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Gehörte der Migros Aare – aber nur für drei Jahre: die Transport- und Entsorgungsfirma Kilcher in Utzenstorf. © Kilcher auf youtube.com

Die Migros handelt sogar mit Abfallfirmen

Marco Diener /  Die Migros verkauft nicht nur Milch und Brot – sie handelt auch mit Firmen. Gewinn wird sie damit kaum machen.

Schwimmt die Migros im Geld? Bis vor kurzem schon. Anders ist der Eifer, mit welchem sie Firmen gekauft und innert kürzester Zeit wieder verkauft hat, nicht zu erklären. Besonders aktiv waren dabei Regionalgenossenschaften und Migros-Tochterfirmen.

Beispiel Kilcher: Das ist eine Transport- und Entsorgungsfirma im unteren Emmental. Die Migros Aare kaufte den Betrieb im Jahr 2021. Der damalige Migros-Aare-Chef Anton Gäumann sagte bei der Übernahme: «Die Anlagen und Fahrzeuge der Kilcher-Transporte (…) ergänzen und verstärken unser bestehendes Logistik-Netzwerk sehr gut.» Und der Kilcher-Chef hielt fest: «Wir gingen bewusst auf die Suche nach einem neuen Eigentümer, der eine langfristige Weiterführung des Betriebs gewährleistet.»

So «langfristig» gewährleistete die Migros Aare den Betrieb allerdings nicht. Ende letzten Jahres verkaufte die Migros Aare die Firma wieder – und zwar an die Familie Kilcher. Der neue Migros-Aare-Chef Reto Sopranetti zeigte sich überzeugt, dass der Verkauf «die Zukunft des Unternehmens nachhaltig» sichere. Wie viel die Migros mit Kauf und Verkauf verloren – oder allenfalls verdient – hat, behält sie wie üblich für sich.

Die Firma Kilcher ist kein Einzelfall. Infosperber listet weitere Fälle – ohne den geringsten Anspruch auf Vollständigkeit – auf:

  • In den höchsten Tönen lobte die Migros Zürich die «Bridge», ein mondänes Lokal für «Foodies», bei der Eröffnung im April 2021. Nun hat sie die «Bridge» schon wieder abgestossen.
  • Ende 2020 eröffnete die Migros Aare in Baden unter dem Namen Misenso ein Geschäft für Hörgeräte und Brillen. Keine vier Jahre später ging die Firma mit inzwischen 25 Filialen an die Neuroth-Gruppe.
  • Die Migros-Milchverarbeiterin Elsa mit Sitz in Estavayer FR übernahm 2019 die holländische Firma So Fine. Die Herstellerin von veganen Produkten unterstütze «die Elsa und die Migros in ihren Bestrebungen, ein kompetenter und relevanter Anbieter pflanzenbasierter Produkte zu sein», teilte die Migros seinerzeit mit. Es passte dann doch nicht so mit Elsa und So Fine. Anfang diesen Jahres gab die Migros bekannt, dass Elsa die Firma wieder verkaufe.
  • 2018 wagte sich die Migros-Kosmetiktochter Mibelle nach Südkorea. Mibelle war fortan stolze Besitzerin der koreanischen Firma Gowoonsesang. Aber nicht für lange. Ende letzten Jahres gab die Migros den Verkauf an l’Oréal bekannt.
  • Die erste Bike-World-Filiale eröffnete die Migros 2017. Ende letzten Jahres trat sie die meisten Filialen an den Berner Velohersteller Thömus ab. Insider gehen davon aus, dass Thömus dafür sogar noch Geld erhalten hat – oder zumindest einen Mietzinserlass.
  • 2015 übernahm die Migros Aare die Mehrheit am Golfplatz Limpachtal BE. Sieben Jahre später verkaufte sie ihren Anteil wieder.
  • 2011 eröffnete die Migros Zürich den Golfplatz Wädenswil. 2017 verkaufte sie ihn.
  • Einen relativ langen Atem hatte die Migros mit den Obi-Baumärkten, die sie als Lizenznehmerin betreibt. Vor 25 Jahren eröffnete sie die erste Filiale. Der Optimismus hielt noch bis vor kurzem an. Kürzlich begann die Migros mit dem Bau einer Filiale in Agno TI. Die Filiale ist noch nicht einmal fertig. Und trotzdem verkauft die Migros die Obi-Filialen – und zwar ans Obi-Mutterhaus.

Manchmal gelang es der Migros auch nicht, einen Käufer zu finden. Dann stellte sie den Betrieb wieder ein:

  • 2018 übernahm die Milchverarbeiterin Elsa das Schwyzer Milchhuus vollständig. Nun schliesst sie die Standorte in Rothenthurm SZ und Brunnen SZ.
  • Der Essenslieferdienst Food Now der Migros Aare machte es fünf Jahre – von 2019 bis 2024.
  • Obwohl die Migros eigentlich schon einen Online-Supermarkt betrieb, lancierte die Migros Aare im August 2018 mymigros.ch. Nach fünf Jahren stellte die Migros den Betrieb ein.
  • Nur zwei Monate nach mymigros.ch startete die Migros Aare unter dem Namen miacar.ch sogar noch einen dritten Online-Supermarkt. Dieser überlebte gerade mal zwei Jahre.
  • 2022 übernahm die Migros die Zahnspangenfirma Bestsmile vollständig. 2024 «beerdigte» sie die Firma.
Unbenannt
Gerade mal zwei Jahre hiess es «Ding, Dong» – dann war Schluss mit Miacar. © Migros

Wie kurzsichtig die Migros agiert, zeigte sich auch bei ihren Sportgeschäften. Lange hiessen sie SportXX. Dann benannte sie die Migros in SportX um. Im September 2023 war das letzte Geschäft umbenannt. Fünf Monate später gab die Migros bekannt, sie werde SportX verkaufen.

Kombo scharf
Die Aufbruchstimmung hielt nicht lange. Kaum war der letzte Laden umbenannt (Logo) unten, beschloss die Migros, SportX zu verkaufen.

Ruhe wird bei den Migros-Tochterfirmen auch in Zukunft kaum einkehren. Zu sehr haben sie sich verzettelt. Das zeigt zum Beispiel der Blick auf die Karten mit den Standorten der Migros-Tochter Delica (Chocolat Frey, Midor, Riseria Taverne). Die Firma ist auf drei Kontinenten tätig: in der Schweiz, in anderen europäischen Ländern und im Rest der Welt.

Auch die Kosmetik- und Körperhygiene-Tochter Mibelle ist stark international ausgerichtet. Sie ist nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Grossbritannien, Frankreich und den USA tätig. Immerhin hat sie ihre südkoreanische Tochter, wie erwähnt, aufgegeben.


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