Cash, und gab dem Fremden die Geschichte seines eigenen Helden <a href="https://x.com/HunterBiden/status/2062909270643892416" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zurück</a>:</p>



<p>«Ich sehe dein Profilbild. Das ist Johnny Cash. Ebenso mein Held. Er wurde sieben Mal verhaftet. Schmuggelte 1965 668 Amphetamine über die mexikanische Grenze. Er probierte jede Droge aus, die es gab, und trank genauso viel wie ich. Er betrog seine erste Frau. Er schlief mit mehr Frauen, als ich es je tat. 1968 erreichte er in einer Höhle in Tennessee den Tiefpunkt, als er versuchte, davonzukriechen und zu sterben. Und dann stand er wieder auf. Er wurde clean. Er verbrachte den Rest seines Lebens damit, für Gefangene und Süchtige und die Menschen zu singen, die das Land weggeworfen hatte, weil er wusste, dass er einer von ihnen war. Das war der Sinn hinter dem Man in Black. Er trug den Anzug für die Armen und die Niedergeschlagenen. Er trug ihn für den Gefangenen, der längst für sein Verbrechen gebüsst hatte. Er trug ihn für diejenigen, die noch nie ein Wort von Jesus gehört hatten. Er trug ihn für die Süchtigen und die Sterbenden. Er trug ihn als ständiges Zeugnis dafür, dass jeder gerettet werden kann. Du hast sein Bild ausgewählt. Aber du hast seine Botschaft nicht angenommen. Versuch doch mal, auf seine Worte zu hören.»</p>



<p>Mit einer einzigen Drehung hatte er dem Angreifer das eigene Idol aus der Hand genommen.</p>



<p><strong>Das zurückeroberte Gesicht</strong></p>



<p>Dieselbe Bewegung kehrt in seinem schönsten Dokument wieder, und es ist kein Text, sondern ein Bild – Biden ist in den sieben Jahren seiner Abstinenz zu einem <a href="https://hunterbiden.com/current-works" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ernsthaften Maler</a> geworden. Er nahm jenes eine Foto, das die <em>New York Post</em> und die <em>Daily Mail</em> jahrelang immer wieder neben ihre Schlagzeilen druckten, weil sie darin etwas Degeneriertes zu erkennen glaubten – ein Mann am Tiefpunkt seiner Sucht, erschöpft, der überlegte, wie er allem ein Ende setzen könnte –, und malte daraus ein Selbstporträt. Es heisst schlicht «Self Portrait #2» und zeigt ein Gesicht aus tausend Kacheln, Stück für Stück, Pixel für Pixel durch die harte Arbeit der Genesung wieder zusammengesetzt. Ihr Porträt, schreibt er darunter, sei das eines Monsters gewesen; seines zeige einen Menschen, der es wert ist, gerettet und vergeben zu werden. Und dann jener Satz, der das transparente Zeitalter dort trifft, wo es den Menschen für lesbar und damit für besitzbar hält: Der Mann auf diesen Bildern gehöre nicht mehr ihnen. «Er gehört mir, und ich liebe ihn.» Darunter, in zwei Worten, das ganze Programm: «Wir genesen.»</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="824" height="1024" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Self-portrat-824x1024.jpg" alt="Screenshot" class="wp-image-709489" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Self-portrat-824x1024.jpg 824w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Self-portrat-241x300.jpg 241w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Self-portrat-768x955.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Self-portrat.jpg 1224w" sizes="auto, (max-width: 824px) 100vw, 824px" /><figcaption class="wp-element-caption">Pixel für Pixel zurück ins Leben: Aus dem Material seiner Demütigung wird Kunst – Hunter Bidens «Self Portrait #2».</figcaption></figure>



<p><strong>Nicht «Ich», sondern «Wir»</strong></p>



<p>Womöglich ist die aktuelle Faszination für Hunter Biden ein Reflex der Erschöpfung an einem Politbetrieb, der sich wie ein makelloser Dauerwerbespot inszeniert, in dem das Versagen im Drehbuch nicht vorgesehen ist. Aber die Bedeutung dieses Falls hat sowieso nie in der Wahlarithmetik gelegen, sondern woanders, und das ist viel wichtiger.</p>



<p>Das transparente Zeitalter hatte sich einen Menschen gesucht, um an ihm seine Macht zu beweisen. Zwanzig Jahre lang hat es ihn ausgeschlachtet, jede Zeile, jedes Bild, und in dem Augenblick, in dem es ihn zu besitzen glaubte, ist er entglitten. Nicht, weil er etwas verschwieg, sondern weil er nichts mehr verschwieg. Einen Menschen, der sich entschieden hat, ganz sichtbar zu sein, kann man nicht mehr zum Verschwinden bringen.</p>



<p>Und das Grösste ist, dass er nicht sagt: «Ich genese», sondern: «Wir genesen.» Die Cancel Culture wollte, dass er nicht mehr stattfindet. Er findet statt.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Sie schenkte Trump den Nobelpreis – jetzt lässt er sie sitzen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/welt/sie-schenkte-trump-den-nobelpreis-jetzt-laesst-er-sie-sitzen/</link>
					<pubDate>Sat, 04 Jul 2026 08:12:52 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Maria-Machado-e1783097138360-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Maria Machado" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Maria-Machado-e1783097138360-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Maria-Machado-e1783097138360-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Maria-Machado-e1783097138360-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Maria-Machado-e1783097138360.png 1367w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>María Machado will nach Venezuela zurück. Doch der US-Präsident gibt ihr keinen Schutz. Für seine Geschäfte braucht er sie nicht.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Mit Venezuelas neuer autokratischer Interim-Präsidentin Delcy Rodríguez kann die Trump-Regierung lukrative <a href="https://www.nytimes.com/2026/01/10/world/americas/delcy-rodriguez-venezuela-economy-trump.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Geschäftsdeals</a> abschliessen. Der US-Präsident sorgte insbesondere dafür, dass bei der Ausbeutung des Öls praktisch ausschliesslich US-Konzerne zum Zug kommen.</p>



<p>Da steht die Exponentin der venezuelanischen Opposition, María Corina Machado, nur im Weg. Präsident Donald Trump hat ihr jeglichen Schutz verweigert, falls sie auf eigene Faust nach Venezuela zurückkehrt. Nach dem Erdbeben bat sie die US-Regierung vergeblich, ihre Sicherheit bei einer Rückkehr zu garantieren. Sie wandte sich nach Informationen der «New York Times» ans Aussenministerium und an Kongressmitglieder mit der Bitte, ihre Rückkehr nach Venezuela zu unterstützen.</p>



<p>Vergeblich hatte Machado ihren Nobelpreis – gegen den Willen des Nobelpreiskomitees – Präsident Trump geschenkt. Trump lässt sie fallen. Die USA könnten ihre Sicherheit nicht garantieren.</p>



<p>Die «New York Times» kommentiert: «Es ist eines der krassesten Beispiele, wie Trump die internationale Position der USA durcheinanderbringt, ehemalige Gegner stärkt, Verbündete im Stich lässt und Geschäftsabschlüssen Vorrang einräumt.»</p>



<p>Nach Angaben der Zeitung besitzt Machado keinen gültigen venezuelanischen Pass mehr und hält sich mehrheitlich in Panama auf. Vor einer Woche wollte sie in die niederländische Karibikinsel&nbsp;Curaçao reisen, die nur 65 Kilometer von Venezuela entfernt liegt. Doch die Niederlande, die für die Aussenbeziehungen der Insel zuständig sind, lehnten eine Einreise ab, nachdem die USA für ihre Reise nicht hatten bürgen wollen.&nbsp;</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/78a9ef174f784ae9998bd754330a67c2" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Sprachlupe: Fehler, die auch Sprachwandel anzeigen könnten</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/kultur/sprachlupe-fehler-die-auch-sprachwandel-anzeigen-koennten/</link>
					<pubDate>Sat, 04 Jul 2026 06:45:14 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=709733</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="aa_Sprachlust_Daniel_4c" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-1024x613.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742-600x359.png 600w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/07/Sprachlupe-NEU-e1720266055742.png 1482w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Stören in Medienberichten falsche Wortformen, so kann man klagen, Deutsch werde unförmig, oder bloss finden, es werde formloser.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Die Mitteilung am Radio liess aufhorchten: «Sie buken kleinere Brötchen.» Es ging um den G-7-Gipfel von Evian; das Besondere war nicht die Bescheidenheit der Resultate, sondern die Verbform <em>buken</em>. Sie erinnerte mich angenehm an meine Schulzeit, die doch schon etwas länger zurückliegt. Grund genug, im Duden nachzuschauen, ob er die starke Form <em>buk</em> neben der inzwischen weit häufigeren schwachen Form <em>backte</em> noch gelten lasse. Das tut er, auch beim Konjunktiv <em>büke</em>, beides mit dem Vermerk «älter». Der steht auch bei <em>stak/stäke</em>, wie ich es just in der letzten «Sprachlupe» verwendet hatte; diese Formen sind für den Duden zusätzlich «gehoben». Ein solcher Ritterschlag würde auch passen, dieweil sie am Gipfel buken.</p>



<p>So schön diese älteren, unregelmässigen Formen mit verändertem Vokal auch sind: Sie haben es heutzutage schwer. Die Sprachwissenschaft kennt, nicht nur im Deutschen, eine Art Gesetz, wonach der Formenreichtum mit der Zeit abnimmt, etwa weil sich einfacher zu bildende Beugungen durchsetzen. «Die Kuh ist gemelkt, der Zopf geflechtet, der Schatz gehebt» titelte dazu das <a href="https://www.spektrum.de/news/wie-wird-sich-die-deutsche-sprache-in-zukunft-aendern/2146014" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Spektrum der Wissenschaft» 2023</a>. Viel weiter gediehen ist die Vereinfachung im Englischen. Auf Deutsch gibt es immerhin auch gegenläufige Bewegungen: So nannte der Duden früher <em>gewunken</em> «falsch», heute stellt er nur noch fest, es stehe «häufig» anstelle von <em>gewinkt</em>. Da ich am Radio nach Urnengängen ab und zu (auf Politiker-Hochdeutsch) <em>gestummen</em> höre, hat diese Form vielleicht Chancen auf einen Duden-Eintrag mit Vermerk «schweizerisch mundartnah».</p>



<p><strong>Was man hing, das hängte, nicht wahr?</strong></p>



<p>Recht häufig kommen in den Medien Verwechslungen vor, wenn es beide Formen gibt, aber in unterschiedlichen Bedeutungen. Einige echte, gedruckte Beispiele: «Sie hing Zettel an kulturellen Orten in Bern auf.» – «Sie hing ihre Karriere an den Nagel.» – «Odermatt hing beinahe mit der Hand an einem Tor an.» Oder umgekehrt: «An der Wand hängte ein Porträt von Wladimir Putin.» Manchmal könnte wie bei <em>gestummen </em>die Mundart hineingefunkt haben: «Das muss überdenkt werden.» Wo Berge sich erheben, da hat – wie Sangesfreudige wissen – der Fels «als Ägide die Hütte überdacht».</p>



<p>Nicht am Öschinensee: «Dort schufen sie den Service kurzerhand ab.» Besonders tückisch: Dass Gott (oder die Alpenfaltung) den Berg <em>schuf</em>, ist auch heute noch die korrekte Ausdrucksweise. Ebenso, dass Gott diesen Teil seiner siebentägigen Parforcetour gewiss in weniger als einer Minute <em>schaffte</em>, während die Alpenfaltung etwas länger brauchte. Anfällig für Missgriffe sind auch <em>bewegte/</em><em>​</em><em>bewog </em>und <em>gesonnen/</em><em>​</em><em>gesinnt</em> mit je unterschiedlicher Bedeutung. Keine Verwechslung, sondern einfach Fehler sind die Beispiele «es darf gelügt werden» und «hoch und heilig geschwört». Aus Kindermund hört man derlei oft und es kann den heute weniger formalistischen Schulunterricht überstehen, danach sogar bis in die Medien gelangen. Vielleicht handelt es sich auch einfach um Vorgriffe auf einen Sprachwandel, an den man sich gewöhnen muss.</p>



<p><strong>Dem Bauer geben, was des Landwirten ist?</strong></p>



<p>Nicht nur Verben, auch Substantive gehören in den medialen Formensalat. Als ich den falschen schwachen Genitiv «des Landwirten» hörte, musste ich an die starke Form <em>des Bauers</em> denken. Das ist der einzig richtige Wesfall, wenn jemand gemeint ist, der etwas baut, etwa ein Strassenbauer. Auch wenn es um einen Käfig geht: <em>des </em><em>Vogelbauer</em><em>s</em>. Gedenken wir aber eines Mannes, der gebauert hat, dann gedenken wir heute fast immer <em>des Bauern. </em>Der Genitiv <em>des Bauers</em> wäre laut Duden auch hier nicht falsch, nur selten. Häufig verwendet, aber offiziell falsch ist indessen bei <em>gedenken</em> der Dativ, ob <em>dem Bauer </em>oder <em>dem Bauern</em> (als Form beides richtig). Auch banalere Fallfehler sind oft an der Wortform erkennbar, denn der Dativ ist «dem Genitiv sein Tod» (Bastian Sick) und in jüngerer Zeit häufen sich manchenorts Akkusativfehler.</p>



<p>Besondere Mühe machen Fremdwörter. Da ist Marco Odermatt wie Roger Federer «jemand, den man als Klickgarant bezeichnen darf» (richtig: <em>…g</em><em>arant</em><em>en</em>). Umgekehrt nannte jemand Donald Trump «einen Hegemonen» (statt <em>Hegemon</em>) und jemand anderes versah das Zürcher Schauspielhaus mit «einem Direktoren». Letzterer musste zum Ausgleich ins «Büro des Intendants»; starke und schwache Beugung hatten also vermeintlich die Büros getauscht. Fast schon Routine ist es, von «einem Autoren» zu reden, dabei könnten sogar törichte Redaktoren mühelos ihre Eselsbrücke nutzen: Der Redaktor ist kein tumber Tor, also hat er anderen Genitiv. Deshalb versteht er sich als Tor zur Welt.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li>Indexeintrag «Rechtschreibung» in den «Sprachlupen»-Sammlungen: <a href="https://nbn-resolving.org/urn:nbn:ch:bel-1786907" target="_blank" rel="noreferrer noopener">tiny.cc/lupen1</a> bzw. <a href="https://nbn-resolving.org/urn:nbn:ch:bel-2162179" target="_blank" rel="noreferrer noopener">/lupen2</a>, <a href="http://tiny.cc/lupen3" target="_blank" rel="noreferrer noopener">/lupen3</a>. In den Bänden 1 und 2 (Nationalbibliothek) funktionieren Stichwort­suche und Links nur im herun­tergeladenen PDF.</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>Eine Ohrfeige für UBS-Ermotti und weichgeklopfte Parlamentarier</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/kapitalmarkt/eine-ohrfeige-fuer-ubs-ermotti-und-weichgeklopfte-parlamentarier/</link>
					<pubDate>Fri, 03 Jul 2026 08:15:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-20.02.28-e1783017083533-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Eigenkapitalvorschriften" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-20.02.28-e1783017083533-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-20.02.28-e1783017083533-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-20.02.28-e1783017083533-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-20.02.28-e1783017083533-1536x921.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-20.02.28-e1783017083533.png 1795w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Laut Nationalbank verfügt die UBS schon heute über genügend Kapital, um die Forderungen des Bundesrats vollständig zu erfüllen. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Mit einem enormen Aufwand versucht UBS-CEO Sergio Ermotti Parlamentarierinnen und Parlamentariern weiszumachen, dass die Eigenkapital-Forderungen des Bundesrats überrissen seien. Die UBS würde den Anschluss an andere Grossbanken verlieren oder werde sogar zum Auswandern gezwungen, behaupteten Ermotti und seine Lobbyisten landauf, landab.&nbsp;</p>



<p>Doch jetzt hält die Schweizerische Nationalbank dagegen. In ihrem neusten <a href="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/SNB-Finanzstabilitaet_2026.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bericht</a> über die Finanzstabilität unterstützt sie die Forderungen des Bundesrats voll und ganz und desavouiert damit alle Parlamentsmitglieder, die nach einem «Kompromiss» suchen und der UBS entgegenkommen wollen.</p>



<p>Die Nationalbank bringt die PR-Kampagne der UBS zum Einbrechen. Denn die 20 Milliarden Dollar mehr Kapital, welche Bundesrätin Karin Keller-Sutter und mit ihr der Bundesrat fordern, stehen der UBS längst zur Verfügung. Die Grossbank braucht keine Kapitalerhöhung. Originalton der Nationalbank: «Die UBS verfügt bereits über ausreichend Kapital, um die vorgeschlagenen Anforderungen zu erfüllen.»&nbsp;(«UBS already has sufficient capital to meet the proposed requirements.»)</p>



<p>Wichtiger Grund: Die UBS verschweige in ihren Verlautbarungen die Kapitalreserven in Höhe von 9 Milliarden Dollar, über welche die Schweizer UBS AG Ende 2025 verfügt habe. Unter Einbeziehung dieser Reserven besitze die UBS bereits heute ausreichend Kapital, um die Anforderungen der vorgeschlagenen Kapitalreform zu erfüllen, erklärt die Nationalbank.</p>



<p>Antoine Martin, Vizepräsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, sagt dazu: «Die vom Bundesrat vorgeschlagene vollständige Unterlegung von ausländischen Beteiligungen des Stammhauses mit hartem Kernkapital ist wichtig. Sie ist zielgerichtet, da sie eine Schwachstelle in der Regulierung adressiert, die sich während der Krise der Credit Suisse deutlich gezeigt hatte. Sie ist zudem verhältnismässig und wird die Stabilität des Finanzsystems in der Schweiz stärken.»</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br><strong>D</strong>ie Nationalbank<strong> will eine Doppelzählung des Kapitals verhindern</strong></h2>



<p>In der derzeitigen Rechtsstruktur der UBS fungiert die Mutterbank (UBS AG) laut Stabilitätsbericht sowohl als Holdinggesellschaft, die in- und ausländische Tochtergesellschaften besitzt, als auch als Bank, die eigene Geschäftsaktivitäten ausübt.&nbsp;</p>



<p>Die Mutterbank benötigt Kapital, um die Risiken sowohl ihres eigenen Geschäfts als auch des Geschäfts ihrer ausländischen Tochtergesellschaften abzudecken. Nach den geltenden Eigenkapitalvorschriften muss die Mutterbank jedoch lediglich etwa 45 Prozent ihrer ausländischen Beteiligungen mit Kapital unterlegen.</p>



<p>Dazu die Nationalbank: «Dies entspricht einer Doppelzählung von Kapital, was grundlegenden aufsichtsrechtlichen Prinzipien widerspricht.»</p>



<p>Denn die UBS müsse gleichzeitig zwei Risiken abdecken: das Risiko des eigenen Geschäfts der Mutterbank und das der ausländischen Tochtergesellschaften.&nbsp;</p>



<p>Die vom Bundesrat verlangte vollständige Kapitalunterlegung auch der Tochtergesellschaften stärke die Widerstandsfähigkeit der Bank in einer Krise in zweierlei Hinsicht: «Erstens stellt sie sicher, dass die Schweizer Mutterbank vor Verlusten aus ihren ausländischen Beteiligungen geschützt ist. Zweitens gewährleistet sie, dass gängige Sanierungsmassnahmen, wie beispielsweise die Restrukturierung der Bank mittels Veräusserungen, weiterhin zur Verfügung stehen. Dies wiederum verringert die Wahrscheinlichkeit einer notwendigen staatlichen Unterstützung und mindert das Risiko für die Steuerzahler.»</p>



<p>Auf <a href="https://insideparadeplatz.ch/2026/07/02/snb-ubs-sagt-nicht-die-wahrheit/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Inside Paradeplatz» </a>meint Lukas Hässig dazu: «Was Ermotti wirklich anstrebt, zeigt die heutige Financial Times:&nbsp;<a href="https://www.ft.com/content/87adda62-321c-45c7-8765-e0bd79794bd5?syn-25a6b1a6=1" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ever Bigger in U.S.</a>&nbsp;Vorbild ist Jamie Dimon, der letztes Jahr&nbsp;<a href="https://www.reuters.com/sustainability/boards-policy-regulation/jpmorgan-ceo-jamie-dimons-pay-rises-2025-2026-01-22/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">43 Millionen Dollar</a>&nbsp;kassierte.&nbsp;</p>



<p>Sergio Ermotti brachte es 2025 auf lediglich&nbsp;<a href="https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2026-03/67886145-ubs-chef-sergio-ermotti-kassiert-erneut-14-9-mio-fr-095.htm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">15 Millionen Franken</a>.</p>



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														</item>
							<item>
					<title>Auslandschweizer in Belarus und Russland erhalten wieder Rente</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/auslandsschweizer-in-belarus-und-russland-erhalten-wieder-rente/</link>
					<pubDate>Fri, 03 Jul 2026 08:10:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=710193</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="198" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-18.43.59-300x198.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Seniorin zählt Geld" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-18.43.59-300x198.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-18.43.59-768x506.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-18.43.59.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Medialer Druck hilft Zahlungsstopp aufzuheben. Die Raiffeisenbank Wien rettet rund 60 Personen in existenzieller Not.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Seit Februar 2026 standen knapp 60 Auslandschweizer und -schweizerinnen «mit abgesägten Hosen da». So formulierte es der betroffene Hans Rudolf Knecht. Ihre AHV-Rentenzahlungen, die früher anstandslos an ihren Wohnsitz in Belarus oder Russland erfolgt waren, wurden damals gestoppt. Ohne Rechtsgrundlage.&nbsp;</p>



<p>Sanktionen gegen Belarus und Russland und die Angst der Banken vor möglichen juristischen Problemen führten zum Zahlungsstopp. «Die Postfinance übt sich in&nbsp;Overcompliance», schrieb «<a href="https://dieschweiz-online.ch/die-postfinance-uebt-sich-in-overcompliance/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Die Schweiz-online.ch</a>», die als Erste darüber berichtete.&nbsp;</p>



<p>Deshalb mussten die Betroffenen seit Februar entweder vom Ersparten zehren oder – ebenfalls wegen der Sanktionen – über Umwege irgendwie in die Schweiz reisen, um an die ihnen zustehenden AHV-Gelder zu kommen.&nbsp;</p>



<p>«Alle anderen westeuropäischen Länder zahlten die Renten in diese beiden Länder ununterbrochen aus. Einzig die Schweiz nicht», sagt Margret Kiener Nellen, ehemalige SP-Nationalrätin und ehemalige Präsidentin der OSZE-Delegation der Bundesversammlung. Sie setzte sich – «wie viele andere» – für die betroffenen Auslandsschweizer ein. Auch die Botschaften in Minsk und Moskau halfen mit. <a href="https://www.infosperber.ch/politik/schweizer-erhalten-wegen-sanktionen-keine-ahv-rente-mehr/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Infosperber</a> machte den Schlamassel Anfang Mai publik, grosse Medien folgten.</p>



<p>Nach monatelangen Bemühungen verschickt die Zentrale Ausgleichsstelle (ZAS) nun frohe Nachrichten an die betroffenen Auslandsschweizerinnen und -schweizer: «Es freut uns, Ihnen mitteilen zu können, dass nunmehr wieder ein sanktionsrechtlich unbedenklicher Zahlungskanal für Ihr Wohnsitzland offensteht.» Ab nächster Woche können die Renten demnach wieder nach Belarus und Russland überwiesen werden. Die Raiffeisenbank Wien springt <a href="https://www.zas.admin.ch/dam/de/sd-web/bxJ9WPW2lHf5/20260702%20Informationen%20Renten%20Russland%20Belarus_DE.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">laut der ZAS</a> als Korrespondenzbank ein. </p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/schweizer-erhalten-wegen-sanktionen-keine-ahv-rente-mehr/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schweizer erhalten wegen Sanktionen keine AHV-Rente mehr</a>, Infosperber vom 4.5.2026</li></ul></div>



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<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/9fb1ff48173440d3a8995db6dbc7335f" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Sterben ist ein Skandal» – zur Erinnerung an Jean Ziegler</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/sterben-ist-ein-skandal-zur-erinnerung-an-jean-ziegler/</link>
					<pubDate>Fri, 03 Jul 2026 08:05:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=710025</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="165" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-10.09.44-300x165.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Jean Ziegler" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-10.09.44-300x165.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-10.09.44-768x423.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-10.09.44.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Ein Nachruf von Rudolf Strahm, der den engagierten Soziologen seit seiner Studentenzeit kannte. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p><strong>«</strong>Sterben ist ein Skandal», klagte mir Jean Ziegler am letzten Telefon, als er schon durch seine Parkinson-Krankheit stark gezeichnet und behindert war. «Non!», soll sein allerletzter Ausruf gelautet haben. Doch Jean Ziegler hatte sich schon vorher in seinem zweitletzten Buch «Chemins d’Espérance» («<a href="https://nalda.ch/products/9783570103289" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der schmale Grat der Hoffnung</a>», 2016) in einer Bilanzierung seines Lebens auseinandergesetzt.</p>



<p>Die Abdankungsfeier in der voll besetzten Reformationskathedrale des Jean Calvin in Genf wird wohl allen, die dabei waren, in tiefer Erinnerung bleiben. Ein Dutzend Würdigungen aus allen Kontinenten wiederholten den Dank: «Merci Jean, tu vas nous manquer.» Es ertönte das erschütternde Dankeslied «Gracias a la vida» einer Lateinamerikanerin. Und nach dem Abschluss der Totenmesse des katholischen Priesters intonierte die Orgel die Internationale, es ertönte tausendstimmig mit teils erhobenen Fäusten: «Debout les damnés de la terre».</p>



<p><strong>Als nationaler Nestbeschmutzer denunziert</strong></p>



<p>Ich hatte den jungen Privatdozenten Jean Ziegler als Student und «Tiers-Mondiste» an der Uni Bern Ende der 1960er Jahre erlebt. Ziegler dozierte mit starkem Bezug zur französischen Ethnosoziologie von Balandier, Lévy-Strauss und Co. Gleichzeitig mobilisierte er unsere Gemüter mit Bezug zum Biafra-Krieg und zu den Kolonialkriegen in Angola, Mozambique und Guinea-Bissau.</p>



<p>Jahre später hatte ich das Privileg, mit zwei andern Ökonomen Zulieferhilfen zu leisten für sein erstes Buch zur Schweiz «La Suisse au-dessus de tout soupçon» («Eine Schweiz über jeden Verdacht erhaben», 1976). Es entfachte einen Aufruhr in den Medien. Noch nie zuvor hat einer so weltweit publikumswirksam Bankgeheimnis, Kapitalflucht, Geldwäscherei und die Doppelmoral der Schweiz vor Augen geführt und mit Beispielen illustriert. Von da an wurde Ziegler von der hiesigen Finanzplatz-Nomenklatura als nationaler Nestbeschmutzer exkommuniziert, denunziert und gemieden. </p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="398" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-10.09.15.png" alt="Jean Ziegler" class="wp-image-710045" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-10.09.15.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-10.09.15-300x149.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-10.09.15-768x382.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Für die Finanzplatz-Nomenklatura wurde Jean Ziegler zur persona non grata. </figcaption></figure>



<p><strong>In der ganzen Welt bekannt</strong></p>



<p>Ich glaube, ohne Jean Zieglers Weckruf von 1976 hätte die SP nach dem Chiasso-Skandal der Schweizerischen Kreditanstalt SKG nicht den Mut gehabt, ab 1978 die Bankeninitiative zu lancieren und bis 1984 (erfolglos) durchzuziehen. (Ich war dabei als Präsident der Vorbereitungsgruppe und später SP Zentralsekretär). SP-Präsident Helmut Hubacher stand immer zu Ziegler; und er spöttelte: «Im Ausland weiss ja niemand, wie unsere Bundesräte heissen, aber Jean Ziegler kennt man in der ganzen Welt.»</p>



<p>Ich war als SP-Zentralsekretär mit Jean Ziegler im April 1983 an der Tagung der Sozialistischen Internationale SI unter Willy Brandt und François Mitterand im portugiesischen Albufeira. Dort begrüsste Ziegler herzlich den gemässigten Palästinenser-Führer Issam Sartawi, den er gut kannte. Am nächsten Tag wurde Sartawi im gleichen Hotel von radikalen PLO-Kämpfern erschossen.</p>



<p>2003 war ich mit Jean Ziegler am World Social Forum in Porto Alegre und erlebte, wie er dort geehrt, applaudiert und vielsprachig als charismatischer Redner gefeiert wurde.&nbsp;</p>



<p>Ich erlebte als Parlamentskollege, wie sich schmalbrüstige politische Wadenbeisser gegen Ziegler zu profilieren suchten, – und meist an seiner freundlichen Nonchalance und Wortmächtigkeit abprallten.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="441" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-10.09.27.png" alt="Jean Ziegler" class="wp-image-710047" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-10.09.27.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-10.09.27-300x165.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-10.09.27-768x423.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">An seiner Wortmächtigkeit prallten Zieglers Gegner im Parlament ab. </figcaption></figure>



<p><strong>In Details nicht immer sattelfest</strong></p>



<p>Jean Ziegler hat in seinem Leben rund 30 Buchtitel herausgebracht, die weltweit in vielen Sprachen und in Millionenauflagen verbreitet worden sind. Solange er Nationalrat war, prallten die rechtlichen Klagen an seiner parlamentarischen Immunität ab. Doch nach seinem Rücktritt als Nationalrat und dann als Uno-Sonderberichterstatter gegen den Hunger war er nicht mehr geschützt. Er zahlte mit strafrechtlichen Bussen und zivilrechtlichen Entschädigungen hunderttausende Franken.</p>



<p>Gewiss, in Details und Ziffern war Jean nicht immer sattelfest und solid. Wenn man ihn aufmerksam machte, er hätte sich um eine Zehnerpotenz getäuscht, dann antwortete er bekenntnishaft: «C’est une question de témoignage» – es geht um das Bekenntnis.</p>



<p>Kein Kritiker, kein Gelehrter und kein Politiker kann heute behaupten, Jean Ziegler hätte die fundamentalen Trends des Neokolonialismus und des späten Kapitalismus – etwa die Kapitalflucht, Geldwäscherei, Rohstoffkonzern-Macht und Potentatengelder falsch eingeschätzt oder masslos übertrieben. Der im globalen Süden weit Gereiste hatte&nbsp;lange vor den Anderen die Fehlentwicklungen erkannt und mutig benannt.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="386" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-10.18.02.png" alt="Jean Ziegler" class="wp-image-710053" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-10.18.02.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-10.18.02-300x145.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-10.18.02-768x371.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Jean Ziegler war zeitlebens ein engagierter Soziologe und Buchautor.</figcaption></figure>



<p><strong>Zieglers Beziehung zu Diktatoren</strong></p>



<p>Mehrere Nachrufe zu Jean Ziegler erwähnten mit Häme seine frühere Nähe zu Diktatoren wie Muammar al-Gaddafi, Hugo Chavez, Fidel Castro, Che Guevara, die er alle persönlich kannte. Auch ich empfinde, dass sich Jean mit seiner Solidarität hie und da verrannt hat. Aber, angesprochen auf seine Widersprüche, war er in der Lage, deren sozialpsychologische und historische Persönlichkeitsentwicklung vom Befreiungskämpfer und Guerillaführer zum autokratischen Staatschef zu erklären und nachvollziehbar zu machen.</p>



<p>Die letzten Jahre seines Lebens konnte Jean Ziegler, wohl betreut von seiner zweiten Gattin, der bekannten Kunsthistorikerin Erica Deuber, im Genfer Dorf Russin verbringen und auch häufiger seiner Familie begegnen. Auch mit seiner ersten Frau Wédad Zénie-Ziegler, genannt «Minu», der Mutter seines Sohnes Dominique Ziegler, blieb der Kontakt aufrecht. </p>



<p>Jean Ziegler hatte noch nächste Buchprojekte im Kopf. Doch nun hat der 92-jährige im «Cimetière des Rois», dem Friedhof der historischen Persönlichkeiten der Stadt Genf, seine Ruhestätte gefunden.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="460" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-11.03.43.png" alt="Jean Ziegler Trauerfeier" class="wp-image-710071" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-11.03.43.png 800w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-11.03.43-300x173.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/07/Bildschirmfoto-2026-07-02-um-11.03.43-768x442.png 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Trauerfeier für Jean Ziegler fand am 18. Juni 2026 in der Kirche Saint-Pierre in Genf statt.</figcaption></figure>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/jean-zieglers-ziemlich-verzweifeltes-vermaechtnis-2/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jean Zieglers ziemlich verzweifeltes Vermächtnis</a>, Infosperber vom 11.6.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/kesseltreiben-gegen-jean-ziegler/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kesseltreiben gegen Jean Ziegler</a>, Infosperber vom 18.8.2013</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/welt/jean-ziegler-wir-lassen-sie-verhungern/">Jean Ziegler: Wir lassen sie verhungern</a>, Infosperber vom 13.9.2012</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Rudolf Strahm ist ehemaliger SP-Nationalrat und eidgenössischer Preisüberwacher. Er war sieben Jahre SP-Zentralsekretär.<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>kontertext: Das Übersetzen, die KI und der Kaffee</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/kultur/kontertext-das-uebersetzen-die-ki-und-der-kaffee/</link>
					<pubDate>Fri, 03 Jul 2026 08:00:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=707303</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="150" height="150" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/11/cropped-cropped-Portraet-Marc-Ulrich-1.png"/></p>Ein Übersetzer fragt nach dem Übersetzen in Zeiten der KI und schaut damit auf den Grund der menschlichen Sprache.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Als freier Übersetzer kann ich meinen Beruf nicht mehr erwähnen, ohne dass mein Gesprächspartner mich mitleidig fragt: «Geht das mit der KI? Gibt es noch Arbeit?» Die Frage ist berechtigt. Wozu sollte man einen Übersetzer bezahlen, um langsam etwas zu tun, was die künstliche Intelligenz schnell und gratis machen kann? Das Problem dahinter, das mir genauso wichtig wie allgemein unbeachtet scheint, lautet: indem man die Übersetzer und Übersetzerinnen abschiebt, läuft man Gefahr, das Übersetzen selbst zu erledigen.</p>



<p><strong>Was auf dem Spiel steht</strong></p>



<p>Hier möchte ich die Frage nach der Qualität der KI-generierten Übersetzungen etwas in den Hintergrund schieben. Angesichts der Geschwindigkeit, mit der die erwähnte Technologie sich entwickelt, wird wahrscheinlich ein Grossteil ihrer heute festgestellten Defekte morgen korrigiert werden – aber wer weiss, welche genau und wann? Was aktuell aber auf dem Spiel steht, hat mit der Frage der Qualität letztendlich wenig zu tun.</p>



<p>Erstens ist «Qualität» in Bezug auf Sprache ein höchst relativer Begriff. Wie gesagt, was heute als Fehler auftritt, wird möglicherweise morgen nicht nur nicht korrigiert, sondern dann vielleicht nicht einmal mehr als Fehler betrachtet werden. Dadurch, dass man die Sprache ausschliesslich unter die qualitative Lupe nimmt, verschleiert man sehr oft ihre Formbarkeit. Sprache gehört zu Millionen Sprechern und Sprecherinnen und wird deswegen durch eine Unzahl von Akteuren ständig beeinflusst – es wäre also völlig absurd, die künstliche Intelligenz nicht unter diese Einflüsse zu zählen. Ob das uns gefällt oder nicht (manche dürften das als Teufelskreis betrachten), gestaltet die KI unsere Sprache genauso, wie wir die Sprache der KI gestalten.&nbsp;</p>



<p>Zweitens ist «Künstliche Intelligenz» ein faszinierender, aber ziemlich ungenauer Begriff, der in Wirklichkeit eine Unzahl von mehr oder weniger spezialisierten Tools umfasst, die schon lange vor der Inbetriebsetzung von Chat-GPT entwickelt und benutzt wurden, sowie die Automatisierung und die allgemeine Verbreitung von deren Nutzung: die künstliche Intelligenz zeichnet sich unter anderem durch die Tatsache aus, dass sie überall ist – und das immer mehr. Hier spielt sich das Wesentliche eben ab: Allmählich verschwindet das Menschliche (das heisst von Frauen und Männern betriebene) Übersetzen, es wird durch Automatisierungstools ersetzt. Die Frage ist also: was verschwindet, wenn das Menschliche im Übersetzen verschwindet? Was hat das Übersetzen in sich, das vom Aussterben bedroht wird, wenn nicht mehr Menschen, sondern Maschinen übersetzen?</p>



<p><strong>Das Menschliche des Übersetzens</strong></p>



<p>Das Segensreiche und Spannende am Übersetzen ist, dass es sich&nbsp;<em>in der Tat</em>&nbsp;offenbart. Das grundlegende Paradoxon dieses selbsterklärenden Prozesses lautet: Indem es die Quellsprache durch die Zielsprache ersetzt, erklärt es die Eine durch die Andere. Die Übersetzungsgeste setzt eine Gegenüberstellung voraus, die Spuren hinterlässt. Anders gesagt: eine gute Übersetzung weist etwas Fremdes auf.</p>



<p>Die deutschen Übersetzungen von Proust klären uns zugleich über das Französische und das Deutsche auf, indem sie auf der einen Seite ins eigene Deutsch etwas Französisches aufnehmen und auf der anderen Seite zeigen, was das Deutsche an Französischem schon in sich trägt. Der Übersetzer von Jane Austen wird durch zwei unentwirrbare Lieben angetrieben, ohne die er ihre Werke nicht verstehen, geschweige denn übersetzen könnte: die Liebe für das Englische und die Liebe für das, was die Schriftstellerin aus dem Englischen macht. Wie könnten seine Übersetzungen keine Spuren von dieser Doppelliebe für das Englische aufweisen?</p>



<p>Dieses subtile, bei den Lesern und Leserinnen sogar oft unsichtbare, aber für die Übersetzer und Übersetzerinnen allgegenwärtige Spiel, diese Art Dialog zwischen den Sprachen, diese Verwandlung einer Sprache durch die andere, all das setzt eine Auseinandersetzung mit dem Eigenen und dem Fremden voraus – und zwar nicht nur mit dem Eigenen der eigenen Sprache und dem Fremden der anderen Sprache, sondern auch umgekehrt.</p>



<p>So gesehen ist die Übersetzungssprache mit der des Dichters, des Kindes, des Ausländers und des Verrückten verwandt: Alle, auf die Gefahr hin unverständlich zu sein, tragen in sich das Versprechen einer anderen Sprache und verwischen die Grenzen der Normalität – und alle erinnern uns an die Existenz des anderen, auch in unserem intimsten Inneren. Das ist das Menschliche der Sprache, dem besonders im Übersetzen von Literatur, aber auch im Journalismus Rechnung getragen werden muss.</p>



<p><strong>Die Fantasie der KI</strong></p>



<p>Im klaren Widerspruch zu der oben beschriebenen Qualität stehen offensichtlich das Vorhaben der KI sowie die Fantasievorstellungen ihrer Schaffer. Wo das Übersetzen in der Vielfältigkeit der Sprachen schwelgt, träumen die Tech-Ideologen von einer einzigen, vom Fremden befreiten Sprache. Im Internet werden immer mehr Videos und Texten eigenmächtig durch maschinelle Übersetzungsprogramme übersetzt und der Zugang zu der Ausgangssprache vieler Inhalte immer schwieriger. Noch können die achtsamen Benutzer und Benutzerinnen feststellen, was übersetzt wurde und was nicht, doch ist das Endziel durchsichtig: Die Existenz selbst der Quellsprache sollte vergessen werden. In dieser Hinsicht können die Mars-Vorhaben von Elon Musk als die Fantasie eines neuen Turmes von Babel betrachtet werden: Wo das Übersetzen das Scheitern des Turmbaus und damit die Vielfältigkeit der Sprachen symbolisch feiert, liest der Milliardär die biblische Erzählung buchstäblich und will die Arbeit an der Baustelle wieder aufnehmen.</p>



<p>Dabei setzt die Auslöschung des Fremden eine Verschleierung der Prozesse voraus. Wo das Verständnis der Übersetzungsprozesse von einem verlangt, dass er sich mehr für die Übersetzungsgeste als für das Ergebnis der Übersetzung interessiert, ist die von der KI erzielte Faszination im Gegenteil grösstenteils auf deren magischen Charakter als Black Box zurückzuführen: Egal, wie das Tool arbeitet, Hauptsache ist das Ergebnis und die Tatsache, dass es schnell und autonom erzeugt wird – das heisst ohne Teilnahme des Benutzers. Im krassen Widerspruch zum&nbsp;<em>Open-Source</em>-Gedankengut sollte man bitte nicht unter der Haube nachschauen.</p>



<p><strong>Was wollen wir?</strong></p>



<p>In dieser Hinsicht verhält sich das KI-Übersetzen zum menschlichen Übersetzen wie der Instantkaffee zum Spezialitätenkaffee. Wo der Instantkaffee oder die vollautomatische Kaffeemaschine ein zuverlässiges und schnelles Ergebnis für den geringsten Aufwand verspricht, ist die Extraktion eines Espresso nach allen Regeln der Kunst eine relativ komplexe Operation, die man erlernen muss, die unabwendbaren Schwankungen unterliegt und die viel teurer ist. Aber wer es versucht, weiss es: Der Genuss am Kaffee-Trinken und der damit einhergehende Geschmackssinn, wachsen mit dem Verständnis der Prozesse von Anbau, Röstung und Extraktion.&nbsp;</p>



<p>Was für den Kaffee gilt, gilt nicht nur für das Übersetzen, sondern für alle Belange unseres täglichen Lebens. In diesem Sinne führt uns das nur anscheinend spezialisierte Thema «Übersetzen zur Zeit der KI» zur Grundfrage: Was wollen wir?</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. <em>Marc Ulrich ist gebürtiger Pariser und arbeitet als freier Übersetzer und Essayist für verschiedene Institutionen und Verlage, unter anderem für die Cinémathèque française, Arte, Re:Voir, Diaphanes und Circé.</em><br><br><em>Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe von Autorinnen und Autoren. Sie reflektiert Diskurse der Politik und der Kultur, greift Beiträge aus Medien kritisch auf und pflegt die Kunst des Essays. Zurzeit schreiben regelmässig Silvia Henke, Mathias Knauer, Michel Mettler, Felix Schneider und Beat Sterchi.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Alle bezahlen Strom-Zuschlag – Konzerne erhalten ihn zurück</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/alle-bezahlen-strom-zuschlag-konzerne-erhalten-ihn-zurueck/</link>
					<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 08:06:08 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=709095</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/snapshot-1-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="snapshot" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/snapshot-1-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/snapshot-1-1024x613.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/snapshot-1-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/snapshot-1.png 1486w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Über die Stromrechnung zahlen wir einen Zuschlag für erneuerbare Energie. Konzerne, die viel verbrauchen, bekommen Geld.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>103 Franken bezahlt der durchschnittliche Schweizer Haushalt für die Förderung erneuerbarer Energien. Dies in Form der sogenannten Bundesabgabe von 2,3 Rappen, die auf der Stromrechnung aufgeführt ist. Die Bundesabgabe zahlen auch Firmen. So kommen jährlich 1,3 bis 1,5 Milliarden Franken zusammen.</p>



<p>Für Haushalte ist das Geld nach der Zahlung weg. Für Firmen nicht unbedingt. Firmen mit besonders hohem Stromverbrauch erhalten Geld zurück, wenn sie zusichern, dass sie ihren Stromverbrauch reduzieren. Die Idee dahinter: Firmen in der Schweiz mit hohem Stromverbrauch sollen gegenüber Firmen im Ausland nicht benachteiligt werden.</p>



<p>Wie die Konsumentenzeitschrift Saldo in ihrer jüngsten Ausgabe schreibt, bekamen 302 Firmen insgesamt 119 Millionen Franken zurück. Zu diesen Firmen gehören grosse Konzerne wie die Papierfabrik Perlen (9,5 Millionen Franken Rückerstattung), Stahl Gerlafingen (6,8 Millionen), die Ems-Chemie (3,1 Millionen), Vigier-Ciment (1,9 Millionen), Jura-Cement (1,5 Millionen) und der Lebensmittelhersteller Mondelez (0,4 Millionen). Auch andere Grossverbraucher figurieren auf der Liste, etwa Rechenzentren oder Hanfproduzenten.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/newsletter/" target="_blank" rel=" noreferrer noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="750" height="48" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gelb.png" alt="Newsletter Balken gelb" class="wp-image-590035" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gelb.png 750w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2024/12/Newsletter-Balken-gelb-300x19.png 300w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /></a></figure>



<p></p>



<p>Geld erhalten Firmen nicht nur, wenn sie den Verbrauch reduzieren, sondern auch wenn sie Solaranlagen bauen. 40 Firmen profitierten davon. So bekam die Papierfabrik Perlen neben den erwähnten 9,5 Millionen Franken nochmals 2,1 Millionen.</p>



<p>Die Bedingungen dafür, dass die Firmen die Gelder erhalten, sind nicht besonders streng. Die Vereinbarung gilt an sich für zehn Jahre. Doch in der Hälfte dieser zehn Jahre dürfen die Firmen die Ziele, die sie sich selber gesetzt haben, verfehlen – einfach nicht mehr als zwei Mal nacheinander.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/uebriges-wirtschaft/schluss-mit-mengenrabatten-stromtarife-sollen-sparer-belohnen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Schluss mit Mengenrabatten: Stromtarife sollen Sparer belohnen</a>, Infosperber vom 16. März 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/energieproduktion/bundesrat-roesti-diskriminiert-solarbetreiber-und-stromsparer/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bundesrat Rösti diskriminiert Solarbetreiber und Stromsparer</a>, Infosperber vom 23. Februar 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/energieproduktion/im-sommer-gibt-es-zu-viel-atomstrom-nicht-zu-viel-solarstrom/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Im Sommer gibt es zu viel Atomstrom, nicht zu viel Solarstrom</a>, Infosperber vom 20. Januar 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/eb7878e19947464c9175f62c37f9a068" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
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					<title>Corona-Zeit im Altersheim: Sogar das Telefon weggenommen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/corona-zeit-im-altersheim-sogar-das-telefon-weggenommen/</link>
					<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 07:56:15 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=707877</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="198" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-19-um-12.13.04-300x198.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Corona Pandemie Altersheim" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-19-um-12.13.04-300x198.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-19-um-12.13.04-768x506.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-19-um-12.13.04.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Isolierungs-Massnahmen in Deutschland und in der Schweiz waren entwürdigend und oft nutzlos. Es wäre anders gegangen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Frau Schmid* war kurz vor dem ersten Lockdown aufgrund ihrer Demenz in ein Schweizer Pflegeheim gekommen. Der Zeitpunkt hätte ungünstiger nicht sein können. Sie verstand die Welt nicht mehr. Niemand kam sie besuchen. Unzählige Male telefonierte sie ihren Angehörigen, weinte und flehte – bis ihr jemand das Telefon wegnahm.</p>



<p>Wochen später konnten Frau Schmids Kinder erwirken, dass sie ihre Mutter eine Stunde ins Freie holen durften. Ihr Anblick entsetzte sie: Frau Schmid sass inzwischen im Rollstuhl und war nur noch ein Schatten ihrer selbst.&nbsp;</p>



<p>Andere Heimbewohnerinnen und Heimbewohner wurden immer desorientierter – und dann medikamentös ruhig gestellt oder durch Bettgitter eingeschränkt.</p>



<p>Herr Meier* war im Dezember des ersten Corona-Jahres 2020 so dement geworden, dass es in seinem Zuhause in Deutschland nicht mehr ging. Auch er musste in ein Heim zügeln. Wieder Lockdown.</p>



<p>Von Dezember 2020 bis Januar 2021 durfte Herr Meier keinen Besuch im Heim bekommen. Immer, wenn er seine Frau zu Hause anrief, weinte er so heftig, dass er nicht mehr sprechen konnte. Wenige Wochen später starb er, ohne seine Ehefrau noch einmal gesehen zu haben. Das Paar war über fünfzig Jahre verheiratet.</p>



<p><strong>«Sterben an Perspektivlosigkeit»</strong></p>



<p>«Man hat diese Menschen eingesperrt, ohne richterliche Anordnung», sagt Ursel Heudorf. Die Professorin für Hygiene, Umweltmedizin und öffentliches Gesundheitswesen hatte 28 Jahre beim Gesundheitsdienst der Stadt Frankfurt am Main gearbeitet. Dort leitete sie die Abteilungen für Hygiene und für Infektiologie und pflegte den Kontakt zu den Altenpflegeheimen im Einzugsgebiet. Die Zusammenarbeit mit den Heimen, auch in puncto Hygiene, sei dort über viele Jahre sehr gut gewesen.</p>



<p>So erfuhr Heudorf über ihre Pensionierung 2019 hinaus, was sich zutrug: Viele Bewohner wurden dementer oder depressiver und die Beweglichkeit nahm deutlich ab.</p>



<p>Neu aufgenommene Seniorinnen und Senioren wurden in manchen Heimen erst einmal zehn Tage isoliert. Das nannte sich Infektionsschutz, in den Augen von Heudorf war es «Einzelhaft». Kontroll- und Hilfemechanismen in den Heimen seien damals «weggebrochen». Die Vorschriften seien oft nach dem Motto «je strenger, desto besser» erlassen worden – «ohne darüber nachzudenken, was angemessen und menschlich ist».</p>



<p>Im Sommer 2020 habe ihr eine Heimleiterin gesagt: «Die Bewohnerinnen und Bewohner sterben an Perspektivlosigkeit.»</p>



<p><strong>Alarmierende Nachrichten aus Belgien</strong></p>



<p>Besonders hoch waren die Sterbezahlen in Pflegeheimen in Belgien. Die Organisation «Médecins Sans Frontières» (MSF) sprach von einer «wahren humanitären Krise». MSF-Helfer hatten dort im Frühling 2020 insgesamt 174 Heime besucht – und waren schockiert. Oft habe den Mitarbeitenden <a href="http://dx.doi.org/10.1136/bmj.m3271" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Basiswissen zur Hygiene gefehlt</a>. Zusammen mit dem Pflegekräfte-Mangel und fehlendem Schutzmaterial war dies eine tödliche Kombination. Der blosse Verdacht genügte in belgischen Pflegeheimen – und Verstorbene wurden auch ohne Test als «Covid-Tote» gezählt.&nbsp;</p>



<p>Auch in spanischen Altenpflegeheimen stellte MSF eine «drastische Verschlechterung der gesundheitlichen Situation» bei den Bewohnern vieler Heime fest, die auf Krankheitsausbrüche mitnichten vorbereitet gewesen seien. An die verletzlichsten Menschen in der Pandemie habe man kaum einen Gedanken verschwendet, klagte ein MSF-Mitarbeiter.</p>



<p><strong>Im Lockdown verdurstet</strong></p>



<p>In einem französischen Pflegeheim starben während des ersten Lockdowns innerhalb von fünf Tagen 24 Bewohnerinnen und Bewohner, angeblich im Zusammenhang mit Covid. Die Todesursache war jedoch nicht Covid-19, wie sich bei genauerer Untersuchung herausstellte.</p>



<p>Im besagten Heim herrschte damals – wie in vielen Heimen – grosser Mangel an Hygienemasken. 40 Prozent des Pflegepersonals fehlten, die Übrigen waren heillos überlastet. So blieben etliche Bewohner tagelang in ihren Zimmern sich selbst überlassen – ohne Hilfe beim Essen und Trinken und auch ohne medizinischen Beistand. Denn die Hausärzte hatten auf Telemedizin umgestellt, anstatt ins Heim zu kommen.&nbsp;</p>



<p>Die Bewohner starben vor allem, weil sie wegen des Flüssigkeitsmangels in einen Schockzustand gerieten. Das war das <a href="https://www.jamda.com/article/S1525-8610(20)30354-6/fulltext" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Fazit der Ärzte</a>, die diese Tragödie aufdeckten. Ihr Schluss: «Die ‹Isolationskrankheit› ist wahrscheinlich schädlicher als die Coronavirus-Krankheit selbst.»</p>



<p>Das vermutet auch Heudorf. Als sie die – für jedermann zugänglichen – Daten des Robert-Koch-Instituts sowie von ihr angefragte Daten aus den Altenpflegeheimen auswertete, «hatte ich in keiner Weise den Eindruck, dass da ein besonders gefährliches Atemwegsvirus in Deutschland grassierte».</p>



<p><strong>«Meine Freiheit wurde geraubt»</strong></p>



<p>In Studien und Befragungen <a href="https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-2476-9220" target="_blank" rel="noreferrer noopener">schilderten Heimbewohner</a>, wie sie die Situation erlebten: </p>



<p>«Unsere Meinung wurde nie gefragt.»</p>



<p>«Über meine Gesundheit hinaus fühle ich, dass mir meine Freiheit geraubt wurde, und das finde ich schwer zu ertragen.»</p>



<p>«Da war nichts mehr.»</p>



<p>«Ich habe durchgehalten. Aber vor einer Weile hat sich das geändert, jetzt ist die Moral auf dem Nullpunkt. […] Ich habe keine Lust mehr, etwas zu tun. Ich muss mich zwingen, etwas zu tun, um zu vergessen, dass ich eingesperrt bin, aber es ist nicht richtig. […] Man verändert sich.»&nbsp;</p>



<p>«Sie [das Personal] halten uns für Spielfiguren, für Kinder, weisst du. Sie fragen nicht nach deiner Meinung [. . .]. Wir werden einfach infantilisiert.»</p>



<p>«Es kann nicht mehr so weitergehen. Wir haben kein Leben mehr seit Covid-19. Ja, ich denke mehr und mehr an … Selbstmord. Bevor ich einschlafe, wünsche ich mir, am nächsten Tag nicht mehr aufzuwachen.»</p>



<p><strong>Nur noch schnell das Tablett abgestellt</strong></p>



<p>Auch die Pflegekräfte litten. «Sie mussten mitansehen, wie die Bewohnerinnen und Bewohner verfielen.» Hätten sie die Pflege so gemacht, wie sie es gelernt hatten, hätten sie damit die Hygieneregeln verletzt. Hielten sie die Hygieneregeln ein, wurden sie ihrem Anspruch auf gute, aktivierende Pflege nicht gerecht. «Sie steckten im Dilemma», sagt Heudorf. Überdies fürchteten sie, bei einem Covid-Ausbruch im Heim von den Medien an den Pranger gestellt zu werden oder sich selbst anzustecken.</p>



<p>Eine 70-Jährige in Belgien berichtete in einer Studie, aus der <a href="https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-2476-9220" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Heudorf zitiert</a>: Die Mitarbeiter «hatten keine Zeit mehr. Sie mussten sehr schnell sein, und sie verschwanden schnell.» Wenn sie zum Beispiel das Mittagessen brachten, stellten sie das Tablett ab und gingen. «Und da mein Verstand ein bisschen langsamer wurde, dachte ich über all die Fragen nach, die ich stellen wollte, als sie den Raum bereits verlassen hatten.»&nbsp;</p>



<p>Als ihre Schwiegermutter «an Demenz erkrankte und ihr Augenlicht verlor, hatte sie im Grunde nichts anderes mehr als den Tastsinn &#8230; Und da sitzen wir draussen, sechs Fuss voneinander entfernt, und sie kann nicht einmal sagen, wer da drüben ist. Wir können sie nicht berühren, nichts», berichtete eine kanadische Bürgerin in einer anderen Studie. &nbsp;</p>



<p>Coiffeur, Fusspflegerin, Physiotherapeutin – all die Kontakte, die sonst Abwechslung bringen, hätten gefehlt, klagte eine andere Bewohnerin. «Wir haben es vermisst, […] dreieinhalb Monate, nichts. Am Ende haben wir überall Schmerzen, weil wir nicht aktiv sind.»</p>



<p><strong>Spätes Eingeständnis</strong></p>



<p>Nicht überall klagten die Bewohnerinnen und Bewohner. Manche Heime bemühten sich, Lösungen zu finden und unterliefen auch einmal die strengen Regeln, &#171;aber erzählen Sie es nicht herum&#187;.</p>



<p>Das Schliessen der Pflegeheime habe «sicherlich Schaden verursacht», gestand der Berner Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg kürzlich in einem Interview mit&nbsp;«<a href="https://www.plattformj.ch/artikel/243033/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Plattform J</a>» ein. «Viele dieser Menschen wären lieber mit Covid gestorben, als alleine zu leben – ohne Kontakte mit ihren Verwandten und Freunden.»</p>



<p>Ganz ähnlich hatte es der <a href="https://www.derbund.ch/viele-moechten-lieber-ihre-enkel-sehen-als-den-totalen-schutz-haben-417257082826" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Direktor des Branchenverbands Curaviva</a> 2021 formuliert: «Viele möchten lieber ihre Enkel sehen als den totalen Schutz haben.» Die absolut strikten Besuchsverbote seien «nicht verhältnismässig» gewesen.</p>



<p><strong>Der Pandemieplan: Fertig gestellt, aktualisiert – und ignoriert</strong></p>



<p>Der Pandemieplan, den das deutsche Robert-Koch-Institut zu Beginn der Corona-Pandemie aktualisierte, hätte diese sowieso nicht vorgesehen.&nbsp;</p>



<p>Der Plan empfahl:&nbsp;</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Mitarbeitende schulen</li>



<li>Händehygiene</li>



<li>Schutzausrüstung</li>



<li>Kranke Mitarbeiter müssen zu Hause bleiben.</li>



<li>Kranke Bewohner sollen in ihren Zimmern bleiben oder zusammen mit anderen Erkrankten untergebracht werden.</li>



<li>Falls es im Heim zu einem Ausbruch kommt, sollen Gemeinschaftsaktivitäten dort vorübergehend reduziert werden.</li>
</ul>



<p><strong>Viele Massnahmen ohne nachweisbaren Nutzen</strong></p>



<p>«Die im Pandemieplan genannten Massnahmen waren evidenzbasiert und erscheinen weiterhin sachgerecht. Es gibt bis heute keine belastbaren Belege, dass restriktive Massnahmen, die darüber hinausgingen, genützt haben», stellt Heudorf fest und beruft sich dabei <a href="https://www.cochrane.org/evidence/CD006207_do-physical-measures-such-hand-washing-or-wearing-masks-stop-or-slow-down-spread-respiratory-viruses" target="_blank" rel="noreferrer noopener">auf</a> <a href="https://www.cochrane.org/evidence/CD016192_what-are-benefits-and-harms-different-sars-cov-2-testing-methods-when-trying-stop-people-getting"></a><a href="https://www.cochrane.org/evidence/CD016192_what-are-benefits-and-harms-different-sars-cov-2-testing-methods-when-trying-stop-people-getting" target="_blank" rel="noreferrer noopener">umfangreiche</a><a href="https://www.cochrane.org/about-us/news/can-non-pharmacological-measures-prevent-or-reduce-covid-19-sars-cov-2-infections-long-term#gsc.tab=0" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> Studien</a> der Cochrane-Wissenschaftsvereinigung sowie <a href="https://link.springer.com/article/10.1186/s12879-024-09271-7" target="_blank" rel="noreferrer noopener">anderer Autoren</a><strong>.</strong></p>



<p>Für Einzelmassnahmen gebe es demzufolge keine belastbaren Belege, dass sie etwas gebracht hätten. Dazu zählten zum Beispiel das Einnehmen von Mahlzeiten auf dem Zimmer, Routinetests der Bewohner und des Personals, die Bewohner in positiv und negativ Getestete zu gruppieren und das eingeschränkte Nutzen von Gemeinschaftsräumen. Trotzdem waren solche Anordnungen gang und gäbe.</p>



<p><strong>«</strong>Die Kontakte zu reduzieren, hat sicher etwas gebracht», anerkennt Heudorf. «Trotzdem stellt sich die Frage: Musste man das von oben herab verfügen oder hätte die Empfehlung an die Bevölkerung in den meisten Fällen genügt?» Die Daten zeigten nämlich, dass die Infektionszahlen bereits vor dem Lockdown zurückgingen – eine Reaktion auf die starken Appelle der Politiker vor dem Lockdown, wie sie vermutet.</p>



<p>Ein hundertprozentiger Infektionsschutz sei in einem Altenpflegeheim nicht möglich, sagt die Fachärztin für Öffentliches Gesundheitswesen. «Wenn Sie dort einen Superspreader haben, haben Sie wenig Chancen. Auch im Bereich für demente Bewohner können Sie oft nicht viel ausrichten. Diese Menschen laufen viel und haben einen Bewegungsdrang. Aber in den anderen Bereichen konnte man – mit genügend Schutzmaterial, Fachkräften und Know-how ausgerüstet – die Infektionsketten stoppen.» Das bewiesen Beispiele aus dem Frankfurter Raum.</p>



<p><strong>Wachsame Mitarbeiter sind wichtig</strong></p>



<p>Heudorfs frühere Kollegen vom Frankfurter Gesundheitsdienst verteilten frühzeitig Masken und führten in den Heimen Schulungen durch: Wie zieht man die Schutzkleidung korrekt an? Wie den Mund-Nasen-Schutz? Wie desinfiziert man die Hände richtig? «Das hat etwas gebracht. Die Mitarbeiter fühlten sich danach sicherer», stellt Heudorf fest. «Wichtig ist, dass die Heimleitung der Hygiene hohen Stellenwert beimisst, dass genügend Schutzmaterial vorhanden ist, dass die Mitarbeiter gut geschult und wachsam sind und die Heimleitung bei einem Verdacht sofort informieren», so ihre langjährige Erfahrung.</p>



<p>Zu Beginn der Pandemie gab es zu wenig Tests, und die Ergebnisse trafen oft erst nach fünf bis acht Tagen ein. «Dann laufen Sie den Ereignissen hinterher», sagt die Ärztin.</p>



<p>Als im Sommer 2020 mehr Tests zur Verfügung standen, wurden sowohl die Bewohner als auch das Personal regelmässig getestet. Dies sei jedoch angesichts des zusätzlichen Personalbedarfs <a href="https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-1745-8780" target="_blank" rel="noreferrer noopener">nur schwer umsetzbar</a> gewesen. Erst als vielerorts Personal von der Bundeswehr oder von Hilfsorganisationen eintraf, wurden Besucher und Mitarbeitende in vielen Heimen regelmässig getestet. Diese Tests bei gesunden, asymptomatischen Personen sagten jedoch wenig darüber aus, ob jemand ansteckend war oder nicht.</p>



<p><strong>Die Kontaktnachverfolgung verschärfte den Pflegenotstand</strong></p>



<p>Wer von den Bewohnern «positiv» war, wurde isoliert, bis der Test wieder negativ war. Dies konnte Heudorf zufolge wochenlang dauern, je nachdem, welcher ct-Wert bei einem PCR-Test angesetzt wurde. Dass die Person längst nicht mehr ansteckend war, spielte keine Rolle. </p>



<p>«Wäre der Pandemieplan umgesetzt worden, hätte man spätestens im Sommer 2020 mit der Kontaktnachverfolgung aufhören können. Das hat unglaublich viele Ressourcen gebunden», berichtet Heudorf. «Die intensive Kontaktnachverfolgung hat nicht viel gebracht, aber sie hat in den Einrichtungen viel Zeit verbraucht, die bei der Pflege fehlte. Gesunde Pflegekräfte wurden aus ihrer Arbeitsschicht heraus in die Quarantäne geschickt, weil sie als Kontaktperson einer positiv getesteten Person erfasst wurden. Das hat die bestehenden Pflegeengpässe noch verschärft.»</p>



<p>Trotz all der – oft die Grundrechte und -bedürfnisse missachtenden – Massnahmen sei Sars-CoV-2 im Herbst 2020 in die Heime «eingebrochen». Dennoch kam es in den Frankfurter Heimen nicht zu aussergewöhnlich vielen Todesfällen.</p>



<p><strong>Etwa gleich viel Todesfälle wie 2018</strong></p>



<p>Von 48 angefragten Frankfurter Heimen schickten 43 ihre Daten. Heudorfs Analyse ergab, dass 2020 <a href="https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-1745-8780" target="_blank" rel="noreferrer noopener">rund ein Prozent mehr</a> Bewohnerinnen und Bewohner verstarben als während des Jahres 2018 mit einer schweren Grippewelle. «Insgesamt starben im Jahr 2020 in Heimen 18 Bewohner mehr als 2018. Verglichen mit 2019 waren es 108 Bewohner mehr.» Im zweiten Quartal 2021 starben dort so wenig Bewohner wie in keinem anderen Quartal seit 2018.&nbsp;</p>



<p>Trotzdem fokussierten diejenigen, welche die strengen Massnahmen verfügten, weiterhin auf den Infektionsschutz, nicht auf Schäden durch die Massnahmen.</p>



<p>«Die anfängliche Maxime ‹jede Infektion vermeiden› – das war infektiologisch Unsinn und auch so nie im Pandemieplan vorgesehen», urteilt Heudorf. Die im Pandemieplan formulierten Ziele lauteten: Krankheitslast und Sterblichkeit in der Gesamtbevölkerung reduzieren, die Versorgung erkrankter Personen sicherstellen, essentielle öffentliche Dienstleistungen aufrecht erhalten sowie politische Entscheidungsträger, Fachpersonal, Öffentlichkeit und die Medien zuverlässig und zeitnah informieren. «Es ging also um weniger Erkrankungen – nicht Infektionen! – und Sterbefälle und keineswegs darum,&nbsp;jegliche Infektion zu vermeiden – was bei einem Virus, das auch von asymptomatischen Personen weitergegeben werden kann, von vornherein nicht möglich ist.»</p>



<p><strong>Mit den Menschen reden</strong></p>



<p>Aus ihrer langjährigen Erfahrung im öffentlichen Gesundheitsdienst wusste Heudorf, dass Gesundheitsämter notwendige Schutzmassnahmen nur einleiten dürfen, wenn diese geeignet und verhältnismässig sind und «soweit und solange es zur Verhinderung der Verbreitung übertragbarer Krankheiten erforderlich ist». So stehe es im Gesetz. «Im Sinne des ‹Übermassverbots› muss das Gesundheitsamt immer die ‹mildeste Massnahme› wählen, um diese Ziele zu erreichen. Aber diese Grundlagen wurden in der Pandemie nicht beachtet.»</p>



<p>Anstatt dauernd neue Vorschriften zu erlassen, hätte man den Fachleuten in den Heimen die Eigenverantwortung früher zurückgeben können, findet sie. Im Sommer 2020 schlug Heudorf «runde Tische» vor. Die Heimleitung, Mitarbeiter der Pflege, der Heimbeirat, Ärzte, die Bewohner und deren Angehörige sowie Mitarbeiter der öffentlichen Gesundheitsdienste hätten so gemeinsam nach Lösungen suchen können – und die Wünsche der Bewohner und die Gegebenheiten in ihren Heimen berücksichtigen. «Wenn man mit den Menschen redet und sie einbezieht, kommen so viele gute Ideen, wie man ein Problem lösen könnte.»&nbsp;</p>



<p>Beim Überarbeiten des Pandemieplans sollten Experten vieler Bereiche gehört werden, auch aus der Geriatrie, der Altenpflege und die Betroffenen selbst, findet Heudorf. «Und im Falle einer neuen Pandemie sollte der Pandemieplan dann auch genutzt werden.»</p>



<p>_____________________</p>



<p class="has-small-font-size">*Name geändert</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><strong>Interview mit Ursel Heudorf</strong>: <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/das-massentesten-hat-das-sterben-an-covid-nicht-reduziert/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Das Massentesten hat das Sterben an Covid nicht reduziert»</a>, Infosperber vom 30.6.2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/covid-pandemie-jetzt-klopfen-sie-sich-alle-auf-die-schulter/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Covid-Pandemie: «Jetzt klopfen sie sich alle auf die Schulter»</a>, Infosperber vom 27.12.2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/corona-hoechste-uebersterblichkeit-im-dritten-pandemiejahr/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Corona: Höchste Übersterblichkeit im dritten Pandemiejahr</a>, Infosperber vom 16.10.2024</li><li><a href="https://fassadenkratzer.de/2023/01/02/isoliert-vernachlassigt-und-zum-sterben-so-einfach-abgelegt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Isoliert, vernachlässigt und zum Sterben so einfach abgelegt</a>, Fassadenkratzer vom 2.1.2023</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/buergerrechte/altersheim-nicht-geimpfte-seniorinnen-werden-bevormundet/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Altersheim: Nicht geimpfte Seniorinnen werden bevormundet</a>, Infosperber vom 7.3.2021</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/9c3d10f1351d4d988b3c12377919dd93" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Belastung mit zwei verbotenen PFAS sinkt weltweit</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/belastung-mit-zwei-verbotenen-pfas-sinkt-weltweit/</link>
					<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 07:55:36 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Margrethe-Vestager-Executive-Vice-President-of-the-European-Commission-for-a-Europe-Fit-for-the-Digital-Age-2-e1761208605463-300x180.jpeg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Margrethe-Vestager-Executive-Vice-President-of-the-European-Commission-for-a-Europe-Fit-for-the-Digital-Age-2" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Margrethe-Vestager-Executive-Vice-President-of-the-European-Commission-for-a-Europe-Fit-for-the-Digital-Age-2-e1761208605463-300x180.jpeg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Margrethe-Vestager-Executive-Vice-President-of-the-European-Commission-for-a-Europe-Fit-for-the-Digital-Age-2-e1761208605463-768x461.jpeg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Margrethe-Vestager-Executive-Vice-President-of-the-European-Commission-for-a-Europe-Fit-for-the-Digital-Age-2-e1761208605463.jpeg 900w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Regulierung hilft –  die Blutwerte der lange verbotenen PFAS, PFOA und PFOS, sinken. Nun rücken die Ersatzstoffe in den Fokus.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Es ist eine der wenigen guten Nachrichten in der PFAS-Diskussion: Die Belastung der Bevölkerung mit den beiden bekanntesten «Ewigkeitschemikalien» geht seit Jahren zurück. PFOA (Perfluoroktansäure) und PFOS (Perfluoroktansulfonsäure) werden in der Umwelt weiterhin so gut wie nicht abgebaut, es gibt aber immer strengere Gesetze und Verbote. An die Stelle der schädlichen Chemikalien treten jedoch zunehmend neue, über deren Risiken oft noch nichts bekannt ist.</p>



<p>Die Konzentration von PFOA und PFOS im menschlichen Blut geht weltweit zurück. Was unterschiedlich gut dokumentiert ist. Die meisten Daten gibt es aus Ländern, die sowohl zu den Herstellernationen gehören wie auch selbst betroffen sind.</p>



<p>Zum Beispiel aus den USA, dem Land der grössten Hersteller, wo die Giftigkeit von PFOA und PFOS als erstes auffiel. Seit Anfang des Jahrtausends ist die Belastung der Bevölkerung deutlich gesunken, zeigen Daten aus dem US-Programm <a href="https://www.cdc.gov/nchs/nhanes/index.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">NHANES</a>, das in regelmässigen Abständen Gesundheitsdaten der US-Bevölkerung erhebt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="743" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/ATSDR-NHANES-Graph-ng-per-mL-1024x743.png" alt="ATSDR NHANES-Graph-ng-per-mL" class="wp-image-709277" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/ATSDR-NHANES-Graph-ng-per-mL-1024x743.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/ATSDR-NHANES-Graph-ng-per-mL-300x218.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/ATSDR-NHANES-Graph-ng-per-mL-768x557.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/ATSDR-NHANES-Graph-ng-per-mL-1536x1115.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/ATSDR-NHANES-Graph-ng-per-mL.png 1790w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die Belastung der US-Bevölkerung vor allem mit PFOS (Perfluoroktansulfonsäure) ist seit Anfang des Jahrtausends deutlich gesunken. </figcaption></figure>



<p>Ein ähnliches Bild zeigt sich in Europa. Die Daten unterscheiden sich leicht zwischen den verschiedenen Ländern, der Trend ist jedoch einheitlich. PFOS und PFOA wurden ab den 1960er-Jahren breit eingesetzt. Die höchste Belastung wird in den USA und in Europa in den 1980er- und 1990er-Jahren beobachtet, danach nimmt die Konzentration im Blut der Proband:innen kontinuierlich ab.</p>



<p>«Für PFOS und PFOA waren die Belastungen im Jahr 1986 am höchsten. Heute liegen sie für PFOS bei rund zehn Prozent und für PFOA bei rund 30 Prozent der damaligen Werte», gibt zum Beispiel das deutsche <a href="https://www.bundesumweltministerium.de/faq/wie-haben-sich-pfas-belastungen-in-den-letzten-jahren-entwickelt" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Umweltministerium</a> an.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="951" height="539" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-28-135541_b.png" alt="Screenshot 2026-06-28 135541_b" class="wp-image-709283" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-28-135541_b.png 951w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-28-135541_b-300x170.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-28-135541_b-768x435.png 768w" sizes="auto, (max-width: 951px) 100vw, 951px" /><figcaption class="wp-element-caption">PFOS- und PFOA-Belastung in Deutschland. 100 Prozent entsprechen der Belastung um 1986. </figcaption></figure>



<p>Ähnliche Studien gibt es zum Beispiel auch <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0013935123018406" target="_blank" rel="noreferrer noopener">aus Dänemark</a>. Für die Schweiz gibt es nur wenige Daten. Fachleute gehen davon aus, dass die Entwicklung jener in den USA und der EU gleicht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Regulierung hilft</h2>



<p>Wesentlicher Grund für den Rückgang ist die sich immer weiter verschärfende Gesetzeslage. Bis Mitte der Nullerjahre gab es nur wenige Vorschriften oder gar keine Regulierung der beiden Chemikalien. Der Hauptproduzent 3M kündigte 2000 jedoch an, die Produktion von PFOS freiwillig einzustellen. Danach griffen zunächst Richtwerte, dann Grenzwerte, die schrittweise verschärft wurden.</p>



<p>PFOS wurde 2009, PFOA 2019 in das Stockholmer Übereinkommen über persistente organische Schadstoffe aufgenommen. Wo nicht bereits geschehen, wurden Herstellung und Nutzung beider Chemikalien in Folge weltweit stark eingeschränkt oder verboten. Die Zahl der Ausnahmen wurde geringer, Übergangsfristen wie zum Beispiel für Feuerlöschschäume liefen ab. Am Ende stand ein fast umfassendes Verbot.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vor allem Trinkwasser entscheidend</h2>



<p>In Hotspots wie dem bayerischen Altötting oder dem deutschen Rastatt, wo Wasser und Böden durch ehemalige chemische Produktion beziehungsweise Papierschlämme stark verschmutzt sind, kann die Belastung deutlich höher sein. Dort werden Böden, Wasser und Gesundheitsparameter aber auch am genauesten beobachtet.</p>



<p>Weltweit am höchsten belastet sind Menschen, die mit PFAS arbeiten, in belasteten Gebieten wie um Produktionsstätten oder ehemalige Feuerwehrübungsplätze wohnen, und solche, die grössere Mengen belasteter Lebensmittel wie Fisch verzehren. Über Lebensmittel und Trinkwasser gelangen die meisten PFAS wie PFOA und PFOS in den Körper. Besonders belastet sind tierische Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte.</p>



<p>Eine grosse Rolle spielt Trinkwasser, zeigen Kontrolluntersuchungen aus diesen Gegenden. Sowohl im <a href="https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/ergebnisse-der-dritten-pfas-blutkontrolluntersuchung-veroeffentlicht" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kreis Rastatt</a> wie auch im <a href="https://www.pnp.de/lokales/landkreis-altoetting/pfoa-im-blut-werte-im-landkreis-altoetting-gehen-wie-erwartet-stark-zurueck-21147010" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Kreis Altötting</a> gehen die Blutwerte der Bevölkerung zurück. An beiden Orten wird das Trinkwasser durch Aktivkohlefilter gereinigt und ständig überprüft. Im Kreis Rastatt sank auch die <a href="https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/ergebnisse-der-dritten-pfas-blutkontrolluntersuchung-veroeffentlicht" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Belastung der Menschen</a>, die zusätzlich über belastete Böden PFAS aufnahmen und die von Personen ohne wesentliche Belastungsquellen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Innovation hilft &#8211; trotz aller Schwarzmalerei</h2>



<p>Die sinkenden Blutwerte sind das Resultat erfolgreicher Chemikalienpolitik. Obwohl PFAS in der Umwelt äusserst langlebig sind, liess sich die Belastung durch Produktionsverbote und strenge Grenzwerte deutlich verringern. Grossflächige Regulierung hilft. Die sinkenden Werte bedeuten auch:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die Menge der PFAS, die der Mensch bereits in die Umwelt eingebracht hat, wird nur sehr langsam geringer. Dennoch ist es möglich, die Gesundheit der Bevölkerung durch Verbote besser zu schützen.</li>



<li>Auf PFAS könne keinesfalls oder wenigstens lange nicht verzichtet werden, sagen die Hersteller seit Jahren. Entgegen aller Schwarzmalerei hat die herstellende Industrie in vielen unterschiedlichen Produktbereichen Alternativen zu den beiden giftigen Stoffen gefunden. Für Feuerlöschschäume gibt es beispielsweise inzwischen gute, <a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/uebriges-wirtschaft/schweizer-feuerwehren-versuchen-von-pfas-wegzukommen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">PFAS-freie Alternativen, die breit angewendet werden</a>.</li>



<li>Die sinkende Belastung betrifft die im Körper noch immer häufigsten PFAS, die auch lange dort bleiben. Ihre Halbwertszeit im Körper liegt bei <a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/pfas-so-lange-bleiben-die-ewigen-chemikalien-im-koerper/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">mehreren Jahren</a>. Das wiederum liegt an ihrer Kettenlänge, also der Anzahl der Kohlenstoffatome im Molekül. Nach Ansicht von Fachleuten ist die lange Verweilzeit einer der Hauptgründe dafür, dass PFOA und PFOS so schädlich sind.</li>
</ul>



<p>Noch längere Perfluorkarbonsäuren mit einer Kettenlänge grösser als C9 sind in der EU bis auf wenige Ausnahmen verboten. Kürzerkettige PFAS sind womöglich nicht weniger giftig, haben aber weniger Zeit, im Körper Wirkung zu entfalten.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Keine Entwarnung – das Problem der Ersatzstoffe</h2>



<p>Das sind sehr gute Nachrichten. Eine Entwarnung in Sachen PFAS ist es nicht. Während die Kurven für die klassischen, langkettigen PFAS wie PFOA und PFOS nach unten zeigen, steigen diejenigen der kurzkettigen wie GenX (HFPO-DA oder FRD-903), PFHxA (Perfluorhexansäure) oder PFBS (Perfluorbutansulfonsäure) – Stoffe, mit denen die nachgewiesen schädlichen «Originale» ersetzt wurden.</p>



<p>GenX ist seit Jahren als «sehr besorgniserregend» <a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/konzerne/eu-gericht-pfoa-ersatz-ist-besonders-besorgniserregend/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">eingestuft</a>. Von vielen anderen Ersatzstoffen weiss man noch wenig. Dazu rücken neue kurzkettige PFAS wie <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/triflouracetat-tfa-als-fortpflanzungsschaedigend-eingestuft/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Trifluoracetat (TFA) in den Fokus</a>. Ein seit Jahren verfolgtes Vorhaben der EU, die gesamte PFAS-Stoffgruppe zu verbieten, droht momentan zu scheitern.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><strong>PFOA – Perfluoroktansäure</strong></h2>



<p>war die erste PFAS-Chemikalie, die wegen ihrer Giftigkeit Aufmerksamkeit erregte. Wesentlichen Anteil daran hatte der US-Anwalt <a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/https-www-infosperber-ch-gesundheit-public-health-der-mann-der-dupont-das-fuerchten-lehrte/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Robert Bilott</a>. Die Chemikalie gilt als besonders besorgniserregend, fortpflanzungsgefährdend, persistent, bioakkumulierbar und toxisch und ist in der europäischen Chemikalienverordnung als <br>«fruchtbarkeitsschädigend Typ 1B» eingeordnet. PFOA wurde und wird zum Beispiel bei der Herstellung von Teflon eingesetzt. 2019 wurde PFOA in das Stockholmer Übereinkommen über persistente organische Schadstoffe aufgenommen. Die Herstellung und das Inverkehrbringen von PFOA und seinen Vorläuferverbindungen ist in der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Union">EU</a> seit dem 4. Juli 2020 und in der Schweiz seit dem 1. Juni 2021 verboten. Es gelten Höchstwerte für Trinkwasser und Lebensmittel.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading"><strong>PFOS – Perfluoroktansulfonsäure</strong></h2>



<p>wurde wie PFOA ab den 1960er-Jahren von dem US-Unternehmen 3M in grossen Mengen produziert und breit eingesetzt, zum Beispiel in Feuerlöschschäumen und Imprägnierungen. PFOS gilt als persistent, bioakkumulierbar, giftig und ist als «möglicherweise krebserregend» eingestuft. PFOS ist das im Körper am häufigsten gefundene PFAS.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>Falschinformationen sind kein Problem – sondern Nebensache</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/medien/medienkritik/falschinformationen-sind-kein-problem-sondern-nebensache/</link>
					<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 08:25:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=709091</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="189" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Tempo-30-Rte-de-Jura-300x189.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Tempo 30 Rte de Jura Freiburg" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Tempo-30-Rte-de-Jura-300x189.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Tempo-30-Rte-de-Jura-1024x647.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Tempo-30-Rte-de-Jura-768x485.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Tempo-30-Rte-de-Jura-1536x970.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Tempo-30-Rte-de-Jura.png 2000w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die SRG-Ombudsstelle nimmt «ihr» Radio in Schutz. Falsche Aussagen bezeichnet sie einfach als «Nebenpunkt».]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Ein Hörer beklagte sich bei der Ombudsstelle der SRG über einen Radiobeitrag. Er enthalte Falschinformationen. Die Ombudsstelle kam zu einem seltsamen Schluss: Die Informationen seien «nebensächlich» – und deshalb sachgerecht dargestellt.</p>



<p>Der Hörer, der sich beklagte, fand die Informationen allerdings nicht nebensächlich, sondern wichtig.</p>



<p>Es ging um Aussagen in einem <a href="https://www.srf.ch/audio/tagesgespraech/thierry-steiert-endlich-hatten-wir-das-noetige-glueck?id=AUDI20260511_NR_0015" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Tagesgespräch»</a> auf Radio SRF. Westschweiz-Korrespondent Philippe Reichen befragte den SP-Politiker und Freiburger Ex-Stadtpräsidenten Thierry Steiert. Sie sprachen unter anderem darüber, dass die Stadt einen Menstruationsurlaub und Tempo 30 eingeführt habe. Dabei sagte der Journalist Reichen: «Auf den Hauptverkehrsachsen gilt heute Tempo 30.»</p>



<p>Diese absolute Formulierung störte den Hörer. Denn in Freiburg wurde Tempo 30 bloss auf 60 Prozent der Hauptverkehrsachsen und nicht auf allen eingeführt.</p>



<p>Der SP-Politiker Steiert bekräftigte im weiteren Verlauf des Gesprächs die falsche Aussage noch, indem er sagte, dass Freiburg «ein Politlabor» sei und die Stadt «mit der Einführung der 30er-Beschränkung auf Hauptachsen die erste sei, «die das so konsequent durchgezogen hat».</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Redaktion täuschte die Ombudsstelle</h2>



<p>In der Stellungnahme zur Beanstandung des Hörers behauptete die Redaktion, der Journalist habe gar nicht gesagt, Tempo 30 gelte für sämtliche Hauptverkehrsachsen. Philippe Reichen habe nur gesagt, «auf Hauptverkehrsachsen gilt heute Tempo 30». Sie unterschlug gegenüber der Ombudsstelle also das wesentliche Wort «den» in der Aussage des Journalisten – «auf den Hauptverkehrsachsen».</p>



<p>Die Ombudsstelle liess sich täuschen. Und zu guter Letzt nahm sie nicht einmal Stellung zur falschen Aussage des Journalisten, sondern schrieb nur über Thierry Steiert, der gesagt hatte, dass Freiburg seines Wissens als erste Stadt die Einführung von Tempo 30 auf Hauptachsen umgesetzt habe. Das hatte der Hörer gar nicht beanstandet.</p>



<p>Die Ombudsstelle übersah also den eigentlichen Kritikpunkt und übernahm dann auch noch die Ausrede der Redaktion, die schrieb, es handle sich um ein Thema, das «nur ganz am Rande im Gespräch angesprochen wurde». Das Fazit der Ombudsstelle lautete schliesslich: Diese «Ungenauigkeit» sei «nicht entscheidend». Sie würde einen «Nebenpunkt» betreffen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kanton Freiburg wächst nicht am meisten</h2>



<p>Im weiteren Verlauf des Gesprächs behauptete der Journalist Philipp Reichen auch, der Kanton Freiburg sei jener Kanton, der am meisten wachse. Das ist eine veraltete Information. Trotzdem redete sich die SRF-Redaktion gegenüber der Ombudsstelle heraus: «Die Aussage, dass der Kanton Freiburg am meisten wachse, trifft auf eine längerfristige (zehnjährige) Betrachtung zu und ist somit nicht falsch.»</p>



<p>Diese Begründung ging dann auch der Ombudsstelle zu weit. Sie stellte fest, dass die Aussage «nicht zutreffend» sei. Aber: Sie sei «im Kontext nebensächlich». Schliesslich kam die Ombudsstelle zum gleichen Schluss wie die Redaktion: Die Aussagen seien «sachgerecht» gewesen.</p>



<p>Für die Ombudsstelle gilt also: Korrekt muss nur das sein, was ihr wichtig scheint. Bei angeblichen Nebensächlichkeiten hingegen nimmt es die Ombudsstelle mit der Wahrheit nicht so genau.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Als unkomplizierte Vermittlerin gedacht</h2>



<p>Die <a href="https://www.srgd.ch/ombudsstelle/">Ombudsstelle</a> der SRG ist für Beanstandungen zuständig und soll zwischen den Beteiligten vermitteln. Sie erledigt Kritik innert 40 Tagen mit einem Bericht. Eine Weisungsbefugnis gegenüber den Redaktionen hat sie nicht.</p>



<p>Wer mit der Einschätzung nicht einverstanden ist, kann eine Beschwerde bei der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) erheben.</p>



<p>Als Ombudsleute der SRG Deutschschweiz sind derzeit Esther Girsberger und Urs Hofmann im Amt.</p>
</div>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/medien/srg-ombudsstelle-macht-unfreiwillig-satire/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SRG-Ombudsstelle macht unfreiwillig Satire</a> – Infosperber vom 25. Mai 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/tempo-30-in-freiburg-viel-marketing-und-viel-fehlinformation/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tempo 30 in Freiburg – viel Marketing und viel Fehlinformation</a> – Infosperber vom 5. April 2024</li></ul></div>



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														</item>
							<item>
					<title>«Ist das nicht gefährlich?» «Nur, wenn man es stoppt!»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/ist-das-nicht-gefaehrlich-nur-wenn-man-es-stoppt/</link>
					<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 08:20:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-2nlHVzS-qUe8FADgXEY1x_-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach 2nlHVzS-qUe8FADgXEY1x_" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-2nlHVzS-qUe8FADgXEY1x_-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-2nlHVzS-qUe8FADgXEY1x_-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-2nlHVzS-qUe8FADgXEY1x_-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-2nlHVzS-qUe8FADgXEY1x_-1536x922.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-2nlHVzS-qUe8FADgXEY1x_.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Steuern des Pharma-Giganten MSD füllen die Kassen des Bundes.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




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					<title>Der Abschied vom Auto</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/boden-raum-verkehr/der-abschied-vom-auto/</link>
					<pubDate>Wed, 01 Jul 2026 08:15:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=707365</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="209" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/SAB_SEF_0_0_746__Greenpeace-Aktion_fuer_eine_autofreie_Innenstadt__ca._1995-300x209.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="SAB_SEF_0_0_746__Greenpeace-Aktion_fuer_eine_autofreie_Innenstadt__ca._1995" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/SAB_SEF_0_0_746__Greenpeace-Aktion_fuer_eine_autofreie_Innenstadt__ca._1995-300x209.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/SAB_SEF_0_0_746__Greenpeace-Aktion_fuer_eine_autofreie_Innenstadt__ca._1995-768x535.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/SAB_SEF_0_0_746__Greenpeace-Aktion_fuer_eine_autofreie_Innenstadt__ca._1995-392x272.jpg 392w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/SAB_SEF_0_0_746__Greenpeace-Aktion_fuer_eine_autofreie_Innenstadt__ca._1995-130x90.jpg 130w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/SAB_SEF_0_0_746__Greenpeace-Aktion_fuer_eine_autofreie_Innenstadt__ca._1995.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Berichte zeigen: Nur noch jeder Vierte hat in Berlin ein eigenes Auto. Auch in Zürich und Bern nimmt die Zahl der Autobesitzer ab.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p></p>



<p>Der deutsche «Tagesspiegel» hat kürzlich aufgrund neuer Zahlen aus dem Berliner Senat einen historischen Tiefstand an Autobesitzern festgestellt: Obwohl die Bevölkerung gewachsen sei – von 2008 bis 2024 um rund 7,4 Prozent –, sinke die Zahl der Personenwagen. Im Jahr 2025 kommen auf 1000 Berliner nur noch 275 private Autos. Das entspreche dem niedrigsten Wert seit Jahrzehnten. Zwischen 2010 und 2013 seien es noch knapp 300 pro 1000 Einwohner gewesen.</p>



<p>Immer mehr Berliner haben sich danach vom Auto verabschiedet. Die deutsche Hauptstadt hat aktuell nur noch halb so viele Autobesitzer wie im deutschen Durchschnitt. Vor allem sinkt die absolute Zahl der privaten Autos. Der Höchststand wurde 2021 mit knapp 1,1 Millionen Privatfahrzeugen erreicht. Seitdem hat die Zahl um 23&#8217;000 abgenommen, obwohl die Bevölkerung in diesem Zeitraum um 138&#8217;000 Menschen gewachsen ist.</p>



<p><strong>Der tägliche Horror im ÖV – aber auch am Steuer</strong></p>



<p>Diese Zahlen erscheinen wie ein Wunder. Denn in Berlin hört man überall, wie stark der öffentliche Verkehr abgewirtschaftet hat: Bei den überdurchschnittlich hohen Ausfällen der Infrastruktur kommen S- und U-Bahn oft gar nicht oder viel zu spät an, und man muss häufig auf einen Ersatzverkehr mit überfüllten Bussen ausweichen. Aber auch schmuddelige Züge und nicht funktionierende Aufzüge erschweren das Leben. Kommt man eine halbe Stunde zu spät zu einem Meeting, nicken alle bedauernd mit dem Kopf und fragen sich gar nicht mehr, ob man vielleicht doch nur verschlafen hat. Ist man da mit dem eigenen Wagen nicht auf der sicheren Seite?</p>



<p>Doch Fachleute erklären, weshalb trotz bröckelnder Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs auch das Auto seine Attraktivität so stark verloren hat: Man glaubt es kaum, aber Autofahren ist in Berlin oft noch mühsamer als der tägliche Ärger mit Bus und Bahn: Es fehlen überall Parkplätze – vor allem in der dicht besiedelten Innenstadt. Parkende Lieferwagen in der zweiten Reihe behindern das Vorbeifahren. Und die flächendeckende Bewirtschaftung des Parkraums führt zu hohen Kosten, wenn man mit seinem Auto in die Stadt muss.</p>



<p>Dazu kommt, dass sich in den letzten Jahren ein Mobilitätsmix entwickelt hat: Wer sein Auto abgeschafft hat, setzt nicht einfach auf die Bahn. Je nach Ziel und Absicht nimmt man Fahrrad oder E-Bike, mietet bei Bedarf ein Carsharing-Fahrzeug oder benutzt einen E-Scooter für kurze Strecken. Zudem boomen in Berlin die kommerziellen Sharing-Flotten wie Miles oder Free2move und die Lieferdienste.</p>



<p>Nicht zu vergessen: Berlin ist im Vergleich zu anderen deutschen Städten keine reiche Stadt; mit dem Verzicht auf ein eigenes Auto (Anschaffung, Versicherung, Sprit, Reparaturen) können ärmere Menschen massiv Geld sparen. Zudem ist das eigene Auto bei den Jungen in der Stadt auch nicht mehr das Statussymbol Nummer eins, das man haben muss. Dieses ist vom Smartphone oder einem hochwertigen E-Bike weitgehend abgelöst worden.</p>



<p><strong>Die Situation in der Schweiz</strong></p>



<p>Auch in der Schweiz zeigen sich ähnliche Entwicklungen. Der Stadt-Land-Graben, wie er gerade bei der Abstimmung um die 10-Millionen-Schweiz zum Ausdruck gekommen ist, lässt grüssen. Der Besitz von Autos ist in der Schweiz zwar insgesamt hoch, doch in den grossen Städten verändert sich dieses Bild stark in Richtung Berlin.</p>



<p>In Zürich liegt der <a href="https://www.stadt-zuerich.ch/de/politik-und-verwaltung/statistik-und-daten/daten/mobilitaet/individualverkehr/motorisierter-individualverkehr/motorisierungsgrad.html#motorisierungsgrad">Motorisierungsgrad</a> bei 312 Autos pro 1000 Einwohner. In einer Mehrheit der Haushalte – 53 Prozent – gibt es kein Auto. Im Velo- und ÖV-freundlichen Bern sind die Zahlen sogar noch deutlich niedriger als in Berlin: Dort sind gerade mal 219 Privatautos pro 1000 Einwohner immatrikuliert.</p>



<p>Bei uns bremst diesen Trend auch kein maroder Zustand des öffentlichen Verkehrs; ein Grund ist dessen starker Ausbau, der kein eigenes Auto mehr nötig macht, wenn man nicht auf dem Land wohnt.</p>



<p>Mindestens in den grossen Städten dürfte das eigene Auto in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung verlieren. Modelle wie Carsharing oder die gemeinsame Nutzung von Wagen in Wohn- und Eigentümergemeinschaften werden den persönlichen Besitz eines eigenen Wagens immer unnötiger machen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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							<item>
					<title>«Das Massentesten hat das Sterben an Covid nicht reduziert»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/das-massentesten-hat-das-sterben-an-covid-nicht-reduziert/</link>
					<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 08:34:04 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=708731</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="199" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-25-um-01.48.23-300x199.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Corona-Test bei Mädchen" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-25-um-01.48.23-300x199.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-25-um-01.48.23-768x509.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-25-um-01.48.23.png 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Das Virus sei weniger gefährlich gewesen als behauptet. Und viele Massnahmen halfen nicht, sagt eine erfahrene Wissenschaftlerin.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p></p>



<p><em>Infosperber</em><strong>: Frau Heudorf, Sie haben die Zahlen zur Corona-Pandemie angeschaut und ausgewertet. Mit welchem Befund?</strong></p>



<p><em>Ursel Heudorf</em>: Ich habe überhaupt nicht den Eindruck, dass da ein besonders gefährliches Atemwegsvirus in Deutschland grassierte. </p>



<p><strong>Das ist schwer nachvollziehbar. Wie kommen Sie darauf?</strong></p>



<p>Die Zahl und die Schwere von Atemwegsinfektionen in der Bevölkerung erfasst man schon lange regelmässig mit bewährten Instrumenten. Die wichtigsten sind das Grippeweb, die ärztlichen Sentinel-Praxen und Icosari. Sie wurden nach den Erfahrungen mit der letzten Pandemie 2009 extra geschaffen, um eine Epidemie rasch zu erkennen und belastbare Daten für das Pandamiemanagement zu haben. 2009 hatte man gesehen, dass man Daten zur Verlaufsbeurteilung und zur Schwere der Erkrankungen braucht.</p>



<p><strong>Sentinels sind einem Wachposten vergleichbar. Was genau wird dabei erfasst?&nbsp;</strong></p>



<p>Beim Grippeweb geben circa drei Millionen Menschen aus der Allgemeinbevölkerung wöchentlich an, ob sie in der Vorwoche einen Atemwegsinfekt hatten, oder sogar grippeähnliche Symptome mit Fieber, unabhängig von einem Arztbesuch. Bei den Praxissentinels melden Hunderte von Haus- und Kinderarztpraxen, wieviele Patienten mit Atemwegsinfektionen sie in der vergangenen Woche behandelten. Schwere Atemwegsinfektionen werden mit Icosari erfasst. Daran nehmen 70 Krankenhäuser in Deutschland teil. Sie melden die Patienten, die deshalb hospitalisiert wurden.&nbsp;</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">Zur Person</h2>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="354" height="384" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-26-um-09.08.36.png" alt="Ursel Heudorf" class="wp-image-708859" style="aspect-ratio:0.9218883878679821;width:150px;height:auto" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-26-um-09.08.36.png 354w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-26-um-09.08.36-277x300.png 277w" sizes="auto, (max-width: 354px) 100vw, 354px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ursel Heudorf</figcaption></figure>



<p>Die Ärztin Ursel Heudorf ist Professorin für Hygiene, Umweltmedizin und öffentliches Gesundheitswesen. Sie arbeitete 28 Jahre beim Gesundheitsdienst der Stadt Frankfurt am Main und leitete dort die Abteilungen für Hygiene sowie für Infektiologie. Von 2011 bis zu ihrer Pensionierung 2019 war sie stellvertretende Leiterin des Gesundheitsdienstes. Heudorf ist ausgebildete Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Allergologin, Fachärztin für Öffentliches Gesundheitswesen, Ernährungswissenschaftlerin und Umweltmedizinerin.</p>
</div>



<p><strong>Wie weiss man, welche Viren grassieren?</strong></p>



<p>Bei den Praxissentinels und dem Icosari ist eine virologische Surveillance integriert. Die Ärzte können bei den Patienten Abstriche entnehmen, die das Robert-Koch-Institut (RKI) dann virologisch untersucht. Diese virologische Surveillance wurde im Februar 2020 um Sars-CoV-2 erweitert. Mit diesen Daten erkennt man die Häufigkeit und Schwere der Atemwegsinfektionen und die Verteilung der Erreger im Land sehr gut.</p>



<p><strong>Was konnte man aus diesen Daten herauslesen?&nbsp;</strong></p>



<p>All diese Daten wurden während der ganzen Pandemie erhoben und wöchentlich veröffentlicht, jeder konnte sie anschauen – aber sie wurden weder der Bevölkerung kommuniziert, noch beeinflussten sie die politischen Entscheidungen. Im Vergleich mit den Vorjahren war kein auffallend grosses Infektionsgeschehen festzustellen. Hätte man diese Daten genutzt, hätte man die Pandemielage und die erforderlichen Massnahmen besser einschätzen können.</p>



<p><strong>Dass «kein auffallend grosses Infektionsgeschehen festzustellen war» lag vielleicht daran, dass viele damals nur noch zum Arzt oder ins Spital gingen, wenn es unbedingt nötig war?</strong></p>



<p>Ja, das könnte die Daten des Praxissentinels beeinflusst haben, in geringem Mass vielleicht auch die Icosari-Daten – aber nicht die Daten des Grippeweb.</p>



<p><strong>Zusammen mit dem Biostatistiker Bernd Kowall haben Sie die Zahl der Verstorbenen in Deutschland für die Jahre 2016 bis 2023 ausgewertet. Mit welchem Ergebnis?&nbsp;</strong></p>



<p>Wir haben die Übersterblichkeit in Deutschland im Vergleich zu den letzten vier Jahren vor der Pandemie berechnet. Dabei fanden wir mit zwei verschiedenen Verfahren die höchste Übersterblichkeit im Jahr 2022. Diese war sehr stark durch eine hohe Übersterblichkeit in den letzten sechs Wochen des Jahres bedingt. Das ging einher mit einer kurzen, heftigen Influenzawelle, während Sars-CoV-2 Meldungen damals nur eine untergeordnete Rolle spielten. Die Übersterblichkeit in diesen sechs Wochen war höher als in allen vorangegangenen Sars-CoV-2-Wellen.&nbsp;</p>



<p><strong>Ist das plausibel? Werden die Ergebnisse durch andere Daten unterstützt?</strong></p>



<p>Auch die Daten auf europäischer Ebene von Euro-Momo zeigen sowohl in Deutschland als auch in einigen anderen europäischen Ländern Ende 2022 eine auffallende Sterblichkeit mit höheren Spitzen als während der Sars-CoV-2-Wellen – auch hier während einer starken saisonalen Influenzawelle. Die bereits angesprochenen Surveillance-Instrumente des Robert Koch-Instituts zeigten in Deutschland in dieser Zeit höhere wöchentliche Raten an Atemwegserkrankungen, an Arztkonsultationen und Krankenhausaufnahmen wegen Atemwegsinfekten als während der ganzen Sars-CoV-2 Pandemie. Der vom deutschen Bundesgesundheitsministerium publizierte Pandemieradar zeigt die gleichen Ergebnisse: In den letzten Wochen 2022 kam es zu bisher nicht gekannten Spitzen bei den Arztbesuchen und Krankenhausaufnahmen wegen Atemwegserkrankungen – wobei nur ein sehr kleiner Teil mit Sars-CoV-2 in Zusammenhang gebracht wurde. Das alles wurde zeitnah veröffentlicht, aber der Bevölkerung nicht wirklich kommuniziert.&nbsp;</p>



<p><strong>Können Sie andere Gründe, wie Sars-CoV-2 für die Übersterblichkeit in 2022 in Deutschland ausschliessen?</strong></p>



<p>Bei der Übersterblichkeit wird ja die Gesamtsterblichkeit betrachtet. Letztlich können wir nur eine Assoziation feststellen. Das beweist keine Kausalität. Wir sahen 2022 in Deutschland auch vor der Influenzawelle eine gewisse Übersterblichkeit, die mit 4,5 Prozent allerdings deutlich niedriger ausfiel als während der Influenzawelle mit 25,9 Prozent. Ausschliessen können wir Sars-CoV-2 als Grund dafür nicht. Es spricht aber viel dafür, dass ein bedeutender Teil der Übersterblichkeit von 2022 im Zusammenhang mit einer Influenzawelle stand.</p>



<p><strong>Trug die Sommerhitze zur Übersterblichkeit bei?</strong></p>



<p>Das konnten wir für Frankfurt am Main untersuchen. Dort hatten wir in den Hitzewochen des Jahres 2022 eine geringere Übersterblichkeit als 2021 und 2023. Für Deutschland konnten wir hierzu keine Daten auswerten, da uns keine entsprechenden Daten vorliegen. Die Euro-Momo-Daten zeigen insgesamt einen deutlichen Anstieg der Sterblichkeit in den Sommerwochen 2022, insbesondere in Südeuropa, und in deutlich geringerem Ausmass auch in Deutschland oder der Schweiz.&nbsp;</p>



<p><strong>2020 gab es Lockdowns und strenge Infektionsschutz-Massnahmen, die 2018 nicht galten. Ohne diese Gegenmassnahmen wären die Todeszahlen 2020 doch höher ausgefallen?&nbsp;</strong></p>



<p>Die Kontakte zu reduzieren, hat sicher etwas gebracht. Es stellt sich nur die Frage, welche Massnahmen genau erfolgreich waren. Und insbesondere, ob jene Massnahmen sinnvoll waren, die weit über die Empfehlungen hinausgingen, die gemäss Pandemieplan vorgesehen und evidenzbasiert waren.</p>



<p><strong>Im Pandemieplan ging es um eine Grippe-Pandemie und nicht um Sars-CoV-2, das zu vielen unerkannten Infektionen führte.</strong></p>



<p>Das wird immer wieder öffentlich so gesagt, aber: Auf Geheiss des deutschen Gesundheitsministers wurde der 2017 erstellte Pandemieplan zu Beginn der Corona-Pandemie mit Blick auf Sars-CoV-2 aktualisiert und am 4.3.2020 veröffentlicht. Wir hatten also auch einen Plan für Sars-CoV-2 – der aber nicht umgesetzt wurde.</p>



<p><strong>Es gab einen fertigen Plan, was im Fall einer Pandemie zu tun ist – aber er blieb in der Schublade?</strong></p>



<p>Ja. Während der Corona-Pandemie wichen viele Länder, auch Deutschland, von ihren vorbereiteten Pandemieplänen ab. Die Regierungen verhängten weitreichende Einschränkungen des täglichen Lebens und der Freiheiten, die in den Plänen nicht vorgesehen waren, ohne die Evidenz, mögliche negative Auswirkungen, das Kosten-Nutzen-Verhältnis oder den Ressourcenverbrauch klar zu bewerten. Schweden hingegen setzte seinen bestehenden Pandemieplan um, der weitgehend auf Empfehlungen beruhte – und hatte bis 2022 die niedrigste kumulative Übersterblichkeit in allen westlichen Ländern.</p>



<p><strong>Was hätte es bedeutet, wenn der Pandemieplan in Deutschland umgesetzt worden wäre?</strong></p>



<p>Dann hätte man zum Beispiel spätestens im Sommer 2020 mit der Kontaktnachverfolgung aufhören können. Das hat unglaublich viele Ressourcen gebunden. Nicht nur in den Gesundheitsämtern, sondern auch in medizinischen sowie pflegerischen Einrichtungen und auch in Kindereinrichtungen. In den Pflegeheimen hat es die schon bestehenden Pflegeengpässe noch verschärft. In Schulen wurden Kapazitäten für den Unterricht und die Betreuung der Kinder gebunden. Die intensive Kontaktnachverfolgung hat nicht viel gebracht, aber sie hat unheimlich viel Ressourcen verbraucht. Noch kurz vor Beginn der Pandemie hatte die WHO selbst die langdauernde Kontaktnachverfolgung <em>nicht</em> empfohlen.&nbsp;</p>



<p><strong>Was stand noch im Pandemieplan und wurde nicht umgesetzt?</strong></p>



<p>Vieles. Der Pandemieplan sah beispielsweise keinen Lockdown vor, keine Schliessung von Altenpflegeeinrichtungen und keine langfristigen Schulschliessungen.</p>



<p><strong>Auch während der Corona-Pandemie war der Lockdown nicht sinnvoll?</strong></p>



<p>Das deutsche Infektionsschutzgesetz sieht vor, dass einschneidende Massnahmen nur dann «angewendet werden, wenn andere – weniger in die Rechte der Betroffenen eingreifende Massnahmen – nicht zur Verfügung stehen». Das traf beim Lockdown nicht zu.</p>



<p><strong>Warum nicht?</strong></p>



<p>Erstens, weil die Bevölkerung bereits zuvor auf die Empfehlungen der Regierung reagiert hatte. Man konnte anhand der Handydaten von 40 Millionen Nutzern sehen, dass die Mobilität schon vor dem ersten Lockdown schlagartig einbrach. Der Lockdown hat diesen Rückgang nicht weiter verstärkt. Die Infektionszahlen gingen bereits vor dem Lockdown zurück, übrigens <a href="https://ethz.ch/en/news-and-events/eth-news/news/2020/04/corona-measures-having-an-impact.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">auch in der Schweiz</a>. Die klaren Kipppunkte in der ersten Phase der Sars-CoV-2 Pandemie hingen nicht mit den strengen Lockdown-Massnahmen zusammen, sondern mit den starken Appellen der Politiker zuvor. Zweitens gab es schon vor der Pandemie keine Belege, dass das vorsorgliche längerfristige Schliessen von Schulen, Betrieben und Geschäften viel bringt. Umfangreiche Studien, sogenannte Übersichtsarbeiten, haben keinen belastbaren Hinweis gefunden, dass präventive Lockdowns zweckmässig waren.</p>



<p><strong>Also wurde die erste Corona-Welle im Frühling 2020 nicht durch den Lockdown beendet?</strong></p>



<p>Nein, das geschah dank den Empfehlungen zur Kontaktbeschränkung beziehungsweise dank den weniger restriktiven Massnahmen zuvor. Länder mit einschneidenden Massnahmen kamen nicht besser durch die Pandemie als solche mit weniger einschneidenden. Für mich bleibt die Frage: Musste man solche Massnahmen von oben herab verfügen oder hätten Empfehlungen genügt?&nbsp;</p>



<p><strong>In Schweden, das auf Empfehlungen setzte, kam es aber </strong><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/covid-19-eine-krise-der-sozialen-ungleichheiten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>Mitte und Ende 2020 zur Übersterblichkeit</strong></a><strong>. Das widerspricht ihrer These.</strong></p>



<p>Schweden hatte die Altenheime zu spät auf dem Radar. Dort kam es in der ersten Welle zu vielen Todesfällen. Insgesamt verzeichnete Schweden während der Pandemie jedoch die niedrigste Übersterblichkeit in Europa, trotz erheblicher Sterblichkeit in Langzeitpflegeheimen während der ersten Welle – und ohne umfangreiche Schulschliessungen oder Schliessungen von&nbsp; Restaurants oder Geschäften, umfassenden Test- und Maskenpflichten. Überdies stieg die Lebenserwartung in Schweden in der Pandemie weiter an, während sie im europäischen Durchschnitt sank.</p>



<p><strong>Welche Massnahmen empfahl der Pandemieplan in punkto Masken?</strong></p>



<p>Das Maskentragen wurde darin im privaten Umfeld bei Pflegemassnahmen empfohlen und bei Kontakt zu möglichen Überträgern. Für die Öffentlichkeit hingegen war das Tragen von Masken im Plan nicht vorgesehen.</p>



<p><strong>War das Maskentragen im öffentlichen Raum denn wirksam?&nbsp;</strong></p>



<p>Es hatte nicht den erhofften Effekt, dass die Infektionszahlen erkennbar zurückgingen. Insgesamt waren die Maskenpflichten für die Allgemeinbevölkerung weder evidenzbasiert noch angemessen und damit rechtlich fragwürdig.&nbsp;</p>



<p><strong>Das war alles unnötig?</strong></p>



<p>Bereits vor der Pandemie gab es keine belastbare Evidenz für das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit und in der Allgemeinbevölkerung. Und auch nach der Pandemie ist die Situation – trotz vieler Untersuchungen – nicht anders. Masken wirken, das wissen wir aus dem klinischen Bereich, wenn sie von geschultem Fachpersonal richtig getragen werden. Dass umfassende Cochrane-Studien bisher keine Beweise für die Wirksamkeit von Masken in der Allgemeinbevölkerung fanden, mag einerseits an der unzureichenden Qualität der Studien liegen, andererseits auch daran, dass die Menschen die Masken nicht richtig getragen haben und/oder in Situationen aufsetzten, wo das Infektionsrisiko sowieso gering oder nicht vorhanden war, zum Beispiel im Freien.</p>



<p><strong>Zwangsmassnahmen zum Infektionsschutz müssen wirksam sein. War diese Voraussetzung beim «Testen, testen, testen», beispielsweise von Schülern, gegeben?</strong></p>



<p>Es gibt auch hier keine belastbaren Belege dafür, dass das Massentesten die Virus-Übertragungen, die Infektionen oder die Sterblichkeit reduziert. Solche Massentests waren im Pandemieplan auch nicht vorgesehen. Obwohl Fachleute davon <a href="https://dgpi.de/teststrategien-zur-covid-diagnostik-in-schulen-stand-28-02-2021/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">abrieten</a>, mussten alle deutschen Schüler trotzdem ab April 2021 getestet werden. Wir haben damals allein in Deutschland rund 960 Millionen Tests pro Jahr für die Schulen gebraucht, etwa 5,7 Milliarden Euro dafür ausgegeben und 960 Millionen Tonnen Abfall produziert. Bei einer Inzidenz von 10 Testpositiven pro 100’000 Einwohner führte dies zu Ausgaben von 350’000 Euro für ein einziges positives Testresultat. Und dies bedeutete nicht automatisch, dass die betroffene Person ansteckend war.</p>



<p><strong>Die Schwellenwerte, ab wann die Schulen in Deutschland wieder geschlossen wurden, lagen höher, bei 165 pro 100’000 Personen.</strong></p>



<p>Bei einer Inzidenz von 180 Testpositiven pro 100’000 Einwohner – also über der Schwelle für Schulschliessungen – kostete das immer noch rund 20’000 Euro pro positives Testergebnis.&nbsp;</p>



<p><strong>Das deutsche Bundesgesundheitsministerium hielt die 7-Tage-Inzidenz noch im Juni 2021 für «</strong><a href="https://www.tagesschau.de/faktenfinder/corona-inzidenz-bundesnotbremse-101.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>den am besten geeigneten Mechanismus</strong></a><strong>, damit «zu treffende Massnahmen rechtzeitig, zielgenau, rechtssicher und verhältnismässig wirken können». Teilen Sie diese Ansicht?</strong></p>



<p>Nein. Die definierten Schwellenwerte bei den regionalen «7-Tage-Inzidenzen» wurden oft allein dadurch erreicht, dass man Schüler dreimal pro Woche testete – und dabei fand man dann «positive» Tests bei gesunden Kindern.</p>



<p><strong>Was würden Sie Politikern raten, falls es nochmal zu einer ähnlichen Situation kommt?&nbsp;</strong></p>



<p>Im Moment wird ja der Pandemieplan überarbeitet. Ich würde mir wünschen, dass da nicht nur die publizierte Evidenz aus allen Bereichen eingeht, sondern dass auch Fachleute aus vielen Bereichen – einschliesslich der Kinderheilkunde, der Altersmedizin, der öffentlichen Gesundheit, der Pflege, dem Bildungswesen, Betroffene beispielsweise aus Pflegeheimen etc. gehört werden. Die Politik sollte den Pandemieplan zur Kenntnis nehmen, sich vor Entscheidungen breit informieren, und bei ihren Entscheidungen nicht nur – oder sogar fast ausschliesslich – auf Erregernachweise und Modellierungen schauen, sondern auch Wirkungen und Nebenwirkungen ihrer Entscheidungen berücksichtigen und auch auf die Würde, die Freiheit und die Selbstbestimmung der Menschen achten.&nbsp;</p>



<p><strong>Also keinen Zwang ausüben?</strong></p>



<p>In meiner ganzen Berufszeit am Frankfurter Gesundheitsamt mussten wir immer wieder abwägen, ob wir bei der Eigenverantwortung der Menschen ansetzen oder etwas per Auflage einfordern. Denn Druck erzeugt Gegenwehr. Meiner Erfahrung nach war es in aller Regel das beste Mittel, die Leute zu überzeugen, klar zu argumentieren und transparent zu informieren. Warum sollte das in der Politik anders sein?</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/covid-pandemie-jetzt-klopfen-sie-sich-alle-auf-die-schulter/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Covid-Pandemie: «Jetzt klopfen sie sich alle auf die Schulter»</a>, Infosperber vom 27.12.2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/corona-hoechste-uebersterblichkeit-im-dritten-pandemiejahr/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Corona: Höchste Übersterblichkeit im dritten Pandemiejahr</a>, Infosperber vom 16.10.2024</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/corona-lockdown-falsche-prognosen-der-regierungsberaterin/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Corona-Lockdown: Falsche Prognosen der Regierungsberaterin</a>, Infosperber vom 27.11.2023</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/heftige-fachliche-kritik-am-virologen-christian-drosten/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Heftige fachliche Kritik am Virologen Christian Drosten</a>, Infosperber vom 30.4.2022</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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														</item>
							<item>
					<title>Deepfake-Werbung missbraucht Ärzte zum Schaden von Patienten</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/datenschutz/deepfake-werbung-missbraucht-aerzte-zum-schaden-von-patienten/</link>
					<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 08:32:32 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="195" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Hirschhausen-Deepfake-2-300x195.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Hirschhausen Deepfake 2" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Hirschhausen-Deepfake-2-300x195.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Hirschhausen-Deepfake-2-1024x665.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Hirschhausen-Deepfake-2-768x499.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Hirschhausen-Deepfake-2-1536x998.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Hirschhausen-Deepfake-2-2048x1330.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Mit gefälschten Videos von Medizinern täuschen Online-Betrüger kranke Menschen und ergaunern Milliarden. Die Justiz ist hilflos.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>«Sie werden erstaunt sein, dass Sie Diabetes in nur 17 Stunden loswerden können, ohne Ihr Zuhause zu verlassen.» Das sagt anscheinend Eckart von Hirschhausen in einem Werbevideo auf einer Onlineplattform für medizinische Produkte. Doch das hat der prominente Arzt und Wissenschaftsjournalist niemals gesagt. Das wurde ihm mittels KI in den Mund gelegt, mit einer künstlich generierten Stimme, die täuschend echt klingt. Die Software passt sogar von Hirschhausens Lippenbewegungen an, sodass der Betrug niemandem auffallen kann. Im Übrigen ist das Bildmaterial echt, es stammt aus einem Fernsehinterview zu einem ganz anderen Thema.</p>



<p>Dieses perfekte Beispiel für Deepfake dokumentiert der echte Eckart von Hirschhausen in seinem minutiös recherchierten Dokumentarvideo <a href="https://www.ardmediathek.de/video/hirschhausen/hirschhausen-und-die-deepfake-mafia/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtNWQzZjlhZjYtNTViOS00ODIyLThlNTUtM2ZjOGQyYzRmNWNk">«Hirschhausen und die Deepfake-Mafia»</a> in der ARD. Er zeigt auf, wie nicht nur die Verkäufer der zweifelhaften Präparate viel Geld ergaunern, sondern auch die grossen Social-Media-Plattformen wie Facebook, Instagram, X  usw.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Missbrauch Prominenter per Deepfake nimmt rasant zu</h2>



<p>«Ich mache angeblich Werbung für Abnehmpulver, für Schmerzmittel gegen hohen Blutdruck und neuerdings auch für Potenzmittel in Pornos. Es ist ekelhaft und gefährdet natürlich auch die Gesundheit von Menschen, die damit betrogen werden», sagt von Hirschhausen in seinem Film. «Über 2000 medizinische Fakes gibt es aktuell von mir im Netz.» Die KI arbeitet immer präziser, manipuliert Bild und Ton täuschend echt, Original und Fälschung sind immer schwerer zu unterscheiden.</p>



<p>Von Hirschhausen ist nur einer von vielen prominenten Persönlichkeiten, die massenhaft Vertrauensmissbrauch, Rufmord und Identitätsklau durch Deepfake-Videos erleiden. In seinem Film deckt er die Hintergründe und Dimensionen dieser internationalen Betrüger-Mafia auf.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Betrüger nutzen gezielt die Schwächen ihrer Opfer</h2>



<p>Wer im Vertrauen auf die Glaubwürdigkeit eines dargestellten Prominenten auf solche Werbeanzeigen klickt, landet auf Verkaufsseiten für Nahrungsergänzungsmittel und Pseudo-Medikamente. Unweigerlich gerät man dadurch in die Fänge der gewieften Online-Betrüger.</p>



<p>Von Hirschhausen trifft in Brasilien einen ehemaligen Call-Agenten, der auspacken will. Über die Firma «Top Call» vertickte er angebliche Mittel gegen Bluthochdruck und gegen Schmerzen oder Wunderkuren zum Abnehmen. Seine einzige Aufgabe war es, Menschen in Deutschland über ein Telefongespräch nutzlose und teils auch gefährliche Pseudopräparate anzudrehen. Vor allem Menschen, die schon chronisch krank sind und nach jedem Strohhalm greifen, wenn Heilung versprochen wird, besonders wenn dieses Versprechen von einem vertrauenswürdigen und renommierten Arzt zu stammen scheint.</p>



<p>Ein Verkaufs-Leitfaden schreibt dem Verkäufer vor, wie er seine Opfer überzeugen soll, wenn sie zögern. Darin steht zum Beispiel: «Betonen Sie, dass Übergewicht im Laufe der Zeit weiter zunimmt.» Es geht darum, Unsicherheit auszunützen. «Dieses Training ist psychologisch extrem perfide», konstatiert von Hirschhausen, «es ist genau auf die Ängste der Menschen ausgerichtet. Man geht gezielt auf Menschen los, die schon verzweifelt sind.»</p>



<p>Mit dieser Masche könne ein guter Verkäufer bis zu 15 Präparate täglich an Menschen in Deutschland loswerden. «Teilweise empfehlen die Betrüger sogar, ärztlich verordnete Medikamente wegzulassen. Hey, das ist lebensgefährlich!», empört sich Eckart von Hirschhausen.</p>



<p>Typischerweise arbeiten die «Call-Agents» isoliert, im Home-Office oder von einem angemieteten Online-Arbeitsplatz aus. Schriftliche Arbeitsverträge gibt es nicht, der Lohn wird per Kryptogeld oder über Paypal ausbezahlt, damit die Herkunft des Geldes nicht zurückverfolgt werden kann.</p>



<p>Der anonyme Zeuge kassierte so in Brasilien 2000 bis 2500 Euro pro Monat, mehr als viele Ärzte dort verdienen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Verkäufer verfügen über detaillierte Profile ihrer Opfer</h2>



<p>Von Hirschhausen trifft den irischen Bürgerrechtsaktivisten Johnny Ryan, einen IT-Fachmann, der lange für die Online-Werbebranche gearbeitet hat. Heute hält er sie für gemeingefährlich: «Datenhändler bieten heute alles an: Von den persönlichen Gesundheitsdaten bis hin zu Bewegungsprofilen über Jahre hinweg. Zum Beispiel lässt sich herausfinden, ob jemand wegen einer Geschlechtskrankheit in einer Klinik war.»</p>



<p>Jede Suchanfrage, jeder Online-Kauf, jede Social-Media-Aktivität hinterlässt digitale Spuren, eindeutig verknüpft mit dem Handy, der E-Mail-Adresse oder dem User-Profil. «Ob du gerade nach Schmerzmitteln suchst, dich für Wodka interessierst oder versuchst, abzunehmen. Es ist unfassbar, wie viele Details über User käuflich sind. In 15’000 Kategorien. Gerade wenn Internetseiten umsonst sind, bezahlen wir das mit dem Verlust unserer Privatsphäre», warnt Hirschhausen.</p>



<p>Der IT-Experte Johnny Ryan demonstriert es auf der Plattform eines Datenhändlers, der sich «Intuition» nennt: Der gezielte Zugang zu 1000 Betroffenen einer bestimmten Kategorie kostet 1,75 US-Dollar.</p>



<p>Wer die intimsten Schwächen der Menschen kennt, kann sie mit passgenauen Werbeinseraten leicht ködern und manipulieren. Auf Nachrichtenseiten, in Shopping-Portalen, in beliebigen Apps: Überall ploppen kleine Fenster auf mit Anzeigen. Diese Pop-up-Banner sind ein Milliardengeschäft. Und jedes Mal fliessen dabei private Daten in ein globales Netzwerk von Firmen ab. Johnny Ryan weiss: «Die Daten einer einzigen Anzeige gehen an tausende Datenhändler. Und es gibt keine technische Möglichkeit, die Nutzung dieser Daten zu begrenzen.» </p>



<p>Und wenn dabei noch ungestraft Deepfake-Videos eingesetzt werden, dann drohe der totale Kontrollverlust in der Online-Welt. Für den IT-Fachmann Johnny Ryan beschränkt sich das Problem nicht auf die kommerziellen Betrügereien. Er sieht die Gesellschaft als Ganzes in höchster Gefahr: «Wenn wir jetzt nicht handeln, bedeutet das für die liberale Demokratie das Aus.»</p>



<h2 class="wp-block-heading">Tech-Riesen wie Meta und Google kassieren mit beim Betrug</h2>



<p>Bei Meta weiss man genau um die vielen Fake-Inserate. Mit jedem Klick auf Facebook und Instagram verdient der Tech-Multi daran, deshalb hat er kein Interesse, die Betrügereien zu verhindern, im Gegenteil. Ein Insider aus der Konzernleitung hat ein entlarvendes Dokument an die Presse weitergeleitet. Demnach machte Meta nach eigenen Schätzungen allein im Jahr 2024 16 Milliarden Dollar, ganze 10 Prozent des Gesamtumsatzes, wissentlich über betrügerische Werbung.  «Man stelle sich vor, eine Apotheke oder ein Supermarkt würden 10 Prozent ihres Umsatzes mit illegalen Produkten verdienen», kritisiert Hirschhausen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Justiz erweist sich als zahnlos im Kampf gegen Deepfake</h2>



<p>Seit vier Jahren kämpft Eckart von Hirschhausen vor Gericht gegen die Deepfake-Mafia. Er verklagte Meta, die Firma hinter Facebook, WhatsApp und Instagram. Er musste in Irland über zwei Instanzen mit Anwälten streiten, «die sich doof stellen». Das Oberlandesgericht Frankfurt gab Hirschhausen schliesslich Recht, Meta muss die angezeigten Fakes aktiv suchen und löschen. Doch es geschieht praktisch nichts. «Der Betrug geht weiter und weiter. Mich erreichen täglich hunderte E-Mails von Menschen, die mit meinem Gesicht, meiner Stimme betrogen werden», klagt Hirschhausen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die EU kuscht vor den USA unter Trump</h2>



<p>Alexandra Geese kämpft als EU-Abgeordnete seit Jahren gegen Desinformation im Netz und für eine bessere Regulierung der grossen Social-Media-Plattformen.</p>



<p>Der «Digital Services Act» der EU regelt europaweit, dass die Plattformen betrügerische Anzeigen löschen und offenlegen müssen, wer hinter den Anzeigen steht. Die Gesetze gibt es, doch kaum einer hält sich dran. «Warum greift die EU nicht durch, gegen eine Handvoll Tech-Bosse?», fragt Hirschhausen. Die EU-Abgeordnete antwortet: «Weil die Europäische Kommission Angst vor den USA hat. Wir haben die aktuelle Situation, dass die Trump-Regierung sehr eng mit diesen Tech-Konzernen zusammenarbeitet und die Regierung enormen Druck auf die Europäische Kommission ausübt. Die Europäische Kommission könnte sofort eine Untersuchung anstellen, könnte sofort Auflagen erteilen, um diesen Betrug abzustellen.»</p>



<p>Allein im Bereich der Gesundheitsprodukte hätten «irreführende medizinische Werbeanzeigen in den letzten sechs Jahren circa 900 Millionen Google- und Facebook-Nutzerinnen und -Nutzer in Europa» erreicht, beziffert Hirschhausen das Ausmass dieser Online-Betrügereien.</p>



<p>Die Gefahr dieser betrügerischen Online-Werbung liegt in ihrer Treffsicherheit. «Man kann das Pseudomedikament oder den Kurs zur Verbesserung der Lebensqualität für viele tausend Euro sehr gezielt an Menschen ausspielen, die depressiv sind, die eine Angststörung haben, die sich besonders unsicher fühlen», sagt Hirschhausen. «Die Liste der ganzen Schundpräparate, die mit Deep-Fakes angepriesen werden, wird länger und länger».</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Vertrieb der Pseudopräparate ist global organisiert</h2>



<p>Juristisch ist gegen die Deepfake-Mafia kaum etwas auszurichten. Ihr Vertriebsnetz ist sehr professionell über die ganze Welt versteckt, die Lieferketten sind undurchschaubar. Der brasilianische Whistleblower berichtet, dass «Top-Call», sein einstiger Arbeitgeber, laufend neue Mitarbeiter mit Deutschkenntnissen suche, die Arbeit sei zu 100 Prozent ortsunabhängig. Diese Firma hat ihren Hauptsitz in Toa Payoh, Singapur, und koordiniert weltweit die Telefonverkäufer, die dann unter falscher Nummer potenzielle Opfer in Deutschland anrufen. Zwei unabhängige Quellen berichten Hirschhausen von Drahtziehern in der Ukraine. Eine weitere Spur führe zu einem angeblichen EU-Importeur mit Sitz in Tallin, Estland.</p>



<p>Es gibt auch eine Adresse in Berlin, «damit das Ganze seriöser wirkt», doch auch dort trifft Hirschhausen niemanden an. Er kommt an die Täter nicht ran, weil die Techfirmen  deren Anonymität schützen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Am Zoll zeigt sich das Ausmass des illegalen Online-Handels</h2>



<p>Hirschhausen sondiert beim Zoll am Flughafen Frankfurt. Dieser beschlagnahmte allein im Jahr 2024 über zwei Millionen illegale Ampullen und Tabletten. Grundsätzlich ist es verboten, Medikamente für den Privatgebrauch aus Nicht-EU-Staaten zu bestellen.</p>



<p>Doch jeden Tag kommen hier vier Millionen Sendungen an. Es sind nur gezielte Stichproben möglich, das Ganze erinnert an die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen.</p>



<p>Hirschhausen zeigt typische Beispiele: Täuschend echt aussehende Potenzmittel aus gefakten Online-Apotheken, angeblich legal und zollfrei. Oder Testoelan, ein Hormonpräparat aus der Brustkrebsbehandlung: «Wer bestellt sich denn so was im Ausland, Wahnsinn.»</p>



<p>«Und das Skrupelloseste, was mir in der Recherche untergekommen ist: Betrüger haben Insulin Pens mit einem falschen Etikett als Abnehmspritze verkauft. Ey, daran kann man sterben!»</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Abwehr von Online-Betrug gleicht einer Sisyphus-Aufgabe</h2>



<p>Hirschhausen schildert den Fall des Angeklagten Lutz D. Dieser hatte containerweise Potenz- und Abnehmpillen, Antibiotika, Medikamente gegen Krebs und HIV in Asien beschafft, dann illegal online verkauft und damit mindestens einen zweistelligen Millionenbetrag verdient. Jahrelang jagten Europol, der deutsche Zoll und die amerikanische Drogenbehörde DEA den Täter.</p>



<p>2020 gelang seine Festnahme, drei Sportwagen wurden beschlagnahmt. Anklage wurde 2023 erhoben, doch die Verhandlung habe noch nicht einmal begonnen. «Unfassbar, der mutmassliche Haupttäter ist seit sechs Jahren wieder auf freiem Fuss», empört sich Hirschhausen.</p>



<p>Nach zwei Jahren Ermittlungen verhängte die EU im Dezember 2025 erstmals eine Strafe gegen eine Plattform. «X» soll 120 Millionen Euro zahlen, unter anderem, weil nicht konsequent offengelegt wurde, wer hinter den Werbeanzeigen steckt. Eigentümer Elon Musk forderte daraufhin lauthals die Abschaffung der EU. Er erhob Einspruch &#8211; und die Deepfakes sind weiter online.</p>



<p>«Uns läuft die Zeit davon», konstatiert Hirschhausen, «das Monopol der Plattformen gefährdet unsere Demokratie und die unabhängige Presse. Die EU- Kommission wird von Trump, Putin und Co erpresst und setzt ihre Waffen gegen die Plattformen nicht ein.»</p>



<h2 class="wp-block-heading">Deutschland will den Kampf gegen die Deepfake-Mafia verstärken</h2>



<p>Das Deutsche Strafgesetzbuch soll nun ergänzt werden. Laut dem Entwurf eines Gesetzes «zum strafrechtlichen Schutz von Persönlichkeitsrechten vor digitaler Fälschung» soll die Veröffentlichung von Deepfakes «mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft» werden. Juristen würden bereits vom Hirschhausen-Paragraphen sprechen, meint der Autor verschmitzt.</p>



<p>Doch, wie Hirschhausen eindrücklich dokumentierte, solche Gesetze können heute kaum durchgesetzt werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><br><em>Die vollständige Sendung der ARD («akzeptieren»):</em></h2>



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<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/89bd98a040fb459bacdcef218caff598" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>US-Einmischung entschied wohl die Präsidentenwahl in Kolumbien</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/welt/us-einmischung-entschied-wohl-die-praesidentenwahl-in-kolumbien/</link>
					<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 08:31:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=709407</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Wahlsieger-Abelardo-de-la-Espriella-ZDF-e1782748561839-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Wahlsieger Abelardo de la Espriella ZDF" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Wahlsieger-Abelardo-de-la-Espriella-ZDF-e1782748561839-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Wahlsieger-Abelardo-de-la-Espriella-ZDF-e1782748561839-1024x614.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Wahlsieger-Abelardo-de-la-Espriella-ZDF-e1782748561839-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Wahlsieger-Abelardo-de-la-Espriella-ZDF-e1782748561839.png 1138w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Der rechtskonservative Trump-Bewunderer Abelardo de la Espriella gewann äusserst knapp. Entscheidend waren die Stimmen aus den USA.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>An der Wahl nahmen rund 25 Millionen Kolumbianerinnen und Kolumbianer teil. Hätten nur 130&#8217;000 von ihnen anders gestimmt, wäre der neue Präsident&nbsp;der linke Senator Iván Cepeda.</p>



<p>Die im Ausland abgegebenen Stimmen waren entscheidend: In den USA nahmen <a href="https://www.elcolombiano.com/colombia/abelardo-espriella-victoria-miguel-uribe-presidente-MJ38025854" target="_blank" rel="noreferrer noopener">179’841</a> kolumbanische Stimmberechtigte an der Wahl teil. Nach Angaben der «New York Times» stimmten rund 144&#8217;000 oder 80 Prozent von ihnen für den Wahlsieger de la Espriella. </p>



<p>Insgesamt nahmen im Ausland 590&#8217;000 Kolumbianerinnen und Kolumbianer an der Abstimmung teil. Zwei Drittel von ihnen stimmten für den rechtskonservativen Kandidaten.</p>



<p>Daraus geht hervor, dass die Ausland-Kolumbianer das Zünglein an der Waage spielten.</p>



<p>In den USA warb Präsident Donald Trump für de la Espriella: Er unterstütze ihn «vollständig und total». Zusätzlich mischten sich republikanische Kongressmitglieder ein und riefen die Kolumbianer in den USA ebenfalls dazu auf, für ihn zu stimmen.</p>



<p>Die «New York Times» zitiert Alexander Main, Direktor für internationale Politik&nbsp;am «Center for Economic and Policy Research» in Washington: «Selbst in einer Zeit, in der Einmischungen in ausländische Wahlen immer häufiger vorkommen, war das jüngste Eingreifen der Trump-Regierung und ihrer Verbündeten in die Wahlen in Kolumbien besonders übergriffig.»</p>



<p><strong>USA verhafteten linken Wahlkämpfer</strong></p>



<p>Einige Tage vor der Wahl in Kolumbien verhaftete die US-Immigrationsbehörde den kolumbianischen Aktivisten Beto Coral, der sich in den USA für die Wahl des linken Iván Cepeda einsetzte. Eingemischt hatte sich offensichtlich US-Aussenminister Marco Rubio. Er unterzeichnete ein Memo, das der «New York Times» vorliegt. Darin wirft er Coral vor, in den USA für den bisherigen Präsidenten Gustavo Petro politisch aktiv gewesen zu sein und die Kandidatur des linken Senators zu unterstützen.</p>



<p><strong>Einbürgerungseid in den USA abgelegt</strong></p>



<p>Der gewählte Präsident Abelardo de la Espriella&nbsp;lebte mehr als zehn Jahre in Miami und hat dort die US-Staatsbürgerschaft erhalten. Neben dem US- und dem kolumbianischen Pass verfügt er auch über die italienische.&nbsp;</p>



<p>Ein Verfasssungsjurist und mehrere frühere Regierungsmagistraten hatten vor der Wahl <a href="https://www.youtube.com/watch?v=dq6wiOugg-8" target="_blank" rel="noreferrer noopener">gewarnt</a>, der von de la Espriella bei der US-Einbürgerung abgelegte Eid zur US-Einbürgerung könne einen «Loyalitätskonflikt» schaffen. Die Eignung als Präsident sei deshalb verfassungsrechtlich problematisch.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/richtungsweisende-wahlen-in-kolumbien-und-brasilien/">Richtungsweisende Wahlen in Kolumbien und Brasilien</a>, Infosperber vom 29. Mai 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Nicoletta della Valle zieht den Stecker</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/justiz/nicoletta-della-valle-zieht-den-stecker/</link>
					<pubDate>Mon, 29 Jun 2026 08:14:43 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="225" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Caffebar-Sempre-Berna-Nicoletta-della-Valle-300x225.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Caffebar Sempre Berna Nicoletta della Valle" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Caffebar-Sempre-Berna-Nicoletta-della-Valle-300x225.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Caffebar-Sempre-Berna-Nicoletta-della-Valle-1024x768.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Caffebar-Sempre-Berna-Nicoletta-della-Valle-768x576.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/10/Caffebar-Sempre-Berna-Nicoletta-della-Valle.png 1066w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die Ex-Fedpol-Chefin gibt ihre Caffè Bar Sempre Berna schon wieder auf. Ein «Verschleissjob», sagt sie. Aber da ist mehr dahinter.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Vergangene Woche sorgte Nicoletta della Valle wieder einmal für Schlagzeilen: Die Berner Tamedia-Blätter Bund und BZ widmeten der Neo-Barbetreiberin und langjährigen Israel-Sympathisantin am Donnerstag, 25. Juni einen grossen Artikel.</p>



<p>Der Grund für die ausführliche Berichterstattung: Die ehemalige Spitzenbeamtin sieht sich gezwungen, ihr Sozialprojekt <a href="https://www.sempreberna.ch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Caffè Bar Sempre Berna</a> aufzugeben. Dies, obschon es nach ihren eigenen Angaben sehr gut laufen soll: Die Nachfrage nach dem «niederschwelligen und unentgeltlichen Angebot» sei gross, sogar die Sozialdienste der Stadt Bern und das RAV würden Leute vorbeischicken, schreibt TX-Journalist Bernhard Ott und zitiert della Valle mit den Worten, das Ganze sei ein «200-Prozent-Verschleissjob» weshalb eine Weiterführung des Betriebs für sie «zeitlich und energetisch nicht stemmbar» sei. Zudem rechne es sich&nbsp;nicht.</p>



<p>Gerade mal acht Monate nach Eröffnung des Lokals wirft della Valle also das Handtuch. Dies, obschon bekannt ist, dass solche Projekte einen langen Atem brauchen – den die jahrelang gut bezahlte Polizeibeamtin mit ihrer fürstlichen Abgangsentschädigung von 340’000 Franken eigentlich gehabt&nbsp;hätte.</p>



<p>Aber vielleicht gibt es andere Gründe, weshalb sie gerade jetzt aufgibt und den Berner Lokalmedien ihre sympathisch klingende Version der Geschichte&nbsp;erzählt.</p>



<p>Andere News-Portale und Zeitungen hatten nämlich schon in der ersten Wochenhälfte eine ganz andere Schlagzeile über Nicoletta della Valle publiziert: Bereits am Dienstag, 23. Juni war bekannt geworden, dass das Bundesamt für Polizei und Justiz EJPD die Immunität für seine ehemalige Chefbeamtin aufgehoben hat. Auslöser dafür war eine Anzeige wegen Amtsmissbrauchs, die bei der Bundesanwaltschaft eingegangen war – eingereicht vom US-amerikanischen Journalisten Ali Abunimah und seinen Schweizer Anwältinnen.</p>



<p>Zur Erinnerung: Der Direktor der international bekannten News-Plattform «Electronic Intifada» war im Januar 2025 von den Zürcher Behörden überfallmässig und widerrechtlich festgenommen, in Haft gesetzt und ausgeschafft worden. Längst haben der <a href="https://offroadreports.ch/wordpress/wp-content/uploads/2025/11/Bericht-vom-11.11.2025-D.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bundesrat</a>, eine <a href="https://offroadreports.ch/wordpress/wp-content/uploads/2025/11/Bericht-vom-11.11.2025-D.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">bundesparlamentarische Kommission</a> und das <a href="https://offroadreports.ch/wordpress/urteil-im-fall-abunimah-rechtskraeftig/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Zürcher Verwaltungsgericht</a> bestätigt, dass das damalige Vorgehen gegen Schweizer Gesetz verstossen&nbsp;hat.</p>



<p>Noch hängig sind jedoch drei weitere Verfahren gegen die Strippenzieher:innen der Verleumdungskampagne und die widerrechtliche Festnahme von Ali Abunimah. Dieser hat nämlich im Nachgang zu den Ereignissen vom Januar 2025 die damalige Fedpol-Chefin Nicoletta della Valle, den Zürcher Sicherheits- und Polizeidirektor Mario Fehr sowie einen Journalisten der NZZ persönlich&nbsp;eingeklagt.</p>



<p>Bereits Anfang Monat hatte Abunimah angekündigt, dass er Ende Juni für einen Anhörungstermin im Zusammenhang mit diesen Klagen erneut in die Schweiz reisen werde. Vorgängig hatte er sich bei den Bundesbehörden freies Geleit zusichern lassen, wie er auf der Internet-Plattform <a href="https://electronicintifada.net/blogs/ali-abunimah/why-im-returning-switzerland-after-my-unlawful-detention" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Electronic Intifada»</a> schilderte.</p>



<p>Das Kollektiv <a href="https://www.instagram.com/p/DZj-Bg9IijB/?igsh=bnR2bXJrd3gyb3M1" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Watermelon University»</a> und Abunimah nutzten die Gelegenheit seines aktuellen Besuchs in der Schweiz, um die im Januar 2025 durch seine Festnahme verhinderte Veranstaltung in Zürich nachzuholen. «Mit vielen Emotionen hielt er seinen Vortrag vor einem vollbesetzten Saal, der zu klein war, um das zahlreich erschienene, begeisterte Publikum aufzunehmen», kommentierte die Westschweizer Zeitung «Le Courrier» den Auftritt Abunimahs am Dienstag, 23. Juni.</p>



<p>Es war denn auch Le Courrier, welcher im Rahmen der Berichterstattung zum Event die Nachricht über die Aufhebung von della Valles Immunität zuerst verbreitet hat. Aufgrund dieses Entscheids des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements EJPD kann della Valle nun wegen Amtsmissbrauchs strafrechtlich verfolgt werden. «Meines Wissens ist es das erste Mal, dass so etwas geschieht», zitiert «Le Courrier» Abunimahs Anwältin Dina Rawel.</p>



<p>Diese Premiere ist einmal mehr einzig von den Westschweizer Medien wahrgenommen und öffentlich gemacht worden. In der Deutschschweiz hielt man die Nachricht offenbar für uninteressant. Dies, obschon auch der deutschsprachige Dienst von Keystone/SDA die Meldung schon in seiner Morgenschau vom 24. Juni aufgenommen&nbsp;hatte.</p>



<p>Der Tamedia-Journalist Bernhard Ott ist mit keinem Wort darauf eingegangen. Fest steht: Della Valle selber wusste sehr wohl Bescheid über die Anzeige und das drohende Strafverfahren. Im Gegensatz zu TX-Media berichtete die Zeitung «Le Temps», sie habe die ehemalige Fedpol-Chefin mit dem Entscheid des EJPD konfrontiert und um eine Stellungnahme gebeten. Über ihren Anwalt liess della Valle verlauten, sie äussere sich nicht über «eventuelle Strafanzeigen».</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/ex-fedpol-chefin-nimmt-sich-aus-der-schusslinie/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ex-Fedpol-Chefin nimmt sich aus der Schusslinie</a>, Infosperber vom 10.10.2025</li>



<li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/stuehle-ruecken-beim-israelischen-ruestungsfonds-champel-capital/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Stühle rücken beim israelischen Rüstungsfonds Champel Capitalf</a>, Infosperber vom 22.9.2025</li>



<li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/barista-fuer-ratsuchende-und-beraterin-fuer-ruestungsinvestments/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Barista für Ratsuchende und Beraterin für Rüstungsinvestments</a>, Infosperber vom 12.9.2025</li>
</ul>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine. Dieser Artikel ist zuerst auf der auf <a href="https://offroadreports.ch/wordpress/sempre-nicoletta/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">offroadreports.ch</a> erschienen.  <br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
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					<title>Audrey Werro auf den Fersen von Jarmila Kratochvilova</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/audrey-werro-auf-den-fersen-von-jarmila-kratochvilova/</link>
					<pubDate>Mon, 29 Jun 2026 08:14:14 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=709171</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-Screenshot-2026-06-29-at-07-25-38-Instagram-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach Screenshot 2026-06-29 at 07-25-38 Instagram" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-Screenshot-2026-06-29-at-07-25-38-Instagram-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-Screenshot-2026-06-29-at-07-25-38-Instagram-768x462.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/flach-Screenshot-2026-06-29-at-07-25-38-Instagram.png 832w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>1983 stellte die Tschechoslowakin den Weltrekord über 800 Meter auf. Er gilt noch heute. Und sie gibt noch immer Rätsel auf.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>In 1:53,28 stellte Jarmila Kratochvilova am 26. Juli 1983 einen neuen Weltrekord auf. Er hält noch immer. Seit bald 43 Jahren. Auch wenn er inzwischen gehörig wankt. Vor drei Wochen lief die 22-jährige Freiburgerin Audrey Werro in Stockholm 1:53,98. Gestern verbesserte sie sich in Paris auf 1:53,80. Damit fehlen ihr zum ältesten Weltrekord der Frauen-Leichtathletik nur noch 52 Hundertstelsekunden. In der «ewigen» Bestenliste belegt sie Platz 3.</p>



<p>Dass Kratochvilovas Weltrekord noch gilt, ist keine Selbstverständlichkeit. Vor bald zehn Jahren wäre er beinahe getilgt worden. Nicht weil eine andere Athletin schneller gewesen wäre, sondern weil der Europäische Leichtathletik-Verband alle Weltrekorde, die vor 2005 aufgestellt worden waren, löschen lassen wollte.</p>



<p><strong>Nicht gelöscht</strong></p>



<p>Der Gedanke dahinter: Seit 2005 werden Blut- und Dopingproben aufbewahrt, und es gibt verbesserte Dopingkontrollen. Der damalige Verbandspräsident, der Norweger Svein Arne Hansen, sagte damals: «Rekorde, welche die Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit aufzeigen, sind eine der grossen Stärken unseres Sports, aber sie sind bedeutungslos, wenn die Menschen nicht wirklich daran glauben.»</p>



<iframe loading="lazy" width="560" height="315" src="https://www.youtube.com/embed/Dx9RW3DK5rg?si=73vPvURaVMvRbEj_" title="YouTube video player" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>



<p>Der Vorschlag kam nicht durch. Das Hauptargument: Es gibt keinen Beweis dafür, dass jeder Weltrekord vor 2005 mit Hilfe von Doping aufgestellt wurde. Und es gibt ebenso wenig einen Beweis dafür, dass jeder Weltrekord nach 2005 ohne Hilfe von Doping aufgestellt wurde. So blieb der Weltrekord über 800 Meter bestehen. Und das Rätsel um Jarmila Kratochvilova ebenfalls.</p>



<p><strong>«Spezialbehandlung»</strong></p>



<p>32-jährig war die Tschechoslowakin, als sie den Weltrekord aufstellte. Von der zierlichen Athletin der frühen Jahre war nichts mehr übrig geblieben. Sie hatte derartige Muskeln, dass sie ständig unter Dopingverdacht stand. Dazu trug bei, dass sie hinter dem «Eisernen Vorhang» aufgewachsen war und lebte. Dort also, wo – so die landläufige Meinung – systematisch gedopt wurde. Dazu trug aber auch bei, das ihr Name im Zusammenhang mit einem Dopingprogramm in der Tschechoslowakei auftauchte. Dessen Name: «Spezialbehandlung».</p>



<p>Nachgewiesen wurde Jarmila Kratochvilova nie etwas. Auch die demütigenden Sextests bestand sie. Kratochvilova selber, aber auch ihr Umfeld erklärten stets, das harte Leben habe sie geformt. Als Mädchen arbeitete sie auf dem Hof ihres Onkels. Mit zwölf Jahren habe sie mit der Heugabel genau so viel Heu auf den Heuboden geworfen wie ein gestandener Bauer, heisst es.</p>



<p>Später arbeitete sie als Buchhalterin. Vor der Arbeit soll sie um vier Uhr morgens trainiert haben. Um sich von einer Achillessehnen-Operation zu erholen, sprintete sie angeblich mit 10-Kilo-Bleiweste und Gasmaske durch 30 Zentimeter tiefes Wasser. Im Krafttraining soll sie enorme Gewichte gehoben haben. Mal ist von insgesamt 16 Tonnen pro Training die Rede, mal von 25 Tonnen.</p>



<p><strong>In der Garderobe eingesperrt</strong></p>



<p>Ihr Trainer, Miroslav Kvac berichtete einst, er habe sie zwischen zwei Trainingseinheiten in der Garderobe einsperren müssen, damit sie sich ausgeruht habe. Die grossartigen Leistungen, so Kvac, seien das Ergebnis von grosser Entschlossenheit, hartem Training und grossen Mengen Vitaminen gewesen. Doch all diese Erklärungen ändern nichts daran: Die Doping-Gerüchte haften noch immer an Jarmila Kratochvilova.</p>



<p>Die Schweizerin Doriane Lambelet, die seinerzeit beim Weltrekord-Rennen in München mitlief und heute Rechtsprofessorin in den USA ist, sagte einst gegenüber der «New York Times»: «Niemand tut sich so etwas selbst an. Sie tat mir immer leid. Ich ging einfach davon aus, dass sie eine Schachfigur in diesem System war. Sie war eine wirklich nette Person.»</p>



<p>Kratochvilova selber hat sich mit den Doping-Vorwürfen abgefunden. Die mittlerweile 75-Jährige sagt: «Ich habe mich daran gewöhnt. Es ist mir inzwischen egal.» Sie ist immer noch als Trainerin tätig und wundert sich ein bisschen über die heutige Jugend: «Die wollen gar nichts machen. Vielleicht täte ihnen ein bisschen Sozialismus gut.»</p>



<p><strong>Gut dreieinhalb Meter Rückstand</strong></p>



<p>Und nun also Audrey Werro: Ihren eigenen Schweizer Rekord verbesserte sie vor drei Wochen um beinahe zwei Sekunden. Der enorme Leistungssprung hat möglicherweise damit zu tun, dass sie, nach bestandener Matura, seit letztem Sommer Profi ist.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="576" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-29-at-09-17-07-Audrey-Werro-breaks-DIAMOND-LEAGUE-RECORD-in-Paris-800m-Wanda-Diamond-League-2026-YouTube-1024x576.png" alt="Screenshot 2026-06-29 at 09-17-07 Audrey Werro breaks DIAMOND LEAGUE RECORD in Paris 800m - Wanda Diamond League 2026 - YouTube" class="wp-image-709213" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-29-at-09-17-07-Audrey-Werro-breaks-DIAMOND-LEAGUE-RECORD-in-Paris-800m-Wanda-Diamond-League-2026-YouTube-1024x576.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-29-at-09-17-07-Audrey-Werro-breaks-DIAMOND-LEAGUE-RECORD-in-Paris-800m-Wanda-Diamond-League-2026-YouTube-300x169.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-29-at-09-17-07-Audrey-Werro-breaks-DIAMOND-LEAGUE-RECORD-in-Paris-800m-Wanda-Diamond-League-2026-YouTube-768x432.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-29-at-09-17-07-Audrey-Werro-breaks-DIAMOND-LEAGUE-RECORD-in-Paris-800m-Wanda-Diamond-League-2026-YouTube-1536x864.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Screenshot-2026-06-29-at-09-17-07-Audrey-Werro-breaks-DIAMOND-LEAGUE-RECORD-in-Paris-800m-Wanda-Diamond-League-2026-YouTube.png 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">1:53,80: Audrey Werro liegt nur noch 52 Hundertselsekunden über dem Weltrekord.</figcaption></figure>



<p>Jetzt war sie abermals schneller. Wären Kratochvilova und Werro im selben Rennen gelaufen, dann wäre Werro mit einem Rückstand von gut dreieinhalb Metern ins Ziel gekommen. Dem Weltrekord nähert sie sich mit Riesenschritten.</p>



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<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/a7e90bc7a8c64fec9e9f24c6a0d939e3" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«&#8230; ich klaue dir die Arbeit!»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/ich-klaue-dir-die-arbeit/</link>
					<pubDate>Mon, 29 Jun 2026 08:13:53 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/richtiges-verhaeltnis-strip_vacances_IA-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="richtiges verhältnis strip_vacances_IA" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/richtiges-verhaeltnis-strip_vacances_IA-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/richtiges-verhaeltnis-strip_vacances_IA-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/richtiges-verhaeltnis-strip_vacances_IA-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/richtiges-verhaeltnis-strip_vacances_IA-1536x922.png 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/richtiges-verhaeltnis-strip_vacances_IA.png 2046w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>«In 20 Minuten geht's ab in die Ferien!» «Und du, KI, was machst du diesen Sommer?» «... ich klaue dir die Arbeit!»]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




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]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Diese CEOs «verdienten» 2025 je mehrere hundert Millionen</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/einkommen-vermoegen/diese-ceos-verdienten-2025-je-mehrere-hundert-millionen/</link>
					<pubDate>Sun, 28 Jun 2026 08:10:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=707451</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Geldgier-Habgier-Kryzhov-e1781789954439-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Conceptual photo of greed and avarice. Businessman grabbing money lying on office desk" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Geldgier-Habgier-Kryzhov-e1781789954439-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Geldgier-Habgier-Kryzhov-e1781789954439-1024x615.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Geldgier-Habgier-Kryzhov-e1781789954439-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Geldgier-Habgier-Kryzhov-e1781789954439.jpg 1403w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Rekordhalter Elon Musk kassierte im letzten Jahr ein persönliches Einkommen von sogar 132 Milliarden Dollar.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Das auf Manager-Einkommen spezialisierte Unternehmen&nbsp;<a href="https://www.equilar.com/">Equilar</a>&nbsp;hat für die «New York Times» eine Hitliste der bestverdienenden CEOs erstellt (Vorsitzende der Geschäftsleitung). Sie erfasst Löhne, Zuteilung von Aktien, Boni und andere finanzielle Leistungen. Sieben von ihnen erhielten im Jahr 2025 finanzielle Entschädigungen in Höhe von über 200 Millionen Dollar:</p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>CEO<br>US-Unternehmen</strong></td><td><strong>Einkommen in Dollar</strong></td><td><strong>So viel mehr als das<br>Medianeinkommen der<br>Beschäftigten</strong></td></tr><tr><td>Elon Musk<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Tesla,_Inc." target="_blank" rel="noreferrer noopener">Tesla</a></td><td>132’298’849’867</td><td>2’522&#8217;203 -mal</td></tr><tr><td>Dylan Field<br><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Figma" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Figma</a> Softwarefirma&nbsp;</td><td>864’358’634</td><td>keine Angabe</td></tr><tr><td>Shankh S. Mitra<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Welltower" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Welltower</a>&nbsp;Gesundheitsimmobilien</td><td>821’090’355</td><td>6559-mal</td></tr><tr><td>Kasra Nejatian<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Opendoor" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Opendoor</a> Immobilienfirma</td><td>741’137’105</td><td>7581-mal</td></tr><tr><td>Robert J. Scaringe<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Rivian" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rivian</a> Produzent von E-Autos</td><td>402’639’080</td><td>4485-mal</td></tr><tr><td>Nirai Shah<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Wayfair" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wayfair</a> E-Commerce</td><td>280’847’068</td><td>5702-mal</td></tr><tr><td>Hock E. Tan<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Broadcom" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Broadcom</a> Halbleiter und Softwareprodukte</td><td>205’278’006</td><td>543-mal</td></tr><tr><td>David M. Zaslav<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Warner_Bros._Discovery" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Warner Bros. Discovery</a><br>Medien und Unterhaltung</td><td>165’009’366&nbsp;</td><td>1378-mal</td></tr><tr><td>David M. Solomon<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Goldman_Sachs" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Goldman Sachs</a><br>Investmentbank</td><td>118’891’594</td><td>740-mal</td></tr><tr><td>Nikesh Arora<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Palo_Alto_Networks" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Palo Alto Networks</a><br>Cybersicherheit</td><td>99’736’336</td><td>442-mal</td></tr><tr><td colspan="3"><em>Quelle: Equilar/«New York Times»</em></td></tr></tbody></table></figure>



<p>Von den hundert bestbezahlten CEOs börsenkotierter US-Unternehmen verdiente im letzten Jahr die Hälfte mehr als je 39 Millionen Dollar.</p>



<p>Im Vergleich zum Median des Verdienstes ihrer Beschäftigten verdienten die CEOs im Jahr 2018 das 334-Fache, im Jahr 2025  war es 475-Fache. Die Kluft hat sich um mehr als 40 Prozent erhöht.</p>



<p>CEOs in der Schweiz und in Deutschland können mit den Spitzenverdienern in den USA nicht mithalten. Aber nicht nur in den USA, sondern auch in der Schweiz und in Deutschland führen die Spitzenverdiener zu politischen Debatten: Entsprechen die extrem hohen Entschädigungen einer realen Leistung? Gäbe es qualitativ gleichwertige Manager, die den Job für die Hälfte übernehmen würden? Warum kassierten Manager der Credit Suisse jahrelang überhöhte Entschädigungen, obwohl die Grossbank Verluste auswies?</p>



<h2 class="wp-block-heading has-large-font-size"><br><strong>Die bestverdienenden CEOs von Unternehmen in der Schweiz</strong></h2>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>CEO<br></strong></td><td class="has-text-align-left" data-align="left"><strong>Einkommen in Franken</strong></td></tr><tr><td>Vasant Narasimhan<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Novartis">Novartis</a> Pharmakonzern</td><td class="has-text-align-left" data-align="left">24’900’000</td></tr><tr><td>Stefan Bollinger<br><a style="white-space: normal;" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Julius_Baer_Group">Julius Bär</a> Bank&nbsp;</td><td class="has-text-align-left" data-align="left">24’000’000</td></tr><tr><td>Flemming&nbsp;Ørnskov<br><a style="white-space: normal;" href="https://en.wikipedia.org/wiki/Galderma">Galderma</a> Pharmakonzern</td><td class="has-text-align-left" data-align="left">17’600’000</td></tr><tr><td>David Layton<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Partners_Group">Partners Group</a> Vermögensverwaltung</td><td class="has-text-align-left" data-align="left">15’900’000</td></tr><tr><td>David Endicott<br><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alcon">Alcon</a> Pharmakonzern&nbsp;</td><td class="has-text-align-left" data-align="left">13’200’000</td></tr><tr><td>Sergio Ermotti<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/UBS">UBS</a> Grossbank&nbsp;</td><td class="has-text-align-left" data-align="left">14’900’000</td></tr><tr><td>Thomas Schinecker<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Roche">Roche</a> Pharmakonzern&nbsp;</td><td class="has-text-align-left" data-align="left">10’200’000</td></tr><tr><td>Géraldine Picaud<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/SGS_S.A.">SGS</a>, Prüf- und<br>Inspektionsleistungen</td><td class="has-text-align-left" data-align="left">8’100’000</td></tr><tr><td>Philipp Navratil<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Nestl%C3%A9">Nestlé</a></td><td class="has-text-align-left" data-align="left">4’800’000</td></tr><tr><td>Adalbert Lechner<br><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lindt_%26_Spr%C3%BCngli">Lindt &amp; Sprüngli</a></td><td class="has-text-align-left" data-align="left">4’700’000</td></tr><tr><td>Nick Hayek<br><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Swatch_Group">Swatch Group</a></td><td class="has-text-align-left" data-align="left">4’700’000</td></tr><tr><td><em>Quellen: Verschiedene Wirtschaftszeitungen</em></td><td class="has-text-align-left" data-align="left"></td></tr></tbody></table></figure>



<h2 class="wp-block-heading has-large-font-size"><br><strong>Die bestverdienenden CEOs von Unternehmen in Deutschland</strong></h2>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>CEO</strong></td><td><strong>Einkommen in Euro</strong></td></tr><tr><td>Christian Klein<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/SAP" target="_blank" rel="noreferrer noopener">SAP</a> Software</td><td>16’240’000</td></tr><tr><td>Christian Sewing&nbsp;<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/SAP" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Deutsche Bank</a> Grossbank</td><td>15’690’000</td></tr><tr><td>Roland Busch<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Siemens" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Siemens</a> Industriekonzern</td><td>12’330’000</td></tr><tr><td>Oliver Bäte<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Allianz" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Allianz</a> Versicherungskonzern&nbsp;</td><td>11’610’000&nbsp;</td></tr><tr><td>Tim Höttges<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Telekom" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Deutsche Telekom</a></td><td>11’550’000</td></tr><tr><td>Armin Papperger<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Rheinmetall" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rheinmetall</a> Rüstungskonzern&nbsp;</td><td>10’610’000&nbsp;</td></tr><tr><td>Nikolai Setzer<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Continental_AG" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Continental</a> Industriekonzern</td><td>9’860’000</td></tr><tr><td>Ola Källenius<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Mercedes-Benz" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mercedes‑Benz</a> Autokonzern&nbsp;</td><td>8’780’000</td></tr><tr><td>Leonhard Birnbaum<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/E.ON" target="_blank" rel="noreferrer noopener">E.ON</a> Energiekonzern&nbsp;</td><td>8’750’000</td></tr><tr><td>Dominik von Achten<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Heidelberg_Materials" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Heidelberg Materials</a> Baukonzern&nbsp;</td><td>8’700’000</td></tr><tr><td colspan="2"><em>Quelle: Handelsblatt/Reuter</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://www.infosperber.ch/spenden/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="67" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-rot.png" alt="Spendenbalken rot" class="wp-image-699995" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-rot.png 1000w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-rot-300x20.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/Spendenbalken-rot-768x51.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px" /></a></figure>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/6d416ffffcb54598863b6a7dc624a391" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Verbreitetes Vorurteil: Bauern besitzen zu viele Traktoren</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/verbreitetes-vorurteil-bauern-besitzen-zu-viele-traktoren/</link>
					<pubDate>Sun, 28 Jun 2026 08:05:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=707665</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-Front-e1781870837162-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Traktor Front" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-Front-e1781870837162-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-Front-e1781870837162-1024x613.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-Front-e1781870837162-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-Front-e1781870837162.png 1102w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Bauern klagen über tiefe Preise und investieren in teure Maschinen. Doch dank diesen können immer weniger immer mehr produzieren. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="685" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-2-1024x685.png" alt="Traktor 2" class="wp-image-707685" style="width:600px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-2-1024x685.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-2-300x201.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-2-768x514.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-2.png 1100w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Für das Smart Farming braucht es moderne Traktoren, mit denen zum Beispiel diese Einzelkornsämaschine und mehreren Saatreihenaggregaten mit Saatgutbehältern gesteuert werden. </figcaption></figure>



<p><em>Red</em>.&nbsp;<em>Dieser Beitrag erschien im Newsletter&nbsp;<a href="https://www.food-revolution.info/p/sauerteigbrot-zehn-gruende" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Food Revolution»</a>&nbsp;des Agrarjournalisten Jürg Vollmer. Übernahme mit freundlicher Genehmigung.</em><br></p>



<p>Auf vielen Bauernhöfen stehen drei Traktoren. Das sieht nach Luxus aus. Doch hinter der Zahl stecken Arbeitsspitzen, Wetterrisiken, ein Strukturwandel – und der eine oder andere Oldtimer.</p>



<p>Wenn ein neuer Traktor mit 200–300 PS rund 150’000–350’000 Franken oder Euro kostet, stehen auf jedem Bauernhof Traktoren, die zusammengerechnet mehr kosten als ein Einfamilienhaus.</p>



<p>Aber die Empörung führt in die falsche Richtung. Denn ein&nbsp;<a href="https://substack.com/redirect/b97e8a45-fe14-4620-993b-5a2cb8662b97?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Traktor</a>&nbsp;ist für die Bauernfamilien nicht einfach ein Fahrzeug. Er ist Zugmaschine auf dem Acker, Hebewerkzeug, Transporter und Wetterversicherung.</p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="680" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-6-1024x680.png" alt="" class="wp-image-707689" style="width:600px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-6-1024x680.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-6-300x199.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-6-768x510.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-6.png 1102w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p>Und vermeintlich «überzählige» Traktoren stehen zwischendurch auf dem Bauernhof, weil sie genau dann verfügbar sein müssen, wenn das Wetter und das Gras keine Geduld mehr haben.</p>



<div class="wp-block-infosperber-box">
<h2 class="wp-block-heading">In Kürze</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Viele Landwirtschaftsbetriebe haben mehr als drei Traktoren im Einsatz.</li>



<li>Die Traktoren sind kein Luxus – jeder wird bis zu 600 Stunden pro Jahr gebraucht für Feldarbeiten, Transporte und viele andere Hofarbeiten.</li>



<li>Bei Arbeitsspitzen – zum Beispiel, wenn das Gras vor einem Gewitter geerntet werden muss oder bei der Kartoffelernte – braucht es jederzeit verfügbare, starke und moderne Traktoren.</li>



<li>Oldtimer ziehen Anhänger, heben Europaletten und fahren Futter in den Stall oder die Milch in die Molkerei.</li>



<li>Maschinenringe und Lohnunternehmen entlasten die Landwirtschaftsbetriebe, stossen aber an Grenzen, wenn alle Bauern zur gleichen Zeit dieselbe Maschine brauchen.</li>
</ul>
</div>



<p class="has-large-font-size"><br><strong>Traktoren pro Hof: Eine trügerische Statistik</strong></p>



<p>Pro Landwirtschaftsbetrieb gibt es in der Schweiz durchschnittlich 3,1 Traktoren, in Deutschland nur 2,7. In Österreich dagegen 4,8.&nbsp;</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>In der Schweiz waren 2024 für&nbsp;<a href="https://substack.com/redirect/8bfd53ea-ae5d-4408-bf2e-82da11c61ad4?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls" target="_blank" rel="noreferrer noopener">47’000 Landwirtschaftsbetriebe</a>&nbsp;rund&nbsp;<a href="https://substack.com/redirect/3804a107-e6e1-4364-ad55-b2ef52c930a4?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls" target="_blank" rel="noreferrer noopener">146’800 Traktoren</a>&nbsp;registriert – 3,1 Traktoren pro Bauernhof.</li>



<li>In Deutschland setzten 2023 die&nbsp;<a href="https://substack.com/redirect/1f733a74-4dc4-43de-99ac-d8ee7b9a1ab0?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls" target="_blank" rel="noreferrer noopener">255’000 Landwirtschaftsbetriebe</a>&nbsp;rund&nbsp;<a href="https://substack.com/redirect/1f733a74-4dc4-43de-99ac-d8ee7b9a1ab0?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls" target="_blank" rel="noreferrer noopener">695’000 betriebseigene Maschinen</a>&nbsp;ein – 2,7 Traktoren pro Bauernhof.</li>



<li>In Österreich wurden 2023 für&nbsp;<a href="https://substack.com/redirect/2ad39c2d-4640-4217-bb84-835b1b919ea3?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls" target="_blank" rel="noreferrer noopener">101’600 Landwirtschaftsbetriebe</a>&nbsp;rund&nbsp;<a href="https://substack.com/redirect/294baccb-06fc-412f-8a56-42e5bb33b6d6?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls" target="_blank" rel="noreferrer noopener">489’000 Traktoren</a>&nbsp;gezählt– sogar 4,8 Traktoren pro Bauernhof.</li>
</ul>



<p>Dieser internationale Vergleich hinkt. Deutschland zählt in seiner Agrarstrukturerhebung nur die betriebseigenen Traktoren – ohne jene von Lohnunternehmern oder Maschinenringen.</p>



<p>Umgekehrt erfassen die Schweiz und Österreich alle immatrikulierten Traktoren – auch jene von Lohnunternehmen und Maschinenringen, Kommunen, Bau- und Transportunternehmen.</p>



<p>Zu den Traktoren werden in der Schweiz und Österreich auch kleine Geräteträger gezählt. Zum Beispiel die <a href="https://substack.com/redirect/5c9002e4-8085-4cea-b935-4c652c330aaa?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Einachser</a>&nbsp;von&nbsp;<a href="https://substack.com/redirect/0fa2fcf4-5e7d-4091-bf7a-ce25bce9f89f?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rapid</a>&nbsp;(CH),&nbsp;<a href="https://www.terratec.cc/ibex" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Ibex</a> (AT) und&nbsp;<a href="https://substack.com/redirect/afd4ba33-8abd-49ef-98c0-c9222825d00c?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Brielmaier</a>&nbsp;(DE), die auf steilen Wiesen, in Naturschutzgebieten oder in Spezialkulturen eingesetzt werden.</p>



<p>Die Statistiken der drei Länder sind deshalb nicht deckungsgleich. Noch schwieriger wird es, weil die Statistiken wenig darüber sagen, was ein Traktor auf einem Hof tatsächlich leistet.</p>



<p class="has-large-font-size"><br><strong>Viele Traktoren, die vor 1979 gebaut wurden, sind noch im Einsatz</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-7-1024x683.png" alt="Traktor 7" class="wp-image-707713" style="width:600px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-7-1024x683.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-7-300x200.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-7-768x512.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-7.png 1098w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Der Bührer-Traktor mit Jahrgang 1964 steht im Zürcher Weinland einsatzbereit in der geöffneten Holzscheune. Solche Oldtimer können immer noch einen Anhänger ziehen oder eine Europalette heben, Futter in den Stall oder die Milch in die Molkerei bringen. </figcaption></figure>



<p>Ein Traktor kann alt sein. Sehr alt. Die Traktoren von&nbsp;<a href="https://substack.com/redirect/697cd448-1a11-43f6-a114-758b2ec96c83?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hanomag</a>&nbsp;und&nbsp;<a href="https://substack.com/redirect/ccabe2bb-178a-4949-aae2-53efd067191f?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lanz</a> (Deutschland),&nbsp;<a href="https://substack.com/redirect/412b3854-dda0-4f99-b048-bfbe02a46aae?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vevey</a>&nbsp;und&nbsp;<a href="https://substack.com/redirect/105bc75e-b0a3-40e6-8a36-4b0365b0c297?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Bührer</a>&nbsp;(Schweiz),&nbsp;<a href="https://substack.com/redirect/a5af510c-a7d2-4948-8914-cf875d33933c?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls">Hofherr-Schrantz</a>&nbsp;und&nbsp;<a href="https://substack.com/redirect/18e31afd-b9e3-4d33-958d-d0c7e6d2dc65?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls">Warchalowski</a>&nbsp;(Österreich) werden seit über einem halben Jahrhundert nicht mehr produziert – arbeiten trotzdem weiter.</p>



<p>Diese Oldtimer können immer noch einen Anhänger ziehen oder eine Europalette heben, sie bringen Futter in den Stall oder die Milch in die Molkerei.</p>



<p><a href="https://substack.com/redirect/93c993e1-20a9-4c1a-a61e-214e4a539efa?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls">Hans Hürlimann jun., der Sohn des legendären Firmengründers, erklärte mir in einem Interview</a>: «Mindestens die Hälfte aller 28’000 Hürlimann-Traktoren, die von 1929 bis 1979 gebaut wurden, sind noch in Betrieb.»</p>



<p>Solche alten Traktoren sind kein Symbol für Übermotorisierung. Sie sind wie der Zoll-Schraubenschlüssel in der Werkstatt eines Automechanikers: wenig glamourös, aber sie werden noch gebraucht.</p>



<p>Umgekehrt räumen LandwirtInnen mit ihren Hightech-Traktoren in der Stadt zentimetergenau den Schnee. Und mit den grossen Traktoren schleppen sie ein 5000-Liter-Wasserfass zur Sömmerungsweide auf dem Berg oder für die Chips einen Anhänger mit 25 Tonnen Kartoffeln in die Fabrik.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-large-font-size"><br>Ein Bauernhof funktioniert wie eine Autowerkstatt</h2>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="680" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-4-1024x680.png" alt="Traktor 4" class="wp-image-707691" style="width:600px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-4-1024x680.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-4-300x199.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-4-768x510.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-4.png 1102w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Traktoren müssen genau dann verfügbar sein, wenn das Gras die höchste Nährstoffdichte, viel Protein und eine gute Verdaulichkeit aufweist. </figcaption></figure>



<p>Wer verstehen will, warum mehrere Traktoren auf einem Hof stehen, darf einen Bauernhof nicht wie den Verkaufsraum eines Autohändlers betrachten, in dem die Autos schön in einer Reihe präsentiert werden. Ein Bauernhof funktioniert wie die Werkstatt eines Automechanikers.</p>



<p>Dort fragt auch niemand, warum es mehrere Schraubenschlüssel gibt. Der eine passt für die kleine Mutter, der andere für die grosse. Den Drehmomentschlüssel gibt der Mechaniker kaum aus der Hand, den Zoll-Schraubenschlüssel braucht er nur für Oldtimer und US-Fahrzeuge. Aber wenn er gebraucht wird, muss er da sein.</p>



<p><em>Der kleine alte Traktor</em>&nbsp;macht Arbeiten, für die ein grosser Traktor zu schwer, zu breit oder zu unpraktisch wäre. Er hebt Europaletten und BigBags, zieht einen Anhänger, räumt im Winter den Hof, fährt das Futter in den Stall und kommt durch jeden schmalen Weg.</p>



<p><em>Der grosse, starke Traktor</em>&nbsp;übernimmt Arbeiten, die Power brauchen: Mähen, Wenden und Schwaden auf den Wiesen. Pflügen auf dem Acker. Heuballen, Kartoffeln und Zuckerrüben transportieren auf der Strasse.</p>



<p><em>Der moderne Hightech-Traktor</em>&nbsp;wird auf dem Acker gebraucht. Mit Kameras, KI, GPS-Navigation und&nbsp;<a href="https://substack.com/redirect/e5f5d542-8395-475e-9e30-c6ae7cdae4f8?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Real-Time Kinematic RTK</a>&nbsp;bekommt jede Pflanze genau soviel Dünger und Pflanzenschutzmittel wie sie braucht.</p>



<p>Alle drei Maschinen erzählen verschiedene Geschichten. Der kleine Traktor steht für Alltag, der grosse Traktor für Schlagkraft und der High-Tech-Traktor für den Zielkonflikt der modernen Landwirtschaft.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-large-font-size"><br>Deshalb werden die Traktoren immer grösser und schwerer</h2>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="682" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-5-1024x682.png" alt="" class="wp-image-707687" style="width:600px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-5-1024x682.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-5-300x200.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-5-768x512.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-5.png 1102w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p>Traktoren sind in den vergangenen Jahrzehnten stärker, schwerer und komplexer geworden. Was früher als Grosstraktor galt, wirkt heute herzig: In den 1960er-Jahren brachte ein Grosstraktor nur 40 PS auf den Boden und wog 1,5 Tonnen.</p>



<p>2026 bringen Grosstraktoren wie der&nbsp;<a href="https://substack.com/redirect/ad7963c3-776a-4b46-89fd-75d8714f890a?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls" target="_blank" rel="noreferrer noopener">John Deere 9RX</a>&nbsp;über 900 PS auf die Räder (respektive Raupen) und 33 Tonnen auf die Waage. Solche gigantischen Traktoren sieht man höchstens im Osten und Norden von Deutschland. Je weiter südlich, desto weniger bis überhaupt gar nicht.</p>



<p>Die durchschnittliche Motorleistung neu zugelassener Standardtraktoren lag 2025 in allen drei Ländern bei 135 PS, etwa drei Mal mehr als im Jahr 1960.</p>



<p>Aber auch die kleinen Traktoren sind komplexer geworden. In ihren Kabinen müssen die FahrerInnen drei oder vier Touchscreens bedienen.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Auf dem Hauptbildschirm steuern die LandwirtInnen angehängte Anbaugeräte wie Pflug, Sämaschine oder Pflanzenschutzmittelspritze.</li>



<li>Auf dem Spurführungs- und GPS-Monitor kontrollieren sie, ob der Traktor zentimetergenau über den Acker fährt, damit Dünger und Pflanzenschutzmittel präzise auf jeder Pflanze appliziert werden.</li>



<li>Mit dem Traktor- und Telemetrie-Monitor überwachen die LandwirtInnen die Motordrehzahl, Getriebestatus, Kraftstoffverbrauch und Hydraulikleistung des Traktors.</li>



<li>Fast schon Low-Tech ist der Monitor für die Kameras an Frontladern, Heckgeräten oder im toten Winkel, damit der Landwirt Fussgänger, Wildtiere und andere Hindernisse im Blick hat.</li>
</ul>



<p>Mit dieser komplexen Datenflut aus Präzisions-Landwirtschaft, Maschinensteuerung und Kameraüberwachung steuert der Landwirt den Traktor.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-large-font-size"><br>Moderne High-Tech-Traktoren verstärken die Abhängigkeit der Landwirte</h2>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="613" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-Front-e1781870837162-1024x613.png" alt="Traktor Front" class="wp-image-707683" style="width:600px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-Front-e1781870837162-1024x613.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-Front-e1781870837162-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-Front-e1781870837162-768x460.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-Front-e1781870837162.png 1102w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Moderne High-Tech-Traktoren kontrollieren die FahrerInnen mit dem Fahrhebel, während auf dem Hauptmonitor eine Feldkarte mit Fahrspuren und Autosteer-Anzeige läuft. </figcaption></figure>



<p>Die High-Tech-Traktoren haben mehr Elektronik, mehr Assistenzsysteme und mehr Präzision. Vieles davon ist sinnvoll. Aber jede technische Lösung bringt neue Abhängigkeiten.</p>



<p>High-Tech-Traktoren können nicht «einfach» repariert werden.&nbsp;<a href="https://substack.com/redirect/e16f302c-d959-49ec-b07d-6033a1d0690e?j=eyJ1IjoiMWh6Nm5oIn0.l_BiDF-MYU6WHznpW6CMFxPKGwuqAHIV72LFLmVWfls" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Oft blockieren sogar die Hersteller den Zugang zu wichtigen Diagnose-Tools und Software-Updates</a>.</p>



<p>Nicht nur die Traktoren selbst werden immer teurer, auch die Reparaturen werden teuer. Um diese Kosten zu amortisieren, müssen die LandwirtInnen den Traktor auslasten. Dafür braucht er mehr Fläche. So treibt die Technik den Strukturwandel mit an, den sie eigentlich nur bewältigen soll.</p>



<p>Und am Ende wundern wir uns, warum der Hofplatz aussieht wie eine Landmaschinen-Ausstellung.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-large-font-size"><br>Der Traktor entscheidet über Ertrag, Futterqualität oder Ernteverlust</h2>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="680" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-4-1024x680.png" alt="Traktor 4" class="wp-image-707691" style="width:600px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-4-1024x680.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-4-300x199.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-4-768x510.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-4.png 1102w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Traktoren müssen genau dann verfügbar sein, wenn das Gras die höchste Nährstoffdichte, viel Protein und eine gute Verdaulichkeit aufweist. </figcaption></figure>



<p>Ein Bauernhof produziert nicht in einer Halle, in der man Temperatur, Licht und Feuchtigkeit nach Bedarf einstellen kann. Er arbeitet unter freiem Himmel. Das klingt romantisch, ist aber betriebswirtschaftlich brutal.</p>



<p>Gras muss gemäht werden, wenn es reif ist und das Wetterfenster passt. Heu muss trocken eingebracht werden, bevor Regen kommt. Mais muss geerntet werden, wenn der Trockenmassegehalt stimmt. Getreide muss gedroschen werden, wenn Kornfeuchte, Wetter und Mähdrescherkapazität zusammenpassen.</p>



<p>Auch Gülle darf nur unter bestimmten Bedingungen und innerhalb rechtlicher Grenzen ausgebracht werden. Pflanzenschutz hängt ebenfalls an engen Zeitfenstern.</p>



<p>In solchen Momenten zählt nicht die durchschnittliche Jahresauslastung eines Traktors. Entscheidend ist, ob die Maschine genau dann einsatzbereit ist, wenn sie gebraucht wird.</p>



<p>Ein durchschnittlicher Ackerbau-Traktor läuft von März bis November bis zu 600 Stunden, etwa 70 Stunden im Monat. Einzelne Oldtimer werden vielleicht nur 70 Stunden im Jahr benötigt.</p>



<p>Für KonsumentInnen ist das schwer nachvollziehbar. Ein Auto, das fast nie fährt, ist ineffizient. Ein teurer Traktor, der auf dem Hof steht, wirkt erst recht ineffizient. Aber der Vergleich hinkt. Der Traktor ist Teil eines Produktionssystems, das auf kurze, wetterabhängige Arbeitsspitzen ausgerichtet ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-large-font-size"><br>Etliche LandwirtInnen teilen oder «mieten» ihre Maschinen</h2>



<figure class="wp-block-image size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-3-1024x683.png" alt="" class="wp-image-707693" style="width:600px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-3-1024x683.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-3-300x200.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-3-768x512.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Traktor-3.png 1098w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p>Viele LandwirtInnen teilen ihre Traktoren in einer Betriebsgemeinschaft oder im Maschinenring. Oder sie «mieten» die Maschinen von Lohnunternehmen. Rund 50 bis 60 Prozent aller ackerbaulichen Hauptarbeiten wie Bodenbearbeitung, Saat, Pflanzenschutz und Ernte werden durch Lohnunternehmer oder Maschinenringe erbracht.</p>



<p>Aber auch Teilen hat seine Grenzen. Die wichtigste Grenze ist banal: Wenn das Wetter passt, brauchen alle LandwirtInnen dieselbe Maschine gleichzeitig.</p>



<p>Der Lohnunternehmer kann jedoch nicht auf jedem Hof zur selben Stunde sein. Der Maschinenring kann eine Maschine nicht gleichzeitig an fünf Betriebe vergeben. Und LandwirtInnen, die zu lange warten müssen, verlieren Qualität oder Ertrag.</p>



<p>Deshalb ist ein eigener Traktor für viele Betriebe keine Marotte, sondern Risikomanagement.</p>



<p class="has-large-font-size"><br><strong>Immer weniger Bauernhöfe, immer mehr Traktoren</strong></p>



<p>Die hohe Zahl der Traktoren erzählt auch vom Strukturwandel. Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe sinkt seit Jahrzehnten. Wenn ein Betrieb aufhört, wird der Hof meist inklusive Traktoren von einer anderen Bauernfamilie übernommen.</p>



<p>Traktoren sind langlebig. Sie fahren Jahrzehnte, sind technisch einfach, reparierbar und für leichte Arbeiten weiterhin nützlich.</p>



<p>So laufen zwei Kurven auseinander: Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe sinkt, der Maschinenbestand bleibt hoch. Dadurch entsteht der Eindruck einer Landwirtschaft, die immer stärker motorisiert ist. Teilweise stimmt das. Teilweise ist es ein statistischer Effekt.</p>



<p>Das macht die öffentliche Debatte so anfällig für Fehlschlüsse. Man sieht den Traktor auf der Strasse. Man sieht ihn im Dorf. Man sieht ihn auf dem Feld. Was man weniger sieht, sind die verschwundenen Höfe, die fehlenden Arbeitskräfte und die verdichteten Arbeitsspitzen.</p>



<p class="has-large-font-size"><br><strong>Die falsche Frage: «Wie viele Traktoren hat ein Betrieb?»&nbsp;</strong></p>



<p>Die Zahl «3 Traktoren pro Betrieb» ist korrekt. Aber wir müssten nicht nur fragen: Wie viele Traktoren hat ein Betrieb? Wir müssten fragen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Wie alt sind diese Maschinen?</li>



<li>Wie viele Stunden laufen sie pro Jahr?</li>



<li>Für welche Arbeiten werden sie eingesetzt?</li>



<li>Wie viel Kapital ist gebunden?</li>



<li>Wie schwer sind sie?</li>



<li>Auf welchen Böden fahren sie?</li>



<li>Welche Arbeiten werden geteilt, welche nicht?</li>



<li>Welche Maschinen ersetzen menschliche Arbeit?</li>



<li>Welche Investitionen sind notwendig – und welche bloss Gewohnheit, Prestige oder Systemdruck?</li>
</ul>



<p>Und für skeptische KonsumentInnen ist die zentrale Erkenntnis: Landwirtschaft wirkt von aussen oft widersprüchlich, weil sie es tatsächlich ist.</p>



<p>Bauern klagen über tiefe Preise und investieren in teure Maschinen. Sie sprechen von Bodenschutz und fahren mit schweren Traktoren. Sie wünschen sich mehr Wertschätzung und stehen gleichzeitig unter dem Verdacht, übermotorisiert zu sein.</p>



<p>Am Ende ist der Traktor nicht das Symbol einer Landwirtschaft, die zu viel hat. Er ist auch das Symbol einer Landwirtschaft, in der immer weniger Landwirte für immer mehr KonsumentInnen produzieren müssen.</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Triflouracetat (TFA) als fortpflanzungsschädigend eingestuft</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/triflouracetat-tfa-als-fortpflanzungsschaedigend-eingestuft/</link>
					<pubDate>Sun, 28 Jun 2026 08:00:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=707275</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="168" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/wasserbohrung-bei-sonnenuntergang-arbeiter-bei-der-nutzung-einer-wasserpumpe-1106090-1920x1076-2-300x168.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Wasserbohrung" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/wasserbohrung-bei-sonnenuntergang-arbeiter-bei-der-nutzung-einer-wasserpumpe-1106090-1920x1076-2-300x168.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/wasserbohrung-bei-sonnenuntergang-arbeiter-bei-der-nutzung-einer-wasserpumpe-1106090-1920x1076-2-1024x574.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/wasserbohrung-bei-sonnenuntergang-arbeiter-bei-der-nutzung-einer-wasserpumpe-1106090-1920x1076-2-768x430.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/wasserbohrung-bei-sonnenuntergang-arbeiter-bei-der-nutzung-einer-wasserpumpe-1106090-1920x1076-2-1536x860.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/wasserbohrung-bei-sonnenuntergang-arbeiter-bei-der-nutzung-einer-wasserpumpe-1106090-1920x1076-2-2048x1147.jpg 2048w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/wasserbohrung-bei-sonnenuntergang-arbeiter-bei-der-nutzung-einer-wasserpumpe-1106090-1920x1076-2-800x445.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Die EU-Chemikalienbehörde hat TFA als reproduktionsgiftig eingestuft. Praktische Folgen hat das vorerst nicht. ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Die Chemikalie Trifluoracetat, Trifluoressigsäure oder kurz TFA ist gefährlicher als bisher angenommen. Die europäische Chemikalienagentur Echa beziehungsweise deren Risikoprüfungsausschuss hat TFA Anfang Juni als reproduktionstoxisch Kategorie 1B eingestuft, mit dem Gefahrenhinweis H360Df: «Kann das Kind im Mutterleib schädigen. Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.» Der Ausschuss hob die hohe Wasserlöslichkeit und damit grosse Mobilität von TFA hervor.</p>



<p>Bedenken von verschiedenen Seiten gab es schon länger. TFA wurde wie viele andere breit genutzte Chemikalien lange für unbedenklich gehalten. 2024 gelangte dann eine Studie des Bayer-Konzerns an die Öffentlichkeit, nach der TFA 2021 Schäden bei Kaninchen-Embryos verursacht hatte. Deutschland, wo das Bundesinstitut für Risikobewertung die Chemikalie schon 2024 als bedenklich einstufte, reichte zusammen mit anderen EU-Ländern einen Antrag auf Überprüfung ein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">TFA stammt vor allem aus Pestiziden</h2>



<p>Kritisch ist Trifluoracetat vor allem deshalb, weil die Substanz zu den PFAS-Ewigkeitschemikalien gehört. Es findet sich quasi flächendeckend in Grund- und Oberflächenwasser, bislang noch in kleinen Konzentrationen. Diese können sich aber erhöhen, wenn der Stoff weiter ins Wasser gelangt. Nach bisherigen Einschätzungen wäre das unumkehrbar, da er nicht zerfällt.</p>



<p>TFA stammt aus Industrieprozessen, Kältegasen und vor allem aus Pestiziden, die die Chemikalie abspalten. Auch die Pharma verwendet es. Die PFAS-Chemikalie aus Trinkwasser zu entfernen, ist möglich, aber sehr aufwendig. <a href="https://www.infosperber.ch/politik/europa/pfas-daenemark-verbietet-23-pestizide/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dänemark</a> hat deshalb die Nutzung verschiedener TFA-abspaltender Pestizide bereits vorsorglich verboten.</p>



<p>Die Festlegung hat aktuell keine praktischen Folgen. Wie gross die Gefahr für den Einzelnen im Alltag ist, hängt von der Art des Kontakts ab. In den Konzentrationen, in denen Konsumentinnen und Konsumenten damit in Berührung kommen, ist TFA nach derzeitigem Wissen nicht schädlich.</p>



<p>Die Neueinstufung der Echa ist eine reine Gefahreneinstufung. Sie besagt, dass der Stoff das Potenzial hat, Schäden zu verursachen. Sie ist aber die Grundlage dafür, EU-weite Grenzwerte für Trink-, Grund- und Oberflächenwasser festzulegen, womit in etwa zwei Jahren gerechnet werden kann.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/wasserwerke-schlagen-alarm-tfa-bedroht-das-trinkwasser/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wasserwerke schlagen Alarm: TFA bedroht das Trinkwasser</a> – Infosperber am 15. Juni 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/wasser-gewaesser/empa-immer-mehr-pfas-im-regen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Empa: Immer mehr PFAS im Regen</a> &#8211; Infosperber am 17. Januar 2026</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/umwelt/wasser-gewaesser/trifluoracetat-pfas-chemikalie-sogar-in-bio-wein/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Trifluoracetat: PFAS-Chemikalie sogar in Bio-Wein</a> – Infosperber am 28. Februar 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/tfa-wieder-ein-neues-pfas-gift-im-trinkwasser/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">TFA: Wieder ein neues PFAS-Gift im Trinkwasser</a> – Infosperber am 10. Oktober 2024</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/9f6c5f44fc074a4dbd6df80b960aa4a4" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Trotz Bio-Label: Viele PFAS-Chemikalien in der Milch</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesundheit/trotz-bio-label-viele-pfas-chemikalien-in-der-milch/</link>
					<pubDate>Sat, 27 Jun 2026 08:05:00 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=708563</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/kaelbchen-trinkt-milch-auf-weide-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="kaelbchen-trinkt-milch-auf-weide" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/kaelbchen-trinkt-milch-auf-weide-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/kaelbchen-trinkt-milch-auf-weide-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/kaelbchen-trinkt-milch-auf-weide-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/kaelbchen-trinkt-milch-auf-weide.png 1101w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Alarmierendes Test-Resultat: Selbst Bio-Milch enthält die langlebigen Industriechemikalien. Besonders Milch aus der Ostschweiz.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Wie die giftigen PFAS-Chemikalien in die Milch kommen, lässt sich derzeit nur vermuten. Der <a href="https://www.sbv-usp.ch/de/schlagworte/pfas-ewigkeitschemikalien">Schweizer Bauernverband geht davon aus</a>, dass «frühere Klärschlamm-Düngungen» eine der Ursachen sind.</p>



<p>Bedenklich ist, dass das Konsumentenmagazin «<a href="https://www.ktipp.ch/tests/produktetests/detail/artikeldetail/vollmilch-im-test-auch-in-bio-milch-hats-giftige-chemikalien" target="_blank" rel="noreferrer noopener">K-Tipp</a>» bei einem Test von 15 Vollmilch-Proben keine einzige gefunden hat, die frei ist von den schädlichen Stoffen. Selbst die sieben untersuchten Bio-Milch-Produkte enthielten Perfluoroktansulfonsäure (PFOS), Perfluoroktansäure (PFOA) oder Trifluoressigsäure (TFA) – eine sogar den höchsten im Test gemessenen PFOS-Wert.</p>



<p>Derzeit gibt es in der Schweiz und in der EU keine Grenzwerte zu PFAS-Chemikalien in der Milch. Deshalb stellt sich die Frage, wie die Resultate einzuordnen sind. Anhaltspunkte dazu gibt es:</p>



<p>Die EU hat einen Richtwert für PFOS von 20 Nanogramm pro Kilo Milch.</p>



<p>Keine Milch, die der «<a href="https://www.ktipp.ch/tests/produktetests/detail/artikeldetail/vollmilch-im-test-auch-in-bio-milch-hats-giftige-chemikalien" target="_blank" rel="noreferrer noopener">K-Tipp</a>» testete, überstieg diesen Wert. Aber die am stärksten belastete Milch – eine Bio-Milch aus einer Ostschweizer Molkerei – enthielt immerhin 12 Nanogramm PFOS.</p>



<p>Für die genauso giftige PFOA liegt der Richtwert bei der Hälfte, nämlich bei 10 Nanogramm.</p>



<p>Von diesem Schadstoff fand das Labor 3 Nanogramm in einer Milch – auch diese eine Bio-Milch.</p>



<h2 class="wp-block-heading">USA bald mit PFOS-Grenzwert von 4 Nanogramm für Wasser</h2>



<p>Wesentlich strengere Massstäbe als die EU will künftig die amerikanische Umweltbehörde EPA setzen. Sie fordert sogar für Wasser einen PFOS-Grenzwert von 4 Nanogramm pro Liter. Zum Vergleich: Nur 4 der 15 getesteten Milchproben lagen unter diesem Wert.</p>



<p>Dänemark hat für TFA im Wasser einen <a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/klaerschlamm-auf-der-scholle-einst-propagiert-jetzt-gefuerchtet/">Grenzwert von 9000 Nanogramm pro Liter</a> festgelegt. Keine der Milchproben erreichte diesen Wert, aber immerhin 4 davon enthalten über 5000 Nanogramm TFA – wiederum allesamt mit einem Bio-Label.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Auffällig oft aus der Ostschweiz</h2>



<p>Offenbar hängt die PFAS-Belastung der Milch nicht mit der Bio-Produktion zusammen. Auffällig ist aber die Herkunft der Milchproben, die am meisten PFAS enthielten: Sie stammen von Ostschweizer Molkereien. Hingegen enthielt die Milch von Molkereien aus Bern, Freiburg und Graubünden wenig Chemikalien.</p>



<p>Das passt zu einer Untersuchung der Kantonschemiker. Sie haben letztes Jahr Milchproben untersucht. Im März kam heraus: In Appenzell Ausserrhoden lag bei jedem dritten der untersuchten Betriebe der PFAS-Gehalt in der Milch über den EU-Richtwerten, teilweise sogar massiv.</p>



<p>Die betroffenen 67 Betriebe sollen nun die Ursachen für die erhöhten PFAS-Werte genauer klären.</p>



<p>Für PFOA und PFOS ist erwiesen, dass sie Krankheiten auslösen, das Krebsrisiko erhöhen, das Immunsystem und die Fortpflanzung beeinträchtigen.</p>



<p>TFA ist noch weniger gut erforscht. Die EU-Chemikalienbehörde hat TFA zwar als fortpflanzungsschädigend eingestuft. Praktische Folgen hat das vorerst aber nicht.</p>



<div class="wp-block-infosperber-attachments"><h3>Weiterführende Informationen</h3><ul><li><a href="https://www.infosperber.ch/wirtschaft/landwirtschaft/klaerschlamm-auf-der-scholle-einst-propagiert-jetzt-gefuerchtet/">Klärschlamm auf der Scholle: Einst propagiert, jetzt gefürchtet</a> – Infosperber vom 17. September 2025</li><li><a href="https://www.infosperber.ch/politik/schweiz/pfas-grenzwerte-die-gesundheit-ist-zweitrangig/">PFAS-Grenzwerte: Die Gesundheit ist zweitrangig</a> – Infosperber vom 4. Februar 2026</li></ul></div>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/d7d4b859f13b463180a59546cda8a3a2" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>«Ach schau &#8230;» «Schon wieder der andere Depp &#8230;»</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/umwelt/ach-schau-schon-wieder-der-andere-depp/</link>
					<pubDate>Sat, 27 Jun 2026 08:00:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-geschaerft-709368143_1454242030054694_4890771940896758932_n-300x180.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="flach geschärft 709368143_1454242030054694_4890771940896758932_n" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-geschaerft-709368143_1454242030054694_4890771940896758932_n-300x180.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-geschaerft-709368143_1454242030054694_4890771940896758932_n-1024x615.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-geschaerft-709368143_1454242030054694_4890771940896758932_n-768x461.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/05/flach-geschaerft-709368143_1454242030054694_4890771940896758932_n.png 1200w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Eine französische Studie zeigt, dass Kühe Gesichter erkennen können.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




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					<title>Das Spiel: Magie bis in die Regale</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/gesellschaft/uebriges-gesellschaft/das-spiel-magie-bis-in-die-regale/</link>
					<pubDate>Sat, 27 Jun 2026 07:55:00 +0000</pubDate>

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					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="180" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Morty-Sorty-Magic-Shop-H-300x180.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Morty Sorty Magic Shop H" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Morty-Sorty-Magic-Shop-H-300x180.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Morty-Sorty-Magic-Shop-H-768x461.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Morty-Sorty-Magic-Shop-H.jpg 886w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Alle kennen den Laden, alle kaufen dort ihre magischen Zutaten ein. Und genau in diesem Shop sorgen wir für Ordnung in den Regalen.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="504" height="504" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg.png" alt="Patrick Jerg" class="wp-image-637819" style="width:200px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg.png 504w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg-300x300.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/07/Patrick-Jerg-150x150.png 150w" sizes="auto, (max-width: 504px) 100vw, 504px" /><figcaption class="wp-element-caption">Patrick Jerg</figcaption></figure>



<p>Unter Magierinnen und Magiern ist er längst ein Begriff. Im &#171;Morty Sorty Magic Shop&#187; gibt es alles, was das Zauberherz begehrt. Doch schon beim Betreten des Ladens steht das Herz beinahe still. In diesem grossen Durcheinander fühlen sich höchstens die schwarzen Katzen wohl. Was für eine Ehre, dass wir nun in einem Praktikum unsere Fähigkeiten unter Beweis stellen können und ab sofort für Ordnung in den Regalen sorgen. Ob das eine gute Idee war?</p>



<p>Wir schnappen uns also ein Regaltableau, auf dem wir die Gläser mit den Zutaten gleich sortieren werden. Noch sind diese Zutaten in einem Beutel versteckt. Die Gläserplättchen sind doppelseitig mit unterschiedlichen Zutaten bedruckt und besitzen alle eine Deckelfarbe und eine Ordnungszahl. Das erleichtert das Sortieren. In jeder Runde erhalten wir ein neues Glas, das wir passend ins Regal einordnen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sortieren nach Zahlen</h2>



<p>Wer an der Reihe ist, zieht neue Gläserplättchen aus dem Beutel und wirft sie auf den Tisch. Dadurch liegt nun eine beliebige Seite obenauf. Gläser mit einem blauen Deckel legt man an die Spezialglasleiste. Es sind Belohnungsgläser, die später ins Spiel kommen. Für diese Gläser darf man noch einmal neue Gläser aus dem Beutel ziehen. Alle entscheiden sich nun für ein Zutatenglas, das sie in ihr Regal stellen wollen. Dabei muss man einiges beachten. Die Ordnungszahlen müssen von links nach rechts aufsteigend sein und die Deckelfarbe muss zum Regal passen. Hält man diese Vorgaben ein, darf man den Platz für sein neues Glas frei wählen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="531" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Morty-Sorty-Magic-Shop-2.jpg" alt="Morty Sorty Magic Shop 2" class="wp-image-708825" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Morty-Sorty-Magic-Shop-2.jpg 640w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Morty-Sorty-Magic-Shop-2-300x249.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Morty Sorty Magic Shop»</figcaption></figure>



<p>Das Arbeiten wird belohnt, wenn man in einer Spalte drei unterschiedliche Zutaten unterbringt. In diesem Fall darf man sich sofort ein beliebiges Spezialglas von der Leiste nehmen und es passend in sein Regal stellen. Dadurch können ganze Kettenzüge entstehen, wenn sich gleich nochmal eine Spalte mit drei unterschiedlichen Zutaten füllt. Zu Beginn einer Partie besitzt man zwei schwarze Katzen. Mit ihnen kann man ein Zutatenglas auf die andere Seite wenden oder ausnahmsweise zwei gleiche Zahlenwerte nebeneinander ins Regal stellen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Mit Ordnung punkten </h2>



<p>Die Arbeit im &#171;Morty Sorty Magic Shop&#187; ist anspruchsvoll, aber auch belohnend. Beim Sammel- und Legespiel wählt man seine Gläser sorgfältig aus und füllt seine Regale. Punkte gibt es am Ende für vollständige Regalreihen, eine grosse Anzahl gleicher Zutaten in den Gläsern, passende Zahlenwerte bei einzelnen Regalschildern und übriggebliebene Katzen. In jeder Partie gibt es zusätzlich zwei zufällige Ziele in Form von Sortieraufgaben, mit denen man auch punkten kann.</p>



<p>Das Auswählen und Legen der Zutatengläser gleicht einer grossen Knobelaufgabe, bei der man immer die besten Möglichkeiten sucht. Vom Cover des Spiels darf man sich nicht abschrecken lassen. Es lässt eher auf ein Kinderspiel schliessen. Davon ist die Arbeit im &#171;Morty Sorty Magic Shop&#187; weit entfernt. Mit detaillierteren Wertungen kann man das Brettspiel sogar noch anspruchsvoller machen. Nicht umsonst steht das Sortierspiel auf der diesjährigen Nominierungsliste zum &#171;Spiel des Jahres&#187;.</p>



<p>____________________</p>



<figure class="wp-block-image alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="640" height="626" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Morty-Sorty-Magic-Shop.jpg" alt="Morty Sorty Magic Shop" class="wp-image-708821" style="width:150px" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Morty-Sorty-Magic-Shop.jpg 640w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Morty-Sorty-Magic-Shop-300x293.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption class="wp-element-caption">«Morty Sorty Magic Shop»</figcaption></figure>



<p><strong>Morty Sorty Magic Shop</strong><br><br>Ein Legespiel von Markus Slawitscheck<br>Illustrationen: David Cochard<br>Für 2 bis 4 Personen<br>Ab 8 Jahren | 30 Minuten<br>Verlag: Schmidt Spiele | ca. 33 Fr. / 29 Euro</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr /><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p><em>Patrick Jerg betreibt seit 15 Jahren die Webseite </em><a href="http://www.brettspielblog.ch/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">brettspielblog.ch</a><em> und veröffentlicht regelmässig Spielkritiken über Brett- und Kartenspiele.</em><br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"></img><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
]]></content:encoded>
														</item>
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					<title>Der F-35 ist nur während 25 Prozent der Zeit voll einsatzfähig</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/politik/der-f-35-ist-nur-waehrend-25-prozent-der-zeit-voll-einsatzfaehig/</link>
					<pubDate>Fri, 26 Jun 2026 08:03:39 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=708767</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="183" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/F-35-Depositphotos_610463178_XL-300x183.jpg" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="F-35 Depositphotos_610463178_XL" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/F-35-Depositphotos_610463178_XL-300x183.jpg 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/F-35-Depositphotos_610463178_XL-1024x624.jpg 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/F-35-Depositphotos_610463178_XL-768x468.jpg 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/F-35-Depositphotos_610463178_XL-1536x936.jpg 1536w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/F-35-Depositphotos_610463178_XL-2048x1248.jpg 2048w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Noch höhere Kosten bei noch weniger Leistungsfähigkeit, urteilt der US-Rechnungshof über den Kampf-Jet F-35.  ]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Zu reden gibt der F-35 in der Schweiz und in den USA. In Meiringen und in Payerne sorgt sich die Bevölkerung um den gewaltigen Lärm, den das Kampfflugzeug schon bald verursachen wird. Neue Lärmschutzfenster für die Häuser nahe der Flugpiste werden versprochen.</p>



<p>Um mehr als nur Lärm geht es in den USA. Grundsätzliche Zweifel von hoher Stelle erregen Aufsehen. Das «Government Accountability Office» fällt ein vernichtendes Urteil über das «teuerste Waffensystem des US-Verteidigungsministeriums».   </p>



<p><strong>Nur zu einem Viertel für alle versprochenen Einsätze bereit</strong> </p>



<p>Nur in Ausnahmefällen, so das Urteil des <a href="https://www.gao.gov/products/gao-26-108113" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Rechnungshofs vom 11. Juni</a>, vermag der F-35 von der Piste abzuheben. Wörtlich hält er fest:  </p>



<p>«Seit 2021 sind die Unterhaltskosten für die F-35 weiter gestiegen, doch die F-35 hat die Leistungsziele nicht erreicht, und die Leistung hat sich tendenziell verschlechtert.» Und weiter: «Die Einsatzbereitschaftsrate sank von 67 Prozent auf 44 Prozent», und «die Rate der vollständigen Einsatzbereitschaft sank von 38 Prozent auf 25 Prozent».</p>



<p>Ein F-35-Jet ist also meist nicht voll einsatzfähig und kann nur zu weniger als der Hälfte der Zeit eine seiner Aufgaben erfüllen.</p>



<p><strong>Das teuerste Waffensystem wird noch teurer</strong></p>



<p>Der Kampf-Jet F-35 sei mit Kosten von 1,6 Billionen US-Dollar bis 2024 schon jetzt das teuerste Waffensystem des Verteidigungsministeriums der USA, gibt der Rechnungshof zu bedenken. Doch das ist noch nicht die volle Rechnung. Bis 2031 sollen 13,7 Milliarden US-Dollar hinzukommen. Der Rechnungshof schätzt, dass die «US-Streitkräfte bis Mitte der 2030er Jahre jährlich mit einer Lücke von mehr als 1 Milliarde US-Dollar zwischen den prognostizierten Kosten für die Instandhaltung ihrer F-35 und ihren Finanzierbarkeitszielen konfrontiert sein» werden.</p>



<p>Für die Anwohnerinnen und Anwohner nahe der Flugpisten in Meiringen und Payerne mag etwas weniger Lärm dank geringer Einsatzfähigkeit ein kleiner Trost sein, aber wohl kaum für die Armee-Führung in Bern. &nbsp;&nbsp;</p>



<div class="wp-block-infosperber-interests"><hr/><h4>Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors</h4><p>Keine<br>_____________________<br>➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren <a href="https://www.infosperber.ch/spenden/">SPENDEN</a> möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.<br><br>Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:<br><br><img decoding="async" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2025/01/QR-IS-150-px.png"><br><br>_____________________<br>Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.</p></div>
<span class="vgwort"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://vg08.met.vgwort.de/na/953b4c06e5e44bb58e53523fb7c35b0c" width="1" height="1" alt="" /></span>]]></content:encoded>
														</item>
							<item>
					<title>Dank Luzern – Vorkaufsrecht auf dem Vormarsch</title>
					<link>https://www.infosperber.ch/wirtschaft/dank-luzern-vorkaufsrecht-auf-dem-vormarsch/</link>
					<pubDate>Fri, 26 Jun 2026 07:54:50 +0000</pubDate>

					<guid isPermaLink="false">https://www.infosperber.ch/?p=707795</guid>
					<description><![CDATA[<p><img width="300" height="200" src="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Siedlung-Harsplen-300x200.png" class="attachment-medium size-medium wp-post-image" alt="Siedlung Harsplen" style="max-width: 100%; height: auto; margin-bottom: 10px;" decoding="async" loading="lazy" srcset="https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Siedlung-Harsplen-300x200.png 300w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Siedlung-Harsplen-1024x683.png 1024w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Siedlung-Harsplen-768x512.png 768w, https://www.infosperber.ch/wp-content/uploads/2026/06/Siedlung-Harsplen.png 1280w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>Mit einem Vorkaufsrecht kann der Staat trotz hohen Kaufpreisen günstige Mieten anbieten. Luzern macht's vor. Zürich zögert.]]></description>
					<content:encoded><![CDATA[




<p>Die Rechnung ist einfach. Angenommen ein Wohnhaus mit zwölf Wohnungen wird für 20 Millionen ersteigert. Der private Investor finanziert davon 12 Millionen mit Hypotheken zum Referenzzinssatz von 1,25 Prozent. Für die 8 Millionen Eigenkapital darf er laut Mietrecht eine Rendite von 3,25 Prozent verlangen. Insgesamt 410&#8217;000 Franken oder gut 2 Prozent.</p>



<p>Da sich aber die Mieter nur mit erheblichem Aufwand gegen zu hohe Renditen wehren können – nur 0,5 Prozent der Neumieter <a href="https://lenews.ch/2025/05/17/swiss-tenants-association-launches-initiative-to-cap-rent-hikes/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">fechten ihre Mieten</a> an – liegen die effektiven Renditen laut <a href="https://www.wuestpartner.com/ch-de/blog/performance-immobilienanlagen-switzerland-property-index-2025/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wüest Partner</a> bei gut 3 Prozent. In unserem Fall also bei 600’000 Franken.</p>



<p>Wenn nun, dank einem Vorkaufsrecht, die Stadt Zürich den Zuschlag für den Erwerb dieser Liegenschaft erhielte, könnte sie die 20 Millionen zum Beispiel mit einer zehnjährigen Anleihe finanzieren, die derzeit etwa 0,9 Prozent Zins kostet. Das Geld würde sie mit einem kleinen Aufschlag zum Referenzzinssatz von 1,25 Prozent an eine Wohngenossenschaft weitergeben. Damit würden für die Mieter Zinskosten von 250&#8217;000 Franken anfallen. Das sind 160&#8217;000 bis 350&#8217;000 Franken weniger. Pro Mieter ist das eine monatliche Einsparung von 1100 bis 2400 Franken. Den Steuerzahler kostet das nichts. Er macht – wegen des kleinen Aufschlags – sogar noch einen Gewinn von jährlich 70&#8217;000 Franken. Und er profitiert von den Wertsteigerungen der Immobilie. </p>



<p>Dass das keine rein theoretischen Zahlen sind, zeigt auch das Beispiel der <a href="https://www.stadt-zuerich.ch/de/planen-und-bauen/projekte-und-ausschreibungen/hochbauvorhaben/planung-ausfuehrung/wohnsiedlung-harsplen.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Siedlung Harsplen</a> in Zürich.&nbsp;Die 30’300 Quadratmeter Bauland wurden 2024 von der Stadt für 211 Millionen gekauft – was stolzen 7000 Franken pro Quadratmeter entspricht. Die Baukosten für die 367 Wohnungen werden mit 223 Millionen veranschlagt. Auch nicht billig. Dennoch kann die 4,5-Zimmer-Wohnung für 2730 Franken angeboten werden. Private Vermieter verlangen für eine entsprechende Wohnung in Zürich laut dem Immobilienportal Homegate meist rund 4500 Franken oder manchmal auch deutlich mehr. Das ergibt eine Differenz von rund 1800 Franken zugunsten der Mieter und entgangenen Gewinn für die Investoren.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Es fehlen das Vorkaufsrecht und der Wohnbaufonds</h2>



<p>Das Problem ist aber: Die Stadt Zürich hat kein Vorkaufsrecht und auch keinen Wohnbaufonds, mit dem sie den Kauf finanzieren könnte. Die Stimmberechtigten des Kantons Zürich haben Ende 2025 ein kommunales Vorkaufsrecht abgelehnt, aber in den Städten Zürich und Winterthur wurde die Vorlage mit deutlichen Mehrheiten angenommen. Am 14. Juni wurde ebenfalls in einer kantonalen Abstimmung ein staatlicher Wohnbaufonds abgelehnt, aber in Zürich und Winterthur deutlich angenommen.</p>



<p>Infosperber hat nach beiden Abstimmungen bei der Alternativen Liste, einer Mitinitiantin der betreffenden Vorlagen, nachgefragt, ob man nun entsprechende <em>kommunale</em> Abstimmungen in die Wege leiten wolle. Die Antwort war jeweilen, dass es sich dabei um kantonale Kompetenzen handle. Nun hat aber die Stadt Luzern am vergangene 14. Juni mit je einer satten Zweidrittels-Mehrheit sowohl einem Vorkaufsrecht als auch der «Darlehensvergabe an gemeinnützige Bauträgerschaften» sowie dem «Erwerb von Liegenschaften durch die Stadt» zugestimmt. Offenbar lässt die Verfassung des Kantons Luzern das zu.</p>



<p>Bleibt die Frage, ob dies auch für <a href="http://www2.zhlex.zh.ch/appl/zhlex_r.nsf/WebView/F07E732FF0EB52D6C125832F00309153/$File/101_27.2.05_103.pdf">Verfassung des Kantons Zürich</a> gilt. Dort wird das Vorkaufsrecht nicht erwähnt, weder als kantonale noch als kommunale Kompetenz. Doch die Tatsache, dass die Zürcher Stimmbürger über ein kommunales Vorkaufsrecht abstimmen durften, kann als Beleg dafür gelten, dass dies als verfassungskonform galt. Zudem steht in der Bundesverfassung, dass «eine Aufgabe nicht von einer höheren Ebene (Kanton) übernommen werden (soll), wenn sie auf der tieferen Ebene (Gemeinde) ebenso gut gelöst werden kann.» </p>



<p>Auch Deutschland kennt ein sehr gut ausgebautes Vorkaufsrecht der Kommunen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Argument 1: Eigentumsgarantie</h2>



<p>Das zeigt unter dem Strich, dass die rechtlichen Argumente gegen ein kommunales Vorkaufsrecht auf wackligen Beinen stehen. Trotzdem lehnte der Nationalrat Ende 2024 zwei Vorstösse zur Einführung eines schweizweiten Vorkaufsrechts von Gemeinden zugunsten des gemeinnützigen und preisgünstigen Wohnraums ab. In den Debatten spielt vor allem die Frage der Eigentumsgarantie eine zentrale Rolle.</p>



<p>Auch im Abstimmungskampf um das Vorkaufsrecht im Kanton Zürich wurde ein einschlägiges Urteil des Bundesgerichts (<a href="https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&amp;type=highlight_simple_query&amp;page=1&amp;from_date=&amp;to_date=&amp;from_year=1954&amp;to_year=2026&amp;sort=relevance&amp;insertion_date=&amp;from_date_push=&amp;top_subcollection_clir=bge&amp;query_words=1C_86%2F2015&amp;part=all&amp;de_fr=&amp;de_it=&amp;fr_de=&amp;fr_it=&amp;it_de=&amp;it_fr=&amp;orig=&amp;translation=&amp;rank=1&amp;highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-I-76%3Ade&amp;number_of_ranks=70&amp;azaclir=clir" target="_blank" rel="noreferrer noopener">BGE 142 I 76</a>), ausgiebig zitiert, wonach ein Vorkaufsrecht einen «schwerwiegenden Eingriff in die Eigentumsgarantie» darstellt.</p>



<p>Doch wie schwer wirkt der Eingriff in die Eigentumsgarantie wirklich? In unserem Beispiel bleibt der Verkäufer frei, seine Immobilie zu verkaufen oder nicht. Er erhält den vollen Marktpreis. Ob vom Staat oder von einem privaten Käufer kann ihm eigentlich egal sein.&nbsp;20 Millionen bleiben 20 Millionen. Dagegen wird argumentiert, dass die freie Wahl des Käufers ein «fundamentaler und unverzichtbarer Bestandteil des Rechts auf Eigentum» sei. Das steht zwar nicht wörtlich in der Verfassung, wird aber etwa im Basler Kommentar zur Bundesverfassung aus der Verfassung abgeleitet.</p>



<p>Mag sein. Doch was ist mit den Mietern, die – wie unser Beispiel zeigt – ohne kommunales Vorkaufsrecht monatlich 1100 oder gar 1800 Franken mehr Miete bezahlen müssen und damit darin gehindert werden, überhaupt erst Eigentum zu bilden? Wo bleibt das Recht, Eigentum erst einmal bilden zu können? Diese Frage muss politisch entschieden werden, nicht aus der Auslegung alter Bundesgerichtsentscheide.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Argument 2: Verzerrung des Immobilienmarkts</h2>



<p>Das zweite gewichtige Gegenargument ist die <a href="https://www.baurecht-schweiz.ch/blog-vorkaufsrechte-von-gemeinwesen/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">«Verzerrung des Immobilienmarkts»</a>, wodurch «interessierte Private und Gewerbler benachteiligt werden.» Stimmt: Im privaten Normalfall funktioniert der Markt so, dass die Immobilie punkto Grundriss und Ausstattung so gebaut wird, dass sie der ständig nachwachsenden Klientel der Gutverdienenden – unter anderem vermögende Zuzüger – möglichst teuer verkauft oder vermietet werden kann. Da die Bodenbesitzer diese Rechnung auch machen, steigen auch die Preise für Bauland entsprechend.</p>



<p>Ein staatlicher Wohnbaufonds muss zwar auch die hohen Bodenpreise bezahlen, aber er hat viel tiefere Zinskosten und er kann familiengerecht für den Mittelstand bauen. Noch besser: Er kann oder könnte lebensphasengerechte Siedlungen mit flexiblen Grundrissen und ausreichend Gemeinschaftsräumen bauen. Damit kann der Flächenbedarf pro Kopf bei gleichen oder grösserem Wohnkomfort deutlich gesenkt werden. Insbesondere weil Senioren ihren Wohnraum verkleinern können, ohne die gewohnte Umgebung verlassen zu müssen.</p>



<p>Und da ist noch ein wichtiger Punkt: Viele Eigentümer und ihre Erben dürften bereit sein, ihre Liegenschaften auch unter dem maximalen Marktpreis zu verkaufen, wenn sie dafür ihren langjährigen oder auch künftigen Mietern eine faire Lösung bieten oder Leerkündigungen vermeiden können. Alles zusammen – tiefere Verzinsung, weniger Baukosten, bessere Raumnutzung, tieferer Einstandspreis – ergibt deutlich weniger teure Mieten. Damit können die privaten Anbieter nicht mithalten. Ihnen bleibt nur das Topsegment.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gefahr für Immobilien-Lobby</h2>



<p>Für alle mittelständischen Wohnungssuchenden und für den sozialen Frieden im Land sind das erfreuliche Aussichten. Für die Immobilien- und Hausbesitzer-Lobby hingegen droht Gefahr. Sie riskiert beträchtliche Mindereinnahmen. Aber sie hat auf diesem Feld immer noch die mediale Hoheit. Das äussert sich etwa darin, dass die Abstimmung in Luzern weder im «Tagesanzeiger» noch in der «NZZ» oder im «Blick», sondern ausschliesslich in der lokalen und regionalen Presse erwähnt worden ist. Und auch da fehlt jeder Hinweis auf das beträchtliche Sparpotential.</p>



<p>Und wie sieht es auf der Gegenseite aus? Kommt nach dem deutlichen Sieg in Luzern eine ganze Reihe von kommunalen Vorstössen? Bis zur Abstimmung in Luzern wurden entsprechende Fragen immer mit dem Hinweis auf die fehlende kommunale Zuständigkeit negativ beantwortet. Jetzt hat Walter Angst, Co-Geschäftsleiter des Mieterverbands Zürich und Mitglied des Zürcher Gemeinderat für die Alternative Liste, dieselbe Frage so beantwortet. «Wir sind noch immer in der Auswertung. Die Diskussion über nächste Schritte hat noch nicht stattgefunden. Aktuell sind wir mit einer Vielzahl von Leerkündigungen und Mietzinserhöhungen wegen Sanierungen voll ausgelastet.»</p>



<p>Das ist verständlich: Eine städtische Abstimmungsvorlage lässt sich nicht aus dem Ärmel schütteln. Das braucht eine lange Vorbereitung und eine gezielte Medienstrategie. Aber man darf gespannt sein. Die Zeit ist reif für eine aktive Wohnbau-Politik auf kommunaler Ebene. Dort, wo der Schuh drückt und Leerkündigungen und massive Mietzinserhöhungen den Stimmbürgern die Stimmung verderben.</p>



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