Covid-Impfung: Offene Fragen zur Wirkung bei Senioren (2)
Im ersten Teil dieses Artikels ging es um Daten zur (nachlassenden) Schutzwirkung der Covid-19-Impfung bei betagten Senioren. Die US-Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control) müsste solche Informationen eigentlich haben, hat sie aber bisher nicht veröffentlicht. Dieser zweite Teil zeigt auf, dass auch zugängliche Studien anderer Länder bisher die entscheidende Frage nicht beantworten, wie gut die Impfungen die besonders gefährdeten 70-, 75- und über 80-Jährigen schützen.
Es gebe ein paar wenige Studien, die die Wirksamkeit der mRNA-Covid-19-Impfung bei verschiedenen Altersgruppen und Virusvarianten untersucht haben, schreibt das Bundesamt für Gesundheit auf Anfrage. «Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wirksamkeit gegen eine Infektion mit Omikron in allen Altersgruppen tiefer liegt als gegen eine Infektion mit der Deltavariante und sehr rasch nach der Impfung deutlich abnimmt. Es zeigt sich aber auch, dass sich der Schutz gegen einen schweren Krankheitsverlauf und Hospitalisation aufgrund einer Infektion mit der Omikronvariante auch bei älteren Personen nach der Auffrischimpfung wieder herstellen lässt und dass dieser auch über die Zeit nur wenig nachlässt respektive sehr gut bleibt.»
Das wüsste man gern noch genauer, zumal eine von den CDC finanzierte US-Studie jüngst festhielt: Wenn geimpfte Personen starben, dann eher ältere mit Vorerkrankungen. Doch auch diese Studie macht nur Angaben zur Altersgruppe ab 65 Jahre aufwärts, nicht aber gesondert zu den besonders gefährdeten hochbetagten Senioren. Und sie ging auch nicht der Frage nach, wie rasch der Impfschutz bei den Senioren nachlässt.
Solange die CDC keine genaueren Information liefern, könnten Interessierte eine landesweite Studie aus Dänemark heranziehen. Dort verglichen die Wissenschaftler, wie schnell die Impfwirkung gegenüber der Delta-Variante und der Omikron-Variante nachlässt. Die Studie wurde noch nicht von Fachleuten begutachtet.
Doch: Fehlanzeige. Angegeben wird nur die Wirkung über alle Altersgruppen hinweg.
Dasselbe bei einer Studie aus Katar. Zudem sind dort nur neun Prozent der Bevölkerung älter als 50 Jahre, weshalb sich die Resultate kaum auf die Schweiz übertragen lassen.
Eine noch nicht begutachtete Studie aus Spanien mit über 420’000 Senioren macht zwar Angaben zur Wirksamkeit gegen Omikron in den 34 Tagen nach der Booster-Impfung, liefert aber keine Informationen, wie schnell oder langsam die Wirkung bei den Senioren nachlässt. Und eine vom Impfstoffhersteller Moderna finanzierte Studie aus den USA zeigt, dass das Alter eine wichtige Rolle spielt, aber wie der Impfschutz bei Senioren im Verlauf der Zeit gegenüber Omikron und Delta abnimmt, kann auch diese Studie nicht ermitteln.
Überall: Fehlanzeige
Dann gibt es eine aktuelle britische Studie mit über einer Million infizierter Menschen. Sie vergleicht die Schutzwirkung der Impfung vor einer symptomatischen Infektion mit Delta beziehungsweise Omikron, und wie rasch sie im Zeitverlauf schwindet. Eine Aufschlüsselung nach Altersgruppen sucht man dort jedoch vergeblich. Wegen wenigen Omikron-Erkrankungsfällen sei es nicht möglich gewesen, die Schutzwirkung für verschiedene Altersgruppen anzugeben, schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – obwohl beispielsweise zehn Wochen nach der Booster-Impfung mit der Vakzine von Pfizer mehr als 41’000 Omikron-Fälle in der Studie gezählt wurden.
Also wendet man sich einer Studie aus Schweden zu. Sie gibt detailliert an, wie die Schutzwirkung nach zwei Impfdosen in verschiedenen Altersgruppen nachlässt, inklusive der über 80-Jährigen. Was zu erwarten war, wird dort bestätigt: Bei den sehr alten Senioren fällt der Impfschutz im Zeitverlauf mehrheitlich schwächer aus als bei den Jüngeren. 60 Tage nach der zweiten Impfdosis sinkt er von anfangs über 70 auf 50 Prozent – und mit jedem Monat weiter. Besser ist der Schutz der über 80-jährigen Geimpften vor schwerer Erkrankung: Von 92 auf schätzungsweise 72 Prozent nach sechs Monaten. Aber dort endet der Beobachtungszeitraum Anfang Oktober 2021, also bevor die Omikron-Virusvariante dominierte, gegen die die Impfstoffe bekanntermassen weniger ausrichten.
Eine niederländische, noch nicht begutachtete Studie zeigt, wie die Schutzwirkung gegen die Delta- und die Omikron-Variante mit jedem Monat kleiner wurde und wie sie in verschiedenen Altersgruppen ausfiel. Beides zusammen – der Verlauf in jeder Altersgruppe – wird jedoch nicht abgebildet. Eine kanadische Studie, ebenfalls noch nicht begutachtet, umfasst nur einen kurzen Zeitraum. Zum Impfschutz bei hochbetagten Personen macht sie keine Aussage und Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen waren in dieser Studie von vornherein ausgeschlossen.
Mit öffentlichen Geldern finanziert, aber die entscheidende Frage nicht berührt
Bis auf die von Moderna gesponserte Studie wurden alle diese Studien ganz oder teilweise durch die öffentliche Hand finanziert. Die für die Öffentlichkeit wichtige Frage, wie lange ein Impfschutz bei den besonders gefährdeten über 80-Jährigen in Zeiten von Omikron besteht, lässt sich jedoch mit keiner beantworten. Das liegt daran, dass die Studie nicht entsprechend angelegt war, dass zu wenig alte Menschen teilnahmen, dass der Beobachtungszeitraum nur kurz und die Infektionszahlen bei den sehr alten Studienteilnehmern klein waren, so dass schlicht keine Aussage möglich ist. Zweifel, die tieferen Hospitalisationszahlen könnten mehrheitlich aufs Konto von «Omikron» gehen und vielleicht nur zum kleinen Teil der Impfung zu verdanken sein, werden so aber nicht ausgeräumt.
Schliesslich findet man eine britische, noch nicht begutachtete Studie. Sie kommt zum Schluss, dass die Impfung die über 65-Jährigen schlechter vor einer Sars-CoV-2-Infektion mit Symptomen schützt als die 18- bis 64-Jährigen (Wirksamkeit von 62 Prozent bei Senioren respektive 52 Prozent bei der jüngeren Altersgruppe). Überraschenderweise bewahren die Impfung und der Booster die über 65-Jährigen dagegen mehrheitlich gleich gut oder sogar eher besser vor schwerer Infektion als die Jüngeren. Das widerspricht dem, was frühere Studien gefunden haben und was man erwarten würde – aber das sind die veröffentlichten (und noch nicht von externen Fachleuten begutachteten) Ergebnisse.
Zum selben Schluss – dass die Impfung Senioren eher besser vor schweren Verläufen schützt als jüngere Personen – kommt auch eine von Pfizer gesponserte Studie. Die Wissenschaftler weisen allerdings darauf hin, dass ihre Schätzung mit allerlei Unsicherheiten behaftet sei und das Resultat in Wahrheit auch daher rühren könne, dass ältere Menschen sich vorsichtiger verhielten als jüngere. Auch diese Studie gibt die Resultate nur pauschal für alle über 65-Jährigen wieder.
Die Menschen, welche der Impfung am Dringendsten bedürfen
Es zieht sich durch wie ein roter Faden – wie gut die Impfstoffe diejenigen schützen, die sie am dringendsten bräuchten, bleibt in Zeiten von Omikron vorerst offen. Und wie die Wirkung bei ihnen nachlässt, ebenfalls. Neu ist das nicht: Schon in den grossen Impfstudien spielten die Menschen, um die es vor allem geht – das mittlere Sterbealter an Covid-19 betrug in der Schweiz 85 Jahre – nur eine Nebenrolle (Infosperber berichtete). In der entsprechenden Studie von Pfizer beispielsweise waren fast 58 Prozent der Teilnehmenden 16 bis 55 Jahre alt – und weniger als fünf Prozent 75 Jahre oder älter.
Britische Schätzungen
Die britische «UK Health Security Agency» stellt ihre Befunde in ihrem «COVID-19 vaccine surveillance report» grafisch dar. Ein separater Bericht machte im Januar Angaben zu den Senioren, allerdings nur zur vermuteten Schutzwirkung vor symptomatischer Erkrankung:
Zum Vergleich hier die Grafiken zum Schutz vor symptomatischer Erkrankung über alle Altersgruppen gemittelt (linke Skala ist nun anders beziffert):
Besser fiel laut der Schätzung der vermutete Schutz gegen Hospitalisation aus, wie die folgende Grafik, wieder gemittelt über alle Altersgruppen, zeigt.
Im «COVID-19 vaccine surveillance report» vom 24. März 2022 fehlte diese Grafik. Denn in der Zwischenzeit wurden die Angaben von einer «Expertengruppe für die Wirksamkeit der Impfung» nach oben korrigiert. Dies aufgrund von britischen und internationalen Studien, wie es im Bericht heisst. Worauf sich die Expertengruppe dabei stützt, bleibt ein Rätsel: In den Literaturangaben werden praktisch nur Studien angeführt, die aus der Zeit stammen, bevor die Omikron-Variante auftauchte.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.
Wichtig sind die schweren Verläufe und die Todesfälle. Zu letzteren liefert https://ourworldindata.org/covid-deaths-by-vaccination eindrückliche Daten:
Vollständig Geimpfte haben eine deutlich tiefere Todesrate (pro 100’000 Einwohner) als Ungeimpfte. Mit Booster sind noch weniger Todesfälle zu beobachten. Mit Omikron gehen die Todesraten zurück, die erwähnten Unterschiede sind immer noch deutlich sichtbar.
Dargestellt sind die Daten aus CH, USA, Chile.
Solche -Zahlen werden auch vom BAG publiziert «Hospitalisierungen nach Impfstatus» etc.
https://www.covid19.admin.ch/de/vaccination/status#showDetail
bzw in der zip-file unter «COVID19Hosp_vaccpersons_AKL10_w.csv», etc.
Josef Hunkeler, Fribourg 21h32
am 4.05.2022 um 10:22 Uhr
Solche Zahlen werden auch vom BAG publiziert «Hospitalisierungen nach Impfstatus» etc.
https://www.covid19.admin.ch/de/vaccination/status#showDetail
bzw in der zip-file unter «COVID19Hosp_vaccpersons_AKL10_w.csv», etc.
Interessanter Artikel, insbesondere wenn man die zweite Grafik auf Tabelle umstellt, so werden die Relation der Sterberate per 100K auf die einzelnen Altersgruppen dargestellt. Was interessant ist das unter 80 Jahren keinerlei Unterschied gibt zwischen geimpft und ungeimpft. Ein statistisch relevanter Unterschied ist somit auch nur ab diesem Alter auszumachen.
Dies betrifft wohl nur das Ende der Beobachtungsperiode. Hier ist der Anteil der «80+» Leute, welche noch nicht geimpft sind sehr klein. Dies erhöht den Inzidenzwert unf «verfälscht» so wohl die statistische Aussage. Die Werte z.B. Ende Dez. 2021 zeigen doch etwas nuanciertere Resultate.
Ein Vergleich der Wirksamkeit der Coronaimpfung mit der Grippeimpfung wäre auch interessant.
Warum wird eigentlich kein solcher RNA-(Wunder-)Impfstoff gegen die Grippe hergestellt, welcher dann – analog zur Masernimpfung – zu einer lebenslänglichen sterilen Immunität führen würde, das wurde uns ja alles in einer Endlosschleife versprochen.
Wenn Covid-19 eine für alle Bevölkerungsgruppen signifikant schwere Erkrankung wäre, wie es Pocken, Diphtherie, Tetanus, eingeschränkt auch Masern oder Tuberkulose waren, könnte man eine Impfwirksamkeit ableiten. Bei Covid-19 aber sind schwere Verläufe massiv abhängig von Gewicht, Vorerkrankungen, Alter, Kreuzimmunität, Vitamin-D-Spiegel, vorzeitiger medikamentöser Intervention, ja sogar nach Kontinent deutlich unterschiedlich – die meisten Toten gibt es in reichen, medizinisch übervoll ausgestatteten westlichen Industriestaaten mit der Ausnahme skandinavischer Staaten und Japans.
Wie soll man denn bitte aus diesen manigfaltigen und für jeden Impfling unterschiedlichen Voraussetzungen eine Impfwirksamkeit berechnen? Das geht höchstens nach gewissen Kohorten. Die allermeisten Menschen auf diesem Planeten reagierten bisher auf SARS-CoV-II mit keinen oder milden Symptomen. Daran ändert auch die besonders hohe Sterblichkeit ab einem gewissen Alter statistisch gesehen nichts.
Es gibt schöne Studien zu schlechten Medikamenten und es gibt unschöne Studien zu guten Medikamenten. Es gibt hoch betitelte inkompetente Wissenschaftler und es gibt hoch kompetente Wissenschaftler ohne hohe Titel.
Entscheiden tun die hoch betitelten Wissenschaftler und angewendet werden die Medikamente mit den schönsten Studien. Man folge dem Geld, es fließt meistens nach Oben. Es ist systemimanent das Macht und Geld oft mehr Gehör bekommen als die Kompetenz. Wenn die Verantwortlichen in einem System so weiter machen, wird daß Leiden dramatisch zunehmen, inklusive Kriminalität, Sucht und Gewalt. Wie Wir beobachten können, kennt letztendlich das Leiden keine Grenze und fließt ab einem gewissen Punkt auch nach Oben.