Sperberauge
Statt Kriegsverbrecher Suworow den Pazifisten Leo Tolstoi ehren
Red. Heinrich Frei ist Mitglied der «Gruppe für eine Schweiz ohne Armee» GSoA und setzt sich für eine nachhaltige Friedenspolitik ein.
Was zeichnete Suworow, diesen zaristischen General, eigentlich besonders aus, dass man für ihn noch unter dem absolutistischen Zarenregime 1899 bei Andermatt im Urnerland ein Denkmal errichtete? Suworow war Spezialist im Niederschlagen von Volksaufständen. Der polnische Nationalaufstand unter Kosciusko wurde von General Suworow bei Barzels und Macziejovice 1794 blutig niedergeschlagen. 1794 warf Alexander Suworow den seit 1793 aufflackernden Pugatschow-Aufstand nieder. Suworow war bekannt für seine schreckliche Grausamkeit. Heute würde man Suworow als Kriegsverbrecher bezeichnen.
Unter General Suworow quälte sich die russische Armee vor über 200 Jahren über den Gotthard, durch die Schöllenen-Schlucht, über den Kinzig, Pragel und Panixerpass. Urner-, Glarner- und Bündnerdörfer wurden geplündert. Ein Drittel der Soldaten soll bei dem Gewaltmarsch umgekommen sein, gestorben für den Zaren und für die Aufrechterhaltung der feudalen Monarchien in Europa sowie auch für die gnädigen Herren von Bern. Suworow führte in seinem Leben über 60 Schlachten und erlitt angeblich nicht eine Niederlage, wie russische Historiker schreiben.
Es ist unheimlich, wie Russland heute noch das Andenken eines toten Feldherrn des furchtbaren Zarenregimes hochhält.
An den Antimilitaristen und Pazifisten Leo Tolstoi sollte erinnert, nicht der Kriegsverbrecher Suworow geehrt werden.
Wladimir Putin wird russische Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer aber kaum ehren, so wenig wie es Schweizer, US- oder Nato-Politiker tun.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Heinrich Frei ist Mitglied der «Gruppe für eine Schweiz ohne Armee» GSoA und setzt sich für eine nachhaltige Friedenspolitik ein.
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War Suworow ein «Putin-Versteher» ?
Sehr geehrtes Redaktionsteam,
ich meine, Sie sollten schon einen Faktencheck machen lassen, zB vom Militärhistoriker Stüssi-Lauterburg, der uns einmal eine ganz andere Sicht auf den «Befreiungs-Feldzug» von Suworow gelehrt hat, am Schlachtdenkmal am Allweg.
Der Komödiant Ursus hat mal lustige Aktionen zum Thema «Kunst aufräumen» gemacht. Das war total amüsant und geistreich. Jetzt aber kommen die Geschichts-Aufräumer, Sprach-Aufräumer, Geografie-Aufräumer. Die wollen nicht nur Denkmäler «abräumen» (die uns «mal denken» lassen möchten), sondern etwa in Bern den «Waffenweg» oder den «Schützenweg» umbenennen – den «Jägerweg» sowieso. In ihrer Ignoranz werden sie auch vor der «Dufour-Srasse» (General Guillaume Henri Dufour, 1787 – 1875) kaum halt machen. Im Unterschied zu Ursus sind solche Auf- und Abräum-PolitikerInnen jedoch weder lustig noch amüsant – geistreich schon gar nicht. Ihre Aktionen sind eher Ausdruck politischer Wohlstands-Verwahrlosung: Statt die realen, vordringlichen Probleme (Verschleisswirtschaft!) anzugehen, profilieren sie sich billig mit formalen und lingustischen Petitessen. Aktuell suchen sie nach neuen Namen, für den durchaus leckeren «Russenzopf». Gegen solchen Unfug hilft nur: abwählen, oder erst gar nicht wählen.
Was ist das nur für eine Geschichtsverdrehung? Suworow hat gegen Napoleon gekämpft, der grosse Teile Europas mit Krieg überzogen hat.
Irgendetwas scheint mit dem Geschichtsunterricht an Schweizer Schulen schief zu laufen.